Zentralbank

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Eine Zentralbank (auch Notenbank, Zentralnotenbank oder zentrale Notenbank) ist eine für die Geld- und Währungspolitik eines Währungsraums oder Staates zuständige Institution. Das Hauptziel der Zentralbanken ist die Preisniveau- und Geldwertstabilität. Eine Zentralbank hält die Währungsreserve eines Währungsraumes, refinanziert Geschäftsbanken und den Staat und emittiert Banknoten und bringt diese in Umlauf. Zur Erfüllung ihrer Ziele und Aufgaben steht der Zentralbank eine Reihe von Instrumentarien zur Verfügung, die die verschiedenen Zentralbanken (siehe auch: Liste der Zentralbanken) in unterschiedlichen Intensitäten einsetzen. Der Abhängigkeitsgrad der Notenbanken richtet sich nach der wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen des jeweiligen Landes. Da es nationale und supranationale Währungsräume gibt, sind Zentralbanken entsprechend auf nationaler Ebene (US-Federal Reserve System, Bank of England, Bank of Japan etc.) und auch supranational (z. B. Europäische Zentralbank) vorzufinden.

Geschichte

17. - 18. Jahrhundert

Die Geschichte der Zentralbanken beginnt im 17. Jahrhundert. Verteilt über den gesamten europäischen Kontinent existierten kleine Bankhäuser, welche ihre eigenen Münzen prägten. Die Regierungen interessierten sich zunehmend für die Einführung einheitlicher Staatswährungen, um den Handel zu fördern. Im Jahr 1609 wurde mit der Bank of Amsterdam die erste zentralbankähnliche Institution gegründet. Aufgrund von Kriegsschulden und der Zahlungsunfähigkeit der Niederländischen East India Company scheiterte diese Bank im Jahre 1819. Die Schwedische Reichsbank gilt als die älteste heute noch existiernde Zentralbank. 1656 wurde die Stockholms Banco von der schwedischen Regierung als private Einrichtung zugelassen; trotzdem unterlag sie einer starken staatlichen Lenkung.[1] Die Regierung platzierte den größten Teil ihres Vermögens in der Bank. Gleichzeitig forderte sie, dass entstehende Gewinne mit der Stadt Stockholm und dem Staat geteilt werden. Beinahe drei Jahrzehnte später (1694) wurde die Bank of England gegründet.[2] Wie die Schwedische Reichsbank wurde auch die Bank of England als Aktiengesellschaft gegründet und hatte als wichtigste Aufgabe, der Regierung Geld zu leihen. Später entstanden in Europa weitere Zentralbanken, vorrangig mit der Aufgabe, Staatsschulden zu finanzieren.[3] Die Banken fungierten zudem als Notenbanken, die Banknoten herausgaben. Diese waren Quittungen für Münzgeld, das die Notenbanken in Verwahrung nahmen. Die Quittungen wurden als Zahlungsmittel verwendet. Sie gaben ihren Inhabern das Recht, von einer dazu verpflichteten Bank jederzeit die Herausgabe der entsprechenden Menge Münzgeld zu verlangen.

Auch wenn die hauptsächliche Aufgabe der frühen Zentralbanken in der Finanzierung der Staatsschulden zu sehen war, nahmen sie als private Instanzen weitere Bankgeschäfte wahr. So verwalteten sie im Rahmen ihrer Aufgabe als Bank der Banken Konten für andere Geschäftsbanken und wickelten Transaktionen zwischen den Banken ab. Durch die damit verbundene Funktion als Aufbewahrungsort (für andere Banken), verfügten die Zentralbanken über große Bestände an Reserven, aber auch über ein gut ausgebautes Netzwerk von Banken. Diese Faktoren führten dazu, dass die Zentralbanken zur letzten Refinanzierungsstelle (lender of last resort) in finanziellen Krisensituationen wurden, d.h. sie stellten ihren Kunden in Zeiten finanzieller Nöte Bargeld bereit.[3]

19. Jahrhundert

Um die Umwandlung der von den Banken ausgegebenen Banknoten in Münzgeld bzw. Gold gewährleisten zu können, entwickelte sich das Erfordernis für die Notenbanken, die Banknoten durch Bestände zunächst an Münzen, später an Edelmetallen (Gold, Silber) abzusichern, zu decken (Deckungspflicht). Mit der Einführung der Peelschen Bankakte im Jahre 1844 wurde in England erstmals gesetzlich festgelegt, dass alle Banknoten von der Bank of England voll durch Gold gedeckt werden müssen. Dieser so genannte Goldstandard, wurde 1873 in Großbritannien eingeführt und in den meisten europäischen Ländern übernommen. Die Einführung desGoldstandards führte dazu, dass die Zentralbanken große Goldreserven zur Deckung ihrer Geldbestände hielten. Das Hauptziel, welches die Zentralbanken damit anstrebten, war die Sicherstellung der Preisstabilität.[3] Mit der Zeit überstieg die Menge an Papiergeld die Menge an Münzen und Edelmetallen deutlich (s. Geldschöpfung). Deshalb wurde 1914 die Golddeckungspflicht in vielen Ländern aufgehoben.

20. Jahrhundert bis heute

Nach dem Ersten Weltkrieg, als Arbeitslosigkeit und Preisinstabilität eine große Rolle spielten, begannen die Zentralbanken mehr Wert auf die Erhaltung des wirtschaftlichen Gleichgewichts zu legen. Dies wurde vor allem während der Wirtschaftskrise von 1929-1933 deutlich. Aufgrund der beiden Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, bestand die Hauptaufgabe der Zentralbanken in dieser Zeit in der Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Deckung der Kriegsausgaben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Einfluss des Staates auf die Zentralbanken größer. Die Ziele der Zentralbanken wurden auf die Förderung von Beschäftigung und Einkommenszuwachs erweitert. Die Notenbanken wurden damit zu einem Hauptinstrument zur Unterstützung staatlicher Ziele, was mitunter auch als Verlust deren Autonomie bezeichnet wird.[4] Einige Banken, wie die Reserve Bank of India wurden sogar verstaatlicht. Andere, wie das Federal Reserve System gelten zwar als unabhängig, müssen aber trotzdem der Regierung über die Geschäfte berichten.

Bis zum Ende der 1980er Jahre hat faktisch keine Zentralbank ein numerisches Inflationsziel zur Unterstützung der Preisstabilität vorgegeben. In den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts setzten sich jedoch immer mehr Zentralbanken ein explizites Inflationsziel. Einigen Zentralbanken wird eine solche Zielinflationsrate auch durch die jeweilige Regierung vorgeschrieben (z.B. Bank of England). Gegenwärtig gibt es keine einheitliche Handhabe der Zentralbanken hinsichtlich der numerischen Bezifferung der Preisniveaustabilität.[5]

Heute konzentrieren sich die Zentralbanken auf drei Hauptziele, die sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben: Preisstabilität, wirtschaftliches Gleichgewicht und finanzielle Stabilität. Im Moment gestaltet sich die Erreichung dieser Ziele im Hinblick auf die Finanzkrise seit 2007 recht schwierig.

Währungen

Mit der Errichtung von Zentralbanken war oft auch eine Zentralisierung des Geldwesens und die Schaffung einer einheitlichen Währung verbunden. Bis dahin hatten die einzelnen Notenbanken vielfach ihre eigenen Währungen ausgegeben. Dazu zwei Beispiele: 1907 wurde die Schweizerische Nationalbank errichtet und der Franken als neue Währung eingeführt anstelle von mehreren kantonalen Notenbanken mit eigenen regionalen Währungen. Und 1998 wurde die Errichtung der Europäischen Zentralbank und die Schaffung des Euro als neue europäische Währung vollzogen anstelle der Zentralbanken der einzelnen Länder und der Landeswährungen.

Ziele der Zentralbank

Als Hauptziel der Zentralbank gilt die Bewahrung der Geldwert- und Preisniveaustabilität. Oftmals werden in den jeweiligen Notenbankstatuten weitere gesamtwirtschaftliche Ziele der Geldpolitik, wie beispielsweise Wirtschaftswachstum, Konjunktur- oder Wechselkursstabilität, umschrieben.[6][7]

Die nachfolgende Tabelle soll die gesetzlich festgelegten Ziele einiger großer Zentralbanken beispielhaft zeigen.[8]

Europäische Zentralbank Bank of England Federal Reserve System (USA) Bank of Japan
Ziele
  • Preisstabilität
  • Unterstützung allgemeiner Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft ohne Beeinträchtigung der Preisstabilität
  • Preisstabilität (quantifiziert durch das Schatzamt)
  • Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Regierung einschließlich Wachstums- und Beschäftigungsziele(vorbehaltlich der Preisstabilität)
  • stabile Preise
  • Höchstgrad an Beschäftigung
  • moderate Langfristzinsen
  • Preistabilität und damit der Beitrag zur gesunden Entwicklung der Gesamtwirtschaft
Vorrangiges Ziel
  • Gewährleistung der Preisstabilität
  • Gewährleistung der Preisstabilität
  • keine Prioritätensetzung
  • Gewährleistung der Preisstabilität

Funktionen und Aufgaben der Zentralbank

Die rechtlichen Regelungen über das Notenbankwesen unterscheiden sich erheblich von Land zu Land. Dennoch ist es möglich, anhand der Zentralbankbilanz, vier grundsätzliche Notenbankfunktionen zu identifizieren.

Aktiva Passiva

Halten der Währungsreserve

Zu den Währungsreserven (Position (1) der Zentralbankbilanz) zählen der Bestand an Gold und die Goldforderungen, sowie die konvertiblen Devisen (umtauschbare Währungen). Die konvertiblen Devisen umfassen die Forderungen in Fremdwährungen in Form von Bargeld, Bankguthaben, Wertpapieren und Auslandskrediten abzüglich der Auslandsverbindlichkeiten in Fremdwährung (Nettoauslandsforderung). [9].

Bank der Banken

Die Zentralbank steht an der Spitze des Bankensystems eines Landes und bietet den Geschäftsbanken die Möglichkeit, sich bei ihr Zentralbankgeld zu verschaffen um den normalen Zahlungsverkehr reibungslos abzuwickeln. In diesem Fall spricht man seitens der Geschäftsbanken von Refinanzierung. Die Position (2) der Zentralbankbilanz zeigt eben diese Versorgung der Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld. Den gegenläufigen Posten zu den Refinanzierungsgeschäften auf der Aktivseite bildet auf der Passivseite die Position (6) der Zentralbankbilanz, welche die Verbindlichkeiten gegenüber den Geschäftsbanken darstellt. Dahinter verbergen sich Einlagen der Geschäftsbanken auf Girokonten der Zentralbank, die in erster Linie Mindestreserveguthaben sind und Guthaben der Geschäftsbanken aus Einlagefazilitäten, d.h. Geschäftsbanken legen ihre überschüssigen Reserven bei der Zentralbank an.[10] Die Zentralbank soll außerdem als letzte Refinanzierungsstelle (lender of last resort) in wirtschaftlichen Krisensituationen Liquidität zur Verfügung stellen, um einen Vertrauensverlust in das Kreditwesen und das Bankensystem abzuwehren. Diese Aufgabe kann allerdings ein Sinken der privaten Eigenverantwortlichkeit der Geschäftsbanken zur Folge haben. Daher erfolgt die Zurverfügungstellung von Zahlungsmitteln zur Deckung des notwendigen Bedarfs nur zu hohen Zinssätzen. Die Zentralbank soll jedoch nur als letzte Refinanzierungsstelle fungieren, wenn die Geschäftsbanken ohne eigenes Fehlverhalten in Mitleidenschaft einer Bankkrise geraten sind.[11]

Bank der öffentlichen Hand

Neben den Geschäftsbanken kommt als Kreditnehmer bei der Zentralbank weiterhin der Staat in Frage. Die Zentralbank unterstützt den öffentlichen Sektor bei der Finanzierung seiner Aufgaben durch Kreditgewährung. Dies spiegelt sich in Position (3) der Zentralbankbilanz wider. Daneben ist die Zentralbank an der Kassenhaltung des öffentlichen Sektors beteiligt und fungiert in diesem Sinne als Hausbank des Staates, d.h. der Staat führt seine Guthaben überwiegend bei der Zentralbank. Diese Einlagen werden unter der Position (7) der Zentralbankbilanz gelistet. Darüber hinaus kauft die Zentralbank im Rahmen von Offenmartkgeschäften Wertpapiere, um die Geldmenge zu steuern. Diese Wertpapierbestände werden unter der Position (4) der Zentralbankbilanz aufgeführt.[10]

Notenemission

Die Position (5) der Zentralbankbilanz ist ein besonderes Merkmal der Zentralbank und weist auf ihr Notenmonopol hin. Die Zentralbank hat die alleinige Befugnis, die Banknoten zu emittieren und in Umlauf zu bringen. Daher erhielt die "Noten"bank auch ihren Namen. Der Banknotenumlauf steht auf der Passivseite der Zentralbankbilanz und verdeutlicht, dass Banknoten Forderungen an das Zentralbanksystem darstellen.[12]

Aufgrund ihres Banknotenausgabemonopols kann die Zentralbank binnenwirtschaftlich (auf die eigene Währung bezogen) niemals illiquide werden, da sie das Zahlungsmittel selbst schaffen kann.[13] Nur in der Fremdwährung besteht das Risiko einer möglichen Insolvenz, da die Zentralbank nicht über die Herstellungsgewalt fremder Währung verfügt.

Finanzmarktaufsicht

Inwiefern eine Zentralbank die Aufgabe der Finanzmarktaufsicht wahrnimmt, hängt vom jeweiligen monäteren System ab. Grundsätzlich sind Zentralbanken für die Ausübung dieser Funktion nicht zwingend erforderlich, sodass auch selbstständige Institutionen die Finanzmarktaufsicht ausüben können.[14] Aufgrund der Finanzkrise seit 2007 wird sich die Finanzmarktaufsicht künftig restriktiver gestalten und auch institutionell verändern. Die großen Zentralbanken reorganisieren im Rahmen dessen ihre Aufgaben- und Verantwortlichkeitsbereiche.[15] Die mögliche Funktion der Finanzmarktaufsicht leitet sich im Gegensatz zu den vier erstgenannten Funktionen nicht aus der Zentralbankbilanz ab.

Instrumente der Zentralbanken

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben stehen der Zentralbank eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, mit Hilfe derer Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb und außerhalb des Währungsraums genommen werden kann. Einen Überblick über die verschiedenen Instrumente geben die Artikel zu Geldpolitik und Währungspolitik. Die monetäre Ordnungspolitik teilt sich in währungspolitische und geldpolitische Instrumente auf.

Währungspolitik

Gegenstand der Währungspolitik ist die Regelung der Beziehungen zwischen der eigenen Währung der Volkswirtschaft und den Währungen anderer Währungsgebiete.[16]

Instrumente der Währungspolitik

In einem Währungssystem mit vereinbarungsgemäß festen Wechselkursen hat die Notenbank eine Interventionspflicht. Das bedeutet, dass sie, sobald der Wechselkurs an der Devisenbörse einen bestimmten Interventionspunkt erreicht hat, eingreifen muss. Die Zentralbank tritt dabei als Nachfrager oder Anbieter von Devisen auf, um den von ihr angestrebten Kurs zu erreichen. Dieses System ist bei festen Wechselkursen zwingend vorgesehen, bei freien, manipulierbaren Wechselkursen jedoch nicht.[17]

Geldpolitik

Unter Geldpolitik wird eine Politik verstanden, die darauf gerichtet ist, durch die Steuerung des Geldangebotes (das heißt der Liquidität der Banken) sowie durch die Geld- und Kreditnachfrage das Erreichen von Zielen der allgemeinen Wirtschaftspolitik zu unterstützen.

Instrumente der Geldpolitik

Mit diesem Instrument reglementiert die Zentralbank die Kreditvergabe der Geschäftsbanken. Soweit von diesen, von der Zentralbank hereingenommene Wechsel bestimmte (von der Zentralbank festgelegte) Bedingungen (Bonitätskriterien) erfüllen, können die Geschäftsbanken diese Wechsel zum Zwecke der Refinanzierung an die Zentralbank verkaufen. Mittels dieser Rediskontierung von Wechseln erlangen die Geschäftsbanken Gutschriften auf ihrem Zentralbankkonto und somit eine Geldschöpfungs- und Kreditvergabemöglichkeit. Der Preis für diese Refinanzierungsmöglichkeit gestaltet sich nach Höhe des von der Zentralbank – je nach geldpolitischer Absicht – festgesetzten [Diskontsatz|Diskontsatzes].[18]

Hier gewährt die Zentralbank einen Lombardkredit gegen Verpfändung von Wertpapieren seitens der Kreditinstitute und gegen Zahlung eines Darlehenszinses (des Lombardsatzes).[19]

Die Mindestreservepolitik ist, im Gegensatz zu z.B. Offenmarktgeschäften, kein Refinanzierungsinstrument. Ihre Aufgabe ist das genaue Gegenteil. Mindestreserve bedeutet, dass die Geschäftsbanken ein Zwangsguthaben bei der Zentralbank anzulegen haben. Dieses ist dann zu entrichten, wenn die Geschäftsbanken Einlagen von Nichtbanken erhalten. Wenn jemand – ob nun eine private Person oder eine Firma – Geld auf die Bank bringt, um dieses Geld sparwirksam anzulegen, ist die Bank verpflichtet, einen Teil dieses Geldes bei der Zentralbank zu hinterlegen. Das bedeutet, dass die Bank nicht den vollständigen Betrag der Einlage wieder als Kredit an andere Geschäftspartner herausgeben darf. In diesem Zusammenhang ist noch der Mindestreservesatz zu nennen. Dies ist ein von der Zentralbank vorgegebener Zinssatz, welcher sich selten ändert.[20]

Offenmarktgeschäfte sind geldpolitische Instrumente der Zentralbanken und ermöglichen diesen sowohl eine expansive als auch eine restriktive Geldpolitik zu betreiben. Bei der restriktiven Geldpolitik entzieht die Zentralbank den Märkten Zentralbankgeld, indem sie Wertpapiere am offenen Markt verkauft. Die Expansive Geldpolitik ist das Gegenteil. Hierbei führt die Zentralbank durch den Kauf von Wertpapieren Zentralbankgeld an den Markt zurück. Die Offenmarktgeschäfte gehören zu den Refinanzierungsinstrumenten der Zentralbanken.[21]

Die Zinspolitik beinhaltet alle Maßnahmen der Zentralbank, mit denen das allgemeine Zinsniveau beeinflusst werden soll. Zinsen stellen für Kreditnehmer Kosten dar und über die Veränderung von Zinssätzen, die zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken berechnet werden, will die Zentralbank deshalb die Nachfrage nach Investitionskrediten der Unternehmen oder Konsumkrediten der Haushalte sowie die Kreditnachfrage des Staates beeinflussen. Erhöht die Zentralbank nun z.B. ihre Zinsen, um im konjunkturellen Hoch Preissteigerungen zu verringern, werden die Geschäftsbanken die Zinsen, die sie ihren Kunden in Rechnung stellen, ebenfalls erhöhen. Höhere Zinsen bewirken dabei eine geringere Nachfrage nach Krediten z.B. für Investitionen, da die Gewinnaussichten der Unternehmen sinken. Die Folge ist eine verringerte Geldnachfrage und das Preisniveau stabilisiert sich. Eine ähnliche Wirkung haben auch Zinserhöhungen auf die Konsumgüternachfrage der privaten Haushalte. Sinkende Zinsen haben dann die gegenteilige Wirkung.[22]

Die ständigen Fazilitäten dienen dazu, Übernachtliquidität herzustellen (Spitzenrefinanzierungsfazilität) oder diese abzuziehen (Einlagefazilität). Sie setzen Signale hinsichtlich des allgemeinen Kurses der Geldpolitik einer Zentralbank und stecken die Grenzen der Geldmarktsätze für Tagesgelder ab. Die ständigen Fazilitäten werden dezentral und von den einzelnen Zentralbanken verwaltet.[23]

Einfluss des Staates

Die Abhängigkeit einer Zentralbank wird häufig von den vielfältigen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen eines Wirtschaftssystem beeinträchtigt. Eine Zentralbank kann von den Weisungen der Regierung unabhängig sein (bspw. Deutsche Bundesbank oder amerikanische Federal Reserve System), sie kann aber auch von der Staatsregierung weisungsgebunden sein (Banca d`Italia, People`s Bank of China). Ist eine Zentralbank von Weisungen der Regierung abhängig, so ist der Staat der eigentlich Verantwortliche für die Geld- und Währungspolitik.
Hinsichtlich dem Grad der (Un-)Abhängigkeit einer Zentralbank gegenüber der Regierung ist international ein breites Gestaltungsspektrum zu beobachten. Gründe hierfür sind zum einen die unterschiedlichen Definitionen von Unabhängigkeit, zum anderen aber auch die geschichtlichen Erfahrungen der jeweiligen Länder mit ihren Zentralbanken.[6]

Zielabhängigkeit

Unter Zielabhängigkeit (goal dependence) versteht man, dass die Regierung die Ziele der Zentralbank beeinflussen kann. Ist bspw. die Preisstabilität als oberes Ziel der Zentralbank gesetzlich vorgegeben, liegt eine Zielabhängigkeit vor. Kann die Zentralbank hingegen ihre Aufgaben selbst festlegen, handelt die Zentralbank zielunabhängig.[24]

Instrumentenabhängigkeit

Unter Instrumentenabhängigkeit (instrument dependence) versteht man, in welchem Maße die Regierung die Zentralbank bei der Zielerreichung beeinflusst. Ist die Zentralbank bei der Wahl ihres geldpolitischen Instrumentariums weisungsabhängig, d.h. entscheidet die Regierung welche Instrumente bei der Erreichung der Geldwertstabilität eingesetzt werden, spricht man von Instrumentenabhängigkeit. Kann die Zentralbank ihre geldpolitischen Instrumente frei wählen, handelt sie instrumentenabhängig.[24]

Beispiel

Preisniveaustabilität ist das vorrangige Ziel der EZB. Da ihr diese Aufgabe durch Gesetz vorgeschrieben ist, befindet sich die EZB in einer Zielabhängigkeit. In Bezug auf die Realisierung dieses Ziels durch den Einsatz verschiedener gelpolitischer Instrumentarien ist sie jedoch weisungsunabhängig, d.h. sie besitzt Instrumentenunabhängigkeit.[24]

Kritik am Zentralbankkonzept

Die Kritik am Zentralbankkonzept geht vor allem auf die beiden Theoretiker Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek zurück. Beide waren Vertreter der Österreichischen Schule.

In seinem Werk Human Action vertritt Ludwig von Mises die Auffassung, dass die Entstehung von Wirtschaftzyklen durch staatliche Interventionen hervorgerufen wird. Er argumentiert, dass die zyklischen Auf- und Abschwünge der Wirtschaft, und damit auch die Entstehung von Depressionen, das Ergebnis der Senkung des Zinssatzes durch die Expansion von Krediten seitens der Banken ist.[25] Durch die damit zusätzlich zur Verfügung stehenden Darlehen würde versucht, die Konjunktur künstlich zu beleben. Allerdings sieht von Mises die Gefahr, dass dadurch Kredite in Wirtschaftszweige und Geschäfte fließen, die vor der Senkung des Zinssatzes als unrentabel erschienen. Er vertritt die Ansicht, dass die somit angekurbelte Wirtschaft früher oder später zusammenbrechen müsse. Die Krediterweiterungspolitik von Banken sei somit eine Fehlleitung der Unternehmenstätigkeit. Von Mises kommt zu dem Ergebnis, dass periodisch wiederkehrende Wirtschaftskrisen nur zu verhindern seien, wenn man auf die Ankurbelung der Wirtschaft durch die Bankpolitik verzichten würde. Vielmehr sollte der Zinsfuß durch den Marktmechanismus geregelt werden.[26]

Auch Friedrich August von Hayek sieht den Grund für die Instabilität der Wirtschaft darin, dass die Verfügbarkeit des Geldes nicht durch den Marktprozess bestimmt, sondern durch die Zentralbanken reguliert wird. Die Regulierung der Geldmenge durch eine einzelne staatliche Einrichtung sei deshalb nicht möglich, da diese Einrichtung weder über alle notwendigen Informationen zur Bestimmung der Geldmenge verfügt noch verfügen kann. Hayek fordert, die Aufgaben der Zentralbanken in private Hände zu geben und damit das so genannte Free Banking zu fordern. Damit würde der Zinssatz wie jeder andere Preis durch die Nachfrage und das Angebot nach Geld auf dem Markt bestimmt werden.[27] 1974 bekam Hayek für seine Erkenntnisse, wie sich die Eingriffe der Zentralbanken auf die Wirtschaft auswirken, den Wirtschaftsnobelpreis.

Befürworter der Österreichischen Schule sehen sich angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise in ihrer Argumentation bestätigt. Die Zentralbanken, und dabei vor allem die Federal Reserve Bank, haben das Zinsniveau in den letzten Jahren künstlich unter dem Preis für Kapital gehalten, der sich auf dem freien Markt ergeben hätte.[28] Aufgrund der Beeinflussung von Geldmenge und Krediten durch die Zentralbanken wurden unrentable Investitionen gefördert und somit eine künstliche Hochkonjunkturphase erzeugt. Die weltweite Rezession sei eine logische Folge dieser Fehlinvestitionen.[29] Zudem wird immer mehr Kritik laut, dass die Mittel, die die Zentralbanken zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise einsetzen, wiederum in die nächste Krise führen könnten. Die Zentralbanken haben in den letzten Monaten ihre Leitzinsen stark gesenkt um die Vergabe von Krediten zu fördern. Allerdings hat dies vor allem zu neuen Spekulationsgeschäften auf dem Kapitalmarkt geführt, was, wenn nicht rechtzeitig eingelenkt wird, zur nächsten Spekulationsblase führen kann.[30]

Einzelnachweise

  1. Horst Fischer: Geld und Banken. 2002, S. 73.
  2. Deane, Pringle (1995).
  3. 3,0 3,1 3,2 Michael D. Bordo: A Brief History of Central Banks. 12. Januar 2007. Abgerufen am 08. Dezember 2009.
  4. Arun Ghosh: Dilemmas of the Reserve Bank of India. In: Economic and Political Weekly, Vol. 31, No. 26. 29. Juni 1996. S. 1643. Abgerufen am 08. Dezember 2009.
  5. Michael Heine, Hansjörg Herr: Die Europäische Zentralbank. 2004, S. 58 f.
  6. 6,0 6,1 Wolfgang Gerke (Hrsg.): Handwörterbuch des Bank und Finanzwesens. 1995, S. 1466.
  7. Lothar Wildmann: Makroökonomie, Geld und Währung. 2007, S. 125.
  8. Europäische Zentralbank: Monatsbericht November 2002. Website der Deutschen Bundesbank. Abgerufen am 08. Dezember 2009.
  9. Otmar Issing: Einführung in die Geldpolitik. 5. Auflage. Vahlen Verlag, München 1993, S. 7.
  10. 10,0 10,1 Otmar Issing: Einführung in die Geldpolitik. 5. Auflage. Vahlen Verlag, München 1993, S. 8.
  11. Manfred Borchert: Geld und Kredit: Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik Verlag Oldenbourg, Wien 2001, S. 275 f.
  12. Otmar Issing: Einführung in die Geldpolitik. 5. Auflage. Vahlen Verlag, München 1993, S. 8-9.
  13. Otmar Issing: Einführung in die Geldpolitik. 5. Auflage. Vahlen Verlag, München 1993, S. 9.
  14. Ralph Anderegg: Grundzüge der Geldtheorie und Geldpolitik. 2007, S. 276.
  15. Britta Jelinek, Manfred Hannich: Wege zur effizienten Finanzfunktion in Kreditinstituten. 2009, S. 59.
  16. Kai W. Holtmann: Institutionenökonomische Fundierung effizienter Geldpolitik 1. Auflage. Verlag Gabler, 2004, S. 117.
  17. Manfred Borchert: Geld und Kredit: Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik Verlag Oldenbourg, Wien 2001, S. 264.
  18. Hermann May: Handbuch zur ökonomischen Bildung Verlag Oldenbourg, 9. Auflage, 2008, S. 381.
  19. Peters, Hans-Rudolf: Wirtschaftspolitik Verlag Oldenbourg, 3. Auflage, 2000, S. 118.
  20. Lothar Wildmann: Makroökonomie, Geld und Währung. 2007, S. 145.
  21. Michael Hart: Die amerikanische Subprimekrise und die Reaktionen der Zentralbanken. Verlag: Grin Verlag, 2009, S. 20.
  22. Bundeszentrale für politische Bildung: Zinspolitik. Abgerufen am 02. Dezember 2009.
  23. Walter A. S. Koch: Grundlagen der Wirtschaftspolitik Verlag: UTB, Stuttgart, 2008, S. 195
  24. 24,0 24,1 24,2 Hans-Joachim Jarchow: Theorie und Politik des Geldes. 11. Auflage. Verlag Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2003, S. 326.
  25. Ludwig von Mises: Human Action: A Treatise on Economics. In: The Ludwig von Mises Institute, Auburn, Alabama. 1998. S. 570. Abgerufen am 08. Dezember 2009.
  26. Ludwig von Mises: Die Ursachen der Wirtschaftskrise. In: Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1931. S. 11-14. Abgerufen am 08. Dezember 2009.
  27. Friedrich August von Hayek: The Denationalization of Money: An Analysis of the Theory and Practice of Concurrent Currencies. In: Stephen Kresge: The Collected Works of F.A. Hayek, Vol. VI: Good Money, Part II, The Standard. The University of Chicago Press, Routledge, London 1999, S. 200-207.
  28. Erich Weede: Parteiisch. Unorthodox. Eine Krisenanalyse aus der Sicht der österreichischen Schule. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2009. Abgerufen am 07.12.2009.
  29. Thomas E. Woods, Jr.: No, the Free Market Did Not Cause the Financial Crisis. Abgerufen am 07.12.2009.
  30. Wolfgang Kessler: Geldschwemme außer Kontrolle. In: Badische Zeitung, 05.12.2009. Abgerufen am 07.12.2009.

Literatur

  • Majorie Deane, Robert Pringle: The Central Banks. Viking, New York 1995, 978-0670848232
  • Dieter Lindenlaub: Auf der Suche nach einem Instrumentarium zur Kontrolle der Geldschöpfung. Notenbank und Banken in Deutschland im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. In: Bankhistorisches Archiv 2/2000, Zeitschrift für Bankengeschichte, herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des Institutes für bankhistorische Forschung, Frankfurt am Main.
  • Manfred Pohl: Die Geschichte der Nationalbank für Deutschland. In: Bankhistorisches Archiv 1/1981, Zeitschrift für Bankengeschichte, herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des Institutes für bankhistorische Forschung, Frankfurt am Main.
  • Christopher J. Waller, Carl E. Walsh: Central-Bank Independence, Economic Behavior, and Optimal Term Lengths in The American Economic Review, Band 86, Nr. 5 (Dez., 1996), S. 1139-1153.

Weblinks

Wikipedia

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