Difference between revisions of "Stagflation"

From Wiwiwiki.net
Jump to navigationJump to search
(Erklärungsansätze für das Auftreten von Stagflation)
 
(54 intermediate revisions by 3 users not shown)
Line 1: Line 1:
'''Stagflation''' ist ein volkswirtschaftlicher Begriff, der sich aus den Worten [[Stagnation]] und [[Inflation]] zusammensetzt. Während Stagnation mit einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums und damit zwangsläufig einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird, ist unter Inflation der permanente Anstieg des Preisniveaus zu verstehen. Folglich ist die allgemein gültige Definition von Stagflation das Zusammenfallen von hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit.<ref name="Definition_Stagflation">Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 341</ref><ref name="Definition_Stagflation2">Vgl. FAZ vom 07. April 2008: Schwaches Wachstum - hohe Inflation - Die Rückkehr der Stagflation </ref>
+
'''Stagflation''' ist ein volkswirtschaftlicher Begriff, der sich aus den Worten [[Stagnation]] und [[Inflation]] zusammensetzt. Während Stagnation mit einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums und damit zwangsläufig einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird, ist unter Inflation der permanente Anstieg des [[Preisniveaus]] zu verstehen. Folglich ist die allgemein gültige Definition von Stagflation das Zusammenfallen von hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit.<ref name="Definition_Stagflation">Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 341</ref><ref name="Definition_Stagflation2">Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum hohe Inflation Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45</ref>
  
Das Wort Stagflation wurde erstmals von dem britischen Finanzminister [[Ian Norman Macleod]] (* 11.11.1913; † 20.07.1970) in seiner Rede vor dem [[House of Commons (Vereinigtes Königreich)]] am 17. November 1965 erwähnt. <ref name="Wortschoepfung_Macleod"> Vgl. FAZ vom 07. April 2008: Schwaches Wachstum - hohe Inflation - Die Rückkehr der Stagflation</ref>
+
Das Wort Stagflation wurde erstmals von dem britischen Finanzminister [[Ian Norman Macleod]] (* 11.11.1913; † 20.07.1970) in seiner Rede vor dem [[House of Commons (Vereinigtes Königreich)]] am 17. November 1965 erwähnt. <ref name="Wortschoepfung_Macleod"> Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum hohe Inflation Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45</ref>
  
 +
== Erklärungsansätze für das Auftreten von Stagflation ==
  
== Einordnung ==
 
  
Stagflation tauchte erstmals in den siebziger Jahren ausgelöst durch die Ölpreisschocks von 1973/74 und 1979/80 in fast allen westlichen Industriestaaten auf. Die Ölpreise stiegen in zwei Schritten um das sechsfache an. Das volkswirtschaftliche Wachstum ging zurück. Allerdings stiegen dafür auch die Inflation und die Arbeitslosigkeit stark an.<ref name="DEinordnung_Stagflation">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 f.</ref>
+
Wirtschaftswissenschaftler der heutigen Zeit haben zwei Haupterklärungen für das Auftreten von Stagflation:  
  
Vor den siebziger Jahren unterstellte die vorherrschende Keysianische Schule der Makroökonomie, dass ein gleichzeitiges Vorkommen von Inflation und Stagnation unwahrscheinlich sei. Zu dieser Zeit glaubten die Makroökonomen, Stagnation könne typischerweise mittels expansiver Geld- oder Fiskalpolitik beseitigt werden, während Inflation mit restriktiver Geld- oder Fiskalpolitik zu beseitigen sei.
 
Wenn sowohl Stagnation, als auch Inflation zur selben Zeit auftreten, stellt dies die Existenz bestehender makroökonomischer Theorien (z.B. der [[Phillips-Kurve]]) in Frage und macht das Dilemma für die standardisierten politischen Rechtsmittel, die in der Vergangenheit genutzt wurden, um die Wirtschaft zu stabilisieren, sichtbar.
 
  
== Erklärungsansätze für das Auftreten von Stagflation ==
+
#Stagflation kann vorkommen, wenn eine Volkswirtschaft von einem [[Angebotsschock]], wie beispielsweise einer [[Ölpreiserhöhung]] in einem wichtigen Ölförderstaat, getroffen wird. Dies verursacht zur gleichen Zeit einen Preisanstieg der Waren und einen Rückgang des Wirtschaftswachstums.
 +
#Ein Einsatz unpassender makroökonomischer Politik kann ein paralleles Auftreten von Inflation und Stagnation hervorrufen. Die [[Zentralbank]] könnte beispielsweise mittels [[expansiver Geldpolitik]] eine Inflation auslösen, während die Regierung durch übermäßige Regulierung des Güter- und Arbeitsmarkts eine Stagnation herbeiführt.
  
Wirtschaftswissenschaftler der heutigen Zeit haben zwei Haupterklärungen für das Auftreten von Stagflation:
 
  
 +
Die Stagflation der siebziger Jahre in fast allen westlichen Industriestaaten wird oft mit dem Auftreten beider Fälle in Verbindung gebracht. Es begann mit einem gewaltigen Anstieg des Ölpreises in den Jahren 1973/74 und setzte sich fort, als die Zentralbank von einer enormen expansiven Geldpolitik Gebrauch machte, um dadurch die resultierende [[Rezession]] zu vermeiden. Infolgedessen wurde eine [[Lohn-Preis-Spirale]] ausgelöst. <ref name="Erklärung_Stagflation">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 f.</ref>
 +
<ref name="Erklärung">Vgl. tycoo investments AG (2008), Stagflation – USA in der Krise, [http://www.tycoo-ag.ch/boersenbrief/archiv/analyse20080227.pdf], 9. April 2008 </ref>
 +
<ref name="Erklärung2">Vgl. Barsky, R./Kilian, L.: (2000): A Monetary Explanation of the Great Stagflation of the 1970s, [http://fordschool.umich.edu/rsie/workingpapers/Papers451-475/r452.pdf], 9. April 2008</ref>
  
#Stagflation kann vorkommen, wenn eine Volkswirtschaft von einem [[Angebotsschock]], wie beispielsweise einer Ölpreiserhöhung in einem wichtigen [[Ölförderstaat]], getroffen wird. Dies verursacht zur gleichen Zeit einen Preisanstieg der Waren und einen Rückgang des Wirtschaftswachstums.
+
== Auswirkungen der Stagflation ==
#Ein Einsatz unpassender makroökonomischer Politik kann ein paralleles Auftreten von Inflation und Stagnation hervorrufen. Die [[Zentralbank]] könnte beispielsweise mittels [[expansiver Geldpolitik]] eine Inflation auslösen, während die Regierung durch übermäßige Regulierung des Güter- und Arbeitsmarkts eine Stagnation herbeiführt.
 
  
 +
Wird eine Volkswirtschaft von einem Angebotsschock (wie beispielsweise den Ölpreisschocks der siebziger Jahre), bei dem sich die [[Produktionsbedingungen]] plötzlich ändern, getroffen, kann dies zu einer Stagflation führen. Steigen aufgrund dieses Schocks die Preise, der  für die Produktion benötigten Rohstoffe drastisch an, so zieht dies eine Erhöhung der Produktionskosten nach sich, welche von der Herstellern an die Verbraucher weitergegeben wird. Der daraus resultierende Preisanstieg der Produkte, der schließlich einen Anstieg der Inflation im Inland bewirkt, verringert die Nachfrage der Verbraucher und damit die produzierte [[Gütermenge]] erheblich. Langfristig kommt es zum Beschäftigungsrückgang und zum Wachstum der Arbeitslosigkeit. Die Zunahme der Inflation geht daher mit einer Abnahme des realen Wachstums der Volkswirtschaft einher.
 +
Eine steigende Inflation führt auf Dauer zur Erhöhung der Lohnforderungen der durch die [[Gewerkschaften]] vertretenen Arbeitnehmer. Dies verursacht wiederum ein Anschwellen der Produktionskosten und somit auch der Preise. Eine Lohn-Preis-Spirale wird in Gang gesetzt. <ref name="Auswirkungen1">Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.</ref><ref name="Auswirkungen2">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.</ref><ref name="Auswirkungen3">Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.</ref>
  
Die Stagflation der siebziger Jahre in fast allen westlichen Industriestaaten wird oft mit dem Auftreten beider Fälle in Verbindung gebracht. Es begann mit einem gewaltigen Anstieg des Ölpreises in den Jahren 1973/74 und setzte sich fort, als die Zentralbank von einer enormen expansiven Geldpolitik Gebrauch machte, um dadurch die resultierende Rezession zu vermeiden. Infolgedessen wurde eine [[Lohn-Preis-Spirale]] ausgelöst. <ref name="Erklärung_Stagflation">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 f.</ref>
+
Der Staat kann versuchen, die negative Auswirkung auf die Beschäftigung mittels expansiver Geld- oder Fiskalpolitik (z.B. Zins- oder Steuersenkungen) abzuschwächen. Mit Hilfe des Einsatzes solcher Instrumente ist eine Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, aufgrund eines ansteigenden verfügbaren Einkommens der Verbraucher, möglich. Infolgedessen erhöht sich die Beschäftigung und die Volkswirtschaft kehrt zur ursprünglichen Wachstumsrate zurück. Allerdings verbessert sich mit abnehmender Arbeitslosigkeit auch die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer, die nun erneut höhere Löhne fordern. Wieder wird eine Lohn-Preis-Spirale, die einen permanenten Anstieg der Inflationsrate verursacht, in Gang gesetzt. <ref name="Auswirkungen4">Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.</ref><ref name="Auswirkungen5">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.</ref><ref name="Auswirkungen6">Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.</ref>
<ref name="Erklärung">Vgl. [http://www.tycoo- ag.ch/boersenbrief/archiv/analyse20080227.php tycoo investments AG, Börsenbrief vom 27. Februar 2008] (Abgerufen: 9. April 2008, 18:20 MEZ)</ref>
 
<ref name="Erklärung2">Vgl. [http://fordschool.umich.edu/rsie/workingpapers/Papers451-475/r452.pdf Barsky, R./Kilian, L.: A Monetary Explanation of the Great Stagflation of the 1970s] (Abgerufen: 9. April 2008, 18:40 MEZ)</ref>
 
  
== Auswirkungen der Stagflation ==
+
Um jedoch die Verschärfung der Inflation zu verhindern, ist ein Einsatz restriktiver Geld- oder Fiskalpolitik nötig. Auf die dadurch abnehmende [[gesamtwirtschaftliche Nachfrage]] reagieren die Produzenten mit Preissenkungen. Daraufhin kann die restriktive Nachfragepolitik langsam gelockert werden, so dass die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum allmählich wieder ansteigen. Die Inflationsrate wurde damit zunächst erfolgreich gesenkt. <ref name="Auswirkungen7">Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.</ref><ref name="Auswirkungen8">Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.</ref><ref name="Auswirkungen9">Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.</ref>
  
== Anwendung ==
+
Die Stagflation stellt die Volkswirtschaft demzufolge vor das unverkennbare Dilemma sich beim Einsatz nachfragepolitischer Instrumente entweder für eine Bekämpfung der Inflation mittels restriktiver Geld- oder Fiskalpolitik oder für eine Minderung der Arbeitslosigkeit mittels expansiver Geld- oder Fiskalpolitik zu entscheiden. <ref name="Auswirkungen10"> Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45</ref>.<ref name="Auswirkungen11">Vgl. Felderer, B./Homburg, S.: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 2003, S. 242 ff. </ref>
  
 
== Einzelnachweise ==
 
== Einzelnachweise ==
Line 38: Line 38:
 
* Dornbusch, Rüdiger/Fischer, Stanley/Starz, Richard: Makrökonomik, 8. Auflage, München 2003
 
* Dornbusch, Rüdiger/Fischer, Stanley/Starz, Richard: Makrökonomik, 8. Auflage, München 2003
 
* Felderer, Berhard/Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 8. Auflage, Berlin/Heidelberg/New York 2003
 
* Felderer, Berhard/Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 8. Auflage, Berlin/Heidelberg/New York 2003
* Olsen, Mancur: Aufstieg und Untergang von Nationen - Ökonomisches Wachstum, Stagflation und soziale Starrheit, 2. Auflage, Tübingen 1991
+
* Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45
* Rittenbruch, Klaus: Makroökonomie, 11.  Auflage, München 2000
 
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==
 +
 +
* [http://www.tycoo-ag.ch/boersenbrief/archiv/analyse20080227.pdf  tycoo investments AG: Stagflation – USA in der Krise]
 +
* [http://fordschool.umich.edu/rsie/workingpapers/Papers451-475/r452.pdf Barsky, R./Kilian, L.: A Monetary Explanation of the Great Stagflation of the 1970s]
 +
 +
== Wikipedia ==
 +
* Seite „Stagflation“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 21. November 2017, 09:25 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stagflation&oldid=171218977 (Abgerufen: 22. Oktober 2019, 21:04 UTC)
 +
* Wikipedia contributors, "Stagflation," Wikipedia, The Free Encyclopedia, https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Stagflation&oldid=920189173 (accessed October 22, 2019).
 +
[[Kategorie:E31 – Preisniveau; Inflation; Deflation]]
 +
[[Kategorie:BCA]]

Latest revision as of 23:06, 22 October 2019

Stagflation ist ein volkswirtschaftlicher Begriff, der sich aus den Worten Stagnation und Inflation zusammensetzt. Während Stagnation mit einem Rückgang des wirtschaftlichen Wachstums und damit zwangsläufig einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht wird, ist unter Inflation der permanente Anstieg des Preisniveaus zu verstehen. Folglich ist die allgemein gültige Definition von Stagflation das Zusammenfallen von hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit.[1][2]

Das Wort Stagflation wurde erstmals von dem britischen Finanzminister Ian Norman Macleod (* 11.11.1913; † 20.07.1970) in seiner Rede vor dem House of Commons (Vereinigtes Königreich) am 17. November 1965 erwähnt. [3]

Erklärungsansätze für das Auftreten von Stagflation

Wirtschaftswissenschaftler der heutigen Zeit haben zwei Haupterklärungen für das Auftreten von Stagflation:


  1. Stagflation kann vorkommen, wenn eine Volkswirtschaft von einem Angebotsschock, wie beispielsweise einer Ölpreiserhöhung in einem wichtigen Ölförderstaat, getroffen wird. Dies verursacht zur gleichen Zeit einen Preisanstieg der Waren und einen Rückgang des Wirtschaftswachstums.
  2. Ein Einsatz unpassender makroökonomischer Politik kann ein paralleles Auftreten von Inflation und Stagnation hervorrufen. Die Zentralbank könnte beispielsweise mittels expansiver Geldpolitik eine Inflation auslösen, während die Regierung durch übermäßige Regulierung des Güter- und Arbeitsmarkts eine Stagnation herbeiführt.


Die Stagflation der siebziger Jahre in fast allen westlichen Industriestaaten wird oft mit dem Auftreten beider Fälle in Verbindung gebracht. Es begann mit einem gewaltigen Anstieg des Ölpreises in den Jahren 1973/74 und setzte sich fort, als die Zentralbank von einer enormen expansiven Geldpolitik Gebrauch machte, um dadurch die resultierende Rezession zu vermeiden. Infolgedessen wurde eine Lohn-Preis-Spirale ausgelöst. [4] [5] [6]

Auswirkungen der Stagflation

Wird eine Volkswirtschaft von einem Angebotsschock (wie beispielsweise den Ölpreisschocks der siebziger Jahre), bei dem sich die Produktionsbedingungen plötzlich ändern, getroffen, kann dies zu einer Stagflation führen. Steigen aufgrund dieses Schocks die Preise, der für die Produktion benötigten Rohstoffe drastisch an, so zieht dies eine Erhöhung der Produktionskosten nach sich, welche von der Herstellern an die Verbraucher weitergegeben wird. Der daraus resultierende Preisanstieg der Produkte, der schließlich einen Anstieg der Inflation im Inland bewirkt, verringert die Nachfrage der Verbraucher und damit die produzierte Gütermenge erheblich. Langfristig kommt es zum Beschäftigungsrückgang und zum Wachstum der Arbeitslosigkeit. Die Zunahme der Inflation geht daher mit einer Abnahme des realen Wachstums der Volkswirtschaft einher. Eine steigende Inflation führt auf Dauer zur Erhöhung der Lohnforderungen der durch die Gewerkschaften vertretenen Arbeitnehmer. Dies verursacht wiederum ein Anschwellen der Produktionskosten und somit auch der Preise. Eine Lohn-Preis-Spirale wird in Gang gesetzt. [7][8][9]

Der Staat kann versuchen, die negative Auswirkung auf die Beschäftigung mittels expansiver Geld- oder Fiskalpolitik (z.B. Zins- oder Steuersenkungen) abzuschwächen. Mit Hilfe des Einsatzes solcher Instrumente ist eine Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, aufgrund eines ansteigenden verfügbaren Einkommens der Verbraucher, möglich. Infolgedessen erhöht sich die Beschäftigung und die Volkswirtschaft kehrt zur ursprünglichen Wachstumsrate zurück. Allerdings verbessert sich mit abnehmender Arbeitslosigkeit auch die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer, die nun erneut höhere Löhne fordern. Wieder wird eine Lohn-Preis-Spirale, die einen permanenten Anstieg der Inflationsrate verursacht, in Gang gesetzt. [10][11][12]

Um jedoch die Verschärfung der Inflation zu verhindern, ist ein Einsatz restriktiver Geld- oder Fiskalpolitik nötig. Auf die dadurch abnehmende gesamtwirtschaftliche Nachfrage reagieren die Produzenten mit Preissenkungen. Daraufhin kann die restriktive Nachfragepolitik langsam gelockert werden, so dass die Nachfrage und damit das Wirtschaftswachstum allmählich wieder ansteigen. Die Inflationsrate wurde damit zunächst erfolgreich gesenkt. [13][14][15]

Die Stagflation stellt die Volkswirtschaft demzufolge vor das unverkennbare Dilemma sich beim Einsatz nachfragepolitischer Instrumente entweder für eine Bekämpfung der Inflation mittels restriktiver Geld- oder Fiskalpolitik oder für eine Minderung der Arbeitslosigkeit mittels expansiver Geld- oder Fiskalpolitik zu entscheiden. [16].[17]

Einzelnachweise

  1. Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 341
  2. Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45
  3. Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45
  4. Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 f.
  5. Vgl. tycoo investments AG (2008), Stagflation – USA in der Krise, [1], 9. April 2008
  6. Vgl. Barsky, R./Kilian, L.: (2000): A Monetary Explanation of the Great Stagflation of the 1970s, [2], 9. April 2008
  7. Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.
  8. Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.
  9. Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.
  10. Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.
  11. Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.
  12. Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.
  13. Vgl. Dieckheuer, G.: Makroökonomik, 2001, S. 342 ff.
  14. Vgl. Burda, M./Wyplosz, C.: Makroökonomie, 2003, S. 387 ff.
  15. Vgl. Dornbusch, R./Fischer, S./Starz, R.: Makrökonomik, 2003, S. 141 ff.
  16. Vgl. Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45
  17. Vgl. Felderer, B./Homburg, S.: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 2003, S. 242 ff.

Literatur

  • Burda, Michael C./Wyplosz Charles: Makroökonomie - Eine europäische Perspektive, 2. Auflage, München 2003
  • Dieckheuer, Gustav: Makroökonomik - Theorie und Politik, 4. Auflage, Berlin/Heidelberg/New York 2001
  • Dornbusch, Rüdiger/Fischer, Stanley/Starz, Richard: Makrökonomik, 8. Auflage, München 2003
  • Felderer, Berhard/Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 8. Auflage, Berlin/Heidelberg/New York 2003
  • Siedenbiedel, Christian (2008), Schwaches Wachstum – hohe Inflation – Die Rückkehr der Stagflation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2008 (Nr. 11): Seite 45

Weblinks

Wikipedia