Difference between revisions of "Offenbarter komparativer Vorteil"

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(Internationaler komparativer Vorteil nach Balassa)
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Revision as of 18:19, 24 March 2020

Der Begriff des offenbarten komparativen Vorteils (revealed comparative advantage = RCA) benennt eine Gruppe von empirischen Meßgrößen (Indices) für die Analyse der Spezialisierungsvorteile einer Volkswirtschaft im Außenhandel. Zur Berechnung dieser RCA-Indices wird entweder der Anteil einer Produktgruppe an den Gesamtausfuhren einer einzelnen Volkswirtschaft ins Verhältnis zum Anteil dieser Produktgruppe an den Weltausfuhren gesetzt (Balassa-Index) oder der Quotient aus dem gesamten Handelsbilanzsaldo zum gesamten Außenhandelsumsatz einer Volkswirtschaft vom Quotienten aus dem Handelsbilanzsaldo der betreffenden Produktgruppe zum Handelsumsatz dieser Volkswirtschaft mit dieser Produktgruppe abgezogen (Siebert-Index).

Bedeutung

Komparativer Vorteil ist ein zuerst von David Ricardo hergleiteter theoretisches Konzept mit dem er die Bedingungen zeigen wollte, unter denen Außenhandel auch dann für die beiden beteiligten Volkswirtschaften vom gegenseitigen Vorteil sein kann, wenn nur eines von ihnen deutliche Vorteile hinsichtlich der Produktivität bei beiden gehandelte Waren aufweist. Die beiden zentralen Bedingungen des Ricardo-Modells, Freihandel mit Waren einerseits und Immobilität des Produktionsfaktors Kapital andererseits, sind in Realität kaum in dieser Reinform anzutreffen: Einerseits existieren nach wie vor Handelsbeschränkungen durch Zölle und Mengenbeschränkungen für Handelswaren, andererseits hatte der Kapitalverkehr zwischenzeitlich ein größeres Maß angenommen, als Ricardo annahm. Vor diesem Hintergrund misst offenbarter komparativer Vorteil als Meßgröße (RCA-Index) lediglich das tatsächlich zu beobachtende Maß der Spezialisierung einer Volkswirtschaft, das durch Handelsbeschränkungen einerseits und ein hohes Maß der Kapitalmobilität andererseits von Ricardos theoretisch abgeleiteten Begriff deutlich abweicht.

Nationaler Index des offenbarten komparativen Vorteils (RCA-Index nach Siebert)

Es gibt zum einen die Möglichkeit, den offenbarten komparativen Vorteil eines Produktes oder einer Produktgruppe ausschließlich anhand von Daten der nationalen Handelsbilanz zu berechnen. Bei dieser Berechnungsmethode wird der Quotient aus dem gesamten Handelsbilanzsaldo zum gesamten Außenhandelsumsatz einer Volkswirtschaft vom Quotienten aus dem Handelsbilanzsaldo der betreffenden Produktgruppe zum Handelsumsatz dieser Volkswirtschaft mit dieser Produktgruppe abgezogen. Anschließend erfolgt noch eine Gewichtung dieser Differenz mit der Abweichung von einem insgesamt ausgeglichenen Handelsbilanzsaldo.

Warengruppe

Der Begriff der Warengruppe wird hier synonym verwendet mit dem Begriff des Kapitels im vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden herausgegeben Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik[1] sowie dem zweistelligen Produktcode des Harmonisierten Systems der Außenhandelsstatistik[2] (HS2). Darunter gibt es weiter ausdifferenzierte vierstellige Produktgruppen

Warengruppen-Außenhandels-Koeffizienten Gi

Der Warengruppen-Außenhandels-Koeffizienten Gi wird ermittelt, indem der Außenhandelssaldo einer Warengruppe oder Ware (Ausfuhren dieser Ware i in den Rest der Welt – Einfuhren dieser Ware i aus dem Rest der Welt) für jede einzelne Warengruppe i eines Landes ins Verhältnis zum Außenhandelsumsatz der betreffenden Volkswirtschaft mit dieser Warengruppe (Ausfuhren i + Einfuhren i) gesetzt wird:

  • Gi = (Exporte i – Importe i) / (Exporte i + Importe i)

Dieser gibt Koeffizient gibt bereits Information darüber, ob der Handelsbilanzsaldo dieser Ware oder Warengruppe positiv (Handelsbilanzüberschuss) oder negativ (Handelsbilanzdefizit) ist, außerdem wie groß im Verhältnis zum Außenhandelsumsatz der Warengruppe i ist, und schließlich darüber, wo offenbarte komparative Vorteile dieses Landes zu finden sind - und wo nicht.

Nationaler Außenhandels-Koeffizienten A

Der nationale Außenhandels-Koeffizent A wird als Quotient vom gesamten Außenhandelssaldo zum gesamten Außenhandelsumsatz einer Volkswirtschaft:

  • A = (Alle Exporte – Alle Importe) / (Alle Exporte + Alle Importe)

A wird in Regel kleiner als 1 sein, da kaum eine Volkswirtschaft vorstellbar ist, die nur exportiert.

Differenz von Gi und A

Die Differenz des Außenhandelskoeffizienten A zum Warengruppen-Koeffizienten Gi, enthält eine Information darüber, ob der RCA-Koeffizient der jeweiligen Gütergruppe i unter oder über dem Durchschnitt des gesamten Güterhandels der untersuchten Volkswirtschaft liegt.

Gewichtung von (Gi – A)

Schließlich gewichten Sie die Differenz (Gi – A) mit dem Quotien aus 100 / (1 - A) und erhalten so den nationalen Index des offenbarten komparativen Vorteils für die Warengruppe oder Ware i:

  • RCAi = (Gi – A)•[100/(1 – A)]

Ein komparativer Spezialisierungsvorteil liegt dann vor, wenn der RCA positiv, d.h. wenn A tatsächlich kleiner als 1 ist und der Warengruppen-Koeffizient größer als als der Außenhandelskoeffizient.

Bei negativen Werten liegen Spezialisierungsnachteile vor.

Auswertung

Ist die Handelsbilanz ihres Untersuchungslandes ausgeglichen, so wird der Koeffizient A den Wert 0 annehmen und Sie gewichten die Differenz zwischen Gi und A dann mit dem Faktor 100. Liegt ein Handelsbilanzüberschuss vor, ist der Koeffizient A somit größer als 0, dann werden die RCA-Werte der Gütergruppen auch entsprechend höher gewichtet und umgekehrt im Falle eines allgemeinen Handelsbilanzdefizits.

Internationaler offenbarter komparativer Vorteil (RCA-Index nach Balassa)

TBD

Quellennachweise

ITC International Trade Centre UNCTAD/WTO. „Trade competitivenss map: Benchmarking national and sectoral trade performance.“ Unpublished manuscript, last modified März 16, 2020. https://tradecompetitivenessmap.intracen.org/TPIC.aspx. Trade Performance HS.

Einzelnachweise