Lucas-Kritik

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Lucas-Kritik

Die Lucas-Kritik, benannt nach dem Wirtschaftsnobelpreisträger Robert E. Lucas, erstmalig erwähnt in seiner Arbeit aus dem Jahr 1976, welche die bis dahin bekannten makroökonomischen Modelle insbesondere die kurzfristige Stabilitätspolitik und damit das keynesianische Theoriegebäude völlig auf den Kopf stellte.

Lucas kritisierte (von daher die Bezeichnung) das Fehler begangen werden, wenn makroökonomische Modelle angewendet werden, welche Erfahrungen aus der Vergangenheit in Bezug auf wirtschaftspolitischen Maßnahmen abbilden, obwohl diese das Reaktions- und Lernverhalten der einzelnen Personen außer acht lassen.

Definition

„Da die Struktur eines ökonometrischen Modells optimale Entscheidungsregeln der Wirtschaftssubjekte umfasst und da optimale Entscheidungsregeln sich systematisch mit den für die Wirtschaftspolitik relevanten Zeitreihendaten ändern, wird jede Änderung der Wirtschaftspolitik die Struktur des ökonometrischen Modells ändern“.[1]

Alternative Definitionen

  • „Beziehungen zwischen wirtschaftlichen Variablen können sich ändern, wenn sich die Wirtschaftspolitik ändert. Ein Beispiel ist der trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Daraus folgend ergibt sich, dass die Prognose der wirtschaftlichen Folgen einer Politikmaßnahme nicht auf Basis von Zusammenhängen durchgeführt werden kann, die in der Vergangenheit beobachtet worden sind“.[2]
  • „Ökonometrisch geschätzte Beziehungen zwischen Variablen sind nicht notwendigerweise fundamentale Verhaltensbeziehungen, sondern das gemeinsame Ergebnis aus dem Verhalten der Wirtschaftssubjekte und der geltenden Wirtschaftspolitik. Diese Beziehungen verändern sich daher bei Veränderung der Wirtschaftspolitik. Die geschätzten Beziehungen sind daher ungeeignet, die Wirkungen geänderter Wirtschaftspolitik vorherzusagen“.[3]
  • „Die Transakteure lassen sich nur einmal von der Politik täuschen – danach haben sie hinzugelernt“.[4]

Einordnung

Um einen tieferen Einblick in die Lucassche Forschung und deren Ergebnisse zu bekommen, sollte man sich in die siebziger Jahre zurückversetzen. Damals war das Vertrauen in die Theorien von Keynes bei vielen Ökonomen fest verwurzelt.

Die zur damaligen Zeit bestehenden Modelle sagten unter anderem aus: Eine Steuerung der konjukturellen Entwicklung kann nur gelingen, wenn Kenntnis über die Auswirkungen von stabilitätspolitischen Maßnahmen besteht. Dabei wird anhand von Simulationen versucht, eine Volkswirtschaft mit ihren wesentlichen Struktur- und Reaktionsmustern abzubilden, um dann zu errechnen, wie sich der Einsatz wirtschaftspolitischer Instrumente auswirkt. Jede solche Situation muss von in der Vergangenheit vorhandenen Reaktionsmustern ausgehen, die dann auch für die Zeit nach der Stabilisierungsmaßnahme als gültig angesehen werden.[5]

Genau hier setzt Lucas an, er sagt, dass rational handelnde Transakteure ihre Entscheidungen an jede Politikmaßnahme anpassen, somit entstehen völlig andere Reaktionsmuster nach dem stabilitätspolitischen Eingriff. Diese Aussage von Lucas beruht wiederum auf der "Hypothese der rationalen Erwartungen", welche besagt das jeder Mensch bestimmte Erwartungen über die Zukunft hegt, welche sich wiederum mit den Erfahrungen der handelnden Menschen ändert. Diese Hypothese hat in seinem Gedankengebäude eine grundsätzliche Bedeutung.[6]

Beispiel

Betrachten wir nun einmal die Phillips-Kurve, welche den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation herstellt. Sie sagt aus, dass in Zeiten höherer Inflation die Arbeitslosigkeit sinkt und umgekehrt. Laut Lucas gilt dieser Zusammenhang nicht mehr. Sorgt beispielsweise der Finanzminister für eine höhere Inflation, um die Nachfrage zu steigern, so wird die Wirkung verpuffen. Da rational handelnde Bürger wissen, dass sie in Wirklichkeit gar nicht mehr Geld in der Tasche haben. Es steigt somit nur das Preisniveau und nicht etwa die reale Nachfrage und die Beschäftigung.[7]

Fazit

Schlussendlich lässt sich daraus ableiten, dass bei Änderung der Wirtschaftspolitik die ökonomischen Modelle nicht mehr greifen, da die Erwartungen der Wirtschaftssubjekte von der Änderung der Wirtschaftspolitik stark beeinflusst werden.

Auswirkungen

Bezogen auf die Gegenwart lässt sich sagen, dass Lucas` Arbeiten einen enormen Einfluß auf die Geld- und Fiskalpolitik hat. Die meisten Zentralbanken verzichten auf eine aktive Beschäftigungspolitik,sondern stellen die Sicherung der Preisstabilität als oberstes Ziel in den Vordergrund.[8]

Einzelnachweise

  1. Vgl. Lucas, Robert E.(1976):"Econometric Policy Evaluation: A Critique.",Carnegie-Rochester Conference Series on Public Policy, Band 1, S.41.
  2. Vgl. Blanchard,O.; Illing, G.; Makroökonomie, 4. Auflage 2006; S. 837
  3. Vgl. http://www2.wiwi.hu-berlin.de/institute/wpol/html/kowa/pdf/teil02.pdf; S. 3
  4. Vgl. Prof. Volbert, Alexander; WISU-Magazin, 11/95; S. 891
  5. Vgl. Prof. Volbert, Alexander; WISU-Magazin, 11/95; S. 892
  6. Vgl. http://images.zeit.de/text/1995/42/Die_Ohnmacht_der_Politiker
  7. Vgl. http://images.zeit.de/text/1995/42/Die_Ohnmacht_der_Politiker
  8. Vgl. Prof. Volbert, Alexander; WISU-Magazin, 11/95; S. 892

Literaturverzeichnis

  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard; Makroökonomie, 4.Auflage 2006, Pearson Studium, München
  • Lucas,Robert E. (1976): "Econometric Policy Evaluation: A Critique.", Carnegie-Rochester Conference Series on Public Policy, Band 1, S. 19-46. Digital verfügbar unter doi:10.1016/S0167-2231(76)80003-6 (http://dx.doi.org/10.1016/S0167-2231(76)80003-6)
  • Prof. Volbert, Alexander; Titel: Robert Lucas: Der aktiven Konjunktursteuerung den Todesstoß versetzt; WISU-Magazin, 11. Ausgabe 1995, Frankfurt a. M.

Weblinks