Difference between revisions of "Komparativer Vorteil"

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        '''Komparativer Vorteil'''
 
        '''Komparativer Vorteil'''
  
                                    ''' ''Warum Außenhandel betreiben?'''''
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Länder handeln miteinander, um die Kostenvorteile (Opportunitätskosten) der Spezialisierung zu nutzen.
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Wenn jedes Land ein Gut produziert, bei dem es einen komparativen Vorteil hat und dann mit einem anderen Land Handel betreibt, welches einen komparativen Vorteil bei einem anderen Gut hat, wobei diese beiden Güter untereinander gehandelt werden, profitieren beide Länder voneinander.
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Länder handeln miteinander, um die Kostenvorteile der Spezialisierung und der Massenproduktion zu nutzen. Wenn jedes Land nur eine beschränkte Auswahl an Gütern produziert, dann kann es diese jeweils in größeren Mengen produzieren und somit effizienter, d.h. kostengünstiger, als wenn das Land alle Produkte selber herstellen würde.
 
Der Außenhandel mit einem andern Land  sollte für beide beteiligten Länder von Vorteil sein. Dieser Vorteil wird als komparativen Vorteil angesehen.
 
  
 
                                   '''''Prinzip des komparativen Vorteils'''''
 
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Nehmen wir an, Deutschland produziert 1 Tonne Kaffee und das die Ressourcen die zu diesem Zweck verbraucht wurden, auch 10.000 Stück Computer hergestellt hätten werden können. In diesem Fall betragen die Opportunitätskosten der 1 Tonne Kaffee 10.000 Stück Computer.  
 
Nehmen wir an, Deutschland produziert 1 Tonne Kaffee und das die Ressourcen die zu diesem Zweck verbraucht wurden, auch 10.000 Stück Computer hergestellt hätten werden können. In diesem Fall betragen die Opportunitätskosten der 1 Tonne Kaffee 10.000 Stück Computer.  
 
Hätte aber jetzt Brasilien diese 1 Tonne Kaffee produziert , wären die Opportunitätskosten dieser 1 Tonne Kaffee in Computer ausgedrückt, geringer ausgefallen, da in Brasilien die  Kaffeeproduktion wesentlich günstiger ist durch einheimische Arbeiter, geringere Energiekosten u.s.w..  
 
Hätte aber jetzt Brasilien diese 1 Tonne Kaffee produziert , wären die Opportunitätskosten dieser 1 Tonne Kaffee in Computer ausgedrückt, geringer ausgefallen, da in Brasilien die  Kaffeeproduktion wesentlich günstiger ist durch einheimische Arbeiter, geringere Energiekosten u.s.w..  
Außerdem sind brasilianische Arbeiter weniger effizienter in der Produktion von Computer als deutsche Arbeiter.
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Brasilianische Arbeiter sind weniger effizienter in der Produktion von Computer als deutsche Arbeiter.
 
Folglich werden mit der selben Menge an Ressourcen in Brasilien weniger Computer hergestellt als in Deutschland. Das Verhältnis in Brasilien beträgt daher vielleicht 1 Tonne Kaffee zu 1.000 Stück Computer.
 
Folglich werden mit der selben Menge an Ressourcen in Brasilien weniger Computer hergestellt als in Deutschland. Das Verhältnis in Brasilien beträgt daher vielleicht 1 Tonne Kaffee zu 1.000 Stück Computer.
 
Genau dieser Unterschied in den Opportunitätskosten ermöglicht für beide Seiten Vorteile, Deutschland produziert Computer mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion von Kaffee und Brasilien nur Kaffee mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion der Computer.
 
Genau dieser Unterschied in den Opportunitätskosten ermöglicht für beide Seiten Vorteile, Deutschland produziert Computer mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion von Kaffee und Brasilien nur Kaffee mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion der Computer.
  
Schlussfolgernd wird genau dieselbe Menge Kaffee produziert ( 1 Tonne ) aber es werden mehr Computer hergestellt, anstatt der 1.000  Stück in Brasilien werden jetzt 10.000 Stück in Deutschland produziert.
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Somit wird genau dieselbe Menge Kaffee produziert ( 1 Tonne ) aber es werden mehr Computer hergestellt, anstatt der 1.000  Stück in Brasilien werden jetzt 10.000 Stück in Deutschland produziert.
 
Somit ist die Weltwirtschaft gewachsen, die Wirtschaft in Deutschland ist gewachsen, das Einkommen ist gestiegen, der Lebensstandard aller Beteiligten ist gestiegen. Ein positiver Effekt ist aufgetreten.
 
Somit ist die Weltwirtschaft gewachsen, die Wirtschaft in Deutschland ist gewachsen, das Einkommen ist gestiegen, der Lebensstandard aller Beteiligten ist gestiegen. Ein positiver Effekt ist aufgetreten.
  
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Internationaler Handel führt deshalb zur Steigerung der weltweiten Produktionsmenge, weil er jedem Land ermöglicht, sich auf die Produktion desjenigen Gutes zu spezialisieren, bei dem es einen komparativen Vorteil hat.
 
Internationaler Handel führt deshalb zur Steigerung der weltweiten Produktionsmenge, weil er jedem Land ermöglicht, sich auf die Produktion desjenigen Gutes zu spezialisieren, bei dem es einen komparativen Vorteil hat.
Ein Land verfügt  bei der Herstellung eines Gutes dann über einen komparativen Vorteil, wenn die Opportunitätskosten für dessen Produktion, ausgedrückt in anderen  
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Ein Land verfügt  bei der Herstellung eines Gutes dann über einen komparativen Vorteil, wenn die Opportunitätskosten für dessen Produktion, ausgedrückt in anderen Gütern, in diesem Land niedriger sind als in einem anderen Land.
Gütern, in diesem Land niedriger sind, als in anderen Ländern
 
 
Der Handel zwischen zwei Ländern kann für beide Länder vorteilhaft sein, wenn jedes Land diejenigen Güter exportiert, bei denen es über einen komparativen Vorteil verfügt.
 
Der Handel zwischen zwei Ländern kann für beide Länder vorteilhaft sein, wenn jedes Land diejenigen Güter exportiert, bei denen es über einen komparativen Vorteil verfügt.
  
Diese Aussage bezieht sich nicht auf die Realität, es kann in einem Modell vereinfacht dargestellt werden. Diese Modell geht auf David Ricardo zurück, der den Begriff des komparativen Vorteils prägte.   
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Unter wichtigen Annahmen wird die Aussage in einem vereinfachte Modell dargestellt und in die Realität transformiert.
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Dieses Modell geht auf David Ricardo zurück, der den Begriff des komparativen Vorteils prägte.   
  
 
   
 
   
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                              '''''Wichtige Annahmen des Ricardo-Modells'''''
  
  
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-auf allen Märkten herrscht vollständiger Wettbewerb  
 
-auf allen Märkten herrscht vollständiger Wettbewerb  
  
Da diese Annahmen nur im Modell funktionieren, ist das Ricardo-Modell nicht in die Realität übertragbar.
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Quelle: Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld (2006), ''Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft'', 7. Aufl., München: Pearson und eigene Darstellung.
 
Quelle: Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld (2006), ''Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft'', 7. Aufl., München: Pearson und eigene Darstellung.

Revision as of 13:58, 8 December 2007

Komparativer Vorteil


                                   Warum Außenhandel betreiben?


Länder handeln miteinander, um die Kostenvorteile (Opportunitätskosten) der Spezialisierung zu nutzen. Wenn jedes Land ein Gut produziert, bei dem es einen komparativen Vorteil hat und dann mit einem anderen Land Handel betreibt, welches einen komparativen Vorteil bei einem anderen Gut hat, wobei diese beiden Güter untereinander gehandelt werden, profitieren beide Länder voneinander.


                                  Prinzip des komparativen Vorteils


Vereinfachte Darstellung an einem Beispiel

Ein beliebtes Getränk ist Kaffee, dieser wird z.B. in Brasilien produziert. Wenn man jetzt Kaffee in Deutschland produzieren möchte, ist dies nur mit enormen Aufwand notwendig. Der Kaffee muss in Gewächshäuser unter großem Einsatz von Energie, Kapital und anderen knappen Ressourcen gezogen werden. Diese Ressourcen hätten auch verwendet werden können, um andere Güter zu produzieren. Hier muss dann ein gewisser Verzicht auf die anderen Güter stattfinden. Um den Kaffee aber in Deutschland zu produzieren, muss die deutsche Wirtschaft andere Güter, beispielsweise Computer weniger produzieren. Diesen Verzicht bezeichnet man als Opportunitätskosten.

Die Opportunitätskosten von Kaffee ausgedrückt in Computer, bemessen sich in der Anzahl Computer, die mit den zur Produktion einer gegebenen Menge von Kaffee eingesetzten Ressourcen hätten hergestellt werden können und natürlich auch umgekehrt.

Nehmen wir an, Deutschland produziert 1 Tonne Kaffee und das die Ressourcen die zu diesem Zweck verbraucht wurden, auch 10.000 Stück Computer hergestellt hätten werden können. In diesem Fall betragen die Opportunitätskosten der 1 Tonne Kaffee 10.000 Stück Computer. Hätte aber jetzt Brasilien diese 1 Tonne Kaffee produziert , wären die Opportunitätskosten dieser 1 Tonne Kaffee in Computer ausgedrückt, geringer ausgefallen, da in Brasilien die Kaffeeproduktion wesentlich günstiger ist durch einheimische Arbeiter, geringere Energiekosten u.s.w.. Brasilianische Arbeiter sind weniger effizienter in der Produktion von Computer als deutsche Arbeiter. Folglich werden mit der selben Menge an Ressourcen in Brasilien weniger Computer hergestellt als in Deutschland. Das Verhältnis in Brasilien beträgt daher vielleicht 1 Tonne Kaffee zu 1.000 Stück Computer. Genau dieser Unterschied in den Opportunitätskosten ermöglicht für beide Seiten Vorteile, Deutschland produziert Computer mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion von Kaffee und Brasilien nur Kaffee mit den freigewordenen Ressourcen der eingestellten Produktion der Computer.

Somit wird genau dieselbe Menge Kaffee produziert ( 1 Tonne ) aber es werden mehr Computer hergestellt, anstatt der 1.000 Stück in Brasilien werden jetzt 10.000 Stück in Deutschland produziert. Somit ist die Weltwirtschaft gewachsen, die Wirtschaft in Deutschland ist gewachsen, das Einkommen ist gestiegen, der Lebensstandard aller Beteiligten ist gestiegen. Ein positiver Effekt ist aufgetreten.



                                                Fazit


Internationaler Handel führt deshalb zur Steigerung der weltweiten Produktionsmenge, weil er jedem Land ermöglicht, sich auf die Produktion desjenigen Gutes zu spezialisieren, bei dem es einen komparativen Vorteil hat. Ein Land verfügt bei der Herstellung eines Gutes dann über einen komparativen Vorteil, wenn die Opportunitätskosten für dessen Produktion, ausgedrückt in anderen Gütern, in diesem Land niedriger sind als in einem anderen Land. Der Handel zwischen zwei Ländern kann für beide Länder vorteilhaft sein, wenn jedes Land diejenigen Güter exportiert, bei denen es über einen komparativen Vorteil verfügt.


Unter wichtigen Annahmen wird die Aussage in einem vereinfachte Modell dargestellt und in die Realität transformiert. Dieses Modell geht auf David Ricardo zurück, der den Begriff des komparativen Vorteils prägte.


                             Wichtige Annahmen des Ricardo-Modells


-das Modell besteht aus zwei Ländern (Inland und Ausland) -jedes dieser Länder produziert genau zwei Güter -Arbeit ist der einzige Produktionsfaktor -die Arbeitsproduktivität ist für beide Güter unveränderlich -die Arbeit kann nicht von einem Land ins andere wandern -auf allen Märkten herrscht vollständiger Wettbewerb



Quelle: Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld (2006), Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Aufl., München: Pearson und eigene Darstellung.