Difference between revisions of "Kapitalbilanz"

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Die '''Kapitalbilanz''' ist in der [[volkswirtschaftliche Gesamtrechnung|volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung]] eine Teilbilanz der [[Zahlungsbilanz]]. Diese Bilanz enthält die Kapitalbewegungen (Kapitalbewegungsbilanz) von Inländern, d.h. Änderungen in den Beständen der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.  
Die Kapitalbilanz ist eine Teilbilanz von der [[Zahlungsbilanz]], im System der [[volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung]] (VGR).  
 
Diese Bilanz enthält die Kapitalbewegungen (Kapitalbewegungsbilanz) von Inländern, d.h. Änderungen in den Beständen der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.
 
  
= Weitere Definitionen =
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=Weitere Definition=
  
In der einschlägigen Literatur kann man, den Begriff Kapitalbilanz schon im engeren und weiteren Sinne definiert finden. Die Deutsche Bundesbank vertritt die Meinung, dass der Posten Veränderungen in den Währungsreserven der Zentralbanken in der Devisenbilanz extra erläutert werden sollte.<ref>http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_glossar_k.php</ref>  
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In der Literatur wir der Begriff der Kapitalbilanz im engeren und weiteren Sinn definiert. Die deutsche Bundesbank vertritt die Meinung, dass die Devisenbilanz getrennt von der Kapitalbilanz ausgewiesen werden sollte, da sie die Bestandsveränderungen der staatlichen Währungsreserven
Der [[Internationale Währungsfonds]] (IWF) spricht von einer systematischen Darstellung der wirtschaftlichen Transaktionen, die in einer Periode zwischen Inländern und Ausländern stattgefunden haben.<ref>http://www.imf.org/external/deu/index.htm</ref>
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beinhaltet.<ref>http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_glossar_k.php</ref>
Die Definition des IWF ist sehr allgemein gehalten, um einen einheitlichen Standart zu erreichen. Die Definitionsunterschiede setzen sich in der Aufgliederung der einzelnen Positionen in der Zahlungsbilanz fort. Als Beispiel folgt die Gliederung des Kapitalverkehrs nach Sektoren, der Systematik des IWF. Da dies sich der Sektorengliederung der VGR annähert und die Analyse der Kapitalbewegungen erleichtert. Als Sektoren sind Staat, Deutsche Bundesbank, Kreditinstitute, Unternehmen und private Haushalte zu unterscheiden.
 
[[Bild:Struktur Zahlungsbilanz.jpg|thumb|Gliederung nach Bundesbank]]
 
  
= System und Aufbau =
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=Hauptkategorien der Kapitalbilanz=
  
Kapital im Sinne der Kapitalbilanz sind alle Auslandsaktiva und -passiva von Deutschland, alle auf Geld lautenden Forderungen und Verbindlichkeiten von Inländern gegenüber Ausländern sowie sonstige Vermögenswerte mit Anlagecharakter, die Inländer im Ausland und Ausländer im Inland haben.  
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*[[Direktinvestition]]en sind grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen (Aktien, Kapitalanteile, langfristige Darlehen) von 10% und mehr des Kapitals, kurzfristige Finanzbeziehungen, reinvestierte Gewinne sowie von Eignern bereitgestellte Kreditmittel. Zusätzlich zählt der grenzüberschreitende Erwerb und Veräußerung von Immobilien ebenfalls zu den Direktinvestitionen.
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*[[Wertpapieranlagen]] sind Anlagen in langfristige Schuldverschreibungen und in Dividendenpapiere sofern sie nicht unter die Direktinvestition fallen. Ebenfalls werden Geldmarktfonds und Geldmarktpapiere einbezogen.
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*[[Finanzderivate]] fallen unter die Rubrik der verbrieften und nicht verbrieften Optionen und Finanztermingeschäfte. Seit 1999 wird diese Position getrennt von den Wertpapieranlagen ausgewiesen, weil es sich hier um Produkte handelte, welche auf nicht organisierten Märkten gehandelt werden können.
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*[[Kreditverkehr]] ist die Bezeichnung für viele unterschiedliche Finanzaktionen außerhalb der Wertpapieranlagen und Direktinvestitionen. z.B.: kurz- und langfristige Finanzbeziehungen inländischer Unternehmen.
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*[[übrige Anlagen]] z.B.: Entwicklungshilfekredite
  
Forderungen sind wirtschaftliche Rechte gegen das Vermögen ausländischer Volkswirtschaften. Verbindlichkeiten sind alle Anrechte auf Teile des Volksvermögens, die sich in der Hand von Ausländern befinden. Zu beiden zählen besonders Bankguthaben, Wertpapiere und das Eigentum an Zweigniederlassungen, Betriebsstätten, Grundstücken und Gebäuden.
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=Systematik=
  
Inländer sind alle Bürger im Deutschen Bundesgebiet, Unternehemen die ausländischen Investoren gehören und ihren Haupttätigkeitsbereich in diesen Gebiet haben. Gastarbeiter die länger als ein Jahr  in Deutschland aufhalten oder ein Gewerbe betreiben.
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Die Kapitalbilanz enthält alle Vermögenstransaktionen. Dabei unterscheiden wir zwischen Anlagen von Inländern im Ausland (Auslandsaktiva) und Anlagen von Ausländern im Inland (Auslandspassiva). Das Auslandsaktiva- und Passiva beschreiben das Kapital im Sinne der Kapitalbilanz.
  
Als Kapitalimporte werden die Zunahme der Verbindlichkeiten oder die Abnahme der Forderungen gegenüber dem Ausland gesehen. Beispiele: Import ausländischer Waren auf Ziel oder Erwerb von Bundesanleihen durch Ausländer
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Als Kapitalexporte werden Zunahmen von Forderungen gegen Ausländer sowie Abnahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern verstanden und erscheinen als negative Position in der Kapitalbilanz.
  
Die Kapitalexporte sind gekennzeichnet durch, Zunahme der Forderungen oder Abnahme der Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern. Beispiel:  Export inländischer Waren auf Ziel oder Erwerb ausländischer Anleihen durch Inländer
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Kapitalimporte sind wiederum alle Abnahmen von Forderungen gegen Ausländer und Zunahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern und stellen ein positive Position in der Kapitalbilanz dar.
  
Durch das Bruttoprinzip in der Zahlungsbilanz, werden alle Wertströme zweiseitig verbucht. Ein Verkauf von Waren z.B. steht in der Leistungsbilanz als Export und in der Kapitalbilanz als Forderung. Veränderungen in Saldo der Kapitalbilanz, können nur auftreten durch Veränderungen in der [[Leistungsbilanz]] oder [[Vermögensübertragungsbilanz]]. Es gilt folgender rechnerischer Zusammenhang:
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Für sämtliche Kapitaltransaktionen ist zu beachten, daß sie in der korrekten Unterkategorie der Kapitalbilanz aufgeführt werden. Es ist ebenfalls zwischen kurz- und langfristigen Kapitalbewegungen zu unterscheiden.
 
  Saldo der Leistungsbilanz
 
+ Saldo der Vermögensübertragungen
 
= Saldo der Kapitalbilanz (einschl. Veränderung der Währungsreserven der
 
  deutschen Bundesbank zu Transaktionswerten)
 
+ Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen
 
  
Vorzeichen sind nur bei Salden und Bestandsveränderungen gesetzt worden. In der Kapitalbilanz bedeutet ein Pluszeichen bei Bestandsveränderungen stets eine Erhöhung von Forderungen oder von Verbindlichkeiten und ein Minuszeichen bei deren Verminderung.<ref>http://www.destatis.de/jetspeed/portal/search/results.psml</ref>
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=Veranschaulichung<ref> Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998</ref>=
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'''Zahlungsbilanz'''
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* '''Leistungsbilanz'''
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** Handelsbilanz
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** Dienstleistungsbilanz
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** Übertragungsbilanz
  
Ist der Saldo der Kapitalbilanz negativ, so liegt ein Nettokapitalexport (Kapitalbilanzdefizit) vor, es ist mehr Kapital aus dem Inland in das Ausland geflossen. Dadurch sind die Forderungen gegenüber dem Ausland gestiegen. Ist der Saldo positiv, so liegt ein Nettokapitalimport (Kapitalbilanzüberschuss) vor.
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* '''Kapitalbilanz'''
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** Deutsche Nettokapitalanlagen im Ausland
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*** Direktinvestitionen
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*** Wertpapieranlagen
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*** Kredite ( und sonstige Anlagen)
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** Ausländische Nettokapitalanlagen in Deutschland
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*** Direktinvestitionen
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*** Wertpapieranlagen
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*** Kredite ( und sonstige Anlagen)
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* statistisch nicht erfasste Transaktionen
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* '''Devisenbilanz''' ( Veränderung der Währungsreserven)
  
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=Eingliederung in die Zahlungsbilanz=
  
'''Hauptkategorien der Kapitalbilanz:'''
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Die Zahlungsbilanz ist formal stets ausgeglichen, da alle Transaktionen doppelt verbucht werden.
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Käufe und Verkäufe von [[Gütern]] und [[Vermögenswerten]] werden mittels kurz- oder langfristiger Kredite „bezahlt“.<ref>Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Aufl.</ref> In der Kapitalbilanz erfolgt somit eine Gegenbuchung oder es wird eine Barzahlung über den [[Devisenmarkt]] vorgenommen.( Diese Veränderung der [[Währungsreserven]] wird in der Devisenbilanz ausgewiesen, welche nicht das Thema dieses Artikels ist)
  
- [[Direktinvestionen]] umfassen Unternehmensbeteiligungen (Aktien, andere Kapitalanteile und langfristige Darlehen) von 10% und mehr des Kapitals, reinvestierte Gewinne und Kreditmittel von Anteilseignern, sowie Erwerb und Veräußerung von Immobilien. Die Deutsche Bundesbank ermittelt und veröffentlicht Angaben jährlich. Die Direktinvestionen geben Auskunft über den Stand der Kapitalverflechtungen der deutschen Wirtschaft mit den Ausland.
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Ein negatives Vorzeichen in der Kapitalbilanz bedeutet, dass mehr Kapital von Inländern ins Ausland transferiert wurde. Dieser Sachverhalt beschreibt einen Nettokapitalexport (Kapitalbilanzdefizit), die Forderungen gegenüber Ausländer sind gestiegen.
  
- [[Wertpapieranlagen]] sind langfristige Schuldverschreibungen und Dividendenpapiere als Portfolioinvenstitionen.  
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Ist dagegen ein positives Vorzeichen in der Kapitalbilanz vorhanden, wurde Mehr Kapital von Ausländern ins Inland gezahlt. Dies beschreibt den Sachverhalt eines Nettokapitalimport (Kapitalbilanzüberschuss), die Verbindlichkeiten gegenüber Ausländer sind gestiegen.  
  
- [[Finanzderivate]] in Form von Finanztermingeschäfte, Zinsswaps, verbriefte und nicht verbriefte Optionen.
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Das nachfolgende Beispiel dient zur Verdeutlichung der bilanziellen Buchung.
  
- [[Übriger Kapitalverkehr]] enthält Bankguthaben, Finanz- und Handelskredite, sonstige Anlagen, Entwicklungshilfekredite, Beteiligungen an internationalen Organisationen.  
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==Beispiel<ref>Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: ''Makroökonomik In globaler Sicht'', Oldenburg Verlag, München Wien 1995, S. 240</ref>==
  
- Die Veränderung der Währungsreserven zu Transaktionswerten. Als Währungsreserven sind gemeint der Goldbestand, die Reserveposition bei dem IWF, sowie Auslandsforderungen der Bundesbank gegenüber Gebietsansässigen, außerhalb des Euro Währungsgebietes unabhänig von der Währung. Devisen sind kuzfristige Forderungen von Inländer an Ausländer in Form von Wechseln, Schecks und Sichteinlagen, als Sorten sind Münzen und Banknoten zu verstehen.
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*(a)- Ein deutscher Exporteur liefert für 4 mio. € Äpfel nach Bulgarien auf Basis eines 90- Tage- Kredites[ d.h. der bulgarische Importeur geht eine Schuld (Verbindlichkeit) über 4 mio. € ein]
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*(b)- Ein Deutscher erhält ein Dividendenzahlung von einer ihm gehöhrende Fabrik im Ausland in Höhe von 2 mio. €, welche er wieder zur Reinvestition für diese Fabrik nutzt.
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*(c)- Ein deutscher Importeur kauft für 15 mio. Waschmaschinen von einen amerikanischen Hersteller und bezahlt diesen Kauf mit Hilfe eines Kredites von einer amerikanischen Bank, die dieses Geschäft finanziert.
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| '''Zahlungsbilanz''' ||  align="left" | ||  ||  || '''0'''
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= Quellenangaben =
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==Literatur==
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*Dieter Brümmerhoff: ''Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung'', Oldenburg Verlag, 7. Auflage, 2002, ISBN 3-486-25948-2
 +
*Michael C. Burda, Charles Wyplosz: Eine europäische Perspektive, Vahlen, 2. Auflage
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*Olivier Blanchard: Macroeconomics, International Edition, 3. Auflage
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* Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: ''Makroökonomik In globaler Sicht'', Oldenburg Verlag, München Wien 1995, ISBN 3-486-22709-2
 +
*Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998
 +
*Vahlens großes Wirtschaftslexikon, C.H. Beck, 1993, ISBN 3-8006-1698-X
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*Gabler Wirtschaftslexikon, Gabler Verlag, 15. Auflage, 1995, ISBN 3-409-32996-X
  
= Literatur =
+
== Belege ==
 
 
Dorn, Dietmar; Fischbach, Rainer (1995), Volkswirtschaftslehre, München: Oldenburgverlag
 
 
 
Brümmerhoff, Dieter (2007), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 8.Auflage, München: Oldenburgverlag
 
 
 
= Weblinks =
 
 
<references/>
 
<references/>

Revision as of 09:47, 5 January 2009

Die Kapitalbilanz ist in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine Teilbilanz der Zahlungsbilanz. Diese Bilanz enthält die Kapitalbewegungen (Kapitalbewegungsbilanz) von Inländern, d.h. Änderungen in den Beständen der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

Weitere Definition

In der Literatur wir der Begriff der Kapitalbilanz im engeren und weiteren Sinn definiert. Die deutsche Bundesbank vertritt die Meinung, dass die Devisenbilanz getrennt von der Kapitalbilanz ausgewiesen werden sollte, da sie die Bestandsveränderungen der staatlichen Währungsreserven beinhaltet.[1]

Hauptkategorien der Kapitalbilanz

  • Direktinvestitionen sind grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen (Aktien, Kapitalanteile, langfristige Darlehen) von 10% und mehr des Kapitals, kurzfristige Finanzbeziehungen, reinvestierte Gewinne sowie von Eignern bereitgestellte Kreditmittel. Zusätzlich zählt der grenzüberschreitende Erwerb und Veräußerung von Immobilien ebenfalls zu den Direktinvestitionen.
  • Wertpapieranlagen sind Anlagen in langfristige Schuldverschreibungen und in Dividendenpapiere sofern sie nicht unter die Direktinvestition fallen. Ebenfalls werden Geldmarktfonds und Geldmarktpapiere einbezogen.
  • Finanzderivate fallen unter die Rubrik der verbrieften und nicht verbrieften Optionen und Finanztermingeschäfte. Seit 1999 wird diese Position getrennt von den Wertpapieranlagen ausgewiesen, weil es sich hier um Produkte handelte, welche auf nicht organisierten Märkten gehandelt werden können.
  • Kreditverkehr ist die Bezeichnung für viele unterschiedliche Finanzaktionen außerhalb der Wertpapieranlagen und Direktinvestitionen. z.B.: kurz- und langfristige Finanzbeziehungen inländischer Unternehmen.
  • übrige Anlagen z.B.: Entwicklungshilfekredite

Systematik

Die Kapitalbilanz enthält alle Vermögenstransaktionen. Dabei unterscheiden wir zwischen Anlagen von Inländern im Ausland (Auslandsaktiva) und Anlagen von Ausländern im Inland (Auslandspassiva). Das Auslandsaktiva- und Passiva beschreiben das Kapital im Sinne der Kapitalbilanz.

Als Kapitalexporte werden Zunahmen von Forderungen gegen Ausländer sowie Abnahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern verstanden und erscheinen als negative Position in der Kapitalbilanz.

Kapitalimporte sind wiederum alle Abnahmen von Forderungen gegen Ausländer und Zunahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern und stellen ein positive Position in der Kapitalbilanz dar.

Für sämtliche Kapitaltransaktionen ist zu beachten, daß sie in der korrekten Unterkategorie der Kapitalbilanz aufgeführt werden. Es ist ebenfalls zwischen kurz- und langfristigen Kapitalbewegungen zu unterscheiden.

Veranschaulichung[2]

Zahlungsbilanz

  • Leistungsbilanz
    • Handelsbilanz
    • Dienstleistungsbilanz
    • Übertragungsbilanz
  • Kapitalbilanz
    • Deutsche Nettokapitalanlagen im Ausland
      • Direktinvestitionen
      • Wertpapieranlagen
      • Kredite ( und sonstige Anlagen)
    • Ausländische Nettokapitalanlagen in Deutschland
      • Direktinvestitionen
      • Wertpapieranlagen
      • Kredite ( und sonstige Anlagen)
  • statistisch nicht erfasste Transaktionen
  • Devisenbilanz ( Veränderung der Währungsreserven)

Eingliederung in die Zahlungsbilanz

Die Zahlungsbilanz ist formal stets ausgeglichen, da alle Transaktionen doppelt verbucht werden. Käufe und Verkäufe von Gütern und Vermögenswerten werden mittels kurz- oder langfristiger Kredite „bezahlt“.[3] In der Kapitalbilanz erfolgt somit eine Gegenbuchung oder es wird eine Barzahlung über den Devisenmarkt vorgenommen.( Diese Veränderung der Währungsreserven wird in der Devisenbilanz ausgewiesen, welche nicht das Thema dieses Artikels ist)

Ein negatives Vorzeichen in der Kapitalbilanz bedeutet, dass mehr Kapital von Inländern ins Ausland transferiert wurde. Dieser Sachverhalt beschreibt einen Nettokapitalexport (Kapitalbilanzdefizit), die Forderungen gegenüber Ausländer sind gestiegen.

Ist dagegen ein positives Vorzeichen in der Kapitalbilanz vorhanden, wurde Mehr Kapital von Ausländern ins Inland gezahlt. Dies beschreibt den Sachverhalt eines Nettokapitalimport (Kapitalbilanzüberschuss), die Verbindlichkeiten gegenüber Ausländer sind gestiegen.

Das nachfolgende Beispiel dient zur Verdeutlichung der bilanziellen Buchung.

Beispiel[4]

  • (a)- Ein deutscher Exporteur liefert für 4 mio. € Äpfel nach Bulgarien auf Basis eines 90- Tage- Kredites[ d.h. der bulgarische Importeur geht eine Schuld (Verbindlichkeit) über 4 mio. € ein]
  • (b)- Ein Deutscher erhält ein Dividendenzahlung von einer ihm gehöhrende Fabrik im Ausland in Höhe von 2 mio. €, welche er wieder zur Reinvestition für diese Fabrik nutzt.
  • (c)- Ein deutscher Importeur kauft für 15 mio. Waschmaschinen von einen amerikanischen Hersteller und bezahlt diesen Kauf mit Hilfe eines Kredites von einer amerikanischen Bank, die dieses Geschäft finanziert.
a b c insgesamt
Leistungsbilanz - 9
Handelsbilanz
Exporte +4 +4
Importe -15 -15
Dienstleistungsbilanz
Zinsen
Dividenden +2 +2
Kapitalbilanz +9
Netto- Auslandsinvestition - 2 - 2
Netto- Kredite kurzfristig - 4 +15 +11
Netto-Kredite langfristig
Zahlungsbilanz 0

Literatur

  • Dieter Brümmerhoff: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Oldenburg Verlag, 7. Auflage, 2002, ISBN 3-486-25948-2
  • Michael C. Burda, Charles Wyplosz: Eine europäische Perspektive, Vahlen, 2. Auflage
  • Olivier Blanchard: Macroeconomics, International Edition, 3. Auflage
  • Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg Verlag, München Wien 1995, ISBN 3-486-22709-2
  • Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998
  • Vahlens großes Wirtschaftslexikon, C.H. Beck, 1993, ISBN 3-8006-1698-X
  • Gabler Wirtschaftslexikon, Gabler Verlag, 15. Auflage, 1995, ISBN 3-409-32996-X

Belege

  1. http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_glossar_k.php
  2. Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998
  3. Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Aufl.
  4. Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg Verlag, München Wien 1995, S. 240