Difference between revisions of "Internationale Wirtschaftsbeziehungen Irlands 2020"

From Wiwiwiki.net
Jump to navigationJump to search
 
Line 1: Line 1:
Die folgende Untersuchung bezieht sich auf die Entwicklung im Untersuchungsland im 21. Jahrhundert, also auf den Zeitraum seit 2001 bis heute. (noch ohne Abbildungen)
+
Die folgende Untersuchung bezieht sich auf die Entwicklung im Untersuchungsland im 21. Jahrhundert, also auf den Zeitraum seit 2001 bis heute.
  
 
== Der offenbarte komparative Vorteil  ==
 
== Der offenbarte komparative Vorteil  ==
Line 12: Line 12:
 
==== Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse ====
 
==== Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse ====
 
Die Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse bildet die aktuell umsatzstärkste Gütergruppe Irlands, so stellte sie im Jahr 2018 ca. 35,5% aller Warenexporte (OEC 2020).
 
Die Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse bildet die aktuell umsatzstärkste Gütergruppe Irlands, so stellte sie im Jahr 2018 ca. 35,5% aller Warenexporte (OEC 2020).
 
+
[[Datei:Abbildung 1.1- Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten pharmazeutischen Erzeugnisse sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse.png|thumbnail|Abbildung 1.1: Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten pharmazeutischen Erzeugnisse sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse]]
 
Für die umsatzstärkste HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ wurde hier die zweitumsatzstärkste HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“ betrachtet, da für die Umsatzstärkste von Jahr 2001 bis 2016 keine Daten vorlagen.
 
Für die umsatzstärkste HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ wurde hier die zweitumsatzstärkste HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“ betrachtet, da für die Umsatzstärkste von Jahr 2001 bis 2016 keine Daten vorlagen.
 
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 2-
 
  
 
Es fällt auf, dass sich die Gütergruppenpaare nahezu identisch entwickeln, mit Ausnahme der umsatzstärksten HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ und der zugehörigen HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“, die von 2001 bis ca. 2009 gegensätzlich verliefen. Grund dafür ist ein Einbruch der Exportzahlen an Vaccinen für Humanmedizin im Zeitraum von ca. 2002 bis 2009, in diesen Jahren wies die HS6-Gütergruppe einen stark negativen komparativen Vorteil auf. Ab 2009 stiegen die Exportzahlen stark an, die beiden Gütergruppen verlaufen ab diesem Jahr ebenfalls etwa identisch.
 
Es fällt auf, dass sich die Gütergruppenpaare nahezu identisch entwickeln, mit Ausnahme der umsatzstärksten HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ und der zugehörigen HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“, die von 2001 bis ca. 2009 gegensätzlich verliefen. Grund dafür ist ein Einbruch der Exportzahlen an Vaccinen für Humanmedizin im Zeitraum von ca. 2002 bis 2009, in diesen Jahren wies die HS6-Gütergruppe einen stark negativen komparativen Vorteil auf. Ab 2009 stiegen die Exportzahlen stark an, die beiden Gütergruppen verlaufen ab diesem Jahr ebenfalls etwa identisch.
Line 22: Line 20:
  
 
==== Gruppe der Organischen Chemie ====
 
==== Gruppe der Organischen Chemie ====
 +
[[Datei:Abbildung 1.2- Die umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS4- und auf HS6-Ebene.png|thumbnail|Abbildung 1.2: Die umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS4- und auf HS6-Ebene]]
 
In diesem Abschnitt wird die Entwicklung des zuvor berechneten komparativen Vorteils der drei umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse, sowohl auf HS4- als auch auf HS6-Ebene, analysiert. Die drei hier verwendeten umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS6 Ebene, wurden ausgewählt, da bei anderen potenziellen Gütergruppen, ein Großteil der Daten für die Berechnung fehlte.
 
In diesem Abschnitt wird die Entwicklung des zuvor berechneten komparativen Vorteils der drei umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse, sowohl auf HS4- als auch auf HS6-Ebene, analysiert. Die drei hier verwendeten umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS6 Ebene, wurden ausgewählt, da bei anderen potenziellen Gütergruppen, ein Großteil der Daten für die Berechnung fehlte.
 
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 3-
 
  
 
Bei der Betrachtung des Graphen fallen auf beiden Ebenen und für alle sechs Gütergruppen, starke Spezialisierungsvorteile auf, da sie sich alle im Bereich von 20 bis 100 Einheiten bewegen und nicht in den Negativbereich abfallen. Trotz teilweise stark abfallender Kurvenverläufe einzelner Gütergruppen in bestimmten zeitlichen Perioden, weißt die Entwicklung im Allgemeinen keine allzu großen Schwankungen auf und ist in ihrer Gesamtheit als konstant zu betrachten.  
 
Bei der Betrachtung des Graphen fallen auf beiden Ebenen und für alle sechs Gütergruppen, starke Spezialisierungsvorteile auf, da sie sich alle im Bereich von 20 bis 100 Einheiten bewegen und nicht in den Negativbereich abfallen. Trotz teilweise stark abfallender Kurvenverläufe einzelner Gütergruppen in bestimmten zeitlichen Perioden, weißt die Entwicklung im Allgemeinen keine allzu großen Schwankungen auf und ist in ihrer Gesamtheit als konstant zu betrachten.  
Line 39: Line 36:
  
 
==== Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon ====
 
==== Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon ====
 +
[[Datei:Abbildung 1.3- Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten Erzeugnisse der Kernreaktoren, etc. sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse.png|thumbnail|Abbildung 1.3: Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten Erzeugnisse der Kernreaktoren, etc. sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse]]
 
Die Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon bildet aktuell die viertgrößte umsatzstärkste Gütergruppe Irlands.
 
Die Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon bildet aktuell die viertgrößte umsatzstärkste Gütergruppe Irlands.
 
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 4-
 
  
 
Die ersten beiden betrachteten Gütergruppen auf HS4-Ebene weisen im Großen und Ganzen einen leicht sinkenden komparativen Vorteil auf, die dazugehörigen Gütergruppen auf HS6-Ebene hingegen einen leicht steigenden.
 
Die ersten beiden betrachteten Gütergruppen auf HS4-Ebene weisen im Großen und Ganzen einen leicht sinkenden komparativen Vorteil auf, die dazugehörigen Gütergruppen auf HS6-Ebene hingegen einen leicht steigenden.
Line 71: Line 67:
  
 
Mit dem Grubel-Lloyd-Index wird nun der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel der jeweiligen betrachteten Gütergruppe in Prozent berechnet. Je mehr sich der Index dem Wert 0 annähert, desto größer ist die Differenz von Ex- und Importen (desto wichtiger der interindustrielle Handel). Nimmt der Index einen Wert von 100 an, so sind Ex- und Importe identisch (desto wichtiger der intraindustrielle Handel).   Für die Berechnung des Grubel-Lloyd-Index wird folgende Formel verwendet:
 
Mit dem Grubel-Lloyd-Index wird nun der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel der jeweiligen betrachteten Gütergruppe in Prozent berechnet. Je mehr sich der Index dem Wert 0 annähert, desto größer ist die Differenz von Ex- und Importen (desto wichtiger der interindustrielle Handel). Nimmt der Index einen Wert von 100 an, so sind Ex- und Importe identisch (desto wichtiger der intraindustrielle Handel).   Für die Berechnung des Grubel-Lloyd-Index wird folgende Formel verwendet:
 
+
[[Datei:Abbildung 2- Intra-industrieller Handel gemessen am Grubel-Lloyd-Index.png|thumbnail|Abbildung 2: Intra-industrieller Handel gemessen am Grubel-Lloyd-Index]]
 
Im Zeitraum von 2001 bis 2019 ergibt sich für die untersuchten Gütergruppen folgendes Bild:  
 
Im Zeitraum von 2001 bis 2019 ergibt sich für die untersuchten Gütergruppen folgendes Bild:  
 
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 5-
 
  
 
Die Graphen der drei Gütergruppen verlaufen etwa parallel zueinander. Insgesamt ist eine stetige Abnahme des Grubel-Lloyd Index zu beobachten, mit Ausnahme eines plötzlichen starken Anstiegs und Abfalls von 2008 bis 2010 (dazu später mehr). Es fällt auf, dass der Index in allen betrachteten Warengruppen stets einen Wert von unter 50 annimmt. Der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel ist somit in allen Gruppen kleiner als der des interindustriellen Handels.
 
Die Graphen der drei Gütergruppen verlaufen etwa parallel zueinander. Insgesamt ist eine stetige Abnahme des Grubel-Lloyd Index zu beobachten, mit Ausnahme eines plötzlichen starken Anstiegs und Abfalls von 2008 bis 2010 (dazu später mehr). Es fällt auf, dass der Index in allen betrachteten Warengruppen stets einen Wert von unter 50 annimmt. Der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel ist somit in allen Gruppen kleiner als der des interindustriellen Handels.
Line 113: Line 107:
  
 
H<sub>1</sub>:  Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, ein negativer Zusammenhang.  
 
H<sub>1</sub>:  Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, ein negativer Zusammenhang.  
 
+
[[Datei:Abbildung 3- Brennstoffpreisindices sowie reale Austauschverhältnisse.png|thumbnail|Abbildung 3: Brennstoffpreisindices sowie reale Austauschverhältnisse]]
 
H<sub>0</sub>: Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, kein negativer Zusammenhang.  
 
H<sub>0</sub>: Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, kein negativer Zusammenhang.  
  
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 6-
+
Diese theoretischen Überlegungen wurden anhand oben genannter Daten und mithilfe einer Korrelationsanalyse empirisch geprüft. Die Methode wurde gewählt, da Ziel der Aufgabe, die Interpretation und Analyse der Zusammenhangsstärke der Merkmale ToT und Preisindizes, ist. Zudem sind beide Merkmale metrisch skaliert, weshalb der Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizient r als Zusammenhangsmaß gewählt wurde. Außerdem wird ein zumindest näherungsweise linearer Zusammenhang zwischen den zwei genannten Merkmalen unterstellt (Sibbertsen und Lehne 2012, S. 101-133)  
 
 
Diese theoretischen Überlegungen wurden anhand oben genannter Daten und mithilfe einer Korrelationsanalyse empirisch geprüft. Die Methode wurde gewählt, da Ziel der Aufgabe, die Interpretation und Analyse der Zusammenhangsstärke der Merkmale ToT und Preisindizes, ist. Zudem sind beide Merkmale metrisch skaliert, weshalb der Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizient r als Zusammenhangsmaß gewählt wurde. Außerdem wird ein zumindest näherungsweise linearer Zusammenhang zwischen den zwei genannten Merkmalen unterstellt (Sibbertsen und Lehne 2012, S. 101-133)
 
  
 
Im Folgenden wird die Korrelationsanalyse für alle drei Rohstoffgruppen interpretiert.
 
Im Folgenden wird die Korrelationsanalyse für alle drei Rohstoffgruppen interpretiert.
Line 140: Line 132:
 
Abschließend zeigt die Analyse noch, dass die Preisindizien für Rohstoffe, eine Auswirkung auf die ToT und somit die Wohlfahrt eines Staates haben. Die Wohlfahrt eines Landes ist ein starker Indikator für das Wohlbefinden eines Staates und rechtfertig somit die einerseits sozioökonomische und andererseits außenhandelspolitische Relevanz der ToT für eine Volkwirtschaft.
 
Abschließend zeigt die Analyse noch, dass die Preisindizien für Rohstoffe, eine Auswirkung auf die ToT und somit die Wohlfahrt eines Staates haben. Die Wohlfahrt eines Landes ist ein starker Indikator für das Wohlbefinden eines Staates und rechtfertig somit die einerseits sozioökonomische und andererseits außenhandelspolitische Relevanz der ToT für eine Volkwirtschaft.
  
== Faktorinhalt und ökologischer Fußabdruck am Beispiel Belgiens ==
+
== Faktorinhalt und ökologischer Fußabdruck am Beispiel Belgiens (als Alternative zu Irland) ==
 
Der internationale Handel zwischen den verschiedensten Ländern weltweit erlangte in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung und spielt gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Fortsetzung der Globalisierung. Doch mit den zunehmenden Im- und Exporten steigt auch die Umweltbelastung und der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft. Doch in welchem Zusammenhang steht der Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck mit den Preisindices bereinigten Im- und Exporten ausgewählter mineraler Brennstoffe am Beispielland Irland? Besteht überhaupt ein Zusammenhang und wenn ja warum? Um diese Frage beantworten zu können, müssen mit Hilfe der ITC Trade Map die jeweiligen Importe und Export Daten sowie die Daten des Kohlenstoffs-Anteils im ökologischen Fußabdruck von der Global Footprint Network Internetseite herausgesucht, in einem Diagramm dargestellt und anschließend interpretiert werden. Unterstützend kann dabei das Heckscher-Ohlin-Theorem sein.
 
Der internationale Handel zwischen den verschiedensten Ländern weltweit erlangte in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung und spielt gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Fortsetzung der Globalisierung. Doch mit den zunehmenden Im- und Exporten steigt auch die Umweltbelastung und der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft. Doch in welchem Zusammenhang steht der Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck mit den Preisindices bereinigten Im- und Exporten ausgewählter mineraler Brennstoffe am Beispielland Irland? Besteht überhaupt ein Zusammenhang und wenn ja warum? Um diese Frage beantworten zu können, müssen mit Hilfe der ITC Trade Map die jeweiligen Importe und Export Daten sowie die Daten des Kohlenstoffs-Anteils im ökologischen Fußabdruck von der Global Footprint Network Internetseite herausgesucht, in einem Diagramm dargestellt und anschließend interpretiert werden. Unterstützend kann dabei das Heckscher-Ohlin-Theorem sein.
  
Line 146: Line 138:
  
 
Eine wichtige Rolle bei der Bearbeitung der Aufgabe spielt das Heckscher-Ohlin-Theorem, auch Faktorproportionentheorie genannt. Es stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert von den schwedischen Ökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin und basiert auf den Ideen der klassischen Handelstheorien von Adam Smith und David Ricardo, welche mit dem Modell der absoluten Kostenvorteile den Grundstein der Handelstheorie legten. Auf dem Gebiet der Handelstheorien gehört das Heckscher-Ohlin-Theorem zu den bedeutendsten. Eli Heckscher und Bertil Ohlin erklären damit den Internationalen Handel sowie die Richtungen der Handelsströme. Wichtig dabei ist die unterschiedliche Ausstattung von Produktionsfaktoren und Ressourcen, wodurch der Begriff Faktorproportionentheorie zustande kommt. Das Theorem besagt, dass die Länder besonders diejenigen Güter exportieren, bei denen die notwendigen Faktoren für die Produktion im Vergleich zu anderen Faktoren relativ reichlich vorhanden sind. Hierbei wird nicht nur die Exportstruktur der Länder erklärt, das Theorem liefert zudem auch ein kräftiges Argument für den Freihandel. (Finanz und Wirtschaft (Peter Rohner)).
 
Eine wichtige Rolle bei der Bearbeitung der Aufgabe spielt das Heckscher-Ohlin-Theorem, auch Faktorproportionentheorie genannt. Es stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert von den schwedischen Ökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin und basiert auf den Ideen der klassischen Handelstheorien von Adam Smith und David Ricardo, welche mit dem Modell der absoluten Kostenvorteile den Grundstein der Handelstheorie legten. Auf dem Gebiet der Handelstheorien gehört das Heckscher-Ohlin-Theorem zu den bedeutendsten. Eli Heckscher und Bertil Ohlin erklären damit den Internationalen Handel sowie die Richtungen der Handelsströme. Wichtig dabei ist die unterschiedliche Ausstattung von Produktionsfaktoren und Ressourcen, wodurch der Begriff Faktorproportionentheorie zustande kommt. Das Theorem besagt, dass die Länder besonders diejenigen Güter exportieren, bei denen die notwendigen Faktoren für die Produktion im Vergleich zu anderen Faktoren relativ reichlich vorhanden sind. Hierbei wird nicht nur die Exportstruktur der Länder erklärt, das Theorem liefert zudem auch ein kräftiges Argument für den Freihandel. (Finanz und Wirtschaft (Peter Rohner)).
 
+
[[Datei:Abbildung 4 Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie ökologischer Fußabdruck.png|thumbnail|Abbildung 4: Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie ökologischer Fußabdruck]]
 
Der zweite große Bestandteil der Aufgabe ist der ökologische Fußabdruck. Er fungiert als Indikator für die Nachhaltigkeit und gibt an, wie stark das Ökosystem und die natürlichen Ressourcen der Erde beansprucht werden, um einen bestimmten Lebensstandard beziehungsweise Lebensstil des Menschen zu ermöglichen. (myclimate). Dabei wird der Flächenverbrauch in Globalen Hektar berechnet. Wichtige Begriffe im Zusammenhang zum ökologischen Fußabdruck sind die Biokapazität und das Ökologische Defizit. Unter der Biokapazität versteht man die Fähigkeit von Flächen biologisches nutzbringendes Material zu produzieren und gleichzeitig unter den heutigen Bedingungen den produzierten Abfall von Menschen aufzunehmen. (Plattform Footprint). Das Ökologische Defizit ist demzufolge die Differenz zwischen dem ökologischen Fußabdruck und der Biokapazität eines Landes. (Bundeszentrale für politische Bildung 2017). Auf der Global Footprint Network Internetseite wird dies unter anderem für verschiedene Länder mit Hilfe eines Diagramms veranschaulicht. (Global Footprint Network). Belgien ist flächenmäßig ein relativ kleines Industrieland, wodurch man meinen könnte, dass das ökologische Defizit demzufolge auch recht gering ausfällt, falls es überhaupt vorhanden ist. In dem Diagramm auf der Global Footprint Network Seite ist dabei jedoch deutlich zu erkennen, dass der ökologische Fußabdruck Belgiens die dem Land zur Verfügung stehende Biokapazität deutlich übersteigt. (Global Footprint Network).
 
Der zweite große Bestandteil der Aufgabe ist der ökologische Fußabdruck. Er fungiert als Indikator für die Nachhaltigkeit und gibt an, wie stark das Ökosystem und die natürlichen Ressourcen der Erde beansprucht werden, um einen bestimmten Lebensstandard beziehungsweise Lebensstil des Menschen zu ermöglichen. (myclimate). Dabei wird der Flächenverbrauch in Globalen Hektar berechnet. Wichtige Begriffe im Zusammenhang zum ökologischen Fußabdruck sind die Biokapazität und das Ökologische Defizit. Unter der Biokapazität versteht man die Fähigkeit von Flächen biologisches nutzbringendes Material zu produzieren und gleichzeitig unter den heutigen Bedingungen den produzierten Abfall von Menschen aufzunehmen. (Plattform Footprint). Das Ökologische Defizit ist demzufolge die Differenz zwischen dem ökologischen Fußabdruck und der Biokapazität eines Landes. (Bundeszentrale für politische Bildung 2017). Auf der Global Footprint Network Internetseite wird dies unter anderem für verschiedene Länder mit Hilfe eines Diagramms veranschaulicht. (Global Footprint Network). Belgien ist flächenmäßig ein relativ kleines Industrieland, wodurch man meinen könnte, dass das ökologische Defizit demzufolge auch recht gering ausfällt, falls es überhaupt vorhanden ist. In dem Diagramm auf der Global Footprint Network Seite ist dabei jedoch deutlich zu erkennen, dass der ökologische Fußabdruck Belgiens die dem Land zur Verfügung stehende Biokapazität deutlich übersteigt. (Global Footprint Network).
 
-siehe Abbildungsverzeichnis Folie 7-
 
  
 
Im genannten Diagramm dargestellt sind die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie der ökologische Fußabdruck Belgiens betrachtet im Zeitraum von 2001 bis 2016. Die Einheit für die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe erfolgt in TUSD (Tausend US-Dollar), die Einheit für den Kohlenstoffanteil im ökologischen Fußabdruck erfolgt in Globalen Hektar.
 
Im genannten Diagramm dargestellt sind die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie der ökologische Fußabdruck Belgiens betrachtet im Zeitraum von 2001 bis 2016. Die Einheit für die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe erfolgt in TUSD (Tausend US-Dollar), die Einheit für den Kohlenstoffanteil im ökologischen Fußabdruck erfolgt in Globalen Hektar.

Latest revision as of 08:22, 2 August 2020

Die folgende Untersuchung bezieht sich auf die Entwicklung im Untersuchungsland im 21. Jahrhundert, also auf den Zeitraum seit 2001 bis heute.

Der offenbarte komparative Vorteil

Im Folgenden wird die Entwicklung des offenbarten komparativen Vorteils für die vier umsatzstärksten Gütergruppen auf Harmonized Systems 2-Ebene (HS2) des irischen Außenhandels, sowie dessen Untergruppen (HS4, HS6), im Zeitraum von 2001 bis 2019 berechnet und untersucht.  

Hierbei dient als theoretische Grundlage der offenbarte komparative Vorteil nach Siebert (RCA).  

Die berechneten Daten des RCA geben Rückschlüsse über Spezialisierungsvor- bzw. Nachteile eines Landes, bedeutend ist dieser vor allem für den Freihandel aus politisch ökonomischer Sicht.

Als Daten und Bezeichnungsgrundlage für diese Untersuchungen dienen Export- und Importdaten der International Trade Center (ITC) Trademap und das Warenverzeichnis für die Außenhandelsstatistik.  

Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse

Die Gruppe der pharmazeutischen Erzeugnisse bildet die aktuell umsatzstärkste Gütergruppe Irlands, so stellte sie im Jahr 2018 ca. 35,5% aller Warenexporte (OEC 2020).

Abbildung 1.1: Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten pharmazeutischen Erzeugnisse sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse

Für die umsatzstärkste HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ wurde hier die zweitumsatzstärkste HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“ betrachtet, da für die Umsatzstärkste von Jahr 2001 bis 2016 keine Daten vorlagen.

Es fällt auf, dass sich die Gütergruppenpaare nahezu identisch entwickeln, mit Ausnahme der umsatzstärksten HS4-Gruppe „Menschliches Blut; tierisches Blut, (…)“ und der zugehörigen HS6-Untergruppe „Vaccine für Humanmedizin“, die von 2001 bis ca. 2009 gegensätzlich verliefen. Grund dafür ist ein Einbruch der Exportzahlen an Vaccinen für Humanmedizin im Zeitraum von ca. 2002 bis 2009, in diesen Jahren wies die HS6-Gütergruppe einen stark negativen komparativen Vorteil auf. Ab 2009 stiegen die Exportzahlen stark an, die beiden Gütergruppen verlaufen ab diesem Jahr ebenfalls etwa identisch.

Der offenbarte komparative Vorteil kennzeichnet Spezialisierungsvor- bzw. Nachteile (Lorz und Siebert 2014). Lediglich die drittgrößte HS4-Gütergruppe mit zugehöriger HS6-Gütergruppe weist nach stetiger Abnahme des komparativen Vorteils hier einen negativen Wert (Spezialisierungsnachteil) dem Ausland gegenüber auf. Die anderen betrachteten Gütergruppen weisen einen weitestgehend konstant positiven komparativen Vorteil (Spezialisierungsvorteil) auf.

Gruppe der Organischen Chemie

Abbildung 1.2: Die umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS4- und auf HS6-Ebene

In diesem Abschnitt wird die Entwicklung des zuvor berechneten komparativen Vorteils der drei umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse, sowohl auf HS4- als auch auf HS6-Ebene, analysiert. Die drei hier verwendeten umsatzstärksten Gütergruppen organisch-chemischer Erzeugnisse auf HS6 Ebene, wurden ausgewählt, da bei anderen potenziellen Gütergruppen, ein Großteil der Daten für die Berechnung fehlte.

Bei der Betrachtung des Graphen fallen auf beiden Ebenen und für alle sechs Gütergruppen, starke Spezialisierungsvorteile auf, da sie sich alle im Bereich von 20 bis 100 Einheiten bewegen und nicht in den Negativbereich abfallen. Trotz teilweise stark abfallender Kurvenverläufe einzelner Gütergruppen in bestimmten zeitlichen Perioden, weißt die Entwicklung im Allgemeinen keine allzu großen Schwankungen auf und ist in ihrer Gesamtheit als konstant zu betrachten.

Die nähere Betrachtung zeigt, dass die Gütergruppe „Nucleinsäuren und ihre Salze […]“ auf HS4-Ebene und ihre Untergruppe auf HS6-Ebene, ab dem Jahr 2008 einen kontinuierlichen Abschwung bis zum Jahr 2016 aufweist. Ursächlich dafür, könnte eine Langfristwirkung der Finanzkrise im Jahr 2008 und der darauffolgenden Euro-Krise sein, von welcher auch die irländische Wirtschaft im Allgemeinen betroffen war. (Quelle Wirtschafts, Krise)

Dahingegen zeigen die Graphen der Gütergruppe „Heterocyclische Verbindungen […]“ auf HS4- und HS6-Ebene einen robust-konstanteren Verlauf, vor allem mit Blick auf Krisenjahre wie der Finanz- und Eurokrise in den Jahren 2008-2013, bei welcher sogar ein Aufschwung zu verzeichnen ist. Auch der Zeitraum des beginnenden Brexits, welcher als solcher negative Folgen für die Wirtschaft Irlands birgt, da er den Austausch mit dem Vereinigten Königreich beeinträchtigt, zeigt keinen massiven Abfall.  Mögliche Ursache für die diese Robustheit und den starken komparativen Vorteil, sind vor allem multinationale Unternehmen, die durch ausländische Direktinvestitionen (ADI) (Krugmann, Obstfeld, und Melitz 2019, S. 266) geprägt sind. So betrug der Anteil der ADI am gesamten Bruttoinlandprodukt im Jahr 2016, rund 20 %. (OECD 2017, S 3.) Somit ist der Export der irischen Wirtschaft, unabhängiger von Krisen (Krugmann, Obstfeld, und Melitz 2019, S. 266) Auch die hohe internationale Nachfrage in der Gütergruppe organisch-chemischer Erzeugnisse, kann die Robustheit in den Krisenjahren erklären.

Einen grundsätzlich anderen Verlauf, zeigt die Kurve der Gütergruppe „Sulfonamide“ auf HS4-Ebene. Diese verzeichnet vor allem im Jahr 2003, einen starken Einbruch. Ursächlich dafür, kann unter anderem die Einführung eines vereinheitlichen Steuersatzes für alle unternehmerischen Gewinne sein, welche vorher, vor allem für die exportorientierte Produktion , nicht in der Art und Höhe existierte (Fink, o. J., S. 6).

Der Kurvenverlauf der Gütergruppe „Sulfonamide“ auf HS6-Ebene mit dem Titel „Andere – Sulfonamide“ beginnt erst im Jahr 2017, weshalb dieser hier nicht weiter erläutert und analysiert wird.

Im Allgemeinen sind immer viele Einflussfaktoren für den Verlauf eben dieser Kurven verantwortlich. Politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Ereignisse, wie Präsidentenneuwahlen, Terroranschläge oder Krisen, wie die aktuelle Corona-Pandemie, nehmen maßgeblich Einfluss auf den Verlauf dieser Entwicklungen. Eine genaue Ursachen-Wirkungszuschreibung ist daher nicht möglich.  

Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon

Abbildung 1.3: Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten Erzeugnisse der Kernreaktoren, etc. sowie deren umsatzstärksten Erzeugnisse

Die Gruppe der Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, Teile davon bildet aktuell die viertgrößte umsatzstärkste Gütergruppe Irlands.

Die ersten beiden betrachteten Gütergruppen auf HS4-Ebene weisen im Großen und Ganzen einen leicht sinkenden komparativen Vorteil auf, die dazugehörigen Gütergruppen auf HS6-Ebene hingegen einen leicht steigenden.

Lediglich die drittgrößte HS4-Gruppe „Turbo-Stahltriebwerke, Turbo-Propellertriebwerke und andere Gasturbinen“ verfügt im betrachteten Zeitraum über einen leicht steigenden komparativen Vorteil, genau wie die dazugehörige HS6-Gruppe.

Alle betrachteten Gütergruppen auf HS4- und HS6-Ebene verlaufen in dem Zeitraum jedoch leicht schwankend und haben in den Jahren von 2008 auf 2009 einen leichten bis größeren Einbruch, was auf die Finanzkrise zurückzuführen ist. Lediglich die drittgrößte HS6-Gruppe „Teile von Turbo-Stahltriebwerken oder Turbo-Propellertriebwerken“ hat von 2008 bis 2009 einen minimalen Aufschwung.

Besonders auffällig ist jedoch der Verlauf der größten Gütergruppe auf HS6-Ebene. Nach einem starken Einbruch im Zeitraum von 2007 bis 2009 erfolgt im darauffolgenden Jahr bis 2010 ein extremer Anstieg.

Fazit

Insgesamt weist Irland in der Mehrheit der betrachteten Gütergruppen einen positiven komparativen Vorteil auf. Irland verfügt demnach in seinen umsatzstärksten Gütergruppen über diverse Spezialisierungsvorteile dem Ausland gegenüber.

In der Mehrheit der untersuchten Gütergruppen zeigt sich außerdem eine Robustheit Irlands Krisen gegenüber, so waren Einbrüche des komparativen Vorteils in der Zeit der Weltwirtschaftskrise 2008 kaum vertreten. Grund dafür ist die weitreichende Internationalisierung des irischen Außenhandels, welche sich im starken Export durch multinationale Konzerne widerspiegelt.

Das Modell des RCA nach Siebert eignete sich hier optimal zur Darstellung und Untersuchung des Verlaufs der komparativen Vorteile der umsatzstärksten Gütergruppen.

Kapitalintensität und Vorleistungstiefe

Im folgenden Kapitel wird die Entwicklung des intraindustriellen Handels Irlands in Bezug auf Kraftwagen im Zeitraum von 2001 bis 2019 untersucht. Außerdem sollen, anhand dieser Untersuchungen, Aussagen über die Rolle komparativer und absoluter Vorteile beim Aufbau von Lieferketten innerhalb dieser Gütergruppe getroffen werden.

Für die Messung des Anteils des intraindustriellen Handels am Gesamthandel wird hier der Grubel-Lloyd-Index verwendet. Untersucht wird auf HS2-Ebene die Gütergruppe „Zugmaschinen, Kraftwagen, Krafträder, Fahrräder und andere nicht schienengebundene Landfahrzeuge, Teile davon und Zubehör“, sowie dessen umsatzstärkste Gütergruppe jeweils auf HS4- und HS6-Ebene. Um Aussagen über die Rolle komparativer und absoluter Vorteile treffen zu können, kommen, je nach Ergebnis der vorigen Untersuchung, z.B. das Modell der Skaleneffekte im monopolistischen Wettbewerb (bei intraindustriellem Handel), oder das Ricardo Modell (bei interindustriellem Handel) infrage.

Entwicklung und Bedeutung des intraindustriellen Handels bei Kraftwagen

Zunächst muss zwischen intraindustriellem und interindustriellem Handel unterschieden werden:

Intraindustrieller Handel beschreibt „den internationalen Austausch von gleichen Gütern, d. h. der Austausch von Waren desselben Produktionssektors“ (Rundshagen 2004).

Interindustrieller Handel hingegen beschreibt den internationalen Handel von Gütern unterschiedlicher Kategorien bzw. Gütergruppen (Büter 2010).

Mit dem Grubel-Lloyd-Index wird nun der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel der jeweiligen betrachteten Gütergruppe in Prozent berechnet. Je mehr sich der Index dem Wert 0 annähert, desto größer ist die Differenz von Ex- und Importen (desto wichtiger der interindustrielle Handel). Nimmt der Index einen Wert von 100 an, so sind Ex- und Importe identisch (desto wichtiger der intraindustrielle Handel).   Für die Berechnung des Grubel-Lloyd-Index wird folgende Formel verwendet:

Abbildung 2: Intra-industrieller Handel gemessen am Grubel-Lloyd-Index

Im Zeitraum von 2001 bis 2019 ergibt sich für die untersuchten Gütergruppen folgendes Bild:

Die Graphen der drei Gütergruppen verlaufen etwa parallel zueinander. Insgesamt ist eine stetige Abnahme des Grubel-Lloyd Index zu beobachten, mit Ausnahme eines plötzlichen starken Anstiegs und Abfalls von 2008 bis 2010 (dazu später mehr). Es fällt auf, dass der Index in allen betrachteten Warengruppen stets einen Wert von unter 50 annimmt. Der Anteil des intraindustriellen Handels am Gesamthandel ist somit in allen Gruppen kleiner als der des interindustriellen Handels.

Diese Werte kommen durch die große Differenz zwischen Importen und Exporten zustande, die Importe Irlands der betrachteten Gütergruppen sind stets um ein Vielfaches höher als die Exporte. Der Grund für diese hohe Differenz liegt in der Geschichte der Automobilindustrie Irlands. Irland verfügte im Laufe des 20. Jahrhunderts über wenige eigene Automarken (z.B. „Thomond“, „Thompson Manufacturing Co.“), jedoch hatten diese Unternehmen keinen langfristigen Erfolg mit Entwurf und Verkauf eigenständiger Kraftwagen. Nach großen Verlusten in den 1980er Jahren, stellte auch das letzte Montagewerk für Kraftwagen Irlands in 1984 den Betrieb ein (Montgomery 2018).

Im Zeitraum von 2008 bis 2010 fällt ein starker kurzer Anstieg des Grubel-Lloyd-Index in allen betrachteten Gütergruppen auf. Der Grund für diesen Anstieg ist ein starker Einbruch der Importzahlen in diesem Zeitraum, die Differenz zwischen Importen und Exporten sank für kurze Zeit substanziell, der intraindustrielle Handel gewann vorrübergehend an Bedeutung. Grund für den Importeinbruch war die Weltwirtschaftskrise 2008, die auch am Automobilsektor weltweit nicht spurlos vorüberging. Im Zuge der Krise sank die Nachfrage nach Kraftwagen weltweit um ca. 5% (Verband der Automobilindustrie e.V 2009). Die Erholung trat im Jahr 2010 ein, die Importzahlen stabilisierten sich und der Grubel-Lloyd-Index normalisierte sich wieder auf ungefähres Vorkrisenniveau.

Insgesamt nimmt der intraindustrielle Handel in Irland bei Kraftwagen seit 2001 ab. Dies ist ungewöhnlich, da die Bedeutung des intraindustriellen Handels am Welthandel in den letzten fünfzig Jahren stetig stieg (Krugman et al. 2019). Interessant ist auch, dass der Anteil des intraindustriellen Handels Irlands ungewöhnlich niedrig, vor allem für ein Industrieland ist. Ein geringer Anteil von intraindustriellem Handel charakterisiert normalerweise vor allem arbeitsintensive Güter (z.B. Kleidung, Agrarprodukte), die für gewöhnlich von Schwellenländern ex- und von Industrieländern importiert werden, während komplexere Güter typischerweise über einen hohen Anteil an intraindustriellem Handel verfügen (Krugman et al. 2019).

Die Unregelmäßigkeit besteht also darin, dass die Kraftwagen trotz der Tatsache, dass sie statt einem arbeitsintensiven ein kapitalintensives Gut sind, einen sehr niedrigen intraindustriellen Handel aufweisen. Dies kann durch die Tatsache erklärt werden, dass Irland, wie oben bereits erwähnt, seit 1984 keine eigenen Kraftwagen mehr produziert, und deshalb große Mengen importieren muss, um die landesinterne Nachfrage zu decken.

Die Rolle der komparativen und absoluten Vorteile

Im Modell des intraindustriellen Handels existieren weder komparative noch absolute Vorteile. Da für die Kraftwagen jedoch der interindustrielle Handel von weit höherer Bedeutung ist, findet hier das Ricardo-Modell Anwendung.

Ein Land verfügt einem anderen gegenüber über einen absoluten Vorteil, wenn es ein Gut mit weniger Arbeitsaufwand produzieren kann (Krugman et al. 2019).

Über einen komparativen Vorteil verfügt ein Land gegenüber einem anderen, wenn es ein Gut mit niedrigeren Opportunitätskosten produzieren kann (Krugman et al. 2019).

Hier verfügt Irland über einen komparativen Nachteil dem Ausland gegenüber für Kraftwagen, für Irland ist es also sinnvoll, sich in der Produktion auf die Güter zu konzentrieren, in denen es über einen komparativen Vorteil verfügt (z.B. Pharmazeutische Produkte, siehe Aufgabe 1). Handelt Irland nun beispielsweise seine pharmazeutischen Mittel mit einem Land, dass in dieser Gütergruppe komparative Nachteile aufweist, und importiert dafür von diesem Land Kraftwagen, so nutzen beide Länder gegenseitige Produktivitätsvorteile aus, um beidseitig Handelsgewinne zu erzielen (Krugman et al. 2019).

Das Ricardo-Modell berücksichtigt allerdings nicht die Transportkosten. Falls die Transportkosten für den Import von Kraftwagen so hoch würden, dass Irland keinen Kostenvorteil für den Import dieser Güter mehr hätte gegenüber der eigenen Produktion, so würden diese Güter zu nicht handelbaren Gütern, Irland müsste diese selbst produzieren, der beidseitige Handelsgewinn entfällt (Krugman et al. 2019). Deshalb ist es für den Aufbau von Lieferketten in dieser Gütergruppe von Bedeutung, dass die Lieferketten insoweit optimiert werden, dass die Transportkosten nicht den Kostenvorteil aus dem Import des Gutes gegenüber der Herstellung überschreiten.

Fazit

Der intraindustrielle Handel Irlands bezogen auf Kraftwagen ist, verglichen mit dem interindustriellen Handel, von untergeordneter Bedeutung, und nimmt von 2001 bis 2019 stetig ab. Diese Tatsache ist zurückzuführen auf die hohe Differenz zwischen Importen und Exporten dieses Gutes, die aus dem Einstellen der eigenen Kraftwagenproduktion Irlands in der Vergangenheit resultiert. Absolute und komparative Vorteile spielen demnach im irischen Außenhandel eine wichtige Rolle, der Handelsgewinn Irlands ist von der Effizienz der Lieferketten abhängig. Das genutzte Modell des Grubel-Lloyd-Index war perfekt geeignet, um die Entwicklung des intraindustriellen Handels im Laufe der Zeit abzubilden und zu untersuchen. Das Ricardo-Modell eignete sich, in Verbindung mit dem Aspekt der Transportkosten, um zumindest grundlegende Aussagen zum Aufbau von Lieferketten zu formulieren.

Internationale Tauschbedingungen des Rohstoffhandels

Einleitung

In diesem Kapitel wird mithilfe einer Korrelationsanalyse, die Stärke des Zusammenhangs zwischen den Terms of Trade (ToT) und den International Monetary Found (IMF) - Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle in Irland, analysiert und interpretiert.

Als theoretische Grundlage fungieren die ToT. Sie stellen sowohl eine volkswirtschaftliche Kennzahl als auch die zugrundeliegende Theorie dar. Die hier verwendeten Preisindizes sind definiert als gewogene Mittelwerte für die Preise der zu interessierenden Rohstoffe (Schmidt 2020). Die Terms of Trade (ToT), zu Deutsch reale Tauschverhältnisse im Internationalen Handel, spiegeln das Verhältnis des Preisindex für Importgüter, zum Preisindex für Exportgüter wider. Entweder bezogen auf einzelne oder alle Warengruppen einer Volkswirtschaft (Pollert u. a. 2016, S. 239). Die ToT sind einer der wesentlichen Beziehungen des „Standardmodells des Handels“ (Krugmann, Obstfeld, und Melitz 2019, S. 179). Zudem sind sie ein bedeutender Indikator für die Wohlfahrt eines Landes (Krugmann, Obstfeld, und Melitz 2019, S. 179). So soll die Berechnung der ToT, die durch den Handel entstandene Wohlfahrtsveränderungen messen (Pollert u. a. 2016, S. 239). Die ökonomische Wohlfahrt wird als Messgröße für das Wohlbefinden einer Volkswirtschaft verwendet. Demnach steigt beziehungsweise sinkt die Wohlfahrt eines Landes bei einem Anstieg oder Rückgang der ToT (Löffler 2008, S. 163).  Wesentliche Einflussfaktoren auf die ToT sind unteranderem das Weltmarktangebot und -preise, das Wirtschaftswachstum, die Zollpolitik und Exportsubventionen sowie der internationale Einkommenstransfer (Krugmann, Obstfeld, und Melitz 2019, Kap. 6). Hieraus ergeben sich gesellschaftlich und volkswirtschaftlich relevante Aspekte der ToT.

Korrelationsanalyse und Interpretation

Als Datengrundlage für die Berechnung dienen die ToT der Organisation for Economic Co-operation and Development - (OECD) Datenbank und die Preisindizes des International Monetary Fund (IMF) für die Jahre 2001 bis 2019. In der folgenden Berechnung wird aufbauend auf der Theorie, davon ausgegangen, dass die ToT eines importabhängigen Landes sinken, wenn der Preis für die Rohstoffe auf dem Weltmarkt steigt.

Abgeleitet daraus, ergeben sich folgende Hypothese H1 und Nullhypothese H0:

H1:  Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, ein negativer Zusammenhang.

Abbildung 3: Brennstoffpreisindices sowie reale Austauschverhältnisse

H0: Zwischen den Preisindizes für Erdöl, Erdgas und Kohle und den ToT besteht für das Untersuchungsland Irland im Zeitraum von 2001 bis 2009, kein negativer Zusammenhang.

Diese theoretischen Überlegungen wurden anhand oben genannter Daten und mithilfe einer Korrelationsanalyse empirisch geprüft. Die Methode wurde gewählt, da Ziel der Aufgabe, die Interpretation und Analyse der Zusammenhangsstärke der Merkmale ToT und Preisindizes, ist. Zudem sind beide Merkmale metrisch skaliert, weshalb der Bravais-Pearson-Korrelationskoeffizient r als Zusammenhangsmaß gewählt wurde. Außerdem wird ein zumindest näherungsweise linearer Zusammenhang zwischen den zwei genannten Merkmalen unterstellt (Sibbertsen und Lehne 2012, S. 101-133)

Im Folgenden wird die Korrelationsanalyse für alle drei Rohstoffgruppen interpretiert.

Die Korrelationen der drei Gruppen sind in ihrer Richtung alle entgegengesetzt, das heißt negativ, jedoch in ihrer Stärke variierend. Entgegengesetzt bedeutet, dass eine positive Veränderung des Preises, eine negative des ToT bedingt und vice versa, was dem Grundgedanken der Theorie erstmal entspricht.  Die Rohstoffgruppe Erdgas zeigt die schwächste Korrelation mit einem Korrelationskoeffizienten r von rund -0,29. Daraus folgt, dass eine positive Preisänderung lediglich mit einer geringen negativen Änderung der ToT verbunden ist. Die Rohstoffgruppen Kohle und Erdöl weisen beide, eine mittelstarke negative Korrelation auf, wobei die Korrelation für Erdöl, mit einem Wert von rund -0,69 minimal stärker ist, als die der Kohle, mit rund -0,62.

Zu beachten ist, dass hier lediglich ein statistischer und formaler Zusammenhang beschrieben wird und Kausalität im Anschluss nur bedingt zugeschrieben werden kann. Zudem bedeutet dies auch immer, dass Faktoren, die statistisch nicht erfasst wurden, den Zusammenhang beeinflussen oder gar mediieren können. Aufgrund dessen wird die Interpretation des Wertes nur unter Vorbehalt vorgenommen, so lange noch keine Drittvariablenkontrolle durchgeführt wurde. Möglich beeinflussende Drittvariablen können hier beispielsweise der Wechselkurs und die Inflationsrate sein. Neben dem Korrelationsmaß r wurden außerdem Streudiagramme für alle Gruppen zur Interpretation herangezogen, welche die bisherigen Aussagen bestätigen (Schneidewind 2020, Fol. 28.); (Sibbertsen und Lehne 2012, S. 101-133).

Daher wird vorläufig die Hypothese H1 angenommen, da ein negativer Zusammenhang zwischen den Preisindizes der Rohstoffgruppen und der ToT besteht. Allerdings variiert dieser in seiner Stärke stark über die Gruppen hinweg. Zudem kann aus den Werten geschlossen werden, dass nur eine mittelstarke Abhängigkeit zwischen den Preisindizes und den ToT besteht und in der Realität, wie bereits angeschnitten, viele weitere Faktoren einen Einfluss auf die Stärke des Zusammenhangs bzw. der einzelnen Merkmale, haben.

Theoretisch-Mathematischer Zusammenhang im Kontext der Volkswirtschaftslehre

Bezogen auf den Sachverhalt, folgt der statistischen Interpretation, die Einordnung in den volkswirtschaftlichen Rahmen, mit möglicher Ursachzuschreibung für die erhaltenen Werte.

Bei der Betrachtung der Importdaten und Exportdaten bezogen auf die relevanten Gütergruppen zeigt sich Irlands starke Importabhängigkeit. So betrug im Jahr 2015 laut lTC- Trade Map, der Importwert mineralischer Brennstoffe und Mineralöle 5,696,228 TUSD, während der Exportwert im Vergleich bei 1,185,286 TUSD lag. Im Falle einer Erhöhung der Importpreise für Erdöl, Erdgas und Kohle und keiner gleichzeitigen Erhöhung der Exportpreise am Gütermarkt für andere Waren, müsste eine Volkswirtschaft ein größeres Volumina an Exporten verkaufen, um die gleichbleibende Menge an Importen zu kaufen. Bei gleichbleibenden Exporten würden importierte Waren teurer werden. Dies hätte negative Folgen für die Konsumentenrente und schlussendlich auch einen negativen Einfluss auf die Wohlfahrt des Landes. Anhand der Formel für die ToT lässt sich dieser Wirkmechanismus außerdem begründen:  Im vorliegenden Beispiel sind Exporte mit 200 und Importe mit 150 Preiseinheiten für Erdöl gegeben. Das Ergebnis ist ein positiver Wert der ToT:

Eine Preiserhöhung am Rohstoffmarkt von 100 PE, hat eine Reduktion der ToT von rund 0,5 zur Folge.

Fazit

Die Annahmen des Zusammenhangs zwischen den TOT und den Preisindizes, konnten durch die Korrelationsanalyse empirisch belegt werden. Außerdem konnte die eingangs beschriebene Theorie des Wohlfahrtsverlust bei sinkenden ToT, verbal erklärt werden. Abschließend konnte algebraisch anhand der Formel für die ToT, der Einfluss einer Preiserhöhung der Importe auf die ToT gezeigt werden.  Die gewählte Methodik und die zugrunde liegende Theorie, haben sich somit als passend bewährt.

Abschließend zeigt die Analyse noch, dass die Preisindizien für Rohstoffe, eine Auswirkung auf die ToT und somit die Wohlfahrt eines Staates haben. Die Wohlfahrt eines Landes ist ein starker Indikator für das Wohlbefinden eines Staates und rechtfertig somit die einerseits sozioökonomische und andererseits außenhandelspolitische Relevanz der ToT für eine Volkwirtschaft.

Faktorinhalt und ökologischer Fußabdruck am Beispiel Belgiens (als Alternative zu Irland)

Der internationale Handel zwischen den verschiedensten Ländern weltweit erlangte in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung und spielt gleichzeitig eine wichtige Rolle bei der Fortsetzung der Globalisierung. Doch mit den zunehmenden Im- und Exporten steigt auch die Umweltbelastung und der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft. Doch in welchem Zusammenhang steht der Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck mit den Preisindices bereinigten Im- und Exporten ausgewählter mineraler Brennstoffe am Beispielland Irland? Besteht überhaupt ein Zusammenhang und wenn ja warum? Um diese Frage beantworten zu können, müssen mit Hilfe der ITC Trade Map die jeweiligen Importe und Export Daten sowie die Daten des Kohlenstoffs-Anteils im ökologischen Fußabdruck von der Global Footprint Network Internetseite herausgesucht, in einem Diagramm dargestellt und anschließend interpretiert werden. Unterstützend kann dabei das Heckscher-Ohlin-Theorem sein.

Aufgrund fehlender Daten bezüglich des Kohlenstoff-Anteils im Ökologischen Fußabdruck für das Land Irland auf der Global Footprint Network Internetseite, war eine Bearbeitung der Aufgabe in Bezug auf Irland nicht möglich. In Absprache mit Herrn Professor Sauer erfolgt deshalb die Bearbeitung der Aufgabe an dem noch nicht vergebenen Land Belgien.

Eine wichtige Rolle bei der Bearbeitung der Aufgabe spielt das Heckscher-Ohlin-Theorem, auch Faktorproportionentheorie genannt. Es stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert von den schwedischen Ökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin und basiert auf den Ideen der klassischen Handelstheorien von Adam Smith und David Ricardo, welche mit dem Modell der absoluten Kostenvorteile den Grundstein der Handelstheorie legten. Auf dem Gebiet der Handelstheorien gehört das Heckscher-Ohlin-Theorem zu den bedeutendsten. Eli Heckscher und Bertil Ohlin erklären damit den Internationalen Handel sowie die Richtungen der Handelsströme. Wichtig dabei ist die unterschiedliche Ausstattung von Produktionsfaktoren und Ressourcen, wodurch der Begriff Faktorproportionentheorie zustande kommt. Das Theorem besagt, dass die Länder besonders diejenigen Güter exportieren, bei denen die notwendigen Faktoren für die Produktion im Vergleich zu anderen Faktoren relativ reichlich vorhanden sind. Hierbei wird nicht nur die Exportstruktur der Länder erklärt, das Theorem liefert zudem auch ein kräftiges Argument für den Freihandel. (Finanz und Wirtschaft (Peter Rohner)).

Abbildung 4: Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie ökologischer Fußabdruck

Der zweite große Bestandteil der Aufgabe ist der ökologische Fußabdruck. Er fungiert als Indikator für die Nachhaltigkeit und gibt an, wie stark das Ökosystem und die natürlichen Ressourcen der Erde beansprucht werden, um einen bestimmten Lebensstandard beziehungsweise Lebensstil des Menschen zu ermöglichen. (myclimate). Dabei wird der Flächenverbrauch in Globalen Hektar berechnet. Wichtige Begriffe im Zusammenhang zum ökologischen Fußabdruck sind die Biokapazität und das Ökologische Defizit. Unter der Biokapazität versteht man die Fähigkeit von Flächen biologisches nutzbringendes Material zu produzieren und gleichzeitig unter den heutigen Bedingungen den produzierten Abfall von Menschen aufzunehmen. (Plattform Footprint). Das Ökologische Defizit ist demzufolge die Differenz zwischen dem ökologischen Fußabdruck und der Biokapazität eines Landes. (Bundeszentrale für politische Bildung 2017). Auf der Global Footprint Network Internetseite wird dies unter anderem für verschiedene Länder mit Hilfe eines Diagramms veranschaulicht. (Global Footprint Network). Belgien ist flächenmäßig ein relativ kleines Industrieland, wodurch man meinen könnte, dass das ökologische Defizit demzufolge auch recht gering ausfällt, falls es überhaupt vorhanden ist. In dem Diagramm auf der Global Footprint Network Seite ist dabei jedoch deutlich zu erkennen, dass der ökologische Fußabdruck Belgiens die dem Land zur Verfügung stehende Biokapazität deutlich übersteigt. (Global Footprint Network).

Im genannten Diagramm dargestellt sind die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie der ökologische Fußabdruck Belgiens betrachtet im Zeitraum von 2001 bis 2016. Die Einheit für die Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe erfolgt in TUSD (Tausend US-Dollar), die Einheit für den Kohlenstoffanteil im ökologischen Fußabdruck erfolgt in Globalen Hektar.

Bei den ausgewählten mineralen Brennstoffen handelt es sich hierbei um Steinkohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas. Dargestellt im Diagramm sind dabei die mit dem Preisindex bereinigten Importe und Exporte dieser Brennstoffe. Berechnet wird das Ganze indem die Summe der Importe und Exporte der einzelnen Gütergruppen durch die Brennstoffpreisindex dividiert werden. (Kristin Schneidewind 2020:38).

Betrachtet man nun die einzelnen Graphen fällt auf, dass sich besonders der Import und Export von Steinkohle und Braunkohle konstant sehr gering sind. Das kann daran liegen, dass die Nachfrage nach diesen zwei Gütergruppen sehr gering ist. Der Import und Export von Erdgas hingegen weißt einen starken Anstieg mit teils starken Schwankungen im Verlauf von 2001 bis 2019 auf. Hier scheint die Nachfrage gestiegen zu sein und somit wurde mehr Erdgas nach Belgien importiert. Auch die Nachfrage nach Erdöl und somit der Import und Export dieses Gutes ist im Zeitraum von 2001 bis 2016 mit leichten Schwankungen im Verlauf gestiegen.

Um einen Zusammenhang mit dem Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck Belgiens herzustellen, habe ich die Korrelation der einzelnen Gütergruppen mit den Werten des Kohlenstoff-Anteils im ökologischen Fußabdruck berechnet. Bei der Berechnung kam heraus, dass zwischen Steinkohle und dem CO2-Anteil eine mittelstarke Korrelation vorliegt. Dies äußert sich im Diagramm mit einem proportionalen Verlauf. Der Grund dafür könnte sein, dass der Abbau von Steinkohle sehr aufwendig ist und dabei viel CO2 freigesetzt wird, was sich auch auf Import und Export dieses Gutes auswirkt. Somit kommt es zur Proportionalität zwischen Steinkohle und Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck, auch wenn die Nachfrage nach Steinkohle selbst sehr gering ist. Bei den drei anderen Gütergruppen ist dies nicht der Fall. Hier liegt ein negativer Zusammenhang zwischen Import und Export der Gütergruppen und dem Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck vor. Die Werte liegen hier im negativen Bereich zwischen -1 und 0. Dies äußert sich im Diagramm mit einem gegensätzlichen Verlauf (Kristin Schneidewind 2020:31 f.).

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei dem Land Belgien ein leicht negativer Zusammenhang zwischen den Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe und dem Kohlenstoff-Anteil im ökologischen Fußabdruck besteht. Dies ließ sich mit den Daten der ITC Trade Map und der Global Footprint Network Internetseite berechnen und mithilfe des Heckscher-Ohlin-Theorems interpretieren. Belgien hatte im Zeitraum von 2001 bis 2016 einen hohen ökologischen Fußabdruck, was zusammen mit den ökologischen Fußabdrücken der anderen Länder weltweit zu einer hohen Umweltbelastung führt. Der Außenhandel und die dabei freigesetzten Schadstoffe weltweit tragen dabei unter anderem ebenfalls enorm zu Verschmutzung der Umwelt bei.

Literaturverzeichnis

Bundeszentrale für politische Bildung (2017): Ökologisches Defizit. Online verfügbar unter https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/255298/oekologischer-fussabdruck-und-biokapazitaet, zuletzt aktualisiert am 01.09.2017, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Büter, Clemens (2010): Außenhandel. Grundlagen globaler und innergemeinschaftlicher Handelsbeziehungen. 2., vollst. überarb. und erw. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer - Verlag Berlin Heidelberg (Springer-Lehrbuch). Online verfügbar unter http://site.ebrary.com/lib/alltitles/docDetail.action?docID=10411732.

Finanz und Wirtschaft (Peter Rohner): Das Heckscher-Ohlin-Theorem. Online verfügbar unter https://www.fuw.ch/article/das-heckscher-ohlin-theorem/, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Fink, Philipp. o. J. „Länderanalyse Irland: Ein Erfolgsmodell auf dem Prüfstand“. Internationale Politikanalyse. Friedrich-Ebert-Stiftung.

Global Footprint Network: Diagramm Belgien- ökologischer Fußabdruck/Biokapazität/ökologisches Defizit. Online verfügbar unter http://data.footprintnetwork.org/#/countryTrends?type=BCtot,EFCtot&cn=255, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Kristin Schneidewind (2020a): Berechnung bereinigte Importe und Exporte. Online verfügbar unter https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/84720/mod_resource/content/1/Inhaltliche%20Hinweise%20zur%20Bearbeitung%20der%20Dossieraufgaben.pdf, zuletzt aktualisiert am 29.05.2020, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Kristin Schneidewind (2020b): Korrelation. Online verfügbar unter https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/84720/mod_resource/content/1/Inhaltliche%20Hinweise%20zur%20Bearbeitung%20der%20Dossieraufgaben.pdf, zuletzt aktualisiert am 29.05.2020, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice; Melitz, Marc J. (2019): Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 11., aktualisierte Auflage (wi - Wirtschaft).

Lorz, Oliver; Siebert, Horst (2014): Außenwirtschaft. Konstanz, München: UVK-Verl.-Ges; UVK/Lucius. Online verfügbar unter http://utb-studi-e-book.de/viewer/main.php?isbn=9783838584935&page=1.

Montgomery, Bob (2018): Motor assembly in Ireland. Foxrock, Ireland: Dreoilín (Irish transport series).

myclimate: Ökologischer Fußabdruck. Online verfügbar unter https://www.myclimate.org/de/informieren/faq/faq-detail/detail/News/was-ist-ein-oekologischer-fussabdruck/#:~:text=Der%20%C3%B6kologische%20Fussabdruck%20(Ecological%20Footprint,Ressourcen%20der%20Erde%20beansprucht%20werden., zuletzt geprüft am 28.06.2020.

OEC (2020): Ireland (IRL) Exports, Imports, and Trade Partners | OEC - The Observatory of Economic Complexity. Online verfügbar unter https://oec.world/en/profile/country/irl/, zuletzt aktualisiert am 26.06.2020, zuletzt geprüft am 26.06.2020.

OECD. 2017. „Ireland - Trade and Investment - Statistical Note“. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. http://www.oecd.org/investment/IRELAND-trade-investment-statistical-country-note.pdf.

Plattform Footprint: Biokapazität. Online verfügbar unter https://plattform-footprint.de/verstehen/biokapazitaet-2/, zuletzt geprüft am 28.06.2020.

Pollert, Achim, Bernd Kirchner, Javier Morato Polzin, und Marc Constantin Pollert. 2016. Duden Wirtschaft von A bis Z - Grundlagenwissen für Schule und Studium Beruf und Alltag. 6. Berlin: Dudenverlag.

Rundshagen, Bianca (2004): Strategische Verknüpfung von Umwelt- und Handelspolitik. Eine spieltheoretische Analyse internationaler Koalitionsbildung. Wiesbaden, s.l.: Deutscher Universitätsverlag (Wirtschaftswissenschaft).

Schmidt, Katrin. 2020. „Gabler Wirtschaftslexikon“. 20. Juni 2020. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/preisindex-45424.

Sibbertsen, Philipp, und Hartmut Lehne. 2012. Statistik Einführung für Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag.

Verband der Automobilindustrie e.V (2009): Jahresbericht 2009. Frankfurt am Main. Online verfügbar unter https://www.vda.de/de/services/Publikationen/jahresbericht-2009.html, zuletzt geprüft am 29.06.2020.