Difference between revisions of "Gravitationsmodell"

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Das Gravitationsmodell erklärt die bilateralen Handelsströme zwischen zwei Ländern in Anlehnung an Modelle der Physik. Bei diesem Ansatz "ziehen sich Massen gegenseitg an", in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen ihnen (Linneman 1966). In unten gezeigter Gleichung kennzeichnet <math>X_{i,j}</math> die Exporte von Land <math>i</math> nach Land <math>j</math>, <math>Y_i</math>, <math>Y_j</math> die Bruttoinlandsprodukte der betrachteten Volkswirtschaften und <math>D_{i,j}</math> ist ein Distanzfaktor. Die Buchstaben <math>c</math>, <math>c_i</math>, <math>c_j</math>, <math>a</math>, <math>b</math>, <math>e</math> und <math>f</math> sind Konstanten, welche empirischen Schätzungen unterliegen.  
 
Das Gravitationsmodell erklärt die bilateralen Handelsströme zwischen zwei Ländern in Anlehnung an Modelle der Physik. Bei diesem Ansatz "ziehen sich Massen gegenseitg an", in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen ihnen (Linneman 1966). In unten gezeigter Gleichung kennzeichnet <math>X_{i,j}</math> die Exporte von Land <math>i</math> nach Land <math>j</math>, <math>Y_i</math>, <math>Y_j</math> die Bruttoinlandsprodukte der betrachteten Volkswirtschaften und <math>D_{i,j}</math> ist ein Distanzfaktor. Die Buchstaben <math>c</math>, <math>c_i</math>, <math>c_j</math>, <math>a</math>, <math>b</math>, <math>e</math> und <math>f</math> sind Konstanten, welche empirischen Schätzungen unterliegen.  
  
::<math>X_{i,j}= {c c_i c_j \frac{\left((Y_i)^a (Y_j)^b\right)}{(1+eD_{i,j})^f}</math> "<ref> Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000 </ref><br/>
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::<math>X_{i,j}= {c c_i c_j \frac{\left((Y_i)^a (Y_j)^b\right)}{(1+eD_{i,j})^f}</math> "<ref> Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000, S. 88 </ref><br/>
  
  
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In der Wirtschaftswissenschaft wird das Gravitationsmodell heute insbesondere als Instrument zur Analyse von internationalen Handelsströmen eingesetzt, ebenso als Analyseinstrument zur Messung interregionaler und internationaler Ströme beispielsweise in den Bereichen Tourismus und Einwanderungsstatistik.<ref> http://www.statoek.vwl.uni-mainz.de/Dateien</ref><br/> In verschiedenen Wirtschaftslexika findet man eine kurze Erklärung zum Gravitationsmodell unter dem Begriff Regionalanalyse.
 
In der Wirtschaftswissenschaft wird das Gravitationsmodell heute insbesondere als Instrument zur Analyse von internationalen Handelsströmen eingesetzt, ebenso als Analyseinstrument zur Messung interregionaler und internationaler Ströme beispielsweise in den Bereichen Tourismus und Einwanderungsstatistik.<ref> http://www.statoek.vwl.uni-mainz.de/Dateien</ref><br/> In verschiedenen Wirtschaftslexika findet man eine kurze Erklärung zum Gravitationsmodell unter dem Begriff Regionalanalyse.
<ref> Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage</ref><br/>
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<ref> Geigant, Haslinger, Sobotka, Westphal, Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage, Landsberg am Lech, 1983, S. 775-777</ref><br/>
  
  

Revision as of 14:06, 11 April 2008

Das Gravitationsmodell erklärt die bilateralen Handelsströme zwischen zwei Ländern in Anlehnung an Modelle der Physik. Bei diesem Ansatz "ziehen sich Massen gegenseitg an", in Abhängigkeit von der Entfernung zwischen ihnen (Linneman 1966). In unten gezeigter Gleichung kennzeichnet die Exporte von Land nach Land , , die Bruttoinlandsprodukte der betrachteten Volkswirtschaften und ist ein Distanzfaktor. Die Buchstaben , , , , , und sind Konstanten, welche empirischen Schätzungen unterliegen.

Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): {\displaystyle X_{i,j}= {c c_i c_j \frac{\left((Y_i)^a (Y_j)^b\right)}{(1+eD_{i,j})^f}} "[1]


Naturwissenschaftliche Historie des Gravitationsmodells

Der Ursprung des Gravitationsmodells liegt in der Naturwissenschaft. Isaac Newton (1642-1727), seiner Zeit berühmter englischer Physiker, Mathematiker, Astronom, Alchemist, Philosoph und Verfasser der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica legte den Grundstein für die klassische Mechanik im Rahmen der Gravitationsgesetze. [2]
Das Newtonsche Gravitationsgesetz wurde erstmals 1686 in oben genanntem Werk formuliert und beinhaltet Folgende Theorie: Jede Masse, genauer jeder Massepunkt zieht jeden anderen Massenpunkt mittels einer Kraft an, die entlang der Verbindungslinie gerichtet ist. Der Betrag dieser Gravitationskraft ist proportional zum Produkt der beiden Massen und umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstandes der beiden Massen. In einer Formel ausgedrückt ergibt sich


Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): {\displaystyle F= {-G \frac{\left(m_1 m_2\right)}{r^2}}


= Kraft zwischen Massepunkten
= Masse des 1. Massepunktes
= Masse des 2. Massepunktes
Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle r} = Abstand zwischen Massepunkten
Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle G} = Gravitationskonstante

Das negative Vorzeichen der Gravitationskontante bringt zum Ausdruck, dass sie immer anziehend wirkt. [3]
Das Gravitationsmodell wurde bereits in den vierziger Jahren auf unterschiedliche Bereiche übertragen. Beispielsweise kam man im Rahmen der Migrationsforschung zu der Erkenntnis, dass, je weiter zwei Orte von einander entfernt liegen, desto weniger Angehörige einer Population sich auf den Weg begeben. [4]


Gravitationsmodell in der klassischen Wirtschaftslehre

In den sechziger Jahren erfolgte die Übertragung des physikalischen Begriffs der Gravitation auf die klassische Wirtschaftslehre. Die spezielle Verwendung zur Erklärung internationaler Handelsstöme wurde erstmals von Tinbergen (1962) und Pöyhönen (1963) formuliert, auf Problemstellungen der Außenhandelstheorie übertragen und mündete nach weiteren Beiträgen von Anderson (1979), Bergstrand (1985, 1989), Deardorff (1998) und Krugman (1990-2006) in das nachfolgend dargestellte „Gravitationsmodell des Welthandels“.


Das Gravitationsmodell des Welthandels basiert im Wesentlichen auf den Annahmen, dass, bei ceteris paribus Bedingungen hinsichtlich aller weiteren Einflussfaktoren, sich die Außenhandelsaktivitäten eines Landes

  • (A) positiv proportional zu seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhalten sowie
  • (B) eine zunehmende geografische Entfernung negativ wirkt.

Die Annahme (A) beruht dabei auf der Überlegung, dass bei steigendem Bruttoinlandsprodukt absolut mehr exportiert sowie importiert wird. Daraus folgt dass, je höher das in Inland erwirtschaftete Einkommen ist, umso mehr kann absolut importiert werden, und je mehr im Inland produziert wird, umso mehr kann absolut exportiert werden. Das BIP der beiden Länder steht also für die Angebots- und Nachfragestärke der Länder. Die Begründung für (B) liegt in den sich mit zunehmender geografischer Entfernung erhöhenden Transaktionskosten für Handelsaktivitäten, welche sich auf diese hemmend auswirken. Die Distanzvariable kann somit als Maß für die Raumüberwindungskosten beim Außenhandel interpretiert werden. Die Grundaussagen des Modells lassen sich in nachfolgender Formel zusammenfassen:


Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle T_{i,j}= {A \frac {\left(Y_i Y_j)\right}{D_{i,j}}}


Dabei bezeichnet Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle T_{i,j}} den Außenhandelsumsatz zwischen zwei Ländern als Summe der von Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle i} an Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle j} exportierten und durch Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle i} von Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle j} importierten Güter und Dienstleistungen. Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle Y_i} und Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle Y_j} beschreiben das jeweilige Bruttoinlandsprodukt von Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle i} und Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle j} und Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle D_{i,j}} bildet die geografische Entfernung zwischen den beiden Ländern ab. Die Größe Fehler beim Parsen (MathML with SVG or PNG fallback (recommended for modern browsers and accessibility tools): Ungültige Antwort („Math extension cannot connect to Restbase.“) von Server „https://en.wikipedia.org/api/rest_v1/“:): {\displaystyle A} repräsentiert eine Konstante. [5]


Praktische Anwendung des Gravitationsmodells

In der Wirtschaftswissenschaft wird das Gravitationsmodell heute insbesondere als Instrument zur Analyse von internationalen Handelsströmen eingesetzt, ebenso als Analyseinstrument zur Messung interregionaler und internationaler Ströme beispielsweise in den Bereichen Tourismus und Einwanderungsstatistik.[6]
In verschiedenen Wirtschaftslexika findet man eine kurze Erklärung zum Gravitationsmodell unter dem Begriff Regionalanalyse. [7]


Einzelnachweise

  1. Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000, S. 88
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Newtonsches_Gravitationsgesetz
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Migrationsforschung
  5. http://www.wop.euv-frankfurt-o.de ; Länderdossier Norwegen
  6. http://www.statoek.vwl.uni-mainz.de/Dateien
  7. Geigant, Haslinger, Sobotka, Westphal, Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage, Landsberg am Lech, 1983, S. 775-777


Literatur

  • Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000
  • Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage


Weblinks