Arbeitskoeffizient

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(syn. Verbrauchskoeffizient)


Definition

Der Arbeitskoeffizient gibt an, wie viel Einsatzmenge (Input) an Arbeitsleistung benötigt wird, um eine Gütereinheit herzustellen. [1] [2]

Einordnung in den volkswirtschaftlichen Zusammenhang

Dieser Arbeitskoeffizient spielt unter anderem eine bedeutende Rolle bei der Grundidee des komparativen Vorteils, die David Ricardo (Ricardo-Modell) im Jahre 1817 in seinem Werk „The Principles of Political Economy and Taxation“ begründet hat.

Bedeutung des Arbeitskoeffizienten

Der Arbeitskoeffizient dient demnach im weitesten Sinne dazu, diejenigen Güter für eine Volkswirtschaft herauszufinden, bei denen diese einen komparativen Vorteil gegenüber anderen Volkswirtschaften hat. Komparative Vorteile (vergleichsweise Vorteile) geben Antwort darauf, welche Volkswirtschaft sich auf welche Güterproduktion spezialisieren sollte und entstehen also ganz einfach betrachtet durch einen geringen Einsatz des Produktionsfaktors Arbeit in der Güterproduktion. Grundlage für diese Entscheidung sind die sogenannten Opportunitätskosten, welche den Verzicht bzw. den entgangene Ertrag darstellen, der sich bei besserer Verwendung der Ressourcen ergäben hätte. Die Opportunitäts- oder auch Alternativkosten ergeben sich aus dem Verhältnis (Quotienten) der Arbeitskoeffizienten verschiedener Güter einer Volkswirtschaft. Das Land mit den geringsten Opportunitätskosten verfügt über den komparativen Vorteil hinsichtlich dieses einen Gutes und sollte sich auf dessen Produktion spezialisieren.[3]

Es stellt sich nun die Frage, warum Ricardo gerade den Produktionsfaktor Arbeit (nicht Boden oder Kapital) als Schlüsselproduktionsfaktor gewählt hat um durch einen geeigneten Koeffizienten sein einfaches Erklärungsmodell zu beschreiben. Eine Antwort darauf könnte sich aus einem Zitat seines Buches „The Principles of Political Economy and Taxation“ erklären lassen, bei dem die Bedeutung des Faktors Arbeit dargestellt wird. Dieses Zitat: „ Labour, it must be remembered, is the ultimate price which is paid for everything; (…).” [4] lässt darauf schließen, das Ricardo die Arbeit letztlich als den Preis ansieht, mit dem alles bezahlt wird.

Der Arbeitskoeffizient (Input zu Output) ist der Kehrwert (das Reziproke) der Arbeitsproduktivität (Output zu Input) und gibt somit im allgemeinen Sinne den technologischen Stand einer Volkswirtschaft wieder. Je niedriger also der Arbeitskoeffizient, desto höher die Arbeitsproduktivität, die auf eine effiziente Produktion schließen lässt.[5]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Arbeitskoeffizient die Arbeitsstunden anzeigt, die man für die Produktion eines Gutes benötigt und somit hilft verschiedene Güter und auch verschiedene Volkswirtschaften hinsichtlich ihrer effizienten Produktion zu vergleichen. Jedoch darf man bei der vorhergehenden Betrachtung nicht vergessen, dass die alleinige Einbeziehung des Produktionsfaktors Arbeit in der Realität nicht ausreicht, um den komparativen Vorteil einer Volkswirtschaft zu bestimmen. Somit ist der Arbeitskoeffizient nur ein recht kleines Werkzeug zur Bestimmung der vorteilhaftesten Produktion, die letztendlich zu erfolgreichen Außenhandel und damit verbundenen Wohlfahrtsgewinnen führt.

Beispiele

Im folgenden soll nun der Begriff des Arbeitskoeffizienten an zwei bedeutenden Beispielen eingeordnet werden. Zuerst werden drei Arbeitskoeffizienten (a) hergeleitet, die später helfen sollen die Sachverhalten zu verstehen.

  • a) für eine Einheit (z.B. 1 Liter) Milch werden im Inland 2 Arbeitsstunden benötigt: (Der Arbeitskoeffizient für Milch im Inland ist 2.)


  • b) für eine Einheit Stahl wird im Inland eine Arbeitsstunde benötigt: (Der Arbeitskoeffizient für Stahl im Inland ist 1.)


Einzelnachweise

  1. Gabler Verlag (1993), Gabler Wirtschaftslexikon (A-E) S.
  2. Woll, Artur (2000), Wirtschaftslexikon S.
  3. Dieckheuer, Gustav (2001), Internationale Wirtschaftsbeziehungen, S. 31ff
  4. Ricardo, David (1973), The Principles of Political Economy and Taxation, S.
  5. Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (...) , Internationale Wirtschaft, S.

Quellen

  • Dieckheuer, Gustav (2001), Internationale Wirtschaftsbeziehungen, 5. Auflage, München, Wien, Oldenbourg: R. Oldenbourg Verlag
  • Gabler Verlag (1993), Gabler Wirtschaftslexikon (A-E), 13. Auflage, Wiesbaden: Gabler Verlag
  • Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (2003), International Economics, 6. Auflage, Boston: Pearson Education
  • Krugman, Paul R.; Obstfeld, Maurice (...) , Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München: Pearson Studium
  • Kurz, Heinz D. (1994), Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteuerung, Marburg: Metropolis Verlag
  • Ricardo, David (1973), The Principles of Political Economy and Taxation, London: Everyman´s Library
  • Sell, Axel (2003), Einführung in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen, 2. Auflage, München: R. Oldenbourg Verlag
  • Siebert, Horst (1994), Außenwirtschaft, 6. Auflage, Stuttgart: Gustav Fischer Verlag
  • Woll, Artur (2000), Wirtschaftslexikon, 9. Auflage, München, Wien, Oldenbourg: R. Oldenbourg Verlag