Aggregierte Nachfragebeziehung

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Die aggregierte Nachfragebeziehung (gesamtwirtschaftliche Nachfragebeziehung) symbolisiert die negative Beziehung zwischen dem Preisniveau und dem generierten Output. Synonymhaft kann diese Relation auch als „Die Güter- und Geldmarktfunktion im Gleichgewicht“ bezeichnet werden.[1] Anhand dieser Beziehung können die Interdependenzen von aggregierter Nachfrage, Zinssatz und Preisniveau, auf den Output und folglich auch auf den Arbeitsmarkt beschrieben werden.

Definition

Die aggregierte Nachfragebeziehung spiegelt den Zusammenhang zwischen Gesamtnachfrage und Preisniveau wider. Sie lässt sich analytisch aus dem IS-LM-Modell ableiten und gibt alle Kombinationen von Preisniveau und Output wieder, bei denen simultanes Gleichgewicht auf den Güter- und Kapitalmärkten herrscht.[2]

Theoretische Einordnung des Modells

Die aggregierte Nachfragetheorie und dessen Auswirkungen können drei Teilbereichen der Makroökonomie untergeordnet werden. Zum einen der keynesianischen Theorie, zum anderen der monetaristischen Theorie und desweiteren der Theorie der rationalen Erwartungen. In diesem Artikel wird jedoch der Schwerpunkt auf der keynesianischen Sichtweise basieren, dargestellt in dem fundamental bedeutenden Werk von John Maynard Keynes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“.

Insbesondere aus dem Grund heraus, dass Keynes mit seinen Annahmen bezüglich der aggregierten Nachfrage (in seinem Buch wird der Begriff effektive Nachfrage verwandt) allgemein fundamentale Grundlagen für die moderne Makroökonomie geschaffen hat. Und darüber hinaus im Speziellen bereits den Zusammenhang zwischen staatlicher Geldpolitik, Zinsraten und der aggregierten Nachfrage erkannte und isolierte. Die Erkenntnisse die Keynes gewonnen hat, sind zudem Grundlage für die Ableitung des IS-LM Modells und folglich der AD-Kurve.

Analytische Herleitung

Grundlegend für die Darstellungsweise der aggregierten Nachfragebeziehung fungieren die Annahmen des IS-LM Modells, die das Gleichgewicht in den Güter- und Finanzmärkten symbolisieren. Bei diesen gilt:

IS-Gleichung - für den Gütermarkt:
LM-Gleichung - für den Kapitalmarkt:

Rekrutiert aus diesen beiden Gleichungen setzt sich die Formel der aggregierte Nachfragebeziehung zusammen: [3]

Die Formel lautet wie folgt:
(+,+, -)
M/P = Reale Geldmenge
G = Staatsausgaben
T = Steuern
Y = Output

Der Outputfaktor Y ist eine ansteigende Funktion der realen Geldmenge, ansteigender Staatsausgaben sowie eine abfallende Funktion der Steuern. In diese Formel können weitere Faktoren mit einbezogen werden, wie z.B. der Faktor der Kundenzufriedenheit. Dies wird jedoch aus Gründen der Simplizität vermieden. Bei gegebenem M, G und T wird eindeutig der negative Zusammenhang zwischen dem Preisniveau und dem Output deutlich. Der Anstieg des Preisniveaus hätte nach dieser Formel den Rückgang des Outputs zur Folge.[3]

Determiniert werden die Faktoren der aggregierten Nachfrage durch Einflussgrößen wie die Ausgaben der einzelnen Wirtschaftssubjekte (Konsumenten, Produzenten, Staat), der Preise, dem Geldangebot, sowie desweiteren durch gesetzliche Rahmenbedingungen und der Ausübung staatlicher Geld- und Fiskalpolitik.

Grafische Herleitung

Aus der Ableitung der IS-LM Kurve lässt sich die aggregierte Nachfragekurve und infolgedessen die negative Beziehung von Preisniveau und Output extrahieren. Diese wird als AD Kurve, äquivalent zu der englischen Notation „aggreagte demand“, bezeichnet.

Die Ableitung der aggregierten Nachfragekurve aus dem IS-LM-Modell

Die IS Kurve besitzt eine negative Steigung, was impliziert, dass ein Anstieg des Zinsniveaus zu einer rückläufigen Nachfrage und einem ebenso fallenden Output führt. Die LM Kurve hat eine positive Steigung, was bedeutet, dass ein Anstieg des Outputs zur Folge hat das ein höherer Bedarf an Geld vorliegt. Daher muss zwangsläufig das Zinslevel gesteigert werden, um das Gleichgewicht zwischen Geldangebot und -nachfrage zu reglementieren.

Bei gegebenem Anstieg des Preislevels von P zu P` würde die reale Geldmenge verringert werden und daher die reale Kaufkraft der Wirtschaftssubjekte sinken. Dies hätte die Verschiebung der LM Kurve von A zu A` zur Folge. Die niedrigere reale Geldmenge würde gleichzeitig bedeuten, dass das Zinsniveau ansteigen müsste (i zu i`), um die gestiegene Geldnachfrage zu kompensieren und das Gleichgewicht erneut herzustellen. Demzufolge würde sich der Output von Y zu Y´ verringern. Dieser Zusammenhang wird gemeinhin als „real balance effect" bezeichnet.

Aggregiert aus diesen Tatsachen ergibt sich die abgeleitete AD-Funktion – die bei gegebener monetärer und fiskaler Politik, sprich bei gegebenem M, G und T – den negativen Zusammenhang von einem ansteigendem Preisniveau und einem fallenden Output verdeutlicht.
In Worten ausgedrückt: Sobald durch ein ansteigendes Preisniveau die reale Geldmenge abnimmt, sinkt gleichzeitig die reale Kaufkraft der Wirtschaftssubjekte und dementsprechend die Nachfrage. Wenn eine geringere Nachfrage auf den Märkten vorherrscht würde schlussendlich ebenfalls die Produktion und somit der Output gedrosselt.


Übersicht der Reaktionen der aggregierten Nachfrage auf verschiedene Faktoren:

Die aggregierte Nachfrage sinkt, wenn: Die aggregierte Nachfrage steigt, wenn:
- Die erwartete Inflation oder die erwarteten Gewinne fallen
- Die Staatsausgaben abnehmen oder die Steuern ansteigen
- Das Geldangebot reduziert wird und die Zinssätze steigen
- Die erwartete Inflation oder die erwarteten Gewinne steigen
- Die Staatsausgaben zunehmen oder die Steuern abnehmen
- Das Geldangebot zunimmt und die Zinssätze fallen

Alternative Betrachtungsweisen

Um nun gesondert die Relation zwischen der realen Geldmenge und dem Output in den Fokus zu heben, sollte man Änderungen der Faktoren, die sich nicht auf reales Geld beziehen, außer Acht lassen. Zum einen läßt sich die Darstellung unter Einbeziehung eines Zeitfaktors, sowie der Hinzunahme eines positiven Parameters darstellen.
Simplifiziert wird dies als folgende Funktion dargestellt:

Y_t = Output
M_t = Reale Geldmenge
P_t = Preisniveau
y = Positiver Parameter


Grundlegend sind hierbei nachwievor die Annahmen der zuvor beschriebenen Relationen des IS-LM-Modells.

An dieser Stelle soll eine weitere Betrachtungsweise der Zusammenhänge verdeutlicht werden. Hierbei werden ebenfalls die Einflußgrößen wie Staatsausgaben und Steuern ausgelassen, um gesondert die Zuwachsraten von Output und nominalen Geld, sowie den Einfluss der Inflationsrate auf den Output zu evaluieren.


Die Darstellung von Wachstumsraten:


g_yt = Wachstumsrate des Outputs
g_mt = Wachstumsrate des nominalen Geldes
Pi_t = Infaltionsrate des Geldes

Anhand dieser Formel lässt sich der negative Einfluss der Inflation auf das Produktionswachstum extrahieren. Bei gegebenem Geldmengenwachstum führt eine hohe Inflation zu einer abfallenden realen Geldmenge und einem fallenden Output. Dahingegen führt eine geringe Inflation zu einer ansteigenden Geldmenge und somit einem steigenden Output.

Relevanz für die Praxis

Die aggregierte Nachfragebeziehung sowie die genaue Kenntnis bezüglich der aggregierten Nachfragekurve spielen für den Staat und die Zentralbank eine immens wichtige Rolle. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, besitzen Staat und Zentralbank via Fiskal- und Geldpolitik bedeutsame Instrumente, um Einfluss auf die Nachfrage, den Zinssatz sowie das Preisniveau zu nehmen. Daraus resultierend können Sie in gewissem Maße den Output sowie die Beschäftigung beeinflussen und stimulieren.

Nach der Ansicht von Keynes ist die Fiskalpolitik ein probateres Mittel als die Geldpolitik, um staatliche Eingriffe vorzunehmen. Diesem Standpunkt wurde durch die Monetaristen und deren geistigen Anführer Milton Friedman vehement widersprochen, die die Geldpolitik wiederum als geeigneter betrachten. Heutzutage wird zur Lenkung der Wirtschaft eine Kombination beider Eingriffsarten praktiziert.[4]

Einzelnachweise

  1. Olivier Blanchard, Macroeconomics 2nd Edition, Prentice Hall 2000
  2. Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon (A-E), 13. Auflage, 1993
  3. 3,0 3,1 Olivier Blanchard & Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, Pearson Studium, 2006
  4. Wendy Carlin & David Soskice, Macroeconomics - Imperfections, Institutions & Policies, Oxford University Press, 2006

Quellen

  • Olivier Blanchard, Macroeconomics 2nd Edition, Prenitce Hall 2000
  • Olivier Blanchard & Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, Pearson Studium, 2006
  • Wendy Carlin & David Soskice, Macroeconomics - Imperfections, Institutions & Policies, Oxford University Press, 2006
  • John Maynard Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Duncker & Humboldt, Siebte Auflage, 1994
  • N. Gregory Mankiw, Macroeconomics, 5th Edition, Worth Publisher, 2002