AS-AD-Gleichgewicht

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Das AS-AD Gleichgewicht

Im AS-AD Gleichgewicht treffen die Gleichgewichtsbedingungen aller Märkte (Güter-, Geld-, Finanz- und Arbeitsmarkt) einer Volkswirtschaft zusammen. Das Gleichgewicht wird bestimmt durch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage „aggregate demand“ und dem gesamtwirtschaftlichen Angebot „aggregate supply“ einer Volkswirtschaft.


Definition

Die aggregierte Angebotsfunktion und die aggregierte Nachfragefunktion bestimmen bei gegebenen Preiserwartungen Pe und gegebenen Werten der Geld- Fiskalpolitik M, G und T die Produktion Y und das Preisniveau P im gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht. [1]

Einleitung

Aus diesen Gleichgewichten leiten sich zwei wichtige Funktionen der Makroökonomie ab, aus denen das Preisniveau und das Output einer Volkswirtschaft bestimmt werden.

Die AS-Funktion „aggregate supply“ charakterisiert die Angebotsseite einer Volkswirtschaft und spiegelt die Beziehung zwischen den angebotenen Mengen und Dienstleistungen einer Volkswirtschaft (BIP) und dem Preisniveau wieder.[2]

Die AD-Funktion „aggregate demand“ charakterisiert die Nachfrageseite einer Volkswirtschaft und gibt Auskunft darüber, inwiefern sich die Änderung des Preisniveaus auf die Produktion einer Volkswirtschaft auswirken. Die AD Kurve leitet sich aus den Gleichgewichtsbedingungen der Güter-, Geld- und Finanzmärkten, dem IS-LM-Modell ab.[3]

Im Schnittpunkt der AS-Funktion mit der AD-Funktion ist das erwartete Preisniveau Pe gleich dem natürlichen Produktionsniveau Yn einer Volkswirtschaft. Das Pe ist hierbei von besonderer Bedeutung, da der Wert von Pe die Lage der aggregierten Angebotskurve bestimmt. Dies wiederum beeinflusst das Gleichgewicht.

Das Gleichgewicht im AS-AD Modell kann man im Hinblick auf zwei Zeitebenen betrachten. Zum einen auf das kurzfristige Gleichgewicht und zum anderen im Hinblick auf das mittelfristige Gleichgewicht. Kurzfristig wird davon ausgegangen, dass die Preiserwartungen der an der Lohnsetzung beteiligten Parteien fest vorgegeben sind. Grund für diese Annahme ist die empirische Beobachtung, dass Nominallöhne langsamer auf Änderungen exogener Variablen reagieren als Preise, die ihrerseits wiederum langsamer reagieren als Produktionsmengen. In der kurzen Frist hat nur die Verschiebung der Güternachfrage (AD-Kurve) Einfluss auf das Produktionsniveau einer Volkswirtschaft.

Da sich jedoch im Zeitverlauf die Pe mit großer Wahrscheinlichkeit ändern werden, wird sich auch die AS-Kurve verschieben, es kommt zu einer Anpassung der Nominallöhne, das Gleichgewicht verschiebt sich entlang der Güternachfrage und das Produktionsniveau wird zu seinem natürlichen Produktionsniveau zurückkehren. Im Folgenden wird erläutert, wie das kurzfristige Gleichgewicht im AS-AD Modell zustande kommt und wie in der mittleren Frist die Produktion zu Ihren natürlichen Produktionsniveau zurückkehrt.

Das kurzfristige AS-AD Gleichgewicht

Das kurzfristige Gleichgewicht ist in Abbildung 1 dargestellt. Die aggregierte Angebotskurve hat bei gegebenen Preiserwartungen einen positiven Verlauf.

Abbildung 1: kurzfristiges AS-AD Gleichgewicht

Je höher die Produktion ist, desto höher ist das Preisniveau. Die Lage der AS-Kurve hängt von den Preiserwartungen Pe ab. Entspricht die Produktion ihrem natürlichen Niveau, so sind tatsächliches und erwartetes Preisniveau identisch. Im Ausgangspunkt verläuft die AS-Kurve und die AD-Kurve durch den Punkt B. Es besteht somit ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht. Durch Geld- oder Fiskalpolitische Maßnahmen des Staates oder auch durch exogene Faktoren wie z. B. einem Ölpreisschock sind die Unternehmen angehalten ihre Produktion an die veränderten Absatzmöglichkeiten anzupassen. Dies hat zur Folge, dass die Produktionen steigen oder fallen.

In der Abbildung 1 wird von einer steigenden Produktion ausgegangen. Kurzfristig gesehen kommt es zu einer Mengenanpassung bei konstantem Preisniveau. Da die Produktionserhöhung in den Unternehmen zu einem erhöhten Personalbedarf führt und dies wiederum einen Kostenanstieg verursacht, werden die erhöhten Lohnkosten auf die Preise nieder geschlagen. Die AD-Kurve verschiebt sich entlang der AS-Kurve bis sich im Punkt A ein kurzfristiges Gleichgewicht einstellt.

Im Punkt A ist das Preisniveau P1 gleich der Produktion Y1 (Y1 = P1) einer Volkswirtschaft. Die Güter- und Geldmärkte sind im Gleichgewicht, da sich der Punkt A auf der aggregierten Nachfragekurve befindet. Der Arbeitsmarkt ist kurzfristig im Gleichgewicht, da Punkt A auf der aggregierten Angebotskurve liegt. Aus der Abbildung 1 ist ersichtlich, dass die Produktion Y nicht unbedingt dem natürlichen Niveau Yn entsprechen muss (Y1 > Yn). Im Gleichgewicht hängt Y sowohl von der AS- (Verlauf durch Pe bestimmt) als auch von der AD-Kurve (Verlauf durch M, G und T bestimmt) ab. Der umgekehrte Sachverhalt wäre auch denkbar, dann gilt (Y1 <Yn).

Das mittelfristige AS-AD Gleichgewicht

Das kurzfristige Gleichgewicht entspricht, wie oben erläutert dem Schnittpunkt von AD- und AS-Kurve in Punkt A. In diesem Punkt sind alle betrachteten Märkte (Arbeits-, Güter- und Finanzmarkt) im Gleichgewicht. Es gibt somit kurzfristig keinen Grund, warum das Produktionsniveau seinem natürlichen Niveau entsprechen sollte.

Mittelfristig gesehen wird es aber zu einer Anpassung des Produktionsniveaus kommen, bis das natürliche Produktionsniveau Yn wieder erreicht wird. Um die Veränderung des Produktionsniveaus Y über die Zeit hinweg zu verdeutlichen, muss zuerst spezifiziert werden wie die Lohnverhandler ihre Preiserwartungen formen.

Bisher wurden die Preiserwartungen Pe als konstant angenommen. Jedoch kann sich Pe über die Zeit hinweg verändern. Lohnverhandler erwarten immer, dass das erwartete Preisniveau in diesem Jahr dem aktuellen Preisniveau des letzten Jahres entspricht.[4]

Aus Abbildung 2 wird ersichtlich, dass im Punkt A das Produktionsniveau Y > Yn und P > Pe ist. Die Produktion Y liegt über dem natürlichen Niveau Yn. Daraus schlussfolgernd liegt auch das tatsächliche Preisniveau P über den Preiserwartungen Pe.

Abbildung 2: mittelfristiges AS-AD Gleichgewicht

Zum Zeitpunkt der Lohnverhandlungen unterschätzten die Lohnverhandler das tatsächliche Preisniveau. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die an der Lohnsetzung beteiligten Personen ihre Preiserwartungen nach oben korrigieren. Bei den nächsten Lohnverhandlungen werden sie ihre Entscheidungen auf Basis höherer Preiserwartungen treffen. Dies hat zur Folge, dass die Nominallöhne der Arbeitnehmer steigen. Die Kosten der Unternehmen steigen, welche dann unter Berücksichtigung des mark-up auf höhere Preise überwälzt werden. Die Erhöhung der Pe verschiebt die AS-Kurve nach oben entlang der AD-Kurve zum Punkt A'. Die Anpassung der Preisindexerwartungen führt wiederum zu einer Überschussnachfrage am Gütermarkt. Dies hat eine Steigerung der Inflationrate zur Folge.

Solange nun das Produktionsniveau Y‘ noch nicht das natürliche Niveau Yn erreicht hat, liegen die Preiserwartungen noch immer unter dem tatsächlichen Preisniveau. Der Anpassungsprozess wird sich also fortsetzen, da die an der Lohnsetzung beteiligten Personen weiterhin höhere Löhne durchsetzen möchten. Die AS-Kurve verschiebt sich so lange nach oben, bis AS" und damit Yn erreicht ist. Ist dieser Punkt erreicht, entspricht die gleichgewichtige Produktion ihrem natürlichen Niveau und das tatsächliche Preisniveau P" dem erwarteten Preisniveau Pe".

Es gibt keinen Anlass mehr, die Erwartungen weiter zu korrigieren. Die Volkswirtschaft verharrt im Punkt A‘‘. Im Fall, dass die Produktion im Ausgangspunkt unter dem natürlichen Niveau liegt (Y < Yn), ist die Argumentationskette vollkommen symmetrisch. In diesem Fall liegt ein Angebotsüberschuss vor. Die Unternehmen können eine höhere Produktion nur durch Preisnachlässe durchsetzen. Gleichzeitig sind sie gezwungen ihre Überkapazität abzubauen. Dies hat zur Folge, dass das Preisniveau, die Investitionen und die Beschäftigung einer Volkswirtschaft abnehmen. Das dadurch entstandene Überschussangebot auf dem Arbeitsmarkt führt zu sinkenden Nominallöhnen. Es kommt zu einem Rückgang der Inflationsrate. Die AS-Kurve würde sich nach unten verschieben. Ein Angebotsüberschuss führt kurzfristig gesehen zu einem Produktionsrückgang bei gleichbleibenden Nominallöhnen. Mittelfristig betrachtet kommt es zu einer Anpassung der Nominallöhne. Die Nominallöhne werden nach unten korrigiert. Dies ermöglicht es den Unternehmen wieder günstiger zu produzieren. Das Output einer Volkswirtschaft steigt. Dieser Prozess dauert an, bis das neue Gleichgewicht bei „normaler“ Beschäftigungsquote und natürlichem Produktionsniveau erreicht ist.

Zusammenfassung

Das AS-AD Gleichgewicht veranschaulicht, wie eine Volkswirtschaft auf staatliche Eingriffe oder exogene Faktoren in kurzer und in mittlerer Frist reagiert. Kurzfristig betrachtet passen die Unternehmen Ihre Mengen und Güterpreise bei gleichbleibenden Nominallöhnen den Marktbedingungen an.

Dies hat zur Folge, dass die Produktion einer Volkswirtschaft von ihren natürlichen Produktionsniveau abweicht. Mittelfristig betrachtet kehrt die Produktion immer zu ihren natürlichen Preisniveau zurück.

Grund dafür ist die Anpassung der Nominallöhne. Die Anpassung der Nominallöhne löst eine Veränderung des Preisniveaus aus. Die Veränderung des Preisniveaus lässt die Produktion einer Volkswirtschaft bei einem Nachfrageüberschuss sinken und bei einem Angebotsüberschuss steigen bis das natürliche Produktionsniveau, zu einem angepassten Preisniveau, wieder hergestellt ist.

Einzelnachweise

  1. Olivier Blanchard & Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, Pearson Studium, 2006
  2. Berlemann Makroökonomie, Modellierung, Paradigmen und Politik, Springer, 2005
  3. Berlemann Makroökonomie, Modellierung, Paradigmen und Politik, Springer, 2005
  4. Olivier Blanchard & Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, Pearson Studium, 2006

Literaturhinweise

  • Olivier Blanchard & Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, Pearson Studium, 2006, ISBN 3-8273-7209-7
  • Berlemann Makroökonomie, Modellierung, Paradigmen und Politik, Springer, 2005, ISBN 3-540-23714-3
  • Felderer & Homburg, Makroökonomik und neue Makroökonomik, 7. Auflage, Springer, 1999, ISBN 3-540-66128-X
  • Flaschel & Groh, Keynesianische Makroökonomik, Springer, ISBN 3-540-61670-5