Zollunion

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Als Zollunion (engl. customs union ) versteht man den Zusammenschluss von zwei oder mehreren Ländern, mit zuvor unterschiedlichen Zollbereichen, zu einem einheitlichen Zollgebiet.


Einleitung

Die Zollunion gehört zu den ökonomischen Integrationformen, deren Ziel es ist, bestehende Restrikionen hinsichtlich der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ländern, vollständig oder zumindest partiell zu beseitigen. Hierbei handelt es sich um eine Vereinigung souveräner Staaten zu einem gemeinsamen Handelsraum. Ähnlich der Freihandelszone vereinbaren die Mitgliedsstaaten hierbei die Abschaffung von Binnenzöllen, sowie andere interne Handelsbeschränkungen. Sie unterscheidet sich aber im wesentlichen durch die Einigung auf einen einheitlichen Außenzolltarif und eine gemeinsame Außenhandelspolitik gegenüber Drittländern.

Wirkungen der Zollunion

In der Zollunion lassen sich strukturelle und richtungsmäßige Veränderungen der Handelsströme im Normalfall nicht vermeiden. Eine Handelsliberalisierung vergrößert innerhalb der Zollunion die Märkte und neutralisiert bisherige, inländische Monopolsituationen durch ausländische Konkurrenz. Diese Marktvergrößerung kann Kostensenkungen und damit Preissenkungen zur Folge haben aufgrund von Skaleneffekten, gleichzeitig werden jedoch bestehende Märkte, die nicht der Zollunion angehören, abgeschnitten. Somit entstehen handelsschaffende Effekte innerhalb des Integrationsraumes und handelsablenkende Effekte nach außen. [1]


Handelsschaffende Effekte

Handelsschaffende Effekte oder auch Aufschließungseffekte (engl. trade creation effects) entstehen dann, wenn durch Zollbeseitigungen im gegenseitigen Warenverkehr, einheimische Güter mit höheren Realkosten in der Produktion durch konkurrenzfähigere sprich preisgünstigere Importe aus Partnerländern mit niedrigeren realen Produktionskosten erstetzt werden. Diese übernehmen somit einen Teil der Inlandsproduktion. In diesem Fall ist ein Wohlfahrtsgewinn zu verzeichnen.


Handelsumlenkende Effekte

Durch die Aufhebung der Zölle innerhalb der Zollunion und die Gewährleistung einer Präferenzmarge in Höhe des gemeinsamen Außenzolls, werden Güter der Drittländer teurer. Aufgrund der Preiserhöhnung der Importgüter könnte es zu einer Verlagerung der Nachfrage zugunsten von Gütern innerhalb des Integrationsraumes kommen und damit zu einer Diskriminierung von in Drittländern kostengünstiger produzierten Gütern führen. Diese Verlagerung nennt man handelsumlenkende Effekte oder auch Abschließungseffekte (engl. trade diversion effects) der Zollunion.[2] Es würde hier zu einem Wohlfahrtsverlust führen. Abschließungseffekte bedeuten offentsichtlich immer eine Verschwendung von Produktionskräften: "An Orten mit niedrigen Produktionskosten wird weniger erzeugt,nur weil sie außerhalb der Zollunion liegen und an Orten mit höheren Produktionskosten wird die Erzeugung gesteigert,nur weil sie sich innerhalb der Zollunion befinden.[3]


Beispiel

Die Länder A, B und C können ein Gut mit den Kosten von 15, 10 bzw. 8 produzieren. A erhebt einen Zoll von 10, folglich kostet im Land A das Gut, wenn es aus B importiert wird 20 und wenn es aus C importiert wird 18. Da das Gut in beiden Fällen teurer ist als wenn es in A selbst produziert wird, kommt es zu keinem Außenhandel. Bilden die drei Länder eine Zollunion, wird C zum günstigsten Anbieter und A importiert das Gut aus C (Handelsschaffung). Bilden nur A und B eine Zollunion, so wird B an Stelle von C der günstigste Anbieter (Handelsumlenkung von C auf B).[4]

Siehe auch

Europäische Zollunion[1]

Südafrikanische Zollunion[2]

Literatur

  • Paul R. Krugmann/Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft "Theorie und Politik der Außenwirtschaft", 7. Auglage, Pearson Studium 2006
  • Gustav Dieckheuer: Internationale Wirtschaftsbeziehungen, 2. Auflage, R. Oldenbourg Verlag München Wien 1991
  • Manfred Borchert: Außenwirtschaftslehre: Theorie und Politik, 6. Auflage, Gabler Verlag 1999
  • Hartmut Berg: Internationale Wirtschaftspolitik, 1. Auflage, Vandenhoeck und Ruprecht 1976, Uni-Taschenbücher
  • Juergen B. Donges/Andreas Freytag: Die Rolle des Staates in einer globalisierten Wirtschaft, Schriften zur Wirtschaftspolitik, N.F. , Bd. 6, Lucius & Lucius 1998
  • Werner Glastetter: Außenwirtschaftspolitik, 3. Auflage, Oldenbourg Verlag 1998
  • Klaus Rose/Karlhans Sauernheimer: Theorie der Außenwirtschaft, 14. Auflage, Verlag Franz Vahlen GmbH 2006 München
  • Peter Zweifel/Robert H. Heller: Internationaler Handel "Theorie und Empirie, 3. Auflage, Physica-Verlag 1997 Heidelberg
  • Dietmar Butt(Hrsg.): Aussenwirtschaftslexikon, 2. erw. Auflage, Deutscher Wirtschaftsdienst 1989
  • Herbert Giersch: Einige Probleme der kleineuropäischen Zollunion, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 113. Bd (1957)

Weblinks

http://www.europa.eu

http://www.bpb.de

http://www.eufis.de/eu-glossar

Einzelnachweis

  1. Manfred Borchert: Außenwirtschaftslehre: Theorie und Politik, 6. Auflage, Gabler Verlag 1999, vgl. s.488
  2. Gustav Dieckheuer: "Internationale Wirtschaftsbeziehungen", 2. Auflage, R. Oldenbourg Verlag München Wien 1991. vgl. S. 487
  3. Herbert Giersch: Einige Probleme der kleineuropäischen Zollunion, in: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, 113. Bd (1957), vgl. S. 602 ff, hier: s. 605
  4. vgl. Wikipedia: Zollunion, Url: http://de.wikipedia.org/wiki/Zollunion

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