Wirtschaftslage Rumänien 2008

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Der nachfolgende Artikel beschreibt die außergewöhnliche makroökonomische Entwicklung des südosteuropäischen Transformationslandes Rumänien sowie deren Ursachen und Auswirkungen.

România

Rumänien
Romania

Flagge Rumänien.png
Basisdaten[1]
Amtssprache Rumänisch
Hauptstadt Bukarest
Staatsform Republik
Staatsoberhaupt Präsident Traian Băsescu
Regierungschef Premierminister Călin Popescu Tăriceanu
Fläche 238.391 km²
Einwohner 21.564.000 (Januar 2007)[2]
Bevölkerungsdichte 93,7 Einwohner pro km²
Währung 1 Leu = 100 Bani
Romania.jpg

Aktuelle makroökonomische Lage und Strategie Rumäniens

Die Wirtschaft Rumäniens ist in den vergangenen Jahren im EU-Vergleich durchschnittlich gewachsen. Ein realer BIP-Zuwachs von 6% in 2007 und zuvor 7,9% in 2006 bringt dies zum Ausdruck. Ein Grund dafür liegt im Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit dem weltweiten Konjunkturverlauf. Wachstumstreiber waren speziell der hohe Binnenkonsum und die starke Entwicklung der inländischen Baubranche. Der niedrigere BIP-Zuwachs in 2007 ist dabei auf ein schlechtes Agrarjahr zurückzuführen.[3]

Die gesetzten Inflationsziele, deren Erfüllung vor allem in Bezug auf die Vorgaben der EU enorm wichtig ist, wurden in 2007 deutlich verfehlt. Dabei lag die Ursache vor allem in den extremen Wechselkursschwankungen der Währung Leu und der damit schnellen Aufeinanderwirkung von Auf- und Abwertung.

Der Anstieg der Arbeitsproduktivität Rumäniens lag 2006 bei 10.6 % und 2007 bei 9,9%. Dies drückt den technischen Fortschritt in der Produktion aus und stellt dar, dass bei konstanten Inputmengen ein wesentlich höherer Output erzielt werden kann. Die Entwicklung des technischen Fortschritts zeigt dabei auch auf, dass Rumänien in vielen Bereichen unter den aktuellen Standards der Produktion liegt. Der hohe Grad der Steigerung ist in diesem Fall durch eine große Anzahl von Direktinvestitionen zu erklären. Durch die starke Ansiedlung ausländischer Firmen werden nicht nur deren Standards umgesetzt, sondern durch den Neuerwerb von Produktionsstätten werden meist auch die neuesten Produktionsverfahren eingesetzt. Rumänien ist dadurch in einigen Produktionsbereichen zum Teil Technologieführer.[4]

Bei einer Bevölkerungszahl von ca. 21,6 Mio. beträgt der Anteil der Erwerbstätigen 59%. 2006 lag Rumäniens Arbeitslosenquote bei 7,3 %, die in 2007 auf 6,4% reduziert werden konnte. Diese Senkung hat ihren Ursprung in der starken Steigerung der Binnennachfrage und in der zunehmenden staatlichen Öffnung, d.h. dem Empfang von Direktinvestitionen.

Trotz der guten Ausgangslage hat Rumänien ein durchschnittliches Lohnniveau von ca. 300 Euro und gehört damit zu den Billigproduktionsländern. Diese Tatsache macht es zugleich attraktiv für ausländische Unternehmen und Investoren, die ihre Produktion bei gleichzeitiger relativer Nähe zum europäischen Markt in ein Billigproduktionsland verlagern wollen.

2007 sind die privaten Kreditaufnahmen um nahezu 50% angestiegen, welche durch einen hohen Anteil von ausländischen Anleihen finanziert wurden. Dadurch ist der relativ hohe Anstieg von inländischen Fremdwährungsguthaben zu erklären. Die direkten ausländischen Anleihen erhöhen zusätzlich das Währungsungleichgewicht in den Unternehmens- und Haushaltsbilanzen.[5]

Die wirtschaftliche Strategie Rumäniens liegt kurzfristig in einer Verbesserung der Infrastruktur, um eine Erleichterung des Warenhandels zu erreichen. Gemeint sind damit vor allem Verkehrseinrichtungen wie Autobahnen und Schienenanbindung sowie der Ausbau der Kommunikationsnetze. Auf lange Sicht richten sich die Wirtschaftsziele Rumäniens an den Vorgaben der EU aus. Im Besonderen sind damit die Pflichten eines EU-Mitgliedes gemeint; Rumänien jedoch strebt langfristig auch eine Aufnahme in die Währungsunion an. Deshalb liegt das Hauptziel in der Preisstabilität, welches vor allem in den letzten Jahren nicht erfüllt werden konnte. Weitere Ziele sind zum Beispiel Wirtschaftswachstum und ein hoher Grad an Beschäftigung. Rumänien verfolgt dabei die Taktik, durch ausländische Direktinvestitionen Zugang zu neuen Technologien zu erhalten und zugleich strategische Partner für zukünftige Projekte zu gewinnen.

Der Realitätsgehalt der Crowding-In-These

Folgend soll der Crowding-in Effekt am Beispiel Rumäniens analysiert werden. Dabei werden die antizyklische Wirtschafts- und Geldpolitik des Staates und deren Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Lage des Landes untersucht. Ziel ist es, die Folgen in kurzer Frist darzustellen. Durch diese Betrachtung werden die staatlichen Maßnahmen einer restriktiven Fiskalpolitik untersucht. Die Auswirkungen einer Steuererhöhung werden nicht betrachtet, sondern lediglich eine Senkung der Staatsausgaben im Verhältnis zum Bruttonationalprodukt (BNP).

Aufgrund dessen wird aus Abb. 1.1 abgeleitet, die Periode gewählt, in der in fünf aufeinanderfolgenden Jahren der Anteil der Staatsausgaben am BNP am stärksten gesunken ist. Es wird versucht nachzuweisen, dass eine Senkung der staatlichen Ausgaben im Verhältnis zum BNP zu einer Belebung der Investitionsnachfrage führt. Also ob es zu einem Crowding-In Effekt kommt. Die Senkung der staatlichen Ausgaben ist hierbei auf eine restriktive Fiskalpolitik zurückzuführen. Einen wichtigen Punkt stellt die Staatsverschuldung dar. In dieser Phase müssen Neuverschuldungen gegen Null gesenkt werden, um einen annähernd ausgeglichenen Staatshaushalt zu bilden.

Ausgewählt wurde die Phase von 2001 bis 2005. Rumäniens Anteil der Staatsausgaben am BNP ist zwar in vorherigen Perioden auch gesunken, aber am deutlichsten wird der Unterschied ab dem Jahr 2003 und den folgenden Jahren. In den vorherigen Jahren wurde bereits eine negative Entwicklung eingeleitet.

Abb. 1.1.: Entwicklung Staatsausgaben/BNP und BIP, Rumänien 1998 bis 2007

Laut Modellvorstellung befindet sich die Volkswirtschaft bis 2001 in der Ausgangslage, d.h. auf einem stabilen ausgeglichenen Niveau. Dargestellt wird dieses normale Produktionsniveau in Form des Bruttoinlandproduktes (BIP). In diesem Ausgangspunkt stellen sich Preiserwartungen und Preisniveau aufeinander ein. Wird nun eine Senkung der Staatsausgaben im Verhältnis zum BNP durchgeführt, müsste sich die Nachfrage-Seite des AS-AD-Modells verschieben und zu einer neuen Gleichgewichtsmenge führen. Das neue Preisniveau führt zu einem Rückgang der angebotenen Menge. Damit müsste das BIP innerhalb dieses Zeitraumes stark zurück gehen. In Abb. 1.1 ist zu erkennen, dass ab 2001 ein deutlicher Rückgang des Wachstums des BIP zu verzeichnen ist. Im Verlauf der beiden Kurven wirkt sich der kurze sprunghafte Anstieg der Staatsausgaben/BNP sofort auf die Entwicklung des BIP aus, indem in der Frist 2002 zu 2003 eine Stabilisierung und ein leichter Anstieg des BIP zu erkennen sind.

Abb. 1.2.: Anpassung der Produktion im Zeitverlauf

Wird nun der Annahme des Modells des Gesamtangebots gefolgt, müsste die Abnahme der Produktion durch eine im Anstieg fallende Gesamtangebotskurve gekennzeichnet sein. Bei einer Produktion unterhalb des natürlichen Niveaus fällt auch das Preisniveau. Eine wichtige Eigenschaft der aggregierten Angebotskurve stellt die Veränderung der Preiserwartung dar, die zu einer horizontalen Verschiebung der Angebotskurve führt. Das bedeutet, bei konstanter Arbeitslosenquote und konstantem BIP, führt eine niedrigere Preiserwartung zu fallenden Löhnen und damit niedrigeren Preisen. Dadurch, dass dieser Effekt für jedes Produktionsniveau gilt, kommt es zu einer horizontalen Verschiebung der Angebotskurve. In Folge des Produktionsrückgangs und somit schlechterer Auftragslage der Unternehmen geht die Beschäftigung zurück, was wiederum eine Senkung der Nominallöhne nach sich zieht. Wegen niedrigerer Nominallöhne und somit niedrigerer Produktionskosten senken die Unternehmer ihre Preise und das Preisniveau sinkt weiter[6]. Dargestellt werden diese Auswirkungen in Abb. 1.2

Abb. 1.3.: Crowding-In Effekt Rumänien

Durch die Senkung des Preisniveaus kommt es kurzfristig zu einem Ansteigen der Geldmenge und dadurch bedingt zu einer Senkung des Geldmarktzinssatzes. Eine Senkung des Zinssatzes zieht wiederum eine negative Wirkung auf die Sparquote nach sich. Ein geringerer Zinserwartungswert für Sparer wirkt sich jedoch positiv auf der Seite der Investoren aus, da Kredite im Verhältnis preiswerter werden. Damit müsste die Senkung des Nominalzinses eine positive Entwicklung der Investitionsausgaben nach sich ziehen. Der Crowding-In Effekt kann aus dem AS-AD-Modell heraus so beschrieben werden, als dass die Abnahme der Staatausgaben/BNP, der Zunahme der Bruttoanlageinvestitionen entspricht. Dieser Effekt wird versucht in Abb. 1.3 darzustellen. Damit kommt es kurzfristig zu einer Deflation und damit zu einer Stärkung des Konjunkturverlaufs, bei gleichzeitiger Verringerung der Staatsverschuldung.

Festzustellen ist, dass die weitere Verringerung der Staatsausgaben in Rumänien zu einem weiterhin starken Wachstum der Investitionsnachfrage führt.

Rumänien ist wirtschaftlich gesehen ein eher kleines Land und hat vor allem durch die politische Wende Ende der 90er Jahre eine enorme Umstellung der Wirtschaftspolitik erlebt. Die Staatsverschuldung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Als wichtigster Ausgangspunkt ist hierbei die Umorientierung der staatlichen Wirtschaftspolitik, von einem sozialistischen zentralen System, hin zu einer offenen marktwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaft zu sehen. Ein anderer Grund dafür lag vor allem in der vollkommenen Neuorientierung vieler Wirtschaftszweige, in Folge der Öffnung des Landes und einer Vielzahl von Konkurrenten.

Durch die Aufnahme der Verhandlungen zur Europäischen Union Anfang 2000 und den Beitritt im Jahr 2007 ergaben sich nochmals weitreichende Veränderungen. Somit muss Rumänien spätestens seit dem Jahr 2000 die wirtschaftspolitischen Vorgaben der EU erfüllen. Aufgrund dessen wurde u.a. die Auswahlperiode der Analyse auf die Jahre 2001 bis 2005 bezogen.

Die Phillips-Kurven im Zeitablauf

Ursprüngliche Phillipskurve

Abb. 2.1.: Ursprüngliche Phillipskurve

Abb. 2.1 zeigt die Kombination der Inflationsrate (Inflation) und Arbeitslosenquote (ALQ) Rumäniens für die Jahre 1991-1998 und 1999-2007.
1991-1998
Die illustrierte Phillipskurve (PK) verläuft positiv. Die Periode ist anfangs durch sehr hohe Inflationen gekennzeichnet (1993:256,1%) und weist ebenso erhöhte ALQ (1993:7,1%) auf. Ausnahmen gibt es 1991 und 1996. Die hohe Inflation Anfang der 90er Jahre resultiert aus dem Verfall der Landeswährung Leu, welcher in der Zeit um 1991 begann. 1992 liegt die Inflation bei über 200%. Bis Mitte der 90er Jahre sinkt die sie wieder und Rumänien kann seine Lage scheinbar stabilisieren, doch 1997 verfällt der Leu erneut und erreicht eine Jahresinflation von ca. 155%.[7] Rumänien ist zudem anfällig für externe Schocks, die zum Teil durch den schwachen Leu zu begründen sind. Die Abwertung dessen lässt nicht nur Importe teurer werden, sondern bewirkt auch eine steigende Inflation.[8] Jahre mit relativ niedriger Inflation (1996:38,8%) erreichen ebenso niedrige ALQ (1996:3,4%). Ursächlich dafür ist der wirtschaftliche und politische Wandel Rumäniens zu Beginn der 90er Jahre. Die positiv steigende Gerade mit einer Korrelation von 0,06 zeigt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Inflation und ALQ im Sinne der ursprünglichen PK gibt. Diese Entwicklung deutet auf eine Stagflation hin.

Regressionsgleichung und Korrelationskoeffizient der ursprünglichen Phillipskurve

Zeitraum Regressionsgerade Korrelationskoeffizient R²
1991-1998 πt = 13,24ut + 61,31 0,06
1999-2007 πt = - 2,82ut + 42,21 0,01
1999-2002 πt = - 9,95ut + 109,5 0,5
1991-2007 πt = - 18,59ut + 191,89 0,12
Regressionsgleichung und Korrelationskoeffizient der erweiterten Phillipskurve

Zeitraum Regressionsgerade Korrelationskoeffizient R²
1991-1998 πt = - 38,48ut + 213,1 0,32
1999-2007 πt = - 0,7ut - 0,96 0,01
1991-2007 πt = - 21,61ut + 137,28 0,21
eigene Berechnungen: Claudia Wache
(Quelle Daten: ALQ: AMECO-Datenbank[4], Inflation: Nationales Institut für Statistik Rumänien[9])

1999-2007
Die negativ verlaufende Gerade, entspricht einer negativen Beziehung zwischen Inflation und ALQ. Die Inflation sinkt stetig von 45,8% (1999) auf 4,84% (2007) und erreicht nun das Niveau anderer Transformationsländer. Die ALQ dagegen steigt von 6,9% (1999) auf 8,4% (2002). Bis 2007 sinkt sie auf 6,4% und liegt damit innerhalb des EU-Durchschnittes. Insgesamt ist diese niedrig, da viele Beschäftigte in den letzten Jahren aus der Erwerbstätigkeit verdrängt wurden und in niedrig produktive Tätigkeiten, wie ländliche [Subsistenzwirtschaft] oder [Schattenwirtschaft], abwanderten.[10] Offizielle Stellen schätzen, dass ca. 1,2 Mio. Arbeitskräfte in der Schattenwirtschaft tätig sind und auch die hohe Abwanderung ins Ausland Gründe für die niedrige ALQ sind. Schätzungen zufolge arbeiten ca. 3 Mio. Rumänen im Ausland.[11] Die negativ ansteigende Gerade deren Korrelation 0,01 beträgt, lässt zunächst einen Verlauf der Volkswirtschaft auf der PK vermuten. Tatsächlich liegt die Korrelation für kurze Zeit ( 1999-2002) bei 0,5 und zeigt somit einen Zusammenhang zwischen ALQ und Inflation. Diese Korrelation ist jedoch ab 2003 bis heute nicht mehr gegeben.
1991-2007
Betrachtet man die Lagen der ursprünglichen PK im Gesamtzeitraum, so ist eine Verschiebung nach rechts erkennbar. Es ergibt sich insgesamt ein negativer Anstieg der Geraden. Die Korrelation von 0,12 zeigt aber, dass kein bedeutender Zusammenhang zwischen Inflation und ALQ existiert.
Folglich trifft für Rumänien die Hypothese zu, dass die ursprüngliche PK an Aussagekraft verloren hat. Auch eine Veränderung der Zeitabschnitte würde an dieser Aussage nichts ändern. Die gewählten Perioden sind relativ kurz, es existieren bis 1990 keine repräsentativen Daten über Inflation und ALQ und es sind kaum Trade-offs zwischen Inflation und ALQ ersichtlich.

Erweiterte Phillipskurve

Abb. 2.2.: Erweiterte Phillipskurve

Abb. 2.2 stellt die Beziehung zwischen ALQ und Veränderung der Inflationsrate Rumäniens für die Zeiträume 1991-1998 und 1999-2007 dar.
1991-1998
Für diese Periode ergibt sich ein negativer Zusammenhang zwischen ALQ und Änderung der Inflation. Die Korrelation von 0,32 zeigt, dass die Aussage der erweiterten Phillipskurve zutrifft, dass heißt, bei einer positiven Änderung der Inflation ist die ALQ niedrig. Umgekehrt ist die Änderung der Inflation negativ bei hoher ALQ. Abweichungen gibt es 1993 (ALQ:7,1%,Änderung Inflation:+45,7) und 1998 (ALQ:5,4%,Änderung Inflation:-95,7). Die Abweichung 1998 ist auf die hohe Inflation des Vorjahres zurückzuführen, welche durch den Verfall des Leu bedingt war.
1999-2007
Die für diese Periode fast horizontal verlaufende Gerade mit der Korrelation von 0,01 zeigt, dass kein repräsentativer Zusammenhang zwischen ALQ und Änderung der Inflation vorliegt. Bei gegebener ALQ ist die Änderung der Inflation geringer ausgeprägt, als im Zeitraum zuvor. Die Punkte liegen hier alle eng beieinander.
1991-2007
Betrachtet man die erweiterten PK für den Gesamtzeitraum, so ergibt sich bei einer Korrelation von 0,21 insgesamt ein negativer Zusammenhang zwischen ALQ und Änderung der Inflation. In der Gesamtschau bedeutet dies, dass der Aussagegehalt der erweiterten PK im Vergleich zur ursprünglichen PK zugenommen hat. Auffällig ist auch hier die Rechtsverschiebung der Geraden im Zeitablauf. Diese weist auf einen Anstieg der normalen ALQ hin.

Normale Arbeitslosenquote

Für die erste Periode errechnet sich eine durchschnittliche tatsächliche ALQ von 5,4% in der zweiten Periode liegt diese bei 7,2%. Die normale Arbeitslosenquote liegt im Zeitraum 1991-1998 bei 5,5% und pegelt sich bei ca. 6,4% für die Folgejahre ein. Insgesamt ist die normale ALQ gering und hängt besonders von der beruflichen und räumlichen Mobilität, dem Anreiz zur Arbeit und der Wettbewerbsintensität rumänischer Arbeitskräfte ab.

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik sollte folgende Ziele verfolgen:

  • Verstärkte Sicherung des wirtschaftlichen Wachstums mit Hilfe von Strukturreformen
  • Aufrechterhaltung der Produktion
  • Anstreben eines gemäßigten Lohnanstieges, um die Inflation weiter zu senken.

Dies wird jedoch nahezu unmöglich sein, da die normale ALQ bereits erreicht wurde.[12]

Disinflations-Opfer

In der nachfolgenden Betrachtung soll auf einen eventuellen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit im Hinblick auf die Beurteilung wirtschaftspolitischer Maßnahmen eingegangen werden. Vorangestellt sei hierbei die Theorie der erweiterten Phillipskurve. Aus dieser geht hervor, dass kurzfristig ein Anstieg der tatsächlichen Arbeitslosenquote über der natürlichen zu einem Rückgang der Inflation führt.[13]

Die zu untersuchende 7-Jahresperiode ergab sich zum einen aus der Betrachtung des Verlaufs der Inflation über die vergangenen 17 Jahre und aus der Berechnung der gleitenden Durchschnitte. Der zur Auswahl stehende Zeitraum von 17 Jahren ist dadurch begründet, das Rumänien erst Anfang der 90er Jahre damit begonnen hat die Arbeitslosenquote zu ermitteln bzw. zu dokumentieren. Von 1993 bis 1999 wurde die Inflationsrate in Rumänien um die meisten Prozentpunkte reduziert (siehe Abb. 3.1).


Abb. 3.1.: Inflationsrate und Arbeitslosigkeit Rumäniens von 1993-1999
Abb. 3.2.: Disinflationspfad Rumäniens von 1993-1999
Berechnung des Opferverhältnisses für die Jahre 1993 - 1999
Jahre 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Inflationsrate in %[14] 256,11 136,74 32,27 38,81 154,76 59,1 45,8
tatsächliche Arbeitslosenquote in %[4] 7,10 7,40 6,10 3,40 5,30 5,40 6,90
natürliche Arbeitslosenquote in %[4] 5,51 5,51 5,51 5,51 5,51 5,51 5,51
Kumulierte Arbeitslosigkeit   3,49 4,08 1,98 1,77 1,66 3,06
Kumulierte Disinflation   119,36 223,83 217,30 101,34 197,01 210,30
Opferverhältnis   0,029 0,018 0,009 0,017 0,008 0,015
eigene Berechnungen Katrin Weingarten
(Quellen der Daten: Inflationsrate: IFM-Datenbank, natürliche Arbeitslosenquote (NAWRU) und tatsächliche Arbeitslosenquote: AMECO-Datenbank) In Abbildung 3.2 ist der Disinflationspfad grafisch dargestellt.

Inflationsrate und Arbeitslosenquote

Die Inflationsrate wurde in den ersten Jahren der Untersuchung von 256, 1% auf 136,7% gesenkt. Im Vergleich dazu stieg die Arbeitslosenquote leicht von 7,1% auf 7,4%. In diesem Zeitraum (1993-1994) kann man einen Trade-Off zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote feststellen. Im nächsten Jahr kam es zu einem stärkeren Rückgang der Inflationsrate auf 32,3%, aber auch zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6,1%. Innerhalb der nachfolgenden zwei Jahre stieg die Inflationsrate erst auf 38,8% und im Jahr 1997 auf 154,8% an. Dem gegenüber steht ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,4% auf 5,3%. Hier kann nicht von einem Trade-Off gesprochen werden. In den darauffolgenden zwei Jahren sank die Inflationsrate wieder stark bis zu einem Wert von 45,8% im letzten Jahr der Untersuchung. Im Verhältnis dazu stieg die Arbeitslosenquote zunächst nur minimal auf 5,4% dann aber stärker auf 6,9% im letzten Jahr der Untersuchung. Von 1997-1999 ist aufgrund dessen erneut ein Trade-Off zu beobachten. Insgesamt ist zu erkennen, dass es zu einem Wechsel zwischen Jahren mit und ohne einen Trade-Off zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote kommt und über den Gesamtverlauf gesehen ein schwacher Zusammenhang festgestellt werden kann. Eine mathematische Abhängigkeit, die mit Hilfe des Korrelationskoeffizienten (0,45) berechnet werden kann, ist ebenfalls schwach und bestätigt dies.

Opferverhältnis

Abb. 3.3.: Verlauf Opferverhältnis Rumäniens von 1993-1999

Das Opferverhältnis stellt einen Quotienten dar, der definiert ist als Prozentpunkte an Überschussarbeitslosigkeit je Prozentpunkt an Senkung der Inflationsrate (=Disinflationsrate). Die Überschussarbeitslosigkeit ergibt sich hierbei aus der Differenz zwischen tatsächlicher Arbeitslosenquote und natürlicher Arbeitslosenquote und wird über die zu betrachtete Periode aufaddiert. Die Disinflationsrate wird jeweils berechnet aus der Differenz zwischen der Inflationsrate eines Jahres und der Inflationsrate im Jahr 1993 (256,1%).[15] Im Jahr 1994 lagen die Disinflationsrate und die Überschussarbeitslosigkeit am höchsten. Das sich daraus ergebene Opferverhältnis (Abb. 3.3) liegt in der Betrachtungsperiode zwischen 0,008 (1998) und 0,029 (1994). Durch den starken Anstieg der Inflationsrate 1997, stieg auch das Opferverhältnis, nach einem starken Rückgang seit 1993, wieder an. Von 1998 zu 1999 stieg nicht nur die tatsächliche Arbeitslosenquote, auch das Opferverhältnis stieg von zuvor 0,008 (dem niedrigsten Wert in der betrachteten 7-Jahresperiode) auf 0,0145. Insgesamt ist das Opferverhältnis sehr niedrig.

Glaubwürdigkeit der Zentralbank

Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes von Ceauşescu im Jahr 1989 hatte Rumänien noch Jahre danach mit den Auswirkungen zu kämpfen. Der mit der Revolution einhergehende Transformationsprozess zu Demokratie und Marktwirtschaft ist der ausschlaggebende Grund für Änderungen von Inflation und Arbeitslosigkeit. Die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank ergibt sich aus ihrer Unabhängigkeit gegenüber der Regierung. Diese Unabhängigkeit musste in Rumänien erst durch Reformen des Bankensystems umgesetzt werden. Spezialbanken für einzelne Branchen, die in die Rumänische Nationalbank eingegliedert waren, wurden dabei als unabhängige Universalbanken entlassen, sowie erhielt Rumänien Unterstützungen durch internationale Organisationen wie dem Internationale Währungsfond und der Weltbank. Diese Unterstützungen, die in Form von Abkommen geregelt wurden, beinhalteten zudem die Auflagen zur Privatisierung von Unternehmen in bisher staatlicher Kontrolle, sowie Preis-, und Wechselkursliberalisierung, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Durch eine restriktive Geldpolitik konnte die Inflationsrate gesenkt werden.[16]

Kritik

Im Zusammenhang mit makroökonomischen Modellen und deren Aussagekraft hat die Lukas-Kritik immer mehr an Bedeutung gewonnen, insbesondere im Hinblick auf die Bewertung wirtschaftspolitischer Maßnahmen und Beziehungen. Im Bezug auf die erweiterte Phillipskurve bedeutet dies, dass die bisherige Analyse des Zusammenhanges zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote, mit Hilfe rein statistischer Methoden, nicht ausreichend ist. Die Lukas-Kritik merkt an, dass eine Inflationsbekämpfung auch ohne Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit möglich ist. Die Glaubwürdigkeit der Zentralbank bei den Wirtschaftsubjekten müsste soweit reichen, dass diese ihre Erwartungen und somit die Festlegung von Preisen und Löhnen, an einer niedrigen Inflationsrate ausrichten.[17]Das Opferverhältnis nähert sich in diesem Fall einen einen Wert um eins an.

Lohnstückkosten und realer multilateraler Wechselkurs

Näher betrachtet werden im Folgenden zwei Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit (REER, ULC) eines Landes. Zur Analyse wurde die nachkommunistische Zeit von 1990 bis 2008 gewählt, wobei es sich in 2008 zur Vervollständigung um Prognosewerte handelt.

REER und ULC

Der reale multilaterale Wechselkurs (real effective exchange rate = REER) ist der Wechselkurs, der über den durchschnittlichen Preis der Güter eines Landes relativ zu den durchschnittlichen Preisen ausländischer Güter berechnet wird. Dabei finden mehrere Währungen, also ein Währungskorb Berücksichtigung. Ebenso geht der durchschnittliche Anteil der Volkswirtschaft am Handel (Import-, Exportanteil) mit den betrachteten Handelspartnern ein. Als Synonym wird der reale Außenwert einer Währung verwendet.[18]

Die Lohnstückkosten (unit labour costs = ULC) berücksichtigen im Gegensatz zur absoluten Größe der Lohnkosten die Arbeitsproduktivität (reales BIP). Die nominalen ULC errechnen sich aus dem Verhältnis von Lohn- und Lohnnebenkosten zum realen BIP. Davon zu unterscheiden ist die Lohnquote, die realen Lohnstückkosten die sich aus dem Quotienten Lohnkosten geteilt durch nominales BIP ergeben.

Abb. 4.1.: Realer multilateraler Wechselkurs versus nominale Lohnstückkosten

Indikatorwirkung

Sowohl der REER, als auch die ULC zeigen an, ob das betreffende Land im internationalen Vergleich Wettbewerbsvorteile oder –nachteile besitzt. Diese Möglichkeit der Indikatorinterpretation stellt sich wie folgt dar. REER und ULC müssten gleiche Tendenz haben. Basis dafür sind steigende Marktpreise durch steigende Löhne und damit im Verhältnis zu anderen Ländern Erhöhung der Preise für inländische Güter. ULC und REER zeigen somit gleichgerichtet die preisliche und aus dem Wechselkurs resultierende Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft an. Ein Anstieg von REER bzw. ULC führt zu einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, ein Sinken der Indikatoren zu einem Zuwachs an entsprechender Konkurrenzfähigkeit. Abb. 4.1 zeigt einen sehr ähnlichen Verlauf der beiden Kurven. Die theoretische Aussage der fast parallelen Entwicklung der zu beurteilenden Werte kann für Rumänien im Zeitraum 1990 - 2008 bestätigt werden.

Abb. 4.2.: Statistischer Zusammenhang zwischen REER und ULC
Abb. 4.3.: Gegenüberstellung nominaler Lohnstückkosten Rumäniens, Deutschlands und Italiens

Zusammenhang zwischen REER und ULC

In der Statistik wird der Grad der Stärke der Abhängigkeit zwischen zwei Merkmalen mit Hilfe der Korrelation gemessen. Der Korrelationskoeffizient ist ein geeignetes Instrument zur Darstellung des statistischen Zusammenhangs zwischen REER und ULC. Es ergibt sich für die untersuchte Zeitreihe eine Korrelation zwischen REER und ULC von 0,92. Dies deutet auf einen sehr starken Zusammenhang hin. Deutlich wird das durch die ähnlichen Kurvenverläufe. Die nahe Ansammlung der Korrelationspunkte an deren Trendlinie (Abb. 4.2) untermauern diese Feststellung zusätzlich. Sie weisen gleichermaßen einen steigenden Trend auf. Je mehr die ULC zunehmen umso teurer werden die Arbeitskräfte und als Reaktion auf die Lohnerhöhungen steigen die Preise. Diese wirken sich negativ auf den REER aus, der sich folglich bei konstanten ausländischen Preisen erhöht. Die Güter Rumäniens werden für das Ausland teurer. Die ausländische Nachfrage geht zurück. In Verbindung mit zunehmenden Arbeitskosten, entsteht dadurch ein Rückgang der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Die Ausreißer in der (Abb. 4.2) stellen u. a. die Jahre 1990 bis 1992 dar. Hierzu kann erklärt werden, dass es in dieser nachdiktatorischen Phase eine drastische Rezession (miserables BIP, geringe Exporte) in Rumänien gab. Das Land hatte mit der Transformation zu kämpfen. Ausreißer lassen sich in der Regel durch besondere Ereignisse erklären. 1996 kam es zu einem Regierungswechsel in Rumänien, dem 1997 Stabilisierungsmaßnahmen folgten. Diese zeigten 1998 erste Wirkung.

ULC-Vergleich

Deutschland und Italien, Rumäniens wichtigste Handelspartner, weisen recht unauffällige ULC-Kurven, mit leichtem bis gar keinem Anstieg auf. Rumäniens ULC (Abb. 4.3) zeigen langfristig einen Aufwärtstrend. Der besonders starke jährliche Zuwachs ab 2004 geht auf Lohnanpassungen u.a. durch Ansiedlung ausländischer Unternehmen, technischem Fortschritt, etc. zurück. Daraus ergibt sich ein Wettbewerbsnachteil zugunsten seiner Handelspartner. Da sich die ULC der Industriestaaten bereits auf deutlich höherem Niveau befinden und Rumänien als junges EU-Mitglied große Entwicklungsschübe erlebt, ergibt sich, dass der Anstieg der ULC Deutschlands und Italiens wesentlich geringer ausfällt. Durch die relativ niedrigen Löhne Rumäniens, liegt weiterhin ein internationaler Wettbewerbsvorteil vor. Die ULC-Kurve ist dabei nicht sehr aussagekräftig, da die ULC die enorme prozentuale Lohnsteigerung implizieren (2006: durchschnittlich 323 €/Monat, 17,8% mehr als 2005 [19]), sich die Löhne aber dennoch weit unter EU-Durchschnitt (2006: Deutschland 2070 €, Italien 1850 € [20]) befinden. Ein Problem kann aber in der äußerst schnellen positiven Entwicklung der Löhne gesehen werden.

Restriktive Fiskalpolitik bei offenen Güter- und Finanzmärkten

Vorliegend sollen nun die Auswirkungen von restriktiven fiskalpolitischen Maßnahmen im Zeitraum von 2001 bis 2005 erläutert werden. Diese Periode wurde bereits oben (Realitätsgehalt der Crowding-in-These) identifiziert (siehe Abb. 1.1). Zu den fiskalpolitischen Instrumenten zählen die Senkung der Staatsausgaben und/oder die Erhöhung der Steuern. Ziel dabei ist unter anderem der Abbau des Budgetdefizits.

Vorangehend sollen kurz die allgemeinen Auswirkungen der Staatsausgabenreduzierung dargestellt werden, bevor dann speziell auf die Effekte auf die Zahlungsbilanz eingegangen werden soll. Da die Staatsausgaben Bestandteil der Gesamtnachfrage sind, geht diese aufgrund der Staatsausgabensenkung zurück. Das zieht eine Senkung der Produktion nach sich, wodurch im Zeitablauf auch die Beschäftigung sinkt. Durch verschiedene Anpassungsprozesse, welche hier nicht näher erläutert werden, kommt es zu einem Rückgang des Preisniveaus. Inländische Produkte werden relativ billiger, was die ausländische Nachfrage erhöht.

Auswirkungen auf verschiedene Bestandteile der Zahlungsbilanz

In einer offenen Volkswirtschaft verteilt sich die inländische Nachfrage auf Güter des In- und Auslandes. Durch die Verringerung der Gesamtnachfrage sinken also neben der inländischen Produktion auch die Importe. Die Exportrate ändert sich zunächst nicht, da diese vom Einkommen des Auslandes und somit von der ausländischen Nachfrage abhängt. Durch einen gleichbleibenden Export und einen sich verringernden Import steigen die Nettoexporte kurzfristig an – ein Handelsbilanzüberschuss steigt, ein Handelsbilanzdefizit wird kleiner. Im Zeitablauf wird auch der Export ansteigen, da aufgrund der oben beschriebenen Preissenkung die ausländische Nachfrage nach inländischen Gütern steigt. Diese Auswirkung würde den Anstieg des Handelsbilanzüberschusses bzw. des Abbau des Defizites noch verstärken. Wie in Abb. 5.1 zu erkennen ist, weist die Handelsbilanz Rumäniens ein großes Defizit auf. Allerdings ist der eben beschriebene Effekt nicht eindeutig zu erkennen, auch wenn das Handelsbilanzdefizit im Jahr 2002 sinkt[4]. Ursache dafür könnte sein, dass ein genauer Zeitraum, in dem die Staatsausgaben konsequent gesenkt wurden, nicht festgestellt werden konnte.

Abb. 5.1.: Teile der Zahlungsbilanz

Da die Handelsbilanz einen großen Anteil an der Leistungsbilanz aufweist, ist der Verlauf der Leistungsbilanz ähnlich. Auch sie weist ein Defizit auf, welches allerdings unter dem der Handelsbilanz liegt. Ein Grund hierfür ist zum Beispiel ein positives Erwerbseinkommen. Viele rumänische Erwerbstätige arbeiten im Ausland und liefern somit Geld von außen ins Land, indem sie dieses an ihre Familien senden. Dies führt zu einer teilweisen Kompensation des Handelsbilanzdefizits.

Die Kapitalbilanz stellt die Gegenposition der Leistungsbilanz dar und verläuft spiegelbildlich. (Aufgrund der Komplexität der Kapitalmarkttransaktionen wird allerdings nie ein exakt spiegelbildlicher Verlauf der Leistungs- und Kapitalbilanz zustande kommen.) Einem Leistungsbilanzdefizit steht somit ein Kapitalbilanzüberschuss gegenüber und umgekehrt. Diese theoretische Annahme bestätigt sich. Die Kapitalimporte übersteigen die Kapitalexporte. Je mehr Güter importiert werden, desto größer werden die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland. Die Zunahme von Verbindlichkeiten bzw. die Abnahme von Forderungen gegenüber dem Ausland ziehen Kapitalimporte nach sich. Rumäniens Importrate liegt wesentlich über der Exportrate. Dadurch lässt sich die positive Kapitalbilanz erklären. Zusätzlich dazu werden auch sehr viele Direktinvestitionen durch das Ausland in Rumänien getätigt[21].

Übertragungsmechanismen

Übertragungsmechanismen sind Anpassungsprozesse, welche stattfinden, wenn eine Volkswirtschaft durch starke Schwankungen (sogenannte Schocks) aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Diese können in Form von Änderungen der Konsumausgaben und der Investitionstätigkeiten privater Haushalte erfolgen oder sich durch politische Maßnahmen auswirken. Die Anpassungsprozesse lassen im Zeitverlauf manchmal schneller, manchmal langsamer nach. Aufgrund dessen unterscheidet man auch Auswirkungen in kurzer, mittlerer und langer Frist.

Mittelfristiger Crowding-in-Effekt

Die kurzfristigen Auswirkungen der Staatsausgabensenkung sind bereits oben dargestellt. Mittelfristig erfolgt durch verschiedene Anpassungsprozesse eine Angleichung an die Ausgangssituation. Durch den Rückgang der Gesamtnachfrage und der damit verbundenen Senkung der Produktion kommt es schließlich auch zu einem Sinken des Zinses, wodurch die privaten Haushalte angeregt werden, vermehrt zu investieren. Die Staatsausgabenreduzierung wird somit durch den Anstieg der privaten Investitionen kompensiert. Sowohl Leistungs- als auch Kapitalbilanz müssten sich im Zeitablauf an die Ausgangssituation anpassen. Bei Rumänien lässt sich kein Unterschied zwischen kurzer und mittlerer Frist erkennen. Die These kann somit nicht bestätigt werden.

Prognose 2008

Wirtschaftswachstum

Der bisherige Trend, der sich bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet hat, wird auch in den Jahren 2008 und 2009 fortgesetzt, wenn auch der Anstieg des Bruttoinlandsproduktes real leicht zurückgeht. Dabei handelt es sich voraussichtlich in 2008 um 6,2% und in 2009 um 5,1% Wirtschaftswachstum.[22] Aufgrund der bisher wenig entwickelten Wirtschaft besteht ein Entwicklungsmarkt mit hohen Wachstumspotentialen, welche vor allem für ausländische Investoren interessant sind.[23] Dabei spielen die hohen Direktinvestitionen eine große Rolle für die Entwicklung der Märkte. Durch die ins Land strömenden Kapitalmengen steigen die Löhne und somit auch die Kaufkraft der Bevölkerung.

Arbeitslosigkeit

Prognosen zufolge wird die Arbeitslosenquote in den nächsten Jahren weiterhin leicht sinken. Für 2008 werden 6,1% und für 2009 5,9% vorausgesagt.[4] Gemäß einigen Vorhersagen werden der rumänischen Volkswirtschaft erst in fünf Jahren rund 400.000 Arbeitskräfte fehlen, was zu einer Arbeitsmarktkrise führen wird. Ursächlich dafür sind auch die geburtenschwachen Jahrgänge Ende der 80er Jahre, die auf der Aufhebung des Antiabtreibungsdekrets basieren.[24]

Inflation

Das Ziel der rumänischen Zentralbank, was vorrangig Preisstabilität darstellt, um im Jahr 2014 der Europäischen Währungsunion beitreten zu können, wird auch 2008 erneut verfehlt. Die Inflationsrate wird voraussichtlich auf 6,9% steigen. Im Jahr 2009 wird eine Inflationsrate von unter 5% erwartet.[25] Dies ist auf eine Abwertung des LEU aufgrund der starken internationalen Finanzmarktturbulenzen in 2007 zurückzuführen.

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Rumänien
  2. Internationaler Währungsfonds
  3. Internationaler Währungsfonds, Stand 08.05.08
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 Ameco-Datenbank: AMECO-Datenbank der Europäischen Kommission, Stand 08.05.08 Cite error: Invalid <ref> tag; name "AMECO" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "AMECO" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "AMECO" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "AMECO" defined multiple times with different content
  5. Internationaler Währungsfonds, Stand 08.05.08
  6. Blanchard, Olivier ; Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2003, S. 206 bis 209.
  7. Leiße, Olaf; Leiße, Utta-Kristin; Richter, Alexander:Beitrittsbarometer Rumänien. 2004, S. 66.
  8. Die Presse, Stand 17.05.08
  9. Nationales Institut für Statistik Rumänien Stand 06.05.08
  10. CESifo-Group, Stand 17.05.08
  11. Arbeitsagentur , Stand 17.05.08, Seite 10
  12. Botschaft von Rumänien Wien, Stand 18.05.08
  13. Blanchard, Olivier ; Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2006, S. 269
  14. Internationaler Währungsfond
  15. Blanchard, Olivier ; Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2006, S. 274
  16. edocs-TU Berlin , Baga T. (2005) Transformationsprozesse in rumänischen Unternehmen und Unternehmenserfolg. Berlin: Technischen Universität, FakultätVIII–Wirtschaft und Management, Dissertation
  17. wiwi-treff, Stand 08.06.2008
  18. Blanchard, Olivier ; Illing, Gerhard: Makroökonomie. 2006, S. 522 bis 523.
  19. bfai: Länderberichte Stand: 08.06.2008
  20. Kammerunion: Durchschnittslöhne Stand: 08.06.2008
  21. Bundesagentur für Außenwirtschaft, Stand 08.06.2008
  22. Eurostat, Stand 18.05.08
  23. RRI Romania, Stand 13.05.08
  24. Allgemeine Deutsche Zeitung Rumänien, Stand: 17.05.08
  25. RO-Connect Rumänien Consulting, Stand 17.05.08

Weblinks

Bundesagentur für Außenwirtschaft

Europäische Zentralbank

International Monetary Fund - Romania

Literaturverzeichnis

Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie, 3. Aufl., Pearson Studium, 2003 - ISBN 3-8273-7051-5.

Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson Studium, 2006 - ISBN 3-8273-7209-3.

Leiße, Olaf; Leiße, Utta-Kristin; Richter, Alexander: Beitrittsbarometer Rumänien, Vs Verlag, Wiesbaden, 2004 - ISBN 3-8244-4551-4.



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