Wettbewerbsfähigkeit Niederlande 2008

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{fertig|--Mario Jandeck 00:11, 2. Jun. 2008 (CEST)}}

Landkarte der Niederlande.gif

Einleitung

Begriff der internationalen Wettbewerbsfähigkeit

Zum Thema der internationalen Wettbewerbsfähigkeit existiert in der Literatur eine Vielzahl unterschiedlicher Auffassungen. Ein bedeutender Teil der Ökonomen bevorzugt einen Vergleich zwischen der Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften mit der von Unternehmen. Letzteres gilt als konkurrenzfähig, wenn es Güter und Dienstleistungen von höherer Qualität und niedrigeren Kosten produzieren kann als ihre inländischen und ausländischen Konkurrenten.[1]

Volkswirtschaften können als wettbewerbsfähig angesehen werden, wenn sie Güter und Dienstleistungen herstellen, die den Test des internationalen Wettbewerbs bestehen, während die Bevölkerung einen Lebensstandard genießt, der sowohl wächst als auch beständig ist.[2] Aus der offensichtlichen Ähnlichkeit beider Definitionen ist im Allgemeinen eine Vergleichbarkeit von Ländern mit Unternehmungen abzuleiten. Kritiker wie Paul Krugman lehnen diese Analogie jedoch ab mit dem Argument, dass der Erfolg eines Unternehmens zu Lasten eines anderen geht, wobei Nationen im Gegensatz dazu durch Export und Import abhängig voneinander sind und somit eher voneinander profitieren. Des Weiteren könne ein Land nicht Konkurs gehen.[2]

Umstritten ist auch die Frage, ob internationale Wettbewerbsfähigkeit als messbare Größe für den Erfolg einer Volkswirtschaft verwendet werden kann. Paul Krugman geht davon aus, dass das wirtschaftliche Ergebnis eines Landes hauptsächlich von seiner inländischen Produktivität abhängt.[2]

Überdies existieren nach Trabold vier wichtige Konzeptionsrichtungen um die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Ländern: die „abilities to sell, to earn, to adjust und to attract“.

Beschreibung Indikatoren
„ability to sell“ - beschreibt die „Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft als die Summe der Wettbewerbsfähigkeit aller Unternehmen eines Landes“[3]

- im Zeitverlauf wird die Veränderung der Fähigkeit, Produkte auf dem internationalen Markt abzusetzen, gemessen

- preisliche Indikatoren: reale, effektive Wechselkurse sowie Leistungsbilanzsaldo

- nicht preisliche Indikatoren: Weltmarktanteil bzw. Welthandelsanteil


„ability to earn“ - Fähigkeit der Erwirtschaftung eines möglichst hohen Realeinkommens und der Schaffung und Erhaltung eines wachsenden Lebensstandards der Bevölkerung eines Landes - Produktivität bzw. Arbeitsproduktivität

- Pro-Kopf-Einkommen

„ability to adjust“ - dynamische Anpassungsmöglichkeiten von Nationen als Wettbewerbsvorteil.

- „Je schneller und effizienter sich das Land gegenüber den Konkurrenzländern entwickelt bzw. es sich an veränderte ökonomische Bedingungen anpasst, desto wettbewerbsfähiger ist es“.[3]

- Volkswirtschaft wird in der Gesamtheit all ihrer Unternehmen als wettbewerbsfähig betrachtet

- Anpassungsgeschwindigkeit, -effizienz oder -dynamik eines Landes

- Messung durch: Faktorausstattung, Entwicklung der Unternehmensgründungen oder ordnungspolitische Rahmenbedingungen [4]

„ability to attract“ - Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes und das Vorkommen von Standortfaktoren für die Standortqualität (Intensität der Wettbewerbsstärke):

- Höhe der ausländischen Direktinvestitionen bzw. die Investitionsbereitschaft inländischer Unternehmen im Ausland

- Arbeitslosenquote

für die Standortfaktoren:

- qualitative Indikatoren: Bildung, sozialer Frieden, Gesundheitsversorgung und politische Stabilität

- quantitative Indikatoren: Abgabenbelastung und Lohnkosten[4]

Kriterien für die Wettbewerbsfähigkeit der Niederlande

Das der Europäischen Union angehörige Königreich der Niederlande im Nordwesten Europas an der Nordsee ist mit 16,4 Mio. Einwohnern (475 EW/qkm) das dicht bevölkertste Land Europas. Vor allem in den wirtschaftlich bedeutsamsten Ballungsgebieten von Rotterdam, Den Haag, Amsterdam und Utrecht (der so genannten „Randstad“) leben ca. 37% der Bevölkerung. Wie viele kleine Länder sind auch die Niederlande stark vom Ausland abhängig. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind zum einen der Handel und zum anderen die Logistik/Distribution.[5] Zu den wichtigsten Exportgütern der Niederlande zählen unter anderem landwirtschaftliche Erzeugnisse (Blumenzucht, Gemüsezucht, Viehzucht), Fleisch- und Milchprodukte, Erdgas, Erdölerzeugnisse, Tabak und Papiererzeugnisse sowie Metallprodukte.[6] Rohstoffe und Halbwaren, Rohöl, Maschinen und Transportmittel, chemische Produkte und Kunststoffprodukte sind wichtige Importgüter.[7]

Ein Kriterium für die Konkurrenzfähigkeit der Niederlande ist seine geografische Lage. Zusammen mit einer hervorragenden Infrastruktur ist den Niederlanden ein komparativer Vorteil bei der Belieferung des europäischen Marktes gegeben (Handelszentrum der EU). Im Laufe der Zeit hat sich das Land zu einer außerordentlich gut funktionierenden logistischen Drehscheibe entwickelt. Durch den größten Hafen der Welt in Rotterdam und den verschiedenen kleineren Häfen sowie durch den Flughafen Schiphol in Amsterdam werden See- und Lufttransporte in europäische Länder ermöglicht.

Zwar verfügen die Niederlande über fast keine Ressourcen, jedoch besitzen sie in der Nordsee große Mengen an inländischem Erdgas und sind somit das erdgasreichste Land Europas. Diese riesigen Vorkommen bilden eine gute Voraussetzung für die Ansiedlung der erdgasfördernden und -verarbeitenden Industrie.[8]

Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten weisen die Niederlande eine hohe Arbeitsproduktivität auf. Bei einer durchschnittlichen Arbeitsproduktivität Europas von 100 erreichen die Niederlande einen Wert von 113,5 (BIP je Erwerbstätigen).[9]

Ein großer Anteil der Gesamtfläche der Niederlande wird für die Landwirtschaft genutzt. Dass diese Gesamtfläche von nur geringer Größe ist, spielt keine wesentliche Rolle: Die hohe Arbeitsproduktivität und der Einsatz moderner Technik ermöglichen eine intensive Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen, was zu hohen Exportzahlen in den Bereichen des Ackerbaus, der Viehzucht und des Gartenbaus führt.

Einzelaufgaben

Sektorale Leistungsfähigkeit im Außenhandel

Die Niederlande haben sich im Laufe der Zeit trotz ihrer flächen- und einwohnermäßig kleinen Präsenz zu einer der stärksten Exportnationen der Welt entwickelt und verfügen über eine hohe Wettbewerbsfähigkeit (i.S.d. Summe der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen). Aufgrund der vorteilhaften geografischen Lage wuchsen die Niederlande bereits im 16. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Handelszentren Europas heran („Gateway to Europe“). Mit der Neigung zu einer traditionell liberalen Handelsführung entwickelte sich der Außenhandel zu einer der stärksten Impulse der niederländischen Wirtschaft.[10]

Die folgenden Daten und Fakten bauen auf den Veröffentlichungen der Trade Competitiveness Map auf. Im Jahr 2006 betrug der Wert der exportierten Waren 370.209,50 Mio. US$, wobei die überwiegende Zahl der Güter aus der Chemie- und Elektroindustrie sowie der Nahrungsmittel- und der Mineralverarbeitenden Industrie stammt. Mit insgesamt 331.496,17 Mio. US$ Import erwirtschafteten die Niederlande einen Ausfuhrüberschuss von 38.713,32 Mio. US$. Auf weltweit 214 Märkten exportieren die Niederlande knapp 4500 Produkte und stehen somit auf der Rangliste der internationalen Exportleistungen auf Platz 9.

(2006) Exporte in Mio. US$ Importe in Mio. US$ EX - IM in Mio. US$ Anteil am gesamten Handelsüberschuss in %
00 Alle Industriesektoren 370.209,50 331.496,17 38.713,32 100,00
39 Kunststoffe und Kunststoffprodukte 18.146,27 8.897,51 9.248,75 24,00
06 Lebende Bäume, Pflanzen, Blumenzwiebeln, Wurzeln, Schnittblumen, etc. 7.290,00 1.308,74 5.981,23 15,50
90 Optische, technische und medizinische Geräte, Fotoapparate, etc. 21.408,23 16.047,34 5.360,90 14,00

Hinsichtlich des zweistelligen Harmonisierten Systems (HS2) erwirtschaften die Niederlande im Sektor „Kunststoffe und Kunststoffprodukte“ mit einem Weltmarktexportanteil von 4,7% ihren höchsten Ausfuhrüberschuss (Exporte – Importe). Gemessen am getätigten Außenhandelsumsatz (EX + IM) sind Deutschland, Frankreich und Großbritannien die wichtigsten Außenhandelspartner der Niederlande in diesem Sektor:

Deutschland mit Umsatz: 7.373 Mio. US$ Exportanteil: 24,5%
Frankreich 2.327 Mio. US$ 15,2%
Großbritannien 2.055 Mio. US$ 12,1%

Mit einer sektoralen Exportbeteiligung an 157 Märkten erlangt die Gütergruppe der Polyacetale, Polyether, Epoxid-Harze und Polycarbonate in Primärform nach dem vierstelligen Harmonisierten System (HS4) den größten Überschuss in diesem Bereich, dicht gefolgt von den Ethylenpolymeren.

(2006) Exporte in Mio. US$ Importe in Mio. US$ EX - IM in Mio. US$
39 Kunststoffe und Kunststoffprodukte 18.146,27 8.897,51 9.248,75
3907 Polyacetal, Polyether, Epoxid-Harz, Polycarbonat etc. in Primärform 3.609,25 953,09 2.656,16
3901 Ethylenpolymere in Primärform 2.797,27 765,30 2.031,97
3902 Polymere aus Propylen oder anderen Olefinen (ungesättigte Kohlenwasserstoffe) in Primärform 1.778,10 607,86 1.170,24
Die Niederlande sind auf Rang 7 im weltweiten Export bezüglich dieses Sektors (hinter Deutschland, den USA, Belgien, China, Japan und Frankreich).

Den zweithöchsten Ausfuhrüberschuss (5.981,23 Mio. US$) erzielt die Niederlande im landwirtschaftlichen Bereich mit lebenden Bäumen, Pflanzen, Blumenzwiebeln, Wurzeln, Schnittblumen usw. Obwohl dieser Sektor nur mit knapp 2% am nationalen Export beteiligt ist, sichern sich die Niederlande mit einem Weltmarktexportanteil von 49,4% hier Platz 1 (Rang 3 im gesamten Agrarsektor, der mit 25%igem Anteil an den Gesamtausfuhren mehr als 60% des niederländischen Handelsüberschusses ausmacht). Grund für diese überaus hohe Wettbewerbsfähigkeit im Agrarbereich ist die hohe Arbeitsproduktivität, welche größtenteils auf den Einsatz modernster Technologien zurückzuführen ist. Die bedeutendsten Außenhandelspartner in diesem Sektor sind wiederum:

Deutschland mit Umsatz: 2.032 Mio. US$ Exportanteil: 26,5%
Großbritannien 1.126 Mio. US$ 15,2%
Frankreich 901 Mio. US$ 12,1%

Die Niederlande sind mit diesem Sektor auf 107 Märkten exportbeteiligt, wobei Schnittblumen und Knospen für Sträuße sowie lebende Pflanzen (inkl. ihrer Wurzel), Stecklinge, Triebe und Pilzmycel den größten sektoralen Ausfuhrüberschuss erzielen.

(2006) Exporte in Mio. US$ Importe in Mio. US$ EX - IM in Mio. US$
0600 Lebende Bäume, Pflanzen, Blumenzwiebeln, Wurzeln, Schnittblumen, etc. 7.290,00 1.308,74 5.981,23
0603 Schnittblumen und Knospen für Sträuße, frisch oder getrocknet 3.332,53 590,82 2.741,72
0602 Lebende Pflanzen (inkl. ihrer Wurzeln), Stecklinge und Triebe, Pilzmycel 2.691,60 413,79 2.277,81
0601 Zwiebeln, Knollen, Sprossachsen mit Wurzel, etc. 1.060,92 61,94 998,98
Die Niederlande sind auf Rang 1 im weltweiten Export bezüglich dieses Sektors (vor Kolumbien, Italien, Belgien, Deutschland und Dänemark).

Der drittgrößte Sektor nach dem HS2 beinhaltet optische, technische und medizinische Geräte, Fotoapparate usw. Er bringt den Niederlanden mit einem Weltmarktexportanteil von 5,8% einen Außenhandelsüberschuss in Höhe von 5.360,90 Mio. US$ ein. Zwar hat dieser Sektor im Vergleich mit den beiden vorherigen die höchsten Exportzahlen, jedoch werden diese durch den seinerseits hohen Import kompensiert.

USA mit Umsatz: 7.468 Mio. US$ Exportanteil: 14,1%
Deutschland 5.378 Mio. US$ 11,8%
Frankreich 3.443 Mio. US$ 7,8%

sind in diesem Sektor die wichtigsten Außenhandelspartner der Niederlande.

Auf 177 Exportmärkten realisieren Geräte und Ausstattungen für Fotolaboratorien bei Weitem den höchsten Überschuss in diesem Bereich.

(2006) Exporte in Mio. US$ Importe in Mio. US$ EX - IM in Mio. US$
9000 Optische, technische und medizinische Geräte, Fotoapparate, etc. 21.408,23 16.047,34 5.360,90
9010 Geräte und Ausstattungen für Fotolaboratorien 5.071,70 568,48 4.503,22
9022 Geräte, die auf der Anwendung von Röntgenaufnahmen (Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung) basieren 1.657,17 962,63 694,54
9009 Fotokopier- und Thermokopiergeräte 2.814,62 2.341,63 473,00
Die Niederlande sind auf Rang 5 im weltweiten Export bezüglich dieses Sektors (hinter den USA, Deutschland, Japan und China).


Diagramm Außenhandelspartner der Niederlande.JPG

Deutschland ist mit Abstand der wichtigste Außenhandelspartner der Niederlande. Er erweist sich mit einem fast 25%igen Anteil an den niederländischen Ausfuhren als bedeutendster Hauptabnehmer der Exporte. Darüber hinaus liefert er den Niederlanden über 18% der gesamten importierten Waren.

Ursache für diese intensiven Handelsbeziehungen ist die unmittelbare geografische Nachbarschaft der beiden Länder: Das Gravitationsmodell geht davon aus, dass der bilaterale Handel zweier Länder von deren Marktgröße (gemessen am BIP) und der geografischen Entfernung abhängig ist. Deutschland erzielt im EU-Vergleich die größte Wirtschaftsleistung mit 2.322 Mrd. € (2006), die Niederlande haben den sechstgrößten Markt mit einem BIP von 534 Mrd. € (2006). [11]

Des Weiteren tragen auch Großbritannien, Frankreich, die USA und Italien zum außenwirtschaftlichen Erfolg der Niederlande bei. Der Handel mit Großbritannien sowie den USA wird insbesondere durch die Möglichkeit zum Seehandel begünstigt.

RCA-Index: Komparative Vorteile der einzelnen Gütergruppen
Gütergruppen nach HS2 Gi Gi-A RCA
39 Kunststoffe und Kunststoffprodukte 0,342 0,287 30,37
06 Lebende Bäume, Pflanzen, Blumenzwiebeln, Wurzeln, Schnittblumen usw. 0,696 0,641 67,83
90 Optische, technische und medizinische Geräte, Fotoapparate etc. 0,143 0,088 9,31

Berechnet man den offenbarten komparativen Vorteil der einzelnen Gütergruppen, so stellt sich der Sektor 06 als führende Gütergruppe der oben genannten heraus.

Eine hohe Arbeitsproduktivität sowie eine hohe relative Wirtschaftsleistung (Daten in den Diagrammen von 2006) verschaffen der Niederlande nach Ricardo einen komparativen Vorteil gegenüber den meisten seiner Außenhandelspartner in der EU.

Arbeitsproduktivität der Niederlande im Vergleich.JPG
BIP pro Kopf d. Niederlande im Vergleich.JPG


Trotz des sonst mageren Rohstoffvorkommens, aufgrund dessen ein komparativer Vorteil in Anbetracht des Heckscher-Ohlin-Modells nicht in Frage kommt, verfügt das Land über einen außerordentlich großen Vorrat an Erdgas, aufgrund dessen es in der EU den größten Erdgasexport zu verzeichnen hat. [12]

Dynamische Analyse der Außenhandelsstruktur

Verschafft man sich einen ersten Überblick über die Wirtschaft der Niederlande, so fällt auf, dass sie in allen drei Sektoren (im primären, sekundären und tertiären) ähnlich hohe Weltmarktanteile am Export haben. Diese belaufen sich zwar zwischen 2.5% im primären Sektor, 3.0% im tertiären Sektor und 3.4% im sekundären Sektor, jedoch sind diese Werte im Anbetracht der geringen Größe der Niederlande recht beachtlich.

Betrachtet man die einzelnen Sektoren etwas genauer, so zeigt sich, dass die Niederlande vor allem im Bereich der Weiterverarbeitung von Öl sowie der Herstellung von Chemikalien und im Bereich der Computertechnik das größte Wachstum sowie hohe Weltmarktanteile am Export zwischen 6% und 8% haben. Dies ist darin begründet, dass die Niederlande bis auf Erdgas über keine nennenswerten natürlichen Ressourcen verfügen und deshalb Ressourcen wie zum Beispiel Öl importieren, um diese zu höherwertigen Produkten weiterzuverarbeiten.

In der nun folgenden Portfolio-Analyse werden die Struktur des Außenhandels sowie dessen Dynamik gegenüber gestellt.


Struktur Analyse
Dynamische Analyse



Die strukturelle Analyse zeigt den Weltmarktanteil der Niederlande 2006 sowie das Weltexportwachstum seit 2002. Die dynamische Analyse hingegen verdeutlicht den Anstieg der weltweiten Marktanteile seit 2002 und das Weltexportwachstum seit 2002. Bei der Herstellung von raffinierten Erdölerzeugnissen zeigt sich, dass die Niederlande mit 7% einen recht hohen Weltmarktanteil in einem sehr wachstumsstarken Sektor (Weltexportwachstum 31.99%) haben, weiterhin erkennt man in der dynamischen Analyse ein Wachstum des Weltmarktanteils um 3.72%. Der Grund für dieses Wachstum ist vor allem in der weltweit steigenden Nachfrage nach Erdölerzeugnissen begründet, wobei die Niederlande das Eröl erst importieren, zu höherwertigen Erzeugnissen weiterverarbeiten und jene dann wieder exportieren.

Auffallend bei der dynamischen Analyse ist der enorme Anstieg des Exportes von Erdöl und Ergas um 912.84%. Dem gegenüber steht ein Weltexportwachstum von 28.95%. Der Weltmarktanteil liegt in diesem Bereich zwar erst bei 1.4%, aber aufgrund der steigenden Nachfrage und der Tatsache, dass die Niederlande über reichliche Erdgasvorkommen verfügen, wird dieser Anteil weiterhin steigen.

Ein weiterer Sektor in einem wachstumsstarken Markt ist die Herstellung von Grundchemikalien. Die Niederlande besitzen hier einen Weltmarktanteil von 6.18%, wobei der Anstieg des weltweiten Marktanteils in diesem Sektor nur 1.27% beträgt. Das Weltexportwachstum beträgt 17.82%.

Durch die Büro- und Computertechnik sind die Niederlande mit 7.48% Weltmarktanteil in diesem rückläufigen und nicht sehr dynamischen Sektor gut vertreten. Das Weltexportwachstum beträgt in diesem Sektor 12.22% und liegt somit unter dem Durchschnitt von 16.45% des gesamten weltweiten Exportwachstums. Die Niederlande konnten allerdings hier nur ein Wachstum von 1.13% erzielen.

Den größten Weltmarktanteil haben die Niederlande im Anbau von Kulturpflanzen, im Gemüseanbau und Gartenbau mit 7.56%. Damit liegen die Niederlande weltweit auf Rang 2 nach den USA. Die Stärke dieses Sektors ist vor allem auf die hohe Technologisierung in der Landwirtschaft zurückzuführen und der damit verbundenen hohen Arbeitsproduktivität. Allerdings beträgt das Weltexportwachstum nur 9.49% und in den Niederlanden ist einen rückläufige Entwicklung dieses Sektors um 1.61% zu beobachten.

Die Niederlande verzeichnen ein starkes bis sehr starkes Wachstum in der Herstellung von optischen Instrumenten und in der Herstellung von Fernseh- und Radioempfängern. Bei der Herstellung von optischen Instrumenten erreichten die Niederlande ein Wachstum der Marktanteile von 8.13%, wobei das Weltexportwachstum bei 24.87% liegt und die Niederlande einen Marktanteil von 5.48% besitzen. Bei der Herstellung von Fernseh- und Radioempfängern erreichten die Niederlande ein Wachstum der Marktanteile von 18.28%, wobei das Weltexportwachstum bei 15.3% liegt und die Niederlande in diesem Bereich einen Marktanteil von 3.64% verzeichnen.

Wie hier zu sehen ist, haben die Niederlande das größte Wachstum in der herstellenden und weiterverarbeitenden Industrie. Dies ist vor allem in der hohen Arbeitsproduktivität der Niederlande begründet. So gelingt es ihnen auch, im Bereich der Agrarwirtschaft außerordentliche Ergebnisse zu erzielen trotz der geringen Größe des Landes. Deshalb kann man festhalten, dass diese beiden Bereiche die Triebkraft der niederländischen Wirtschaft darstellen. Ein weiterer wichtiger Punkt für die gute Entwicklung dieser Sektoren ist die geografische Lage des Landes, da sie eine optimale Voraussetzung für den Handel mit den EU Staaten bildet.


Arbeitsproduktivitaet.JPG
Terms of tade.JPG


Wie im linken Graph deutlich zu sehen ist, hat sich die Arbeitsproduktivität der Niederlande seit 2002 kontinuierlich verbessert. Dies ist der fortschreitenden technologischen Entwicklung und der ausgezeichneten Infrastruktur zu verdanken.

Schaut man sich jedoch das reale Austauschverhältnis (rechter Graph) der Niederlande an, so muss man feststellen, dass dieses bereits seit Jahren sinkt und erst von 2007 zu 2008 wieder leicht gestiegen ist. Aufgrund der steigenden Preise für Ressourcen und Agrarprodukte wird das reale Austauschverhältnis der Niederlande auch in den kommenden Jahren zunehmen, da das Land, wie bereits oben erwähnt, vor allem Erdölerzeugnisse und Agrarprodukte exportiert.

Sektorale Standortattraktivität

Direktinvestitionen gelten als wichtiger Indikator für die Globalisierung. Sie bilden in der Regel direkte, stabile und langfristige Verflechtungen zwischen Volkswirtschaften ab. Die stärkste Anziehungskraft für ausländische Direktinvestitionen haben in den Niederlanden die vier Sektoren „Finanzwesen“ (Finance), „Nahrungsmittel, Getränke und Tabak“ (Food, beverages and tobacco), „Chemikalien und chemische Produkte“ (Chemicals and chemical products) und „Landwirtschaft und Jagd“ (Agriculture and hunting).

Industriezweig absolute ausländische Investitionen 2006 (in m US$) Investitionsbestand 2006 (in m US$) ø jährliche prozentuale Veränderung (seit 2003) relative ausländische Investitionen 2006 Investitionen je Einwohner (in US$) Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizient Weltmarktanteil Weltrangliste
Finanzwesen 8085,10 16646,90 -14,90% 94,43% 495  
Nahrungsmittel, Getränke und Tabak 565,80 44315,80 31,00% 1,29% 35 32,00% 7,50% 2
Chemikalien und chemische Produkte 48,90 102464,00 5,60% 0,05% 3 18,00% 5,30% 6
Landwirtschaft und Jagd 7,50 204,50 457,00% 3,81% -1 22,00% 7,60% 2

Die Bereiche Lebensmittel und chemische Industrie dominieren in den Niederlanden als produzierendes Gewerbe.[13] Der Sektor Chemie hat mit 102.464 Millionen US$ den mit Abstand höchsten Investitionsbestand. Die Niederlande hatten aber in 2006 trotz deutlich geringerem Investitionsbestand im Vergleich mit dem Sektor „Nahrungsmittel, Getränke und Tabak“ und dem Chemiesektor einen geringeren Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen 48,9 Millionen US$ zu 565,8 Millionen US$. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Investitionsbestand in dem Sektor „Nahrungsmittel, Getränke und Tabak“ nur bei 44.315,8 Millionen US$ liegt und somit bei Weitem nicht das Niveau des Sektors „Chemie“ erreicht.

Außergewöhnlich ist auf jeden Fall, dass solch ein flächenmäßig kleines Land, wie die Niederlande, in dem Sektor „Landwirtschaft und Jagd“ einen positiven Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizient von 22 % mit einem Weltmarktanteil von 7,6 % haben. Damit sind die Niederlande nach den USA der zweitgrößte Exporteur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen weltweit. (vor Frankreich, Brasilien und Spanien)

Ebenso ist der Sektor „Nahrungsmittel, Getränke und Tabak“ ein Globalplayer mit einem Weltmarktanteil von 7,5 % und auch wieder als zweitgrößter Exporteur kurz nach Deutschland und vor Frankreich, USA und Brasilien.

Der Sektor Finanzen hatte in 2006 einen Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen in Höhe von 8.085,1 Millionen US$ und damit im Vergleich zum Bestand einen relativen Zufluss von ca. 95%. Ein genauerer Hintergrund lässt sich dafür auf den ersten und zweiten Blick nicht erkennen. Es lässt sich nur erkennen, dass der Investitionsbestand im Vergleich zum Jahr 2003 relativ gesehen um 14,9 % geschrumpft ist. Eine weitere Untersuchung des Dienstleistungssektors ist leider nicht möglich, da dieser nicht in der Handelsbilanz erfasst wird.

Die Außenhandelstheorie von David Ricardo besagt: „Jedes Land spezialisiert sich auf die Herstellung des Produktes, bei dem es die niedrigsten Opportunitätskosten und somit einen komparativen Vorteil hat.“[13]

Industriezweig absolute ausländische Investitionen 2006 (in m US$) Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizient
Nahrungsmittel, Getränke und Tabak 565,8 32,0%
Landwirtschaft und Jagd 7,5 22,0%
Chemikalien und chemische Produkte 48,9 18,0%
Metall und metallische Produkte -1024,9 1,0%
sonstige Fertigungswirtschaft -323,7 -17,0%
Bergbau und Übertagebergbau -736,4 -27,0%
Erdöl -3245,4 -42,0%

Wie aus obiger Tabelle zu erkennen ist, haben die Niederlande in drei Sektoren positive Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizienten. Diese drei Sektoren sind deckungsgleich mit den bereits weiter oben dargestellten Sektoren. In den Fällen eines positiven Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizienten liegt ein komparativer Vorteil vor (Exporte > Importe), während bei einem negativen Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizienten die Importe die Exporte übersteigen.

Im Wesentlichen kann die These, dass die ausländischen Direktinvestitionen in Sektoren mit komparativem Vorteil fließen und diese Sektoren weiter wachsen bzw. gestärkt werden bestätigt werden. Die eingangs dargestellten Sektoren mit den größten ausländischen Direktinvestitionen weisen ebenfalls stark positive Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizienten auf. Für die einzelnen Sektoren sind es auch die geschaffenen Rahmenbedingungen der Niederlande. Die Niederlande haben eine hoch technologisierte Landwirtschaft, die außerordentlich produktiv ist.[13] Die Milchviehhaltung gibt es noch in besonders großem Maße, was die Grundlage für Käse als wichtiges und traditionelles Exportgut ist.[13] Ein weiterer Vorteil für den Sektor Chemie besteht im niederländischen Seehafen Rotterdam, der Europas größter Seehafen ist. Dieser ist mit Abstand der wichtigste Handelspunkt für Erdöl in Europa. Dort kamen 2004 101 Millionen Tonnen Erdöl an, von denen die Hälfte mit Pipelines ins Ruhrgebiet und nach Antwerpen geleitet wurde, die andere Hälfte wurde direkt im Hafen weiterverarbeitet.[14] Im Hafen stehen vier große Raffinerien, die sich meist mehrere Firmen teilen. Angesiedelt haben sich dort 40 Unternehmen der Erdöl- und Chemiebranche.[14]

Das Werkzeug der Importsubstitution welches sich grob beschreiben lässt als ein Entwicklungssystem, bei dem Importgüter durch im Inland hergestellte Produkte ersetzt werden.[15] In diesem Fall müsste ein negativer Gütergruppen-Außenhandels-Koeffizient vorliegen und die absoluten ausländische Investitionen des entsprechenden Industriezweiges stark zunehmen. Die im Rahmen der Erstellung dieses Dossier untersuchten Sektoren der Niederlande weißen keine dieser Kriterien für Importsubstitution auf.

Analyse der ausländischen Direktinvestitionen

Der Begriff ausländische Direktinvestition lässt sich aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Unterschieden werden diese in Geldflussrichtung, Zielrichtung und Motive. [16] Im Folgenden werden wir uns auf die Motive konzentrieren. Die Motive einer ausländischen Direktinvestition lassen sich wiederum in vier Bereiche einteilen:

  • Natural-Resource-Seeking: Durch Investitionen soll die Versorgung durch natürliche Ressourcen im eigenen Land gesichert werden. Allerdings lassen sich hier noch unscheinbarere Motive wie Einfluss, Marktmacht und politisches Druckmittel anfügen. Angesichts der steigenden Preise für Öl und Mineralien aufgrund eines weltweit geringeren Angebots spielen die genannten Gründe eine immer größere Rolle.

Anfang 2007 wurden große Anteile der Royal Dutch Shell von der russischen Gazprom aufgekauft. Der umsatzstärksten Unternehmung drohte der Verlust ihrer Lizenz aufgrund von negativen Umwelteinflüssen. Zwar kam dieser Umstand der Gazprom zugute, allerdings bekommt diese einen großen Einfluss auf dem Weltmarkt, der sicherlich gewollt war.

  • Market-Seeking: Investitionen, bei denen ein Markteintritt erreicht oder das weitere Bestehen in einem Markt gewährleistet werden soll. Wichtig ist dabei die vertikale und horizontale Integration, die insgesamt das Risiko von Umsatzschwankungen verringert.

Am 29. September 2006 verkaufte die Koninklijke Philips Electronics N.V 80.1% ihrer Anteile am Halbleitergeschäft an ein Konsortium von Private Equity Investoren, bestehend aus Kohlberg Kravis Roberts & Co.(KKR), Bain Capital, Silver Lake Partners, Apax und AlpInvest Partners N.V. Es ist anzunehmen, dass die Investoren zum einen vom wachsenden Elektronikmarkt profitieren und gleichzeitig neue Märkte erschließen wollen.

  • Efficiency-Seeking: Investitionen, um Skalenerträge, also den Kostenvorteil bei Massenproduktion (siehe auch Fixkostendegression) und somit die Effizienz, zu erhöhen. Dazu gehören auch Transportkostenvorteile und die Kundenähe im Absatzland.

Die Niederlande besitzen nicht nur sehr gut ausgebildete, flexible und motivierte Arbeitskräfte, sondern zählen auch durch ihre Zentralität in Europa und ihrer besonders guten Infrastruktur zu den attraktivsten Direktinvestitionszielen hinsichtlich der Effizienz. Denn erst ein Zusammenwirken dieser Faktoren garantiert eine Effizienzsteigerung in jeder Branche. Weitere Rahmenbedingungen sind der Hafen von Rotterdam, der als drittgrößter der Welt auch gern als Tor zu Ueropa bezeichnet wird. Weiterhin lässt die Zinspolitik in den Niederlanden deren Attraktivität weiter steigern. So wurden erst im Jahr 2007, die Gewerbesteuer auf 25.5% und die Kapitalertragssteuer von 25% auf 15% gesenkt. Diese Sätze liegen unter dem Durchschnitt in Europa.[17]

  • Strategic-Asset-Seeking: Eine taktische Investition, die dazu dienen soll, einem Wettbewerber die Möglichkeit zu verschließen, wichtige Ressourcen zu erwerben.

Um Zugang zu neuen Technologien und Kompetenzen im Bereich der Stahlindustrie zu erlangen, kaufte die indische Tata Group im Jahr 2006 für circa 12 Mrd. USD die Corus Group, die zwar eigentlich ihren Hauptsitz in London hat, aber aus einer Fusion zwischen Koninklijke Hoogovens N.V und British Steel Plc besteht. Damit erreichte die Tata Group eine bedeutend größere Marktdurchdringung im Segment Stahl auf internationaler Ebene und baute ihre Marktanteile im europäischen Raum weiter aus. Die Tata-Corus gehört nun zum füntgrößten Stahlhersteller der Welt.



Sektoraler Wettbewerb um ausländische Direktinvestitionen

Diese werden durch die Standortattraktivität der Niederlande begründet. Hierbei werden die Bestände bzw. Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen (ADI) für die Jahre 2004 - 2006 der einzelnen Sektoren analysiert. Eine hohe Zuflussrate an ADI zeichnet einen attraktiven Standort aus[18]. Weiterhin werden meine eigenen Berechnungen hinsichtlich des relativen komparativen Vorteils (RCA), bezogen auf die Handelsdaten des Jahres 2006[19], als weitere Einflussgröße für die Standorattrakivität herangezogen. Ein positiver RCA stellt einen relativen komparativen Vorteil und ein negativer Wert einen relativen komparativen Nachteil (Importsubstitution) dar.

Sektoren mit hoher Standortattraktivität

Die Niederlande haben folgende Sektoren mit einer hohen Standortqualität:

  • Lebensmittel, Getränke und Tabak
  • Chemikalien und chemische Produkte
  • Rohöl und Erdgas

Darüber hinaus wird die Standortwahl von den Standortfaktoren abgerundet. Bevor diese genannt werden, möchte ich die Hauptwettbewerbsländer um ADI mit den Niederlanden, in den oben erwähnten Sektoren, darstellen.

Stand 2006

Vergleich mit den Niederlanden

  • Lebensmittel, Getränke und Tabak

In diesem Sektor sind die Niederlande weltweit marktführend. Im Vergleich von 2005 zu 2006 erfolgte hier ein starker Anstieg der ADI. Das gleiche gilt auch für die USA, die mit der stärkste Wettbewerber sind. Ursächlich dafür sind die geografischen und logistischen Vorteile der Niederlande. Mit einem der weltweit größten Häfen, stellt die Niederlande das wichtigste Tor zum europäischen Festland sowie zu dem europäischen Markt dar. 2005 erfolgte ein Umschlag im Wert von rund 257 Mio. USD[20]. Dieser war in Europa der höchste.

  • Chemikalien und chemische Produkte

Hier sind die Niederlande ebenfalls sehr konkurrenzfähig. Im Zeitvergleich von 2004 – 2006 platzierten sich die Niederlande weltweit auf den zweiten Platz. Besser ist, jedoch mit weitem Abstand, die USA. Europaweit sind sie führend. Schweden und Großbritannien folgen mit weitem Abstand. Dies ist auf die jahrzehntelange Erfahrung und Tradition der Unternehmen zurück zuführen. Sowie die hervorragend ausgebildeten Arbeitskräfte. Wie im oberen Sektor, diente der Rotterdamer Hafen für den höchsten Umschlag in Europa mit einem Wert von rund 1,1 Mrd. USD.

  • Rohöl und Erdgas

2005 waren die Niederlande noch weltweit führend hinsichtlich des Zuflusses an ADI. Das änderte sich im Jahre 2006. Hier flossen ca. 3 Mrd. USD an ADI zu den Investoren zurück. Dafür sind verschiedene Gründe ausschlaggebend. Dies kann durch ausgeschüttete Gewinne, Darlehensrückzahlung oder durch verkaufte Anteile geschehen. Die Umschlagszahl am Rotterdamer Hafen mit 87,8 Mio. Tonnen, war die höchste Europas. Auf Grund der weltweiten Wichtigkeit dieser Ressource erfolgen hier zahlreiche Investitionen. Aber auch die Ausweitung der Förderung durch Tochtergesellschaften in anderen Ländern wie nach Argentinien und Chile sollen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

Gründe für die Unterschiede können mit Hilfe der Standortfaktoren erläutert werden. Dabei unterscheidet man quantitative und qualitative Standortfaktoren. Diese wurden von der Weltbank für die Niederlande bewertet.

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Weiterhin können diese Faktoren allgemeiner oder sektoraler Natur sein. Kriterien dafür sind die Ausstattungs- und Rahmenbedingungen (allgemein) und die speziellen Produktionsbedingungen (sektoral) in einem Land[21].

Für die Niederlande lassen sich der Hafen von Rotterdam und die Bewertungen der Weltbank zu den allgemeine Faktoren zählen. Zu dem sektoralen Faktor zählt die Ressourcennutzung von Erdgas.

Handelsbarrieren

Die wichtigsten Handelspartner sind Deutschland, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Da diese zur EU gehören, fallen hier weder Zölle noch Handelsbeschränkungen an. Die Niederlande konnten sich hier als logistische Drehscheibe für Europa sehr gut positionieren.

Die Studie Doing Business von der Weltbank untersucht jährlich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen in 175 Ländern[22]. Hierbei werden zehn Kriterien verglichen, unter anderem die Einfachheit Geschäfte zu machen, Kosten für eine Unternehmensgründung oder Möglichkeiten der Konkursmeldung. Die Niederlande positionierten sich 2006 sehr gut durch einfache Möglichkeiten der Kreditbeantragung und den Bedarfsorientierten Handel mit anderen Ländern. Negativ werden die Genehmigungsanträge- und Kündigungsverfahren sowie die Macht von Anteilseignern gesehen. Insgesamt belegte die Niederlande Platz 23.

2008 erreichten sie Platz 21. Die Niederlande haben an Attraktivität gewonnen, vor allem durch Verbesserungen des Steuersystems und der Vereinfachung bei Arbeitnehmerregelungen[23].

Schlussteil

Abilities to sell and to attract

Die Niederlande verdoppelten 2006 ihr Wirtschaftswachstum von 1,5% vom Vorjahr auf 2,94%. Trotz der aktuellen weltweiten Finanzkrise befindet sich die niederländische Wirtschaft erneut auf Erfolgskurs. 2007 verzeichneten die Niederlande ein Wirtschaftswachstum von 3,5%, die konjunkturell höchste Leistung seit 2000. Von der positiven Entwicklung ist auch der Arbeitsmarkt betroffen, welcher 2006 eine Arbeitslosenquote von 5,5% und 2007 von 4,1% aufweist. Hierfür ist nicht zuletzt eine qualitativ hohe Bildungspolitik verantwortlich.[24]

Die Niederlande zeichnen sich außerdem durch ein hohes multilaterales Engagement aus und sind besonders bei der Förderung von Sicherheit und Stabilität, beim internationalen Umweltschutz sowie der Energiesicherheit beteiligt. [25] Weitere Faktoren, die die Niederlande zu einem attraktiven Standort machen, sind unternehmensfreundliche Genehmigungsverfahren, günstige rechtliche Rahmenbedingungen und kostengünstige gewerbliche Immobilien. [5]

Eine wichtige Stütze des wirtschaftlichen Aufschwungs ist vor allem der Außenhandel. Der Export stieg im Jahr 2007 um 9,2%, der Import notierte ein Wachstum von 7,4%. [24] Bezüglich des Weltmarktanteils am Export nehmen die Niederlande mit knapp 3,1% den 9. Platz ein. Durch relativ hohe Lohnstückkosten, welche sich in der Vergangenheit durch einen Trend nach oben auszeichneten, könnten die Niederlande jedoch mit einem Verlust von Weltmarktanteilen konfrontiert werden. Jedoch haben sie mit relativ geringen Körperschaftssteuersätzen (25% im Vergleich mit Deutschland: 38,4%) einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bezüglich der Standortattraktivität gegenüber anderen EU-Staaten.[26]

In den letzten Jahren erzielte die niederländische Wirtschaft ihre größten Erfolge im international ausgerichteten Agrarsektor, der jeweils 10% am BIP und an der Gesamtbeschäftigung ausmacht, und in der Erdölweiterverarbeitenden Industrie (Exportzuwachs von 42%) sowie im Bereich der Chemikalien. Aufgrund der anhaltenden Preissteigerungen für Erdölprodukte und andere mineralen Rohstoffen werden auch in Zukunft die betreffenden Sektoren eine bedeutende Rolle für die niederländische Außenwirtschaft spielen.

Der Rotterdamer Hafen ermöglicht es den Niederlanden, indirekt vom Wirtschafts-Boom in China zu profitieren, weil viele chinesische Produkte über diesen Hafen nach Europa kommen, im Land weiterverarbeitet und wieder in andere Länder exportiert werden. [27]

Insgesamt zeichnet sich die niederländische Wirtschaft durch einen Aufwärtstrend aus, der voraussichtlich auch in den kommenden Jahren anhalten wird, wobei das liberale Wirtschaftssystem der Niederlande diesen Trend unterstützen wird.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Vgl. Report of the Select Committee of the House of Lords on Overseas Trade, 1995
  2. 2,0 2,1 2,2 Vgl. Paul Krugman: "Competitiveness: A Dangerous Obsession", S. 31, 34 Cite error: Invalid <ref> tag; name "paulk" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "paulk" defined multiple times with different content
  3. 3,0 3,1 Claudia Mitschke: "Konzeptionen zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit", S. 230, 234 Cite error: Invalid <ref> tag; name "cmitschke" defined multiple times with different content
  4. 4,0 4,1 Vgl. Claudia Mitschke: "Konzeptionen zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit", S. 235, 236 Cite error: Invalid <ref> tag; name "cmitschke2" defined multiple times with different content
  5. 5,0 5,1 Vgl. http://www.businesslocationcenter.de/de/AW/v/2/seite1.jsp?nav1=open&nav2=open#1 Cite error: Invalid <ref> tag; name "busi" defined multiple times with different content
  6. Vgl. Trade Competitiveness Map
  7. Vgl. Trade Competitiveness Map
  8. Investment Map
  9. http://www.wko.at/statistik/eu/europa-arbeitsproduktivitaet.pdf
  10. Vgl. http://www.auwi-bayern.de/awp/inhalte/Anhaenge/Exportbericht_Niederlande.pdf
  11. http://www.wko.at/statistik/eu/europa-wirtschaftsleistung.pdf
  12. http://www.welt-auf-einen-blick.de/energie/erdgas-export.php
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Niederlande (Abgerufen: 18. Mai 2008, 19:23) Cite error: Invalid <ref> tag; name "wikipe" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "wikipe" defined multiple times with different content Cite error: Invalid <ref> tag; name "wikipe" defined multiple times with different content
  14. 14,0 14,1 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Hafen_Rotterdam#Wirtschaftliche_Bedeutung (Abgerufen: 16. Mai 2008, 21:25) Cite error: Invalid <ref> tag; name "wikipe2" defined multiple times with different content
  15. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Importsubstitution (Abgerufen: 19. Mai 2008, 16:25)
  16. Vgl. http://www.unctad.org/en/docs/wir2007_en.pdf
  17. Vgl. http://www.nfia.nl/goto.php?pageid=2
  18. Vgl. Trabold, Harald: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, S. 177
  19. Vgl. http://www.investmentmap.org
  20. Vgl. http://www.portofrotterdam.com/de/home/results.jsp?query=statistics], 16.05.2008; Wert: eigene Berechnung
  21. Vgl. Amling, Friedrich J. (1992): Industriestandort Deutschland, Europäische Hochschulzeitschriften, Bd. 1411, S. 4
  22. Vgl. http://www.handelsblatt.com/News/Politik/Konjunkturdaten/_pv/grid_id/687653/_p/200053/_t/ft/_b/958701/default.aspx/die-studie-doing-business-2007-%96-was-dahinter-steckt.html, 08.05.2008
  23. Vgl. http://www.euregio-business-network.com/EBNAktuell/Aktuelles/AktuellesDetail/tabid/169/pos/0/ptab/117/entryid/356/Default.aspx, 06.05.2008, in: Het Financiele Dagblad
  24. 24,0 24,1 Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Niederlande/Wirtschaft.html Cite error: Invalid <ref> tag; name "ausw" defined multiple times with different content
  25. Vgl. http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Niederlande/Aussenpolitik.html
  26. http://www.wko.at/statistik/eu/eu.htm
  27. http://www.ksta.de/html/artikel/1210310055306.shtml

Literatur

Weblinks

Gesamtzeichen (inkl. Tabellen): 47275

Gesamtzeichen (exkl. Tabellen): 35505

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