Wettbewerbsfähigkeit Bulgariens 2008

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Andrea Kötzsch 08:30, 2. Jun. 2008 (CEST)

Die parlamentarische Republik Bulgarien liegt im südosteuropäischen Raum und grenzt im Norden an Rumänien, im Osten an das Schwarze Meer, im Süden an die Türkei und Griechenland und im Westen an Serbien und Mazedonien. Das 110.994 qkm große Land mit rund 7,68 Mio. Einwohnern verfügt über zahlreiche Ressourcen sowohl im agrarischen Bereich (Weizen, Mais, Viehwirtschaft) als auch im mineralischen Bereich (Kohle, Kupfer, Eisenerz). Die allgemeine Wirtschaftslage Bulgariens weist seit mehreren Jahren eine positive Entwicklung auf, so stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2006 real um 6,1% auf 31,5 Mrd. USD.

Landkarte Bulgarien

Einleitung

Definition von Internationaler Wettbewerbsfähigkeit

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Bulgariens zu ermitteln und einen Vergleich mit anderen Volkswirtschaften zu ermöglichen, muss zunächst der Begriff der internationalen Wettbewerbsfähigkeit erörtert werden. Als Ausgangspunkt soll die Definition der OECD dienen:

„Wettbewerbsfähigkeit ist ein Maß dafür, inwieweit eine Volkswirtschaft in der Lage ist, im Rahmen von Freihandel und fairen Marktbedingungen, Waren und Dienstleistungen zu produzieren, die auf internationalen Märkten bestehen können, während gleichzeitig die Realeinkommen der Bürger langfristig gesichert und erhöht werden.“[1] Es ist allerdings anzumerken, dass keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs vorliegt. Im Wesentlichen werden jedoch zwei Konzepte unterschieden, auf die im Folgenden eingegangen wird.

Der erste Ansatz beruht auf der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit, die sich zum einen auf Preisvorteile der Produkte gegenüber der Konkurrenz bezieht und zum anderen auch nicht quantifizierbare Kriterien berücksichtigt. Die Übertragung dieses Ansatzes auf eine Volkswirtschaft wird jedoch vielfach kritisiert, da es z. B. für ein Unternehmen im Konkursfall die Eliminierung vom Markt bedeutet, ein Land mit einer negativen Handelsbilanz aber nicht vom Markt verschwinden kann. Der Welthandel ist auch kein Nullsummenspiel, d. h. im Gegensatz zu Unternehmen geht der Erfolg des einen nicht zu Lasten des anderen, sondern er dient der gegenseitigen Förderung auf den Exportmärkten. Paul Krugman stellte zusammenfassend folgende These auf: „Wettbewerbsfähigkeit ist ein bedeutungsloses Wort, wenn es auf Volkswirtschaften angewendet wird. Und dieser Zwang ist sowohl falsch als auch gefährlich.“[2]

Der zweite Ansatz bezieht sich auf das Paper von Claudia Mitschke und die vier Konzeptionen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Der außenwirtschaftlich orientierte Ansatz, die „ability to sell“ geht davon aus, dass die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft als die Summe der Wettbewerbsfähigkeit aller Unternehmen eines Landes definiert wird. Dies schließt mit ein, dass die Konkurrenzfähigkeit eines Landes als die Fähigkeit gesehen wird, Produkte auf ausländischen Märkten zu verkaufen, mit Hilfe von Preiswettbewerb( über den Preis) oder Nichtpreiswettbewerb (über qualitative Kriterien). Das Konzept der „ability to earn“ definiert die Fähigkeit einer Nation ein möglichst hohes Realeinkommen zu erwirtschaften und einen steigenden Lebensstandard der Bevölkerung zu erzielen. Dies kann unter anderem über die Produktivität der Unternehmen oder über die technologische Wettbewerbsfähigkeit gemessen werden. Die Anpassungsfähigkeit und somit die „ability to adjust“ von Volkswirtschaften zielt darauf ab, dass die Steigerung des Realeinkommens und des Lebensstandards über eine dynamische Anpassung erreicht wird. Dies beinhaltet eine schnellere und effizientere Entwicklung und bessere Anpassung an veränderte ökonomische Bedingungen gegenüber Konkurrenzländern. Determinanten dieses Konzeptes sind das Unternehmertum, ordnungspolitische Rahmenbedingungen oder die Produktionsstruktur. Die Attraktivität von Standorten, d.h. die „ability to attract“ gibt Auskunft darüber, wie attraktiv eine Wirtschaftsregion für Investoren ist.[3] Ausländische Direktinvestitionen sind dabei ein wichtiger Indikator zur Messung der Investitionsfähigkeit. Auch dieser Ansatz ist nicht allgemeingültig und kritikfrei, beschreibt aber die internationale Wettbewerbsfähigkeit am besten.

Aussagekräftige Kriterien für Bulgariens Wettbewerbsfähigkeit, die nachfolgend untersucht werden, könnten sein:

  • Bruttoinlandsprodukt
  • Handelsbilanzsaldo
  • Ressourcen
  • Lohnkosten
  • Arbeitsproduktivität
  • Fachkräfte
  • Infrastruktur
  • Steuern

Sektorale Leistungsfähigkeit im Außenhandel

Die Sektoren mit den höchsten Ausfuhrüberschüssen

Diese Sektoren werden anhand der größten Nettohandelswerte ermittelt, d. h. der größten positiven Differenzen zwischen Exporten und Importen innerhalb eines Sektors nach dem zweistelligen Harmonisierten System (HS). In Bulgarien liegen an erster Stelle die „Kupfer und Kupfererzeugnisse“(HS 74), gefolgt von „Kleidungs- und Accessoireartikel, nicht gestrickt oder gehäkelt“(HS 62) und auf Platz drei befinden sich „Mineralbrennstoffe, Öle, Destillationsprodukte etc.“(HS 27). Nachfolgend werden die Sektoren aufgeschlüsselt in die wichtigsten, einen Ausfuhrüberschuss begründenden Güter nach dem 4-stelligen harmonisierten System.

Sektoren und Güter 4.jpeg

Tabelle: Die Sektoren und Güter mit den höchsten Ausfuhrüberschüssen in Bulgarien (Daten des Jahres 2006)

Die wichtigsten Außenhandelspartner

Außenhandelspartner in den überschussreichsten Sektoren

In den drei Sektoren werden nach der Höhe der Handelsumsätze, d.h. der Kumulation der Exporte und Importe, die folgenden Handelspartner differenziert:

Lafay5.jpg

Tabelle: Der Lafay-Index beschreibt den offenbarten komparativen (vergleichsweisen) Vorteil hinsichtlich bestimmter Sektorenprodukte


Diese sind Griechenland, Italien, Türkei und Deutschland. Anhand des Lafay-Indexes lässt sich der offenbarte komparative Vorteil Bulgariens bezüglich des Exports der Sektorenprodukte feststellen. Ein durchgängiger Lafay-Index größer „1“ weist darauf hin, dass Bulgarien bezüglich dieser Güterkategorien einen komparativen Vorteil hat.

Die wichtigsten Außenhandelspartner überhaupt

Von größter Bedeutung für Bulgariens Wettbewerbsfähigkeit sind die Länder, bei denen die Außenhandelsumsätze aller Sektoren am höchsten sind. Es ergibt sich die aufgezeigte Rangfolge:

Die Handelspartner mit den höchsten Außenhandelsumsätzen

Die Gründe dieser Beziehungen werden mit Hilfe des Gravitationsmodell sowie den Modellen von Ricardo und Heckscher Ohlin untersucht.

Gravitationsmodell

Dieses Modell beschreibt die traditionelle Abhängigkeit des Handels zwischen zwei Ländern von der Größe einer Volkswirtschaft, gemessen am BIP, und von der Entfernung zwischen den Märkten.

Das BIP der Handelspartner wirkt positiv auf Bulgariens Wirtschaft

Die geringere Wirtschaftsleistung Bulgariens zeigt den positiven, proportionalen Zusammenhang zwischen BIP und Handelsvolumen, so dass sich die Rangfolge bestätigt. Die Entfernung der Länder zeigt ein umgekehrtes Verhältnis der Außenhandelsrangfolge, so ist die Distanz zur Türkei am geringsten, darauf folgt Italien und Deutschland. Dies ist vorallem ein Grund für den Handel mit dem Nachbarland Türkei durch z.B. weniger Transaktionskosten für Handelsaktivitäten. Die geografischen Gegebenheiten Bulgariens fördern auch den Handel über gute Seeverbindungen z. B. über die im Norden angrenzende Donau und im Osten das Schwarze Meer. Handelsabkommen unterstützen ebenfalls den Handel, so bestehen zwischen Bulgarien und Deutschland politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, wie der EU-Beitritt am 1.1.2007, die Deutsch-Bulgarische Industrie- und Handelskammer in Sofia und das Kulturabkommen vom 19.03.1996.

Ricardo-Modell

Das Ricardo-Modell untersucht das Zustandekommen von internationalem Handel auf der Grundlage komparativer Vorteile, die anhand relativer Arbeitsproduktivitätsunterschiede transparent gemacht werden.

Die Arbeitsproduktivität und das BIP pro Kopf der Partner und Bulgariens

„In Bulgarien ist die Arbeitsproduktivität nach wie vor gering und beträgt nur rund ein Drittel des EU-Durchschnitts.“[4] Die drei Handelspartner haben relativ höhere Arbeitsproduktivitäten, wobei Deutschland und Italien sogar über dem EU-Durchschnitt (100) liegen. Somit haben diese einen komparativen Vorteil gegenüber Bulgarien und erlangen, genauso wie Bulgarien selbst, Handelsgewinne. Auch das BIP pro Kopf gibt Auskunft über die Produktivität eines Landes. Mit zunehmender wirtschaftlicher Leistung pro Kopf steigt auch, wie ersichtlich, das Außenhandelsvolumen mit den jeweiligen Handelspartnern. Ein drittes ausschlaggebendes Kriterium für die Produktivität ist der RCA, der bereits am Lafay-Index dargestellt wurde.

Heckscher- Ohlin- Modell

Dieses Modell beschreibt den Zusammenhang zwischen internationaler Faktorausstattungsunterschieden und der Handelsstruktur. Nach dem Modell wird ein Land die Produkte exportieren, bei denen es den relativ reichlich vorhandenen Produktionsfaktor (PF) intensiv zum Einsatz bringen kann. Im umgekehrten Fall würden die Produkte importiert. Die Tabelle zeigt die relevanten PF und den Rang im weltweiten Vergleich.

Die Faktorausstattung in Bulgarien und den Partnerländern

Das in der letzten Spalte dargestellte Verhältnis Boden zu Arbeit bestätigt die „kleine und sehr nach außen orientierte Wirtschaft“[5] und die relativ große Fläche pro Einwohner in Bulgarien. „Bulgarien zeigt (jedoch) einen komparativen Vorteil meist in arbeitsintensiven, traditionellen Sektoren der Industrie wie Kleidung, Lebensmittel, Getränke und Möbelherstellung.“[6] Diese arbeitsintensive Produktion verdeutlicht der angegebene Rang, da der PF Boden einen Rang von 102 und Arbeit einen verhältnismäßig besseren von 96 hat. Die Faktorausstattung Kapital nimmt mit steigender Handelsstärke zu, so dass Deutschland über das Doppelte des Kapital Bulgariens aufweist, welches auch die Rangfolge begründet. Ein im Verhältnis zu dem stärksten Handelspartner, Deutschland, solides Humankapital deutet auf gut gebildete Fachkräfte hin, die in Italien und der Türkei relativ geringer vorhanden sind. Aus den makroökonomischen Modellen ist abzuleiten, dass Deutschland der mit Abstand größte Handelspartner ist, trotz der relativen großen Entfernung zwischen den Ländern, gefolgt von Italien und dem Nachbarland Türkei.

Dynamische Analyse der Außenhandelsstruktur

Im Folgenden sollen die Struktur sowie die Dynamik des Außenhandels von Bulgarien betrachtet und diskutiert werden. Dabei hilft uns die aus dem Marketing entlehnte Portfolio-Analyse, um die Wertentwicklung der wichtigsten Exportproduktgruppen zu bestimmen. Es wird eine Matrix-Methode mit Quadranten benutzt, wie man sie von der Boston Consulting Group bzw. General Electric kennt. Es werden hierbei jedoch nicht Unternehmen, sondern vielmehr Nationen untersucht.

Zunächst einmal verschaffen wir uns einen Überblick welche Faktoren überhaupt betrachtet werden.

Strukturelle Analyse

Bei der strukturellen Analyse steht der Weltmarktanteil Bulgariens aller Produkte im Jahr 2006 (0,124%) in Bezug zum Wachstum des Weltexports seit 2002 (durchschnittlich 16,5%). Diese Kennzahlen werden gleichzeitig als Trennlinien innerhalb der Matrix genutzt, um die Quadranten voneinander abzugrenzen.

Strukturelle Analyse

Q1: "Stark in wachsenden Sektoren - Strong in growing sectors/Champions"

Bei diesen Produkten war das Wachstum des Welthandels überdurchschnittlich groß und Bulgarien hatte dabei einen relativ hohen Weltmarktanteil.

Q2: "Schwach in wachsenden Sektoren - Weak in growing sectors/Underachievers"

Bei diesen Produkten hat Bulgarien einen relativ kleinen Weltmarktanteil, während aber gleichzeitig sich das Weltexportwachstum überdurchschnittlich entwickelte.

Q3: "Schwach in abnehmenden Sektoren - Weak in declining sectors/Declining industries"

Der Welthandel bei diesen Produkten stagniert oder fällt, während Bulgarien einen relativ geringen Weltmarktanteil hat.

Q4: "Stark in abnehmenden Sektoren - Strong in declining sectors/Achievers in adversity"

Bei diesen Produkten hat Bulgarien einen relativ hohen Weltmarktanteil, während der Weltexport fällt bzw. sich unterdurchschnittlich entwickelt.


Der Übersicht halber sollen nun die größten Sektoren eingeordnet und in den Grafiken die 10 bedeutendsten Zweige abgebildet werden.

Untersucht man den Quadranten Q1 („Champions“), so erkennt man, dass Bulgarien 2006 einen überdurchschnittlich hohen Weltmarktanteil bei der Herstellung von Edelmetallen und nicht-eisenhaltigen Metallen hatte. In diesem wachstumsstarken Sektor (+32%) exportierte man Metallwaren im Wert von knapp 2 Mrd. $. Ebenso in diesem Quadranten finden sich raffinierte Ölprodukte sowie die Eisen- und Stahlerzeugung. Bei der Herstellung von Bekleidungsartikeln finden sich die Exporte Bulgariens im Quadranten Q4 („Achievers in adversity“). Das bedeutet, dass ein erhöhter Marktanteil sich im Rahmen eines unterdurchschnittlichen Weltexportwachstums niederschlägt.

Im Quadranten Q2 („Underachievers“) ist mit einem Exportwert von 0,55 Mrd. $ die Herstellung von Chemikalien vertreten, was einen leicht unterdurchschnittlichem Marktanteil bei überdurchschnittlichem Exportwachstum (+17,8%) bedeutet.

Zusammenfassend betrachtet, stellt man fest, dass bei den Exporten sich die Edelmetall-, Stahl- und Eisenherstellung, aber auch die Mineralölproduktion strukturell im Bereich der „Champions“ bewegen und für Bulgarien den Löwenanteil ihres Außenhandelsbeitrages zusteuern.

Dynamische Analyse

Bei der dynamischen Analyse steht das Wachstum des Weltmarktanteils Bulgariens seit 2002 in Bezug zum Wachstum des Weltexports seit 2002 (durchschnittlich 16,5%). Das Diagramm wird somit ebenfalls wie folgt unterteilt:

Dynamische Analyse

Q1: "Gewinner in wachsenden Sektoren - Winners in growing sectors"

Bei diesen Produkten stieg der Weltexport überdurchschnittlich an, während Bulgarien seinen Weltmarktanteil dynamisch erhöhte.

Q2: "Verlierer in wachsenden Sektoren - Losers in growing sectors"

Bei diesen Produkten entwickelte sich das Wachstum des Welthandels überdurchschnittlich, während sich das Wachstum des Marktanteils Bulgariens negativ zeigte.

Q3: "Verlierer in abnehmenden Sektoren - Losers in declining sectors"

Das Wachstum des Welthandels bei diesen Produkten fiel, während Bulgarien seinen Marktanteil verringerte.

Q4: "Gewinner in abnehmenden Sektoren - Winners in declining sectors"

Bei diesen Produkten zeigte sich das Wachstum des Marktanteils Bulgariens positiv, während der Weltexport bei diesen Produkten fiel bzw. sich unterdurchschnittlich entwickelte.

Bei der Betrachtung der Dynamik sollen ebenfalls nun die größten Sektoren eingeordnet und in den Grafiken die 10 bedeutendsten Zweige abgebildet werden.

Im Quadranten Q1 ("Winners in growing sectors") zeigte die Herstellung von Edelmetallen eine besonders dynamische Entwicklung. Seit 2002 erhöhte Bulgarien seinen Weltmarktanteil (+17%) und spezialisierte sich in diesem Bereich. Ebenso bei der Produktion von Raffinerieerzeugnissen ist eine dynamische Ausweitung des Marktanteils (+10%) zu erkennen.

Die Herstellung von Eisen und Stahl findet sich im Quadrant Q2 („Losers in growing sectors“), wobei sich der Weltmarktanteil Bulgariens in diesem Wirtschaftszweig seit 2002 negativ entwickelt hat (- 7,5%).

Im Quadranten Q3 („Losers in declining sectors“) verzeichnete die Produktion von Bekleidungsartikeln einen Rückgang des Marktanteils (- 4,3%), während die gesamte Branche mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung zu kämpfen hatte.

Auffällig ist insbesondere, dass sich mehrere Wirtschaftszweige in unmittelbarer Nähe zur vertikalen Trennlinie zwischen den „Losers“ und den „Winners“ befinden. Diese Linie entspricht einer konstanten Beibehaltung des Marktanteils (± 0%) z.B. in den Sektoren der Chemikalien-, Maschinen- sowie Schuhherstellung.

Arbeitsproduktivität
Austauschverhältnisse

Abschließend sollen als Erklärungsfaktoren für die Struktur und Dynamik des bulgarischen Außenhandels die Produktivität und die Terms of Trade (ToT) herangezogen werden. Die Arbeitsproduktivität stieg in den letzten Jahren bedingt durch hohe Investitionen in Infrastruktur und Bildung im Rahmen des EU-Beitritts kontinuierlich an. Die Entwicklung der ToT ist in den letzten 3 Jahren ebenfalls ansteigend und wird durch die hohen bzw. anziehenden Edelmetall- und Ölpreise sich weiterhin positiv entwickeln.




Sektorale Standortattraktivität

Entwicklung der Ausländischen Direktinvestitionen

Die sektorale Standortattraktivität stellt die „ability to attract“ von Bulgarien dar. Ausgangspunkt hierfür sind die nach Sektoren gegliederten Bestandsgrößen der Ausländischen Direktinvestitionen (ADI), d.h. inwieweit ausländische Unternehmen im Rahmen des internationalen Kapitalverkehrs Tochtergesellschaften in Bulgarien schaffen oder ausbauen.

Der Aufschwung für Ausländische Direktinvestitionen in Bulgarien begann im Vergleich zu anderen Ländern in Südosteuropa relativ spät. Erst in den Jahren 1999/2000 waren signifikante Veränderungen zu verzeichnen. Im Zeitraum von 2003 bis 2006 haben sich die Bestände der ADI mehr als verdreifacht und beliefen sich auf 21.018,6 Millionen USD.

Die attraktivsten Sektoren

Anhand der ADI-Daten (2006) können folgende Sektoren mit der stärksten Anziehungskraft identifiziert werden:

Sektor ADI-Bestand
(Millionen USD)
Finanzwesen 3.290,7
Geschäftstätigkeiten 3.126,5
Sekundärsektor, nicht spezifiziert 1.695,1
Verkehrswirtschaft, Lagerhaltung und Kommunikation 1.516,0
Groß- und Einzelhandel 1.203,3
Ausländische Direktinvestitionen nach Sektoren

Auffällig ist, dass fast ausschließlich der Dienstleistungssektor die ADI anzieht. Die Geschäftstätigkeiten umfassen dabei vor allem die Grundstücks- und Wohnungswirtschaft sowie Vermietung. Attraktiv für ausländische Investoren sind also hauptsächlich Branchen, die auf den lokalen Markt ausgerichtet sind. Bereits in den letzten Jahren zeichnete sich eine kontinuierliche Verschiebung der ADI hin zum tertiären Sektor ab, welche sich allen Anzeichen nach auch in Zukunft fortsetzen wird.

Der größte Anteil innerhalb des Sekundären Sektors, also der Verarbeitenden Industrie, ist in die Anlagen-intensiven Wirtschaftszweige zur Produktion von Zwischengütern geflossen. Diese beinhalten unter anderem Ölraffinerie, Metall- und Chemieindustrie sowie die Baubranche. Ebenfalls bedeutungsvoll sind hier auch die traditionellen bulgarischen Wirtschaftszweige wie Nahrungsmittel-, Getränke- und Textilproduktion.

Die genannten Wirtschaftszweige machen insgesamt rund 52 % der gesamten Ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2006 aus.

Komparativer Vorteil und Importsubstitution

Eine weitere Analyse der ausländischen Direktinvestitionen soll sich auf den Zusammenhang zwischen deren Anziehungskraft und den Sektoren mit den höchsten Außenhandelsüberschüssen bzw. -defiziten beziehen. Fließen die ADI hauptsächlich in Sektoren, die einen signifikanten Außenhandelsüberschuss (Exporte - Importe) erwirtschaften, kann man von einem komparativen Vorteil Bulgariens in diesem Bereich ausgehen. Liegt der umgekehrte Fall vor, d.h. die ADI werden von Sektoren mit Außenhandelsdefizit angezogen, besteht ein komparativer Nachteil. Die ausländischen Direktinvestitionen haben dann eher eine importsubstituierende Funktion (bislang importierte Güter werden nun im Inland produziert).

Den Vergleich von Außenhandelsdaten und ADI stellt die folgende Tabelle dar:

Sektor Außenhandelsüberschuss/-defizit
(Millionen USD)
ADI-Bestand
(Millionen USD)
Metall und Metallprodukte 1.261,2 502,8
Hotels und Restaurants 1.093,4 84,5
Koks, Erdölprodukte und Kernbrennstoffe 417,5 k. A.
Erdöl -2.109,4 k. A.
Kraftfahrzeuge und andere Verkehrsmittel -1.688,5 k. A.
Maschinen und Anlagen -1.082,3 50,9

Es wird ersichtlich, dass sich die Sektoren mit den größten Außenhandelsüberschüssen bzw. -defiziten erheblich von denen mit der höchsten Attraktivität für ADI unterscheiden. Hier sind es vor allem Sektoren innerhalb der verarbeitenden Industrie, die Überschüsse und Defizite erwirtschaften. Ausnahmen bilden lediglich Hotels und Restaurants (Tertiärer Sektor) im positiven Bereich sowie Erdöl (Primärer Sektor) mit dem höchsten Außenhandelsdefizit überhaupt. Auch die zugehörigen Bestände an Ausländischen Direktinvestitionen weisen im Vergleich zum Gesamtbestand keine signifikanten Werte auf. Trotz fehlender Angaben für 3 der genannten Sektoren, können diese ebenfalls als geringfügig betrachtet werden. Der Sekundäre Sektor macht insgesamt lediglich 8 % der gesamten ADI aus und auch der Primäre Sektor konnte bereits in der Vergangenheit keinen wesentlichen Anteil an ADI anziehen.

Für Bulgarien kann deshalb auf Grundlage der ADI-Daten weder eindeutig von einem komparativen Vorteil in einem speziellen Sektor, noch von einer wesentlichen Importsubstitution gesprochen werden. Grund dafür ist sicherlich auch die hauptsächliche Ausrichtung der Ausländischen Direktinvestitionen auf den Dienstleistungssektor von Bulgarien.

Insgesamt aber ist das Investitionsklima und damit auch die Standortattraktivität von Bulgarien als gut zu bewerten. Positiv wirkten sich vor allem die gesamtwirtschaftliche und auch politische Stabilität sowie der EU-Beitritt aus. Ausländische Investoren wollen vor allem die Kostenvorteile durch niedrige Löhne und die durchaus günstige geografische Lage Bulgariens nutzen. Der Investitionsbedarf des Landes ist weiterhin hoch, vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Zulieferung von Ersatzteilen für die Automobilindustrie. Im Januar 2007 erfolgte eine Senkung der Körperschaftsteuer auf 10 %. Die bulgarische Regierung erhofft sich dadurch weiteres ausländisches Kapital anziehen zu können.

Analyse der ausländischen Direktinvestitionen

Die "Seeking" Motive

Unternehmen stehen unter ständigem Konkurrenzdruck und können auf verschiedene Art und Weise auf diesen reagieren. Die Entscheidung, warum ein Unternehmen ins Ausland investiert wird durch folgende Motive beinflusst.

market-seeking = absatzorientierte Investitionen auf neuen Märkten, neue Kundenkreise anwerben, etablieren des Unternehmens auf diesen Märkten, auf welchen die Möglichkeit besteht die Marktposition zu verbessern, sich hohe Marktanteile zu sichern und mögliche Importbeschränkungen zu überwältigen. Gemäß UNCTAD Umfrage ist das Motiv des market-seeking mit 51% das wichtigste.

efficiency-seeking = effizienzorientierte Investitionen durch das Senken von Kosten. Unternehmen, die Teil einer großen Produktionskette sind, mit starker Konkurrenz am Markt und mit einer sehr arbeitsintensiven Produktion, wie in der Elektronikbranche oder Kleidungsproduktion, neigen dazu die Produktion aus Hochlohnländern in Niedriglohnländer zu verlagern. Weitere effizienzorientierte Maßnahmen können neben den Lohnkostensenkungen auch die Verringerung von Produktionskosten bezüglich günstiger Materialien und Rohstoffe oder auch geringere Steuersätze sein.

resource-seeking = ressourcenorientierte Investitionen durch Sicherstellung notwendiger Ressourcen aller Art. Natürliche Ressourcen sind in diesem Fall die wichtigsten, aber auch Arbeitskräfte zählen darunter. Investitionen in Rohmaterialien, Rohöl oder Gas derer Länder, die diese Rohstoffe im eigenen Land nicht vorliegen haben. Die Preise knapper Rohstoffe ebenso wie die Konkurrenz steigen. Deshalb investieren rohstoffarme Länder darin, ihre Produktion entweder dorthin zu verlagern, wo der Rohstoff vorliegt oder diesen zu importieren.

created-asset-seeking = Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien und Ausbildung von Fachkräften, um die Produktivität zu steigern. Diese Strategie ist in Kombination mit den market- und efficiency-seeking Motiven optimal umsetzbar.

Direktinvestitionen in Bulgarien

In den letzten 3 Jahren konnte Bulgarien von einem Investitionsboom ausländischer Investoren profitieren. Die wichtigsten Wirtschaftszweige Bulgariens sind: Chemische Industrie, Nahrungsmittel, Metallindustrie, Tabakindustrie, Maschinenbau, Textilindustrie, Glas-und Porzellanindustrie, Kohleförderung, Stahlproduktion, Energiewirtschaft und Tourismus.

Die Höhe der gesamten ausländischen Direktinvestitionen betrugen Ende 2006 ca. 5,4 Mrd.USD. Das macht 16% des gesamten BIPs Bulgariens aus, was einen Zuwachs von 22% gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die größten Investitionen 2006 wurden von Groß Britannien mit 17,1%, den Niederlande mit 16,6% und Österreich mit 11,2% getätigt. Die steigenden Direktinvestitionen kommen der Wirtschaft mit einem Wachstum von 6% zu Gute.

Wie in der Tabelle ablesbar sind die Direktinvestitionen, die ins Land fließen im tertiären Sektor am stärksten.

Sektor Investitionsfluss
(Millionen USD)
Investitionsbestand
(Millionen USD)
Tertiärer Sektor 4.446,10 9.871,1
Sekundärer Sektor 1.008,8 1.695,1
Primärer Sektor 6,3 126,3
Gesamt
(Handelswaren und Dienstleistungen)
5.474,5 21.018,6

Das market-seeking Motiv findet man in Bulgarien in Bezug auf den Tourismus und die Investitionen des Auslands in Immobilien. Bulgarien stellt ein immer beliebter werdendes Reiseziel dar, denn mehr als 4 Mio. ausländische Touristen reisten im Jahr 2006 nach Bulgarien. Die Investitionen in Immobilien, wie günstige Wohngebäude, Feriensitze aber auch Büro- und Gewerbeflächen waren in den letzten zehn Jahren enorm. Die vermehrten Direktinvestitionen wirkten sich positiv auf den Export des Landes aus und durch die Verbesserung des Arbeitsmarktes und leichtere Verfügbarkeit von Privatkrediten stieg auch die Kaufkraft der Staatsbürger, dies bedeutet verbesserter Absatz von importierten Gütern. Direktinvestitionen werden auch durch die gute Verkehrsinfrastruktur begünstigt. Bulgarien stellt eine wichtige Handels-und Investitionsbrücke in Richtung Kaukasus, Russland und Asien dar. Bulgarien verfügt über ein relativ gut ausgebautes Eisenbahn- und Straßennetz. Es besitzt vier internationale Flughäfen, zwei Seehäfen und Binnenhäfen.

Bulgarien bietet auch bei dem efficiency-seeking Motiv große Chancen. Durch die noch geringen Löhne und Gehälter, den günstigen Rohstoffen und Energiekosten im Land, bietet Bulgarien große Chancen für Industrien mit lohnintensiver Fertigung. Weiterhin wird der einheitliche Steuersatz von 10% auf Einkommen und Gewinne von ausländischen Investoren geschätzt. Das im Herbst 2007 in Kraft getretene neue Investitionsförderungsgesetz fördert den Investitionszuwachs.

Des Weiteren bietet Bulgarien im Bereich des resource-seeking Motivs Potentiale im Energiesektor. Das Land importiert zwar selbst fossile Rohstoffe und Uran aus Russland, aber im Bereich erneuerbarer Energien will Bulgarien den Anteil der Stromversorgung mit Hilfe von Investitionen vermehren. Der Verbrauch von Biobrennstoffen, soll ebenso gefördert werden. Verbrauchssteuern für Biobrennstoffe sollen weg fallen und die Investitionen in Energiegewinnungsanlagen ankurbeln.

Das creative-asset-seeking Motiv spiegelt sich in der Ausbildung von ausländischen und inländischen Firmennetzwerken und personellen Verflechtungen wider. Etwa 15.000 Bulgaren studieren derzeit in Deutschland und werden als Fachkräfte zurück in Bulgarien ein Netzwerk bilden, von dem auch ausländische Firmen profitieren.

Sektoraler Wettbewerb um ausländische Direktinvestitionen

Um die wichtigsten Wettbewerber zu bestimmen, müssen vorerst die Sektoren mit einer hohen Standortattraktivität in Bulgarien geklärt werden. Eine Orientierung an den bereits erläuterten Motiven für ausländische Direktinvestitionen (ADI) ist sinnvoll. Bulgarien ist ein Land mit niedrigen Arbeitskosten. Dies spiegelt sich in geringen Lohnkosten, niedrigen Inputkosten und somit auch in geringen Produktionskosten wider. Die Produktion in Bulgarien ist durchaus wettbewerbsfähig. Nicht zuletzt auch durch gut ausgebildete Facharbeiter und Unternehmer mit guter Managementkompetenz. Weiterhin zu nennen ist die gute Infrastruktur. Bulgarien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten und liegt in der Nähe zu exportorientierten Ländern. Gründe für eine stabile Wirtschaft finden sich außerdem in der Reduzierung der Auslandsverschuldung, in strukturellen Reformen und in der Privatisierung vieler staatlicher Unternehmen.

Folgende Sektoren lassen sich herausstellen, in denen viele ausländische Direktinvestitionen getätigt werden müssten:

  • Nahrungsmittel, Getränke und Tabak
  • Textilien
  • Chemische Produkte
  • Basismetalle und hergestellte Metallprodukte

Es handelt sich vor allem um die arbeitsintensive Industrie auf Grund der niedrigen Arbeitskosten und guten Transportmöglichkeiten. Im Vergleich zum weltweiten Wettbewerb ist Bulgarien trotzdem von starker Konkurrenz umgeben.

ADI in den Sektoren Nahrung, Textilien.jpeg


ADI in den Sektoren Chemische Produkte und Basismetalle.jpeg

Die wichtigsten Konkurrenten und Gründe für deren Vorsprung

Die Gründe für den hohen Konkurrenzdruck durch die aufgeführten Länder lassen sich in allgemeine (Landesgröße, Einwohnerzahl oder Bildungsstand) und sektorale Faktoren (Ressourcen, Relief oder Infrastruktur) unterscheiden.

Niederlande

Allgemeine Faktoren:

Die Niederlande sind mit 41.528 km² kleiner als Bulgarien, profitiert aber von einer exzellenten Infrastruktur, d.h. von einem gut ausgebauten Straßen- und Schienennetz und dem Vorhandensein von großen Häfen. Dies spiegelt sich auch in der positiven Außenhandelsbilanz wider, da mehr exportiert als importiert wird (vor allem Nahrungsmittel und Chemische Produkte). Die Anziehungskraft wird weiterhin durch motivierte Arbeitskräfte mit einem hohen Bildungsniveau verstärkt. Dies wirkt sich positiv auf die Produktivität aus. Zu erkennen ist, dass die ausländischen Direktinvestitionen im Vergleich zu 1999 und 2006 angestiegen sind und sich auch weiter entwickeln werden.

Sektorale Faktoren:

Das Land dominiert im produzierenden Gewerbe im Bereich der Nahrungs-(vor allem Fischerei), Tabakwaren-, und Getränkeindustrie sowie in der Chemieindustrie (102.464.000 USD ADI). Gefördert durch eine produktive Landwirtschaft (Getreide-, Gemüse- und Früchteanbau) sind die Niederlande weiterhin im Lebensmittelsektor (44.315.800 USD ADI) Hauptkonkurrent Bulgariens.

Bangladesch

Mit einer Fläche von 144.000 km² und einer Einwohnerzahl von 147.365.352 Einwohnern, zählt auch Bangladesch zu Bulgariens Konkurrenz. Auffällig ist, dass Bangladesch in den Sektoren, in denen Bulgarien eine hohe Standortattraktivität haben müsste, nahezu auf dem gleichen Level ist. Auch wenn Bangladesch mit einem BIP pro Kopf von 460 USD 2007 zu den ärmsten Ländern zählt und eine instabile Infrastruktur (z.B.: auf Grund von Überschwemmungen) hat, wächst die Wirtschaft des Landes.

Das Vereinigte Königreich

Allgemeine Faktoren:

Das Vereinigte Königreich ist ein hochentwickeltes Industrieland und fast doppelt so groß wie Bulgarien. Es verfügt über ausgezeichnete, traditionelle Luftverkehrs- und Schifffahrtsysteme. Ausländischen Investoren wird ein breites Spektrum geboten.

Sektorale Faktoren:

Kennzeichnend für das Land ist neben dem Schiffbau, dem Kohlebergbau und der Stahlproduktion auch die Konzentration auf die Textilherstellung.

Italien

Allgemeine Faktoren:

In Italien leben 59.131.287 Einwohner. Damit liegt Italien in der Europäischen Union auf dem vierten Platz hinter Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich. Italien zählt zu den Gründungsmitgliedern der EU am 1.1.1952. Dadurch konnte sich das Land bis jetzt wirtschaftlich etablieren.

Sektorale Faktoren:

Italien profitiert von dem produzierenden Gewerbe, speziell in der Automobil-, Chemie und Textilindustrie und hat mit ausländischen Direktinvestitionen von 2.035.300 USD im Textilbereich einen weitaus höheren Rang als Bulgarien. Auch in Italien ist eine Steigerung der ADI im Vergleich von 1999 und 2006 zu erkennen, unter anderem durch den ausgeprägten Schienen- und Schiffverkehr. Große Container-Umschlagplätze sind z.B. die Häfen Genua und Gioia Tauro.

USA

Allgemeine Faktoren:

Die USA sind mit einer Fläche von 9.826.630 km² die Drittgrößten und eine der einflussreichsten Industriestaaten der Erde. Die Wirtschaftsmacht engagiert sich als Initiator und Gründungsmitglied in vielen Organisationen, z.B. der NATO oder der Welthandelsorganisation.

Sektorale Faktoren:

Trotz der Finanzkrise und Handelsbilanzdefiziten erwirtschaftete das Land 2007 mit einem BIP von 13.843 Mrd. USD ca. 1/5 des jährlichen Welteinkommens. Für optimale Transportmöglichkeiten sorgt ein umfassendes Straßen-, Schienen-, Flugverkehrs- und Schifffahrtsystem. Wichtige Häfen sind in Chicago, Boston, New York oder Los Angeles.

Die Konkurrenzländer heben sich durch langjährige Wirtschaftsbeziehungen, ausgereifte Infrastrukturen und positive Wirtschaftskennzahlen (Produktivität, BIP)ab. In allen Ländern ist eine Steigerung der ausländischen Direktinvestitionen zu erkennen. Es handelt sich um bedeutende Industriestaaten, die nicht auch zuletzt durch den früheren Beitritt in die EU profitieren.

Fazit

Die stärksten Sektoren in Bulgarien
Die schwächsten Sektoren in Bulgarien

Die Wettbewerbsfähigkeit Bulgariens lässt sich anhand verschiedener Faktoren konkretisieren. Die ability to sell spiegelt sich in den Nettohandelsbeträgen wider (Exporte-Importe). Das Land verfügt über zahlreiche Bodenschätze wie Kupfer und Eisenerz. Des Weiteren verarbeitet Bulgarien die aus der Russischen Föderation per Pipeline gelieferten Rohstoffe zu wichtigen Energiereserven wie z. B. Erdöl und Ferngas. Somit ergeben sich die wichtigsten überschussreichsten Sektoren im Bereich der Kupfererzeugnisse, der Mineralbrennstoffe und in arbeitsintensiven Industrien wie der Textilherstellung. Die schwächsten Sektoren stellen die nicht spezifizierten Handelswaren, Maschinen, Kraftfahrzeuge und andere Transportmittel dar.

Insgesamt hat sich seit 2003 jedoch ein signifikanter Anstieg des Außenhandelsdefizits entwickelt. Die Strukturen der Industrien sind seitdem nahezu beständig. Der einzig gravierende Wechsel zeigt sich in dem Sektor „Mineralbrennstoffe, Öle, Destillationsprodukte etc.“, der 2005 noch am schwächsten war und 2006 bereits zu den Sektoren mit den höchsten Nettohandelsbeträgen zählte . Gründe ergeben sich aus dem neuen bulgarischen Investitionsgesetz, deren Schwerpunkt auf der Förderung von Investitionen, wie die verarbeitende Industrie und Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen, liegt. Zunehmende Bedeutung haben der Tourismus und auch der Güterfernverkehr, wobei in Zukunft der Individual-, Wander- und Bädertourismus sowie der Wintersport in den Vordergrund rücken soll.

Ein wichtiger Indikator für die ability to attract sind ausländische Direktinvestitionen. Insgesamt sind im Jahr 2006 ADI in Höhe von 7.507 Millionen USD nach Bulgarien geflossen, dies entspricht rund 16,8% des BIP. Bulgarien ist damit eines der Länder in der Region, die am meisten von der weltweiten Verschiebung der Kapitalzuflüsse nach Osteuropa profitiert haben.

Bulgarien ist eines der jüngsten EU-Mitgliedsländer, welches gemeinsam mit Rumänien zur EU 27 aufgestockt wurde. Eine mehrjährige Stabilitätspolitik hat den Beitritt ermöglicht, allerdings besteht bis zum heutigen Zeitpunkt das Hauptproblem in der Preisniveaustabilität. Die Inflationsrate lag 2007 bei 5,0%. Grund dafür ist unter anderem, dass die Konsumenten einer robusten Inlandsnachfrage folgten und es so erneut zu einem hohen Niveau der Verbraucherpreise kam, trotz des starken Engagements der Zentralbank, die Ausweitung der Verbraucherkredite zu mäßigen. Positiv ist jedoch gegenüberzustellen, dass die Zuwachsraten von 6,0% von einer erheblichen Entwicklung zeugen. Die Gründe liegen in vielfältigen Infrastrukturprogrammen, Strukturfonds und den genannten Direktinvestitionen. Es zeichnen sich aber auch Probleme ab, wie Korruption bei öffentlichen Ausschreibungen, uneinheitliche Verwaltungsverfahren und ein sehr überladenes Zulassungs- und Lizensierungssystem.

Trotz bestehender Schwierigkeiten ist Bulgarien ein interessanter Wirtschaftsstandort für ausländische Unternehmen geworden, vor allem durch die geringen Lohnkosten, gut ausgebildete Fachkräfte, die Nähe zu den Hauptexportmärkten sowie die Erfahrung in traditionellen Sektoren Bulgariens. Auch wenn noch viele Anstrengungen für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit (z. B. die Aufnahme in europäische Währungsunion) erforderlich sind, ist die Entwicklung Bulgariens in den nächsten Jahren durchaus positiv einzuschätzen.

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