Reale Austauschverhältnisse

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Die '''realen Austauschverhältnisse''' oder auch die Terms of Trade auf Güterbasis (Commodity Terms of Trade) genannt, geben das Verhältnis des Preisindex der Exporte durch den Preisindex der Importe für einzelne oder für alle Warengruppen in heimischer Währung wieder. Sie betrachten also kurz gesagt, wie viel von einem konstruierten, ausländischen Warenkorb gegen einen bestimmten Anteil des eigenen Warenkorbs der Volkswirtschaft im Außenhandel getauscht werden kann.


Begriffsdefinition und Erläuterung

In der Regel sind Preise von einzelnen Importen oder Warengruppen in unterschiedlichen Währungen angegeben und müssen noch in die einheimische Währung umgerechnet werden. Da die Wechselkurse nicht immer gleich sind, sondern politischen, spekulativen oder anderen Einflüssen unterliegen, sind die Tauschverhältnisse meist nicht realistisch. Deshalb bedient man sich im Außenhandel zur Abbildung der realen Austauschverhältnisse, der Terms of Trade.

Sie geben an, wie viel von einem konstruierten, ausländischen Warenkorb, einem Exportgüterbündel, gegen einen bestimmten Anteil des eigenen Warenkorbs der Volkswirtschaft, im Außenhandel getauscht werden kann. Man kann an den Terms of Trade ablesen ob sich die Außenhandelsposition eines Landes verbessert oder verschlechtert hat.

volkswirtschaftliche Herleitung der Berechnung

Datei:Weltangebotsfunktion.jpg
1.Abb Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Vereinfacht kann man auch einzelne Güter des Exports und Imports betrachten[1]. Das Preisverhältnis PC/PF für das Inland, wobei PC den Preis für Exporte darstellt und PF den Preis für Importe deklariert, werden durch den Schnittpunkt der realen Weltnachfrage und des realen Weltangebots bestimmt. Das Tauschverhältnis des Auslandes wird aus unserer Sicht mit PC/PF angegeben.

Die relative Weltangebotskurve zeigt einen steigenden Verlauf, da ein Anstieg von PC/PF beide Länder veranlasst, mehr von einem Gut A und weniger von einem Gut B zu produzieren. Die relative Weltnachfragekurve zeigt einen steigenden Verlauf, da ein Anstieg von PC/PF beide Länder veranlasst den Anteil des Guts B ihres Warenkorbs zu erhöhen. Der Schnittpunkt beider Kurven, hier PC/PF bestimmt den realen Gleichgewichtspreis.




Weltmarktgleichgewicht

Datei:Weltmarktgleichgewicht.jpg
2.Abb Weltmarktgleichgewicht

Um das Realtauschverhältnis graphisch zu verdeutlichen, kann sich einer Tauschkurve, der Marshalls offer curve, bedient werden, die angibt, wie viele Mengeneinheiten eines Importgutes eines Landes sich gegen wie viele Mengeneinheiten eines Exportgutes eines anderen Landes bei unterschiedlichen Austauschverhältnissen (Preisrelationen) austauschen würden. Nimmt die Importmenge zu, so steigt der Sättigungsgrad im Inland. Die Tauschbereitschaft für ein importiertes Gut, gegen ein inländisches Gut zu erhalten, sinkt. Hier durch den gekrümmten Verlauf der Tauschkurve TI dargestellt. Analog zur inländischen Tauschkurve TI ist eine Tauschkurve TA dargestellt. Der Schnittpunkt beider Kurven gibt das Weltmarktgleichgewicht wieder. Hier werden die Tauschpläne von Inland und Ausland genau übereinstimmen.





Historie

Erstmalig entwickelten 1844 Robert Torrens in The Budget: On Commercial and Colonial Policy und John Stuart Mill 1829/30 in einem Aufsatz “Of the Laws of Interchange between Nations; and the Distribution of Gains of Commerce among the Countries of the Commercial World“ (in Essays on Some Unsettled Questions of Political Economy) das Konzept der realen Austauschverhältnisse. Weiter wurde dieser Begriff auch (barter) terms of trade, von Frank William Tausig, einem US-amerikanischen Wirtschaftler, in seinem 1927 in New York erschienen Werk International Trade geprägt.


Entwicklung

Rückblickend haben sich in der Bundesrepublik Deutschland die Terms of Trade aufgrund der überproportionalen Steigerung der Preise im Ausland verschlechtert. Kurze Zeit später wurde jedoch die deutsche Währung im Bezug zur ausländischen Währung aufgewertet. Diese beiden Effekte zusammen führten 1972/73 zu einem Anstieg der Terms of Trade. In den Jahren 1978 bis 1980 stiegen die Preise für importierte Waren, vor allen Dingen Rohstoffe und hier insbesondere Rohöl, bis zu 20 % an. Diese sprunghafte Erhöhung der Importpreise verschlechterten in Deutschland die Terms of Trade, da die Preise für Exportgüter nicht gleichzeitig erhöht werden konnten. Diese Verschlechterung ist inzwischen kompensiert. Man kann in einer ganz langfristigen Betrachtung von annähernd konstanten terms of trade für Deutschland sprechen.


Effekte der realen Austauschverhältnisse

Verbesserung

Jede Volkswirtschaft ist an einer Verbesserung ihrer realen Austauschverhältnisse interessiert, da ein fallen der Terms of Trade bedeutet, dass bei einer gegebene Menge Importgüter mehr Güter exportiert werden. Verbessern sich die realen Austauschverhältnisse eines Staates, entsteht eine stärkere Verfügbarkeit von Gütern für den Konsum und die Investition. Zu solch einer Verbesserung kann es beispielsweise durch eine Preissteigerung der eigenen Exportgüter und/oder durch eine Preissenkung kommen. Jedoch kann auch ein langsamerer Anstieg der Preise der Importgüter, dafür sorgen, dass sich die außenwirtschaftliche Position verbessert. Im Gegenzug erhöht sich die Fähigkeit, mit dem gleichen Exportvolumen mehr Güter zu importieren, das heißt aber auch, dass ein Anstieg der Terms of Trade zu einer Erhöhung der Wohlfahrt eines Landes führt. Dieser Effekt kann jedoch auch bei einer Aufwertung der inländischen Währung gegenüber der ausländischen Währung erfolgen. Ein Anstieg der Terms of Trade bedeutet somit, dass für eine gegebene Menge von Exportgütern eine größere Menge von Gütern importiert werden kann.


Verschlechterung

Das Tauschverhältnis, welches Importgüterbündel man für ein gegebenes Exportbündel erhält, ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Die teureren Importe schmälern die Binnennachfrage durch einen Entzug der Kaufkraft. Dieser Wohlfahrtsverlust lässt sich, laut volkswirtschaftlichen Untersuchungen, bei einem wohlhabenden und exportstarken Land relativ gut kompensieren. Der Verlust von Einkommen macht sich konkret und kurzfristig nicht bemerkbar. Zusammenfassend heißt für eine Volkswirtschaft eine Verschlechterung der realen Austauschverhältnisse, dass sie für den Kauf der gleichen Menge an Importgütern mehr an Exportgütern absetzen muss.


Formen der Terms of Trade (ToT)

Man muss zwischen verschiedenen ToT unterscheiden: a) Die bekannteste Form ist die Berechnungsgröße der Commodity Terms of Trade. Sie spiegeln das Verhältnis zwischen den Exportpreisen und den Importpreisen (genauer: zwischen Exportpreisindex und Importpreisindex), einer Volkswirtschaft wieder. Im Regelfall bestimmt man hier in welchem Maß die Menge von Importgütern, die gegen eine bestimmte Menge von Exportgütern ausgetauscht wird oder/und in einem bestimmten Zeitraum zu- oder abgenommen hat.

b) Die Commodity ToT gehen jedoch nicht darauf ein, wie sich die Importkapazität (Kaufkraft) eines Landes verändert hat, im Genaueren, ob sich ein Land mit den erwirtschafteten Erlösen aus der exportierten Gütermenge, mehr oder weniger Güter importieren kann. Werden die Commodity ToT jedoch mit dem Exportmengenindex multipliziert, kann diese Veränderung der Importkapazität gezeigt werden, man nennt diese neue Berechnungsgröße die Income Tot.

c) Die Commodity ToT beinhalten die Betrachtung der Produktionsveränderungen des Exportsektors (die Faktorproduktivität) nicht. Sie beziehen sich ausschließlich auf den Warenaustausch. Die Frage, welche Menge von Importgütern mit einer im Exportsektor geleisteten Arbeitsstunde erworben werden kann, zeigen die Single Factor ToT, die sich aber nur auf Produktivitätsveränderungen im inländischen Exportsektor beziehen.

d) Die Double Factoral ToT beinhalten zusätzlich die Produktivitätsveränderungen im ausländischen Exportsektor, aus dem Importgüter stammen; sie bilden einen (freilich ziemlich schwierig zu berechnenden)Indikator für die Veränderung der relativen Einkommensposition eines Landes im Vergleich der Länder.


Einzelnachweise

1 Zitat aus Volkswirtschaftslehre Paraskewopoulos S. 393

2 Zitat aus Volkswirtschaftslehre Paraskewopoulos S. 394

3 Vgl. Siebert, H.: Einführung in die Volkswirtschaftslehre, 2003, S. 141


Quellen

• Krugman, Paul R., Obstfeld, Maurice (2006): Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Aufl., München: Pearson Studium, S. 128 ff.

• Lachmann: Volkswirtschaftslehre

• Paraskewopoulos, Spiridon (2004): Volkswirtschaftslehre, Berlin: Verlag Neue Wirtschafts-Briefe, S. 393 ff.

• Dieckheuer, Gustav (2005): Dynamische Aspekte des Außenhandels: Internationaler Handel und wirtschaftliche Integration, www.uni-muenster.de, S. 32 ff.

• United Nations Conference on Trade and Development (UNCOTAD)

http://de.wikipedia.org/wiki/Terms_of_Trade

http://www.bpb.de

  1. Zitat aus Paul R. Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft, Theorie des Außenhandles, S. 144