Multinationale Unternehmen

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Christian Stahlberg 13:27, 25. Apr. 2008 (CEST)

Allgemeine Definition

Als multinationales Unternehmen (MNU; englisch: Multi National Corporation, MNC) wird allgemein jedes rechtlich selbständige Unternehmen bezeichnet, welches mindestens eine Tochtergesellschaft im Ausland hat und daher mehr als einen Produktionsstandort besitzt.


Alternative Definition

Für MNU, welche auch als "Multis" oder "Global Players" bezeichnet werden, gibt es keine einheitlich anerkannte Definition. In den Vereinigten Staaten gilt ein Unternehmen als multinational, wenn an diesem bereits 10% der Anteile von einem ausländischen Unternehmen gehalten werden. Global gesehen sind MNU dadurch gekennzeichnet, dass sie über ihre Landesgrenzen hinaus (Hauptsitz der Muttergesellschaft im Inland) in anderen Ländern aktiv werden und dort produzieren und/oder investieren. [1]

Zahlen und Fakten

Häufig werden MNU kritisiert, dass ihre wirtschaftliche Macht und ihr politischer Einfluss mit wachsender Globalisierung zunehmend stärker wird. Ungefähr ein Drittel des Welthandels wird von multinationalen Unternehmen kontrolliert, an einem weiteren Drittel sind sie indirekt beteiligt. Nur die restlichen 33% des Welthandels laufen auf „polypolistischer Ebene" ab und sind von MNU unbeeinflusst.

Durch einen Größenvergleich der weltweit bedeutendsten Länder mit den bedeutensten Unternehmen gelangt man zu der Einschätzung, dass nur die Hälfte der hundert größten Ökonomien der Welt nationale Volkswirtschaften sind. Die andere Hälfte sind mächtige multinationale Unternehmen. [2]

Abb. 1 Umsatz multinationaler Unternehmen (2005)
Abb. 2 BIP ausgewählter Länder (aktuell)

Der Umsatz von Wal-Mart war im Jahr 2005 beispielsweise größer als das aktuelle nominale BIP von Dänemark (vergleiche Abb. 1 und 2). Der Umsatz von Shell ist (gemessen am Jahr 2005) größer als das BIP von Portugal und Bulgarien zusammen. Obwohl dieser Vergleich recht problematisch ist, zeigt er, welche bedeutende Größe und damit Machtposition einzelne Unternehmen im Vergleich zu Nationalstaaten erlangt haben.

Geschichte und Entwicklung

Industrialisierung

Multinationale Unternehmen haben eine lange Geschichte, die bereits mit der Industrialisierung ihren Anfang nahm. So zog beispielsweise die Erfindung der Dampflokomotive und der Eisenbahn einen späteren Ausbau des Schienennetzes in ganz Europa nach sich. Die Automobilindustrie wurde durch die Unternehmen Ford (gegründet 1903) und General Motors (gegründet 1908) im frühen 20.Jahrhundert geprägt. Dies waren die ersten amerikanischen multinationalen Unternehmen dieser Branche, die in Europa aktiv wurden. General Electric produzierte und verkaufte bereits um 1900 Glühbirnen weltweit.

Zwischen den Kriegen

Bereits im Jahre 1914 existierten in den Vereinigten Staaten und Europa rund 3000 dieser sogenannten "Multis" oder "Global Players". Dieser Zahl kann wenig Bedeutung beigemessen werden, da die meisten MNU zu der damaligen Zeit nicht die wirtschaftliche Stärke besaßen, wie das heute der Fall ist. Sektoren in denen sich die ersten MNU bildeten waren der Banksektor, die Eisenbahn und die Automobilindustrie. Während des 2.Weltkrieges ging die Bedeutung multinationaler Unternehmen stark zurück.

Nach 1945 bis heute

Durch die Liberalisierung des Handels nach dem 2.Weltkrieg stieg das Ausmaß des Welthandels enorm. Was folgte waren Direktinvestitionen in großer Zahl in allen bedeutenden Ländern. MNU erlebten eine enorme Boomphase. Neue Sparten waren unter anderem der Markt für Telekommunikation, Transportwesen und Energie.

Zu erwähnen ist, dass sich die Anzahl der multinationalen Unternehmen im Zeitraum von 1980 bis heute vervierfacht hat. Während die Vereinten Nationen in den 80er Jahren noch rund 17.000 MNU zählten, (1994 waren es gut 40.000!) so hat sich diese Zahl im Laufe der Jahrzehnte bis auf 70.000 ausgeweitet.

Deutschland, USA und der südostasiatische Raum

Die Entwicklung der multinationalen Unternehmen hat sich in einzelnen Ländern unterschiedlich vollzogen. Die Anzahl der MNU in Deutschland hat sich von 1980 (5000) bis heute (ca.9000) fast verdoppelt. In den USA gibt es heute rund 2400 MNU, in Japan um die 2200. Diese beiden Staaten haben geringere Steigerungsraten als die BRD vorzuweisen, da viele Unternehmen in beiden Ländern Fusionen vollzogen haben. Der südostasiatische Raum birgt jedoch enormes Steigerungspotential und somit scheint auch hier die Entwicklung und der Ausbau weiterer Standorte für MNU als sehr wahrscheinlich.

Arten und Theorie der MNU

horizontal integrierte Unternehmen

  • produzieren Güter und Dienste der gleichen Art auf jedem Markt, wo MNU aktiv ist (z.B. McDonald's)
  • besonders geeignet, wenn auf Grund von Handelsbarrieren (Zölle etc.) die lokale Produktion vor Ort die kostengünstigere Variante ist
  • Nutzen der Ressourcen vor Ort
  • kürzere Transportwege (keine Verschiffung etc.)

Dieses Motiv wird als Standortmotiv multinationaler Unternehmen bezeichnet. Es gibt Aufschluss darüber, warum MNU ein und dasselbe Gut in mehreren Ländern herstellen.

vertikal integrierte Unternehmen

  • produzieren von Gütern und Diensten in einem Land, die als Vorprodukte in den Produktionsprozess anderer Betriebe in anderen Ländern eingehen
  • kann als Arbeitsteilung zwischen beispielsweise Mutter- und Tochtergesellschaft gesehen werden
  • läuft quasi unternehmensintern, jedoch aber international ab
  • somit einfacher Technologietransfer möglich

Ziel der vertikalen Integration ist es in erster Linie den komparativen Vorteil der unterschiedlichen internationalen Produktionsstandorte zu nutzen und Effizienzvorteile zu erzielen.

Dieses Motiv wird als Internalisierungsmotiv multinationaler Unternehmen bezeichnet. Es beantwortet die Frage, warum ein Gut an verschiedenen Standorten von dem selben Unternehmen hergestellt wird.

Vor- und Nachteile

Vorteile

Ein großer Vorteil von MNU ist der Transfer von Technologie und Wissen in Entwicklungsländer. Durch die Errichtung neuer Produktionsstätten werden Arbeitsplätze geschaffen. Eine Anpassung des Wohlstandes an die großen Nationen wird sich (wenn auch nur in kleinem Maße) vollziehen. Der globale Wettbewerb wird insgesamt umfangreicher. Auch kleinere Staaten wie z.B. Hongkong sind in der Lage am internationalen Wirtschaftsverkehr teilzunehmen und bedingt einzugreifen.

Die Vorteile für MNU bestehen in der Umgehung von evtl. Zöllen. Desweiteren fallen Transportkosten weg. Die Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern arbeiten meist für weniger Lohn. Auch in der Beschaffung für Rohstoffe spiegeln sich deutliche Kostenvorteile wieder. Ein weiterer Vorteil sind günstigere Steuersätze in den Gastländern. Wenn MNU in fremden Ländern tätig sind, können sie auch evtl. politischen und staatlichen Eingriffen entfliehen. Durch enorme o.g. Kostenvorteil wird der ausländische, unerschlossene Markt für MNU zunehmend attraktiver.

Nachteile

Ein großer Nachteil von MNU ist, dass sich viele Gastländer durch die Anwesenheit von multinationalen Unternehmen bedroht fühlen. Ihnen wird nachgesagt, dass sie Raubbau an der Natur betreiben, die Arbeitskräfte ausbeuten und die Kultur missachten. Viele Einheimische (sehr starkes Phänomen in Japan) verweigern sich daher, für solche Unternehmen zu arbeiten. Auch auf Grund mangelnder politischer Restriktionen gewinnen große MNU enorm an Einfluss.

Nachteile für MNU bestehen beispielsweise darin, ihre Mitarbeiter zu motivieren. Desweiteren bestehen auch die Gefahren von wirtschaftlichen Krisen (Inflation, Schwankungen des Wechselkurses etc.) und politischen Unruhen in manchen Ländern. Um noch unerschlossene Märkte zu bearbeiten und in solchen Regionen aktiv zu werden müssen Unternehmen oft hohe Kosten in Kauf nehmen. Generell gilt, dass sich die Standortwahl im Nachhinein auch als suboptimal herausstellen kann.


Kritik

Geringere Kosten auf der einen Seite sind gleichbedeutend mit Nachteilen für die ansässige Bevölkerung auf der anderen Seite verbunden. So wird häufig der Begriff der Ausbeutung in Verbindung mit multinationalen Unternehmen gebracht. Diese beschäftigen ihre Arbeiter zu Hungerlöhnen und nutzen die Ressourcen des Gastlandes gnadenlos aus - sowohl Mensch als auch Natur. Durch die Missachtung kultureller Sitten und Bräuche und der bisher unzureichenden öffentlichen Kontrolle geraten MNU immer mehr in die Kritik der Öffentlichkeit und erinnern stark an das Bild der Kolonialisierung der europäischen Mächte vor dem ersten Weltkrieg. Beängstigend ist auch, dass viele Unternehmen heutzutage solche Macht besitzen, dass sie ganze Volkswirtschaften in den Schatten stellen (vergleiche Abb.1 und 2). Ihr Einfluss wächst zunehmend und somit auch die Gefahr, dass MNU auch in Zukunft immer mehr an politischem Einfluss gewinnen werden.

Fazit

Multinationale Unternehmen haben viele Vor- und Nachteile. Sie sind jedoch für den Welthandel unverzichtbar trotz ihres zweifelhaften Rufes. Dieser gilt aber in mancherlei Hinsicht als überzogen, denn schließlich sorgen sie auch für die Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft.

Abhilfe gegen ihre Kritik können beispielsweise die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen schaffen.

Einzelnachweise

  1. Hartmut Leser;DIERCKE-Wörterbuch Allgemeine Geographie, 13.Auflage, 2005 , S.581/582
  2. Bathelt, Harald und Glückler,Johannes;Wirtschaftsgeographie,2. Auflage UTB, 2002 , S.266

Literatur

  • Krugman, Paul R. und Obstfeld,Maurice;Internationale Wirtschaft:Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 6. Aufl.,Pearson Studium, 2003
  • Hartmut Leser;DIERCKE-Wörterbuch Allgemeine Geographie, 13.Auflage, 2005
  • Bathelt, Harald und Glückler,Johannes;Wirtschaftsgeographie,2. Auflage UTB, 2002

Weblinks