Mudarabah

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Mudarabah ist ein Begriff aus dem Islamischen Finanzwesen und beschreibt ein Scharia konformes Finanzierungsinstrument bei dem es sich im Allgemeinen um eine Art der Beteiligungsfinanzierung handelt, welche vergleichbar mit der stillen Gesellschaft hierzulande ist.


Formen des Mudarabah

Der Mudarabah-Vertrag wird zwischen dem „Rabb-ul-Maal“, dem Investor (Bank, Fremdkapitalgeber) und dem „Mudarib“, einem Unternehmer geschlossen, der das Kapital in ein Handelsunternehmen bzw. in eine eigenständige Unternehmung einsetzt. Das Kapital kann sowohl in Form von Geldwerten als auch in Form von Sachwerten eingebracht werden. Investiert der Rabb-ul-Maal in Form von Sachwerten (Betriebsstätten, Maschinen etc.) ist eine eingehende Bewertung notwendig. Geschieht dies nicht, so ist der Mudarabah von vornherein Nichtig. Man unterscheidet zwei Arten des Mudarabah:

  1. Mudarabah al-Muqayyada: Bei dieser Form handelt es sich um eine beschränkte Mudarabah – Transaktion wobei der Mudarib an bestimmte Vorgaben des Rabb-ul-Maal gebunden ist. Dieser kann, das eingesetzte Kapital auf eine bestimmte Geschäftsart bzw. Investitionsart festlegen und somit das Betätigungsfeld des Mudarib einschränken.
  2. Mudarabah al-Mutlaqa: Hierbei handelt es sich um eine unbeschränkte Mudarabah – Transaktion wobei dem Mudarib keinerlei Investitionsbeschränkungen auferlegt werden. Er kann das Kapital so investieren, wie er es für angemessen erachtet und dies ohne Einschränkungen in jedwede Unternehmung. Allerdings ist er nicht dazu berechtigt einen weiteren Mudarib bzw. Partner mit in das Geschäft einzubringen. Auch die Einbringung von Eigenkapital bedarf der Zustimmung durch den Rabb ul-Maal.

Funktionen der Vertragsparteien

Ablauf eines Mudarabah

Grundsätzlich ist der Investor (Rabb-al-mal) von der Geschäftsführung und von den direkten Eingriffsmöglichkeiten in das Management ausgeschlossen, kann jedoch auf Zustimmung durch den Geschäftsführer (Mudarib) an der Mitarbeit beteiligt werden. Dieser hingegen investiert kein eigenes Kapital in das Unternehmen, sondern steuert seine Arbeitskraft, sowie sein Know-How bei und übernimmt eine Reihe wichtiger Funktionen:

  • Ameen (Treuhänder): Der Mudarib verwaltet das Eingesetzte Kapital (Fremdkapital) des Investors im Vertrauen.
  • Wakeel (Vermittler): Der Mudarib fungiert hierbei als Vertreter des Rabb-ul-Maal bei der Tätigung von Handelsgeschäften.
  • Shareek (Partner): Der Mudarib tritt als Partner des Rabb-ul-Maal’s auf, der bei etwaiger Gewinnerzielung diesen nach den vereinbarten Gesichtspunkten zwischen den Parteien aufteilt.
  • Zamin (Verantwortlicher): Sollte die Unternehmung aufgrund von Nachlässigkeit des Mudarib negative Gewinne bzw. Verluste erzielen, so haftet er für den entstandenen Schaden.
  • Ajeer (Angestellter): Erleidet die Unternehmung hohe Verluste die einen Bankrott des Mudarabah zur Folge haben und lag dies nicht an der Nachlässigkeit des Mudarib, so ist dieser wie ein normaler Angestellter für seine Dienste zu entlohnen.

Gewinn- und Verlustaufteilung im Mudarabah

Um einen Mudarabah gültig zu schließen ist es im Vorfeld von großer Bedeutung, das beide Parteien sowohl der Rabb-ul-Maal als auch der Mudarib sich über die Gewinnverteilung einigen und diese klar im Vertrag regeln. Sollte dies nicht klar niedergeschrieben werden, so erfolgt eine Gewinnverteilung zu gleichen Prozentsätzen, dementsprechend 50% zu 50%. Die Vertragspartner können die Verteilung frei nach ihren Gesichtspunkten wählen. Hierbei ist wichtig zu sagen, dass der Mudarib keine Periodenabhängige Vergütung für seine Arbeit erhalten kann, da es stets zu einer Gewinnaufteilung kommt, d.h. keiner der beiden Parteien hat Anrecht auf einen festen Betrag als monatliche Vergütung. Demzufolge ist die Höhe der Vergütung auf beiden Seiten abhängig von der Höhe des erzielten Gewinnes und der prozentuale Verteilung. Besteht die Unternehmung aus mehreren Teilbereichen, so wird zunächst der erzielte Gewinn dazu genutzt etwaige Verluste eines anderen Teilbereiches auszugleichen. Erst dann wird der übrige Gewinn anteilmäßig aufgeteilt. Bei einem Mudarabah trägt jedoch immer der Rabb-ul-Maal als Investor das Hauptrisiko, sollte die Unternehmung scheitern, da er mit seiner gesamten Einlage haftet, es sei denn, der Mudarib handelte nachweislich grob fahrlässig, in dem Fall haftet er. Dieses Risiko ist ein typisches Geschäftsrisiko und verstößt nicht gegen das Gharar-Verbot der Scharia.

Laufzeit bzw. Kündigung des Mudarabah-Vertrages

Der Mudarabah kann von jeder der Parteien zu jeder Zeit gekündigt werden, es sei denn eine genaue Laufzeit ist vertraglich festgehalten worden. Ist dies geschehen, so endet der Mudarabah nach Ablauf der festgesetzten Zeit. Eine Beendigung des Mudarabah bedeutet, der Mudarib ist nicht mehr berechtigt mit dem Vermögen bzw. im Namen des Mudarabah Geschäfte zu tätigen. Jedoch wird es ihm erlaubt, Handelsgüter, die zuvor angeschafft wurden nach Beendigung zu veräußern. Ist der Mudarabah beendet, werden alle Vermögenswerte zu den bestimmten Anteilen aufgeteilt.


Literatur

  • Iqbal, Mirakhor, 2006 ISBN 978-0-470-82188-6
  • Gassner, Wackerbeck, 2007 ISBN 978-3-865-56164-0
  • Islamic Finance: Einführung in Theorie und Praxis, Mahlknecht M. , Wiley 2009 ISBN 978-3-527-50389-6
  • Hildebrandt, Islamische Wirtschaftsideologie, 1996, S.15 ISBN 3-87997-531-0
  • Islamic Banking in Deutschland – Risiko oder Chance aus Sicht deutscher Banken?
  • Dr. Muhammad Zubair Usmani(Sharia Advisor): The Concept of Mudarabah
  • e-Journal of Practical Business Research [1]
  • wordpress.com [2]
  • failaka.com [3]
  • middleeastinvestmentnetwork.com[4]
  • treuhaender.ch[5]
  • muftitaqiusmani.com[6]