Länderdossier Japan

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Auf dieser Seite werden spezifische volkswirtschaftliche Fragestellungen auf Grundlage der Volksiwrtschaft Japan analysiert und ausgewertet.

Die makroökonomische Lage Japans

Makroökonomische Basisdaten

Bruttoinlandsprodukt von Japan

Das Bruttoinlandsprodukt zeigt den prozentualen Anteil aller Güter, Waren und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen. Güter, die nicht direkt weiterverwendet werden, sondern auf Lager gestellt sind, gelten ebenfalls als Endprodukt [1]. Das BIP gilt als die wichtigste Größe einer Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Es dient zur Bestimmung einer wirtschaftlichen Leistung der Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum [1]

In der folgenden Abbildung kann man die Entwicklung in dem Zeitraum von 2000-2019 des Bruttoinlandsprodukts von Japan im Vergleich mit Deutschland und den USA sehen.

Quelle
Bruttoinlandsprodukt von 2000 bis 2019 [2]

Die drei wirtschaftsstarken Länder, die gleichzeitig auch G7 Mitgliedsstaaten sind, haben einen ähnlichen Kurvenverlauf. Man erkennt deutlich das Anfang der Jahrtausendwende alle drei Länder mit einem fallenden Bruttoinlandsprodukt zu kämpfen hatten. Japan sowie auch die USA haben sich ab dem Jahr 2002 gefangen und einen Zuwachs bzw. Kontinuität in ihre Wirtschaft gebracht. Alle drei Länder sind ab 2008 mit einem sehr stark fallenden Bruttoinlandsprodukt konfrontiert, dies liegt an dem Ausmaß der Weltwirtschaftskrise. Ein Rekordtief von -5,416 % muss Japan 2009 hinnehmen. Auch hier gilt der Außenhandel als Motor der Wirtschaft, Exporte bremsten gerade hier die Wirtschaft ein.[3] Ab 2010 legte das Bruttoinlandsprodukt wieder deutlich zu. Die Kaufkraft der Menschen ist hier so stark wie nie im untersuchten Zeitraum. Auch dadurch pendelt sich das BIP in Japan wieder sehr stabil ein und schwankt immer wieder im positiven Bereich zwischen 2% und zuletzt 0,654%.

Produktionslücke

Es gilt hier einen Vergleich zwischen den Ländern Japan, Deutschland und Kanada bezüglich der Produktionslücke zu ziehen. Die Produktionslücke definiert die Abweichung des Produktionspotenzials eines Landes. „Das Produktionspotenzial ist ein Maß für die gesamtwirtschaftlichen Produktionskapazitäten, die mittel- und langfristig die Wachstumsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft determinieren.“ [4]

Eine positive Produktionslücke bedeutet, dass die Wirtschaft in der Lage ist, das aktuelle Produktionsniveau aufgrund einer hohen Nachfrage aufrechtzuerhalten. Eine negative Lücke hingegen, dass ein Überangebot vorhanden ist, also Kapazitätsreserven oder eine Konjunkturschwäche dominieren und eine schwache Nachfrage vorherrscht[5]

Produktionslücke 2014 - 2021 [6]

Bei der Betrachtung der Entwicklung der letzten Jahre zeigen sich starke Abweichungen in den Kurvenverläufen.  Während Japan einen hohen Anstieg bei der Differenz zur  eigenen Produktionskapazität aufweist, verringert sich der Wert  Deutschlands seit 2018 zu  einer ausgeglichenen Auslastungsrate hin .Bei  positiven Produktionslücken liegt also der derzeitige Output über dem Produktionspotenzial, was oft auf ein starkes Wirtschaftswachstum hinweist. Kanada hingegen weist eine negative Produktionslücke auf, sodass folglich die Produktion unter den nachhaltigen Produktionsmöglichkeiten zu liegen scheint.

Inflation, durchschnittliche Verbraucherpreise

Im Folgenden wird die makroökonomische Lage Japans anhand der Inflation, der Verbraucherpreise, im Vergleich zu Deutschland und den USA untersucht.

Als Inflation wird ein anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus verstanden. [7] Hier steht Inflation für die prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahreswert. Dieser Index misst die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen.

Inflation von Japan, Deutschland und den USA von 2000 - 2018 [8]

Die obige Abbildung zeigt, für die Zeit von 2000 bis 2018, für Japan, Deutschland und die USA jeweils die prozentuale Änderung der Verbraucherpreise zum Vorjahr. Auffällig ist, dass bei allen drei Ländern ein ähnlicher Verlauf der Inflation erkennbar ist. Die einzige Ausnahme verzeichnet Japan, in den Jahren 2013 bis 2015. Hier steigt die Inflation stark bis zu einer Spitze an und fällt dann wieder, während sie in den USA und Deutschland kontinuierlich abnimmt. Insgesamt verzeichnet Japan, selbst mit einem kurzzeitigen Spitzenwert von 2,76%, eine deutlich geringere Höhe der Inflation als Deutschland oder die USA. Zeitweise ist Japans Inflation, über mehrere Jahre hinweg, negativ. Deutschland hingegen hat im gesamten Beobachtungszeitraum keine negative Inflation zu verzeichnen.

Arbeitslosenquote von Japan

Die Arbeitslosenquote zeigt den prozentualen Anteil der Arbeitslosen zu den Erwerbspersonen eines Landes. Die Erwerbspersonen schließen sowohl Arbeitslose als auch Erwerbstätige mit ein.[9]

In der folgenden Abbildung kann man die Entwicklung der Arbeitslosenquote für Japan in dem Zeitraum von 1992 und 2019 sehen.

Arbeitslosenquote - Vergleich Japan/Deutschland/USA 1992 - 2019 [10]

Zunächst soll die Betrachtung des Verlaufes der Arbeitslosenquote in Japan erfolgen. Ab dem Jahr 1992 bis 2001 kann man eine streng monotone Steigung der Arbeitslosenquote bis hin zu 5,5% betrachten. Diese sinkt im Jahr 2007 auf unter 4%. Diese Zahlen werden jedoch nach diesem Ausschlag um einiges geringer. Man kann eine Art Wellenverlauf erkennen. Ursache dieser doch sehr niedrigen Arbeitslosenquote ist das enorme Arbeitsangebot in diesem Land. Statistisch gesehen kommen auf 100 Arbeitssuchende 148 frei Stellen. Aufgrund diese doch sehr hoher Fachkräftemangels in Japan ist das Wachstum in der Volkswirtschaft stark erschwert und nahezu zum Erliegen gekommen. [11] Dies ist eines der vielen Probleme, welches durch die niedrigen Geburtenraten in Japan verursacht werden.[12] . Vergleichend mit Deutschland und den USA ist Japan bis auf die Jahre 1998 bis 2002 Führender in Sache niedriger Arbeitslosigkeit. In diesem kurzen Zeitraum hat USA die niedrigste Arbeitslosenquote im Vergleich der drei Nationen. Im Jahre 2009 haben alle drei Nationen einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. USA trifft es hierbei wie in der Abbildung zu sehen am stärksten und Deutschland schafft es Ab diesem Zeitpunkt eine stetig geringere Arbeitslosenquote als die USA zu erreichen.

Länderinformationen des IMF

Für dieses Kapitel wurden die die sechs wichtigsten Punkte der „Article IV Consultation-Press Release 2019“ für das Land Japan jeweils studiert und anschließen zusammengefasst wiedergegeben.

Jüngste wirtschaftliche Entwicklung

Die Wirtschaft in Japan wächst moderat, obwohl das sich abschwächende globale Wachstum die Export-, Produktions- und Geschäftsstimmung beeinflusst hat.

Die Volkswirtschaften in Übersee sind schwach, die Unternehmensgewinne bleiben hoch.

Der Beitrag zum realen BIP in Japan wurde in den letzten drei Quartalen des Jahres 2019 verringert. Das Wachstum wurde jedoch in den ersten drei Quartalen im Jahr 2019 durch den privaten Konsum und die öffentlichen Ausgaben unterstützt.

Der Reallohn und der reale Konsum haben gestiegen, aber blieb schwach. Private Investitionen in den ersten drei Quartalen im Jahr 2019 nehmen allmählich zu. Der private Konsum bleibt davon unberührt, und Unternehmensinvestitionen, insbesondere im Zusammenhang mit der Technologie zur Steigerung der Arbeitskräfte, haben private Investitionen unterstützt. Die realen Importe waren volatil. Exporte und exportgetriebene Investitionen haben sich in der Entwicklung mit den schwächeren externen Bedingungen und der zunehmenden Unsicherheit abgeschwächt. Japans Exporte an die meisten seiner wichtigsten Handelspartner gingen im Jahr 2019 zurück.

Das Wirtschaftswachstum liegt trotz externer nachteiliger Faktoren besteht, aber der Inflationsdynamik über dem Potenzial bleibt bescheiden.

Inflationsentwicklung

Von einer Inflation spricht man, wenn das Preisniveau von Gütern, Dienstleistungen, etc. kontinuierlich steigt. Hierbei kommt es zu einer Veränderung des Austauschverhältnisses von Geld zu anderen Gütern, dies geschieht zu Lasten des Geldes [13].

Japan gilt als ein Land, das über Jahre kontinuierlich eine sehr niedrige Inflation zu verzeichnen hat. Das Land hatte teilweise sogar eine so niedrige Inflation, die im Zeitraum von 2009 bis einschließlich 2012 in eine Deflation überging [14]. Betrachtet man den Zeitraum von Jan 2017- Ende 2019 isoliert, so ist gerade die niedrige Wachstumsrate bei Lebensmitteln und Energieerzeugnissen auffällig, hier schwanken die Werte zwischen einer kurzzeitigen Deflation und maximal 0,5%. Sprich in Japan sind die Preise für Lebensmittel in den letzten zwei Jahren um 1% gestiegen. Doch warum? Japan gilt immer noch als eines der reichsten und wirtschaftsstärksten Länder, jedoch Tendenz fallend. Das Land hat zwar eine sehr geringe Arbeitslosigkeit, besitzt jedoch mit 48,8 Jahren im Durchschnitt die älteste Weltbevölkerung. Japan kann seine Fertilitätsrate nicht ausgleichen, da das Untersuchungsland in der Vergangenheit eine restriktive Zuwanderungspolitik verfolgte[14]. Die Wurzel der konstant niedrigen Inflationsentwicklung liegt in der weiteren Vergangenheit. Das Land hat große Probleme aus der einmal begonnen Tiefzinspolitik wieder herauszukommen [15].

Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung

In Japan ist heute mit fortschreitender Alterung der Bevölkerung ein Rückgang der Zahl zu verzeichnen von Menschen in der arbeitenden Generation, die die Gesellschaft unterstützen. In dieser Art von Gesellschaft ist es gewünscht, dass ältere Menschen weiterarbeiten, um die Gesellschaft zu unterstützen. Die Anzahl der Unternehmen, die das „Rentenalter“ verlängert oder abgeschafft haben, war zunehmend. Unter 159 989 Unternehmen mit 31 oder mehr Mitarbeitern, die darüber berichteten, Beschäftigungsbedingungen zum 1. Juli 2018 hatten 18,1% das Rentenalter auf festgelegt 65 Jahre oder älter und 2,6% haben ein obligatorisches Rentenalter für insgesamt abgeschafft 20,7%.

Arbeitslosenquote in Japan (sowohl für männliche als auch für weibliche) sinkt weiter. Der Anstieg des Verhältnisses von offenen Stellen zu Bewerbern hat aufgehört und die Leerstandsquote wurde gesenkt. Die angespannten Beschäftigungsbedingungen im verarbeitenden Gewerbe haben sich abgeschwächt. Der Erhöhung der Vollzeitbeschäftigung seit der Krise im Jahr 2009 wurde auf Nicht-Fertigungssektoren konzertieret, während der Anstieg der Teilzeitmitarbeiter dominant geblieben ist. Das Beschäftigungswachstum ist im Wesentlichen gefallen, hauptsächlich aufgrund des schrumpfenden Wachstums in Vollzeitarbeitern.

Das Wachstum des Reallohns pro Arbeiternehmer bleibt schwach. Der Lohn pro Stunde wächst jedoch aufgrund weniger Stunden pro Arbeiternehmer. Der Rückgang der Stunden durch den durchschnittlichen Teilzeitmitarbeiter ist wahrscheinlich auf niedrige Stunden lang von neu zugesetzten Arbeitern zurückzuführen, aber er der Rückgang der Arbeitsstunden, der von Vollzeitarbeitern tätig ist, scheint die niedrigere Nutzung der Arbeit zu wiederspiegeln. Inmitten einer rückläufigen Bevölkerung, weibliche Beteiligung der Arbeitskräfte, hat sich aufgenommen, während die Markteinkommens Ungleichheit erhöht hat.

Steuerliche Entwicklung und Entwicklung der Nachhaltigkeit

Der Article IV Consultation-Press Release zeigt anhand der bereits vergangenen Jahre und 2019 Prognosen zur steuerlichen Entwicklung sowie der Entwicklung der Nachhaltigkeit in Japan auf. Im Ergebnis hat das Land einen sehr großen Spielraum für Steuererhöhungen zur Verfügung. Diese werden in den nächsten Jahren auch zwingend notwendig werden, um die fortlaufend ansteigenden Kosten des Gesundheits- und Pflegewesens, welche aus der immer älter werdenden Bevölkerung resultieren, tragen zu können. Während diese 2020 noch bei etwa 10% des Bruttoinlandsproduktes liegen beträgt die Prognose der Kosten für das Jahr 2060 schon etwa 16% des Bruttoinlandsproduktes. Ebenso steigt die öffentliche Verschuldung, welche mit der gegenwärtigen Politik nicht mehr haltbar ist. Der Haushaltssaldo verzeichnet 2019 weiterhin ein Defizit, dieses wird sich durch die Erhöhung des Verbrauchssteuersatzes sowie durch das Auslaufens des Konjunkturpakets im Dezember 2019 verbessern. Zurzeit herrscht in Japan ein günstiges Finanzierungsumfeld, dies wird unteranderem durch die JGB-Bestände der Bank of Japan und die Vorliebe der Inländischen Investoren in das eigene Land zu investieren ermöglicht. Die Investitionen in Übersee verzeichnen eine steigende Tendenz sind in der Summe aber sehr gering. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland, die USA oder Dänemark hat Japan am wenigsten Ausgaben für nicht-soziale Sicherheit. Diese lagen 2018 bei etwa 20% des Bruttoinlandsproduktes. [16]

Demographie

Die Demographie eines Landes gibt dessen Struktur bezüglich der Entwicklung der Bevölkerung wieder. Hierbei stehen besonders die Geburtenrate und die Sterberate in der Beobachtung. Aus diesen beiden Raten lassen sich anschließend die Langlebigkeit und die Alterung bzw. Altersverteilung des Landes feststellen. [17]

In dem Article IV Consultation-Press Release sind bezüglich der japanischen Bevölkerung und deren Zusammensetzung Zahlen bis 2065 veröffentlicht worden. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die japanische Bevölkerung über die Jahre immer älter wird und im Gesamten im Jahr 2065 auf bis zu 90 Millionen abnehmen wird. Dies bedeutet zu unserem heutigen Stand eine Differenz um 30 Millionen Menschen[16]. Des Weiteren ist das Altersabhängigkeitsverhältnis von Japan abgebildet. Diese Kennzahl gibt an wie das Verhältnis zwischen den Personen in den Altersgruppen 0-15/65-… und der arbeitenden Bevölkerung zwischen 15 und 65 ist.[18] Im Jahr 2075 wird dieser Wert voraussichtlich über 75% liegen. Dies bedeutet, dass die japanische Population zu 75% jünger als 15 oder älter 65 sein wird und somit nicht zur arbeitenden Bevölkerung wird. Mit diesem sehr hohen Wert übertrifft Japan vergleichbare Länder um mehr als 10%. Zuletzt kann noch die Erwerbsquote untergliedert nach Geschlecht in Japan von 2002 bis ins Jahr 2018 betrachtet werden. Der Datensatz zeigt, dass die japanischen Männer im Alter 15-65 eine Erwerbsquote von ca. 85% mit leicht steigender Tendenz haben. Die Frauen hingegen haben seit dem Jahr 2002 bis ins Jahr 2018 einen Anstieg von 60% auf 70% in der gleichen Altersgruppe[16].

Geschlechterungleichheit

Das Beschäftigungsverhältnis von Frauen und Männern in der japanischen Wirtschaft ist nach wie vor sehr defizitär, jedoch befindet es sich durch die eingreifende Politik der letzten fünf Jahre, in einem ausgleichenden Trend. Auch die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern ist in jüngster Vergangenheit gesunken.

Es wurden Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie ergriffen und somit der Anreiz für Arbeitgeber sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor gegeben entsprechende Aktionspläne zur Umsetzung zu formulieren.

Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern sind dadurch verpflichtet mindestens zu einem der folgenden Punkte Informationen zu veröffentlichen:

  1. Bereitstellung von Arbeitsplätzen
  2. Konzepte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, z.B. Prozentsatz der Arbeitnehmer, die Elternzeit in Anspruch genommen haben

Des Weiteren wurde 2016 die Eruboshi-Zertifizierung eingeführt für jene Unternehmen, die besondere Leistungen in der Firmenpolitik zur Förderung und Umsetzung der besseren Integration von Frauen in der Arbeitswelt geleistet haben. Diese Zertifizierung enthält unter anderem folgende Kriterien:

  1. Formulierung eines konkreten Aktionsplans
  2. Dokumentation und Umsetzung des Aktionsplans innerhalb der Unternehmung
  3. Dokumentation der erfolgreichen Implementierung
  4. Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Aktionsplans, Zusammenarbeit mit der Regierung und Ministerien

Seit dem Inkrafttreten der Zertifizierung im April 2016, unterzeichnete die Regierung ca. 13.600 Verträge mit Eruboshi-zertifizierten Unternehmen.

Investition, Ersparnis und Leistungsbilanz

Ersparnis und Investition in offenen Volkswirtschaften

Japan war früher eines der Länder mit der höchsten Sparquote der Welt, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der japanischen Wirtschaft spielte. Der Bedarf an Kapital von Unternehmen zur Aufrüstung von Geräten und von Banken für Investitionen hängt zunehmend von den Ersparnissen ab. In diesem Kapitel wird die Beziehung zwischen Investitionen und Ersparnissen in Japan untersucht. (Einschließlich des Zusammenhangs zwischen der inländischer Investitionsnachfrage und den ausländischen Ersparnissen Japans.) Außerdem wird die Rolle der Leistungsbilanz bei der Investition und beim Sparen erläutert. Diese Schlussfolgerung basiert auf Daten zu Japans Gesamtinvestitionen, Ersparnissen und dem Anteil der Leistungsbilanz am BIP.

Leistungsbilanz, Ersparnis und Investition in Japan 2000 - 2019 [19]

Der Zusammenhang zwischen Investition und Ersparnis in Japan

1)      Investition

Gesamtinvestition ausgedrückt als die Gesamtinvestitionen in Prozent des BIPs in der aktuellen lokalen Währung. Seit dem Jahr 2000 sind Japans Gesamtinvestitionen zwischen 20% und 30% des BIPs. Bis zum dem Jahr 2008 waren die Schwankungen groß. Aufgrund der globalen Finanzkrise im Jahr 2008, sind die Gesamtinvestitionen (in Prozent aus BIP) gesunken. Es begann im Jahr 2010 allmählich zuzunehmen.

2)      Ersparnis

Ersparnis ist das Einkommen einer Volkswirtschaft abzüglich des Konsums der privaten Haushalte und des Staates. Ersparnisse (im Prozent aus BIP) liegen seit dem Jahr 2000 unter 30%. Aufgrund der Finanzkrise im Jahr 2008, sind die Ersparnisse stark gesunken. Nach dem Jahr 2008, stiegen die Ersparnisse. Wegen der Lockerung der Geldpolitik der Regierung (Abe Shinzo) und der Erhöhung der Verbrauchsteuer im Jahr 2014, sanken die Ersparnisse erheblich. Nachdem erhöhten sich die Ersparnisse wieder. Die Ersparnisse sind seit dem Jahr 2014 stetig gewachsen.[20]

3)      Zusammenhang

Ersparungen und Investitionen sind miteinander verbunden und voneinander abhängig. Ersparnisse sind die direkte Quelle für Investmentfonds. Investitionen sind die Verwendung von Ersparnissen. Die Höhe der Ersparnisse bestimmt die Größe der Investitionen. Japans hohe Ersparnisse bieten ausreichend Mittel für Investitionen, was wiederum zu hohen Investitionsquoten führt.

Eine wichtige Funktion der Ersparnisse ist eine Finanzierungsquelle für Investitionen und zukünftigen Verbrauch. Wenn Anleger erfolgreich Finanzmittel aus anderen Quellen wie dem Kapitalmarkt erhalten können, nimmt die Sparneigung der Menschen ab.

Die hohe Sparquote hat zu einer hohen Investitionsquote geführt, und große Investitionen in zivile Ausrüstung haben eine solide materielle Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung geschaffen, die den Ausbau der Produktionskapazitäten in großem Maßstab gefördert und die hohe Investitionsquote zu hohen Wirtschaftswachstumsraten geführt hat.

Der Zusammenhang zwischen der inländischen Investitionsnachfrage in Japan und den ausländischen Ersparnissen

Japan ist die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, die eine die steigende ausländische Ersparnis hat. Japanische ausländische Ersparnisse setzen sich hauptsächlich aus ausländischen Wertpapieren, Einlagen, Gold und anderen Fremdwährungsaktiva zusammen. Wenn ein Land ein Handelsdefizit aufweist, bedeutet dies, dass Geld aus dem Ausland in das Inland gelangt und als Teil der Bereitstellung von Finanzkapital betrachtet wird.

Aufgrund des jahrelangen Anstieges des internationalen Handelsüberschusses in Japan, sind die verwendeten ausländischen Ersparnisse für inländische Investitionen zurückgegangen.

Seit dem Jahr 2000 sind die ausländischen Ersparnisse Japans rasant gewachsen und haben sich nach dem Jahr 2005 allmählich verlangsamt.

Im Jahr 2005 wechselte die japanische Regierung von nationalen Auslandsinvestitionen zu privaten Auslandsinvestitionen und bot privat diversifizierte Investitionsmöglichkeiten an, um die Risiken von ausländischen Ersparnissen zu diversifizieren. Gleichzeitig haben sich die Investitionsmethoden mit ausländischen Ersparnissen allmählich diversifiziert, was das Wachstum der Gesamtinvestitionen vorantreibt[21].

Die Verwendung der ausländischen Ersparnisse kann die gesamten nationalen Ersparnisse erhöhen. Dies können auch die Beschränkungen für inländische Investitionen, durch unzureichende inländische Ersparnisse verursacht, verringert werden. Aber mit steigenden inländischen Ersparnissen würde ausländisches Finanzkapital weniger benötigt, um den Investitionsbedarf zu decken.

Investitionen können sowohl durch inländische als auch ausländische Ersparnisse getätigt werden, jedoch wird in allen Ländern der Großteil der Investitionen aus inländischen Mittel finanziert.

Welche Rolle spielt die Leistungsbilanz dabei?

Die Leistungsbilanz (LB) umfasst in der Volkswirtschaftslehre alle Ausgaben und Einnahmen einer Volkswirtschaft, darunter auch die Importe und Exporte von Gütern und Dienstleistungen in der volkswirtschaftlichen Zahlungsbilanz. Teilbilanzen der Leistungsbilanz sind die Handelsbilanz (HB), die Dienstleistungsbilanz (DLB) und die Übertragungsbilanz (ÜB).

Die wirtschaftliche Bedeutung des Leistungsbilanzkontos ist die internationale Kreditaufnahme. Aus makroökonomischer Sicht ist das Auftreten internationaler Kreditaufnahmen auf die niedrige inländische Sparquote zurückzuführen, und wenn die Ersparnisse geringer sind als die Investitionen, tritt das Leistungsbilanzdefizit (Defizit) auf. Kreditaufnahme aus anderen Ländern mit überschüssigen Ersparnissen, sodass das Girokonto den Ersparnissen abzüglich der Investitionslücke entspricht.

Die historischen Daten der letzten 20 Jahre zeigen, dass der Leistungsbilanzsaldo Japans weiter ansteigen wird. In den letzten Jahren hat sich der Leistungsbilanzüberschuss trotz des Rückgangs der Ersparnisrate etwas erhöht. Zwischen den Jahren 2001 und 2007 stieg die Leistungsbilanz um 1,9% (von 1,0% auf 2,9%). Im Jahr 2007 erreichte Japans Leistungsbilanzsaldo 212,8 Milliarden US-Dollar. Warum sind die Ersparnisse gesunken und der Leistungsbilanzüberschuss gestiegen?

Dies liegt daran, dass der rasche Rückgang der Ersparnis in Japan und auch die Investitionsquote noch weiter gesunken ist.

Die Leistungsbilanz drückt die Beziehungen zwischen inländischen Ersparnissen und inländischen Investitionen aus. Wenn es einen Leistungsbilanzüberschuss gibt, übersteigen die inländischen Ersparnisse die inländischen Investitionen. Wenn es einer Leistungsbilanzdefizit gibt, übersteigen die inländischen Investitionen die inländischen Ersparnisse. Ein Land wie Japan hat eine Flut von Ersparnissen gegenüber Investitionen gehabt. Diese Einsparungen gingen tendenziell ins Ausland, um rentablere Investitionen zu tätigen. Daher hatte Japan ein Defizit an Kapitalströmen und einen entsprechenden Überschuss auf der Leistungsbilanz. Aus der Grafik ist ersichtlich, dass nicht alle japanischen Ersparnisse in Investitionen umgewandelt werden, was einem Leistungsbilanzüberschuss entspricht.

Durch diese Beziehungen können Sie finden, dass ein Land mit hoher privater oder staatlicher Sparrate entweder hohe private Investitionen oder einen hohen Leistungsbilanzüberschuss hat.

Fazit

Investition ist mit Sparen verbunden. Sowohl inländische als auch ausländische Ersparnisse sind Finanzmittel für Investment, aber die meisten inländischen Investments stammen aus inländischen Ersparnissen. Gleichzeitig kann die Beziehung zwischen den Investitionen eines Landes und den Ersparnissen in der Leistungsbilanz seinen Niederschlag finden.

Nachfrage nach inländischer Güterproduktion

Gütermarkt offener Volkswirtschaften

Fragestellung 1

Untersuchen Sie den Zusammenhang zwischen inländischer Nachfrage, Binnennachfrage und Endnachfrage nach inländischer Güterproduktion für Japan und Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit denen für Deutschland.

Um die Zusammenhänge dieser drei verschiedenen Nachfragen nach inländischer Güterproduktion in Bezug auf Japan darstellen zu können, müssen diese zunächst definiert werden. Die inländische Güternachfrage (DD) beschreibt die Gesamtnachfrage nach in- und ausländisch produzierten Gütern im Inland. Sie wird durch die Addition von Konsum (C), Investitionen (I) und den Staatsausgaben (G) berechnet. In dieser Arbeit werden jedoch für die einzelnen Nachfragefunktionen nur die inländische Güterproduktion und nicht auch noch die ausländische betrachtet.[22]

Man kann die inländische Güternachfrage auch mittels der Binnennachfrage errechnen. Hierzu muss diese mit den Importen des Landes addiert werden. [23]

Die Binnennachfrage (AA) hingegen beschreibt die Nachfrage nach Konsum und Investitionsgütern innerhalb eines Binnenmarktes. Diese Nachfrage wird stark durch die Veränderung der Lohnstückkosten des Landes beeinflusst. [24] Zuletzt muss die Endnachfrage (ZZ) bestimmt werden. Ein Synonym hierfür ist die „Nachfrage nach inländischen Gütern“. Diese ist klar von der inländischen Güternachfrage abzugrenzen. Sie wird auch mittels der Summe aus C+I+G errechnet, jedoch zieht man hier noch die Importnachfrage ab und addiert die Exportnachfrage. [25]

In der folgenden Abbildung kann man diese verschiedenen Nachfragefunktionen bezogen auf Japan verfolgen. Der betrachtete Zeitraum ist hierbei von 1992 bis 2018.

Vergleich der inländischen Nachfrage, Binnennachfrage und Endnachfrage nach inländischer Güterproduktion mit Deutschland 1992 - 2018 [26]

Im ersten Schritt soll der Zusammenhang der drei Nachfragefunktionen bezogen auf Japan dargestellt werden.

Man kann auf den ersten Blick sehen, dass von 1992 bis 2003 die Endnachfrage und die inländische Nachfrage nahezu parallel monoton gestiegen sind. Dies bedeutet, dass sich die Importnachfrage und die Exportnachfrage immer in einem nahezu gleichen Verhältnis zu einander Verhalten haben. Es gab demnach bei diesen Nachfragen keine außergewöhnlich hohen Schwankungen. Ab diesem Zeitpunkt verhalten sich die Endnachfrage und die inländische Nachfrage immer noch ähnlich zueinander, schneiden sich jedoch des Öfteren bis zum Ende der Untersuchungsreihe im Jahr 2018. Dies lässt darauf schließen, dass sich das Verhältnis von Importnachfrage und Exportnachfrage geändert und diese nicht mehr proportional zueinander verlaufen. Man kann aus dieser Grafik nicht ablesen, in wie weit die beiden Nachfragen schwanken. Die Binnennachfrage verläuft durchweg nahezu parallel mit der inländischen Nachfrage. Dies ist zu erklären, da die Binnennachfragefunktion von der inländischen Nachfragefunktion abhängt und sie durch die Subtraktion mit den Importen errechnet wird. In dem Moment, in dem auch die Endnachfrage aufgrund der Importe verändert, verändert sich auch die Binnennachfrage.

Wenn man sich diese Kurven von Japan vergleichend mit Deutschland ansieht, sticht klar heraus, dass Deutschland durchweg geringere Werte bezüglich dieser Funktionen hat. Bei Deutschland schwanken die Werte der drei Funktionen zwischen 2.250 Mrd. Euro und 4.500 Mrd. Euro. Bei Japan hingegen steigen zum Beispiel bei der Endnachfrage ZZ die Werte bis zu 5.500 Mrd. Euro. Die Verläufe der Kurven, unabhängig von der Höhe der Werte, sind sehr ähnlich und als allgemein monoton steigend zu bezeichnen. Beide Nationen haben im Jahr 2009, aufgrund der weltweiten Finanzkrise einen Einbruch aller drei Nachfragefunktionen zu verzeichnen. Wenn man sich nun die letzten 5 Jahre der Zeitreihe vergleichend ansieht ist zu erkennen, dass Deutschland einen verhältnismäßig starken Zuwachs aller Nachfragen hat, besonders jedoch die inländische Nachfrage (DD) und die Endnachfrage (ZZ).

Fragestellung 2

Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die außenwirtschaftliche Strategie Ihres Untersuchungslandes ziehen?

Aus diesen Nachfragefunktionen lässt sich bezüglich der Außenwirtschaft ableiten, dass Japan einerseits auf einen starken Güterexport setzt, da sie nicht nur eine starke inländische Nachfrage (DD), sondern auch eine starke Endnachfrage (ZZ) haben und diese über die Jahre um bis zu 1.500 Mrd. Euro gestiegen ist. Somit steigern sie stark die Produktion von inländischen Gütern und erhöhen zudem ihre Staatsausgaben, um die Produktion weiterhin zu fördern und die heimische Industrie zu stärken. [23]

Ein weiterer Effekt neben der natürlichen Ankurbelung der inländischen Produktion ist es, dass hierbei eine negative Handelsbilanz entsteht. Während einer Rezession, wie sie im Jahr 2009 zu sehen ist, können Länder mit einem hohen Handelsbilanzdefizit darauf spekulieren, dass ihre heimische Wirtschaft durch die ausländische Nachfrage angestoßen wird und der Abfall schnell wieder korrigiert werden kann.

Fragestellung 3

Wie unterscheidet sich diese Strategie von der Deutschlands?

Man kann im direkten Vergleich mit Deutschland sehen, dass beide Wirtschaftsnationen durch ihre sich nahezu gleichenden Kurvenverläufe auch eine ähnliche Außenwirtschaftsstrategie fahren. Auch Deutschland setzt auf einen starken internationalen Export der inländischen Güter.

Dies lässt sich durch die Tatsache bestätigen, dass es sich bei Deutschland um die Nr.3 und bei Japan um die Nr.4 in Bezug auf die stärksten Exportländer der Welt handelt. [27] Auch wenn Japan bisher noch höhere Nachfragefunktionen ihrer inländischen Güter hat, hat Deutschland zwischen 1992 und 2018 mit den Werten stärker angezogen.

Fragestellung 4

Wie können Sie das Gütermarktmodell offener Volkswirtschaften für diese Untersuchung einsetzen?

Das Gütermarktmodell offener Volkswirtschaften oder auch anders, der offene Gütermarkt bezeichnet die Gesamtanzahl aller Märkte auf denen Dienstleistungen und Waren gehandelt werden. Offene Gütermärkte ermöglichen den Konsumenten von Waren und Dienstleistungen die Wahl zwischen inländischen, aber auch ausländischen Gütern. Hingegen haben die Anbieter dieser Waren und Dienstleistungen die Möglichkeit die Güter im Inland und im Ausland anzubieten. Somit setzt ein offener Gütermarkt den Grundbaustein für die Globalisierung der Weltwirtschaft. [28]

Japan nutzt diese Chance des globalen Gütervertriebes sehr stark aus, wie man zum Beispiel an dem stark steigenden Kurvenverlauf der Endnachfrage zwischen 1992 und 2018 sehen kann. Diese Nation bietet auf vielen Märkten an und generiert somit auch eine hohe Nachfrage im In- und Ausland für die heimisch produzierten Güter. Auch die Stellung von Japan in der Weltwirtschaft als starkes Exportland verdeutlicht dies erneut und zeigt eine hohe Nachfrage nach den japanischen Gütern.

Gütermarktmultiplikator im Vergleich zu Deutschland

Einfluss von Importen auf den Gütermarktmultiplikator Japans im Vergleich zu Deutschland

In diesem Kapitel wird der Einfluss von Importen auf den Gütermarktmultiplikator der Volkswirtschaft Japans untersucht. Weitergehend werden deren Auswirkungen auf die Wirksamkeit fiskalpolitischer Maßnahmen zur Stabilisierung von Nachfrage, Produktion und Beschäftigung analysiert und mit den jeweiligen Auswirkungen in Deutschland verglichen. Hierfür ist es zunächst notwendig, die Zusammensetzung des Gütermarktmultiplikators und dessen Bedeutung zu erläutern. Unterstützt wird dies durch eine Grafik, welche die Importentwicklung in den Jahren von 2000 bis 2017 aufzeigt. Anschließend wird der Vergleich mit Deutschland vorgenommen, inklusive der Auswirkungen der fiskalpolitischen Maßnahmen, bevor schließlich ein Fazit gezogen werden kann.

Die Basis für die weitere Analyse, stellt dabei die Formel für die gesamtwirtschaftliche Produktion Y im Gütermarktgleichgewicht dar. Dabei ist jedoch zwischen einer geschlossenen und einer offenen Volkswirtschaft zu unterscheiden. Eine offene Volkswirtschaft wird dabei durch wirtschaftliche Vorgänge mit anderen Ländern definiert, was bedeutet, dass eine offene Volkswirtschaft Handelsbeziehungen mit anderen Volkswirtschaften unterhalten muss.[29] Da Japan sowohl Import als auch Export betreibt, ist hier von folgender Grundformel auszugehen:

Y = C + I + G – IM + X

Die inländische Produktion (Y) hängt damit sowohl vom Konsum (C) als auch von den Investitionen (I) und den Staatsausgaben (G) ab. Zusätzlich werden die Importe Japans (IM) abgezogen und die Exporte (X) hinzugerechnet. Anhand dieser Gleichung ist es nun möglich, die Effekte der fiskalpolitischen Maßnahmen Japans zum einen auf die inländische Produktion und zum anderen auf die Handelsbilanz zu berechnen.

Im nächsten Schritt wird die Formel um die jeweiligen Gleichungen für die Parameter C, I, G, IM und X ersetzt und wiederum nach der inländischen Produktion umgestellt. Dabei wird die Bewegung des realen Wechselkurses außenvor gelassen, er wird zur Vereinfachung daher auf 𝜀 = 1 gesetzt [30]:



Der Fokus dieser Ausarbeitung liegt dabei auf dem ersten Term, dem Multiplikator. Dieser stellt den Gütermarktmultiplikator dar, wobei c1 für die Konsumneigung und d1 für die Investitionsneigung steht. Die Variable im1 stellt währenddessen die marginale Importneigung dar, welche angibt, „in welchem Ausmaß die Importnachfrage eines Landes bei einer Zunahme des Bruttoinlandprodukts (BIP) um eine marginale Einheit zunimmt.“ [31] An Hand dieser Gleichung des Multiplikators wäre es nun zum Beispiel möglich, die Auswirkungen von Veränderungen der autonomen Ausgaben zu beschreiben. Die autonomen Ausgaben werden dabei durch die Summe des zweiten Terms der Gleichung, dem Multiplikand, dargestellt.

Zunächst werden jedoch die Auswirkungen der Importe auf den Gütermarktmultiplikator analysiert. Dafür müssen diese ins Verhältnis zum Einkommen gesetzt werden.

Importe in Relation zum Einkommen in Japan 2000 - 2017 [32]

Die obige Abbildung zeigt eine tendenziell negative Steigung der Importfunktion (m = -0,3862), auch wenn die einzelnen Werte erkennbar streuen. Die negative Trendlinie lässt dennoch erkennen, dass Japan bei steigendem Einkommen, mehr Güter und Dienstleistungen importiert. Damit nimmt auch die marginale Importneigung Japans zu. Die wichtigsten Importgüter für Japan stellen dabei mineralische Brennstoffe, elektronische Geräte wie Audiogeräte und Fernseher und mechanische Geräte wie beispielsweise Kernreaktoren dar [33].

Vergleicht man diese Werte mit denen der Volkswirtschaft Deutschland (Werte von 1950-2017, m=0,5878), fällt auf, dass Deutschland gegenüber Japan, eine weitaus höhere Importquote aufweist, trotz weniger Einkommen. Dies ist mit der geografischen Lage Japans zu erklären. Diese ist meist zu weit entfernt von anderen großen Volkswirtschaften und deren Gütermärkten. Weiterhin ist durch die im Vergleich stärkere negative Steigung der Trendlinie Deutschlands zu erkennen, dass dort eine größere Korrelation zwischen Importen und Einkommen besteht.

Ein wichtiger Punkt in der Analyse, stellen die fiskalpolitischen Maßnahmen dar. Hierzu zählen „alle Maßnahmen des Staates, mit denen über die Veränderung der öffentlichen Einnahmen und öffentlichen Ausgaben die konjunkturelle Entwicklung gelenkt werden soll.“ [29] Dabei ist die expansive Fiskalpolitik (Erhöhung der Staatsaufgaben oder Senkung der Steuern) von der kontraktiven Fiskalpolitik (Senkung der Staatsausgaben und Erhöhung der Steuern) zu unterscheiden. Im Folgenden werden dabei die Staatsausgaben näher betrachtet.

Erhöht eine Volkswirtschaft ihre Staatsausgaben zum Beispiel in Form von Subventionen (expansive Fiskalpolitik), so steigert dies die inländische Produktion. Dies führt im Inland dementsprechend zu einem höheren Personalbedarf und lässt dadurch die Arbeitslosenquote sinken. Gleichzeitig entsteht jedoch auch ein Handelsbilanzdefizit. Dies ist durch eine erhöhte Güternachfrage im Inland zu erklären, bei der auch ausländische (Importe) und nicht nur inländische Güter nachgefragt werden.[23] Somit steigt, in einer offenen Volkswirtschaft, durch eine expansive Fiskalpolitik nicht nur die inländische, sondern auch die ausländische Produktion.

Dieser Vorgang ist anhand des Gütermarktmultiplikators sehr einfach zu berechnen:


Dabei stellt ΔG die Erhöhung der Staatsausgaben dar, welche mit dem Multiplikator verrechnet werden. Betrachtet man dafür eine große Volkswirtschaft, wie es sowohl in Japan als auch in Deutschland der Fall ist, fällt die Steigerung der Produktion deutlich höher als das Handelsbilanzdefizit aus. Würde es sich hier wiederum um ein kleines Land handeln, wäre der umgekehrte Effekt zu verzeichnen.[30]

Dies führt dazu, dass es in größeren Volkswirtschaften durchaus möglich ist, die Produktion des Landes durch fiskalpolitische Maßnahmen zu beeinflussen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass „je offener die Volkswirtschaft ist, desto kleiner ist die Wirkung der Fiskalpolitik auf die Produktion und desto größer ist die Wirkung auf die Handelsbilanz.“ [30]

Wie schon bereits beschrieben, ist die Handelsquote in Deutschland weitaus höher als die in Japan. Somit ist festzuhalten, dass aufgrund der Größe beider Länder, durchaus eine Beeinflussung der Produktion durch fiskalpolitische Maßnahmen vorliegen kann, diese in Japan jedoch um einiges höher ausfallen würde. Parallel zu einer erhöhten Produktion im Inland, käme es dementsprechend auch zu einer höheren Beschäftigungsquote. Zusammenfassend ist damit zu sagen, dass Japan mit steigendem Einkommen mehr Güter importiert, auch wenn die Importquote gegenüber Deutschland deutlich geringer ist. Über eine Erhöhung von Staatsausgaben, wird die inländische Nachfrage erhöht und somit auch die inländische Produktion ausgeweitet. Damit geht auch eine Stabilisierung der Beschäftigung einher.

Auslandsvermögen und Leistungsbilanz

Auslandsvermögen und Leistungsbilanz

Diese Ausarbeitung analysiert die Relation zwischen den kumulierten Leistungsbilanzsalden Deutschlands und dem Netto-Auslandsvermögensstatus Japans. Es werden Korrelation und Abweichungen erklärt und zur Veranschaulichung mit USA-Werten verglichen. Unterschiede und deren Ursachen stehen dabei im Fokus. Ausgehend von der theoretischen Basis erfolgen Auswertung und Vergleich der erarbeiteten Graphen sowie ein entsprechendes Fazit. Grundlage sind über die Jahre kumulierte Leistungsbilanzsalden. Diese sind näherungsweise ein Abbild des Nettoauslandsvermögens und daher für den Vergleich geeignet.

Leistungsbilanzen, setzen sich aus den Salden des Waren- und Dienstleistungsverkehrs sowie den Salden des Primär- und Sekundäreinkommens zusammen. Der Leistungsbilanzsaldo ist die Summe aller vier Teilbilanzen. Die Leistungsbilanz erfasst alle laufenden Zahlungsforderungen und -verpflichtungen,  eines Jahres, gegenüber dem Rest der Welt und zeigt die Entwicklung der internationalen Kreditaufnahme.  Leistungsbilanzen sind neben Kapitalbilanzen Bestandteil der Zahlungsbilanz. Letztere umfasst alle Transaktionen der Wirtschaftseinheiten eines Landes mit dem Rest der Welt. [7] Die Kapitalbilanz verzeichnet alle Vermögensänderungen in einer bestimmten Zeitspanne. [34]

Übersteigen, am Ende des Jahres, die Zahlungsforderungen die Zahlungsverpflichtungen nennt man das einen Leistungsbilanzüberschuss. Ist das Exportvolumen größer als das Importvolumen verhalten sich die inländische Ersparnis und die inländische Investition gleich. Diese Ersparnisse werden im Ausland in Form von Krediten angelegt. Damit finanziert dieses Land die Leistungsbilanzdefizite anderer Länder. Ist der Leistungsbilanzsaldo negativ, überwiegen Zahlungsverpflichtungen (Leistungsbilanzdefizit). [7] Bei einem Leistungsbilanzdefizit kauft ein Land mehr von anderen Ländern als es ihnen selbst verkauft. Zur Importfinanzierung ist eine Kreditierung notwendig. Die Netto-Auslandsverschuldung steigt dann um den geliehenen Betrag an. Parallel steigt das Netto-Auslandsvermögen des Landes, dass den Überschuss verzeichnet, da sich die Forderungen erhöhen. Leistungsbilanzen eines Landes entsprechen den Netto-Auslandsvermögensveränderungen.[35]

Auslandsvermögensstati, eines Landes, erfassen finanzielle Forderungen und Verbindlichkeiten einer Volkswirtschaft, gegenüber dem Ausland, zu einem bestimmten Termin.[34] Je höher die Auslandsinvestition, desto höher ist auch der Auslandsvermögensstatus. Er zeigt Höhe und Struktur des Finanzvermögens, das Inländer im Ausland halten, aber auch das Finanzvermögen, von Ausländern im Inland [36]

Die Differenz von Verbindlichkeiten und Forderungen ergibt den Netto-Auslandsvermögensstatus. Dieser zeigt, ob eine Volkswirtschaft Netto-Schuldner oder Netto-Gläubiger ist. [37] Forderungsüberschüsse stehen für einen Nettogläubigerstatus. Bei Netto-Schuldner überwiegen die Verbindlichkeiten. Die Abbildung zeigt, den Netto-Auslandsvermögensstatus von Japan und die kumulierten Salden der Leistungsbilanz von Deutschland gegenüber dem Rest der Welt sowie den Netto-Auslandsvermögensstatus und die kumulierten Salden der Leistungsbilanz der USA von 2000 bis 2018. Es wird deutlich, dass sich die kumulierte Leistungsbilanz Deutschlands sowie der Netto-Auslandsvermögensstatus Japans im positiven Bereich befinden und ansteigen. Japan ist Netto-Gläubiger gegenüber dem Rest der Welt (Forderungsüberschuss). Deutschland verzeichnet seit 2002 durchweg einen Leistungsbilanzüberschuss. Damit steigt zwingend auch das Netto-Auslandsvermögen.

Auslandsvermögen Japan, USA und Leistungsbilanz Deutschland, USA 2000 - 2018 [38]

Deutschland ist Netto-Gläubiger gegenüber dem Ausland. Da beide Kurven, trotz Landesunterschied, gleichverlaufen, ist davon auszugehen, dass die Leistungsbilanz Deutschlands und das Netto-Auslandsvermögens Japans in keinem großen Zusammenhang zueinanderstehen. Somit kann keine direkte Korrelation vorliegen. Beide Länder verzeichnen Leistungsbilanzüberschüsse. Der Begriff „Rest der Welt“ ist nicht konkret genug. Die gleichlaufende Entwicklung beider Länder widerspricht einem zu vermutenden Zusammenhang, denn der Überschuss eines Partners bedingt zwingend das Defizit des anderen Partners. Gleiches ist bei den Netto-Auslandsvermögen zu erwarten. Eine Korrelation würde sich nur nachweisen lassen, wenn man spezifische Märkte, auf denen beide Partner tätig sind, untersucht beziehungsweise die jeweilige Leistungsbilanz und den Auslandsvermögensstatus beider Länder zueinander ins Verhältnis setzen würde.

Bezüglich des Wettbewerbes ist dennoch ein Zusammenhang in der Weise vorhanden, dass wenn ein Land in einen Markt exportiert, auf dem auch das andere Land vertreten ist, dies dann für das andere Land zwingend zu Verlusten führt.

Der analytische Nachweis einer Korrelation zwischen der Leistungsbilanz Deutschland und des Netto-Auslandsvermögensstatus Japans ist daher nicht möglich. Gründe könnten sein, dass sowohl Deutschland als auch Japan, Leistungsbilanzüberschüsse auf getrennten Märkten erzielen. So waren die Haupthandelspartner Deutschlands 2019 die Volksrepublik China, die Niederlande, die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich. [39] Diese liegen eher im „westlichen Raum“. Japans Haupthandelspartner hingegen sind zwar ebenfalls die Volksrepublik China, die USA aber auch Südkorea, Taiwan, und Australien. [40] Diese liegen hauptsächlich im „östlichen Raum“. Dies stützt die Aussage, dass die fehlende Korrelation der Leistungsbilanzüberschüsse durch das Agieren auf voneinander getrennten Märkten herrührt.

Die Übertragung dieser Analyse auf die Entwicklung der kumulierten Leistungsbilanz sowie dem Netto-Auslandsvermögens der USA gegenüber dem Rest der Welt bestätigen diese Argumentation.

Die Kurve der kumulieren Leistungsbilanz der USA zeigt die Summierung von Leistungsbilanzdefiziten. Gleiches gilt für die Entwicklung des Netto-Auslandsvermögens. Auffällig ist, dass sich hier beide Kurven über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg im negativen Bereich befinden. (siehe Abbildung ) Die USA verzeichnet ein Leistungsbilanzdefizit. Dieses Defizit führt zu einer Verringerung des Netto-Auslandsvermögens, welches sich aus dem Saldo zwischen den Auslandsforderungen und -verbindlichkeiten ergibt. Sie ist damit Netto-Schuldner gegenüber dem Rest der Welt. Die Schulden gegenüber dem Ausland wachsen im Beobachtungszeitraum tendenziell an. Die USA hat nicht von Anfang an ein Leistungsbilanz Defizit verzeichnet. Bis in die späten neunziger Jahre gab es leichte Überschüsse oder eine nahezu ausgeglichene Leistungsbilanz. Erst eine anhaltende Reihe von Defiziten hat ihr Auslandsvermögen so stark reduziert, dass sich eine beachtliche Nettoauslandsverschuldung entwickelt hat.

Mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,85 lässt sich hier, im Unterschied zu der vorhergehenden Betrachtung, eine Korrelation auch nachweisen.  Er zeigt einen starken positiven Zusammenhang zwischen dem Netto-Auslandsvermögensstatus der USA und ihrer kumulierten Leistungsbilanz. Beim Leistungsbilanzdefizit sinkt das Netto-Auslandsvermögen im Verhältnis des Koeffizienten. Gleiches gilt für das Netto-Auslandsvermögen nur umgekehrt.

Die  Konkretheit des Beobachtungszeitraumes ist hier gegeben. Die Analyse des Verhältnisses der USA zum Gesamtweltmarkt und die Entwicklung des Netto-Auslandsvermögens ist möglich, da hier die Beobachtungsräume kongruent und hinlänglich konkret sind.

Die USA importiert seit Ende der neunziger Jahre deutlich mehr aus dem Rest der Welt. Damit wachsen zwingend die Verbindlichkeiten der USA. Der Saldo zwischen Forderungen und Verbindlichkeiten ist daher negativ. Die USA wird wie oben beschrieben Netto-Schuldner gegenüber dem Rest der Welt. Dies ist ein sich zeitweise verstärkender und anhaltender Trend.

Sowohl Deutschland als auch Japan sind Netto-Gläubiger und die USA Netto-Schuldner gegenüber dem Rest der Welt. Zwischen dem Nettoauslandsvermögensstatus von Japan und den kumulierten Leistungsbilanzsalden Deutschlands lässt sich aufgrund des fehlenden direkten Bezuges der Zahlen kein Zusammenhang darstellen.

Die verwendete Vorgehensweise hat sich insofern bewährt, dass der Leser durch den vorangestellten Input die Argumentation nachvollziehen kann.

Direktinvestitionen

Auslandsvermögen und Vermögenseinkommen

In dem folgenden Kapitel wird der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Auslandsvermögensstatus und dem Einkommen aus Direktinvestitionen des Untersuchungslandes Japan genauer untersucht und erläutert. Zur genaueren Untersuchung zählen die Korrelation der beiden Zielgrößen, die Netto-Rendite aus internationalen Direktinvestitionen, sowie eine umfangreiche Erläuterung mit den Ergebnissen von Japan im Vergleich zu Deutschland. Die Daten zum auswerten des Zusammenhangs werden dabei aus dem internationalen Währungsfonds genutzt.

Japan Netto-Auslandsvermögen Bestandteile 2000 - 2018 [41]

In der Abbildung wird in Form von Direkt- und Portfolioinvestitionen sowie übrigen Kapitalanlagen das Netto-Auslandsvermögen von Japan im Zeitraum von 2000-2018 dargestellt. Dabei gibt der Auslandsvermögensstatus Auskunft übe die Differenz von Forderungen des Untersuchungslandes, oder im Allgemeinen einer Volkswirtschaft, gegenüber dem Ausland und den Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland wieder [42]. Unter die benannten Direktinvestitionen fallen Transaktionen, die mit einem hohen unternehmerischen Engagement einher gehen. Durch Wertpapieranlagen wird anders als bei Direktinvestitionen die Ertragserzielung in den Mittelpunkt gerückt, dabei geht es weniger um unternehmerisches Engagement. Übrige Kapitalanalgen beinhalten die übrigen unterschiedlichen Kapitalinvestitionen. [43]

Bei genauerem betrachten der Netto-Direktinvestitionen im Zeitraum von 2000-2018 sieht man, dass ein kontinuierlicher Anstieg von 228.121,56 Mio. US-Dollar im Jahr 2000 auf 1.362.381,02 Mio. US-Dollar im Jahr 2018 von Japan verzeichnet wird. Dies bedeutet das Japan mehr Direktinvestitionen ins Ausland exportiert als Direktinvestitionen aus dem Ausland nach Japan investiert werden. Erkennbar ist das die Investitionen aus  Direktinvestitionen des Auslands an Japan in dem Zeitraum ebenfalls kontinuierlich zu nehmen (von 53.052,68 Mio. US-Dollar auf 277.100,92 Mio. US-Dollar), diese werden jedoch durch den Anstieg der Direktinvestitionen des Untersuchungslandes gleichzeitig überkompensiert (von 281.174,24 Mio. US-Dollar auf 1.639.481,94 Mio. US-Dollar). Japan besitzt somit Forderungen aus ihren Direktinvestitionen gegenüber dem Ausland.

Ähnlich stabil verlaufen die Netto-Wertpapieranlagen, diese laufen zwar nicht kontinuierlich dafür aber ohne große negativ Einbrüche. Japan investiert sehr viel in das Ausland, das Ausland in geringen Schüben nur noch mehr in Japan. Man erkennt deutlich, dass auch hier keine großen Aus- oder Einbrüche im Zusammenhang mit dem Untersuchungsland stattfinden. Dies passt auch zu dem Untersuchungsland, das eines der drei vermögendsten Länder der Welt ist [14].

Die übrigen Kapitalanalgen Japans laufen ab 2007 kontinuierlich leicht negativ, dies könnte auf die hohen Ausgaben die das Land für Importe, insbesondere Rohstoffimporte, ausgibt zurückzuführen sein.

Vermögen in und Einkommen aus Direktinvestitionen im Ausland 2000 - 2018 [44]

Die obige Abbildung zeigt zum einen die Netto-Direktinvestitionen und zum anderen den Saldo aus Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen. Die Netto-Direktinvestitionen Japans und der Kurvenverlauf wurden schon in der oberen Abbildung genauer erläutert. Die zweite Kurve zeigt (rot) das Einkommen aus Direktinvestitionen im Ausland. Diese werden in der Leistungsbilanz unter Primäreinkommen verbucht und beinhalten thesaurierte Gewinne, zum Beispiel aus Wertpapieren [43].  Bei genauerem betrachten der Kurve erkennt man einen durchweg kontinuierlich steigenden Verlauf. Dies bedeutet, dass im Untersuchungszeitraum 2000-2018 das Einkommen aus Japans getätigten Direktinvestitionen im Ausland das Einkommen aus ausländischen in Japan getätigten Direktinvestitionen übersteigt. Ein deutlich negativer Verlauf ist von 2007 zu 2008 zu erkennen, hier wird das Einkommen aus Direktinvestitionen im Ausland das zum Beispiel aus thesaurierten Gewinnen entstanden ist nicht ausreichen, um die ausländischen Direktinvestitionen die in Japan entstanden sind zu decken. Zurückzuführen ist diese erhebliche Einbuße von über 10.000 Mio. US-Dollar auf die Weltfinanzkrise 2008.

Die Korrelationen aus den beiden Kurven, genauer gesagt die des Auslandsvermögensstatus beträgt hier 0,77364. Es liegt also ein mittel starker Zusammenhang vor. Dies bedeutet, wenn das Netto-Einkommen aus Direktinvestitionen steigt, steigen auch die Netto-Direktinvestitionen und andersherum.

Zum einen liegt dies daran, dass das Netto-Einkommen aus Direktinvestitionen steigt, wenn auch mehr Direktinvestitionen vorliegen. Bei diesem Anstieg entsteht auch tendenziell immer eher ein Leistungsbilanzüberschuss. Dieser Leistungsbilanzüberschuss kann in einer offenen Volkswirtschaft auch in Form von Auslandsvermögen angespart werden [42]. Die Folge ist, dass es zu einem weiteren Anstieg des Netto-Einkommens aus Direktinvestitionen kommt, welcher tendenziell zu einem Leistungsbilanzüberschuss führt.

Um die Netto-Rendite von internationalen Direktinvestitionen zu berechnen, dividiert man das Netto-Einkommen aus Direktinvestitionen durch die Netto-Direktinvestitionen. Sprich man benötigt die Formel der Rendite, Rendite= Gewinn/Kapital. Die Netto-Rendite berücksichtigt Steuern und Inflation mit weshalb sie somit den realen Kapitalzuwachs darstellt [45]. Vergleicht man den Kurvenverlauf zwischen dem Untersuchungsland Japan und Deutschland anhand einer Grafik, so ist die durchschnittliche Netto-Rendite von Japan bei 7%. Die durchschnittliche Netto-Rendite von Deutschland liegt bei 9,27, also ca. 9%. Man erkennt auch hier, dass die Kurve von Japan einen durchweg positiven Verlauf nimmt. Auch hier ist die Kurve konstant und verläuft sich regelmäßig am Mittelwert ohne große Ausschläge. Dies liegt vor allem daran, dass die Renditen auf japanische Direktinvestitionen im Untersuchungszeitraum sehr kontinuierlich liegen und in der Vergangenheit meist über denen anderer Anlageklassen.

Seit der Weltwirtschaftskrise oder eher Weltfinanzkrise im Jahr 2008, nehmen Deutschland und Japan einen ähnlich kontinuierlich positiven Verlauf. Die Kurven beider Länder sind sehr stabil. Grund dafür ist der starke Export beider Länder. Schaut man sich die Liste der Länder an, die am meisten kumulierte Direktinvestitionen ins Ausland getätigt haben so stehen sich Japan und Deutschland in wenigen Dingen nach. Beide Untersuchungsländer stehen im CIA World Factbook (Stand 2017) unter den ersten sechs [46]. Weiterhin sind Deutschland und Japan, attraktive Forschungsländer für Entwicklungs- und Schwellenländer, beide verfügen über eine hohe Zuverlässigkeit und gute Infrastruktur. Beide Länder sind wahre Exportländer. Sieht man jedoch von der Stabilität und Kontinuität Japans ab, so stagniert auch die Netto-Rendite in den letzten Jahren. Dies liegt vor allem daran, da das Land Probleme hat aus der einmal begonnen Tiefzinspolitik, in weiterer Vergangenheit, wieder herauszukommen.

Auslandsvermögen zu BIP

Finanzkrisen im globalen Kontext

Es gilt hier die Betrachtung der Entwicklung des Auslandsvermögens einerseits der USA und andererseits von Japan, als Reaktion auf weltweite Finanzkrisen und der Verdeutlichung globaler Verflechtungen.

Auslandsvermögen USA

Das Auslandsvermögen ergibt sich aus der Differenz der Forderungen der Inländer gegenüber dem Ausland und der Forderungen der Ausländer gegenüber dem Inland [47].

Sowohl Aktiva (Verbindlichkeiten), als auch Passiva (Forderungen) der USA haben einen ähnlichen Verlauf, wobei ab 1990 die Verbindlichkeiten die Forderungen übersteigen, dann kurzweilig konstant gleich hoch sind, jedoch ab 1996 deutlich höher liegen.

Zwischen den Jahren 1980 und 1995 verlaufen beide Graphen stetig steigend, während sich dies ab 1995 verstärkt und bis 1999 anhält.

Zum Zeitpunkt der Jahrtausendwende findet ein Einbruch beider Graphen statt, der erst im Jahr 2002 mit einer bislang stärksten Steigung in die positive Richtung endet.

Der Höhepunkt des Anstiegs der Forderungen befindet sich im Jahr 2007, es folgt ein negativer Verlauf bis 2008 und ein leichter Anstieg, der 2009 am höchsten liegt und in den Folgejahren nicht mehr überschritten wird.

Anders unterdessen verläuft der Graph der Verbindlichkeiten, der trotz kleinerer Einbrüche trotzdem steigt und weiterhin über dem Niveau der Forderungen bleibt.

Der Graph des Netto-Auslandsvermögens sinkt zunächst zwar langsam, aber konstant. Im Jahr 1989 unterschreitet er die null Prozent und verläuft von da an im negativen Bereich. Nach einem Tiefpunkt in 2001 erfährt er wieder ein stärkeres Wachstum hin zur null Prozent Grenze, bleibt jedoch drunter und fällt ab 2007 wieder. Trotz weiterer kleiner Aufschwünge ist ein permanenter Abstieg zu beobachten.

Aus der negativen Entwicklung des Netto-Auslandsvermögens lässt sich ableiten, dass die USA ein Netto-Schuldner ist [37],

Wirtschaftliche Ereignisse

Der langsam, aber stetige Anstieg von 1980 bis 1995 ist als Folge der angebotsorientierten Wirtschaftspolitikpolitik, die nach 1980 umgesetzt worden ist, zu sehen.  Sie war die Reaktion auf die zuvor erfolgte Stagflation, führte durch eine restriktive Geldpolitik zur Senkung der Inflationsrate und gab neue Anreize zu Investitionen, wodurch sich eine Produktivitätssteigerung ergab (durch Kostenersparnisse bei den Angebotsbedingungen) [34]. Zum Zeitpunkt der Jahrtausendwende ist einerseits die sogenannte New Economy zusammengebrochen und außerdem der Euro eingeführt worden. New Economy beschreibt den wirtschaftlichen Wandel durch die damals zunehmende Digitalisierung, daraus entstandenen Produkten und Informationsflüssen und deren Auswirkung auf die Börsenwelt. Durch den sich rasch entwickelnden neuen Wirtschaftszweig und dessen Attraktivität und der steigenden Nachfrage an der Börse, kam es zum Zerplatzen einer Spekulationsblase [48]

Weiterhin verändert die Globalisierung die wirtschaftlichen Verflechtungen und schafft neue Investitionsmöglichkeiten und eine neue Dimension des Wettbewerbs. Man erkennt einen starken Anstieg der Verbindlichkeiten und Forderungen infolge der weltweiten Öffnung.

Seit Beginn der 80er Jahre verzeichnet die USA ein Leistungsbilanzdefizit, welches zu einem hohen Kapitalbedarf führte.

Der beginnende Einbruch bei dem Graphen der Forderungen und der entgegengesetzte Anstieg der Verbindlichkeiten 2007 zeichnet den Anfang der Wirtschaftskrise ab, ausgelöst durch einen künstlich ausgelösten Immobilienboom, der im Platzen der Spekulationsblase endete und somit das ganze Finanzsystem destabilisierte.

Schlussfolgerungen

Die jeweiligen politischen Maßnahmen, sowohl in der Fiskal- als auch in der Geldpolitik haben einen erheblichen Einfluss auf die globalen Verflechtungen.

Durch eine internationale Öffnung der Finanzmärkte ist neben dem Vorteil der Investition auch das Risiko der Abhängigkeit zu internen Finanzsystemen und deren Schwankungen gegeben.

Trotz der zunächst positiven Veränderungen nach der Umsetzung einer angebotsorientierten Politik nach Friedman ergeben sich bereits zu diesem Zeitpunkt wichtige Kritikpunkte, die zur Begründung der sich über einen langen Zeitraum angebahnten Krise herangezogen werden.

Da es im Grundsatz darum geht, die Kosten der Angebotsbedingungen zu senken, um Produktionsbedingungen zu verbessern, ist dies langfristig nachteilig für den Arbeitnehmer, während die Macht des Arbeitgebers, also die Unternehmerseite, gestärkt wird. Unter Arbeitsbedingungen fallen hier z.B. Löhne, Steuern, oder Infrastruktur. Diese Entwicklung lässt sich zum Beispiel daran erkennen, dass die Produktivität zwar stark ansteigt, die Reallöhne jedoch eher konstant auf einem Niveau bleiben [49]

Auch bei der Betrachtung der Einkommensverteilung zeichnen sich die wirtschaftspolitischen Entwicklungen über einen längeren Zeitraum ab, sodass man sieht, dass Umverteilung der Einkommen zugunsten der Eigentümer von Produktionsvermögen stattfand und der durchschnittliche Arbeitnehmer benachteiligt wurde.

Der Gedanke bei dieser politischen Richtung ist, dass durch eine Rentabilitätssteigerung auch die Investitionstätigkeit wächst. Dies muss jedoch keine zwangsläufig unmittelbare Wirkung sein, da eine höhere Rentabilität kein Garant für eine höhere Investitionsbereitschaft ist.

Diese langfristige politische Entwicklung hat zu einer Liberalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte geführt. Die daraus entstandene Autonomie und Dynamik der Entscheidungen von Finanzintermediären hat letztlich weltweiten Schaden angerichtet.

Auslöser hierfür waren die Entwicklungen des amerikanischen Immobilienmarktes, speziell durch den Handel von Hypotheken. Durch die erhöhte Nachfrage auf dem Hypothekenmarkt wurden die Risikobeurteilungen niedriger angesetzt, sodass zum Beispiel auf eine Bonitätsprüfung oder den Nachweis von Sicherheiten verzichtet worden ist [50].

Die Leistungsbilanz der USA fällt seit den 80er Jahren in den negativen Bereich und hat ihren Tiefpunkt 2006. Trotz des darauffolgenden positiven Wachstums, bleibt sie weiterhin defizitär.

Eine Erklärung für die negative Nettoposition der USA ist z.B. der hohe Konsumbedarf und damit verbundene Import. Das Leistungsbilanzdefizit der USA führt zu einem erhöhten Kapitalbedarf, welcher durch eine zunehmende Schuldenaufnahme getilgt werden soll [48].

Japan

Auslandsvermögen Japan 1996 - 2018 [51]

In der obigen Grafik geht es um die gleichen Größen, die bereits anhand der USA erläutert wurden. Auch hier sieht man über einen längerfristigen zeitlichen Verlauf die Entwicklung des japanischen Auslandsvermögens, gegliedert in Forderungen und Verbindlichkeiten, sowie der sich daraus ergebenen Differenz.

Bei den Verbindlichkeiten und Forderungen Japans ist ein Trend zum ständigen Wachstum zu erkennen, wobei die Forderungen deutlich die Verbindlichkeiten übersteigen, was darauf hinweist, dass die japanische Wirtschaft hohe Investitionen ins Ausland tätigt.

Außerdem hat durch die dauernde Abwertung der nationalen Währung ebenfalls eine Aufwertung des Auslandsvermögens stattgefunden.

Anhand der Entwicklung des Auslandsvermögens, welches stets über 0% und von ständigem Wachstum geprägt ist, kann Japan als Nettogläubiger bezeichnet werden.

Im weltweiten Vergleich ist Japan sogar unter den vier stärksten Gläubigern aufgelistet.

In den 90er Jahren begann auch in Asien die Liberalisierung der Finanzmärkte, was zur Folge hatte, dass ein Kreditboom in diesen Ländern stattgefunden hat. Durch ein anhaltendes niedriges Zinsniveau in Japan, wurde ein hoher Anreiz geschaffen kurzfristige Fremdwährungskredite in Yen aufzunehmen, bei gleichzeitig verhältnismäßig schlechter Absicherung. Für ausländische Investoren bedeutete dies eine günstige Beteiligung mit wenigen Eigenmitteln [52]. Dagegen waren die im Inland vergebenen Kredite langfristig und in der Landeswährung. Da zu diesem Zeitpunkt, ungefähr bis 1995 der Dollarkurs schwächer war, konnte Asien von dieser Liberalisierung profitieren, doch durch die Steigerung des Dollars kam es zu einem Leistungsbilanzdefizit. Vor allem für Ostasien endete dies in der Asienkrise, mit dem Abzug der Investoren als Folge. Auch wenn Japan nicht unmittelbar zu den betroffenen Ländern der Asienkrise zählte, war es dennoch durch vorangegangenes Outsourcing von Produktionsstätten, um eigene Lohnkosten niedrig zu halten, betroffen. [53]

Die Finanzkrise, die sich im Zuge des Zusammenbruchs der amerikanischen Börse weltweit anbahnte, ist auch im Verlauf des japanischen Auslandsvermögens ablesbar. Durch die wirtschaftliche globale Verflechtung hat die Verschuldung der Banken in den USA in sämtlichen Ländern, somit auch Japan, die Forderungen als auch Verbindlichkeiten aus Investitionen zurückgedrängt.

2012 ist der Wert des japanischen BIP stark gesunken, was zu einem zeitgleichen Anstieg sowohl der Forderungen als auch der Verbindlichkeiten, bezüglich des gesamten Auslandsvermögens, gestiegen ist.

Einzelnachweise

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  12. "Japans Bevölkerung schrumpft rasant" Deutsche Welle, 2019, abgerufen am 08.04.2020
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  50. "Verlauf der Finanzkrise" Deutscher Bundestag, Wissenschaftlicher Dienst, 2009, abgerufen am 05.05.2020
  51. Eigene Darstellung auf Basis vorhandener Daten der International Monetary Found
  52. "Japan, wirtschaftliche Strukturen" Bundeszentrale für politische Bildung, 2019, abgerufen am 03.05.2020
  53. Kramer, Stefan. 2018. Der japanische Finanzmarkt im Umbruch. Berlin: Peter Lang Verlag. ISBN 978-3-631-76086-4