Internationale Wirtschaftsbeziehungen Argentiniens 2020

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Die folgende Untersuchung bezieht sich auf die Entwicklung im Untersuchungsland im 21. Jahrhundert, also auf den Zeitraum seit 2001 bis heute.

Der offenbarte komparative Vorteil

Abbildung 2.1: Argentiniens umsatzstärkste Gütergruppen

Im Folgenden soll anhand der aktuell vier umsatzstärksten Gütergruppen HS2 im Außenhandel der offenbarte komparative Vorteil nach Siebert  ermittelt werden. Anschließend wird auf dessen Entwicklung seit 2001 eingegangen. Danach sollen innerhalb dieser Gütergruppe jeweils die zwei umsatzstärksten Unter-Produktgruppen auf HS4-Ebene untersucht werden.

Abbildung 2.2: Offenbarter Komparativer Vorteil des umsatzstärksten Erzeugnis (Kraftwagen, HS87)

Der Begriff des komparativen Vorteils, entstammt den theoretischen Überlegungen des Ökonomen David Ricardos (vgl. Krugmann, Obstfeld & Mielitz, zit. nach Ricardo 1817). Dabei handelt es sich um ein Modell der Außenhandelstheorie, welches sich darauf beruft, dass beteiligte Länder über unterschiedliche Arbeitsproduktivitäten verfügen. Aus dem Handel dieser können dann gegenseitigen Vorteile entstehen, sofern „[...] jedes Land diejenigen Güter exportiert, bei denen es über einen komparativen Vorteil verfügt“ (Krugmann, Obstfeld & Mielitz 2019, 60). Ein komparativer Vorteil liegt genau dann vor, wenn ein Land bei der Herstellung eines Gutes über geringere Opportunitätskosten bei dessen Produktion verfügt im Vergleich zu anderen Ländern.

Abbildung 2.3: Offenbarter Komparativer Vorteil der umsatzstärksten Güteruntergruppen von Kraftwagen

Anhand der Abb. 2.2 kann man erkennen, dass Argentinien bei der Herstellung von Kraftwagen einen klaren Spezialisierungsnachteil hat und seit 2002 auch ein Handelsbilanzdefizit in dieser Gütergruppe verzeichnen muss. Im Zeitraum von 2001-2003 fällt der RCA um das 5-Fache und erreicht 2003 bei -62,997 seinen niedrigsten Wert. Danach steigt der RCA stetig an und erreicht 2014 mit -4,674 seinen höchsten Wert in den letzten 20 Jahren. Grund dafür ist die Wirtschaft Argentiniens die sich nach 2001 nur langsam wieder erholt. 2015 bricht der RCA erneut kurz ein, gewinnt aber bis 2019 wieder an Stärke. Argentiniens Automobilhersteller leiden 2014-2016 unter großen Wirtschaftlichen Problemen, die den Import und Export der Waren stark reduzierten.

Abbildung 2.4: Offenbarter komparativer Vorteil der Gütergruppe Lebensmittelindustrie (HS-23)

Betrachtet man die umsatzstärkste Güteruntergruppe, HS-8704, kann man feststellen, dass Argentinien bei der Herstellung von Lastkraftwagen seit 2005 einen Spezialisierungsvorteil besitzt und ein Handelsbilanzüberschuss. Bei der zweitstärkste Güteruntergruppe, HS-8703, besitzt Argentinien einen klaren Spezialisierungsnachteil. Der Graph verläuft annähernd parallel zu dem der Gütergruppe HS-87. Bei HS-8708 besteht der größte Spezialisierungsnachteil von den analysierten Gütergruppen. Dieser Nachtteil führt dazu, dass Argentinien inzwischen fast dreimal so viel Güter in dieser Gruppe importiert wie es exportiert, im Jahr 2019 hatte Argentinien ein Handelsbilanzdefizit von 1‘278‘660.Diese Gütergruppe gehört in den Untersuchungsjahren 2001 bis 2019 zum zweit umsatzstärksten Erzeugnis, des Landes Argentinien.

Abbildung 2.5: Offenbarter komparativer Vorteil der Umsatzstärksten Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie

In der Abbildung 2.4: Offenbarter komparativer Vorteil der Umsatzstärksten Erzeugnisse aus der Zusammenstellung verschiedener Waren, kann man erkennen das die Nahrungsmittelindustrie einen positiven Verlauf hat. Dadurch lässt sich vermuten, dass ein komparativer Vorteil, also eine Spezialisierungsvorteil vorliegt.

In der Abbildung 2.5: Offenbarter komparativer Vorteil der Umsatzstärksten Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie, ist ein Berg zu sehen. Es ging seit der Untersuchung von 2001 bis 2013 immer Berg auf, also stieg kontinuierlich an und ab demselben Zeitpunkt fällt der Wert kontinuierlich bis 2019 wieder ab.Diesbezüglich muss gesagt werden, dass eine bessere Interpretation und dadurch auch eine bessere Aussage getroffen werden kann, wenn mehr Untersuchungen und mehr Daten erhoben werden.Die Gütergruppe Getreide gehört ebenfalls zu den umsatzstärksten Erzeugnissen von Argentinien in den Jahren von 2001 bis 2019 und steht an dritter Stelle.

Abbildung 2.6: Offenbarter komparativer Vorteil der Gütergruppe Getreide (HS-10)

In der Abbildung kann man erkennen, dass die Gütergruppe Getreide auf der HS2 Ebene im Laufe dieser Jahre einen positiven komparativen Vorteil besitzt, was auf einen Spezialisierungsvorteil hinweist.

Abbildung 2.7: Offenbarter komparativer Vorteil der umsatzstärksten Erzeugnisse Getreide sowie der umsatzstärksten Erzeugnisse

In der Abbildung fällt auf, dass das Gut Weizen und Mengkorn (ausgenommen Hartweizen) der HS6 Ebene bis 2011 auf der Ebene der drei umsatzstärksten Erzeugnisse der HS4 Ebene liegt, jedoch dann stark abfällt. Was einen Wechsel von einem Handelsbilanzüberschuss zu einem Handelsbilanzdefizit mit sich führt. Außerdem ist in dieser Abbildung auffällig, dass für Gerste (ausgenommen Saatgut zur Aussaat) bis 2011 ein Handelsbilanzdefizit vorliegt, dieser dann aber sehr stark ansteigt, sodass ab 2012 bis heute die Handelsbilanz ausgeglichen ist. Dies passiert, wenn der nationale Außenhandels-Koeffizient bei 0 liegt und somit die Gewichtung der Differenz von Gi und A bei dem Faktor 100 liegt.Man kann also sagen, dass der Anbau von Getreide in Argentinien ein sehr wichtiges Exportprodukt ist. Zudem gehört Argentinien derzeit „zu den weltweit führenden Anbietern am Weltmarkt“ („Argentinische Wirtschaft lebt vom Agrarexport“,2008).

Die Abbildung veranschaulicht, dass innerhalb der Gütergruppe HS 12 überwiegend Spezialisierungsvorteile existieren und gleichzeitig Handelsbilanzüberschüsse erzielt wurden. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass im Zeitraum von 2002-2008 ein stetiger Rückgang um etwa die Hälfte der Einheiten des komparativen Vorteils verzeichnet worden sind. Anschließend ist ein erneuter Anstieg festzustellen, welcher dann im Jahr 2010 wieder auf den Ursprung von 2002 zurückkehrt und zunächst bis 2015 ein sehr konstantes Niveau erreicht. Daraufhin ist zunächst eine Abnahme ersichtlich, welche folglich einen drastischen Rückgang im Jahr 2018 verzeichnet und zu einem Handelsbilanzdefizit führt. Die Gründe hierfür sind zum einen eine länger anhaltende Dürrperiode und den damit verbunden beträchtlichen Ernteeinbußen, zum anderen eine massive Abwertung des argentinischen Pesos um ca. 40 % (vgl. Deter, 2018 & o.V. 2018). Aus diesem Grund sind Exporte gemessen an dem US-Dollar erheblich gesunken. Diesbezüglich kann angenommen werden, dass ausländische Handelspartner nicht so viel Geld aufwenden müssen, um die Güter zu erwerben. Importe hingegen werden auf Grund der Abwertung des Pesos aus Sicht Argentiniens deutlich teurer.

Aufgrund des Wetters stützt sich Argentiniens Wirtschaft schon immer auf den Handel mit Agrarprodukten und das spiegelt sich auch in der Auswertung der umsatzstärksten Gütergruppen aus. Argentinien besitzt bei der Lebensmittelproduktion klare Spezialisierungsvorteile. In der Automobilbranche hat Argentinien große Spezialisierungsnachteile. 

Relativer Lohn, Humankapital und komparativer Vorteil

In diesem Kapitel wird das Thema relativer Lohn, Humankapital, sowie der komparative Vorteil betrachtet. Hierbei soll untersucht werden, ob es zwischen dem RCA der Güter Textilien (HS61; arbeitsintensive Herstellung) bzw. Maschinen (HS85; technologieintensiver Herstellung) und den Lohnstückkosten bzw. dem Humankapitalindex ein Zusammenhang besteht. Die Betrachtung dieses Themas ist für unser Fach „internationale Wirtschaftsbeziehungen“ von Bedeutung. Denn man kann daraus lernen, dass durch den Handel von Gütern absolute Kostenvorteile erzielt werden und somit der Wohlfahrtsgewinn einer Volkswirtschaft gesteigert wird. Jedoch können diese nur in unvollkommenen Märkten erreicht werden, da in den vollkommenen Märkten bereits das Maximum der Wohlfahrt erreicht wurde. Dies kann nur funktionieren, wenn ein Land nicht versucht, alle Güter in eigener Produktion herzustellen, um eine effiziente Wirtschaft zu erreichen. Hierbei muss der komparative Vorteil betrachtet werden, denn dieser sagt aus, dass die Transformationskurve im Inland geringer sein soll, als im Ausland.  Hierzu muss der Arbeitsaufwand für die Produktion eines Gutes im Verhältnis zum Aufwand für die Produktion eines anderen Gutes im Inland kleiner sein als das Aufwandsverhältnis im Ausland. Die Lohnstückkosten werden als die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Produktionseinheit definiert. Diese sind ein wichtiger Faktor für die Spezialisierung und die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel. Hierbei spricht man oft von dem Verhältnis der Arbeitskosten je Arbeitnehmer zu der erbrachten Leistung je Erwerbstätigen, oder auch kurz: Produktivität. Von Humankapitalindex spricht man, wenn das Resultat, also das Leistungspotenzial der Arbeitskräfte, d.h. „alle Fähigkeiten zur Ausfüllung eines Arbeitsplatzes notwendigen Fähigkeiten“, durch Erziehung und Ausbildung entsteht. Zur Bearbeitung der Aufgabenstellung habe ich den RCA nach Siebert verwendet. Dieser lässt sich in drei Schritten berechnen. Zuerst muss der Warengruppen- Außenhandels- Koeffizient mit der Formel

Abbildung 3.1: Offenbarter Komparativer Vorteil sowie Lohnstückkosten Argentiniens im Handel mit Australien

ermittelt werden. Im zweiten Schritt muss mit der Formel A=((alle Exporte-alle Importe))/((alle Exporte+alle Importe)) der Nationale Außenhandels- Koeffizient berechnet werden. Als nächstes muss im letzten Schritt die Gewichtung von (G_i-A) ermittelt werden. Dazu muss die Formel〖RCA〗_i=(G_i-A)*(100/((1-A) )) verwendet werden. In allen Formeln steht das i für die jeweils zu betrachtende Warengruppe. Man spricht von einem komparativen Vorteil, wenn der Wert von〖RCA〗_i positiv ist. Wenn der Wert jedoch negativ ist, spricht man von einem Spezialisierungsnachteil. Außerdem benötigt man zu der Bearbeitung der Aufgabe die relativen Lohnstückkosten, welche sich so  rel.LSK=(ULC des Handelspartners)/(ULC des Untersuchungslands) berechnen lassen, sowie den Quotienten des Humankapitalindexes. Der sich wie folgt ermitteln lässt (HCI des Handelspartners)/(HCI des Untersuchungslandes) .Zur Bearbeitung der Aufgabe musste ich im ersten Schritt anhand der ITC Trade Map herausfinden, welche für Argentinien in den Gütergruppen Textilien und Maschinen die umsatzstärksten Handelspartner sind. Anhand der Ermittlung der Außenhandelsumsätze, durch die Addition von Importen + Exporten der zu betrachtenden Warengruppen, stellte sich heraus, dass Australien der stärkste Handelspartner, sowohl für Textilien als auch für Maschinen, ist. Daher beziehen sich folgende Betrachtungen immer auf die Beziehung zwischen Argentinien und Australien.Als erstes muss geschaut werden, ob zwischen dem RCA und der Gütergruppe 61 und den relativen Lohnstückkosten ein Zusammenhang besteht. Hierzu muss zunächst für die Jahre 2001 bis heute der RCA der Gütergruppe 61 – „Kleidungsstücke und Bekleidungszubehör, gestrickt oder gehäkelt“ und der RCA des umsatzstärksten Erzeugnisses auf HS4 Ebene, hier die Gütergruppe 6109: „T-Shirt, Unterhemden und andere Westen, gestrickt oder gehäkelt“, ermittelt werden. Als nächstes werden die relativen Lohnstückkosten berechnet werden. Zur Veranschaulichung werden die Daten in der folgen Grafik dargestellt.

Abbildung 3.2: Offenbarter Komparativer Vorteil sowie Humankapitalindex Argentiniens im Handel mit Australien

Aus der Abbildung  Offenbarter Komparativer Vorteil sowie Lohnstückkosten Argentiniens im Handel mit Australien wird deutlich, dass die Gütergruppe „Kleidungsstücke und Bekleidungszubehör, gestrickt oder gehäkelt“ in den Jahren 2001 bis 2017, sowie die Güteruntergruppe „T-Shirt, Unterhemden und andere Westen, gestrickt oder gehäkelt“ in den Jahren 2001 bis 2019 einen positiven komparativen Vorteil haben, was auf einen Spezialisierungsvorteil hinweist. In dem Diagramm wird deutlich, dass es im Laufe der Jahre bei der Gütergruppe der HS2 Ebene große Schwankungen gab. Allerdings wird deutlich, dass bei der Untergruppe auf der HS4 Ebene im Jahr 2012 einen starken Abstieg vorliegt und ab diesem Zeitpunkt der durchschnittliche komparative Vorteil abgenommen hat. Die relativen Lohnstückkosten weisen in der Abbildung starke Schwankungen auf. Das bedeutet, wenn hohe Lohnstückkosten vorliegen, sind die Löhne gestiegen und die Arbeitsproduktivität ist gesunken. Wenn jedoch niedrige Lohnstückkosten vorliegen, dann ist die Arbeitsproduktivität gestiegen und die Löhne sind gesunken. Das hat zur Folge, dass eine höhere Wettbewerbsfähigkeit herrscht.Als nächstes muss geprüft werden, ob zwischen dem RCA der Gütergruppe 85 und dem Humankapitalindex ein Zusammenhang besteht. Hierzu ermittelt man als erstes für die Jahre 2001 bis heute den RCA der Gütergruppe 85 - „Elektronische Maschinen, Apparate, Geräte und andere elektronische Waren, Teile davon, Tonaufnahmen oder Tonwiedergabegeräte, Bild- und Tonaufzeichnungs- oder -Wiedergabegeräte, für das Fernsehen, Teile und Zubehör für diese Geräte“, sowie den RCA der des umsatzstärksten Erzeugnisses auf HS4 Ebene. Anschließend wird der Quotient des Humankapitalindex berechnet. Die Daten werden zur Veranschaulichung in der folgenden Grafik dargestellt.

In der Abbildung Offenbarter Komparativer Vorteil sowie Humankapitalindex Argentiniens im Handel mit Australien kann man erkennen, dass die Gütergruppe „Elektronische Maschinen, Apparate, Geräte und andere elektronische Waren (…)“, sowie das umsatzstärkste Erzeugnis auf der HS4 Ebene „Elektrische Geräte zum Schalten oder Schützen von Stromkreisen oder zum Herstellen von Verbindungen für oder in Stromkreisen“ in den Jahren 2001 bis 2019 einen positiven komparativen Vorteil besitzen, was auf einen Spezialisierungsvorteil hinweist. Jedoch sieht man auch, dass im Laufe der Jahre der komparative Vorteil auf der HS2 Ebene im Durchschnitt immer weiter abgenommen hat. Der Humankapitalquotient macht deutlich, dass im Laufe der Jahre das Leistungspotential, also alle Voraussetzungen zur Erfüllung eines Arbeitsplatzes wie beispielsweise Bildungsabschlüsse oder Berufserfahrungen, gesunken ist.

Ich komme hiermit zu der Erkenntnis, dass es Zusammenhänge sowohl zwischen dem RCA der Gütergruppe 61 und den Lohnstückkosten als auch zwischen dem RCA der Gütergruppe 85 und dem Humankapitalindex bestehen. Der Zusammenhang des RCA der Gütergruppe 61 und der Lohnstückkosten ist, dass in Argentinien mehr Menschen leben als in Australien und somit ein größerer Anteil an Arbeitnehmern vorhanden ist. Diese erhalten im Vergleich zu Australien niedrigere Löhne und somit kann auch günstig produziert werden, d.h. in Argentinien sind die Herstellungskosten von Textilien niedrig. Außerdem werden „die Lohnstückkosten oft als ein breites Maß für die (internationale) Preiswettbewerbsfähigkeit angesehen“ (OECD 2020). In Argentinien sind die Arbeitskosten in den letzten Jahren stark gestiegen, dies konnte die Industrie nur teilweise durch Steigerung von Produktivität auffangen. Zudem wurden in den vergangenen Jahren der Mindestlohn kräftig angehoben (Germany Trade& Invest 2013).  Der Zusammenhang zwischen dem RCA der Gütergruppe 85 und dem Humankapitalindexes ist, dass „nach Einschätzung von Fachleuten herrscht annähernd Vollbeschäftigung, da ein großer Teil der noch nicht beschäftigten Personen aufgrund einer zu geringen Qualifikation kaum in den Arbeitsprozess integriert werden kann“ (Germany Trade& Invest 2013). Zudem sind „qualifizierte Arbeitskräfte dagegen in vielen Branchen knapp“, vor allem sind Techniker und Ingenieure gefragt, aber schwer zu finden. (Germany Trade& Invest 2013). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Argentinien niedrige Herstellungskosten bestehen und zudem anhand von den Spezialisierungsvorteilen die Wirtschaft möglichst effizient gestaltet wird, sodass sich Australien für Argentinien in den o.g. Güterbranchen als gutes Exportland erweist.

Kapitalintensität und Vorleistungstiefe

In dem folgenden Text wird analysiert, wie sich der intra-industrielle Handel Argentiniens bei Kraftwagen (HS-87) - unter Betrachtung der Gütergruppen mit 4 und 6 Stellen für PKW – entwickelt. Des Weiteren wird der Einfluss von komparativen und absoluten Preisvorteilen auf den Aufbau einer Lieferkette betrachtet.

„Intra-industrieller Handel“ beschreibt das Handeln mit vergleichbaren Produkten zwischen verschiedenen Unternehmen bzw. Ländern. Das Phänomen des intra-industriellen Handels ist relativ jung und gewann nach dem 2.Weltkrieg, aufgrund zunehmender Außenhandelsverflechtungen, immer mehr an Bedeutung. Heute wird davon aufgegangen, dass 50–70% des Handelsvolumens zwischen industriellen Ländern auf intra-industriellen Handel zurückzuführen ist (Sell 2003, 171). Seinen Ursprung hat der intra-industrieller Handel im Wunsch nach Produktdifferenzierung und dem Ausnutzen von positiven Skaleneffekten. Um den intra-industrieller Handel messen zu können, nutzen wir den Grubel-Llyod-Index (GLI). Dieser gibt Aufschluss über den Anteil des intra-industrieller Handel am gesamten Handelsvolumen. Dazu dividieren wir das Handelssaldo (Export – Importe) durch das Handelsvolumen (Exporte + Importe) derselben Gütergruppe und ziehen den Betrag des Ergebnisses von 1 ab.

GLi=1-|(Xi-Mi)/(Xi+Mi)|

Der GLI kann zwischen 0 und 1 liegen. Bei einem Wert von 1 liegt 100% intra-industrieller Handel vor. Wird ein Produkt aber nur importiert oder exportiert, nimmt der Wert 0 an und es liegt kein intra-industrieller Handel vor.

Um den internationalen Handel allgemein zu erklären, wird das Modell der absoluten und komparativen Kostenvorteile genutzt. Absolute Kostenvorteile entstehen dann, wenn ein Land für die Produktion von bestimmten Gütern weniger Ressourcen (z.B. Arbeit, Kapital) braucht als ein anderes Land. Länder spezialisieren sich deshalb häufig auf die Güter, bei denen ihre absoluten Kosten geringer sind und exportieren diese dann auch an Länder, bei denen die absoluten Kosten höher sind. Komparative Kostenvorteile kommen aufgrund von geringeren Opportunitätskosten im Exportland zustande. Opportunitätskosten, auch Verzichtskosten, sind die Kosten bzw. Güter, auf die verzichtet werden muss, wenn ein anderes Gut herstellt wird. Länder importieren also auch Güter, bei denen ihre absoluten Kosten geringer gewesen wären als bei Ihrem Handelspartner, weil sie einen komparativen Kostenvorteil besitzen (Kurz 2017).

Abbildung 4.1: Entwicklung des GLI der Gütergruppen HS-87, HS-8703 und HS-870323 in Argentinien

Um die Entwicklung des intra-industrieller Handel bei Kraftwagen und seinen stärksten Untergütergruppen zu untersuchen, muss zuerst die Untergütergruppen bestimmen werden. Es ist zu erwähnen, dass nur Güteruntergruppen betrachtet werden, bei denen es sich um PKW handelt. Dazu werden die Daten des International Trade Centers genutzt. Durch eine Addition der Exporte und Importe wird die stärkste Güteruntergruppe auf HS-4 sowie HS-6 Ebene bestimmt. Mithilfe der Daten für den Import und Export der Gütergruppen können wir anhand der Formel für den GLI (siehe Abs. 3.1) die Werte für die Jahre 2001-2019 berechnen. Um die Daten vergleichen zu können, werden sie in einem gemeinsamen Diagramm dargestellt und das arithmetische Mittel der letzten Jahre bilden.

Anhand der Abbildung 4.1 können wir sehen, dass der GLI der Gütergruppe 87 zwischen 0,6 und 1,0 schwankt. Dadurch lässt sich ableiten, dass der intra-industrieller Handel dieser Gütergruppe stark ausgeprägt ist.

Abbildung 4.2: Entwicklung der Reserven Ausländischer Währung in Argentinien von 2010-2012

Argentiniens wichtigster Partner für den Außenhandel ist Brasilien. Die beiden Länder haben ein bilaterales Handelsabkommen welches den intra-industriellen Handel fördert. Für jeden Dollar an Autos, den Argentinien nach Brasilien exportiert, kann Brasilien zollfrei 1,5 Dollar an Autos nach Argentinien exportieren (Chalk 2016, 114). Klar erkennbar ist auch, dass ab 2014 der intra-industrieller Handel stark abgesunken ist und sich erst in den letzten 3 Jahren wieder erholen konnte. Die Hauptursache dafür sind die gesunkenen Exporte in Argentiniens wichtigstes Partnerland: Brasilien. Aufgrund wirtschaftlicher und politischer Probleme sinkt der Export von Kraftwagen nach Brasilien um 58% im Zeitraum von 2013 bis 2016. Fehlende Reserven an US-Dollar führten dazu, dass die Import Argentiniens 2013 ebenfalls stark abgefallen sind und somit der intra-industrieller Handel nicht vollkommen zusammengebrochen ist, sondern nur mit einem geringeren Handelsvolumen stattfindet (siehe Abb. 4.2). Die Graphen in Abb. 4.1 zeigen auch, dass der GLI der Güteruntergruppen HS-8703 und HS-870323 unter den Werten der Gütergruppe HS-87 liegen. Unter Betrachtung der Graphen der Gütergruppe HS-8702 ist zu erkennen, dass die Werte bis 2014 annähernd mit HS-87 übereinstimmen. Nach 2014 leidet die Gütergruppe HS-8703 stark unter den wegfallenden Exporten nach Brasilien und während sich der Importhandel nach 2016 wieder langsam erholt, stagniert der Exporthandel. Gütergruppe HS-870323 zeigt bis 2009 einen ähnlich starken intra-industriellen Handel wie HS-87 und HS-8703, fällt aber nach der Weltwirtschaftskrise 2007/08 stärker zurück. Steigende Importe und sinkende Exporte sorgen dafür, dass der intra-industrielle Handel immer mehr abnimmt. Die bilaterale Handelsbeziehung mit Brasilien führt an dieser Stelle direkt zu 2 großen Problemen: Exporte sinken aufgrund der finanziellen Lage Brasiliens enorm und billige importierte brasilianische Autos bereiten den lokalen Automobilherstellern Schwierigkeiten (Oxford Business Group 2018). Wenn das arithmetische Mittel der drei Gütergruppen gebildet wird, ist zu erkennen, dass HS-87 mit 0,84 über den Werten von HS-8703 mit 0,74 und HS-870323 mit 0,61 liegt.

Argentinien hat bei der Herstellung von Autos einen komparativen Nachteil gegenüber der Welt, im speziellen gegenüber Brasilien. Die Wirtschaft Argentiniens fokussiert sich schon immer - aufgrund des Klimas - auf den Agrarsektor und den damit verbundenen Industrien. Für die Herstellung von kapitalintensiven Gütern muss Argentinien auf mehr Agrarwirtschaft verzichten im Vergleich zu Brasilien oder anderen Handelspartnern. Brasilien hingegen hat sich die positiven Skaleneffekte der Automobil Branche zu nutzen gemacht und sich in der Welt als einer der stärksten Automobilhersteller etabliert (Wikipedia 2020). Argentinien ist stark Brasilien als Handelspartner gebunden und leidet unter dessen wirtschaftlichen Lage ebenso. Um in Zukunft wieder einen stärkeren Export für Automobile zu gewährleisten, muss Argentinien seinen Außenhandel über Brasilien und Südamerika hinaus ausbauen. Durch Investitionen in die Branche kann gewährleistet werden, dass argentinische Automobilhersteller wettbewerbsfähig bleiben und nicht aufgrund fehlender Prozessoptimierungen und steigender Steuerlasten den Anschluss an den Rest der Welt verlieren.Abschließend ist anzumerken, dass Argentinien sich bei der Automobilbranche stark auf den Import von Waren stützt und große Verluste beim Export verzeichnen musste. Bedingt durch wirtschaftliche Krisen in Argentinien und auch bei seinen größten Handelspartnern, ist die Differenz zwischen Import und Export in den letzten Jahren immer mehr gestiegen. Komparative und absolute Preisvorteil sorgen dafür, dass Argentinien sich mehr auf die Produktion von arbeitsintensiven Agrarprodukten und den dazugehörigen Industrien konzentriert und kapitalintensivere Waren präferiert aus dem Ausland importiert. Große Mengen an Schulden und die damit einhergehende Inflation haben dazu geführt, dass Argentiniens Handelsvolumen in den letzten Jahren stetig gesunken ist. Argentinien wird die nächsten Jahre durch weitere bilaterale Handelsabkommen, Steuersenkung und Investition weiter daran arbeiten, seine Wirtschaft unabhängiger und internationaler zu gestalten.

Internationale Tauschbedingungen des Rohstoffhandels

In dieser Aufgabe beschäftigen wir uns einerseits mit der genaueren Erklärung, was die "Terms of Trade“ (Tauschbedingungen) und der International Monetary Fund (IMF), zu Deutsch Internationaler Währungsfonds, der Preisindices für Erdöl, Erdgas und Kohle sind. Andererseits wird im Anschluss der Korrelationskoeffizient nach Pearson, was für ein Zusammenhang zwischen den beiden bereits angesprochenen Begriffen, der weiter unten auch graphisch in zwei verschiedenen Abbildungen für das südamerikanische Untersuchungsland „Argentinien“ dargestellt wird, besteht.

Terms of Trade

Zunächst einmal müssen wir zuerst durch eine Definition klären, was eigentlich Terms of Trade bedeutet. Es sind die Tauschbedingungen, welche zwischen einzelne Länder auf internationaler Ebene bestehen. Auf dieser Basis der Tauschbedingungen stellt die Relation zwischen den Preisen der Export- sowie der Importgüter dar. Die Formel lautet hierfür:

Formel 1: Tauschbedingung (TB)=  (Preis Export)/(Preis Import)

Steigt der Wert des realen Tauschverhältnisses dann bedeutet das, dass die Volkswirtschaft mehr Einheiten des importierten Gutes je Mengeneinheit des exportierten Gutes beziehen kann. Offenkundig ist das eine Verbesserung der Terms of Trade. Wenn der Wert sinken sollte, ist das dann genau umgekehrt und führt zu einer Verschlechterung. Dann können weniger Einheiten an eingeführten Gütern pro Einheit an die Ausfuhrwahre erhalten werden.

Korrelationskoeffizient

Ein Korrelationskoeffizient ist ein statistisches Mittel welches angibt, ob ein linearer Zusammenhang zwischen zwei Ausgewählten Variablen besteht.

Formel 2: Korrelationskoeffizient (r) =  (∑_(i=1)^n▒〖(xi-x ̅ )(yi-y ̅ 〗))/(√(∑_(i=n)^n▒〖(xi-x ̅)^2 〗)* √(∑_(i=n)^n▒〖(yi-y ̅)^2 〗))

Abbildung 5.1: Brennstoffpreisindices und reale Austauschverhältnisse in Argentinien

Der Wertebereich einer Korrelation liegt bei: -1 < 0 < +1. Bei dem Wert von 0, gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Variablen und sind unabhängig voneinander Präsent. Haben also keine Auswirkungen aufeinander, egal in welcher Hinsicht. Eine schwache Korrelation liegt bei +/- 0,5, eine mittelstarke bei +/- 0,5 bis +/- 0,8, eine starke bei +/- 0,8 bis +/- 1 und eine sehr starke (perfekte) Korrelation liegt bei +/- 1.Ein positiver Zusammenhang besteht dann, wenn die Ausprägung einen Wert größer als 0 annimmt. Also von 0 bis +1. Heißt also, wenn ein positiver Zusammenhang festgestellt worden ist, äußert sich im Diagramm ein proportionaler Verlauf zu. Wenn eine Größe steigt, nimmt dementsprechend auch die andere Größe zu. Bei einer negativen Korrelation im Wertebereich von -1 bis 0 ist es offensichtlich umgekehrt. Sollte diesbezüglich eine der beiden Größen weiter ansteigen, fällt währenddessen die andere Größe und äußert sich im Diagramm einen entgegengesetzten Verlauf zu und umgekehrt.

Anhand der Abbildung 5.1: Brennstoffpreisindices und reale Austauschverhältnisse in Argentinien, steigen die Terms of Trade vom Untersuchungsland Argentinien in der Regel seit den Jahren 2001 bis 2019 immer weiter an. Dies bedeutet nun, dass das Land immer mehr und mehr Güter exportiert, anstatt sie von anderen Ländern zu importieren. Das hat mehrere Ursachen. Um ein Beispiel zu nennen wird im Jahr 2002 die argentinische Währung durch den ansteigenden US-Dollar und durch andere Maßnahmen, die sich zu diesem Zeitpunkt langsam festigten, stark verbilligt und somit ein Aufschwung gelingen konnte, weil mehr Länder die billigen Produkte nachgefragt haben. Es hatte auch noch andere Gründe aber auf die wollen wir hier nicht weiter spezifisch eingehen.

Unter der Abbildung 1 werden die Terms of Trade (orange) im Zusammenhang mit den realen Austauschverhältnissen (blau) für Erdöl, Erdgas und Kohle in einem Liniendiagramm dargestellt. Hier wird als Basisjahr das Jahr 2016 der Brennstoffpreisindices mit dem Wert von 100, die Y-Achse mit Prozenten und die X-Achse mit den Jahren festgelegt.Dort ist zu sehen, dass die Terms of Trade im Jahr 2001 im Bereich von 97, also knapp unter 100%, ist und langsam aber sicher auf 146, also knapp unter 150% gestiegen ist. Bei den Austauschverhältnissen gibt es wesentlich größere Sprünge. So lag der Wert im Anfangsjahr der Untersuchung bei 67 und ging teilweise auf 235 hoch. Jedoch gab es in der Finanzkrise 2007-2009 einen großen Fall auf 141, der sich dann wieder schnell erholen konnte. Im Anschluss gab es wieder einen Fall, der sich aber in einem längeren Zeitraum ausgedehnt hat. Im Jahr 2019 liegt der Wert bei 130.Der Zusammenhang zwischen dem Brennstoffpreisindices und dem Terms of Trade liegt bei +0,636. Wie auch hier die aufgeführte Rechnung zeigt:

r =  735561,9122 / 1155897,129 = 0,636355861

Abbildung 5.2: Punktwolke der Korrelation

Der Wert liegt also in einem mittelstarken Bereich von 0,5 bis 0,8 und hat somit einen positiven Einfluss.

In der Abbildung 5.2: Punktwolke der Korrelation, wird nochmal in einer anderen Darstellung der Korrelationskoeffizient der beiden Werte dargestellt. In dieser Abbildung wandern die Werte von unten links nach oben rechts und ist somit nochmal ein Beweis dafür, dass der Zusammenhang positiv ist und besteht. Ebenfalls können wir erkennen, dass wir die Punkte einem Cluster zuordnen könnten und es keine wirklich sehr großen Ausreißer gibt.Nun kommen wir zum Fazit des Untersuchungslands Argentinien. Günstig ist es für ein Land, mehr zu exportieren als zu importieren. Das heißt also, dass man so in einer besseren wirtschaftlichen Situation ist, weil so mehr nachgefragt und dadurch mehr produziert wird und somit mehr Arbeitskräfte benötigt und dementsprechend mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Gleichbedeutend mit einem Wirtschaftsaufschwung und im besten Fall sogar mit einem Boom. Wie wir also in den Abbildungen gesehen haben, bestehen zwischen dem Brennstoffpreisindices und dem Terms of Trade ein positiver Zusammenhang.Zum Schluss muss dazu gesagt werden, dass es natürlich noch nach weiteren Untersuchungen mit weiteren Daten hervorzugehen ist, um so ein noch besseres Bild zu bekommen und noch exakter interpretieren zu können.

Faktorinhalt und ökologischer Fußabdruck

Im folgenden Abschnitt wird untersucht, wie stark die Korrelation seit 2001 zwischen dem Kohlenstoff-Anteil am ökologischen Fußabdruck  und der Außenhandelsumsätze Argentiniens hinsichtlich der Mineralen Brennstoffe Steinkohle (HS2701), Braunkohle (HS2702), Erdöl (HS2709) und Erdgas (HS2711) ist und woran dies liegt.

Mithilfe der ITC Trade Map werden hierzu die Importe und Exporte (in US-Dollar) Argentiniens der jeweiligen vier Mineralen Brennstoffe ermittelt und miteinander addiert. Anschließend werden die Ein- und Ausfuhren mit den Brennstoffpreisindices preisbereinigt, basierend auf den Werten des International Monetary Fund. Die Ermittlung der Daten des Kohlenstoff-Anteils am ökologischen Fußabdruck erfolgt mit dem Global Footprint Network, anhand des bereits erwähnten Untersuchungslandes. Anschließend wird mittels des sogenannten Korrelationskoeffizienten nach Pearson der Zusammenhang zwischen den Außenhandelsumsätzen der einzelnen vier Mineralen Brennstoffe und dem Kohlenstoff-Anteil am ökologischen Fußabdruck berechnet. Daraufhin folgt eine Analyse der untersuchten Einheiten, auf Basis des Außenhandels Argentiniens und der Versuch einer wirtschaftspolitischen Einordnung der einzeln betrachteten Güter. Hierzu dient das sogenannte Heckscher-Ohlin-Modell, dessen Kernaussage darin besteht, dass der Außenhandel abhängig von der Faktorausstattung diverser Länder ist (vgl. Krugmann, Obstfeld und Mielitz 2019, 159). Demnach exportieren Länder primär solche Güter „bei deren Produktion ihre reichlichen Faktoren intensiv genutzt werden“ (ebenda, 167).

Abbildung 6.1: Mit den Preisindices bereinigte Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe und Ökologischer Fußabdruck Argentiniens

Bei allen untersuchten Gütergruppen handelt es sich um kohlenstoffhaltige Energieträger, deren Verwendung zur anteiligen weltweiten Energieversorgung beitragen (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 2018). Aufgrund der Zusammensetzung kommt es bei der Oxidation zum Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, welcher anteilig den ökologischen Fußabdruck beeinflusst (vgl. Schlögl 1994, 166f. und Meinhold 2011, 3ff.).Nachfolgend werden die Ergebnisse der berechneten Korrelation aufgeführt, bei dem jeder Brennstoff einzeln aufgegriffen wird und überprüft, inwiefern ein Zusammenhang zum Kohlenstoff-Anteil besteht.

Die Abbildung illustriert, dass Erdöl und insbesondere Erdgas die höchsten Außenhandelsumsätze Argentiniens in der Gütergruppe 27 aufweisen, während Steinkohle sowie Braunkohle vergleichsweise eine eher untergeordnete Rolle spielen. Dies ist womöglich auf den Faktorreichtum  an Erdgas und Erdöl Argentiniens zurückzuführen (vgl. Husar und Maihold 2005, 139f. und Weiss 2011). Ebenso erwähnenswert ist die Tatsache, dass Erdöl bis zum Jahr 2010 den höchsten Wert am Außenhandel innerhalb der Gütergruppe aufweist. Ab 2010 ist ein rapider Anstieg beim Erdgas zu erkennen, welcher bis 2013 anhält und anschließend einen starken Rückgang verzeichnet. Trotz dieser Entwicklung lässt sich insgesamt erkennen, dass Erdgas das wichtigste Handelsgut innerhalb der Gütergruppe darstellt.

Korrelation von Steinkohle (HS2701) und dem Kohlenstoffanteil am ökologischen Fußabdruck

Der Korrelationswert von Steinkohle und Kohlenstoff beträgt 0,65. Der errechnete Wert deutet auf einen mittelstarken Zusammenhang zwischen den Untersuchungseinheiten hin.  Allerdings ist bekannt, dass bei der Verbrennung von Kohle große Mengen an Kohlenstoff freigesetzt werden und Kohle ohnehin als einer der klimaschädlichsten fossilen Brennstoffe gilt (vgl. Greenpeace o.J.). Der Anteil an Steinkohle am Außenhandel ist zwar überschaubar, jedoch machen die vergleichsweise relativ großen Mengen an produzierten Kohlenstoffdioxid einen beachtlichen Anteil am ökologischen Fußabdruck aus. Ein Anstieg der Außenhandelsumsätze der Steinkohle impliziert also einen mittelstarken Anstieg des Kohlenstoff-Anteils am ökologischen Fußabdruck.

Korrelation von Braunkohle (HS2702) und dem Kohlenstoff-Anteil am ökologischen Fußabdruck

Abbildung 6.2: Ein- und Ausfuhren mineraler Brennstoffe sowie ökologischer Fußabdruck Argentiniens

Unter den fossilen Energieträgern handelt es sich bei der Verbrennung von Braunkohle mitunter um die kohlendioxidintensivste Art der Energieerzeugung (vgl. Förstner 2012, 159). Bei der Betrachtung der Ein- und Ausfuhren wird deutlich, dass die Braunkohle einen sehr geringfügigen Anteil an Ein- und Ausfuhren ausmacht im Vergleich zur gesamten Gütergruppe. Daraus folgt ein schwacher Zusammenhang am Kohlenstoffanteil am ökologischen Fußabdruck, welcher sich im Ergebnis mit einer Korrelation von 0,22 manifestiert.

Korrelation von Erdöl (HS2709) und dem Kohlenstoff-Anteil am ökologischen Fußabdruck

Unter den Brennstoffen gilt Erdöl als einer der Haupteinnahmequellen Argentiniens (vgl. Shever: 2012, 4). Die starke Konzentration Argentiniens auf die Ressource Erdöl lässt sich aus der Abbildung entnehmen, dessen Anteil innerhalb der Gütergruppe bis zum Jahr 2010 auffällig hoch ist. Anschließend wird eine Verschiebung des Außenhandelsinteresses deutlich. Es ist zu erkennen, dass das Erdöl als stärkste Einnahmequelle in den Außenhandelsumsätzen vom Erdgas abgelöst wird. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass zuvor ein positiver Zusammenhang zum Kohlenstoff-Anteil bestanden haben könnte. Denn überraschenderweise ergibt der berechnete Korrelationswert vom Erdöl zum Kohlenstoff-Anteil einen negativen Wert von 0,598 und impliziert somit einen mittelstarken negativen Zusammenhang.

Korrelation von Erdgas (HS2711) und dem Kohlenstoff-Anteil am ökologischen Fußabdruck

Bei dem Erdgas konnte eine starke positive Korrelation in Höhe von 0,92 ermittelt werden. Dies überrascht kaum, da Argentinien über „die zweitgrößten Erdgasreserven Südamerikas“ (Husar und Maihold 2005, 139f.) verfügt. Zudem kann man die Wichtigkeit auch an den Außenhandelsumsätzen der Abbildung entnehmen. Ein Anstieg von importiertem oder exportiertem Erdgas bedeutet gleichzeitig die Zunahme am Kohlenstoffanteil am ökologischen Fußabdruck, gemäß der ermittelten Korrelation.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Argentinien das vorausgegangene Heckscher-Ohlin-Modell in der Aussage bestätigt, dass sich Argentinien primär auf Erdgas und Erdöl konzentriert. Dies kann unter anderem damit begründet werden, dass hier ein vergleichsweise hoher Faktorreichtum zu Grunde liegt, welche im globalen Außenhandel Argentiniens dementsprechend eine wichtige Rolle einnimmt. Diese Annahme spiegelt sich auch in den beschriebenen mittelstarken bis starken Korrelationswerten dieser Arbeit wider. 

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