Internationale Finanzbeziehungen Italien 2020

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Makroökonomische Lage Italiens (Gruppenaufgabe)

Analyse der Basisdaten (Gruppenaufgabe 1)

In diesem Kapitel wird die makroökonomische Lage Italiens anhand der Produktionslücke untersucht.

„Die Produktionslücke ist die Differenz zwischen dem Bruttoinlandsprodukt (als Maßstab für die tatsächliche Produktionsleistung einer Volkswirtschaft) und dem sog. Produktionspotenzial (das was in einer Volkswirtschaft mit gegebener Ausstattung und Technologie produziert werden könnte). Die Produktionslücke wird in Prozent des Produktionspotenzials gemessen und ist ein Konjunkturindikator.“[1]

Diese relative Produktionslücke wird wie folgt berechnet:

Ein positiver Betrag sagt aus, dass der tatsächliche Output einer Wirtschaft höher ist, als der potenzielle Output. Ein negativer Betrag, dass der tatsächliche Output geringer ist als der potenzielle Output. Die Produktionslücke wird im Normalfall in Prozent der potentiellen Wertschöpfung einer Volkswirtschaft angegeben. Eine negative Produktionslücke kann sich auf die Faktoren Arbeitslosigkeit, die Inflationsrate und den Import auswirken. Eine negative Produktionslücke führt dazu, dass die Arbeitslosigkeit steigt, die Inflationsrate sinkt und der Import abnimmt.

a)      Produktionslücke

Entwicklung der Produktionslücke von Italien, Deutschland und USA in den Jahren 1992-2020

Zunächst wird die Entwicklung der Produktionslücke in Prozent untersucht. Der Zeitraum beschränkt sich hierbei auf die Jahre 2000 bis 2020.

Zunächst befand Italien sich von 1992 bis 2000 im Bereich der negativen Produktionslücke, 2001 kurz im positiven Bereich, dann bis 2004 wieder im negativen Bereich, von 2005 bis 2008 wieder im positiven Bereich und seitdem bis heute wieder im negativen Bereich. Ein Minimum liegt in den Jahren 2014 und 2015. Ein Maximum in dem Jahr 2008 zur Zeit der weltweiten Finanzkrise.

Im Vergleich zu den USA und Deutschland befindet sich die Produktionslücke Italiens weites gehend im negativen Bereich. Seit der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2008 ist zu erkennen, dass zu dieser Zeit alle Staaten deutlich weniger produzieren, als sie könnten. Jedoch haben sich Deutschland und die USA seitdem wieder erholt, denn heute produzieren diese beiden Staaten mehr, als die Kapazitäten hergeben. Italien hat sich seitdem nicht erholt, denn die Kapazitäten werden nicht ausreichend genutzt.

Ein Grund dafür, dass Italien seit 2008 dauerhaft tatsächlich weniger produziert, als sie potenziell produzieren könnten, könnte unter anderem daran liegen, dass die Arbeitslosigkeit Italiens sehr hoch ist.

b)      Arbeitslosigkeit

Entwicklung der Arbeitslosenquote von Italien, Deutschland und USA in den Jahren 1992-2020

In der Abbildung 2 sind die Verläufe der Arbeitslosigkeit Italiens, Deutschlands und den USA zu erkennen. Es ist zu erkennen, dass die Arbeitslosigkeit in Italien in Relation zu den beiden anderen Staaten deutlich höher ist. Die Arbeitslosigkeit verläuft von 1992 bis 2000 relativ konstant zwischen neun Prozent und elf Prozent, seitdem sinkt sie bis 2007 auf ca. sechs Prozent. Sie stieg bis 2014 auf ca. 13 Prozent und ist bis heute auf ca. 10,5 Prozent gesunken. Aktuell liegt die Arbeitslosigkeit der USA und Deutschland bei ca. vier Prozent, das deutlich niedriger ist als in Italien. Seit der Weltwirtschaftskrise 2008 stieg insbesondere die Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen. Diese ist allgemein in den südlichen Ländern enorm hoch. In Italien sind ungefähr viermal so viele Jugendliche wie ältere Menschen arbeitslos. Gründe dafür könnten sein, dass das italienische Bildungssystem äußerst mangelhaft in der Qualität ist und die Ausgaben für das Grund- und Sekundarschulwesen im Verhältnis zu der Anzahl der Schüler seit 1995 nicht erhöht wurde. Weiterhin sind die Heranwachsenden nur bedingt mobil.[2] Die durchschnittliche Inflationsrate in diesem Zeitraum lag in Italien bei ca. zehn Prozent, in Deutschland bei sieben Prozent und in den USA bei ca. sechs Prozent.

Somit ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zu Deutschland und den USA am höchsten.

c)      Inflation

Entwicklung der Inflationsrate von Italien, Deutschland und USA in den Jahren 1992-2020

In der Abbildung 3 wird die Entwicklung der Inflationsrate aufgezeigt. Bei einer negativen Produktionslücke, liegt es nahe, dass die Inflationsrate sinkt und umgekehrt. In der Abbildung ist zu erkennen, dass die Inflationsrate dazu tendiert, zu sinken. Die durchschnittliche Inflationsrate, berechnet zu diesem Zeitraum 1992 bis 2020 in Italien liegt bei ca. 2,3 Prozent, in Deutschland bei 1,7 Prozent und in der USA bei 2,3 Prozent. Ein Maximum liegt im Jahr 1995 vor, bei ca. fünf Prozent und ein Minimum 2015 bei null Prozent. Große Schwankungen sind auch bei Deutschland und den USA zu erkennen. 1992 war die Inflationsrate am höchsten, bei ca. fünf Prozent. Aktuell liegt die Inflationsrate in Deutschland bei ca. zwei Prozent. Es ist zu erkennen, dass die Inflationsrate in diesen drei Staaten ungefähr gleich hoch ist. Um die negative Produktionslücke zu erklären, müsste die Inflationsrate gering sein. Jedoch befindet sich die durchschnittliche Inflationsrate im Normalbereich.

d)     Bruttoinlandsprodukt

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukt von Italien, Deutschland und USA in den Jahren 1992-2020

In der letzten Abbildung in diesem Kapitel ist die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts in Prozent angegeben. Hierbei sind ebenfalls große Schwankungen erkennbar. Jedoch verläuft das BIP ähnlich wie in Deutschland. Das BIP in Prozent ist wiederum in den USA deutlich höher.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Italien deutliche Defizite im Gegensatz zu Deutschland und den USA aufweist.

Aktuell produziert Italien deutlich weniger, als sie potenziell könnten. Des Weiteren haben sie eine sehr hohe Arbeitslosigkeit und eine relativ niedrige Inflationsrate.

Ein möglicher Grund für diese negative Produktionslücke könnte sein, dass die Arbeitslosigkeit in Italien zu hoch ist. Italien ist in Europa das Land mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit.[3]

Weiterhin ist ein negativer Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und der Inflationsrate ersichtlich. Dies bestätigt die Theorie der Phillips-Kurve. In den Abbildungen ist 2 und 3 ist erkennbar, dass, wenn die Inflationsrate steigt, die Arbeitslosenquote sinkt und andersrum. Jedoch ist ein sinkender Trend bei der Inflationsrate erkennbar. Ein sinkende Inflationsrate bedeutet, dass die Produktionslücke steigt. In der Abbildung 1 ist zu erkennen, dass die Produktionslücke seit 2014 dazu tendiert, zu steigen.

Zusammenfassung der sechs Schwerpunkte des Article IV Executive Board Consultation Italiens (Gruppenaufgabe 2)

Das folgende Kapitel widmet sich der Zusammenfassung der im Article IV hervorgehobenen fünf Schwerpunkte. Die Inhalte stammen allesamt von der International Monetary Fund aus dem Jahr 2019 und sollen im Folgenden verkürzt dargestellt werden. Auf den sechsten Punkt strukturelle Schwächen wurde aufgrund der verminderten Anzahl an Gruppenmitgliedern verzichtet.

Schwache Wirtschaftsleistung

Nach der Recherche hinsichtlich der italienischen Wirtschaftsproblematik konnte festgestellt werden, dass sich die italienische Wirtschaft leicht von der globalen Staatsschuldenkrise im Finanz- und Euroraum erholt hat. Die Beschäftigung und Erwerbsbeteiligung sind gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken und die notleidenden Kredite der Banken sind zurückgegangen. Dennoch bleiben erhebliche Herausforderungen bestehen. Das Realeinkommen pro Kopf liegt immer noch auf einem ähnlichen Niveau wie vor zwei Jahrzehnten und befindet sich stetig unterhalb des Euro-Währungsgebiets, die Armutsraten sind gestiegen und die Staatsverschuldung weiterhin sehr hoch.

Nach einem Wachstum von 1,6 Prozent im Jahr 2017, dem stärksten seit fast einem Jahrzehnt, verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2018. Dies spiegelte ein langsameres Wachstum des Euroraums, nachteilige Handelsbedingungen und eine höhere innenpolitische Unsicherheit wider, was sich in erhöhten Kreditkosten für Staatsanleihen äußerte. Das Wachstum wird für 2018 auf ein Prozent, 2019 auf 0,6 Prozent und 2020 und darüber hinaus auf unter ein Prozent prognostiziert.

Die neue Regierung, die im Juni 2018 ihr Amt angetreten hat, beabsichtigt, Wachstum und soziale Ergebnisse anzukurbeln. Sie führt unter anderem Maßnahmen zur Erleichterung der Frühverrentung, zur Bekämpfung der Armut, zur Durchführung einer aktiven Arbeitsmarktpolitik und zur Erhöhung der öffentlichen Investitionen durch.

2018 2019
Arbeitslosigkeit 10,7 10,5
GDP Deflator 1,1 1,5
Potential GDP 0,4 0,4

Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaft hat sich in bescheidenem Maße von der globalen und Staatschuldenkrise der Eurozone erholt. Beschäftigungen und Erwerbsbeteiligung haben zugenommen, somit ist auch die Arbeitslosigkeit gesunken. Erhebliche Herausforderungen bleiben dennoch bestehen. Denn nichtsdestotrotz bleiben Italiens Armutsraten und Staatsschulden sehr hoch. Hinzu kommt, dass das Realeinkommen auf einem Niveau der letzten zwei Jahrzehnte bleibt. Denn in diesem Untersuchungsland liegt die Arbeitslosigkeit seit den 90er-Jahren bei durchschnittlich zehn Prozent, was wiederum davon abhängig ist, wie produktiv ein Wirtschaftsgebiet ist. Gründe für die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit Italiens gibt es viele. Einer davon ist, dass das Lohnwachstum das Produktivitätswachstum übersteigt. Dadurch greifen viele Unternehmen auf Zeitarbeit und Teilzeitbeschäftigungen zurück, was von der arbeitenden Bevölkerung eher unfreiwillig angenommen wird. Problemlösungen hierfür wurden schon überdacht. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass durch eine Erleichterung einer Neuanpassung von Löhnen an die Produktivität auf Unternehmens- und regionaler Ebene eine Senkung der Arbeitslosigkeit erreicht werden würde, ebenso wie der Rückgriff auf Zeitarbeit. Ein weiterer Lösungsansatz ist ein regionenspezifischer Mindestlohn, welcher auf die verschiedene Produktivität, Arbeitslosenquoten und Lebenserhaltungskosten eingeht. Ein weiteres Problem der Unternehmen, welches angegangen werden soll, sind die hohen Entlassungskosten. Hierfür wurde der „Dignity-Decree“ (auf Deutsch: „Würde-Erlass“), welcher den Arbeitsschutz erhöht, erlassen. Dieser macht Entlassungen kostenintensiver und begrenzt die Anreize für die Nutzung von Zeitarbeitsverträgen.

Staatsverschuldung

Obwohl sich Italiens Wirtschaft leicht von der Staatsschulden-Krise erholt hat, befindet sich die Staatsverschuldung weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Dies ist unter anderem auf die jahrelangen strukturellen Schwächen Italiens zurückzuführen und bewirkt eine unterdurchschnittliche wirtschaftliche Leistung Italiens.

Die italienischen Staatsschulden belaufen sich auf 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und sind europaweit die zweithöchsten. Um die Quote auf einen soliden Abwärtskurs zu bringen, wurde 2017 ein mittelfristiger Finanzplan veröffentlicht. Das Ziel ist eine schrittweise Erarbeitung eines ausreichenden Primärüberschusses und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch wirtschaftliches Wachstum, um auf mittlere Sicht Schulden abbauen zu können. Dies soll mit qualitativ hochwertigen und wachstumsfördernden Maßnahmen ermöglicht werden.

Die Implementierung und konsequente Umsetzung geeigneter Maßnahmen innerhalb des nächsten Jahrzehnts könnte zur Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 13 Prozent, zur Senkung der Staatsschulden um zwanzig Prozent und damit zu einer erhöhten Widerstandsfähigkeit führen. Geplant ist die Umsetzung in Form von höheren Einnahmen und niedrigeren Ausgaben. Strukturelle Reformen und fiskalische Anpassungen könnten dazu führen, dass die Verschuldung auf 128 Prozent des BIP bis 2021 gesenkt werden kann.

Trotz der Annahme, dass der Konjunkturplan eine kurzfristige Förderung der Produktion bewirken wird, wird davon ausgegangen, dass die Verschuldung mittelfristig auf dem gleichen hohen Niveau bleiben und in den folgenden Jahren weiter ansteigen wird, aufgrund steigender Zinssätze und höherer Rentenausgaben.

Fiskalpolitik

Auch die Fiskalpolitik in Italien ist unzureichend. Italien ist zu 13 Prozent verschuldet und somit das zweit verschuldeteste Land in Europa. In Italien werden die Steuern hauptsächlich auf die Arbeit und nicht auf den Wohlstand verteilt. Die Renten sind großzügig, jedoch mangelt es an anderen Sozialleistungen. Somit konzentriert sich die Fiskalpolitik vordergründlich auf die ältere Generation und unzureichend auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Seit 2013 wurde die Fiskalpolitik deutlich gelockert. Der Haushaltsentwurf von 2019 sieht beträchtliche Erweiterungen für 2019 bis 2021 vor, um die Ausgaben für Renten, andere Sozialleistungen und die Einkommenssteuersätze zu senken. Dadurch sollen verstärkt ausländische Investitionen erhöht werden. Weiterhin ist in Italien ein garantiertes Mindesteinkommen in Planung. Der Budgetplan für 2019 sieht vor, dass vor allem kleinere Unternehmen und selbstständige Unternehmen in Hinsicht der Steuern erleichtert werden sollen. Italien strebt aus diesem Grund ein fiskalisches Frieden-Programm an.

Zudem soll die Steuerbemessungsgrundlage ausgebaut werden, die Mehrwertsteuer soll reduziert werden, sowie eine Reduzierung der politischen Lücken soll erfolgen. Es soll weiterhin eine Steuer für Hauptwohnsitze angesetzt werden. Schlussendlich soll auch die Durchsetzung der Steuerzahlung strenger erfolgen, um Steuerhinterziehungen zu vermeiden.

Bankensystem

Das Bankensystem Italiens hat seine Kapitalbasis und seine Kreditqualität seit Ausbruch der großen Finanzkrise gestärkt. Im September 2018 erreichte die Kernkapitalquote für Eigenkapital 13,1 Prozent, während es Ende 2008 noch sieben Prozent waren. Mögliche Gründe für diese Verbesserung sind geringere Rückstellungen. Weiterhin erscheint die Gesamtliquiditätsposition der Banken derzeit als angemessen und die Einzahlungen als stabil. Die Belastung durch die Netto-NPLs (Non Performing Loans) ist auf weniger als fünf Prozent der gesamten Kredite gesunken. Auch wenn sich die Aktiva der Banken im Jahr 2018 erheblich verbessert haben, stellt eine schwache Rentabilität die Banken noch immer vor eine große Herausforderung. Zusätzlich sind sie anfällig für steigende Spreads und ein verlangsamtes Wachstum. Im Gegensatz zu anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften, zeigt Italien eine starke Korrelation zwischen den Spreads von Staats- und Bankenkreditausfällen.Die Konsolidierung der kleineren Banken soll nicht länger verzögert werden. So sollen über 270 Genossenschaftsbanken zu drei neuen Bankengruppen zusammengefasst werden, von denen zwei Gruppen von dem SSM (= Single Supervisory Mechanism, also der einheitliche Bankenaufsichtsmechanismus) überwacht werden. Um die Bedenken hinsichtlich der Gesundheit und Lebensfähigkeit der kleineren Banken zu beseitigen, ist diese Konsolidierung und eine Überprüfung der Qualität der Vermögenswerte der drei Bankengruppen hilfreich.

Dieser Fortschritt muss fortgesetzt werden, um die Widerstandsfähigkeit der Banken wiederaufzubauen und eine uneingeschränkte Unterstützung der Realwirtschaft zu ermöglichen.

Investition, Ersparnis und Leistungsbilanz

In diesem Kapitel sollen die folgenden Fragestellungen geklärt werden: „Wie stark hängen Investition und Ersparnis für Ihr Untersuchungsland zusammen und warum? Wie stark und mit welcher Wirkung hängt die inländische Investitionsnachfrage des Landes von ausländischer Ersparnis ab? Welche Rolle spielt die Leistungsbilanz dabei?“

Der Gegenstand dieser Aufgabenstellung ist es, herauszufinden, wie stark die Investitionen und die Ersparnisse für Italien zusammenhängen und welche Rolle dabei die Leistungsbilanz spielt. Dazu erfolgt als erstes die Ausarbeitung und Interpretation der Daten von den Ersparnissen, den Investitionen und von der Leistungsbilanz Italiens, mit Hilfe der Seite IMF World Economik Outlook.[4] Weiterhin kommt es zu einer Ausarbeitung der Bestandteile der Leistungsbilanz mit Hilfe der Seite IMF Italy: Balance of Payments Analytic Presentation by Country und zu einer Ausarbeitung des Beitrags der Primäreinkommen zum Bruttonationaleinkommen mit Hilfe der Seite World Bank[5]. Zum Schluss wird ein Ergebnis aus den ausgewerteten Daten erstellt.

Zunächst soll in diesem Kapitel der Begriff der Leistungsbilanz geklärt werden.

Die Leistungsbilanz ist ein Bestandteil der Zahlungsbilanz und setzt sich aus den vier Komponenten der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz, dem Saldo der Primäreinkommen und dem Saldo der Sekundäreinkommen zusammen. [6] Dabei wird sie dargestellt durch die Formel:

Umschrieben bedeutet dies „Leistungsbilanz = Sparen – Investieren“ bedeutet. [7] Ein Leistungsbilanzüberschuss entsteht, wenn die Leistungsbilanz positiv ist, das heißt, es wird mehr importiert als exportiert, demzufolge sind die Ersparnisse höher als die Investitionen. Umgekehrt entsteht ein Leistungsbilanzdefizit, wenn die Leistungsbilanz negativ ist, demzufolge wird mehr exportiert als importiert und die Investitionen sind höher als die Ersparnisse . [8]

Um herauszufinden, wie stark der Zusammenhang der Investitionen und Ersparnisse für Italien ist und welche Rolle dabei die Leistungsbilanz spielt, wurden die jeweiligen Daten im April 2020 mit Hilfe der Seite IMF World Economic Outlook[4] in dem Zeitraum von 1980 bis 2018 in der folgenden Grafik dargestellt.

Leistungsbilanz, Ersparnis und Investition von Italien in den Jahren 1980-2018

In der Abbildung ist zu erkennen, dass Italien in den Jahren von 1980 bis 1992 sowie in den Jahren von 2002 bis 2012 höhere Investitionen (total investment) als Ersparnisse (gross national savings) hat. Demzufolge hat Italien in diesen Zeiträumen eine negative Leistungsbilanz und somit ein Leistungsbilanzdefizit, was man anhand des gelben Graphen erkennen kann. In dem Jahr 1984 zum Beispiel, lagen die Ersparnisse Italiens bei 20,16 Prozent des BIP und die Investitionen bei 23,59 Prozent des BIP, demzufolge war die Leistungsbilanz im negativen Bereich bei -3,43 Prozent des BIP.

In den Jahren von 1993 bis 2001 und von 2013 bis 2018 ist zu erkennen, dass Italien mehr gespart als investiert hat. Die Leistungsbilanz ist demzufolge im positiven Bereich und ein Leistungsbilanzüberschuss ist gegeben, was bedeutet, dass Italien in diesen Zeiträumen eine höhere Produktion als Ausgaben hat. [9] In dem aktuellsten Jahr 2018 liegen die Ersparnisse bei 20,46 Prozent des BIP und die Investitionen bei 17,95 Prozent des BIP, somit liegt die Leistungsbilanz bei 2,51 Prozent des BIP.

Weiterhin stellt sich die Frage, wie die inländische Investitionsnachfrage und die ausländische Ersparnis zusammenhängen.

Ist das italienische Investitionsvolumen, wie in den Jahren von 1980 bis 1992 und von 2002 bis 2012, größer als die italienische Ersparnis, so muss das Investitionsvolumen durch die Ersparnisse aus dem Ausland, also der Kreditaufnahme im Ausland, finanziert werden. Daraufhin steigt der Kapitalimport und die Nettoauslandsinvestitionen gehen zurück. Da sich die Leistungsbilanz in diesen Zeiträumen verschlechtert, wie zum Beispiel in dem Jahr 2000 von 0,06 Prozent auf -3,41 Prozent im Jahr 2010, sinkt das Angebot der italienischen Währung am Devisenmarkt. Somit erfolgen ein Rückgang der Exporte und ein Anstieg der Importe, wie man an der nächsten Abbildung anhand der Handelsbilanz und Dienstleistungsbilanz erkennen kann. [10]

In der nächsten Grafik sind die Bestandteile der Leistungsbilanz von Italien in dem Zeitraum von 1971 bis 2018 dargestellt. Diese Grafik wurde mit Hilfe der Zahlen der Seite IMF Italy: Balance of Payments Analytic Presentation by Country erstellt.

In der Abbildung ist zu erkennen, dass die Handelsbilanz in den Jahren von 1973 bis 1976, 1979 bis 1985 sowie von 1988 bis 1991 und in den Jahren von 2005, 2006 und 2008 sowie von 2010 bis 2011 negativ ist, das heißt, es werden mehr Waren importiert als exportiert. Die Dienstleistungsbilanz ist in den Jahren 1989 und 1992 sowie von 2001 bis 2003 und 2005 bis 2012 sowie 2014 bis 2018 negativ, das heißt, Italien importiert mehr Dienstleistungen als dass es Dienstleistungen exportiert. Weiterhin ist auch zu sehen, dass der aus der Summe der Handels- und Dienstleistungsbilanz resultierende Außenbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt in den gleichen Zeiträumen negativ ist.

Bestandteile der Leistungsbilanz Italien in den Jahren 1971-2018

Weiterhin ist in dieser Grafik der Saldo der Primäreinkommen dargestellt. Das Primäreinkommen wird definiert als grenzüberschreitendes Arbeits- und Vermögenseinkommen, dessen Saldo davon abhängt, ob überwiegend Arbeitskraft bzw. Finanzvermögen importiert oder exportiert wird. [11] In der Abbildung ist zu erkennen, dass der Saldo des Primäreinkommens Italiens in den Jahren von 1971 bis 1973, 1978 bis 1980 und 2005 bis 2007, sowie 2016 bis 2018 im positiven Bereich liegt, das heißt es fließt mehr Primäreinkommen von dem Ausland nach Italien.

Der Beitrag des Primäreinkommens zum Bruttonationaleinkommen wird auch in der nachfolgenden Grafik in dem Zeitraum von 1980 bis 2018 dargestellt. Die Daten wurden hierfür der Seite World Bank[5] entnommen.

In der Abbildung ist zu sehen, dass der Beitrag des Primäreinkommens in den gleichen Zeiträumen, wie in der zweiten Abbildung in diesem Kapitel, im positiven Bereich ist. In den Zeiträumen von 1981 bis 2004 und von 2008 bis 2013 und im Jahr 2015 ist das Saldo der Primäreinkommen negativ, was bedeutet, dass mehr Primäreinkommen von Italien an das Ausland abfließt, als nach Italien reinfließt.

Beitrag Primäreinkommen zum Bruttonationaleinkommen Italiens, USA und China in den Jahren 1980-2018

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Investitionsnachfrage und die Ersparnisse Italiens stark zusammenhängen. So konnte man in der ersten Abbildung in diesem Kapitel erkennen, dass die Ersparnisse und die Investitionen die gleichen Ausschläge aufweisen und zum Teil gegenläufig sind. Das Ergebnis der zweiten Frage ist, dass die inländische Investitionsnachfrage durch die ausländische Ersparnis, also die Kreditaufnahme im Ausland, bezahlt werden muss. Zu der Rolle der Leistungsbilanz lässt sich sagen, dass man anhand des Leistungsbilanzüberschusses oder -defizits erkennen kann, ob Italien mehr investiert oder mehr spart.

Inländische Nachfrage nach in- und ausländischer Güterproduktion, Binnennachfrage und Endnachfrage nach inländischer Güterproduktion

Im folgenden Kapitel soll der Zusammenhang der inländischen Nachfrage, der Binnennachfrage und der Endnachfrage für das Untersuchungsland Italien analysiert und mit den Ergebnissen Deutschlands verglichen werden. Hierfür werden zunächst die relevanten Begriffe abgegrenzt und die Entwicklung der Nachfrage grafisch dargestellt.

Anschließend ergeben sich Schlussfolgerungen hinsichtlich der außenwirtschaftlichen Strategie Italiens, welche erläutert und Unterschiede zur Strategie Deutschlands aufgezeigt werden sollen.

Abschließend für dieses Kapitel ergibt sich die Frage, wie das Gütermarktmodell offener Volkswirtschaften für die Untersuchung eingesetzt werden kann.

Abgrenzung relevanter Begriffe

Die inländische Nachfrage (DD) ergibt sich aus der Summe des Konsums, der Investitionen und Staatsausgaben zuzüglich der Importe und lässt sich formell wie folgt darstellen:

Sie setzt sich aus der Nachfrage nach in- und ausländischen Güterproduktionen zusammen.[12] Die Binnennachfrage (AA) beinhaltet ausschließlich die inländische Nachfrage nach inländischer Güterproduktion.[13] Die Endnachfrage nach inländischen Gütern (ZZ) ist die Summe der in- und ausländischen Nachfrage nach inländischen Produkten. Relevant sind neben der eigenen Nutzung inländischer Produkte die Exporte.[14]

Zusammenhang

DD kann mit Hilfe von AA berechnet werden, die Differenz bilden lediglich die Importe ausländischer Güter:

DD befindet sich deshalb oberhalb von AA.Im Umkehrschluss lässt sich AA auch mit Hilfe von DD vermindert um die Importe ermitteln:

ZZ kann auf Basis von AA mit der Addition des Exports:

oder durch DD mit Subtraktion der Importe und Addition der Exporte:

erfolgen.Importe ausländischer Güter mindern die Nachfrage nach inländischer Güterproduktion.[15] Im Umkehrschluss bringen sinkende Importzahlen eine gesteigerte Nachfrage nach inländischen Gütern hervor.

Die Bestandteile einer Nachfrage-Art können für die Ermittlung einer anderen, unter Berücksichtigung der Im- und Exporte, genutzt werden.

Darstellung der Entwicklung und des Zusammenhangs von AA, DD und ZZ

Vergleich Italien und Deutschland: inländische Nachfrage (DD), Binnennachfrage (AA) und Endnachfrage nach inländischen Güterproduktion (ZZ), 1992-2019

Zusammenhang der betrachteten Größen

Anhand des Diagramms ist zu erkennen, dass die Graphen  annähernd parallel verlaufen, was den unter 2.3 erläuterten Zusammenhang der Größen gut veranschaulicht.

Allgemein ist ein stetiger, aber mäßiger Anstieg der Nachfragen zu verzeichnen. Bis auf das Jahr der Weltwirtschaftskrise, in dem es zu einem leichten Einbruch kam.

Die Lage von AA unterhalb von DD und ZZ zeigt, dass Italien mehr Güter im- und exportiert als eigene Güter nachfragt und nutzt. Auffällig ist, dass DD im Untersuchungszeitraum fast identisch mit ZZ ist. Somit ist anzunehmen, dass die Import- und Exportwerte Italiens annähernd gleich sind.

Vergleich Deutschland - Italien

Im Vergleich von Deutschland und dem Untersuchungsland fällt direkt auf, dass die Werte Deutschlands deutlich über denen Italiens liegen. Somit ist anzunehmen, dass Deutschland eine bessere Wirtschaft vorweisen kann. Der Verlauf des Graphen für AA steigt bei beiden Ländern annähernd gleich. Die Graphen DD und ZZ Deutschlands steigen jedoch deutlich stärker an, was annehmen lässt, dass der internationale Handel mit deutschen Gütern schneller und intensiver zunahm.

Weiterhin fällt auf, dass die Differenz zwischen den deutschen Werten für AA und DD sowie ZZ deutlich höher ist als jene Italiens. Dies lässt darauf schließen, dass Deutschland mehr ausländische Güter als Italien importiert und die Nachfrage seitens des Auslandes nach deutschen Gütern deutlich höher ist als nach italienischen, was dazu führt, dass Deutschland mehr exportiert als Italien.

Schlussfolgerungen für die Wirtschaftsstrategie

Wirtschaftsstrategie Italiens

Allgemein kann durch steigende Exportwerte mehr Umsatz erzielt werden. Dadurch steigen die Einnahmen, wodurch auch die inländische Nachfrage steigt.[13]

ZZ und DD, somit auch die Anzahl der Ex- und Importe Italiens, entwickeln sich lediglich mäßig positiv. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Exporteinnahmen nicht oberhalb der Importausgaben liegen und somit kein erhöhter Umsatz, welcher zu einer gesteigerten Produktion verhelfen könnte, erzielt wurde. Beim Vergleich des Start- und Endwertes der Binnennachfrage ist zu erkennen, dass die italienische Nachfrage nach eigenen Gütern ebenfalls weitestgehend stagnierte.

Italiens wirtschaftliche Strategie ist somit ausbaufähig, insbesondere hinsichtlich der internationalen Handelsbeziehungen, der Wettbewerbsstellung in Form von Erschließung ausländischer Absatzmärkte. Dies würde die Nachfrage nach inländischen Gütern positiv beeinflussen, welche wiederum den Umsatz Italiens steigern und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Leistung mit sich bringen würde. Somit erfolgte bisher ein nur mäßiger Fortschritt und das konsequente Verfolgen einer geeigneten Wirtschaftsstrategie blieb weitestgehend aus. Der wirtschaftliche Erfolg stagnierte somit auf einem eher niedrigen Niveau.

Wirtschaftsstrategie Deutschlands

Der Verlauf des Graphen ZZ veranschaulicht, dass Deutschland seit 2000 durch steigende ausländische Nachfrage zunehmend mehr exportieren konnte. Vergleichsweise wenig stieg die Binnennachfrage, was durch steigende Importe ausländischer Güter begründet werden kann - denn höhere Importe mindern die Nachfrage nach inländischen Gütern.[13] Dass Deutschland anscheinend eher Substitutionsgüter anderer Länder wählt, wird durch seine guten internationalen Handelsbeziehungen begünstigt, weshalb auch der Fokus der inländischen Güterproduktion auf der ausländischen Nachfrage liegt. Die inländische Nachfrage wird wiederum vorzugsweise durch ausländische Güter bedient, weil diese beispielsweise günstiger oder aber auch exklusiver sind.

Im Vergleich zu Italien verfolgt Deutschland also bereits eine effektivere außenwirtschaftliche Strategie, welche durch hohe Exportzahlen belegt werden kann.

Anwendung des Gütermarktmodells offener Volkswirtschaften

Offene Volkswirtschaften stehen im Gegensatz zu geschlossenen Volkswirtschaften mit anderen in Verbindung und profitieren durch ihre Handelsbeziehungen voneinander. Bestandteile des Gütermarktmodells sind Investitionen, Konsum und Staatsausgaben, sowie Im- und Exporte, welche die jeweiligen Nachfragen beeinflussen.[13]

Die inländische Nachfrage und damit die Importe nehmen mit dem Anstieg des inländischen Einkommens zu, da dieses mehr Konsum ermöglicht. Steigende Importe führen jedoch zu einer geringeren Binnennachfrage, da vorzugsweise aus- statt inländische Güter genutzt werden.

Staatsausgaben führen zum Anstieg der Produktion und somit zur Möglichkeit, Güter zu exportieren. Abhängig sind die Exportzahlen vom ausländischen Einkommen, welches wiederum von deren Wirtschaftsleistung beeinflusst wird. Die inländische Wirtschaftsleistung ist abhängig von der ausländischen Nachfrage, welche die inländische Produktion beeinflusst.[13]

Somit beeinflussen sich die Bestandteile des Gütermarktmodells gegenseitig und wirken sich auf die Ausprägungen der Binnen-, inländischen und Endnachfrage aus.

Das globale Finanzsystem

Im Folgenden wird untersucht, inwiefern sich zwischen der Leistungsbilanz und dem Netto-Auslandsvermögenstatus der Volkswirtschaft Italien Zusammenhänge ergeben. Dabei werden an gegebener Stelle Diagramme zur Visualisierung und besserem Verständnis mit in die Analyse einbezogen. Um die volkswirtschaftliche Stellung von Italien noch besser nachvollziehen zu können, erfolgt zum Schluss ein Vergleich mit den USA, um Unterschiede und gegebenenfalls Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Volkswirtschaften darzulegen.

Bevor wir mit dem Vergleich anfangen, eine kurze Einführung in die Begrifflichkeiten dieses Kapitels. Die Leistungsbilanz setzt sich aus den vier Elementen Warenhandel, Dienstleistungen, Primäreinkommen und Sekundäreinkommen zusammen [6]. Sie drückt also den Wert aus, welchen Importe und Exporte von Gütern und Dienstleistungen summiert für ein Land ergeben. Ein Leistungsbilanzüberschuss liegt immer dann vor, wenn das Ergebnis im positiven Bereich liegt. Also immer dann, wenn die Forderungen eines Landes gegenüber dem Ausland höher als dessen Verbindlichkeiten sind. Von einem Leistungsdefizit spricht man demzufolge, wenn die Verbindlichkeiten die Forderungen gegenüber dem Ausland übersteigen.[16] Der Netto-Auslandsvermögensstatus stellt diese Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Rest der Welt dar .[17] Dabei werden das Auslandsvermögen und die Auslandsschulden saldiert. Hieraus wird dann ersichtlich ob es sich bei dem Land um einen Nettogläubiger oder Nettoschuldner handelt. Ein Nettogläubiger ist jedes Land, welches ein positives Saldo aufweist. Ergibt sich also ein negatives Saldo, handelt es sich dementsprechend um einen Nettoschuldner.[18] Zudem erhöht ein Leistungsbilanzüberschuss das Nettoauslandsvermögen der Inländer, somit lässt sich an dieser Stelle bereits ein Zusammenhang erkennen.[16]

Auslandsvermögen und Leistungsbilanz Italien in den Jahren 1980-2018

Das Diagramm in Abbildung 9 veranschaulicht die kumulierte Leistungsbilanz und den Netto-Auslandsvermögensstatus des Untersuchungslandes Italien von 1980 bis 2018. Es wird hier mit der kumulierten Leistungsbilanz gearbeitet, da die Leistungsbilanz im Einzelnen nur die Unterschiede zum Vorjahr ausdrücken. Doch mit Hilfe der Kumulation kann eine langfristige Entwicklung dargestellt werden.

Um eine Beziehung, also die Korrelation, dieser beiden Werte festzustellen, benötigt man den Pearson-Korrelationskoeffizient. Dieser kann einen Wert zwischen eins und minus eins annehmen. Bei einem Wert gegen null lässt sich kein Zusammenhang nachweisen. Eine negative, also gegenläufige Korrelation weist auf einen negativen Zusammenhang hin. Je näher der Wert an eins liegt, desto stärker ist der Zusammenhang. Der Pearson-Korrelationskoeffizient zeigt für diese beiden Graphen einen Wert von 0,688. Dieser tendiert zu eins, was eine starke Korrelation vermuten lässt. Dieser Zusammenhang ist auch in dem Diagramm abzulesen, da die Graphen nah beieinaderliegen. Nur in den Jahren 1996 bis 2016 gehen beide stark auseinander, wobei sie nahezu den gleichen Verlauf haben. Außerdem lässt sich erkennen, dass der Finanzmarkt Italiens Schwankungen ausgesetzt war. So haben wir in den Jahren bis 1992 eine schwach abfallende Leistungsbilanz. Dies konnte Italien in den Folgejahren bis 2000 wieder aufarbeiten. Eine weiterer Abfall der Leistungsbilanz ist zwischen 2001 bis 2012 erkennbar.

Seit den letzten 20 Jahren blieben Italiens Leistungsbilanz und Netto-Auslandsvermögenstatus im negativen Bereich. Dies weißt zunächst darauf hin, dass es sich bei Italien um einen Nettoschuldner handelt. Wirtschaftswissenschaftler sprechen hierbei von der „Italienischen Krankheit“, denn was sich trotz der Schwankungen sagen lässt, ist, dass Italien wirtschaftsschwach auftritt. Ausgedrückt wird dies durch die schwache Entwicklung der Arbeitsproduktivität. Grund hierfür ist ihr weit verbreitetes Klientelsystem. Denn die Entscheidung, wer in einem Unternehmen beschäftigt wird, hängt mehr davon ab, aus welchen familiären Kreisen man kommt oder welche Beziehungen jemand hat, als von den nachweisbaren Qualifikationen. Das kann sich in gewissen Branchen negativ auswirken. Vor allem da, wo bestimmte Qualifikationen erforderlich sind.[19] Italien ist hoch verschuldet und nähert sich immer weiter einer Finanzkrise, heißt es in vielen Artikeln. Tatsächlich wirken sich auf ihre Staatsverschuldung nicht nur die schon erwähnte sinkende Arbeitsproduktivität aus, sondern auch zahlreiche andere Herausforderungen, wie zum Beispiel hohe Arbeitslosigkeit, veraltete Infrastruktur oder die Vergreisung durch den demografischen Wandel. Derzeit belaufen sich Italiens Schulden auf 131,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, das entspricht ungefähr 2,3 Billionen Euro.[20] Forscher kombinieren zusammen mit dem Problem des Klientelsystems auch die zunehmende Digitalisierung. Denn diese prägt und formt in den letzten Jahren die Wirtschaft in den entwickelten Nationen. Versucht man nun einen internationalen Vergleich, lässt sich vor allem erkennen, dass die Nutzung neuerer Technologien dort am besten funktionierte, wo die Unternehmen ihr Personal nach Qualifikationen beschäftigen.[19] Dies ist zum Beispiel der Fall in den Vereinigten Staaten.

Auslandsvermögen und Leistungsbilanz USA in den Jahren 1980-2018

Um dies näher zu verdeutlichen, zeigt Abbildung 10 ebenso die Verläufe der Leistungsbilanz sowie des Nettoauslandsvermögenstatus der USA im Zeitraum von 1980 bis 2018.

Ab 1989 zeigt der Graph der Leistungsbilanz durchgehend negative Werte an, bis hin zum Jahr 2018 mit fast -12 Billionen US-Dollar. Betrachtet man den Graphen des Netto-Auslandsvermögensstatus, erkennt man, dass dieser ebenfalls in den negativen Bereich sinkt und 2018 einen Wert von nahezu 9,5 Billionen US-Dollar beträgt. Ähnlich wie in Italien sind die beiden Graphen in ihrem Verlauf nah beieinander, wobei der Netto-Auslandsvermögenstatus Ausreißer zeigt. Man kann also hier ebenfalls von einer starken Korrelation ausgehen. Kombiniert man diese Auffälligkeiten miteinander, lässt sich erkennen, dass die USA ab Ende der achtziger Jahre mehr Handelswaren und Dienstleistungen importieren als sie exportieren, sie sind also Schuldner gegenüber dem Rest der Welt. Auch die weltweite Finanzkrise 2008, woraufhin starke Einbrüche der meisten Wirtschaftsbereiche zu erkennen waren, ist in Abbildung 10 gut erkennbar, als Anfang der 2000-er Jahre der Netto-Auslandsvermögensstatus stark ausschlägt und einem späteren Ausgleich an die Leistungsbilanz 2010 erreicht.

Zwar wurde bereits erläutert, dass die Vereinigten Staaten mit der Digitalisierung besser umgehen können, jedoch lässt sich erkennen, dass beide Wirtschaftsmächte starke, dauerhafte Defizite der Leistungsbilanz und des Netto-Auslandsvermögenstatus aufweisen. Langfristig ist ein solches Defizit für beide Länder problematisch. Nicht nur die USA hat Probleme bezüglich ihrer Fähigkeit im Wettbewerb zu stehen, sondern auch das Untersuchungsland Italien. Beides könnte mit ihren Währungen und dem damit verbunden Wechselkurs zusammenhängen. Für die USA wäre eine Lösung die Abwertung des US-Dollars. Dazu wird es aber voraussichtlich nicht kommen, denn der US-Dollar ist die Währung, welche weltweit anerkannt wird. Die Gefahr durch eine mögliche Abwertung und die damit verbundenen Folgen seien zu hoch.[21] Ein solcher Schritt würde sich also nicht nur auf das betreffende Land auswirken, sondern auch auf die Leistungsbilanzen anderer Länder auf dieser Welt. Eben solche Probleme mit seiner Währung hat auch Italien seit der Einführung des Euros und wird von Anlegern zunehmend als Problem für die Euro-Zone deklariert.[22] Die Unterschiede zwischen Italien und den Vereinigten Staaten sind nach dieser Analyse also gar nicht so stark. Beide bewegen sich im negativen Bereich und haben ihre eigenen Probleme mit ihrer Wirtschaftsstärke.

Betrachtet man an dieser Stelle noch einmal nur das Untersuchungsland Italien, lässt sich vermuten, dass es wenig Grund für Optimimus gibt. Prognosen der Europäischen Kommission sehen maximal eine Stabilisierung der italienischen Schuldenquote. Jedoch ist auch ein weiteres Ansteigen der Staatsschulden wahrscheinlich, aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und Rezession.

Auslandsvermögen und Vermögenseinkommen

Investitionen sind der Treibstoff für Wachstum, Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wohlstand.

Italien ist ein beliebtes Land für Direktinvestitionen, denn das Land verfügt über eines der größten Märkte der EU. Italien verfügt insbesondere über qualifizierte Arbeitskräfte und gute Infrastrukturen. Zudem ist Italien ein guter Standort, an dem es nicht weit nach Nordafrika und dem Nahen Osten ist. Durch das Haushaltsgesetz von 2019 versucht die Regierung durch mehrere Bestimmungen, Investitionen in Italien zu fördern. Italien zeigt zudem viele Schwächen auf. In dem Land gibt es hohe Verfahrens- und Steuerkosten und langsame Prozesse in der Verwaltung. Zudem wurde eine Agentur „InvestItalia“, die die Förderaktivitäten in Italien organisieren soll und vorerst ausländische Direktinvestitionen anziehen soll.[23]

In diesem Kapitel wird der Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Auslandsvermögensstatus Italiens und dem Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen untersucht. Weiterhin wird die durchschnittliche Netto-Rendite von internationalen Direktinvestitionen Italiens ermittelt. Die Ergebnisse werden anschließend mit den Werten Deutschlands verglichen.

Alle Beträge sind aus der Quelle International Monetary Fund entnommen.

Auslandsvermögensstatus und Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen

Zuerst wird der Auslandsvermögensstatus Italiens untersucht.

Dieser Begriff wird zunächst einmal erläutert. „Der Auslandsvermögensstatus (AVS) zeigt die finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Inländern und Ausländern an einem bestimmten Stichtag, bewertet mit den jeweiligen Marktpreisen und Wechselkursen.“[24]

Dieser beinhaltet die finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten eines Landes gegenüber des Auslandes, außerdem enthält er Daten und Bestände über Direktinvestitionen.

„Der Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen stellt den gewichtigsten Teil der Primäreinkommen dar. Direktinvestitionen sind finanzielle Beziehungen zwischen In- und Ausländern, soweit der Kapitalgeber mehr als 10% der Stimmrechte über die Empfängerfirma hält und damit einen bedeutenden Einfluss auf die Unternehmensführung ausüben kann.“ [25]

Der Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen wird aus der Differenz des Vermögenseinkommens und der Direktinvestitionen berechnet.

Auslandsvermögensstatus und Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestition Italien in den Jahren 2000-2018
Auslandsvermögensstatus und Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestition Deutschland in den Jahren 2000-2018

In der Abbildung 11 sind sie Verläufe des Auslandsvermögensstatus und der Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen für Italien in den Jahren 2000 bis 2018 graphisch veranschaulicht. Diese Werte wurden aus der Übersicht International Investment Position entnommen, das auf Deutsch Auslandsvermögensstatus bedeutet. Es ist zu erkennen, dass die beiden Größen über die Jahre konstant ansteigen. Der Saldo der Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen verläuft nahezu linear. Das Minimum lag im Jahr 2000 bei rund 148.000 Mio US-Dollar. Ein Maximum liegt im Jahre 2018 bei ca. 519.000 Mio US-Dollar.

Ähnlich ist der Verlauf des Auslandsvermögensstatus. Hier liegt ein Minimum im Jahr 2001 bei ca. 1.097.000 Mio US-Dollar. Ein Maximum liegt im Jahr 2017 vor bei ca. 3.208.000 Mio US-Dollar. Anhand der Abbildung ist zu erkennen, dass beide Größen einen positiven Zusammenhang aufzeigen. Einen solchen Zusammenhang ist mit Hilfe der Korrelation zu berechnen. Hierbei beträgt die Korrelation ca. 0,994. Somit liegt ein stark linearer Zusammenhang vor.

Das ist damit zu begründen, dass das Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen eine Komponente des Auslandsvermögensstatus ist. Wenn das Vermögenseinkommen aus Direktinvestitionen steigt, dann steigt auch der Auslandsvermögensstatus. Er besteht aus den, wie bereits erwähnt, Direktinvestitionen. Des Weiteren aus Aktienanlagen, Finanzderivate und aus anderen Investitionen. Der Auslandsvermögensstatus eines Landes gibt den Wert aller Investitionen der Bürger eines Staats im Ausland abzüglich der Investitionen von Ausländern im Inland an.

Der Auslandsvermögensstatus von Deutschland ist deutlich höher, als der Auslandsvermögensstatus Italiens, was die Abbildung 12 untermauert. Somit ist zu sagen, dass Deutschland deutlich mehr ins Ausland investiert als Italien. Jedoch ist der Trend beider Staaten sehr steigend. Ein Maximum liegt bei beiden Staaten im Jahre 2017. Der Auslandsvermögensstatus Italiens liegt in dem besagten Jahr 2017 bei ca. 3.200.000 Mrd US-Dollar. Bei Deutschland hingegen liegt der Wert für 2017 bei ca. 10.000.000 Mrd US-Dollar. Dadurch ist erkennbar, dass gerade Deutschland deutlich mehr in andere Länder investiert als von anderen Ländern in Deutschland investiert wird. Jedoch bietet Deutschland viele Vorteile für Investitionen. Deutschland ist der Motor der Wirtschaft Europas. Zudem hat Deutschland einen großen Binnenmarkt und leichten Zugang zu den anderen europäischen Ländern. Weiterhin bietet Deutschland sehr gut ausgebildete Fachkräfte, einen sehr guten Standort in Europa, eine gute Infrastruktur. Im Gegensatz zu Italien hat Deutschland eine geringere Unternehmenssteuer und Lohnnebenkosten.[26]

Netto-Rendite

Netto-Rendite von Italien und Deutschland in den Jahren 2000-2019

Um die Netto-Rendite von internationalen Direktinvestitionen zu berechnen, dividiert man das Netto-Einkommen aus Direktinvestitionen durch die Netto-Direktinvestitionen. Sprich, man benötigt die Formel der Rendite, Rendite= Gewinn/Kapital. Die Netto- Rendite berücksichtigt Steuern und Inflation mit, weshalb sie somit den realen Kapitalzuwachs darstellt. [24]

In einer nächsten Abbildung 13 findet ein Vergleich zwischen den Netto-Renditen Deutschlands und Italiens in den Jahren 2000 bis 2019 statt.

Hierbei ist erkennbar, dass die durchschnittliche Netto-Rendite von Italien deutlich höher ist, als die Deutschlands. Die durchschnittliche Netto-Rendite Deutschlands liegt bei 9 Prozent und bei Italien bei 19 Prozent.

In den Jahren 2000 bis 2008 sind bei beiden Ländern starke Schwankungen ersichtlich. Seitdem bleiben die Renditen jedoch relativ konstant.

Somit ist der Ertrag aus Investitionen in Italien deutlich höher als der Ertrag aus Investitionen in Deutschland. Dies könnte weiterhin ein Indiz dafür sein, dass der Auslandsvermögensstatus von Deutschland deutlich höher ist, als der von Italien. Dadurch, dass die Netto-Rendite in Italien höher ist als in Deutschland, sind Investitionen in Italien sehr attraktiv.

Zusammenfassung

Zusammenfassend ist somit zu sagen, dass Italien ein sehr beliebtes Land für ausländische Direktinvestitionen ist. Gerade durch den neuen Haushaltsplan aus dem Jahre 2019, in dem Maßnahmen geplant sind, um die Steuern zu senken, lohnt es sich zunehmend für andere Länder, in Italien zu investieren. In Deutschland wird wiederum weniger investiert, als Deutschland in andere Länder investiert. Das ist aus dem höheren Auslandsvermögensstatus zu vermuten. Jedoch ist zu beachten, dass Deutschland eines der wichtigsten Investoren ist.

Entwicklung der Auslandsaktiva und der Auslandspassiva

Im Folgenden wird der Auslandsvermögensstatus und das Vermögenseinkommen am Beispiel von Italien diskutiert. Ziel ist es einen Zusammenhang zwischen dem Vermögenseinkommen und dem Auslandsvermögenstatus abzuleiten. Dabei wird der Zeitraum vor der Finanzkrise ebenso betrachtet, wie die Zeit danach. Am Ende sollen daraus Schlussfolgerungen gezogen werden.

Die Zahlungsbilanz eines Landes erfasst alle Transaktionen zwischen dem Inland und dem Rest der Welt in einem bestimmten Zeitraum (meist einem Jahr). Sie gibt damit Aufschluss über die außenwirtschaftliche Verflechtung des jeweiligen Landes.

Dabei ist zu beachten, dass bei den Transaktionen zwischen In- und Ausländern unter- schieden werden muss. Inländer sind jene Wirtschaftssubjekte, die ihren Sitz im Inland haben. Die Staatsangehörigkeit spielt dabei keine Rolle und auch Tochtergesellschaften eines inländischen Unternehmens im Ausland zählen zur übrigen Welt.[27]

Das Vermögenseinkommen, ist dabei jenes Einkommen, welches aus der zeitweisen Überlassung von finanziellen Vermögensteilen resultiert.

Das Vermögenseinkommen geht dabei mit in den Saldo der Primäreinkommen einer Volkswirtschaft ein.

Der Auslandsvermögensstatus hingegen ergänzt als Zeitpunktbezogene Erhebung die Zahlungsbilanz, welche als Zeitraumbezogene Statistik erfasst wird. Dabei stellt der Auslandsvermögensstatus die zu aktuellen Marktpreisen bewerteten finanziellen Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Inländern und Ausländern da.

Man kann also davon ausgehen, dass das Vermögenseinkommen zum Teil als Ertrag der Auslandsvermögenspositionen zu interpretieren ist. Es sollten daher in der Folgenden Betrachtung gewisse Rückkopplungseffekte zwischen diesen beiden Größen zu erkennen sein.

Folgend sollen die Entwicklungen des Auslandsvermögensstatus mit der des Vermögenseinkommens verglichen werden.

Auslandvermögen und Vermögenseinkommen

Der sogenannte Auslandsvermögensstatus (kurz AVS) ergibt sich aus dem Saldo des Auslandsvermögens und den Auslandsschulden. Wie bereits erwähnt ist die Zahlungsbilanz eine zeitraumbezogene Betrachtung. Der AVS hingegen ist eine zeitpunktbezogene Betrachtung, d.h. er weist den Saldo des Gesamtbestandes aller Forderungen und Verbindlichkeiten eines Landes gegenüber dem Ausland aus. Ist der Saldo positiv so spricht man auch von Netto-Auslandsvermögen, ist er negativ so spricht man von Netto-Auslandsschulden.[17]

Wenn eine Nation mehr Forderungen als Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland besitzt, dann bezeichnet man das Land auch als Netto-Gläubiger. Diese Thematik veranschaulicht die folgende Grafik.

Auslandsvermögen

Auslandsvermögen Italien in den Jahren 2005-2019

Das Auslandsvermögen der Volkswirtschaft Italien ist nach 2004 immer weiter ins Minus gerückt. Dies kommt natürlich durch die vielen Schulden. Nach der Finanzkrise in 2008 Beginn sich die Lage wieder zu steigern. Nach 2011 erlitt Italien ihren letzten Schlag im Jahr 2013 und steigerte sich von da an immer weiter rauf.

Vermögenseinkommen

Vermögenseinkommen Italien in den Jahren 2005-2009

Das Einkommensvermögen von Italien hat mehrere Höhen und kleinere Tiefen in den Jahren von 2005 bis 2019. Doch ist auf eine positive Steigerung heraus. In der Finanzkrise 2008 lag das Einkommensvermögen von Italien bei 315339 US-Dollars und steigerte sich in den Jahren hoch bis sie 2019 den bisherigen Höhepunkt von 1004024 US-Dollars erlangte.

Auslandsvermögen und Vermögenseinkommen

Einnahmen und Ausgaben Italien in den Jahren 2005-2018

Um Aussagen über die Gesamtheit aller Wirtschaftsaktivitäten einer Volkswirtschaft mit dem Ausland zu treffen, ist ein Blick in die Zahlungsbilanz der jeweiligen Volkswirt- schaft zwingend notwendig. Denn diese erfasst alle ökonomischen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Damit gibt sie einen wichtigen Einblick in die internationalen Verflechtungen. (Bundeszentrale für politische Bildung 2016)

Das Vermögenseinkommen wird unterschieden in Zahlungen, welche in das Land einfließen, sozusagen „Einnahmen“ (Assest) der Volkswirtschaft und in Zahlungen, welche das Land verlassen, „Ausgaben“ (Liabilities). „Einnahmen“ werden beispielsweise erzielt durch Zinszahlungen auf Kapitalanlagen, welche das Inland im Ausland besitzt. Oder durch Renditenzahlungen auf Direktinvestitionen und dergleichen. Vice Versa bedeuten diese Zahlungen dann eine „Ausgabe“ der betrachteten Volkswirtschaft an das Ausland.

Bruttoinlandsprodukt

Italiens Bruttoinlandsprodukt steigt das dritte Jahr in Folge und erreicht im Jahr 2018 rund 2,08 Billionen Euro. Nur ein kleiner Grund zur Freude, denn vom Höchststand im Jahr 2008 ist das Land noch weit entfernt und laut Prognosen wird das Land selbst im Jahr 2024 nicht das Vorkrisenniveau erreicht haben. Italien ist die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union und die achtgrößte Wirtschaftsnation der Welt. Noch, denn das schwache Wirtschaftswachstum Italiens ist hausgemacht und nicht erst seit der Finanzkrise unterdurchschnittlich.

Italien das Sorgenkind der EU

Italien verzeichnete 2018 das schwächste Wirtschaftswachstum in der Europäischen Union. Dies ist jedoch kein neuer Zustand für das Land, da es in den vergangenen 20 Jahren nahezu ausnahmslos zu den Ländern mit den geringsten Wachstumsraten in der EU gehörte. Die strukturellen wirtschaftlichen Probleme Italiens sind vielfältig, wie zum Beispiel der hohe Umfang der Schattenwirtschaft. Unter den bestplatzierten 25 Ländern im Global Competitiveness Index taucht das Land überhaupt nicht auf.

Exportpartner Italiens, prozentualer Anteil der Exporte

Die Statistik zeigt die wichtigsten Exportländer Italiens im Jahr 2017. Das wichtigste Exportland Italiens im Jahr 2017 war Deutschland mit einem Anteil von geschätzt rund 12,5 Prozent an den Exporten.

Kranker Mann Europas

Italien bemüht sich seit der Finanzkrise im Jahr 2008, seine Wirtschaft wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

Doch die Ursachen der Wachstumsschwäche reichen Jahrzehnte zurück. Deshalb wird Italien seit rund zehn Jahren als "kranker Mann Europas" wahrgenommen oder wie bereits erwähnt das "Sorgenkind der EU". Italiens krisenanfällige Wirtschaft wird als Risiko für die Finanzstabilität der gesamten Europäischen Union angesehen. Das Weitern deuten wiederholt enttäuschende Konjunkturdaten darauf hin, dass Italiens Wirtschaft tatsächlich auf eine Krise zusteuert.

Die Regierung in Rom gab ihre Wachstumsprognose für 2019 bekannt die von einem Prozent auf 0,2 Prozent gesunken ist. Der Eurostaat hat bestätigt, dass die Staatsverschuldung Italiens, die mehrere Jahre zurückgegangen war, mittlerweile wieder zulegt und 2018 um fast ein Prozent angestiegen ist. Die Aktuelle Schuldenquote beträgt 132,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit ist die Staatsverschuldung Italiens die höchste in der EU, und durch das für 2019 prognostizierte geringe Wachstum wird ein weiterer Anstieg erwartet. Darüber hinaus ist Italien aktuell auch das einzige EU-Mitglied, dessen Wirtschaft in einer Rezession steckt.

Italien hat seit Jahren die niedrigste Wachstumsrate in der gesamten Europäischen Union, und den mit rund 2,3 Billionen Euro höchsten Schuldenstand. Jeder dritte junge Italiener hat keinen Job, jenseits der großen Städte sind sogar bis zu fünfzig Prozent der jungen Italiener arbeitslos. 300.000 junge Italiener wandern zur Zeit pro Jahr aus, so viele wie zuletzt nach dem zweiten Weltkrieg. Viele der jungen Italiener gehen nach Deutschland. Die Jüngsten haben jede Hoffnung auf eine Zukunftsperspektive in ihrem Heimatland aufgegeben. Das Pro-Kopf-Einkommen in Italien stagniert seit zwanzig Jahren.[28]

Fazit

Italien ist ein Mitglied einer Währungsunion und der europäischen Union. Dieser Fakt hat Gründe.

Erstens erfüllt Italien alle wirtschaftlichen Kriterien eines optimalen Währungsraumes, da Italien für ausländische Arbeiter eher offenen ist und die Arbeitsmobilität großen Stellenwert einnimmt. Zweitens gibt es im Euro-Raum gesellschaftliche und politische Einflussfaktoren, die eine Währungsunion zwischen Italien und den umliegenden Ländern einfacher ist. Bezugnehmend zu den in dieser Arbeit gemachten Untersuchungen muss die geringe Arbeitsmobilität hervorgehoben werden. Dieser Fakt wiegt schwer, wenn die Altersstruktur der italienischen Bevölkerung betrachtet wird. 2007 waren rund 21 Prozent der Gesamtbevölkerung über 65 Jahre alt und rund 66 Prozent zwischen 15 und 65. Im Jahr 2017 ist die Bevölkerungsgruppe der über 65-jährigen bereits auf rund 27 Prozent gestiegen und die der 15 bis 65-jährigen auf rund sechzig Prozent gesunken (The World Bank Group, 2018). Wenn man diesen Umstand betrachtet, wird die Förderung der Arbeitsmobilität im Bereich der Immigration in Zukunft besonders wichtig, um die wirtschaftliche Lage Italien zu besseren. Es wäre durchaus möglich, dass Italien von einer Währungsunion und der damit verbundene Vorteile der dann entstehenden Arbeitsmobilität stark profitieren könnte.

Literatur

  1. Welt der BWL – VWL | Produktionslücke (2020). Online verfügbar unter https://welt-der-bwl.de/Produktionsl%C3%BCcke, zuletzt aktualisiert am 22.05.2020, zuletzt geprüft am 22.05.2020
  2. Spiegel (2014): Europas Krise, Jugendarbeitslosigkeit; URL: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/jugendarbeitslosigkeit-forscher-nennen-strukturelle-gruende-a-988244.html; vom 29.04.2020
  3. Focus (2018): Online Money, Staatsverschuldung, Ersparnisse, Arbeitslosenquote; URL: https://www.focus.de/finanzen/news/staatsverschuldung/staatsverschuldung-ersparnisse-arbeitslosenquote-sieben-zahlen-zeigen-wie-schlecht-es-tatsaechlich-um-italien-steht_id_9010803.html; vom 29.04.2020
  4. 4,0 4,1 World Economic Outlook Database, Version 14.05.2020, URL: https://www.imf.org/external/ pubs/ft/weo/2019/02/weodata/index.aspx, zuletzt aktualisiert am 14.05.2020 vom 14.05.2020
  5. 5,0 5,1 Net primary income (Net income from abroad) (current US$) – Italy | Data (2020), URL: https://data.worldbank.org/indicator/NY.GSR.NFCY.CD?locations=IT&view=chart, zuletzt aktualisiert am 22.05.2020, zuletzt geprüft am 22.05.2020
  6. 6,0 6,1 Vgl. Sauer, Thomas: KEY1 Zahlungsbilanz und Auslandsvermögen. Ernst-Abbe-Hochschule Jena 2020, URL: https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/52156/mod_resource/+content/5/KEY1%20Zahlungsbilanz%20und%20Auslandsverm%C3%B6gen%20%2845%+29.pdf vom 14.05.2020, S. 15
  7. Vgl. Sauer, Thomas: KEY1 Zahlungsbilanz und Auslandsvermögen. Ernst-Abbe-Hochschule Jena 2020, URL: https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/52156/mod_resource/+content/5/KEY1%20Zahlungsbilanz%20und%20Auslandsverm%C3%B6gen%20%2845%+29.pdf vom 14.05.2020, S. 42
  8. Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard: Makroökonomie. 7., aktualisierte und erweiterte Auflage. München 2017: Pearson Deutschland, S. 556
  9. Premer, Matthias: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Makroökonomik und Mikroökonomik, München 2011: Oldenbourg Verlag, S. 59
  10. Premer, Matthias: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Makroökonomik und Mikroökonomik, München 2011: Oldenbourg Verlag, S. 81
  11. Sauer, Thomas: KEY1 Zahlungsbilanz und Auslandsvermögen. Ernst-Abbe-Hochschule Jena 2020, URL: https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/52156/mod_resource/+content/5/KEY1%20Zahlungsbilanz%20und%20Auslandsverm%C3%B6gen%20%2845%+29.pdf vom 14.05.2020, S. 20
  12. Sauer, Thomas: Inländische Güternachfrage, Version Oktober 2019, URL: https://+www.wiwiwiki.net/index.php/Inl%C3%A4ndische_G%C3%BCternachfrage vom 25.04.2020
  13. 13,0 13,1 13,2 13,3 13,4 Vgl. Sauer, Thomas: KEY2 Makroökonomie des offenen Gütermarktes, Ernst-Abbe-Hochschule Jena 2020, URL: https://moodle.stud.eah-jena.de/pluginfile.php/+58540/mod_resource/content/1/KEY2%20Makro%C3%B6konomie%20offener%20G%C3%BCterm%C3%A4rkte.pdf vom 02.05.2020
  14. Sauer, Thomas: Gesamtnachfrage, Version Oktober 2019, URL: https://  www.wiwiwiki.net/index.php/Gesamtnachfrage vom 25.04.2020
  15. Blanchard, Oliver; Illing, Gerhard: Makroökonomie, 3. Aktualisierte Auflage, München 2004: Pearson Studium
  16. 16,0 16,1 Blanchard, Oliver; Illing, Gerhard (Hg.): Makroökonomie. 5. aktualisierte und erweiterte Auflage // 5., aktualisierte und erw. Aufl. [der amerikan. Aufl.], [Nachdr.]. München 2019: Pearson Studium; Pearson Deutschland (Wi - Wirtschaft)
  17. 17,0 17,1 Deutsche Bundesbank: Deutsches Auslandsvermögen 2018 deutlich gestiegen, Frankfurt am Main 2019, URL: https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/ themen/deutsches-auslandsvermoegen-2018-deutlich-gestiegen-808822 vom 25.04.2020
  18. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH: Kompakt-Lexikon Wirtschaftstheorie, 1.800 Begriffe nachschlagen, verstehen, anwenden, Wiesbaden 2013: Springer Gabler
  19. 19,0 19,1 Braunberger, Gerald: Die wahre Ursache der italienischen Krankheit, Italiens Klientelsystem wird in der Digitalisierung zum Problem, In: Frankfurter Allgemeine 2017, URL: https://blogs.faz.net/fazit/2017/11/12/9359-9359/ vom 25.04.2020
  20. Umersbach, Bruno: Italien: Staatsverschuldung von 1988 bis 2018 und Prognosen bis 2024, statista, Hamburg 2020, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/ studie/167737/umfrage/staatsverschuldung-von-italien/ vom 25.04.2020
  21. Priewe, Jan: Freihandel versus Protektionismus, Was ist am US-Außenhandelsdefizit eigentlich so schlimm? Bundeszentrale für politische Bildung, 2019, URL: https://www.bpb.de/politik/wirtschaft/freihandel/280881/was-ist-am-us-aussenhandelsdefizit-eigentlich-so-schlimm vom 25.04.2020
  22. Umersbach, Bruno: Italien: Staatsverschuldung von 1988 bis 2018 und Prognosen bis 2024 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. statista. Hamburg 2020, URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167738/umfrage/staatsverschuldung-von-italien-in-relation-zum-bruttoinlandsprodukt-bip/ vom 25.04.2020
  23. Deutsche Bank: Unternehmerportal, Ausländische Direktinvestitionen in Italien, 2020,  URL: http://exportenterprises.dbunternehmerportal.com/de/marktinformationen/ italien/investieren vom 20.04.2020
  24. 24,0 24,1 Wiwiwiki.net: Definition, Auslandsvermögensstatus, 2020, URL: https:// www.wiwiwiki.net/index.php/Auslandsverm%C3%B6gensstatus vom 21.04.2020
  25. Graf, Christina; Grimme, Christian: Forschungsergebnisse, Der Einfluss der Vermögenseinkommen auf den deutschen Leistungsbilanzüberschuss, 2017, URL: https://www.ifo.de/DocDL/sd-2017-22-graf-grimme-vermoegenseinkommen-2017-11-23.pdf vom 20.04.2020
  26. GTAI: 10 Gründe für Deutschland, 2020, URL: https://www.gtai.de/gtai-de/invest/business-location-germany/10-reasons-to-choose-germany vom 29.04.2020
  27. Bösch, Martin: Internationales Finanzmanagement, Stuttgart 2014
  28. Sina, Ralph: Italiens schleichende EU-Entfremdung, Brüssel 2019, URL: https://www.tagesschau.de/ausland/italien-schulden-eu-101.html vom 21.04.2020