Ijarah

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Ijarah ist eine islamkonforme Art der Leasing-Finanzierung, die dem konventionellen Leasing sehr ähnlich ist.

Bei einem Ijarah-Vertrag wird ein Leasinggegenstand von einem Leasinggeber (Mu´dschir) an einen Leasingnehmer (Musta`dschir) für eine vereinbarte Leasingrate (Ujra) zur Nutzung überlassen. Das Eigentumsrecht am Leasinggegenstand bleibt die gesamte Laufzeit über beim Leasinggeber und nach Ablauf geht die geleaste Sache vom Kunden zurück in den Besitz des Eigentümers. [1]

Als Leasinggeber kann sowohl der Produzent des Gutes als auch eine Leasinggesellschaft fungieren.

Besonderheiten beim islamischen Leasing ergeben sich dadurch, dass alle Finanzgeschäfte mit den Grundsätzen islamischen Rechts, der Shari’a im Einklang stehen müssen. Dieses verbietet die Erhebung oder Auszahlung von Zinsen (Riba).

Es trifft zu, dass ausländische Leasingfirmen beim Kauf der entsprechenden Gegenstände Zinsen zahlen und diese zusammen mit ihrem Gewinn aufschlagen und in den Leasingpreis einkalkulieren. Der Leasingnehmer ist aber selbst von dem Zins direkt nicht betroffen. [2] Ijarah-Verträge werden vor allem zum Leasing von Autos genutzt.

Das Ijarah stellt einen Unterschied zum Murabaha-Leasing dar, da die Chancen und Risiken beim Leasinggeber bleiben und außerdem die Raten nicht über die gesamte Laufzeit festgelegt sind.

Unterschiede zum traditionellen Leasing

Ein großer Unterschied besteht darin, dass die Bank das Leasinggut versichern muss, weil sie für einen vom Käufer verschuldeten Totalverlust haftet. Dieser muss das Objekt weder ersetzen noch weitere Raten bezahlen. [3] Sollte ein Schuldner seiner Zahlungsverpflichtung unbegründet nicht nachkommen ist es in islamischen Verträgen üblich, anstelle von Verzugszinsen eine Strafzahlung an eine wohltätige Einrichtung zu leisten. In unverschuldeten Fällen wie Arbeitslosigkeit entfällt die Zahlung. Diese Lösung entspricht dem Ideal der islamischen Wirtschafts- und Sozialethik weil sie verhindert, dass sich Banken durch Verzugszinsen an der Notlage eines Kunden bereichern.[4]

Arten von Ijarah

Ijara wa iqtina

Ijara wa iqtina (auch: Ijara-wal-iqtina) ist vergleichbar mit dem modernen Finanzierungsleasing. Basierend auf einem Ijarah-Vertrag geht das Leasinggut am Ende der Leasingzeit in den Besitz des Leasingnehmers über. Dies geschieht entweder durch Bezahlung eines symbolischen Betrages, des Restbuchwertes oder durch Schenkung. Die bereits bezahlten Leasingraten sind hierbei als Anzahlung zu sehen.

Ijarah muntahiah bi tamlik

Bei Ijarah muntahiah bi tamlik (auch: Ijarah muntahia bi tamleek oder Ijarah muntahia bittamleek) kauft der Leasinggeber, in der Regel eine Bank, einen bestimmten Vermögensgegenstand für den Leasingnehmer und verleast ihn an diesen. Der Leasingnehmer zahlt die Leasingraten vereinbarungsgemäß über die gesamte Vertragslaufzeit ab und kauft am Ende das Leasinggut zum Restbuchwert.

Ijarah thumma al bai’

Ijarah thumma al bai’ bezeichnet eine Leasingtransaktion mit Kaufoption nach Ablauf des Leasingsvertrages, basierend auf zwei Verträgen. Der erste Vertrag (Ijarah) reglementiert das Leasing in einem genau definierten Zeitraum. Wenn diese Frist vorbei ist, tritt der zweite Vertrag (Bai) in Kraft, der den Kaufpreis und die Zahlungsmodalitäten regelt. Der Leasinggeber generiert einen Gewinn durch die vorzeitige Festlegung der Kosten des Gutes, von seinem Restwert am Ende der Frist und durch die Gewinnspanne auf den für das Leasing bezahlten Betrag. [5]

Ijarah mausufah fi al-dhimmah

Bei Ijarah mausufah fi al-dhimmah (auch: Ijarah mawsufah fi al-dhimmah) wird ein Vertrag abgeschlossen, wobei dem Leasingnehmer zugesichert wird, dass er während oder nach der Leasingzeit das Gut bevorzugt kaufen kann.

Verweise

Literatur

  • Ashrati, Mustafa: Islamic Banking - Banking and Finance aktuell. Frankfurt School Verlag, Frankfurt am Main 2008.
  • Ebert, Hans-Georg, Thießen, Friedrich, Thurner, Nicole:Islamic Banking – Wege für deutsche Banken. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, Nr. 6, 2008, S. 31 – 36.
  • Iqbal, Zamir: Islamic Financial Systems. In: Finance & Development. Nr.6, 1997, S.43 (PDF; 0,5 MB)
  • Mahlknecht, Michael: Islamic Finance: Einführung in Theorie und Praxis. Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA Berlin, 2008.

Belege

  1. Vgl. Artikel: Islamkonformes Leasing (Abgerufen am: 24. 11. 2009; 20.11 Uhr)
  2. Vgl. DML Rundbrief für Mitglieder und Freunde der Deutschen Muslim-Liga e.V., Hamburg, Nummer 04/2008.
  3. Gassner, Miachel S., Wieners, Jan Ph.: Islamic Finance auch am Poit of Sale. In: Bank und Markt. Nr. 2, 2009, S.41.
  4. Gassner, Miachel S., Wieners, Jan Ph.: Islamic Finance auch am Poit of Sale. In: Bank und Markt. Nr. 2, 2009, S.42.
  5. Vgl. Artikel: Die Grundlagen des Islamic Banking (Abgerufen am: 24. 11. 2009; 20.22 Uhr.)