Entwicklungsländer

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Definition

Unter dem Begriff Entwicklungsländer verbirgt sich eine Gruppe von Ländern, die man als im Gegensatz zu anderen Ländern rückständige, unterentwickelte oder auch arme bzw. materiell zurückgebliebene Gebiete bezeichnen würde. Jedoch gibt es solche Gebiete teilweise auch in den Industrieländern, daher erkennt man ein Entwicklungsland vielmehr an den Lebensbedingungen der Bevölkerung, die durch psychische und physische Armut gekennzeichnet sind, wobei man unter dieser Armut versteht, das die in diesen Ländern lebenden Menschen nicht in der Lage sind, ihre Existenz zu sichern.


Begriff

Andere Bezeichnung

Der Begriff Dritte Welt entstand in den 50iger Jahren und wurde für Länder benutzt, die im kalten Krieg unabhängig neben den zwei Machtblöcken Ost und West sein wollten. Als jedoch der Ost – West – Konflikt und somit auch die Erste Welt und die Zweite Welt langsam in Vergessenheit gerieten, verlor auch dieser Begriff langsam seine ursprüngliche Bedeutung als sogenannte Blockfreiheit und bürgerte sich im Laufe der Zeit als Synonym für die Entwicklungsländer ein.

Alternative Definition

Vielleicht ist eine einheitliche allgemeine Definition durch die vielen unterschiedlichen Merkmale der wohl größten Ländergruppe gar nicht möglich. Rohstoffarme Länder liegen gleich neben rohstoffreichen Ländern, tote Wüstengebiete liegen neben paradiesischen Inselstaaten u.s.w. Die Bestimmung der Entwicklungsländer richtet sich nach bestimmten Listen, die verschiedene Organisationen nach unterschiedlichen Kriterien aufstellen. Alle der unter Entwicklungsländer bezeichneten Staaten weisen Merkmale auf, die gleich sind, aber einer Begriffsabgrenzung muss eine größere Anzahl von Merkmalen zugrunde gelegt werden, die beobachtbar und meßbar sind. Nimmt man nur ein paar wenige Merkmale heraus, die gleich sind, dann spricht hierbei von Realdefinitionen. Aber diese wohl einfältige Betrachtungsweise kann der Beschreibung der Entwicklungsländer nicht richtig gerecht werden, aber leider erfreut sich diese Vorgehensweise an großer Beliebtheit, weil einzelne Merkmale überschaubar sind und das Gefühl geben, es herrschen geordnete Verhältnisse.

Begriffsentstehung

Dudley Seers, ein auf Entwicklung spezialisierter Ökonom aus Großbritannien, sieht in dem Begriff Entwicklung die drei Grundziele Nahrung, Arbeit und soziale Gleichheit und erst eine positive Veränderung dieser Grundziele kann man als Entwicklung bezeichnen. Daher kann man vielleicht auch teilweise die Bezeichnung Entwicklungsland nicht verstehen, weil durch den Begriff Entwicklung alle Länder so bezeichnet werden können die sich wirklich in diesen Grundzielen positiv verändern. Dabei ist es eine Tatsache, das sich einige dieser als Entwicklungsländer bezeichneten Gebiete, die auch als vierte Welt bezeichnet werden, wirtschaftlich gesehen sich sogar negativ verändern. Das zeichnet sich, um nur ein Beispiel zu nennen, dadurch aus, das sich das Pro – Kopf – Einkommen durch eine hohe Geburtenrate verschlechtert. Ein weitaus treffenderer Begriff wäre vielleicht unterentwickelte Länder oder anhand des genannten Beispiels sogar Rückschrittsländer. Der sogenannte verschämte politische Sprachgebrauch des Begriffs unterentwickelt wurde in den 50iger Jahren abgelegt, um politischen Ärger zu vermeiden, von da an bürgerte sich der Begriff Entwicklungsländer ein, obwohl dies mehr auf einen Soll – Zustand hinweist. Eher ist zu vermuten, das der Begriff auf das Potential der Entwicklung hinweist, was bei einigen dieser Länder kleiner und bei einigen sogar größer ist als in den Industriestaaten.

Typologien der Aufteilungen der Erde

geographische Aufteilungen

Zweiteilung

Die Zweiteilung der Erde in Nord und Süd ist wohl auch die bekannteste Einteilung, man kennt sie auch unter den Begriffen wie Nord–Süd–Konflikt, Nord–Süd–Gefälle, Nord-Süd–Problem oder auch Nord–Süd–Dialog. Nach einem ökonomischen Merkmal wird der Norden hier als reich bezeichnet und der Süden als arm. Jedoch ist dies sehr kritisch zu betrachten, da manche Länder nicht unter diesen Kriterien richtig einzuordnen sind. Australien und Südafrika beispielsweise sind reichere Länder, die aber im Süden liegen, genauso liegen Länder, die arm sind wie Portugal und Spanien, im Norden.

Dreiteilung

In den 60iger Jahren hatte die UNO eine Einteilung vorgenommen, die wie folgt lautet:

1.Welt = Länder mit ausschließlich marktorientierten Volkswirtschaften [1]

2.Welt = Länder mit hauptsächlich zentral geplanten und sozialistischen Volkswirtschaften [2]

3.Welt = Länder mit Volkswirtschaften, die durch Realtausch bestimmt sind [3]

Aufteilung der Weltbank

Die Weltbank unterscheidet nach dem Hauptkriterium Bruttonationaleinkommen je Einwohner folgende Ländergruppen:

1.Länder mit niedrigem Einkommen: In diesem Teil leben etwa 40 % der Erdbevölkerung, wobei dies etwa 2,4 Mrd. Menschen betrifft. Sie haben ein Pro-Kopf-Einkommen von höchstens 755$.

2.Länder mit mittleren Einkommen: Dieser Teil betrifft etwa 45 % aller Länder, wobei hier etwa 2,668 Mrd. Menschen leben, die etwa ein Pro-Kopf-Einkommen von 756$ bis 9265$ erzielen. Jedoch wird hier nochmal unterschieden in obere (573 Mio. Menschen) und untere (2.094 Mrd. Menschen) Kategorie. In der oberen Kategorie liegt das PKE zwischen 2996 und 9265 $ und in der unteren Kategorie liegt es zwischen 756 und 2995$.

3.Länder mit hohem Einkommen: Hier leben etwa 15% der gesamten Erdbevölkerung. Es wird bei diesen Menschen ein Pro-Kopf-Einkommen von 9266$ im Jahr und mehr erfasst.

Die Länder mit niedrigem und mittleren Einkommen werden hierbei als Entwicklungsländer bezeichnet und die Länder mit hohem Einkommen sind mit 15% Bevölkerung die Industrieländer.

Zentrale Merkmale und ihre Ursachen

Einleitung

Genaue Ursachen, warum die Entwicklungsländer an einer solchen Unterentwicklung leiden, lässt sich schwer an einzelnen Faktoren ausmachen. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel von sehr vielen Einflüssen. Zum einen liegt es an den fehlenden Rohstoffen, um mit dem Abbau und Handel der wenigen Rohstoffe in diesen Ländern eine Industrie aufzubauen. Weiterhin sorgt das ungünstige Klima für ständige Missernten, wodurch sich auch die Landwirtschaft nicht richtig entwickeln kann. Ein wichtiger Punkt ist auch der frühere Kolonialismus, was sich dadurch auszeichnet, das die europäischen Industriestaaten ihre Kolonien, die heutigen Entwicklungsländer, ausbeuteten und sich dadurch nicht selbstständig entwickeln konnten. Aber dies ist jedoch bis heute sehr umstritten.

Bevölkerungswachstum und die Folgen

Bevölkerungsboom in Entwicklungsländern

Die Entwicklungsländer haben eine extrem hohe Bevölkerung zu verzeichnen. 80% der zur Zeit 6 Milliarden Menschen auf unserer Erde leben in den Entwicklungsländern. Es gibt Schätzungen von verschiedenen Organisationen, dass in 2–3 Jahrzehnten die Weltbevölkerung auf 7 oder sogar 8 Milliarden Menschen ansteigt und es wird weiter davon ausgegangen, das der größte Anstieg in den Entwicklungsländern stattfindet. Die Unterschiede der in den verschiedenen nach Einkommen klassifizierten Ländern ist wesentlich. Wuchs die Bevölkerung in den Staaten mit niedrigem Einkommen in den Jahren von 1990 – 2000 um 2% und in den Ländern mit mittleren Einkommen um sogar 2,9%, so haben die Staaten mit hohem Einkommen nur ein Wachstum um 0,7% zu verzeichnen. Die städtische Bevölkerung der EL wuchs in den letzten 30 um fast doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. Aufgrund dieser Bevölkerungsexplosion nimmt der Wohnungsmangel in den städtischen Regionen rasch zu. Durch die hohe Nachfrage an Wasser und die zunehmende Verschmutzung des Wassers ist die Trinkwasserversorgung sehr knapp. Gesundheitliche und hygienische Probleme als Folge von fehlender Entsorgung der flüssigen und festen Abfallstoffe sind sehr schwer wiegend.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung in den Entwicklungsländern liegt im Durchschnitt bei Männern etwa 59 Jahre und bei Frauen etwa 61 Jahre, wobei die in den Industrieländern lebenden Menschen eine Lebenserwartung von 75-81 Jahre haben. Im übrigen ist eine hohe Säuglingssterberate zu verzeichnen, die derzeit eine Zahl von 80 Kindern pro 1000 Lebendgeburten aufweist und zusätzlich sterben dann nochmal ca. 180 Kinder vor ihrem 5. Lebensjahr. Die Hauptursachen für diese hohen Zahlen sind die schlechte medizinische Versorgung das niedrige Kalorienangebot.

Alphabetismus

In den Entwicklungsländern können ca. 1 Milliarde Menschen weder lesen noch schreiben. Das ist 1/6 der Erdbevölkerung. Es sind zwar Verbesserungen dahingehend in den letzten Jahren sichtbar geworden, jedoch sind diese kaum erwähnenswert. Es ist wohl auch keine Änderung in Sicht, da die zu verfügbaren Bildungseinrichtungen halten keineswegs mit der Bevölkerungsexplosion mit. 150 Millionen Kinder oder sogar mehr haben keine Chance, eine Schule überhaupt zu besuchen, davon sind ca. 66% Mädchen.

Landwirtschaft

Der größte Teil der Bevölkerung in den EL arbeitet in der Landwirtschaft, aber trotz des sehr hohen Gewichts der Landwirtschaft in diesen Gebieten ist die Anzahl der Arbeitsplätze nicht mal annährend ausreichend. Die Landwirtschaft trägt ihren Teil bis zu 30% am BIP. Die hauptsächlichen Exportgüter, wenn nicht sogar die einzigen, sind landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe.

Stromnetz

Der größte Teil der Menschen in EL sind abhängig von konventionellen Energiequellen wie Holz, tierischen und pflanzlichen Müll, um ihren Energiebedarf zu decken. Strom steht vor allem in den lädlichen Gegenden nicht zur Verfügung. Das deckt etwa eine Zahl von 2 Milliarden Menschen ab. Das Beschaffen von Holz wird immer schwieriger, weil es knapp ist und mit großem Aufwand verbunden ist und dadurch der Preis natürlich immer mehr steigt.

Umwelt

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Umweltzerstörung

Die Ursache für eine Umweltzerstörung in den IL ist der Entwicklungsprozeß, während es in den EL so ist, das die hohe Armut, die stark ansteigende Bevölkerung, fehlende wirtschaftliche und soziale Information und das Defizit an Alternativen die Hauptursachen für die Umweltzerstörung sind.

Arbeitsproduktivität

Arbeitskräfte ohne jegliche Bildung sind in den EL in der Überzahl vorhanden, wobei das mangelnde Know-how von Unternehmen diese Situation durch die stark ansteigenden Bevölkerungsraten nur verschärft. Der schlechte Zustand durch Faktoren wie die mangelnde Ausbildung, der schlechte Gesundheitszustand oder das wenige Kapital, das zur Verfügung steht, hat eine niedrige Produktivität und somit geringes Einkommen und Wohlstand zur Folge, wobei nicht übersehen werden darf, das trotz dieser durchaus schlechten Erkenntnisse auch teilweise kleine Entwicklungsfortschritte sichtbar geworden sind in sozialer sowie wirtschaftlicher Hinsicht.

Aufteilung der Entwicklungsländer durch die UN-Organisationen

Wie schon angedeutet kann man nicht allen Entwicklungsländern den gleichen Entwicklungsstand nachweisen. Es gibt zwar einige gemeinsame Merkmale, aber im Großen und Ganzen unterscheiden sich einige Staaten erheblich voneinander. Diese Länder sind die Grenzen. Es wird dabei unterschieden in den sogenannten Least Developement Countries bzw. LLDC (den am wenigsten entwickelten Ländern) und den Schwellenländern. Dabei liegen vom Entwicklungsstand aus gesehen die Schwellenländer an der obersten Grenze und die LLDC's an der untersten Grenze.

LLDC

In den 70iger Jahren wurden die Least Development Countries (LLDC's bzw. am wenigsten entwickelte Länder) von den Less Development Countries (LDC's bzw. weniger entwickelte Länder) abgesondert, da der Unterschied der Merkmale, was den Entwicklungsstatus angeht, zu groß geworden ist. Die Hauptmerkmale dieser Länder sind beispielsweise extrem niedrige Pro-Kopf-Einkommen im Jahr, die 355$ nicht übersteigen. Weiterhin ist der Anteil der Industrie am Bruttosozialprodukt weniger als 10% und die Anzahl der erwachsenen Menschen, die weder lesen noch schreiben können, liegt bei 20%. Ab und zu taucht für diese Länder auch noch die Bezeichnung Vierte Welt auf, da man den meisten dieser Gebiete keinen Entwicklungsstatus zurechnen kann. Jedoch ist es teilweise trotzdem ein Privileg, in diese Ländergruppe aufgenommen zu werden, weil sie von anderen Ländern sehr günstige Kredite bekommen, die sie auch teilweise gar nicht zurückzahlen müssen.

Schwellenländer

Man bezeichnet diese Ländergruppe treffender Weise auch als Aufsteiger in die Erste Welt, da sie zwar noch zu den Entwicklungsländern zählen, jedoch vom Entwicklungsstand her den Industrieländern nicht mehr all zu fern sind. Sie haben die typischen Strukturmerkmale eines Entwicklungslandes überwunden und setzen zum sogenannten Take-Off an. Sie erzielten in den vergangenen Jahrzehnten überdurchschnittliche Wachstumsraten und erweiterten vor allem die Industrieproduktion. Sie nutzten intelligent die Nischen des Weltmarktes und vervielfachten den Anteil am Weltexport von Fertigwaren. Weiterhin konnten sie durch vom Staat gedrücktes Lohnniveau bei gleicher Produktivität den übrigen EL Marktanteile in verschiedenen Bereichen abnehmen.

Quellennachweise

Literaturverzeichnis

1. Ökonomie der Entwicklungsländer, 3. Auflage, Norbert Wagner, Martin Kaiser

2. Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, 3. Auflage, Hans-Rimbert Hemmer

3. Wirtschaft, Bevölkerung und soziale Sicherung in Entwicklungsländern, Hans-Joachim Jobelius

4. Entwicklungspolitik 2. Auflage, Lachmann Band 1: Grundlagen

5. Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungsbuch, 4. Auflage, Franz Nuscheler

Weblinks

http://www.bpb.de/publikationen/2FD3J3,0,0,Entwicklungsl%E4nder_Gemeinsamkeiten_und_Unterschiede.html

http://lexikon.meyers.de/meyers/Entwicklungsl%C3%A4nder

http://tiss.zdv.uni-tuebingen.de/webroot/sp/barrios/themeA1b-dt.html

Einzelnachweise

  1. Lachmann Band 1: Grundlagen Entwicklungspolitik 2. Auflage, S.15
  2. Lachmann Band 1: Grundlagen Entwicklungspolitik 2. Auflage, S.15
  3. Lachmann Band 1: Grundlagen Entwicklungspolitik 2. Auflage, S.16