Dominante Strategie

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Die dominante Strategie in spieltheoretischen Modellen ist eine Strategie, die unter allen möglichen Strategien den höchsten Nutzen bietet, unabhängig davon, was die anderen Akteure (Spieler, Agenten) tun. Das Konzept der dominanten Strategie erscheint sowohl in der klassischen Entscheidungstheorie als auch in der Spieltheorie und erlaubt es, Verhaltensweisen von Akteuren in einem Spiel zu erkennen.[1] Die dominante Strategie findet in simultanen, wie auch sequenziellen Spielen Anwendung.

Abgrenzung

Die dominierte Strategie stellt im Gegensatz zur dominanten Strategie eine der schlechtesten Strategien dar. Wiederum unabhängig davon, was die anderen Akteure tun, wird die dominierte Strategie von einer stets besseren, der sogenannten dominanten Strategie, dominiert.[2]

Die dominierte Strategie eines Spielers stellt für diesen keinen Nutzen dar und findet auch wiederum keine streng beste Antwort auf keine Strategie des Gegenspielers.[3] Stellt man die dominierte Strategie der dominanten Strategie gegenüber, wird deutlich, dass die dominante Strategie immer durchgehend besser als jede andere Strategie. Hingegen die dominierte Strategie immer durchgehend schlechter ist als alle anderen Strategien.[4] Eine Eliminierung der dominierten Strategie(n) ist demnach vorzunehmen.

Begriffsdefinition

Der Begriff der dominanten Strategie benennt eine Abfolge von Handlungen, die besser ist, als alle anderen Möglichkeiten, unabhängig davon, was die anderen Akteure tun.[5] Wodurch eine Strategie eine andere Strategie dominiert, wenn die dominierende nie schlechter, jedoch manchmal besser als die dominierte Strategie ist.[6] Ein rationaler Akteur sollte keine Strategie wählen, wenn eine alternative Strategie existiert, welche zu einem höheren Nutzen führt gegenüber allen möglichen Strategien. Wenn es eine dominante Strategie gibt, so ist diese anzuwenden. Jedoch haben nicht immer alle Akteure eine dominante Strategie, nicht einmal für einen der Akteure. Die Dominanz ist die Ausnahme und nicht die Regel.[7]

Jedoch ist die sprachliche Definition der dominanten Strategie nur mit Vorsicht zu genießen, da diese einen Versuch darstellt, eine ursprünglich aus der Mathematik stammende Begriffsbildung alltagstauglich auszudrücken.

Methodik der dominanten Strategie

Anwendung

Im Gegensatz zum sequenziellen Spiel ist ein simultanes Spiel durch mangelnde Kommunikation der exogenen Faktoren innerhalb eines Spieles gekennzeichnet. Es kann nur einmal gespielt werden. Hingegen bei einem sequenziellen Spiel die Schritte des Gegners im Normalfall bekannt sind. Dies ist durch Kommunikation gewährleistet, obgleich dennoch eine gewisse Informationsasymmetrie vorliegen kann. Wenn demnach eine dominante Strategie für jede gegebene Entscheidung ihres Gegners vorliegt, so würde bei sequenziellen Zügen stets die dominante Strategie gewählt werden. Jedoch könnte hier genauso der umgedrehte Fall auftreten, wodurch der Gegner erst im zweiten Zug an der Reihe ist. Hier kann der Gegner in aller Ruhe die Entscheidung abwarten und diese an die Situation anpassen. Hier empfiehlt es sich eine andere als die dominante Strategie zu wählen. Man spricht in diesem Fall von Selbstbindung auf spieltheoretischer Basis.[8] Bei sequenziellen Zügen kann unter Anwendung von dominanten Strategien in der Spieltheorie ebenfalls die Anwendung von Kooperationslösungen in Betracht gezogen werden.

streng/strikt dominante Strategie

Eine Strategie eines Spielers ist eine streng dominante Strategie, wenn sie bei allen möglichen Strategiekombinationen seiner Mitspieler für ihn einen größeren Nutzen hat, als alle seine anderen Strategien. Da diese Eigenschaft nur jeweils auf eine Strategie zutreffen kann, gibt es für jeden Spieler höchstens eine streng dominante Strategie. Ein Spieler mit einer streng dominanten Strategie muss nicht kooperieren, um für sich den größten Nutzen zu erzielen.

Die Bedingung für eine streng dominante Strategie lässt sich desweiteren durch eine mathematische Formel beschreiben:

Eine Strategie des Spielers bezeichnet sich als streng dominant, wenn diese für jede denkbare Strategie des Gegners
zu einer höheren Auszahlung führt als jede andere Strategie von , das heißt wenn gilt:
für alle und .
Dabei bedeutet , dass Spieler die rechte Strategiekombination höher bewertet als die linke.

Gibt es in einem Spiel eine Nutzenfunktion und hat ein Spieler eine streng dominante Strategie, dann ist diese Strategie diejenige mit der höchsten Auszahlung für ihn.

Anwendungsbeispiel

Das Szenario in Abbildung 1 stellt die beiden konkurrierenden Sportartikelhersteller Nike und Adidas dar, die je nach Entscheidungsstrategie ihren Umsatz durch möglicherweise mehr Einsatz von Werbung verändern könnten. Das Ziel beider besteht hierbei in der Maximierung des Umsatzes.

Abbildung 1 - streng dominante Strategie Nikes gegenüber Adidas

Für Nike ist es in jedem Fall besser mehr Werbung zu investieren um den Umsatz zu steigern: Investiert Adidas auch in mehr Werbung, so erzielt Nike trotzdem noch einen erhöhten Umsatz von 4000 Euro. Wenn Adidas allerdings unverändert viel Werbung einsetzt so erzielt Nike sogar einen noch höheren Umsatz von 5000 Euro. Nike könnte sich allerdings auch für unverändert viel Werbung entscheiden, würde jedoch demnach einen niedrigeren Umsatz in Kauf nehmen als bei dem Einsatz von mehr Werbung.

Egal, was Adidas tut: Für Nike ist es in jedem Fall besser, mehr Werbung zu investieren. Die Strategie mehr Werbung ist für Nike die streng beste Antwort auf jede denkbare Strategie von Adidas. Dabei wird die Alternative gleich viel Werbung von der Alternative mehr Werbung dominiert. Die Alternative der mehr Werbung ist für Nike demnach eine streng dominante Strategie

schwach dominante Strategie

In der Spieltheorie wird eine Strategie als schwach dominant bezeichnet, wenn diese in jedem Fall mindestens so gut ist wie jede Andere und in zumindest einem Fall aber besser ist. Existiert in einem Spiel eine für einen Spieler schwach dominante Strategie, so kann angenommen werden, dass er die schwach dominante Strategie auswählt. Es können jedoch nie eine schwach dominante und eine streng dominante Strategie gleichzeitig existieren.[9]

Die Bedingung für eine schwach dominante Strategie lässt sich desweiteren durch eine mathematische Formel beschreiben:

Eine Strategie bezeichnet sich als schwach dominant, wenn diese auf jede denkbare Strategie eine schwach beste Antwort und
auf wenigstens eine Strategie des Gegners eine streng beste Antwort ist, das heißt wenn gilt:
für alle und es existiert ein mit .

Allerdings sind schwach dominante Strategien nicht grundsätzlich eindeutig. Es ist durchaus möglich, dass für einen Spieler in einem Spiel mehr als eine schwach dominante Strategie existiert. In diesem Fall spielt die Reihenfolge eine Rolle, in der die möglichen schwach dominierten Strategien eliminiert werden.[10]

Anwendungsbeispiel

Das in der Abbildung 2 dargestellte Scenario beruht auf zwei Angeklagten, die ein Verbrechen tatsächlich begangen haben. Die Haftstrafen können je nach Entscheidungsstrategie unterschiedlich ausgehen. Es handelt sich hierbei um ein simultanes Spiel, in dem die Angeklagten nicht dazu berechtigt sind, von der Entscheidung des jeweils Anderen in Erfahrung gesetzt zu werden. Das Ziel beider besteht hierbei in der Minimierung der Haftstrafe.

Abbildung 2 - schwach dominante Strategie Kunos gegenüber Uwe

Es lässt sich feststellen, dass für Kuno keine dominante Strategie existiert: Würde Uwe nicht gestehen, so wäre es für Kuno am Besten zu gestehen. Wählt Uwe zu gestehen, dann sind für Kuno beide Strategie gleich gut. Kuno ist indifferent zwischen zu gestehen und nicht zu gestehen. Es lässt sich also feststellen, dass für Kuno die Strategie nicht zu gestehen nie schlechter ist als die Strategie zu gestehen, im Falle das Uwe nicht gesteht sogar besser. Nach Identifizierung der schwach dominierten Strategie nicht zu gestehen, kann also angenommen werden, dass Kuno gestehen wird.

Lösungskonzepte in dominanten Strategien

Die dominante Strategie stellt in der Spieltheorie ein Lösungskonzept dar. Verfügt in einem Spiel jeder Spieler über eine streng dominante Strategie, so ist es für jeden Spieler rational diese Strategiekonfiguration als nicht-kooperative Lösung zu spielen. Jedoch garantiert dies nicht, dass die resultierenden Auszahlungen ebenso kollektiv rational sind.[11] Durch die Zusammensetzung der rational gewählten Strategiekombination befindet sich das Spiel in einem Equilibrium dominanter Strategien. Jedes Gleichgewicht dominanter Strategien macht ebenso gleichzeitig ein Nash-Gleichgewicht sichtbar.

Eine weitere Lösung eines Spieles in der Spieltheorie mit dominanten Strategien stellt die Eliminierung der dominierten Strategien dar. Obgleich die dominierte Strategie keinen Nutzen für den jeweiligen Spieler darstellt, so ergibt sich doch hieraus eine Möglichkeit die Komplexität eines Spieles zu reduzieren. Demnach kann die Anzahl der möglichen Spielergebnisse unter Anwendung der Eliminierung der strikt dominierten Strategie(n) die Anzahl der möglichen Spielergebnisse einschränken.[12] Die Wahl der nutzenmaximierenden Strategie wird dadurch erleichtert.

Literatur

  • Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Strategisches Know-how für Gewinner. Schaeffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-7910-1239-8.
  • Avanish K. Dixit, Susan Skeath: Games of Strategy. 2. Auflage. W.W. Norton & Company, New York 2004, ISBN 0-393-92499-8.
  • Joel Watson: Strategy. An Indroduction to Game Theory. 2. Auflage. W.W. Norton & Company, New York 2008, ISBN 978-0-393-92934-8.
  • Prof. Dr. Manfred J. Holler, Prof. Dr. Gerhard Iling: Einführung in die Spieltheorie. 6. Auflage. Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York, Berlin Heidelberg 2006, ISBN 3-540-27880-X.
  • Siegfried K. Berninghaus, Karl-Martin Ehrhart, Werner Güth : Strategische Spiele. Eine Einführung in die Spieltheorie. Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York, Berlin Heidelberg 2002, ISBN 3-540-42803-8.
  • Thomas Riechmann: Spieltheorie. 2. Auflage. Verlag Franz Vahlen, München 2008, ISBN 978-3-8006-3505-4.
  • Thomas Sattler: Einführung in die Spieltheorie. Universität Konstanz, Konstanz 2006, (pdf).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. In: Professor Rieck' s Spieltheorie-Seite Bearbeitungsstand: 10. April 2008 (Abgerufen: 28. Dezember 2008, 10:09 MEZ).
  2. In: Professor Rieck's Spieltheorie-Seite Bearbeitungsstand: 10. April 2008 (Abgerufen: 18. Dezember 2008, 16:22 MEZ).
  3. Vgl. Thomas Riechmann: Spieltheorie, S. 27.
  4. Vgl. Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Strategisches Know-how für Gewinner, S. 67.
  5. Vgl. Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Strategisches Know-how für Gewinner, S. 61.
  6. In: Professor Rieck's Spieltheorie-Seite Bearbeitungsstand: 10. April 2008 (Abgerufen: 03. Januar 2009, 13:51 MEZ) .
  7. Vgl. Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Strategisches Know-how für Gewinner, S. 67.
  8. Vgl. Avinash K. Dixit, Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Strategisches Know-how für Gewinner, S. 67.
  9. Vgl. Thomas Riechmann: Spieltheorie, S. 29.
  10. Vgl. Thomas Riechmann: Spieltheorie, S. 29.
  11. Vgl. Siegfried K. Berninghaus, Karl-Martin Ehrhart, Werner Güth : Strategische Spiele. Eine Einführung in die Spieltheorie, S. 18 folgende.
  12. Vgl. Thomas Sattler: Einführung in die Spieltheorie, S. 19 (pdf) Bearbeitungsstand: 23. November 2006 (Abgerufen: 20. Dezember 2008, 08:12 MEZ).