Allgemeine Gleichgewichtsanalyse

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Allgemeine Gleichgewichtsanalyse bedeutet die Ermittlung von Preisen und Mengen (Gleichgewichtsermittlung zwischen Angebot und Nachfrage) auf allen Märkten unter Berücksichtigung wechselwirkender Einflüsse der Märkte untereinander.
Wechselwirkende Einflüsse beschreiben zum Beispiel die Veränderung des Preises oder der Menge eines Marktes bezogen auf Veränderungen eines anderen Marktes.


Alternative Betrachtung

Alternative Definition: Ein allgemeines Marktgleichgewicht herrscht dann, wenn auf allen Märkten ein Gleichgewicht vorliegt. Die Preise spielen dabei eine wichtige Rolle, da diese als gleichgewichtsbildend gelten. Die Überschussnachfrage sollte auf allen Märkten Null sein, denn wenn auf einem Markt eine Überschussnachfrage vorliegt, dann müsste auf dem anderen Markt ein Überschussangebot herrschen. Dies bedeutet, wenn sich ein Markt im Ungleichgewicht befindet sich auch der andere Markt im Ungleichgewicht befinden muss. Für das Gleichgewicht gilt im Umkehrschluss das Gleiche, denn wenn auf dem einen Markt ein Gleichgewicht herrscht, muss dieses auch auf dem anderen Markt vorliegen.

Walras Gesetz sagt, dass die Summe aller Überschussnachfragen gleich Null sein muss, damit ein allgemeines Gleichgewicht vorliegen kann.

Abgrenzung zur partiellen Gleichgewichtsanalyse

Neben der allgemeinen Gleichgewichtsanalyse gibt es auch die partielle Gleichgewichtsanalyse, welche die Preise und Mengen auf einem Markt widerspiegelt und untersucht. Die Untersuchung der Preisänderungen und Mengenänderungen eines Marktes erfolgen meist unabhängig von anderen Märkten, d.h. zwei verschiedene Märkte, welche verwandte Produkte (Substitute) sein können und somit in entsprechender Abhängigkeit zu einander stehen, werden bei der partiellen Gleichgewichtsanalyse nicht berücksichtigt.

Zum Verdeutlichen dieser Aussage wird hier das Beispiel des Heizölmarktes veranschaulicht. In diesem Beispiel zeigt die erste Grafik die Angebotsgerade und die Nachfragegerade mit dem Gleichgewichtspunkt G bei 0,78 €/l und 2000 l/Haushalt, d.h. die Haushalte fragen bei 0,78 €/l 2000 Liter Heizöl nach und genau so viel wird auch angeboten. Nun wird angenommen, dass das Heizöl mit einer Steuer belegt wird und die Anbieter den Preis des Heizöles pro Liter auf 0,83 € erhöhen müssen. Die Angebotsgerade wandert auf der Nachfragegerade nach rechts oben und verschiebt sich. Durch den höheren Preis des Heizöles/l sinkt die Nachfrage von 2000 auf 1000 l/Haushalt. Das neue Gleichgewicht befindet sich nun im Punkt G* mit 0,83 €/l und 1000 l/Haushalt.

                           Grafiken zur partiellen Gleichgewichtsanalyse auf dem Heizölmarkt
Partielle Gleichgewichtsanalyse.jpg
                                                S= Supply (Angebot)
                                                D= Demand (Nachfrage)
                                                G= Gleichgewicht

Die Betrachtungsweise der partiellen Gleichgewichtsanalyse ist für diesen Fall abgeschlossen.
Zur Beobachtung des Heizölmarktes ist diese Analyse meist ausreichend, aber wie würde sich der Markt verändern wenn man im gleichen Atemzug den Brennholzmarkt beobachtet?

Beispiel zur allgemeinen Gleichgewichtsanalyse

Die Wirkungen auf den Märkten sind in den beiden Grafiken erkennbar. Wie bereits erwähnt, befindet sich vor der Steuererhebung das Gleichgewicht des Heizölmarktes bei 0,78 €/l und 2000 l/Haushalt. Das Gleichgewicht auf dem Brennholzmarkt ist bei 200 €/m³ und 7 m³/Haushalt erkennbar. Nachdem die Steuer auf Heizöl erhoben wurde, stieg der Preis des Öles durch die Anbieter auf 0,83 €/l und die Nachfrage sank auf 1000 l/Haushalt mit einem neuen Gleichgewichtspunkt (dies war im oberen Beispiel das Ergebnis der partiellen Gleichgewichtsanalyse).

Wenn man nun einen Schritt weiter geht und sich im gleichen Atemzug den Brennholzmarkt anschaut, erkennt man, dass die Nachfrage nach Brennholz gestiegen ist. Heizöl und Brennholz sind Substitute, d.h. der Preisanstieg des Heizöles hat den Nachfrageanstieg des Brennholzes zur Folge.

Die Nachfrage nach Brennholz steigt erstmal von 7 m³ auf 10 m³/Haushalt und hat eine Preiserhöhung von 15 €/m³ zur Folge. Durch diese Preissteigerung des Brennholzes steigt die Nachfrage nach Heizöl wieder (Wechselwirkungen!). Das neue Heizölgleichgewicht befindet sich nun bei 0,90 €/l und 1500 l/Haushalt. Durch die Nachfrageerhöhung auf dem Heizölmarkt stieg auch der Preis (auf 0,90 €/l) und dies bedeutet wiederum eine Nachfrageerhöhung auf dem Brennholzmarkt mit weiterer Preiserhöhung auf 225 €/m³. Das neue Gleichgewicht auf dem Brennholzmarkt befindet sich nun bei 12 m³ Brennholz/Haushalt und 225 €/m³ und das des Heizölmarktes bei 0,93 €/l und 1800 l/Haushalt.

Die allgemeine Gleichgewichtsanalyse zeigt also sehr viel besser, wie sich ein Markt verändert, wenn man ihn mit einem anderen Markt in Beziehung setzt. Denn das neue Gleichgewicht des Heizölmarktes ergibt hier ein anderes Ergebnis, als bei der partiellen Gleichgewichtsbetrachtung.

                           Grafiken zur allgemeinen Gleichgewichtsanalyse auf dem Heizöl- und Brennholzmarkt
Beispiel allgemeine Gleichgewichtsanalyse.jpg
                           Abbildung 1 stellt den Heizölmarkt dar und Abbildung 2 den Brennholzmarkt.

Allgemeines Weltmarktgleichgewicht

Wie bereits oben am Beispiel des Heizölmarktes und des Brennholzmarktes erläutert spielen die Wechselwirkungen der beiden Märkte eine große Rolle, da sich beide gegenseitig beeinflussen und eine Abhängigkeit besteht. Die Analyse dieses Beispieles hat sich aber nur auf zwei Märkte im Inland bezogen.
Die internationale Betrachtung und somit das analysieren eines Marktes im Inland in Bezug auf einen Markt im Ausland sieht etwas anders aus.

Das allgemeine Weltmarktgleichgewicht entsteht auch durch die Ermittlung des Preises, durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.
Das hier betrachtete Angebot ist aber ein relatives Angebot und auch die Nachfrage ist relativ, dass heißt der Preis ist ein relativer Preis, da die beiden Güter in Relation zueinander stehen. Dieses Preisverhältnis nennt man Weltmarktpreis.
Das allgemeine Weltmarktgleichgewicht legt die Verteilung der Handelsgewinne der handeltreibenden Länder fest. Man geht hier von einem Freihandel aus, d.h. der Handel zwischen den Ländern erfolgt ohne jegliche gesetzlichen Beschränkungen zum Beispiel ohne Zölle.
Man kann dies wieder an einem Beispiel verdeutlichen;
Der relative Heizölpreis (, Preis Heizöl durch Preis Brennholz) sollte über den Förderungskosten des Heizöles im Inland liegen, denn erst wenn der relative Heizölpreis über den Kosten liegt, kann das Inland Öl fördern. Im selben Moment, wo der relative Heizölpreis unter den Kosten liegt, bearbeitet das Inland nur Brennholz, denn bei der Heizölförderung würde das Inland nichts verdienen.
Wie bereits erwähnt setzt sich der relative Heizölpreis aus zusammen und die Kosten oder der Arbeitsaufwand zur Förderung des Öles liegen bei den Förderungskosten des Heizöles durch die der Bearbeitung des Brennholzes. Und erst wenn der relative Preis gleich den Kosten ist, lohnt sich die Ölförderung für das Inland. Angenommen das Fördern des Öles im Ausland erfordert höheren Arbeitsaufwand und somit höhere Kosten, dann bearbeitet auch das Ausland nur Brennholz, bis der relative Heizölpreis über den Kosten liegt.
Wenn der relative Heizölpreis größer ist als die Kosten des jeweiligen Landes, fördern Inland oder Ausland mehr Öl, als dass sie Brennholz bearbeiten.
Das jeweilige Land spezialisiert sich.

Wie entsteht nun ein Gleichgewicht?
Dazu ist auch die relative Nachfrage zu betrachten.
Je mehr der relative Heizölpreis steigt um so mehr sinkt die Nachfrage nach dem Öl und die Verbraucher fragen mehr Brennholz nach. Das relative Gleichgewicht des Heizöles befindet sich in dem Punkt, wo sich das relative Angebot (relativer Heizölpreis > Ölförderungskosten) im Inland mit der Nachfragekurve schneidet. In diesem Punkt fördert das Inland mehr Heizöl und das Ausland bearbeitet mehr Brennholz, da im relativen Heizölgleichgewichtspunkt die Kosten zur Ölförderung im Ausland noch nicht gedeckt sind.
Das relative Gleichgewicht entsteht also auf dem Weltmarkt ähnlich wie bei der reinen Inlandsbetrachtung.
Die Abhängigkeit beider Güter voneinander und vom Preis sorgt für Wechselwirkungen auf den beiden Märkten.

Quellennachweise

Literatur

- Kreps, David M., Mikroökonomische Theorie, Verlag moderne Industrie
- Krugmann, Paul u. Obstfeld, Maurice, Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, Pearson Studium
- Pindyck, Robert S., Rubinfeld, David L. Mikroökonomie, 6. Auflage, Pearson Studium, München
- von Böventer,Edwin, u.a., Einführung in die Mikroökonomie, 7. Auflage, Oldenbourg Verlag, München