Zentralbankbilanz

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Die Zentralbankbilanz (auch Notenbankbilanz, Zentralnotenbankbilanz oder zentrale Notenbankbilanz) widerspiegelt die speziellen Funktionen einer Zentralbank innerhalb einer Volkswirtschaft. Aus ihr lässt sich die sog. Geldbasis, inkl. ihrer Entstehung (Aktiva) und ihrer Verwendung (Passiva), ermitteln. Insbesondere der Prozess der Zentralbankgeldschöpfung bzw. -vernichtung lässt sich durch sie erklären.[1]


Aufbau einer Zentralbankbilanz

Wie auch bei jeder anderen Bilanz, besteht die Zentralbankbilanz aus der Gegenüberstellung von Aktiva und Passiva, wobei die zwei Salden identisch sein müssen. Die Aktivseite einer Zentralbankbilanz wird auch Entstehungsseite genannt, da sich aus ihren Bilanzpositionen die Entstehungsgleichung der Zentralbankgeldmenge (Z) ableiten lässt. Die Passivseite wird auch Verwendungsseite genannt, da sich aus ihr die Verwendungsgleichung ableiten lässt.[2]

Der Aufbau, insb. die einzelnen Bilanzpositionen, können je nach Währungsraum der Zentralbank (nationale wie bspw. die Bank of England oder multinationale wie bspw. die EZB) unterschiedlich sein. Auch die Geldpolitik der Zentralbank kann dazu führen, des es einzelne Bilanzpositionen der einen Zentralbank in der einer anderen Zentralbank nicht gibt.


Bilanzpositionen einer Zentralbankbilanz

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Bilanz der Deutschen Bundesbank 2007 - Aktiva
  • Aktiva:
    • Währungsreserven G (auch als Nettoauslandsforderungen bezeichnet)
      • Gold und Goldforderungen
      • Forderungen in Fremdwährung an Ansässige außerhalb des Währungsgebietes
        • Forderungen an den IWF
        • Guthaben bei Banken, Wertpapieranlagen, Auslandskredite und sonstige -aktiva
      • Forderungen in Fremdwährung an Ansässige im Währungsgebiet
    • Refinanzierungskredite F (Forderungen in Eigenwährung aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Währungsgebiet)
      • Hauptrefinanzierungsgeschäfte
      • Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
      • Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen
      • Strukturelle Operationen in Form von befristeten Transaktionen
      • Spitzenrefinanzierungsfazilität
    • Kredite an Staat ZKS (Forderung an öffentliche Haushalte)
    • Wertpapiere WZB (Wertpapiere in Eigenwährung von Ansässigen im Währungsgebiet)
    • sonstige Aktiva SoZB

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Bilanz der Deutschen Bundesbank 2007 - Passiva
  • Passiva:
    • Banknotenumlauf BG
    • Zentralbankguthaben ZE
      • Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken ZEB (Verbindlichkeiten gegenüber Geschäftsbanken)
        • Mindestreserven der Geschäftsbanken
        • sonstige Einlagen der Geschäftsbanken
        • Einlagefazilität
        • Termineinlagen
        • Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen
      • Zentralbankguthaben der Nichtbanken ZENB (Verbindlichkeiten gegenüber sonstigen Ansässigen im Währungsgebiet)
        • Staatseinlagen
        • sonstige Einlagen in Eigenwährung
      • Zentralbankguthaben des Auslandes ZEA
    • sonstige Passiva
      • Rückstellungen
      • Ausgleichsposten
    • Reinvermögen
      • Eigenkapital
      • Gewinn- bzw. Verlustvortrag

[3]

Volkswirtschaftliche Bedeutung der wichtigsten Bilanzpositionen

Addiert man die Positionen der Aktiva auf, so erhält man die sog. Entstehungsgleichung des Zentralbankgeldes bzw. -geldmenge Z. Aus ihr lassen sich die verschiedenen Entstehungskomponenten erkennen:


Z = GAußenwirtschaftliche Komponente + F Refinanzierungskomponente + ZKS Fiskalische Komponente + WZB Offenmarktkomponente + SoZB


Der Saldo der Passivseite bildet die sog. Verwendungsgleichung. In ihr schlagen sich die Gegenbuchungen nieder, welche entstehen, wenn die Zentralbank Aktiva kauft (i. S. v. generieren) bzw. verkauft. Diese bezahlt sie auf der Passivseite in Form von Bargeld oder Verbindlichkeiten.


Z = BG + ZE

[4]

Währungsreserven

Unter dieser Bilanzposition sind im Wesentlichen die Gold- und die Währungsreserven einer Zentralbank zusammengefasst. Die Goldreserven dienten in der Vergangenheit vor allem zur Wertabdeckung der ausgegebenen Banknoten. Heute kann man die Goldbestände als Reserve für Krisenzeiten sehen. Aber auch das Vertrauen in die Wertbeständigkeit einer Währung hängt entscheidend von der Menge der Gold- und Devisenreserven einer Zentralbank ab. Es besteht jedoch die Gefahr, dass bei einem gleichzeitigen Goldverkauf mehrerer Zentralbanken, der Goldpreis rapide absinken würde und so der bilanzierte Wert der Goldreserven nicht dem tatsächlichen entspräche. Durch diese Bilanzverkürzung der Aktivseite müsste sich gleichzeitig auch eine Verkürzung auf der Passivseite vollziehen. Um einen Verfall des Goldpreises entgegen zu wirken, haben 1999 einige Zentralbanken (darunter auch die EZB) das sog. Central Bank Gold Agreement (CBGA) geschlossen, in welchem die Volumina der Goldverkäufe bis zum Jahr 2009 geregelt sind.[5] Am 31.03.2008 stand dem gesamten Banknotenumlauf des Europäischen Währungssystems von 665,749 Mrd. € ein Goldbestand von 201,137 Mrd. € gegenüber.[6]

Wenn eine Zentralbank Devisen hält, übernimmt sie die Funktion einer Devisenbank einer Volkswirtschaft. Diesen Währungsreserven kommt im Zusammenhang mit Wechselkursen eine entscheidende Bedeutung zu. In einem System mit festen Wechselkursen (bspw. € gegenüber litauischen Litas, lättischen Lats und dänischen Kronen) muss eine Zentralbank der Marknachfrage entgegen wirken, indem sie interveniert und Fremdwährung an- bzw. verkauft. Dies führt jedoch automatisch zu einer nichtgewollten Verlängerung bzw. Verkürzung der Bilanz und somit zu einer Veränderung der Geldbasis.


  • Buchungssatz Devisenankauf: Währungsreserven G↑ (Betrag X) an Banknotenumlauf BG↑ (Betrag X)
  • Buchungssatz Devisenverkauf: Banknotenumlauf BG↓ (Betrag X) an Währungsreserven G↓ (Betrag X)


In Systemen mit flexiblen Währungssystemen (bspw. € - US-$) besteht ein solcher Zwang nicht. Jedoch benötigt die Zentralbank trotzdem Währungsreserven, um eventuell gewollte Interventionen auf dem Devisenmark überhaupt durchführen zu können. Gerade Länder mit einer relativen schwachen Eigenwährung benötigen Währungsreserven zur Absicherung ihrer Währung. So kann es durchaus vorkommen, das bei der Beurteilung der Zahlungsfähigkeit einer Zentralbank bzw. einer Volkswirtschaft, lediglich die Summe ihrer Währungsreserven (inkl. Goldreserven) als Basis dient.[7]


Refinanzierungskredite

Die sog. Refinanzierungskredite sind Teil der geldpolitischen Instrumentarien einer Zentralbank. Dabei sind diese sog. Offenmarktgeschäfte die klassische Form Zentralbankgeldschöpfung. Dabei kauft (restriktive Politik) oder verkauft (expansive Politik) die Zentralbank Wertpapiere von bzw. an die Geschäftsbanken (es sind auch Nichtbanken als Partner denkbar, sie spielen in der Praxis jedoch eine untergeordnete Rolle). Dabei erhöht bzw. reduziert die Zentralbank die Zentralbankgeldmenge

Würde die Zentralbank ausschließlich mit Nichtbanken Wertpapiergeschäfte betreiben, so könnte sie die Geldmenge direkt steuern. Sind jedoch Geschäftsbanken an diesen Geschäften beteiligt, so kann die Geldmenge nicht mehr direkt gesteuert werden, da die Geschäftsbanken ihrerseits über die sog. Giralgeldschöpfung die Geldmenge beeinflussen.[8]

Eigentlich müssten diese Wertpapiere der Bilanzposition Wertpapiere zugerechnet werden. So kauft z.B. die Federal Reserve in den U.S.A. Wertpapiere von den Geschäftsbanken auf.[9] Da jedoch einige Zentralbank diese Geschäfte in Form von Pensionsgeschäften (d. h. sie vereinbart bereits beim Kauf der Wertpapiere einen Rückkaufspreis und -termin) betreiben (bspw. EZB), sind sie in einer der folgenden 5 Ausprägungen unter der Position Refinanzierungskredite ausgewiesen, da sie durch die zeitliche Befristung quasi Kreditcharakter besitzen.[10]


  • Hauptrefinanzierungsgeschäfte


Wie der Name bereits zum Ausdruck bringt, stellen die Hauptrefinanzierungsgeschäfte die wichtigste Gruppe dar. Dabei legt die Zentralbank den Betrag fest, für den sie Wertpapiere kaufen will. Beim sog. Mengentender-Verfahren bieten daraufhin die Geschäftsbanken Wertpapiere in dem Umfang an, in dem sie Bedarf an Zentralbankgeld haben. Der Zinssatz ist dabei von der Zentralbank festgelegt. Beim sog. Zinstender-Verfahren wird von der Zentralbank ein Mindestbietungszinssatz (gilt auch als erster Leitzins der Zentralbank) festgelegt. Die Geschäftsbanken können nun ihrerseits verschiedene Gebote abgeben (Wie viel Zentralbankgeld zu welchem Zinssatz - bspw. 1 Mio. € zu x-%, 2 Mio. € zu y-%, etc.). Anschließend verteilt die Zentralbank die von ihr festgelegte Summe an die Geschäftsbanken.[11]


Diese Geschäfte laufen regelmäßig in bestimmten Intervallen mit einer vorgegebenen Laufzeit ab. So ist der Intervall der EZB bspw. in einem Tenderkalender mit 1 Woche festgelegt. Die Laufzeit für Hauptrefinanzierungsgeschäfte beträgt ebenfalls 1 Woche. Immer Montags nimmt sie die Gebote der Geschäftsbanken entgegen. Dienstags erhalten dann die Geschäftsbanken ihre Zuteilung von der Zentralbank.[12]


  • Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte


Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte sind wie auch die Hauptrefinanzierungsgeschäfte Pensionsgeschäfte, jedoch unterscheiden sie sich hinsichtlich Laufzeit und Durchführungsintervall. Grundziel ist die dauerhafte Bereitstellung von Zentralbankgeld. Dieses Instrument soll in erster den kleineren mindestreservepflichtigen Geschäftsbanken die benötigte Liquidität zur Verfügung stellen.[13]

Innerhalb der ESZB wird jeweils am letzten Mittwoch im Monat die Zuteilung an die Geschäftsbanken durchgeführt. Die Laufzeit dieser Pensionsgeschäfte beträgt dabei 3 Monate. Sie bildeten zum 04.04.2008 zusammen mit den Hauptrefinanzierungsgeschäften einen Bilanzposten von 444,530 Mrd. € und somit rund 67% des Gesamtnotenumlaufes von 662,561 Mrd. €.[14] Damit stellen sie das wichtigste Instrument der Zentralbankgeldschöpfung in der ESZB dar.

Aus Gründen der Vereinfachung wickeln einzelne Zentralbanken (bspw. die Deutsche Bundesbank) ihre Refinanzierungsgeschäfte nicht nach dem Verfahren der Pensionsgeschäfte ab, sondern nach dem sog. Pfandpoolverfahren ab. Dabei werden den Zentralbanken lediglich Pfandrechte über refinanzierungsfähige Sicherheiten übertragen. Die Zentralbank fasst dann alle Sicherheiten einer Geschäftsbank zusammen. Dies hat den Vorteil, das nicht jedem Refinanzierungsgeschäft eine konkrete Sicherheit zugeordnet werden muss, sondern der Pfandpool je nach Höhe der Geschäfte einfach vergrößert bzw. verkleinert. wird. [15]


  • Feinsteuerungsoperationen in Form von befristeten Transaktionen


Zur kurzfristigen Reaktion auf die Liquiditätssituation der Geschäftsbanken steht der Zentralbank das Instrument der Feinsteuerungsoperationen zur Verfügung. Es ist beidseitig konzipiert, d. h. es kann dem Markt sowohl Zentralbankgeld zuführen wie auch entziehen. Dies ist notwendig, um auf die erfahrungsgemäß häufigen Schwankungen des Liquiditätsbedarfes zu reagieren. Als Instrumente stehen dabei kurzfristige/befristete Transaktionen (Schnelltender), sog. Devisenswaps und Termineinlagen. Wie aus ihrem Namen bereits zu erkennen ist, sind diese Geschäfte nicht standardisiert, d. h. Termine und Laufzeiten werden je nach Bedarf individuell von den Zentralbanken geregelt. Somit befindet sich diese Bilanzposition u. U. bei 0.[16]


  • Strukturelle Operationen in Form von befristeten Transaktionen


Um auf strukturelle, d. h. längerwirksame, Änderungen reagieren zu können, haben die Zentralbanken das Mittel der strukturellen Operationen. Dabei soll eine dauerhafte Änderung des Liquiditätsbedarfes umgesetzt werden. Als Mittel stehen dabei verschiedene Geschäfte mit regelmäßigen und unregelmäßigen Laufzeiten zur Verfügung. Zur Liquiditätsabschöpfung sieht die EZB die sig. EZB-Schuldverschreiungen im Rahmen eines Tenderverfahrens vor. Bislang wurde jedoch innerhalb der ESZB noch kein Gebrauch von diesem Instrument gemacht.[17]


  • Spitzenrefinanzierungsfazilität (Aktiva) / Einlagefazilitäten (Passiva)


Um den Banken sehr kurzfristig Liquidität zur Verfügung stellen zu können, gibt es das Instrument der Fazilitäten. Dabei spricht man auch von ständigen Fazilitäten, da die Geschäftsbanken jederzeit dieses Mittel nutzen können. Im Gegensatz zu den o. g. Instrumenten geht hierbei jedoch die Initiative von den Kreditinstituten aus.

Die Spitzenrefinanzierungsfazilitäten sind liquiditätszuführende Maßnahmen, d. h. sie decken einen kurzfristigen Zentralbankgeldbedarf. Innerhalb der ESZB können die Geschäftsbanken bis spätestens 18.30 Uhr einen Antrag stellen. Die Laufzeit beträgt dabei lediglich einen Geschäftstag. Wie ach bei den o. g. Instrumenten sind auch hierbei refinanzierungsfähige Sicherheiten von den Geschäftsbanken zu leisten. Der von den Geschäftsbanken zu zahlende Zinssatz nennt man Spitzenrefinanzierungssatz. Dieser stellt den Höchstzinssatz für Tagesgeld dar, da die Geschäftsbank jederzeit in beliebiger Höhe für ihn bei der Zentralbank Liquidität bekommen würde. In der Praxis wird sie versuchen am Finanzmarkt andere Angebote mit niedrigeren Zinssätzen zu bekommen.

Um Liquidität abzuschöpfen steht der Zentralbank die Einlagefazilität zur Verfügung. Dabei können die Geschäftsbanken wie im o. g. Verfahren Zentralbankgeld zinsbringend auf ihr Zentralbankkonto einzuzahlen. Den Zinssatz den sie dafür erhalten nennt man Einlagesatz. Er stellt gleichzeitig die Untergrenze der Zinsbildung am Geldmarkt dar. Diese Möglichkeit werden die Geschäftsbanken jedoch nur in Anspruch nehmen, wenn sie im Laufe des Geschäftstages keinen Marktteilnehmer gefunden haben, der bereit ist einen höheren Zinssatz als den Einlagesatz zu bezahlen.

Die verrechneten Zinssätze nennt man Zinskanal. Innerhalb von ihm befindet sich der normale Tagesgeldsatz der Geschäftsbanken. Die Änderung des Einlagesatzes und des Spitzenrefinanzierungssatzes erfolgte bislang zusammen mit der Änderung des Leitzinssatzes und des Hauptrefinanzierungsgeschäftszinssatzes, kann jedoch seit dem 01.01.2004 auch unabhängig von ihnen geändert werden. [18]


Kredite an den Staat

Innerhalb des ESZB ist seit dem 01.01.1994 die Kreditaufnahme durch den Staat bei den Zentralbanken generell verboten. Hintergrund ist, dass die Kreditaufnahme durch den Staat von entscheidender Bedeutung für die Geldpolitik und ihrer Erfolgsaussichten ist. Wenn sich bspw. eine Regierung uneingeschränkt Geld von der Zentralbank borgen könnte, so würde dies unweigerlich zu einer Inflation, d. h. einem rapiden Wertverlust des Geldes, führen. Da es jedoch innerhalb der europäischen Zentralbanken noch Forderungen an den Bund, welche aus Ausgleichsposten aus Währungsumstellungen herrühren gibt, ist diese Position in den Bilanzen der Zentralbanken enthalten, jedoch vom Volumen her unbedeutend.[19]


Wertpapiere

Die sog. Offenmarktkomponente der Zentralbankgeldschöpfung ist der Bestand der Wertpapiere einer Zentralbank. Dabei erwirbt die Zentralbank Wertpapiere am offen Mark dauerhaft. Wie in der Theorie (Modell ohne Geschäftsbanken) der Zentralbankgeldschöpfung beschrieben, führt eine Zentralbank dem Markt Liquidität zu, indem sie Wertpapiere gegen Zentralbankgeld tauscht. Damit beeinflusst sie das Geldangebot und über das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage den Zinssatz, welcher sich wiederum über die Kurse der Wertpapiere ergibt. Kauft also eine Zentralbank Wertpapiere, steigt die Nachfrage nach Wertpapieren und somit auch der Kurs dieser, der Zinssatz sinkt. In umgekehrter Weise steigt der Zinssatz, wenn die Zentralbank Wertpapiere veräußert und somit dem Markt Zentralbankgeld entzieht.[20]

Da es in der Realität jedoch in fast jeder Volkswirtschaft der Erde Geschäftsbanken gibt, ist o. g. Modell nicht das einzige Instrument der Zentralbanken. Jedoch beschreibt es sehr gut den Prozess der Zentralbankgeldschöpfung. Der Bestand der Wertpapiere zum 04.04.2008 innerhalb der ESZB betrug 106,612 Mrd. € und war somit mit 16,5% des Gesamtbanknotenumlaufes wesentlich kleiner als der Anteil der Refinanzierungskomponente.[21]


sonstige Aktiva / Passiva

Neben den bereits genannten Positionen der Zentralbankaktiva gibt es noch weitere Bilanzposten. Darunter fallen bspw. Gebäude, Grundstücke und technische Einrichtungen der Zentralbanken, aber auch die sog. von ihr in Umlauf gebrachten Scheidemünzen.[22]Sie werden mit der sonstigen Passiva, d.h.h bspw. mit Zentralbankgewinnen oder dem Grundkapital verrechnet. Ihnen kommt somit aus volkswirtschaftlicher Sicht keine weitere Bedeutung zu.


Banknotenumlauf

Diese Bilanzposition ist eine der Besonderheiten der Zentralbankbilanz. Sie spiegelt die Menge der von einer Zentralbank ausgegebenen Banknoten wieder. Sie weist auf das Banknotenmonopol, d. h. dem alleinigen Recht zur Ausgabe von Banknoten, der Zentralbank hin. In dieser Position nicht enthalten ist das Münzgeld (werden als Scheidemünzen in der Aktiva bilanziert), welches zusammen mit den Banknoten das sog. Bargeld ergibt.[23]

Innerhalb des ESZB hat die EZB das alleinige Banknotenmonopol (Art. 105a Abs. 1 Vertrag zur Gründung der Europäischen Union). Sie vergibt über einen Verteilungsschlüssel (rund 7% EZB, Rest verteilt auf die NZBen) das Recht zur Ausgabe von Eurobanknoten an die nationalen Zentralbanken.[24]


Zentralbankguthaben

In diesem Posten (in der EZB-Bilanz als Verbindlichkeiten in Euro aus geldpolitischen Operationen gegenüber Kreditinstituten im Euro-Währungsgebiet bezeichnet) sind vor allem die Mindestreserven der Geschäftsbanken von Bedeutung. Als geldpolitisches Instrument zur indirekten Steuerung der Geldmenge ist sie seit ca. 1930 bekannt. Dabei werden die Geschäftsbanken verpflichtet, einen bestimmten prozentualen Anteil (innerhalb des ESZB 2%) an ihren Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden in Form von Zentralbankgeld auf Konten der Zentralbank als Reserve zu halten. Je nach Zentralbanksystem, werden diese Reserven mit einem bestimmten Zinssatz verzinst.

Beispiel für Entstehung von Zentralbankguthaben:

  • Kunde 1 hat ein Guthaben von 100,- auf seinem Konto bei Bank 1
  • Bank 1 zahlt Kunden 2 einen Kredit i. H. v. 98,- in Bar aus, 2,- muss sie als Reserve bei der Zentralbank halten
  • Kunde 2 zahlt seine 98,- auf ein Konto bei Bank 2 ein
  • Bank 2 gibt von den 98,- einen Kredit i. H. v. 96,04 an Kunde 3, 1,96 muss sie als Reserve bei der Zentralbank halten

Diesen Effekt nennt man Geldschöpfungsmultiplikator. Er verdeutlicht die Funktion einer Mindestreservepolitik der Zentralbanken, da sie über den Mindestreservesatz den Liquiditätsbedarf bei Geschäftsbanken steuern kann.[25]

Die Mindestreservepolitik ist neben den Refinanzierungskrediten und den Wertpapieren ein drittes Instrument der bilanztechnischen Ansatzpunkte der Geldpolitik einer Zentralbank. Am 04.04.2008 lag die Summe der Mindestreserven innerhalb des ESZB bei 194,746 Mrd. €.[26]


Besonderheiten im supernationalen Währungsraum des Eurosystems

Datei:NZB-Kap..JPG
Kapitalanteile der nationalen Zentralbanken des Euro-Währungsraum an der EZB

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) besteht seit dem 01.01.2008 aus insgesamt 15 Zentralbanken und der EZB. Die EZB hat das alleinige Recht Zentralbankgeld in Umlauf zu bringen. Dies geschieht jedoch nicht direkt über die EZB, sondern erfolgt über einen Verteilungsschlüssel durch die nationalen Zentralbanken. Sie bilanzieren auch jeweils den auf sie entfallenden Anteile am Banknotenumlauf, wobei lediglich 7% des gesamten Banknotenumlaufs auf die EZB entfällt. Somit ist die Betrachtung einer einzelnen Zentralbankbilanz innerhalb der ESZB nur bedingt geeignet, einen Überblick über den Euroraum zu bekommen. Aus diesem Grund veröffentlicht die EZB wöchentlich, monatlich und jährlich sog. konsolidierte Bericht über den gesamten Währungsraum. Diese Berichte finden sich auf den Internetseiten der nationalen Zentralbanken und der EZB wieder.


Einzelnachweise

  1. JARCHOW, Hans-Joachim: Theorie und Politik des Geldes, 11 Auflage, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S.300 - 301
  2. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.46
  3. Eigene Darstellung auf Basis der Deutschen Bundesbank Bilanz, der Bilanz der EZB und MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.46
  4. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.49
  5. https://www.sparkasse.at/sPortal/sparkasseat_de_0198_ACTIVE/Downloads/Treasury/Research/SP/20070503_SP_INT_de.pdf
  6. http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2008/20080409_ezb_ausweis.pdf
  7. Vgl. Mussel, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 6. Aufl., Verlag Wissenschaft und Praxis, Sternenfels, S. 44 ff.
  8. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.210-212
  9. Blanchard, Olivier und Illing, Gerhard, Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson, München 2006, S.131
  10. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.209 ff.
  11. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.218-221
  12. Blanchard, Oliver und Illing, Gerhard Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson, München 2006, S.131
  13. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.221-222
  14. http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2008/20080409_ezb_ausweis.pdf
  15. GÖRGENS, Egon; RUCKRIEGEL, Karlheinz; SEITZ, Franz: Europäische Geldpolitik, 4. Auflage, Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart 2004, S.215-216
  16. GÖRGENS, Egon; RUCKRIEGEL, Karlheinz; SEITZ, Franz: Europäische Geldpolitik, 4. Auflage, Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart 2004, S.216-217
  17. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.225
  18. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.227-229
  19. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.48
  20. BLANCHARD, Oliver und ILLING, Gerhard, Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson, München 2006, S.117 ff.
  21. http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2008/20080409_ezb_ausweis.pdf
  22. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.21-23
  23. JARCHOW, Hans-Joachim: Theorie und Politik des Geldes, 11 Auflage, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S. 102
  24. MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006, S.24-25
  25. BLANCHARD, Oliver und ILLING, Gerhard, Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson, München 2006, S.131 ff.
  26. http://www.bundesbank.de/download/ezb/pressenotizen/2008/20080409_ezb_ausweis.pdf


Literatur

  • BLANCHARD, Oliver und ILLING, Gerhard, Makroökonomie, 4. Aufl., Pearson, München 2006
  • GÖRGENS, Egon; RUCKRIEGEL, Karlheinz; SEITZ, Franz: Europäische Geldpolitik, 4. Auflage, Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart 2004
  • JARCHOW, Hans-Joachim: Theorie und Politik des Geldes, 11 Auflage, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003
  • KRUGMANN, Paul R./OBSTFELD, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft. Pearson Studium, München 2006
  • MUSSEL, Gerhard: Grundlagen des Geldwesens, 7. Auflage, Verlag Wissenschaft & Praxis, Sternenfels 2006


Weblinks