Niedriglohn

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Der Begriff Niedriglohn definiert ein Arbeitsentgelt eines Vollzeitbeschäftigten, welches sich knapp oberhalb oder unter der Armutsgrenze befindet. Durch den niedrigen Lohn ist dem Arbeitnehmer trotz Voll-Erwerbstätigkeit eine angemessene Existenzsicherung nicht gewährleistet. [1]


Inhaltsverzeichnis

Niedriglohn in Industriestaaten

Begriffsklärung

Allgemeine Begriffsdefinition

Der Begriff Niedriglohn setzt sich zusammen aus zwei Bestandteilen, „niedrig“ und „Lohn“. Letzteres bezeichnet den effektiv gezahlten Bruttolohn oder -gehalt aus unselbstständiger Arbeit einschließlich Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Zuschläge sowie Prämien und Naturalleistungen. [2]
„Niedrig“ ist ein Bruttolohn, wenn er selbst aus Vollzeitbeschäftigung nicht ausreicht, um die Existenz des Arbeitnehmers zu sichern. Der Niedriglohn liegt somit am Rande der Armutsgrenze, welche als absolute Grenze in Deutschland zum Beispiel das Sozialhilfeniveau darstellt.
In Relation zu einem nationalen Einkommen wird der Niedriglohn deutlich unter einem ortsüblichen Arbeitsentgelt datiert, der für eine vergleichbare Tätigkeit bei gleichem Dienstalter vergütet wird. In Staaten, in denen ein Tariflohn eingeführt ist, ist von einem Niedriglohn die Rede, wenn dem Arbeitnehmer eine Vergütung gezahlt wird, die unter dem Branchen-Tariflohn liegt. Liegt ein solch vergleichbarer Tariflohn nicht vor, wird die Niedriglohngrenze als zwei Drittel eines ortsüblichen Lohns angesetzt.

OECD-Definition

In Anlehnung an die Definition der OECD wird Niedriglohn als ein Bruttolohn bezeichnet, der unterhalb von zwei Dritteln des nationalen Medianbruttolohns aller Vollzeitbeschäftigten liegt. Bei dem Medianlohn handelt es sich um den Mittelwert einer Zahlenreihe, bestehend aus den effektiv gezahlten Bruttolöhnen aller Vollerwerbstätigen des Landes. Demnach wird der Lohn jedes Dritten als ein Niedriglohn angesehen unabhängig eines vergleichbaren, ortsüblichen Lohns oder Tariflohns. [3]

Begriffsabgrenzung

Lohndumping

Lohndumping ist ein politisches Schlagwort, welches die Unterschreitung eines ortsüblichen Lohns oder Tariflohns bezeichnet, die zu einer Existenzgefährdung des Arbeitnehmers führen kann. Es gibt aber auch niedrige Tariflöhne, so z. B. im Friseurhandwerk und im Taxigewerbe. Daher ist nicht jeder Niedriglohn auch gleichzeitig Lohndumping. Niedriglohn definiert den Lohn an sich wohingegen durch Lohndumping das Verhalten von Arbeitgebern in Bezug auf Niedriglohn umschrieben wird.

Mindestlohn

Mindestlohn ist ein gesetzlich geregelter Abeitsentgelt, der das Minimum für eine Beschäftigung darstellt. Oftmals liegt die Höhe des Mindestlohnes nahe an der Kennziffer des Niedriglohnes. Im Gegensatz zum Niedriglohn, der unerwünschenswert ist, wird der Mindestlohn als Maßnahme gegen Niedriglohn und Lohnwucher eingeführt.

Entstehung des Niedriglohnsektors

Seit Ende der 1980er Jahre wurde ein besonders auffälliger Anstieg des Niedriglohnsektors verzeichnet. Dies ist einerseits auf den technologischen Wandel, andererseits auf die Globalisierung zurückzuführen, die durch eine Zunahme des internationalen Handels und weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung gekennzeichnt ist. Die Auswirkung jener Trends auf nationaler Ebene ist eine entgegengesetzte Entwicklung der Angebots-Nachfrage-Relation auf den Arbeitsmärkten für gering- und hochqualifizierte Tätigkeiten. Verstärkt durch einen Anstieg der Erwerbstätigen, der auf die erhöhte Anzahl erwerbsbereiter Frauen sowie die Zunahme der Immigration in vielen Industriestaaten zurückzuführen ist, stieg das Arbeitsangebot für geringqualifizierte Beschäftigungen immer weiter an. Gleichzeitig sahen sich geringqualifizierte Arbeitskräfte mit einer rückläufigen Nachfrage konfrontiert, da marktorientierte niedrigproduktive Beschäftigungen zunehmend durch Importe ersetzt worden sind.

Parallel hat die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit zugenommen, welche durch einen Anstieg des Angebots für qualifizierte Arbeit überkompensiert wurde, da immer mehr Hochschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt eintraten. Der Nachfrageüberschuss auf dem Arbeitsmarkt für qualifizierte Beschäftigungen führte zu einer Erhöhung der Löhne für hochqualifizierte Arbeitskräfte. Diese Lohnerhöhung kommt zu Lasten geringqualifizierter Erwerbstätigen, die mit einer Senkung der Löhne konfrontiert wurden.

Weiterin begünstigte die Entwicklung zur Erhöhung des Niedriglohnsektors institutionelle Faktoren. Gesetzliche Mindestlöhne wurden entweder gar nicht eingeführt oder blieben jahrelang konstant, sodass eine reale Lohnsenkung herbeigeführt wurde. Auch der Rückgang des gewerkschaftlichen Organisationsgrades und eine zunehmend schwächere Zentralisierung des Lohnverhandlungssystems ermöglichte eine Erhöhung der Erwerbstätigen, die einen Niedriglohn beziehen.[4]

Betroffene des Niedriglohnsektors

Gemäß unterschiedlichen empirischen Studien sind folgende Personengruppen einem überdurchschnittlich hohen Niedriglohnrisiko ausgesetzt:

  • Frauen (geschlechtsspezifisch)
  • Jüngere (altersspezifisch)
  • Geringqualifizierte
  • Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Teilzeitbeschäftigte

Prozentual gesehen sind diese Personengruppen besonders von Niedriglohn betroffen, was aber nicht ausschließt, dass auch Männer, Ältere oder Hochqualifizierte einen Niedriglohn erhalten. Dies bekräftigt die Tatsache, dass zum Beispiel die Mehrheit der Niedriglohnverdienern eine abgeschlossene Ausbildung hat.

Niedriglohn konzentriert sich besonders auf

  • Kleinbetriebe
  • Bestimmte Wirtschaftszweige wie Handel- und Dienstleistungsbereich
  • Geringqualifizierte Beschäftigungen wie z.B. Reinigunskraft, Hilfsarbeit in Landwirtschaft.


Auswirkungen der Niedriglöhne

Die Qualität am Arbeitsplatz steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Höhe der Löhne, je geringer die Entlohnung, desto schlechter sind die Arbeitsbedingungen.„Niedriglohn wird somit immer mit schlechten Arbeitsbedingungen, unzureichender sozialer Absicherung und keinerlei Chancen auf Weiterbildung, Qualifizierung und berufliche Karriere gleichgesetzt.“ Niedrige Löhne bringen somit unzureichende Lohnersatzleistungen bei Arbeitslosigkeit und Krankheit mit sich. Aus sozial- und gesellschaftlicher Sicht sind Niedriglöhne nicht nur Auslöser für Altersarmut, sondern auch für die Verarmung der ganzen Volkswirtschaft.


Maßnahmen gegen Niedriglohn

  • Als durchaus bekannte Maßnahme gegen niedrige Löhne gilt der gesetzlich geregelte Mindestlohn. Dieser kann jedoch nur zu Gunsten der Arbeitnehmer wirken, wenn er über dem definierten Niedriglohn liegt und nicht darunter. Außerdem bedarf der Mindestlohn einer jährlichen Anhebung an die Inflation, um entgegen niedriger Löhne wirken zu können.
  • Wenn dieser nicht vorliegt, regeln flächendeckende Kollektivverhandlungssysteme die Mindestsätze in den einzelnen Sektoren. Als Maßnahmen stellen insbesondere höhere Lohnsteigerungen in den unteren Lohngruppen oder sogar die Abschaffung dieser unteren Beschäftigungsgruppen dar.[5]
  • ”Die Forderung an die Arbeitgeber nach angemessenen Löhnen, ist gleichbedeutend mit der Forderung der Änderung ihrer Personalentwicklungspolitik und einer Änderungihrer Einstellung zu Qualifikation, Weiterbildung, Rekrutierung von Personal und Personalbindung derjenigen Mitarbeiter am EndederLohnskala.” [6]
  • Niedriglöhne sollen durch eine Steigerungen der durchschnittlichen nationalen Produktivität angehoben werden, die auch zu Gunsten der Sektoren mitgeringer Produktivität wirken soll.

Niedriglohn in Entwicklungsländern

Begriffsklärung

Niedriglohn bezieht sich auf ein sehr geringes Lohnniveau eines Exportlandes im Vergleich zu dem importierenden Land, wobei ersteres durch arme Volkswirtschaften und Entwicklungsländern und letzteres durch fortgeschrittene Industriestaaten vertreten ist.
Ein Lohn in einem Exportland ist niedrig, wenn dieser gemessen an westlichen Maßstäben, in einem sehr geringen Verhältnis steht. Ein Niedriglohn ist dadurch gekennzeichnet, dass der Arbeitsentgelt in der exportierenden Volkswirtschaft viel geringer ist als dem eines Arbeitnehmers in einem importierenden Industriestaat für eine vergleichbare Tätigkeit bei gleichem Alter. Die Stundenlöhne beispielsweise für Industrieerzeugnisse aus Entwicklungsländern liegen meist unter 50 Cent die Stunde, die nach den Maßstäben fortgeschrittener Länder im totalem Missverhältnis stehen. Meist ist eine solche Niedriglohnbeschäftigung in Entwicklungsländern mit sehr harten Arbeitsbedingungen verbunden, was in den 1990er Jahren besonders auf Globalisierungskritiker gestoßen ist. [7]


Entstehung von Niedriglohn

Geschichtlicher Hintergrund

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann zum ersten Mal in der Weltwirtschaftsgeschichte die Durchsetzung internationaler Arbeitsteilung und Spezialisierung auf komparative Vorteile. Bisher stand der Import und die heimische Wirtschaft noch nicht in einem Konkurrenzverhältnis, da Handel aus Gründen fehlender Substitute betrieben wurde. Erst gegen 1870 kam es in Europa zunehmend zu einer Spezialisierung auf die Herstellung kapitalintensiver Produkte, während land- und arbeitsintensive Güter wie Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse von "Neue Welt" und Kolonialländern geliefert wurden. Dies war der erste historische Schritt zur Ausprägung von Niedriglohnländern so wie sie noch heute vorherrschen.
Seit der fortschreitenden Globalisierung, die durch Protektionismus und wirtschaftlicher Isolation von Regierungen in den ersten und zweiten Weltkrieg gestört wurde und erst in den 1960er Jahren wieder aufblühte, ist auch eine verstärkte Internationalisierung des Kapitals zu beobachten. Diese bestand in der Verlagerung der Produktion industrieller Erzeugnisse und Dienstleistungen in Entwicklungsländern, die ihre günstigen Kosten für den Produktionsfaktor Arbeit als komparativen Vorteil nutzen konnten. Hintergrund für die Restrukturierung insbesondere von Fertigindustrieprodukten in weniger fortgeschrittene Volkswirtschaften lag in der Gewinnmaximierungsabsicht internationaler Unternehmen, die in den geringeren Produktionslöhnen in Entwicklungsländern eine Kostenminimierung sahen. Durch die Auslagerung von Industrieproduktionen in Entwicklungsländern haben diese eine größere Bedeutung als Niedriglohnländern eingenommen. [8]

Volkswirtschaftliche Gründe

Das Lohnniveau ist etwa proportional zu seiner Produktivität
Das Lohnniveau ist etwa proportional zu seiner Produktivität

Die Theorie des Ricardo-Modells besagt unter anderem, dass das relative Lohnniveau einer Volkswirtschaft in der Regel dem dortigen relativen Produktivitätsniveau entspricht (siehe Grafik). Bei vollkommenem Wettbewerb findet Entlohnung nach der Grenzproduktivität der Arbeit statt, weil die Arbeitgeber auf Dauer nur bis zur Grenzproduktivität Lohn zahlen können. Anderenfalls würden die Lohnkosten die Kosten der eigentlichen Produktion unnatürlich in die Höhe treiben. Das heißt also, dass bei niedrigerer Produktivität ein geringerer Lohn bezahlt wird als bei höherer Produktivität.[9]

Eine auffallend geringe Produktivität im Vergleich zu den anderen Ländern auf diesem Schaubild haben China, Indien und Mexiko. Dementsprechend niedrig ist auch ihr nationales Lohnniveau. Im Gegensatz dazu heben sich Japan, Deutschland und die USA mit hohen relativen Löhnen und hohen Produktivitäten hervor (Hochlohnländer).

Land Stundenentgelt für Produktionsarbeiter, 2000
USA 100
Deutschland 121
Japan 111
Spanien 55
Südkorea 41
Portugal 24
Mexico 12
Sri Lanka (1969) 2

Tabelle: Internationale Lohnsätze im Vergleich (USA = 100) [10]


Niedriglohn in Entwicklungsländern ist die Folge der Spezialisierung auf komparative Vorteile, also auf die Produktion arbeitsintensiver Güter.
Ausgangspunkt sind zwei Staaten mit unterschiedlicher Produktivität und Arbeitskräftepotential. In dem Entwicklungsland sind Arbeitskräfte im Überfluss und Kapital nur knapp vorhanden, weshalb die Löhne relativ niedrig sind. In Industrieländern, in denen das Arbeitspotential relativ gering und die Kapitalausstattung sehr reichlich ist, sind die Löhne dagegen relativ hoch.
Entwicklungsländer, die reichlich mit Arbeitskraft ausgestattet sind, bieten für Produzenten arbeitsintensiver aber wenig Kapital absorbierender Güter gute Standortvoraussetzungen. Wohingegen Industrieländern mit ihren geringen Arbeitskräftepotential und hohen Löhnen denjenigen Branchen für attraktiv erscheinen, die kapitalintensiv produzieren. Aus diesen Gegebenheiten der Faktorpreise kommt es zu Spezialisierung auf die Branchen, bei denen komparative Kostenvorteile vorliegen. Entsprechend exportieren Industrieländer kapitalintensive Produkte und Entwicklungsländer arbeitsintensive Güter.


Betroffene

Niedriglohnländer sind arme Volkswirtschaften, dessen Industrie Produkte an Hochlohnländern exportiert und unter den Begriffen Schwellen-, Entwicklungs- oder Dritte Welt Länder fallen. Niedriglohnbezieher sind somit all die Erwerbstätigen eines exportierenden Entwicklungs- oder Schwellenlandes, in dem das Lohnniveau im Vergleich zu importierenden Industriestaaten viel geringer ist.
In diesen Ländern sind besonders Beschäftigte der Exportindustrie von Niedriglohnvergütungen betroffen. Insbesondere Arbeitnehmer im Bereich der Elektronik- und Bekleidungsindustrie aber auch Angestellte in der traditionellen Agrarproduktion erhalten einen viel geringeren Lohn im Vergleich zu dem Entgelt in Hochlohnländern, die diese Güter importieren.

Maßnahmen gegen Niedriglohn in Exportländern

Überwachungssystem

Zur Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen in armen Volkswirtschaften haben Ökonomen die Einführung eines Überwachungssystems vorgeschlagen, dessen Befunde für alle Konsumenten der ersten Welt zugänglich gemacht werden sollen. Basieren soll diese Idee auf einer Spielart des Marktversagens und der Annahme, dass Konsumenten in den Industrieländern Erzeugnisse bevorzugen, die von angemessen vergüteten Arbeitern hergestellt wurden. [11] Durch ein Überwachungsorgan, welches die Vergütung und Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern auf gewisse Mindestanforderungen prüft, werden die Produkte als geprüft gekennzeichnet, die diese Anforderungen erfüllen. Exportierende Branchen in den Entwicklungsländern sind somit gezwungen, die Mindeststandards umzusetzen, andernfalls würden sie keine oder wenig Abnehmer für ihre Erzeugnisse finden.
Problematisch wird es in der Praxis, da im Allgemeinen nicht angenommen werden kann, dass Konsumenten in den Industriestaaten geprüfte Erzeugnisse bevorzugen sondern vielmehr aufgrund geringerer Preise auf unkontrollierte Produkte zurückgreifen. Außerdem betrifft diese Regelung nur Arbeitnehmer der exportierenden Industrie, die restlichen Beschäftigten in den Entwicklungsländern, die die Mehrheit ausmachen, unterliegen nicht den Mindeststandards.

Offizielle Mindeststandards in Handelsabkommen

Niedriglöhnen in Entwicklungsländern können durch offizielle Mindestanforderungen entgegengewirkt werden, die in Handelsabkommen und –verträgen integriert sind und von den Exportindustrien eingehalten werden müssen. Diese Standards sollen nicht nur einen Mindestlohn, sondern auch angemessene Arbeitsbedingungen in den armen Ländern regeln. Als Kontrollinstrument fungiert dabei die WTO, deren Aufgabe in dem Auffordern der beteiligten Länder besteht, ihre internationalen Handelsabkommen einzuhalten. [12]
Da diese Standards von den Politikern fortgeschrittener Staaten aufgestellt werden, wehren sich viele Entwicklungsländer dagegen, da diese einen Wettbewerbsnachteil darin sehen. Aus diesen Gründen ist auch dieses Instrument eher fragwürdig.

Auswirkungen von Niedriglohn in Exportländern auf Volkswirtschaften

Die Auswirkung von Niedriglöhnen in armen Volkswirtschaften kann man durch das folgende Beispiel verdeutlichen.
Es werden zwei Länder A und B mit unterschiedlicher Produktivität angenommen. In beiden Ländern herrschen nur zwei Branchen, Hochtechnologie und Niedrigtechnologie. Der Produktionsfaktor Arbeit ist in beiden Branchen des Landes A produktiver als B.
Ausgegangen wird von der Annahme, dass das Land A zur Produktion einer Mengeneinheit in beiden Branchen je eine Stunde Arbeit benötigt, während im Land B zwei Arbeitsstunden für eine Mengeneinheit Niedrigtechnologie und acht Stunden für eine Einheit Hochtechnologie notwendig sind. Ausgedrückt in Reallöhnen, die sich an der Gütermenge bemessen, wie viel ein Arbeiter pro Stunde produzieren kann, sieht es wie folgt aus:

Land Hochtechnologiegüter/Stunde Niederigtechnologiegüter/Stunde
A 1 1
B 1/8 1/2


Durch das Zustandekommen von Außenhandel zwischen A und B entsteht ein Gleichgewicht der relativen Löhne. In unserem Fall sind die Löhne im Land A viermal so hoch wie im Land B, sowohl für Hochtechnologie- als auch für Niedrigtechnologieerzeugnisse:

Land Hochtechnologiegüter/Stunde Niederigtechnologiegüter/Stunde
A 1 2
B 1/4 1/2

Da eine Herstellung niedrigtechnologischer Güter im Land A und hochtechnologischer Produkte im Land B kostengünstiger ist, werden im Land A hoch bezahlte Arbeitsplätze in der Branche Niedrigtechnologie durch schlechter bezahlte Beschäftigungen im Land B ersetzt. Obwohl die Niedrigtechnologie-Branche im Land B (vor Außenhandel) halb so produktiv ist wie die im Land A, erhalten die Arbeiter trotzdem nur ein Viertel des Entgelt des Land A.
Auf der anderen Seite kam es zu einer Steigerung der Kaufkraft in beiden Ländern. So können Beschäftigte im Land A, die nun alle in der Branche Hochtechnologie tätig sind, statt einer zwei Mengeneinheiten niedrigtechnologischer Güter kaufen. Auch das Land B, welches das Niedriglohnland darstellt, erfährt eine Senkung des Importpreises im Verhältnis zum Lohnsatz, sodass pro Arbeitsstunde in dem Niedrigtechnologiesektor statt zuvor ein Achtel nun ein Viertel Mengeneinheit eines Hochtechnologie-Gutes erwerben.
Laut diesem Beispiels-Modell bringt die Spezialisierung auf komparative Kostenvorteile beiden Ländern eine Nutzensteigerung. Aus der Betrachtung eines Faktorproportionenmodells kann Außenhandel jedoch zu Verlusten im Land A führen, während die Arbeiter im Land B eine Einkommensummenverteilung zu ihren Gunsten erfahren. [13]

Auch in der Praxis erfahren Entwicklungsländer trotz ihrer niedrigen Löhne durch eine Internationale Arbeitsteilung eine Nutzensteigerung. Niedriglöhne in armen Volkswirtschaften in der Exportindustrie sind auch unvermeidlich angesichts der weitaus geringeren Produktivität und der fehlenden Alternativen. Im Vergleich zu fortgeschrittenen Ländern mögen die Löhne sehr niedrig und die Arbeitsbedingungen sehr schlecht sein, aber hinsichtlich der alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern stellen diese Arbeitsbedingungen dennoch eine Verbesserung dar. Ob die zunehmende Globalisierung zu Lasten der Arbeitnehmer in fortgeschrittenen Ländern kommt, ist strittig. Viele Globalisierungsgegner zum Beispiel führen das Argument der zunehmenden Niedriglohnentwicklung in geringqualifizierten Branchen in Industriestaaten als Folge von internationaler Arbeitsteilung an.


Literatur

  • Reinhard Bispinck, Claus Schäfer: Niedriglöhne und Mindesteinkommen. Daten und Diskussionen in Deutschland. In: Thorsten Schulten, Reinhard Bispinck, Claus Schäfer (Hrsg.): Mindestlöhne in Europa. VSA-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-154-5.
  • Gerhard Bosch, Claudia Weinkopf: Arbeiten für wenig Geld. Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland. Camous-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-593-38429-0.
  • Gablers Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004, ISBN: 978-3-409-12993-0.
  • Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 7. Auflage. Pearson Studium Verlag, München 2006, ISBN 978-3-8273-7199-7.
  • Henning Lohmann: Armut von Erwerbstätigen in europäischen Wohlfahrtsstaaten. Niedriglöhne, staatliche Transfers und die Rolle der Familie. 1. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-15745-0.
  • Gerd Pohl, Claus Schäfer: Niedriglöhne. Die unbekannte Realität: Armut trotz Arbeit." VSA-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 3-87975-684-8.
  • Claus Schäfer: Geringe Löhne - mehr Beschäftigung? Niedriglohnpolitik. VSA-Verlag, Hamburg 2000, ISBN 3-87975-750-X.
  • Wolfgang Strengmann-Kuhn: Armut trotz Erwerbstätigkeit. Analysen und sozialpolitische Konsequenzen. In: Richard Hauser, Hugo Kossbiel, Werner Meißner (Hrsg.): Frankfurter Beiträge zu Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Campus Verlag, Frankfurt/New York 2003, ISBN 3-593-37087-5 (Schriftenreihe der Hans- und Traute-Matthöfer-Stiftung. Band 8).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Claus Schäfer: Geringe Löhne - mehr Beschäftigung? Niedriglohnpolitik. VSA-Verlag, Hamburg 2000, S. 77
  2. Gablers Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004, S. 1920
  3. Henning Lohmann: Armut von Erwerbstätigen in europäischen Wohlfahrtsstaaten. Niedriglöhne, staatliche Transfers und die Rolle der Familie. 1. Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S109
  4. Claus Schäfer: Geringe Löhne - mehr Beschäftigung? Niedriglohnpolitik. VSA-Verlag, Hamburg 2000, S.30-33
  5. http://www.epsu.org/IMG/pdf/DE_LOW_pay_conclusions_integrated-2.pdf. abgerufen am 17.05.2009
  6. http://www.epsu.org/IMG/pdf/DE_LOW_pay_conclusions_integrated-2.pdf. abgerufen am 17.05.2009
  7. Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 7. Auflage. Pearson Studium Verlag, München 2006, S.351
  8. Aili Rehbein: "Globalisierung". In: Weltpolitik.net. Stand: 16. Juli 2004. URL: http://www.weltpolitik.net/Sachgebiete/Weltwirtschaft%20und%20Globalisierung/Grundlagen/Globalisierung.html
  9. Paul Krugman und Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006
  10. Paul Krugman und Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 105
  11. Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 7. Auflage. Pearson Studium Verlag, München 2006, S.354
  12. Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 7. Auflage. Pearson Studium Verlag, München 2006, S.355
  13. Paul R. Krugmann, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft. Theorie und Politik der Außenwirtschaft. 7. Auflage. Pearson Studium Verlag, München 2006, S.352-354
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