Wirtschaftslage Schwedens 2008

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --David Schattney, Sandra Franke, Robert C. Richter, Andreas Fieker, Theresa Drabon


Schweden


Makroökonomische Lage

Seit dem Regierungswechsel im September 2006 sonnte sich die schwedische Wirtschaft in einer anhaltenden Hochkonjunktur. Unter der bürgerlichen Koalitionsregierung, welche die Sozialdemokratische Partei ablöste, flachte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 4,1% im Jahr 2006 auf 2,6% Ende 2007 ab.

Kenngröße 2008* 2007 2006 2005 2004
Inflationsrate in %[TD 1] 3,2 2,2 1,4 0,5 0,4
Arbeitslosenquote in %[TD 2] 3,8 4,6 5,3 5,8 5,5
konstantes BIP-Wachstum in %[TD 3] 3,2 2,6 4,1 3,3 4,1
Bevölkerung in Millionen Einwohnern[TD 4] 9,19 9,18 9,11 9,04 9,01
*Die Werte für 2008 basieren auf den Angaben zum I. Quartal 2008.
Quelle: Thomson Financial Datastream

Börsenturbulenzen

Durch die Immobilienkrise in den USA geriet die schwedische Börse unter Druck und eine Abkühlung der Konjunktur ist nicht auszuschließen. So sind die Entwicklungen des schwedischen Aktien- und Immobilienmarktes auf Grund der internationalen Unsicherheiten schwer zu beurteilen, auch wenn der Aktienleitindex OMX Stockholm 30 zuletzt wieder Boden gut machen konnte. Am schwedischen Rentenmarkt sind die langfristigen Renditen seit April 2008 wieder leicht steigend, da zum einen die Kapitalflucht der risikoaversen Anleger rückläufig ist und zum anderen die Leitzinssenkungen in den USA Schweden für Investitionen interessanter machen. Zusätzlich ist die schwedische Wirtschaft sehr breit aufgestellt. Die Produktion reicht von Holz-, über Pharmazie- bis hin zu Erdölprodukten. Die wichtigsten Industrien sind der Maschinenbau, Elektrotechnik und die Automobilindustrie. Auf Grund des komparativen Vorteils von Humankapital ist der tertiäre Sektor stark ausgeprägt.

Arbeiten in Schweden

Am Arbeitsmarkt herrscht in Schweden, wie schon in der Vergangenheit, weiterhin Mangel an Fachkräften. Dies hat zu erheblichen Lohnsteigerungen und inflationären Tendenzen geführt. Die realen Lohnstückkosten (Anteil der Arbeitnehmerkosten an der Produktion) sind in Schweden in den letzten Jahren jedoch leicht gesunken, von 1996 bis 2007 um 2%. (Datastream, eigene Berechnungen, siehe weiter unten in der Arbeit) Die Arbeitslosenquote ist von 5,34% im Jahr 2006 um 77 Basispunkte auf 4,57% Ende 2007 gesunken. Die Inflationsrate ist zum dritten Jahr in Folge auf 2,2% Ende 2007 gestiegen. Im März 2008 lag die Inflation bei 3,4%.

Leitzinsen und Sparquote

Die schwedische Reichsbank hatte zuletzt im Februar die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 4,25 % angehoben. Damit intervenierten die Währungshüter zum elften Mal in Folge (seit Anfang 2006) mittels geldpolitischer Maßnahmen. Im Juni 2005 lag der Leitzins noch bei einem historisch niedrigen Niveau von 1,5 %. Aus der zunehmenden Attraktivität von Sparanlagen, resultiert eine gestiegene Sparquote auf 14,1%.

Krone im Aufwind

Die Schwedische Krone (SEK) wertet gegenüber dem USD weiter auf und die florierende exportorientierte schwedische Wirtschaft resultiert in Handelsbilanzüberschüssen. Aktuell liegt der Kurs bei rund 6 SEK je USD, somit hat die SEK seit 2005 um etwa 15% aufgewertet. Das Wechselkursverhältnis zum Euro ist seit Ende 2004 relativ stabil bei einer Schwankungsbreite zwischen 9,10 und 9,40 SEK je Euro.

Exportüberschüsse

Der Export betrug Anfang der 90er Jahre etwa 50 Milliarden USD, in 2006 bereits bei 150 Milliarden USD. Der Wert der Importe dagegen verlief über viele Jahre konstant, doch seit 2001 steigen auch diese in ähnlichem Maße, wie die Exporte. Im Jahre 2006 wurden etwa 125 Milliarden USD an Waren importiert. Die Schwedische Wirtschaft unterhält intensive Handelsbeziehungen, vor allem zu europäischen Ländern. Die größten Handelspartner sind Deutschland, die Nordischen Länder, Großbritannien und die USA. Wie stark die schwedische Wirtschaft in den internationalen Handel integriert ist, lässt sich am besten anhand der Außenhandelsquote messen. Für 2007 lag diese bei 101 % (1998: 80 %).

Realitätsgehalt der Crowding-In-These

Wie sich in der Ökonomie immer wieder zeigt, ist die Fiskalpolitik ein entscheidender Faktor bei der Entwicklung auf den Märkten. In diesem Abschnitt sollen die Ausführungen zur Politik des Staates erweitert auf den Geld-, Güter- und Finanzmarkt dargestellt werden. Weiterhin soll die Hypothese eines Crowding-In-Effektes, unter dem Hintergrund des AS-AD-Modells untersucht werden. Letztlich findet eine Abgrenzung der kurzen und langen Frist eine kritische Würdigung.

Theorie und Praxis

Der sich aus dem AS-AD-Modell ergebende Crowding-In-Effekt findet seine Ursache in der restriktiven (konstruktiven) Fiskalpolitik. Der Staat reduziert die Ausgaben und/ oder erhöht die Steuereinnahmen, woraufhin sich der Zinssatz verringert und die Veränderung des Produktionsniveaus durch eine gesteigerte Investitionsnachfrage (z.B. privater Wohnungsbau, Investitionen der Unternehmen) ausgeglichen wird. Dieser Effekt hat eine deflationäre Wirkung und soll zur Stabilisierung des Konjunkturverlaufes und der Verringerung der Staatsverschuldung dienen. Die durch den Staat hervorgerufene Verstärkung der privaten Investitionen ist darauf begründet, dass es durch das Absinken des Zinssatzes zu einer erhöhten Kreditnachfrage kommt und somit die Privatiers eher geneigt sind zu investieren.[BI 1][1]

Abbildung 2.1: Entwicklung des Anteils der Staatsausgaben (G) gemessen am BNE in Schweden 1960 bis 2008[2]

In Abbildung 2.1 zeigt sich, dass es zwei gravierende Einschnitte im Verlauf der Staatsausgaben in Schweden (SWE) gegeben hat. Zum einen wurden die Staatsausgaben ab 1982 aufgrund eines Regierungswechsels und der damit verbundenen Umorientierung der Politik im Vergleich zu anderen 5-Jahres Perioden stark gesenkt. Die damalige sozialdemokratische Partei hat mit der Abwertung der schwedischen Krone sowie eine Ablehnung einer notwendigen Reformpolitik zu der genannten Reduktion geführt. Zum anderen gab es eine zweite gravierende Reduzierung der G 1993 bis 1997. Hier liegt die Vermutung nahe, dass es zu einer restriktiven Fiskalpolitik aufgrund der notwendigen Haushaltskonsolidierung nach dem Regierungswechsel kam. So hat sie einen Refinanzierungskurs vorgenommen, durch beispielsweise Anpassung der Ausgabenquote (bei konstanter Einnahmenquote). Ebenfalls hatte der Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1993 und der Europäischen Union (EU) 1995 eine einschneidende Konsequenz, so müssen seither genaue Vorgaben zur Staatsverschuldung und anderen geldpolitischen Kriterien eingehalten werden.

Im Folgenden wird der Zeitraum 1993 – 1997 entsprechend Abbildung 2.2 betrachtet. Definitionsgemäß sinkt bei einem Crowding-In zunächst G. In SWE ist jenes ebenfalls zu beobachten; bis 1995 sinkt G extrem im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (BNE) um annähernd 3 % Punkte, steigt anschließend kurzzeitig um weniger als einen % Punkt an, nimmt jedoch letztlich erneut um einen % Punkt ab. Weiterhin sollte es zu einem Verstärkungseffekt der privaten Nachfrage und damit der Investitionen (I) in SWE führen. Wie sich beobachten lässt, steigt I des privaten Sektors in der betreffenden Periode moderat, aber stetig bis 2000 um 2 % Punkte an. Damit wäre der erste Teil der These begründet.[3]

Störfaktoren

Abbildung 2.2: Crowding-In Effekt in Schweden nach 1993[2]

In einem zweiten Teil des Crowding-In wird das natürliche Produktionsniveau Yn betrachtet. Es sollte in der kurzen Frist sinken, da ein Rückgang der Staatsnachfrage ein Absinken der Produktion zur Folge hat. Mittelfristig, so die These, kehrt Yn auf die ursprüngliche Entwicklung zurück. Um Yn überhaupt in Betrachtung ziehen zu können, wird es mit dem BIP gleich gesetzt. In SWE lässt sich diese Aussage eingeschränkt treffen, zwar kommt es zunächst zu einem Anstieg des BIP-Wachstums um 5 % Punkte, aber in der Folge sinkt es gegenüber 1993 auf 2,3 % Wachstum im Jahr 1995 ab. Gründe für diese Entwicklung könnten in der Wirtschaftspolitik, dem Hype in der IT-Branche oder dem technischen Fortschritt liegen. In SWE ist Technischer Fortschritt ein seit Jahren geförderter Faktor, so ist das Land nach Deutschland eines der führenden Technologieländer in Europa. Beispielhaft hat Schweden die Produktivität in zehn Jahren nach 1994 um 50 % gesteigert. Weitere Aspekte für eine solche Entwicklung können in höheren Investitionen gegenüber einem Staatsausgabenrückgang liegen oder einem starken Staatsausgabenmultiplikator sowie einem erhöhten Außenbeitrag begründet sein.[4] Ebenfalls kann ein zunehmender Lageraufbau zu einen erhöhten BIP-Wachstum führen, so hatte SWE 1994 hohe Bestände und in Folge des Boom-Jahres 1995 sinkende Lagerhaltungen. Bei einer solchen Entwicklung kommt es zu keiner Veränderung des Produktionsniveaus.
Mittelfristig 1996 bis 2002 steigt das BIP jährlich um durchschnittlich 4,8 % Punkte. Das heißt mit einer G-Senkung, dem damit verbundenen Sinken des Produktionsniveaus und einer daraus resultierenden Zinssenkung werden Investitionen angeregt. Letztlich kehrt das Produktionsniveau auf sein ursprüngliches Niveau von ca. 3 % Punkte im Jahr 2001 zurück. Dieser Anpassungsprozess der mittleren Frist führt unter Berücksichtigung der oben genannten Störfaktoren zu einer typischen Entwicklung des Crowding-In-Effektes.[5]

Schlussbemerkung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nach den empirischen Untersuchungen der Realitätsgehalt der These am Beispiel SWE, unter bestimmten Annahmen befürwortet werden kann.

Die Phillips-Kurven im Zeitablauf

In diesem Kapitel wird zum einen die Beziehung zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation Schwedens untersucht, die mittels der ursprünglichen Phillipskurve ausgedrückt wird. Zum anderen erfolgt eine Betrachtung der Arbeitslosigkeit und der Änderung der Inflationsrate, welche die erweiterte Phillipskurve darstellt. Grundaussage der Phillipskurve ist, dass eine geringere Arbeitslosigkeit zu einem höheren Preisniveau relativ zum Preisniveau des Vorjahres, d.h. zu Inflation, führt.[JR 1]

Ursprüngliche Phillipskurve

Abbildung 3.1: Ursprüngliche Phillipskurve

Abbildung 3.1 stellt die ursprüngliche Phillipskurve Schwedens für zwei Zeiträume vergleichend dar. Gewählt wurden die Quartalszahlen der Jahre 1991-1998 und 1999-2007. Die Punkte geben für jedes Quartal zwischen 1991 und 2007 die Kombination von Inflationsrate und Arbeitslosenquote an. In beiden Perioden ist ein negativer Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote ersichtlich. Eine mittlere Korrelation nach Pearson von -0,678 besteht zwischen 1991-1998 und eine hohe Korrelation von -0,793 zwischen 1999-2007. Signifikant ist das Jahr 1991, das durch niedrige Arbeitslosenquoten (z.B. 2,38% im 1. Quartal) und relativ hohe Inflationsraten (z.B. 11,3% im 1. Quartal) gekennzeichnet war und damit die Beziehung gut darstellt. Die überwiegende Anzahl der Punkte im Zeitraum 1991-1998 liegt bei einer Arbeitslosenquote zwischen 7,5% und 8,5% bzw. einer Inflationsrate von 1% bis 3%. Im Zeitraum 1999-2007 zeigt sich eine Verschiebung der Punkte nach links. Die Spannweite der Arbeitslosenquote lag zwischen 3,83% (2. Quartal 2002) und 6,06% (2. Quartal 2005). Festzustellen ist, dass es keine Inflationsrate unter 0% und keine über 3,2% gab. Auch wenn in anderen Volkswirtschaften der stabile Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit um 1970 in der Regel zusammenbrach, lässt sich für Schweden im betrachteten Zeitraum diese Hypothese nicht bestätigen. Die ursprüngliche Phillipskurve hat hier weitestgehend ihre Aussagekraft behalten.[BI 2]

Erweiterte Phillipskurve

Abbildung 3.2: Erweiterte Phillipskurve

Die Ökonomen Milton Friedman und Edmund Phelps stellten das Vorhandensein eines Trade-Offs zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation in Frage, so dass ein neuer Zusammenhang entstand – die Beziehung zwischen Arbeitslosenquote und Veränderung der Inflationsrate.[6]

Abbildung 3.2 stellt die erweiterte Phillipskurve Schwedens grafisch dar. Die Punkte geben für jedes Quartal zwischen 1991-2007 die Kombination von Veränderungen der Inflationsrate und Arbeitslosenquote an. Festgestellt werden konnte, dass in den Jahren von 1991-1998 keine negative Beziehung zwischen der Arbeitslosenquote und der Veränderung der Inflationsrate bestand. D.h. bei geringer Arbeitslosenquote war die Veränderung der Inflation negativ und umgekehrt bei hoher Arbeitslosigkeit positiv. Die geringe Korrelation von 0,328 spricht ebenfalls gegen die Aussagen der erweiterten Phillipskurve. In der zweiten untersuchten Periode (1999-2007) ist ebenfalls kein Zusammenhang ersichtlich. Der Korrelationskoeffizient nach Pearson lag hier bei –0,06, praktisch ist kein Zusammenhang ersichtlich. Es lässt sich somit für Schweden nicht bestätigen, dass die erweiterte Phillipskurve den Zusammenhang zwischen Preisen bzw. Preisstabilität und Arbeitslosigkeit besser beschreibt als die ursprüngliche Phillipskurve.

Natürliche Arbeitslosenquote

Um die natürliche Arbeitslosenquote zu ermitteln, wurden nachfolgend die linearen Regressionsfunktionen berechnet.
Die Gerade, die die Punktwolke für den Zeitraum 1991-1998 widerspiegelt, ist die Regressionsgerade:

.

Für die Periode von 1999-2007 ergibt sich folgende Regressionsgerade:

.

Zur Berechnung der “normalen Arbeitslosenquote” , die der inflationsneutralen Arbeitslosenquote entspricht, wurde II = 0 gesetzt. Nach Umstellung der Gleichung betrug die natürliche Arbeitslosenquote (un) 8,3% für den Zeitraum 1991-1998. 1999-2007 lag un bei 5,3%. Beide Ergebnisse sind für Schweden unrealistisch im Vergleich zu den tatsächlichen Arbeitslosenquoten und der Inflation. Da in Schweden seit Anfang der 90er Jahre die Inflationsraten weitestgehend konstant um 2% liegen, kann also weder grafisch noch rechnerisch eine zutreffende natürliche Arbeitslosenquote ermittelt werden.[BI 3]

Abblidung 3.3: Erweiterte Phillipskurve von Q1 1980 - Q4 1991

Um dennoch eine möglichst genaue Aussage treffen zu können, sollte die natürliche Arbeitslosenquote, welche die Inflation kurzfristig (konkret max. 1 Jahr lang) konstant hält, als Alternative betrachtet werden. Vorliegend wurde nach eingehender Prüfung die jährlich gerundete NAIRU mit Hodrick-Prescott-Filter[7] der OECD als zuverlässigste ausgemacht.[BI 4]

Da die vorgeschlagene Periodisierung zur erweiterten Phillipskurve auf Grund der Identifizierungsprobleme einer mittel- bis langfristigen strukturellen Arbeitslosenquote nicht sinnvoll ist, wurde nachfolgend ein besser geeigneter Zeitraum gesucht. Es konnte festgestellt werden, dass zwischen Q1 1980 und Q4 1991, sehr reliable grafische und rechnerische Ergebnisse erzielt werden konnten. Hier ergab sich eine realistische natürliche Arbeitslosenquote von 2,28%, was mit der Durchnitts-NAIRU.[TD 5] der OECD des Zeitraumes übereinstimmen würde (2,27%). Zurückzuführen ist dies primär auf den erst später folgenden Übergang Schwedens von hohen zu niedrigen Inflationsraten.[8]

Die theoretischen Annahmen der erweiterten Phillipskurve für die betrachteten Zeiträume können also nicht bestätigt werden.

Schwedische Wirtschaftspolitik

Für die schwedische Wirtschaftspolitik ergibt sich, da kein direkter Zusammenhang mehr zwischen der Inflationsänderung und den Arbeitslosenquoten besteht, dass grundsätzlich jede Arbeitslosigkeit mit relativ konstanter Inflation einhergehen kann. Zur Senkung der Arbeitslosigkeit könnte also angebotsseitig nicht eine höhere Inflation zugelassen, sondern vielmehr Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt beseitigt werden (beispielsweise werden Tarifverhandlungen in Schweden trotz Dezentralisierung weiterhin relativ zentral durchgeführt)[9]. Auch ist ersichtlich, dass die kurzfristige NAIRU durch Ihre Vereinbarkeit mit der Preisniveaustabilität, die zuverlässigsten Werte liefert.

Disinflations-Opfer

In Anlehnung an die Kernaussagen zu Okuns Gesetz und zur Phillipskurve, wird nachfolgend das Opferverhältnis Schwedens untersucht. Die Motivation dieser empirischen Betrachtung liegt darin begründet, den Erfolg oder Misserfolg der Inflationsbekämpfung für Schweden aufzuzeigen und die Ursachen, unter Berücksichtigung der Glaubwürdigkeit der Geldpolitik Schwedens, genauer zu eruieren.

Abbildung 4: Inflation, Arbeitslosigkeit und NAIRU Schwedens im quartalsmäßigen Vergleich

Disinflation, Überschussarbeitslosigkeit und Sacrifice Ratio

In einem ersten Schritt wurde die 7-Jahres-Periode ermittelt, in welcher die Inflation in Schweden um die meisten Prozentpunkte zurückgegangen ist.[BI 5] Da die jährliche Inflationsrate für Schweden erst ab 1980 die nötige Transparenz und Vergleichbarkeit aufweist, wurde nachfolgend insbesondere dieser Zeitraum genauer betrachtet.[10]

Festgestellt werden konnte, dass zwischen 1991 und 1997 der größte Rückgang der Inflationsrate zu verzeichnen war. Hier wurde die Inflation von 9,5% im Jahr 1991 auf ein historisch niedriges Niveau von 0,6% im Jahr 1997 abgesenkt. Dies entspricht einer durchschnittlichen Senkung von 1,48 Prozentpunkten pro Jahr.

Da sich das Opferverhältnis (Sacrifice Ratio) aus der Relation von Überschussarbeitslosigkeit zur Disinflationsrate ergibt.[BI 6], wurden anschließend die Disinflationsraten für den relevanten Zeitraum berechnet und in Bezug zum Basisjahr 1991 dargestellt. "Unter einer Disinflation versteht man eine Verringerung des Preisniveauanstiegs, das bedeutet die Geschwindigkeit von Preissteigerungen nimmt ab. Disinflation bezeichnet somit eine Verminderung der Inflation, jedoch nicht ein Sinken des Preisniveaus (Deflation)."[11] Es konnte festgestellt werden, dass die Disinflation im Jahr 1992 mit 7,10 Prozentpunkten die markanteste im gesamten Untersuchungszeitraum seit 1980 war.

Um die zweite Komponente in Form der Überschussarbeitslosigkeit zu ermitteln, wurden von den tatsächlichen Arbeitslosenquoten zwischen 1991 bis 1997 die natürlichen Arbeitslosenquoten subtrahiert und im Zeitablauf kumuliert. Da seit 1992 keine mittel- und/oder langfristige Arbeitslosenquote für Schweden identifiziert werden konnte (siehe: "Die Phillips-Kurven im Zeitablauf") wird nachfolgend insbesondere die jeweilige kurzfristige natürliche Arbeitslosenquote für Schweden (NAIRU) betrachtet.[BI 7] Aus Vergleichs- und Vorsichtsprinzipien heraus wurden darüber hinaus weitere Betrachtungen der NAIRU und NAWRU gewählt. Die NAWRU findet in der Untersuchung jedoch keine gesonderte Erwähnung, da ihre Berechnung primär nicht auf der Inflationsrate, sondern auf Löhnen beruht. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen ergaben sich sehr ähnliche Tendenzen. So ist zu erkennen, dass die kumulierten Überschussarbeitslosigkeiten bei fast allen betrachteten Zeitreihen im Jahr 1991 im niedrigen einstelligen Bereich beginnen und bis zum Jahr 1997 knapp über oder unter 20 Prozentpunkten notieren.

Weiterhin konnte in allen gewählten Modellen ein Trend hin zu steigenden Disinflationskosten im Zeitablauf beobachtet werden. Da eine signifikante Verschiebung der Daten empirisch weitestgehend ausgeschlossen werden konnte, werden sich die nachfolgenden Aussagen stellvertretend für alle untersuchten Zeitperioden auf die Ergebnisse zur kurzfristigen NAIRU beziehen.

Indikatoren[BI 8] 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997
Wachstum des BIP zu konstanten Preisen in %[TD 6] -1,08 -1,18 0,31 3,95 3,97 1,46 2,46
Arbeitslosenquote in % [TD 7] 2,96 5,26 8,24 7,96 7,70 8,05 8,04
Inflationsrate in %[TD 8] 9,50 2,40 4,70 2,20 2,40 0,50 0,60
NAIRU in %[TD 9] 2,67 3,41 4,10 4,43 4,77 5,15 5,23
kumulierte Disinflation 7,10 4,80 7,30 7,10 9,00 8,90
kumulierte Überschussarbeitslosigkeit mit kurzfristiger NAIRU 1,85 6,00 9,53 12,45 15,35 18,15
Opferverhältnis bei kurzfristiger NAIRU 0,26 1,25 1,30 1,75 1,71 2,04
Die kumulierte Arbeitslosigkeit errechnet sich als Summe der Jahresprozentpunkte an Überschussarbeitslosigkeit seit Beginn des Jahres 1991. Zur Berechnung wurden kurzfristige natürliche Arbeitslosenquote in Form der NAIRU unterstellt. Die kumulierte Disinflation berechnet sich als Differenz zwischen Inflationsrate eines Jahres und der Inflationsrate des Jahres 1991.

Quelle: Thomson Datastream, eigene Darstellung

Das Opferverhältnis ist lediglich im Jahr 1992 kleiner als 1. In den Folgejahren ist ein kontinuierlicher Anstieg auf bis zu 2,04 im Jahr 1997 zu verzeichnen. Die Reduktion der Inflationsrate um 8,9% im Jahr 1997 wurde durch eine Überschussarbeitslosigkeit in Höhe von 18,15 Prozentpunkten erkauft. Insgesamt kam es im Untersuchungszeitraum zu einer beträchtlichen Zunahme der Arbeitslosenquote auf über 8% (mehr als doppelt so hoch als jemals zuvor in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg)[8] in den Jahren 1996 und 1997, wobei die Inflationsraten in eben diesen beiden Jahren auf 0,5 und 0,6 sanken. Ursache für das hohe Opferverhältnis könnte zum einen mangelnde Glaubwürdigkeit der Schwedischen Zentralbank, zum anderen das betrachtete 7-Jahres-Intervall sein. Wäre ein längerer Zeitraum, zum Beispiel bis zum Jahr 2007, untersucht worden, so wäre erkennbar gewesen, dass die jährliche Inflationsrate seit 1994 nie höher als 2,4 % und die Arbeitslosenquote seit 1999 nie höher als 5,9 % war.

Lucas-Kritik

Im zweiten Schritt wurden die gewonnen Daten mit der Theorie der Lucas-Kritik verglichen und bewertet.[BI 9]

In Schweden ist für den betrachteten Zeitraum zu beobachten, dass die gesellschaftlichen Kosten der Disinflation, in Form von Arbeitslosigkeit, in direktem Zusammenhang mit der Inflationsreduktion stehen. Das bedeutet, dass weiterhin ein permanenter Trade-off besteht, was den Aussagen von Lucas widerspricht. Die Schwedische Notenbank (Sveriges Riksbank) kündigte Anfang der 90er Jahre eine Reform der Geldpolitik und den Übergang von hohen zu niedrigen Inflationsraten an. Dieses Ziel konnte durch einen temporären Rückgang der Beschäftigung und des realen Bruttoinlandsproduktes erreicht werden. Die Annahme von Lucas, dass vorhersehbare Änderungen keine Wirkung haben und Erwartungen das Verhalten der Wirtschaftssubjekte beeinflussen, kann für Schweden im betrachteten Zeitraum nicht bestätigt werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Maßnahmen der Schwedischen Zentralnotenbank zur avisierten Inflationssenkung nachhaltig und zielgerichtet wirkten.[JR 2]

Schwedische Geldpolitik

Abschließend wurde in einem dritten Schritt die Wirksamkeit der Inflationsbekämpfung unter besonderer Beachtung der schwedischen Geldpolitik betrachtet.[1] Zeitlich trafen in Schweden die wirtschaftlichen Rückschläge mit der internationalen Rezession zusammen. Jedoch war in Schweden Anfang der 90er Jahre der Produktions- und Beschäftigungsrückgang stärker als in vergleichbaren anderen Ländern. Aufgrund dieser Tatsachen und des anhaltenden Reformbedarfs war eine Neugestaltung der schwedischen Geldpolitik unsausweichlich. Von zentraler Bedeutung war der Übergang der Schwedischen Notenbank von den oben erwähnten hohen zu niedrigen Inflationsraten, die Freigabe der Wechselkurse im Februar 1992 und die Liquiditätsverringerung am Geldmarkt. Oberstes Ziel der Zentralbank ist seit 1995 die Inflationsrate bei 2%, mit einer maximalen Abweichung von 1 Prozentpunkt, zu halten.[14] Zusammenfassend war die schwedische Geldpolitik, trotz der Tatsache, dass die Inflationsrate in den letzen 14 Jahren knapp die Hälfte der Zeit signifikant unter 1% lag, relativ erfolgreich, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Inflationsrate in diesem Zeitraum nie höher als 2,4% war.

Lohnstückkosten und realer multilateraler Wechselkurs

Lohnstückkosten und realer multilateraler Wechselkurs gelten als Indikatoren für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Um mögliche Zusammenhänge zu ergründen, wird im Folgenden die Situation der schwedischen Wirtschaft und seiner Handelspartner über einen Zeitraum von 1996 - 2007 untersucht.

Realer multilateraler Wechselkurs

Der reale multilaterale Wechselkurs (Eng: real effective exchange rate – REER) ist ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft oder eines Währungsraumes im internationalen Wettbewerb. Dieser Kurs ergibt sich in dem man die Preise für schwedische Güter in Relation zu den Preisen für Güter der ausländischen Handelspartner setzt. Die Preise der schwedischen Handelspartner werden dabei gewichtet mit ihrem Anteil am schwedischen Außenhandelsumsatz. Die errechnete Zahl ist nun ein Index, dessen Niveau willkürlich gewählt wird, seine Entwicklung aber sehr aussagekräftig ist. Steigt der REER an, so bedeutet dies, dass die Güter Schwedens relativ zu den Gütern der Handelspartner teuer geworden sind. Die Wettbewerbsfähigkeit Schwedens hätte sich damit verringert. Sinkt der Index sind die Güter relativ billiger geworden und Schweden damit wettbewerbsfähiger.[BI 10]

Lohnstückkosten

Interessant ist die Beziehung der Veränderung des multilateralen Wechselkurses gegenüber dem Vorjahr zu den Veränderungen der Lohnstückkosten (Eng: unit labour costs – ULC) gegenüber dem Vorjahr. Unter ULC versteht man im Allgemeinen die Lohnkosten je Stück, also wie hoch der Lohnanteil an einem Produkt ist.[15] In der Volkswirtschaftslehre kann man das übertragen, in dem man als Lohnkosten die Kosten für den Produktionsfaktor „Arbeit“ definiert und damit alle Arbeitnehmereinkommen eines Landes heranzieht. Die produzierten „Stücke“ wären demnach alle in dem Land produzierten Güter. Dafür verwendet man folglich das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die ULC einer Volkswirtschaft sind damit die Arbeitnehmereinkommen in Relation zum BIP. Diese Kennzahl ist ebenfalls ein Index und ist auch als „Lohnquote“ bekannt. Hinter dieser Kennzahl verbirgt sich demnach der Anteil der Kosten für Arbeit, die ein Land aufbringen musste um eine bestimmte Menge Güter zu produzieren. Das ist eine wichtige Information, da der absolute Wert der Arbeitnehmereinkommen nicht sehr aussagekräftig ist. Erst in Verbindung mit den produzierten Gütern, also die Produktivität der Arbeitnehmer, lässt sich durch einen Vergleich mit anderen Ländern eine Aussage zu der Wettbewerbsfähigkeit eines Landes treffen. Wenn in einem Land die ULC steigen, führt dies tendenziell zu einer geringeren Wettbewerbsfähigkeit, da offensichtlich die Produktivität zurückgegangen ist. Sie ist zurückgegangen, weil höhere Löhne in Relation zu den produzierten Gütern gezahlt werden. Es werden die realen ULC für die vorliegende Untersuchung herangezogen, um preisniveaubedingte Verzerrungen auszuschließen.

Zusammenhang zwischen ULC und REER

Wie oben beschrieben ist der REER ein Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Ein steigender Kurs bedeutet, sinkende Wettbewerbsfähigkeit. Steigende ULC führen ebenfalls zu sinkender Wettbewerbsfähigkeit, da es durch den gestiegenen Lohnanteil relativ teuer geworden ist eine bestimmte Gütermenge zu produzieren. REER und ULC müssten also positiv miteinander korrelieren. Um zu untersuchen, ob dies für die schwedische Volkswirtschaft zutrifft, wird nun die Veränderung der REER mit der Veränderung der ULC in Beziehung gesetzt.

Abbildung 5.1: Korrelation

Im nebenstehenden Diagramm "Korrelation" ist die Veränderung von den ULC und den REER von 1996 bis 2007 abgetragen. Mit Hilfe der eingezeichneten Regressionsgeraden ist zu sehen, dass mit steigenden ULC ein steigender REER einhergeht. Der Korrelationskoeffizient beträgt 0,44 was auf einen positiven Zusammenhang hindeutet, der jedoch nicht stark ausgeprägt ist. Damit kann festgestellt werden, dass die ULC mit dem REER positiv korrelieren. Im Folgenden wird die Entwicklung der ULC Schwedens und seiner wichtigsten Handelspartner verglichen. Da die ULC die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen, ist die Entwicklung dieser bei den Handelspartnern interessant. So könnten steigende ULC bei den Handelspartnern den REER Schwedens positiv beeinflussen. Sollten die ULC bei den Vergleichsländern stärker steigen bzw. weniger sinken als in Schweden, so sollte der REER Schwedens nicht so stark von der Entwicklung der eigenen ULC beeinflusst werden. Die Ursache wäre dann die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit der Handelspartner durch ihre relativ ansteigenden ULC.

Abbildung 5.2: ULC (Unit Labour Costs)

Aus dem Diagramm "ULC" kann man erkennen, dass sich die ULC der wichtigsten Handelspartner unterschiedlich entwickelt haben. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören Deutschland, Großbritannien und Norwegen. In Schweden veränderten sie sich von 1996 bis 2007 um -2 %, in Deutschland um -6,7 % und in GB um +2,6 % und in Norwegen um -9,1 %.[2] Die Entwicklung der schwedischen ULC liegt damit etwa im Mittelfeld. In Norwegen sind die ULC am stärksten zurückgegangen. In GB sind sie sogar gestiegen. Da die schwedischen ULC im Mittelfeld liegen kann hier keine eindeutige Bestätigung der oben genannten Überlegungen gefunden werden. Unabhängig davon ist die Entwicklung der ULC der Handelspartner durchaus relevant, da sich damit die Entwicklung der relativen Wettbewerbsfähigkeit der schwedischen Volkswirtschaft tendenziell beurteilen lässt.

Restriktive Fiskalpolitik bei offenen Güter- und Finanzmärkten

Auswirkungen auf die Handelsbilanz, Leistungsbilanz, Kapitalbilanz

Abbildung 6.1: Staatsausgaben, Handels-, Leistungs-, Kapitalbilanz

Sinken in einer Volkswirtschaft die Staatsausgaben ohne eine Veränderung der Steuern, erhöht sich das Budget und es kann zu einem Budgetüberschuss kommen. Eine direkte Auswirkung auf die Handelsbilanz ist nicht gegeben, jedoch kommt es innerhalb der kurzen Frist zu einem Rückgang der Produktion und einer Abwertung der Währung.[BI 11] Dieser Effekt wirkt sich auf die Handelsbilanz mit einem Rückgang von Importen, positiv aus. Mittelfristig gesehen, ändert sich an der Handelsbilanz nichts, da es hier zu keinen Veränderungen der Produktion kommt. Im Folgenden wird die zehnjährige Periode von 1993 bis 2002 betrachtet. In der kurzen Frist zwischen 1993 und 1998 in Schweden, in der die Staatsausgaben sanken, bestätigt sich die Theorie der steigenden Nettoexporte. Betrachtet man in der Abbildung mittelfristig den Zeitraum von 1998 bis 2002, so ist die Handelsbilanz leicht rückläufig und steigt dann weiter an. Eine mögliche Ursache für den Anstieg ab 2001 kann der Börsencrash in den USA und dem damit verbundenen fallenden Dollar-Kurs.

Auf die Leistungsbilanz wirken sinkende Staatsausgaben ähnlich, da die Handelsbilanz, als Teil der Leistungsbilanz, diese stark beeinflusst. In Schweden ist zu erkennen, dass die Leistungsbilanz steigt. Mittelfristig gesehen, befindet sich die Leistungsbilanz von 1997 bis 2001 etwa auf einem Niveau.

Die Kapitalbilanz, als Finanzierer des Leistungsbilanzüberschusses ist in Schweden zu Beginn der Periode positiv, fällt jedoch mit sinkenden Staatsausgaben ins Negative. Zum Einen kann das heißen, dass Schweden mehr Kredite an das Ausland vergibt und zum Anderen, dass Schweden mehr Investitionen im Ausland tätigt, bzw. das Ausland aufgrund der Abwertung der Währung weniger Wertpapiere kauft. Bezogen auf die sinkenden Staatsausgaben bedeutet dies für Schweden, dass mehr Kapital zur Kreditvergabe ans Ausland zur Verfügung steht. Kurzfristig müssten die Kapitalexporte steigen. In der mittleren Frist, wie schon bei der Leistungs- und Handelsbilanz, hat die restriktive Fiskalpolitik keine Auswirkungen. In Schweden steigen die Kapitalexporte ab 2001 extrem an. Der Grund hierfür ist der hohe Leistungsbilanzüberschuss, der von anderen Faktoren, als den Staatsausgaben abhängt.

Übertragungsmechanismen

Übertragungsmechanismen dieser Auswirkungen können Veränderungen in der Konsumnachfrage, Investitionstätigkeit, nicht absehbare Schwankungen des Ölpreises sowie politische Entscheidungen sein. Ändert sich das Konsumverhalten privater Haushalte und Unternehmen und eine steigende Investitionstätigkeit dahingehend, dass weniger Subventionen getätigt werden müssen, kommt es zu den beschriebenen Annahmen. Die gesetzliche Regelung zu höheren Steuereinnahmen kann es ebenfalls zu restriktiven Steuerausgaben führen. Eine dauerhafte Erhöhung des Ölpreises würde sich auch in der mittleren Frist auswirken. Die Folge wären höhere Staatsausgaben und die Verschiebung der Bilanzen. Die Kapitalbilanz müsste dann steigen und Handels- und Leistungsbilanz fallen.

Flexibler und fester Wechselkurs

Betrachtet man die restriktive Fiskalpolitik unter flexiblen Wechselkursen, so geht die Produktion zurück und die Währung wertet ab. Unter festen Wechselkursen muss die Zentralbank eine Verschiebungen der Geldnachfrage aufgrund der sinkenden Produktion bei restriktiver Fiskalpolitik ausgleichen und der Volkswirtschaft Geld entziehen, sodass es zu keiner Abwertung der Währung kommt.[BI 12] Beim Handel mit Ländern fremder Währung und festem Wechselkurs wirken sich sinkende Staatsausgaben stärker aus, als mit flexiblem Wechselkurs, da die Geldpolitik eine Antwort auf die Fiskalpolitik darstellt. Eine Reaktion der Geldpolitik sind sinkende Zinsen. Laut Aussage des mittelfristigen Crowding-In kommt es bei sinkenden Staatsausgaben zu erhöhter Investitionstätigkeit. Die seit 1993 relativ stark fallende Kapitalbilanz wird durch die These des Crowding-In bei restriktiver Fiskalpolitik unterstützt. Hier kam es in Schweden aufgrund der geringeren Staatsausgaben zu einem sinkenden Zinssatz, der die Bereitschaft privater Haushalte, zu investieren, anhob.

Prognose für 2008

Niedrigeres Wachstum

Im Jahr 2008 wird die Schwedische Volkswirtschaft laut OECD-Schätzungen im Jahresmittel um 2,0% wachsen.[16] Hauptverantwortlich für die Abschwächung im Vergleich zum Boomjahr 2006 (4,09%) und zu 2007 (2,58%) ist die rückläufige konjunkturelle Dynamik, insbesondere im US-Dollar- und Euro-Raum.

Preisentwicklung

Die Preissteigerungen nahmen in den vergangenen Monaten relativ stark zu. Seit Oktober 2007 stieg die Inflation um 70 Basispunkte auf zuletzt 3,4% im März 2008.[TD 12]
Obwohl die schwedische Wirtschaft moderater wächst und der Anstieg der Arbeitskosten infolge des beschleunigten Lohnwachstums abnimmt, wird es 2008 zu höheren Inflationsraten kommen. Im Jahresmittel 2008 sollte die Inflation durchschnittlich 2,9%[TD 13] betragen, wobei die Arbeitslosenquote von 4,60% im Jahr 2007 auf etwa 3,83%[TD 14] zurückgehen wird.

Wechselkursentwicklung

Auf Grund der Leitzinserhöhungen der Schwedischen Zentralnotenbank der letzten Monate, hat die Schwedische Krone gegenüber dem US-Dollar und dem Euro aufgewertet.

Aufgrund des hohen Leistungsbilanzüberschusses Schwedens ist mit einer weiteren Aufwertung der Krone gegenüber dem US-Dollar zu rechnen. Auch eine erneute Leitzinssenkung der FED würde den Spread zwischen den amerikanischen und den schwedischen Zinsen ausweiten, was weiter zu einer Aufwertung der schwedischen Krone führen könnte.[PB 1]

Gegenüber dem Euro wird 2008 mit weitestgehender Stabilität in einer Range von 9,10 bis 9,40 SEK je Euro gerechnet, zumal die EZB bereits die Möglichkeit einer Zinserhöhung, nach der überstandenen Finanzmarktkrise, in Erwägung zieht.[PB 2]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Vergleich Bernhard Felderer und Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9. Aufl., Berlin 2005, S. 158 ff., ISBN 3-5402-5020-4.
  2. 2,0 2,1 2,2 Ameco-Datenbank - vom 23.05.2008 - eigene Darstellung
  3. Schwedisches Zentralbüro, URL: http://www.scb.se/statistik/_publikationer/OE0903_2007A01_BR_OE06SA0702.pdf vom 27.05.2008
  4. ISA - Invest in Sweden Acency, URL: http://www.isa.se/templates/Normal____51767.aspx vom 27.05.2008
  5. Schwedisches Zentralbüro: URL: http://www.scb.se/Grupp/ekonomi/_Dokument/Econreportq407.pdf vom 27.05.2008
  6. Vergleich Hans Joachim Jarchow und Peter Rühmann: Monetäre Außenwirtschaft II – Internationale Wirtschaftspolitik, 5. Auflage, Göttingen, 2002, S. 300 ff., ISBN 3-5250-3174-2.
  7. OECD: Economic Outlook Database Inventory, URL: http://www.oecd.org/dataoecd/47/9/36462096.pdf vom 22.05.2008
  8. 8,0 8,1 Schwedisches Institut: Tatsachen über Schweden - Die Schwedische Wirtschaft, URL: http://www.swedengate.de/allgemeines/pdf_wirt_wirtschaft.pdf vom 25.05.2008.
  9. Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut: Reform der schwedischen Arbeitsmarkt- und Tarifpolitik, Autor: Ulrich Zierahn, URL: http://www.hwwi.org/uploads/tx_wilpubdb/HWWI_Research_Paper-1-14_01.pdf vom 25.05.2008
  10. Grundlegend wird vereinfachend davon ausgegangen, dass die Reduktion der Inflationsrate zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führt, womit traditionell ein Opferverhältnis von 1 unterstellt wird.
  11. Wikipedia - Die freie Enzyklopädie: Disinflation, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Disinflation vom 29. Mai 2008
  12. Thomson Financial Datastream vom 22.05.2008
  13. Ameco
  14. Sveriges Riksbank / Schwedische Zentralnotenbank: The objective of monetary policy, URL: http://www.riksbank.com/templates/SectionStart.aspx?id=10602 vom 25.05.2008
  15. Vergleich Kurt Hübner und Andreas Bley: Lohnstückkosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit, Marburg 1996, S. 31 ff., ISBN 3-8947-2188-X.
  16. Vergleich International Monetray Fund: World Economic Outlook April 2008, URL: http://www.imf.org/external/datamapper/index.php vom 26.05.2008

Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4. Auflage, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7.

  1. S. 223 ff.
  2. S. 241 ff.
  3. S. 237 ff.
  4. S. 838
  5. S. 263 ff.
  6. S. 284
  7. S. 247
  8. S. 283 ff.
  9. S. 837
  10. S. 519-524
  11. S. 587
  12. S. 594

Der Platow-Brief, Herausgeber: Albrecht F. Schirmacher

  1. Finanzmärkte - Binnen weniger Wochen hat Stimmung gedreht, Seite 4, vom 25.04.2008.
  2. EZB könnte nach Überwinden der Bankenkrise Zinsen erhöhen, Seite 1, vom 31.03.2008.

Hans-Joachim Jarchow: Theorie und Politik des Geldes. 11. Auflage, Göttingen 2003, ISBN 3-8252-2453-8.

  1. S. 300 ff.
  2. S. 321 ff.

Thomson Financial Datastream

  1. Statistics Sweden - SDCPANNL
  2. OECD - SDOCFUNR / Economist Intelligence Unit - SDUNEM..
  3. IMF - SDY99B..A / Economist Intelligence Unit - SDGDPL..
  4. Statistics - SDPOPTOTP
  5. OECD - SDOCFNUNQ
  6. IMF - SDY99B.PC
  7. OECD - SDOCFUNR
  8. Statistics Sweden - SDCPANNL
  9. OECD - SDOCFNUN
  10. IMF - SDI35L.BB
  11. Bank of Sweden - SDI60C..
  12. Statistics Sweden - SDCPA0LL
  13. IFO World Economic Survey - SDIFINFRR
  14. OECD - SDOCFUNRY

Literatur

  • Blanchard, Olivier/Illing, Gerhard: Makroökonomie, 4. Auflage, München 2006, ISBN 3-8273-7209-7.
  • Felderer, Bernhard; Homburg, Stefan: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9. Auflage, Berlin 2005 - ISBN 3-540-25020-4.
  • Hübner, Kurt/ Bley, Andreas: Lohnstückkosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit, Marburg 1996, ISBN 3-8947-2188-X.
  • Jarchow, Hans-Joachim: Theorie und Politik des Geldes. 11. Auflage, Göttingen 2003, ISBN 3-8252-2453-8.
  • Krugman, Paul R./Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, ISBN 3-8273-7199-6.

Weblinks