Vernons Produktlebenszyklushypothese der ausländischen Direktinvestition

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Stephan Rössel 08:20, 28. Apr. 2008 (CEST)

Synonyme Produktlebenszyklus nach Vernon, Vernons Produktlebenszyklustheorie


Allgemeines

Raymond Vernon beschreibt in seinem Artikel International Investment and International Trade in the Product Cycle in Quarterly Journal of Economics, May, 1966 den Verlauf von Investitionen anhand des Produktlebenszykluses. Der Produktlebenszyklus wird in der Betriebswirtschaft in folgende 4 Phasen eingeteilt: Einführung, Wachstum, Reife und Degeneration. Vernon bezieht sich im Rahmen der Hypothese nur auf die ersten 3 Phasen, die Degenerationsphase blendet er in seiner Betrachtung aus. Weiterhin teilt er alle Länder in 3 Kategorien ein, das Erfinderland, entwickelte Länder und Entwicklungsländer. Das Erfinderland und die entwickelten Länder zeichnen sich durch hohe Technologiestandards und hohe Personalkosten aus. Allerdings ist das Personal hoch qualifiziert und kann auch schwierige Produktionen durchführen.

Grundlegende Aussage

Die Grundlegende Aussage Vernons Hypothese ist, dass mit fortschreitendem Produktlebenszyklus die Produktion immer weiter vom Erfinderland zum Entwicklungsland verlagert wird.


Einordnung

Vernons Hypothese lässt sich einerseits dem Themengebiet der Investition und Investitionsplanung aber auch dem Thema Produktmanagement zuordnen. Die unterschiedlichen Zuordnungen ergeben sich, je nach Wahl des Betrachtungsschwerpunktes. Wenn man das Augenmerk vor allem auf die ausländische Direktinvestition legt so gelangt man zur Investitionsplanung. Befasst man sich hingegen mehr mit dem Produktlebenszyklus, so bewegt man sich auf dem Themengebiet des Produktmanagements.

Die Phasen

Im Nachfolgenden werden die von Vernon betrachteten Phasen einzeln betrachtet, wobei jeweils erst auf allgemeine Sachverhalte der jeweiligen Phase eingegangen wird und im Anschluss daran auf die spezifische Auseinandersetzung mit Vernons Hypothese in dieser Phase.


Einführungsphase


auch Innovationsphase

Allgemein

In der Betrachtung der Phasen des Produktlebenszykluses stellt die Einführungsphase, wie der Name schon erahnen lässt, die Markteinführung und frühe Marktphase dar. In dieser Phase ist das Produkt meist durch einen noch negativen Deckungsbeitrag, vor allem durch hohe Investitionen in Maschinen und in Forschung und Entwicklung aber auch in Marketing verursacht, gekennzeichnet. Weiterhin liegt ein überwiegend negativer freier Cashflow vor. Vorteilhaft in dieser frühen Phase ist, dass der Markt meist eine starke Tendenz zum Monopol aufweist, da das Produkt noch sehr neu auf dem Markt und somit die Konkurrenz noch sehr gering ist.

Produktlebenszyklushypothese

Das Produkt wird im Erfinderland (Hochtechnologieland) eingeführt, da hier der Entwicklungsstand weit voran geschritten ist und auch ein sehr hoch qualifiziertes Personal für eine aufwendige Produktion zur Verfügung steht. In dieser Phase überwiegt der Qualitätsvorteil die hohen Lohn- und Produktionskosten. In dieser Phase exportiert das Erfinderland das Produkt auf alle anderen Märkte, da das produzierende Unternehmen eine Monopolstellung auf dem Weltmarkt hat und eine Eigenproduktion mangels qualifizierten Personals und aufgrund zu niedriger Technologie in den anderen entwickelten Ländern und in den Entwicklungsländern nicht möglich ist.


Wachstumsphase


auch Ausreifungsphase

Allgemein

In der Wachstumsphase hat das Produkt ein stark wachsendes Absatzvolumen. Dies führt logischerweise auch zu einer Verbesserung des freien Cashflow´s, wobei dieser in der Wachstumsphase noch nicht zwangsweise stark positiv sein muss. Vielmehr ist in dieser Phase aufgrund von Erweiterungsinvestitionen zum Ausbau der vorhandenen Kapazitäten, damit weiterhin am wachsenden Absatz partizipiert werden kann. Die Ausgaben für Marketing bleiben in dieser Phase traditionsgemäß auf einem sehr hohen Niveau, wohingegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zurückgehen. Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass in Sachen F&E nichts mehr getan wird.

Produktlebenszyklushypothese

Das Produkt wird zunehmend auch von den anderen entwickelten Ländern produziert, welche das entwickelte Produkt vom Erfinderland übernehmen. Dabei exportiert aber das Erfinderland immer noch mit steigender Tendenz, da es Vorteile des Erfahrungskurveneffektes ausnutzen kann und somit seine Stückherstellkosten niedriger sind als die der anderen entwickelten Länder. In dieser Phase werden im Rahmen der direkten Investition im Ausland neue Produktionsstätten eröffnet, sofern der Vorteil in Form der Transportkostenersparnis gegenüber den Kosten für die Neuinvestition überwiegt. Ist dies nicht der Fall wird vorzugsweise die Kapazität im Erfinderland erhöht und die Exportrate steigt weiter an.


Reifephase


auch Standardisierungsphase


Allgemein

Die Reifephase ist die ertragreichste Phase des Produktes. Die Ausgaben für Marketing und Forschung und Entwicklung sind stark reduziert, Investitionen finden vorwiegend in Form von Ersatzinvestitionen statt und der freie Cashflow ist demnach stark positiv. Allerdings ist diese Phase auch kritisch zu betrachten. Denn nach der Reife kommt die Degeneration und in dieser Phase sinkt der Ertrag des Produktes. Deshalb muss, wenn ein Produkt diese Phase erreicht hat das Nachfolgeprodukt schon in der Einführungsphase sein, sonst ist das Unternehmen langfristig gefährdet.

Produktlebenszyklushypothese

Die Standartisierung des Produktes und vor allem auch die der Produktionstechniken nimmt stark zu, so dass nicht so viele hochqualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden. Damit verlagert sich der Wettbewerbsvorteil hin zu den Entwicklungsländern, welche Vorteile durch geringe Lohnkosten haben, was in erheblichem Umfang die Stückherstellkosten senkt. Folglich verlagern die Unternehmen ihre Produktion ins Ausland. Diese Verlagerung kann auf 3 Wegen vonstatten gehen. Betrachtung aus Erfinderlandsicht.

1. Ausländische Unternehmen produzieren mit Eigenmitteln die Produkte
2. Inländische Unternehmen investieren in Ortsansässige Unternehmen (indirekte Investition)
3. Inländische Unternehmen investieren in eigene Tochtergesellschaften (direkte Investition)

Grafische Verdeutlichung

Praxisbeispiel

Ein Beipiel für Vernons Hypothese stellen Schuhe von Adidas dar. Zuerst wurden sie nur in Deutschland (Erfinderland) gefertigt. Später folgten Produktionen in den USA und Canada (entwickelte Länder) und schließlich auch in Asien (Entwicklungsländer/Schwellenländer).


Heute findet ein Großteil der Produktion ( bei Schuhen 96% (lt. Adidas Konzernlagebericht)) in Asien statt.

Quellen

Textquellen

1. Quarterly Journal of Economics, May, 1966, Vernon, Raymond, International Investment and International Trade in the Product Cycle Seite 191 – 207
2. Dipl. Vw. Simon Renaud, Übung Außenhandelspolitik, 2005, Universität Jena
3. Buerke, G.; Beibst, G. , Marketing Kompakt, 2007, Fachhochschule Jena

Abbildungen

  1. aus Dipl. Vw. Simon Renaud, Übung Außenhandelspolitik Kapitel 2.4, 2005, Universität Jena in Anlehnung an Quarterly Journal of Economics, May, 1966, Vernon, Raymond, International Investment and International Trade in the Product Cycle Seite 199 Figure I
  2. aus Dipl. Vw. Simon Renaud, Übung Außenhandelspolitik Kapitel 2.4, 2005, Universität Jena in Anlehnung an Quarterly Journal of Economics, May, 1966, Vernon, Raymond, International Investment and International Trade in the Product Cycle Seite 199 Figure I
  3. aus Dipl. Vw. Simon Renaud, Übung Außenhandelspolitik Kapitel 2.4, 2005, Universität Jena in Anlehnung an Quarterly Journal of Economics, May, 1966, Vernon, Raymond, International Investment and International Trade in the Product Cycle Seite 199 Figure I


Webquellen

Adidas, Konzernlagebericht 12.4.2006


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