Verfügbares Einkommen

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Verfügbares Einkommen ist ein Begriff der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Er bezeichnet den Teil des Einkommens, der den privaten Haushalten hauptsächlich für den privaten Konsum zur Verfügung steht.

Begriffshistorie

1949 beschrieb Clarence L. Barber[1] welche Anomalien in dem bis dahin verwendeten und unzureichend definierten Begriff des verfügbaren Einkommens nicht inbegriffen waren. Abschreibungen waren zu diesem Zeitpunkt nur als Teil in dem gesamten Einsparungsbild der Bruttosparquote enthalten und konnten nicht von den laufenden Erträgen unterschieden werden. Das galt vor allem für landwirtschaftliche Einkommen sowie Einkommen aus der Immobilienwirtschaft und den selbstgenutzten Eigenheimen.

Die Bruttomieterträge waren den Konsumausgaben zugeordnet, aber die dazugehörenden Abschreibungen waren vom verfügbaren Einkommen ausgeschlossen. Dies hatte zur Folge dass die Abschreibungen auf Landwirtschaft und Wohnimmobilien zusammen ca. einem Drittel des Volumens der gesamten Abschreibungen der Vorkriegszeit ausmachten. Da viele Menschen diese Einnahmen als Einkommen sahen, sparten sie weniger als gesamtwirtschaftlich erforderlich gewesen wäre.

Zum verfügbaren Einkommen zählten des Weiteren die Nettoveränderungen landwirtschaftlicher Vorräte. Diese standen normalerweise nicht für Ausgaben zur Verfügung. Viele Bauern verkauften ihre Vorräte, erhielten dabei die gleichen Einnahmen wie durch andere Einkommensquellen. Zu der Zeit galt der akkumulierte Bestand eines landwirtschaftlichen Betriebes nicht als Einkommen für Ausgaben.

Jahre \frac{\Delta C}{\Delta D1} \frac{\Delta C}{\Delta D2}
1939- 40 85.5 88.4
1940- 41 83.9 71.1
1941- 42 41.0 61.3
1942- 43 80.5 38.3
1943- 44 65.6 59.6
1944- 45 169.3 125.2

In der obigen Tabelle[2] sind zwei wichtige Formen des Sparens aufgezeigt. Einsparungen aus dem verfügbaren Einkommen vor und nach der Anpassung an die Nettoveränderungen der Betriebsvorräte werden durch die Visualisierung des Auf- und Absteigens der marginalen Sparneigung dargestellt und der Anpassung an die Nettoveränderungen der Vorräte während der Kriegszeit zu folgen. Das Anlageeinkommen von Lebensversicherungen wurde zwischen dem Anleger und der Versicherungsgesellschaft, die ihren Anteil einbehielt, aufgeteilt. Die Erfassungsmethoden stellten den Teil des Bruttosozialprodukts, der für das verfügbare Einkommen geeignet war, nur unzureichend dar.[3]

Berechnung

Neuere Bechnungsmethoden versuchen den Faktor wie folgt zu erfassen:

Konsum der Haushalte

+ Konsum des Staates

+ Investitionen

+ Export

- Import

= Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen

- Abschreibungen

= Nettosozialprodukt zu Marktpreisen

- indirekte Steuern

+ Subventionen

= Nettosozialprodukt zu Faktorkosten (=Volkseinkommen)

- Einkommen des Staates

+ Transferzahlungen

= privates Einkommen

- direkte Steuern der Kapitalgesellschaften

- Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber

- Nicht ausgeschüttete Gewinne der Unternehmen

= persönliches Einkommen

- direkte Steuern der privaten Haushalte

- Sozialversicherungsbeiträge der Haushalte

= verfügbares Einkommen

Wird zum Konsum der Haushalte der des Staates, sowie die Investitionen und der Außenhandelsbeitrag hinzu addiert, entsteht rechnerisch das BSP zu Marktpreisen.

Im Bruttosozialprodukt zu Marktpreisen sind die Beiträge für die Produktionsmittel enthalten. In den Kapitalmarkt einfließende werden abgezogen, da nur die Werte erfasst werden, die einer Volkswirtschaft zugeflossen sind. Die Differenz ist das Nettosozialprodukt zu Marktpreisen, das identisch ist mit den Verkaufserlösen der Unternehmen.[4]

Um das Volkseinkommen zu berechnen, müssen die indirekten Steuern abgezogen und die Subventionen dazu addiert werden. Die Steuern, die der Staat zur Finanzierung seiner Ausgaben benötigt und die in den Marktpreisen enthalten sind, sind bspw.: Mineralölsteuer, Branntweinsteuer, Tabaksteuer, sowie die Umsatzsteuer. Im Rahmen der staatlichen Strukturpolitik fließen den Unternehmen Subventionen zu. Es handelt sich um Einkommensteile, die nicht im Nettosozialprodukt enthalten sind, weshalb sie dazu addiert werden müssen. Transferzahlungen, mittels derer der Staat in die Einkommensverteilungsmechanismen eingreift, um das politische Ziel einer verbesserten sozialen Gerechtigkeit zu fördern, fließen vor allem den privaten Haushalten zu.[5]

Vom privaten Einkommen werden die direkten Steuern der Unternehmungen abgezogen.[6]Diese sowie die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber vermindern das private Einkommen und fließen den Staat als weiteres Einkommen zu. Nicht ausgeschüttete Gewinne fließen dem Kapitalmarkt zu. D.h. ein Teil des privaten Einkommens wird für Investitionen verwendet. Ebenfalls dem Kapitalmarkt fließen Ersparnisse der privaten Haushalte zu. Diese Spargelder stehen zu Investitionszwecken zur Verfügung.

Eine andere Form des Verbrauchs besteht in Konsumausgaben der Haushalte. Das sind Käufe für den Endverbrauch.[7]

Konsumentscheidung

Die Konsumentscheidungen der Individuen hängen maßgeblich vom verfügbarem Einkommen ab, weil eine Erhöhung dieser frei verfügbaren Größe die Konsumneigung stimuliert.[8] Deshalb wird der Konsum als eine Funktion des verfügbaren Einkommens beschrieben werden kann.

C= C(Y)


Ökonomen sehen aufgrund dieser engen Beziehung dieser beiden Größen eine Spezifizierung vor:

C = c0 + c1 * Y

Diese Beziehung wird linear beschrieben. D.h. steigt das verfügbare Einkommen, steigt auch der Konsum.

C0 sagt der Einfachheit halber wie viel konsumiert wird, wenn das verfügbare Einkommen im Jahr Null, Null betragen würde. Dann würde die Gleichung wie folgt aussehen: C=c0

C1 gibt das zusätzliche Aufkommen des verfügbaren Einkommens an. Das heißt, würde c1 den wert 0,5 annehmen dann stiege der Konsum um 1 € *0,5.

Aus folgender Betrachtung kann, bei Unterstellung eines volkswirtschaftlichen Modells mit linearem Zusammenhang, auf den Einfluss des verfügbaren Einkommens auf den Konsum geschlossen werden. Eine wichtige Annahme ist, dass das verfügbare Einkommen vollständig für Konsum ausgegeben wird. Gerade in Situationen konjunktureller Instabilität hat sich gezeigt, dass die Wirtschaftsubjekte den größeren Teil des verfügbaren Einkommens nicht für Konsumzwecken aufwenden sondern sparen.[9]

Vergleichbarkeitsproblem

Oft wird trotz unzureichender statistischer Daten angestrebt den Wohlstand der Länder anhand des verfügbaren Einkommens zu vergleichen. Der Anteil des verfügbaren Einkommens am Bruttoinlandsprodukt würde von Land zu Land aufgrund der Wohnbasiertheit variieren und Unterschiede bei Abschreibungs-, Transfer-, Primäreinkommen, staatlichen Aktivitäten und Außenhandelsalden werden bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt. Die volkswirtschaftliche Rolle der öffentlichen Hand ist vor allem in Ländern mit hoher Staatsquote, wie Finnland und Schweiz, von Bedeutung.[10] Das verfügbare Einkommen ist kein geeignetes Maß um den regionalen Wohlstand zu messen.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Clarence L. Barber: The Concept of disposible Income
  2. National Accounts: Income and Expenditure, 1938-1946
  3. Rolf Walter, Wirtschaftsgeschichte: Vom Merkantilismus bis zur Gegenwart. ISBN 3-412-11803-6 <a href="javascript:Pick it!ISBN: 3-412-11803-6"><img style="border: 0px none ;" src="http://www.citavi.com/softlink?linkid=FindIt" alt="Pick It!" title='Titel anhand dieser ISBN in Citavi-Projekt übernehmen'></a> . Seite 14 – Seite 308
  4. Statistisches Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland
  5. Deutsche Bundesbank
  6. Robert J. Barro, Makroökonomie, S.25, ISBN 3-924-956-60-X.
  7. Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung im Überblick
  8. Makroökonomie, Dornbusch- Fischer- Startz, S.255 u. S.263, ISBN 3-486-25713-7
  9. Hans Walter Lorenz, Skript Makroökonomie VWL 2, Seite 60. FSU Jena.
  10. http.eurostat.com
en:Disposable income

ja:消費