Unvollkommene Kapitalmobilität

Aus Wiwiwiki.net
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Joersch81 21:55, 29. Apr. 2008 (CEST)

Unvollkommene Kapitalmobilität liegt vor, wenn es nicht möglich ist jederzeit Kapital ohne Verzögerung und Kosten in jede beliebige Anlageform zu transferieren, insbesondere zwischen In- und Ausland.[1]


Ursachen

  • Kapitalverkehrskontrollen
  • politische Risiken
  • unterschiedliche Steuergesetze
  • Transaktionskosten

Folgen

Aufgrund dieser Einflussgrößen sind die Zinssätze in den verschiedenen Ländern unterschiedlich, weil in- und ausländische Wertpapiere als unvollkommene Substitute angesehen werden. Das heißt in- und ausländische Wertpapiere können nicht nur nach ihrer Rendite beurteilt werden, da sie sich beispielsweise in ihren Risiken stark voneinander unterscheiden.[2]

Bezug zum Mundell-Fleming-Modell

Die Kapitalmobilität stellt einen wichtigen Baustein in diesem erweiterten IS-LM-Modell dar, auch IS-LM-ZZ-Modell genannt. Dabei werden die bereits vorhandenen IS-LM-Kurven durch die sogenannte ZZ-Kurve ergänzt, wodurch nun auch offene Volkswirtschaften beschrieben werden können. Diese zusätzliche Kurve stellt alle Kombinationen aus Zins und Einkommen dar, bei denen es zu einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz kommt.[3] Wobei der Grad der Kapitalmobilität einen großen Einfluss auf den Verlauf dieser Kurve hat.

Auswirkung auf die ZZ-Kurve

Verlauf der ZZ-Kurve bei unvollkommener Kapitalmobilität.[4]


Die ZZ-Kurve hat bei unvollkommener Kapitalmobilität eine positive Steigung, wie in der Grafik deutlich zu sehen ist. Angenommen das Inlandseinkommen steigt, ausgehend von dem Zahlungsbilanzgleichgewicht A, auf Y1. In Folge dessen erhöht sich die Importnachfrage, weil das Inland verstärkt ausländische Güter nachfragt. Dadurch gerät die Zahlungsbilanz bei unveränderten inländischen Zinsniveau r0 im Punkt B in ein Defizit. Um das Zahlungsbilanzgleichgewicht aufrecht zu erhalten, muss nun auch der Zins steigen. Somit wird ein zusätzlicher Kapitalimport induziert, weil ausländische Anleger ihr Kapital nun verstärkt in inländische Vermögenstitel umschichten, um von dem höheren Zinssatz zu profitieren. Das Defizit in der Leistungsbilanz wird also in Punkt C durch diesen zusätzlichen Kapitalimport kompensiert. Alle Punkte auf der ZZ-Kurve stellen ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht dar, da in diesen Punkten die Zahlungsbilanz ausgeglichen ist.[5]


Im Falle einer vollkommenen Kapitalmobilität verläuft die ZZ-Kurve parallel zur Y-Achse, und bei fehlender Kapitalmobilität parallel zur X-Achse.

Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei unvollkommener Kapitalmobilität

Ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht liegt - ausgehend von dem Mundell-Fleming-Modell - erst vor, wenn sich die ZZ-Kurve zusammen mit der IS- und LM-Kurve in einem gemeinsamen Punkt schneidet.[6] Dabei ist in der folgenden Betrachtung zwischen dem Vorhandensein von festen und flexiblen Wechselkursen zu unterscheiden, wovon die Art der Anpassungsprozesse entscheidend beeinflusst wird.


Feste Wechselkurse

expansive Fiskalpolitik

In Folge einer expansiven Fiskalpolitik (staatliche Diskriminierungspolitik) unter unvollkommener Kapitalmobilität steigen der Zinssatz und das gesamtwirtschaftliche Einkommen an. Dieser Anstieg führt zu einem Überschuss in der Zahlungsbilanz. Um eine nun folgende Aufwertung der inländischen Währung zu vermeiden, muss die Zentralbank Auslandswährungen aufkaufen bis ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht erreicht ist.[7]

expansive Geldpolitik

Bei einer expansiven geldpolitischen Maßnahme kommt es kurzfristig zu einem höheren gesamtwirtschaftlichen Einkommen und zu einem niedrigeren Zinsniveau, worauf sich ein Zahlungsbilanzdefizit einstellt. Im Falle der unvollkommenen Kapitalmobilität kann die Zentralbank versuchen den Zins dauerhaft zu senken und damit die eigene Volkswirtschaft auf einem höheren Produktionsniveau zu stabilisieren. Dazu muss sie in jeder Periode Devisen mit dem von ihr selbst geschaffenen Geld aufkaufen. [8]

Flexible Wechselkurse

Flexible Wechselkurse stellen die Kontrolle der Zentralbank über die Geldmenge wieder. Weiterhin ermöglichen sie es jedem Land, sein eigenes langfristiges Inflationsziel zu wählen.

expansive Fiskalpolitik

Bei einer expansiven Fiskalpolitik zu flexiblen Wechselkursen steigen das Zinsniveau und das gesamtwirtschaftliche Einkommen. Diese Expansion führt in der Zahlungsbilanz zu einem Überschuss, wodurch sich die inländische Währung aufwertet. Durch diese Aufwertung verringert sich zwar die Exportnachfrage und die Importe werden stimuliert, sie kann jedoch über die indirekte Wirkung bei unvollkommener Kapitalmobilität den expansiven fiskalpolitischen Impuls nicht vollständig kompensieren.[9]

expansive Geldpolitik

Durch eine expansive Geldpolitik werden das Zinsniveau und das gesamtwirtschaftliche Einkommen erhöht. Dies führt jedoch zu einem Defizit in der Zahlungsbilanz und somit zu einer Abwertung der inländischen Währung. Es stellt sich ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht bei einem höheren Gleichgewichtseinkommen ein.[10]

Einzelnachweise

  1. vgl.http://homepage.uibk.ac.at/~c43207/die/MFM.pdf
  2. vgl. Wohltmann, Hans-Werner: Grundzüge der makroökonomischen Theorie, 3.Auflage, München, 2000, S.277
  3. vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/IS-LM-Modell
  4. in Anlehnung an Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.172
  5. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.172
  6. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.172
  7. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.176
  8. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.177
  9. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.180
  10. vgl. Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, S.181


Literatur

  • Bender, Dieter / Berg, Hartmut / Gabisch, Günther / Grosskettler, Heinz / Hartwig, Karl-Hans / Hübl, Lothar / Kerber, Wolfgang / Nienhaus, Volker / Siebke, Jürgen / Smeets, Heinz-Dieter / Thieme, Jörg /Vollmer, Uwe: Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Band 1, 8.Auflage, München, 2003, ISBN 3-8006-2895-3
  • Blanchard, Olivier/Illing, Gerhard: Makroökonomie, 4. Auflage, München, 2006, ISBN 3-827-37209-7
  • Cezanne, Wolfgang: Grundzüge der Makroökonomik, 7.Auflage, München, 1998, ISBN 3-486-24933-9
  • Rittenbruch, Klaus: Makroökonomie, 11.Auflage, München, 2000, ISBN 3-486-25486-3
  • Wohltmann, Hans-Werner: Grundzüge der makroökonomischen Theorie, 3.Auflage, München, 2000, ISBN 3-486-25385-9