Rybczynski-Theorem

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --RobertWeller 22:21, 27. Apr. 2008 (CEST)

Der Rybczynski-Effekt, auch besser bekannt als das Rybczynski-Theorem, wurde erstmals 1955 von T.M. Rybczynski (1923-1998) beschrieben. Die Veröffentlichung seines Aufsatzes "Factor Endowments and Relative Commodity Prices" gehörte zu seinen berühmtesten Arbeiten. Zur Beschreibung des Effekts muss sich das Angebot bzw. der Bestand eines Produktionsfaktors verändern, während der andere Produktionsfaktor konstant bleibt. Durch die Änderung, zum Beispiel einer Erhöhung eines Produktionsfaktors, erfolgt eine Ausweitung der Output Menge des Gutes, welches diesen Faktor verhältnismäßig intensiver nutzt. Die Konzentration auf die Herstellung des Gutes, was den erhöhten Faktor stärker verwendet, wird eine Reduzierung der Output Menge des anderen Gutes hervorrufen.


Allgemeines und Definition

Der Effekt entstand während seiner Studienzeit an der Londen School of Economics und trägt bis heute seinen Namen. Der ehemalige Chefökonom der Lazard Bros. Co. Ltd in London bewies mit diesem Ansatz, das das Wirtschaftswachstum sich in der Angebotsänderung der Produktionsfaktoren eines Landes widerspiegelt. Die Ableitung des Theorems kann zur Beschreibung des Außenhandels einer Volkswirtschaft heran gezogen werden. Aus Vereinfachungsgründen betrachte Rybczynski eine geschlossene Volkswirtschaft. Als weitere Voraussetzung bestehen die Annahmen aus dem Heckscher-Ohlin-Modell. Die Kernaussage des Modells beschreibt die Produktion der Output Güter mit Hilfe von zwei Produktionsfaktoren. Auch vorliegend beziehen sich die Annahmen des Rybzcynski-Effekts darauf, dass das erste Gut im Verhältnis zu dem zweiten Gut einen Produktionsfaktor intensiver nutzt, dem zufolge verwendet das zweite Gut den anderen Produktionsfaktor intensiver als das Erste.

Alternative Definition

"changes in factor endowments at constant output prices influence the production structure of an economy or region in a predictable manner depending on the relative factor intensities of the respective industries. If production of an industry is subject to dynamic scale economies, such changes in factor endowments will therefore have long-run effects on acquired comparative advantages through LBD."[1]

Änderungen des Faktors Arbeit bei konstanten Output Preisen führen zur Beeinflussung der Produktionsstruktur einer Volkswirtschaft oder einer Region. Die Art und Weise der Veränderung lässt sich in der betrachteten Industrie durch die relative Intensität der Faktornutzung vorhersehen. Die produzierende Industrie neigt dadurch zu Größeneffekten auf den Out- und Input Märkten. Die Auswirkung dieser Änderung führen langfristig zu Wettbewerbsvorteilen durch LBD.

Zu konstanten Faktorpreisen wird ein Anstieg der Ausstattung eines nicht spezifischen Faktors, der in mindestens zwei Sektoren eingesetzt und weiter vollbeschäftigt wird, einen mehr als proportionalen Anstieg im Output eines Gutes und dem Rückgang im Output eines anderen Gutes hervorrufen.[2]

Beispiel

Eine Volkswirtschaft produziert zwei Güter x und y. Beide Produkte benötigen zur Herstellung die Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit. Das Gut y nutz hierbei den Faktor Arbeit intensiver als das Gut x, demzufolge wird der Einsatz von Kapital vom Gut x stärker verwendet als von Gut y. Das Angebot an Arbeit erhöht sich in der Volkswirtschaft, dadurch führt das Mehrangebot zu einer Steigerung der Output Menge von Gut y. Aufgrund der beidseitigen Nutzung der Produktionsfaktoren ist eine Steigerung der Mengen bei beiden Gütern möglich, jedoch liegt diese Erhöhung sehr unverhältnismäßig vor durch die jeweilige Nutzung des Faktors. Die Mengensteigerung in beiden Sektoren (kapital- und arbeitsintensiv) wird allerdings von Rybczynski ausgeschlossen und fällt somit aus der Betrachtung raus. Die alleinige Ausweitung der Outputmenge von y führt dadurch zur Reduzierung der Output Menge von x. Die folgende Grafik soll diesen Effekt näher darstellen.

Rydesign 1.jpg

Die Symbole T und T‘ bezeichnen, die optimale Kombination der Produktionsfaktoren auf der Transformationskurve (production possibility frontier).

Grafische Ermittlung

Unterstützung findet der Rybczynski-Effekt durch die die Edgeworth box. Francis Ysisdro Edgeworth (1845 - 1923) beschrieb in seinem Konstrukt eine allgemeine Gleichgewichtstheorie von der Allokation zweier Output Güter in Abhängigkeit zweier Inputfaktoren. Jede Faktorkombination wird durch eine Isoquante in einem Koordinatensystem dargestellt. Durch die Zusammenlegung beider Koordinatensysteme lassen sich alle mögliche Mengenverteilungen der Güter betrachten und hinsichtlich ihrer Ausprägungen analysieren. Die verbundene Darstellung der Koordinatensysteme enthält mehrer Isoquanten, das soll zeigen, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt die Faktoren zu kombinieren.

Edgeworth 2 box.jpg

Auswirkungen und grundlegende Fragen

Das vorliegende Szenario unterliegt den Voraussetzungen des ceterius-paribus, deshalb lassen sich Auswirkungen nur schlecht praktisch ableiten. Trotzdem stellen sich einige Fragen:

1. Warum ändern sich die Faktorpreise nicht aufgrund der Angebotsänderung eine Faktors?

Grund hierfür wäre, dass beide Güter weiter produziert werden und dadurch das Faktorpreisausgleichstheorem greift. Natürlich ist der wesentliche Unterschied, dass die Betrachtung des Lerner-Samuelson-Theorems (Faktorpreisausgleichstheorem) auf einen Handel zwischen zwei Ländern basiert und Rybczynski Analyse von einer geschlossen Volkswirtschaft spricht. Beide Theoreme leiten sich aus dem Heckscher-Ohlin-Modell ab, jedoch impliziert das nicht alle Annahmen des Modells. Die Kernaussage des Faktorproportionstheorems (Heckscher-Ohlin-Modell) bezieht sich auf die Spezialisierung bestimmter Produkte im internationalen Handel. Doch bei dem Rybczynski-Effekt findet keine Spezialisierung statt, da sich die Ausstattungsänderung des betroffenen Faktors nur in einem angemessen Maße verändert. Die Folge daraus wäre, dass die Faktorpreisausgleichstheorie wieder greift und die Faktorpreise konstant bleiben. (Vgl[3])Somit bestätigt sich, dass der Rybczynski-Effekt eine spezielle Form des Heckschers-Ohlin-Modell ist.

2. Warum findet nur eine einseitige Erhöhung und eine Reduzierung der Outputmenge der Güter statt?

Vorliegend betrifft die Erhöhung des Angebots nur einen Faktor, während der zweite Faktor konstant bleibt. Die Güter, die den erhöhten Faktor intensiver verwenden, werden in ihrer Outputmenge gesteigert. Durch diese Expansion der betroffenen Industrie kommt es zu einer vermehrten Faktorverwendung, da vorliegend die Faktoren keine Substituten sind und ein Faktor im Angebot konstant bleibt, bildet sich ein Mangel an Arbeitskräften in dieser Industrie. Kurzfristig wird der Lohn steigen und die Arbeiter werden von ihrem jetzigen Sektor zu dem lukrativeren Sektor wechseln. Die Produktion des Gutes, was den konstant gebliebenen Produktionsfaktor verwendet, wird zwangsläufig zurückgehen und damit eine Reduzierung der Outputmenge des Gutes hervorrufen.

3. Wann wäre eine Preisänderung gegeben?

Betrachte man als erstes die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und zweitens, dass das Grenzprodukt Auswirkungen auf den Reallohn der Arbeitnehmer hat, kommt man zu der Schlussfolgerung, dass sich mittelfristig ein fallendes Grenzprodukt negativ auf den Reallohn auswirkt. Die Reallöhne der Arbeiter, die in den faktorerhöhten Sektoren arbeiten, würden sich durch ein sinkendes Grenzprodukt verringern, während sich die Reallöhne der Arbeiter in faktorkonstanten Sektoren erhöhen würden. Die Preise auf dem Faktor- und Gütermarkt könnten schwanken, vorausgesetzt, dass eine Substitution zwischen den Faktoren bestände. Die Kosten der Faktoren lassen sich durch die Löhne w und die Kosten für Boden (Pacht)Zinsen r beschreiben. Dadurch entstehen 2 Verhältnisse, die die Intensität der Faktornutzung beeinflussen Lohn-Zins-Verhältnis und Boden-Arbeit-Verhältnis.

Einzelnachweise

  1. Factor Endowments, Relative Commodity Prices and Anything’s Goes, Chicago, Juni 2006
  2. Moderne Außenwirtschaftstheorie, 4.Auflage, München, 1997, S.822
  3. Moderne Außenwirtschaftstheorie, 4.Auflage, München, 1997, S.806

Literatur

  • Rybczynski, Tadeusz M. (1955), Factor Endowment and Relative Commodity Prices, Economica, 22. Jg., S. 336-341.
  • Krugman, Paul; Obstfeld, Maurice (2004),Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, Pearson Studium, München, Kapitel 4.1
  • Marrewijk, Charles (2007),international Economics – Theorie, Application and Policy, Oxford
  • Ethier, Moderne Außenwirtschaftstheorien, 2.Auflage, Oldenburg

Weblinks

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