Reziprokes Dumping

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Reziprokes Dumping (englisch reciprocal dumping) entsteht, wenn es durch Dumping zu einem beiderseitigen Austausch von ein und desselben Produktes kommt.

Im internationalen Handel ist es jedoch sehr selten, dass sich gleichartige Güter zur selben Zeit in beide Richtungen bewegen. Dies ist eher bei intraindustriellem Handel wahrscheinlich.[1]


Begriffsbestimmung

Reziprok

Reziprok stammt aus dem lateinischen (reciprocus) und bedeutet soviel wie „aufeinander bezüglich“, „wechselseitig“. Mathematisch bedeutet es „umgekehrt“ oder „reziproker Wert": dies ist der Wert, der durch das Vertauschen von Zähler und Nenner eines Bruches entsteht, also der Kehrwert.[2]

Dumping

Dumping (englisch to dump, abladen) gehört zu der direkten Methode, bei der es zu einer Begünstigung inländischer Waren auf den ausländischen Markt kommt. Dumping entsteht durch privatwirtschaftliche Initiative. Es kommt dazu, dass Waren unter ihrem tatsächlichen Wert auf den Markt des Landes gebracht wird, in den es eingeführt wird. Dumping bewirkt, dass inländische Wirtschaftszweige erheblich geschädigt werden können.[3]

„Teilweise wird von Dumping im internationalen Zusammenhang auch gesprochen, wenn der ausländische Preis eines Gutes geringer ist als der inländische Preis.“[4]

Intraindustrieller Handel

Intraindustrieller Handel bezeichnet den Austausch von ähnlichen Produkten bzw. Waren. Auch kann er zum Teil für einen steigenden Umfang des Handels verantwortlich gemacht werden. Wird auch als „substitutiver Handel“ bezeichnet, da die Handelsgüter miteinander konkurrieren und sich auch gegenseitig austauschen lassen.


Beispiel für die Entstehung reziproken Dumpings

Es gibt für ein und dasselbe homogene Gut, z.B. Ziegel, welche im Inland und im Ausland hergestellt werden, jeweils ein Ziegelunternehmen. D.h. sowohl der inländische wie auch der ausländische Markt wird von jeweils einem Monopolisten beherrscht.

Diese beiden Monopolisten produzieren mit den gleichen konstanten Grenzkosten.

Auch existieren Transportkosten, welche bei einem Transport zwischen den Märkten entstehen würden. Wenn beide Monopolisten den gleichen Preis für ihr Gut nehmen würden, käme es zu keinem Handel.

Wird jedoch Dumping zugelassen, kann es zu Außenhandel kommen.

Bei dem Export des Gutes, der Ziegel, fallen Transportkosten an. Um den Preis am Inlandsmarkt nicht zu zerstören, wird ein Monopolist versuchen, das Angebot im Inland knapp zu halten.

Wenn dieser außerdem einen Teil seiner Produktion im Ausland zu einem geringern Preis (netto Transportkosten) absetzt, kann er dadurch seinen Gewinn erhöhen, ohne auf dem Inlandsmarkt den Preis zu senken.

Dies kann insgesamt eine profitable Strategie sein.

Es entsteht Handel zwischen dem Inland und dem Ausland und dadurch ein Oligopol, obwohl es im Ausgangszustand keinen Preisunterschied zwischen Inland und Ausland gibt. Außerdem entsteht intraindustrieller Handel in ein und demselben Gut. Die Situation, in der Inland und Ausland Dumping betreiben bezeichnet man nun als reziprokes Dumping.

D.h. eine Ziegelfabrik aus dem Land A transportiert seine Ziegel in das Land B, gleichzeitig transportiert auch eine Ziegelfabrik aus dem Land B seine Ziegel in das Land A.[5] [6] [7]


Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass reziprokes Dumping scheinbar befremdend und sich widersprechend erscheint. Man kann nicht genau einschätzen, ob dies sich erhöhend auf die Wohlfahrt auswirkt oder sozial wünschenswert wäre.

Jedoch weicht reziprokes Dumping die vorhandene Struktur des Marktes auf, die ohne Dumping allein von zwei Monopolisten beherrscht werden würde. Auch steigt die Konsumentenrente auf Grund des vorherrschenden Wettbewerbes an. Dadurch wird ebenfalls ein Effizienzgewinn erreicht.[8] [9]


Einzelnachweise

  1. Vgl.: Krugmann, Paul R./Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft. 7. Auflage, S. 189.
  2. http://www.fremdwort.de/suche.php?term=reziprok
  3. Vgl.: But, Dietmar, Außenwirtschaftslexikon, 2. Auflage, 1989
  4. Adebahr, Hubertus: Außenwirtschaft. Band 2: Außenhandel und Weltwirtschaft. Berlin 1987, S. 155
  5. Vgl.: Krugmann, Paul R./Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft. 7. Auflage, S. 189
  6. Vgl.: www.tiberian.ch/files/auwi.pdf vom 14.04.2008
  7. Vgl.: Pfaffermayr, Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Teil 1 - Reale Außenwirtschaftstheorie, Stand: 1.10.2002, Seite 57/58
  8. Vgl.: Krugmann, Paul R./Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft. 7. Auflage, S. 189
  9. Vgl.: www.tiberian.ch/files/auwi.pdf vom 14.04.2008

Literaturangaben

- But, Dietmar: Außenwirtschaftslexikon, 2. Auflage, 1989

- Krugmann, Paul R./Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft, 7. Auflage

- Adebahr, Hubertus: Außenwirtschaft. Band 2: Außenhandel und Weltwirtschaft, Berlin 1987