Restriktive Geldpolitik

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Restriktive Geldpolitik

Restriktive Geldpolitik ist der strategisch-politische Ausdruck zur Verminderung der umlaufenden Geldmenge in einer Volkswirtschaft oder Gemeinschaft (EU). Es kann als Gegenstück zur expansiven Geldpolitik verstanden werden. Diese Form der Geldpolitik findet insbesondere in Zeiten starker Konjunktur statt, um das Preisniveau stabil zu halten bzw. einer evtl. anstehenden oder bereits bestehenden Inflation entgegen zu wirken.


Ursprung

Geldpolitik umfasst die Gesamtheit der wirtschaftspolitischen Maβnahmen mit den Zielen, für eine optimale Geldversorgung der Volkswirtschaft zu sorgen und zur Sicherung der Geldwertstabilität sowie zur Stabilisierung der konjunkturellen Entwicklung beizutragen. Die Entstehung zu diesen makroökonomischen Ansätzen ist dabei auf J.M. Keynes zurück zu führen.


Ziele

Das primäre Ziel der restriktiven Geldpolitik ist die Unterstützung der Preisstabilität. Als sekundäres Ziel steht die Erhaltung eines hohen Beschäftigungsstands. Neben den zuvor genannten Zielen werden auch das außenwirtschaftliche Gleichgewicht sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum verfolgt. Für die Zentralbank ist die Reinfolge der aufgeführten Ziele maßgeblich, d.h. liegt die oberste Priorität in der Preisstabilität. Die Ziele zusammen ergeben das magische Viereck, welches auch als Basis für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft zu verstehen ist.


Maßnahmen

Jeder moderne Staat verfügt heutzutage über eine Zentralbank, deren vorrangige Mission es ist, die Geldversorgung des Landes zu steuern. Grundlegend stehen der Zentralbank drei wesentliche Instrumente zur Verfügung, um Einfluss auf die Geldmenge zu nehmen. Dabei erfolgt die Umsetzung der Ziele durch die Ausführungen von Offenmarktgeschäften, das Angebot ständiger Fazilitäten und die Einführung eines Mindestreservesystems.


Offenmarktpolitik

An- und Verkauf von offenmarktfähigen Wertpapieren durch die Notenbank am „offenen Markt“ zur Steuerung der Geldmenge. Der Wertpapierhandel läuft meistens in Form von Pensionsgeschäften ab, wobei die Konditionen der Geschäfte in einem Ausschreibungsverfahren (Tenderverfahren) festgelegt werden. Das bedeutet, die Notenbank bringt eine Ankündigungen heraus, die Geschäftsbanken geben dazu ihre Gebote ab (also wie viel und zu welchen Preis sie das Zentralbankgeld haben wollen) und die Notenbank verteilt daraufhin das Zentralbankgeld nach einem bestimmten Quotenschlüssel. Noch während der Abwicklung der Offenmarktgeschäfte werden die Termine zum Rückkauf bzw. -verkauf vereinbart, d.h. sind diese Geschäfte Termingebunden.


Ständige Fazilitäten

Ergänzend zur Offenmarktpolitik besteht die Möglichkeit für die Geschäftsbanken auf eigene Initiative, ständig - also nicht termingebunden - Liquidität von der Zentralbank zu erhalten, um kurzfristige Engpässe bzw. Überschüsse an Liquidität zu vermeiden („Liquidität über Nacht“).


Mindestreservepolitik

Die Geschäftsbanken in den Mitgliedsländern der EWWU sind verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz (aktuell 2%) an Geldreserven aus dem bei ihnen angelegten Sicht-, Termin- und Spareinlagen auf Konten der nationalen Zentralbank zu unterhalten. Es liegt kein „Instrument“ im eigentlichen Sinn vor, sondern eher eine ordnungspolitische Regel, da der Mindestreservesatz nicht allzu häufig geändert wird.


Durch diese Instrumentarien sollen die Bankreserven, Geldangebot und Zinssätze reguliert werden, um die gesetzten Ziele (Preisstabilität, geringe Arbeitslosigkeit etc.) zu erreichen. Die sogenannte Offenmarktpolitik bildet dabei das wichtigste Stabilisierungsinstrument der Zentralbank.


Auswirkungen

Graphische Analyse der restriktiven Geldpolitik
Zusammenwirkung des AS-AD- und IS-LM-Modells

Zusammenfassend lässt sich die restriktive Geldpolitik wie folgt darstellen:

1.) Die Bankreserven werden reduziert (hauptsächlich durch Offenmarktgeschäfte),

2.) die Senkung der Bankreserven führt zu einer mehrfachen Verknappung des Buchgeldes und Geldmenge,

3.) das verringerte Geldangebot führt entlang der Geldnachfragefunktion zu einer Erhöhung der Zinssätze,

4.) die Zinssatzerhöhung und Geldmengenverknappung drosseln die Investitionen, Konsum und Nettoexporte,

5.) die Rückgänge bei den zinssensiblen Positionen verringern durch den bekannten Multiplikationseffekt die Gesamtnachfrage.

Das geringere Niveau der Gesamtnachfrage senkt das Produktions- und Preisniveau bzw. Inflation.

Kurzdarstellung:

Bankreserven ↓, umlauf. Geldmenge ↓, Zinssatz ↑, Investitionen ↓, Konsum ↓, Nettoexporte ↓, Gesamtnachfrage ↓, reales BIP ↓, Produktion ↓, Inflation ↓, Arbeitslosigkeit ↑

Geldpolitik kann kurzfristig und langfristig unterschiedliche Auswirkungen haben. Kurzfristig wirkt sich eine Veränderung der Geldmenge auf die AD- Kurve, bei einer relativ flachen AS-Kurve, zum größten Teil auf die Produktion und nur zu einem geringen Teil auf das Preisniveau aus. Langfristig dagegen, wenn die AS-Kurve einen beinahe vertikalen Verlauf annimmt, führen Geldmengenverschiebungen vorwiegend zu Änderungen des Preisniveaus und kaum noch zu Änderungen der Produktionsleistung. Im Extremfall, wenn Änderungen der Geldmenge nur nominelle Variable betreffen, ohne Auswirkung auf realen Variablen zu haben, können wir sagen, dass jede Geldmengenveränderung immer die gleiche Auswirkung (kurz- und langfristig) erzielt. Dabei steht die angestrebte Preisstabilität unmittelbar im Zusammenhang mit der Inflationsrate. Weiterführend steht die Inflation direkt in Beziehung mit der Arbeitslosigkeit, dabei stellt die Phillips-Kurve ein wichtiges Analyseinstrument dar. Die Kurve veranschaulicht unter der Annahme ceteris-paritus die inverse Beziehung zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Auf kurze Sicht bedeutet das, dass die Senkung des Einen zu einer Erhöhung des Anderen führt.


Probleme

Die zuvor beschriebenen Instrumente der Geldmengensteuerung sind sehr effektive Instrumente. Die Geldmenge kann damit jedoch nicht vollständig kontrolliert werden. Die Zentralbank steht dabei vor grundlegenden Problemen, die sich aufgrund des zweistufigen Finanzsystems (Zentralbank und Geschäftsbanken), der partiellen Reservehaltung und der Globalisierung ergeben. Das erste Problem liegt darin, dass die Zentralbank nicht diejenige Menge an Geld kontrollieren kann, die private Haushalte, als Einlagen im Bankensystem halten. Um dieses Problem besser darstellen zu können, soll angenommen werden, dass die Menschen das Vertrauen in das Bankensystem verlieren und sich dazu entschließen, einen Großteil ihrer Einlagen aufzulösen, um es stattdessen in Bargeld zu halten. Im Bankensystem kann daraufhin weniger Geld geschöpft werden, so dass das Geldangebot zurückgeht, ohne dass die Zentralbank eingegriffen hat. Das zweite Problem besteht darin, dass die Zentralbank keine Kontrolle darüber hat, wie viele Kredite die Banken vergeben. Damit dieses Problem ebenfalls gut geschildert werden kann, ist anzunehmen, dass die Banken eines Tages aufgrund einer verschlechterten Einschätzung der ökonomischen Situation vorsichtiger werden und somit weniger Kredite vergeben. Durch dieses passive Verhalten erhöhen sich automatisch die Reserven der Geschäftsbanken und es kommt hier ebenfalls zum Rückgang des umlaufenden Geldes. Die Geldmenge hängt also im partiellen Reservesystem zum Teil vom Verhalten der Einleger und Geschäftsbanken ab. Das dritte Problem resultiert aus der zunehmenden Globalisierung von Handel und Finanzen (offene Volkswirtschaft). Die flexiblen Wechselkurse und Nettoexporte werden durch jede Veränderung der Geldpolitik beeinflusst, was den Geldmechanismus für die Zentralbank zusätzlich verkompliziert. Damit das Problem besser erläutert werden kann nehmen wir an, dass die Zentralbank den Zinssatz angehoben hat. Das hat zur Folge, dass die inländischen Wertpapiere an Attraktivität gewinnen und ausländische Anleger in diese Wertpapiere investieren wollen. Dadurch nimmt die inländische Wahrung an Werthaltigkeit zu, was die inländischen Güter gegenüber den Ausländischen verteuert. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Nachfrage nach heimischen Produkten zurück geht, d.h. nimmt die Produktion ab. Demzufolge hat eine Zinsveränderung sowohl direkt über die Zentralbank als auch indirekt über die Wechselkurse Einfluss auf die Produktion. Folglich macht eine offene Volkswirtschaft der Zentralbank sowohl wegen des nicht exakt bestimmbaren Zusammenhangs zwischen Geldmenge und Nettoexport als auch wegen den zusätzlich politisch-wirtschaftlichen Fragen, die sich aus den Auswirkungen heimischer Politik auf fremde Volkswirtschaften, auf die Zusammensetzung des BIP und auf die Schuldenbelastung der Dritten Welt ergeben, zu schaffen. Allerdings können im Vorfeld durch ständiges Überprüfen der Einlagenentwicklung und Veränderung der Reserven das Verhalten der Einleger bzw. Geschäftsbanken ermittelt werden. Somit können rasch gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden, um die Geldmenge nahe am geplanten Volumen zu halten.


Einzelnachweise

↑ Mankiw, Nicholas Gregory: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart 1999, S. 641-650, 771-791

↑ Paul A. Samuelson & William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre, Dt. Übersetzung 15. Aufl., Redline Wirtschaft bei Ueberreuter Verlag Frankfurt/ Wien 1998 S. 458, 591-608, 741-743


Literatur

Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank: Die Publikationen der DBB und EZB erläutern die geldpolitischen Instrumente und Entscheidungen der Europäischen Zentralbank und analysieren darüber hinaus Probleme der Geldpolitik.

Mankiw, Nicholas Gregory: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart 1999 ISBN 3-7910-1458-7

Paul A. Samuelson & William D. Nordhaus: Volkswirtschaftslehre, Dt. Übersetzung 15. Aufl., Redline Wirtschaft bei Ueberreuter Verlag Frankfurt/ Wien 1998 ISBN 3-8323-0414-2

Blanchard, Olivier / Illing, Gerhard: Makroökonomie, 4. Aufl. Pearson Studium Verlag München 2006 ISBN 3-8273-7209-7

Dieckheuer, Gustav: Makroökonomik Theorie und Politik, 5. Aufl., Springer Verlag Berlin 2003 ISBN 3-5400-0564-1