Realer Wechselkurs

Aus Wiwiwiki.net
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Peter Perschke 10:00, 30. Apr. 2008 (CEST)

Der reale Wechselkurs zwischen den Währungen zweier Volkswirtschaften ist ein Maß für die Entwicklung der Preise von Gütern und Dienstleistungen der einen Volkswirtschaft im Verhältnis zur anderen.


Bedeutung

Im Unterschied zum nominalen Wechselkurs (gibt das Wertverhältnis zwischen zwei Währungen wieder) stellt der reale Wechselkurs das Preisverhältnis zwischen den Warenkörben zweier Volkswirtschaften dar. Der reale Wechselkurs ist als Index definiert - sein absoluter Wert hat wenig Aussagekraft. Erkenntnisse können durch die Betrachtung der Änderungsraten im Zeitablauf gewonnen werden, beispielsweise wird dieser Index genutzt um die Entwicklung der Kaufkraft einer Volkswirtschaft zu bestimmen - demnach spielen reale Wechselkurse für die makroökonomische Analyse von Angebot und Nachfrage in offenen Volkswirtschaften eine entscheidende Rolle.[1]

Der reale Wechselkurs beeinflußt die Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft, denn er lenkt die Produktions- und Konsumentscheidungen zwischen in- und ausländischen Gütern.[2]

Berechnung

Der reale Wechselkurs σ wird durch den nominalen Wechselkurs und die Preisniveaus der betrachteten Volkswirtschaften definiert und lässt sich wie folgt berechnen:

\sigma= \frac{e \cdot P}{P^*}
e = Nominaler Wechselkurs
P = inländisches Preisniveau
P^* = ausländisches Preisniveau

Messung des realen Wechselkurses

Bei der Messung des realen Wechselkurses erweisen sich die folgenden Faktoren als problematisch:

  • Das Ausland, aus der Sicht einer Volkswirtschaft, umfasst eine Vielzahl von Ländern.
  • Es existieren unterschiedliche Maße (z.B. Exportpreisindex, BIP-Deflator, Verbraucherpreisindex, Arbeitskosten, etc.) zur Messung des Preisniveaus.[3]

In der Praxis werden vordergründig die realen Wechselkurse mit den wichtigsten Handelspartnern bestimmt. Aus diesen wird ein gewichteter Durchschnitt gebildet - der resultierende Wert wird effektiver realer Wechselkurs bezeichnet.

Auf- / Abwertung des realen Wechselkurses

  • reale Aufwertung: Ein steigender realer Wechselkurs kennzeichnet eine reale Aufwertung.
  • Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Wirtschaft - Exporte sinken
  • ausländische Güter werden relativ preisgünstiger - Importe steigen
  • höhere Kaufkraft des Inlands gegenüber dem Ausland (verbesserte Terms of Trade)
  • reale Abwertung: Bei einer Senkung des realen Wechselkurses spricht man von einer realen Abwertung.
  • inländische Produkte werden wettbewerbsfähiger - Exporte steigen
  • ausländische Güter werden relativ teurer - Importe sinken
  • niedrigere Kaufkraft des Inlands gegenüber dem Ausland (verschlechterte Terms of Trade)

Beispiel

In einem Zahlenbeispiel[4] soll der Begriff des realen Wechselkurses verdeutlicht werden. Der deutsche Warenkorb (P) kostet 100 €, der US-amerikanische Warenkorb (P*) kostet 120 $. Der nominale Wechselkurs (e) beträgt 1,57 US-Dollar/Euro. Der reale Dollar/Euro-Wechselkurs (σ) ist dann:


\sigma = \frac {1{,}57 \cdot 100}{120}

.

\sigma = 1{,}30

.

Demnach erhält man für 1 deutschen Warenkorb 1,3 US-amerikanische Warenkörbe gleicher Art und Güte. Die US-amerikanischen Güter sind also relativ kostengünstiger als die deutschen Güter.

Vergleich der Entwicklung nominaler und realer Wechselkurse

Hier soll die Entwicklung nominaler Wechselkurse im Vergleich zu realen Wechselkursen anhand vier der wichtigsten Währungen verglichen werden. Dafür wurde die Entwicklung dieser Kurse im Zeitraum 1975-2002 untersucht. In den Graphiken werden Indices dargestellt (Basisjahr: 1995=100).

Euro Gebiet.jpg

In der Tendenz verliefen beide Wechselkurse im Euro-Raum ähnlich - jedoch sank der reale Kurs zwischen 1977 und 1982 von 108 auf 82, während dessen der nominale Kurs erst ab 1980 sank (ausgehend vom Wert 109) und beendete seinen Sturzflug erst 1985 auf einem Wert von 1979. Der reale Kurs hatte sich 1982 wieder erholt und stieg bis 1987 kontinuierlich bis zum Wert 100. Bis zum Jahr 1990 hatten sich beide Kurse angenähert und verlaufen seitdem mit ähnlicher Tendenz, zwischen 1992-1997 vollkommen synchron und ab 1997 wieder mit ähnlicher Tendenz.

Japan.jpg

Im Zeitraum der Jahre 1975-1982 verliefen die Wechselkurse Japans gegenläufig. Während der reale Wechselkurs bis auf einen Wert von 50 sank, stieg der nominale Wechselkurs auf 42. Danach verliefen beide Kurse in der Tendenz gleichgerichtet bis zum Jahr 1994, hier erreichten beide den Wert 96. Ab 1994 verlaufen beide Wechselkurse annähernd synchron.

UK.jpg

Die Kurse im Währungsgebiet des United Kingdoms (UK) verliefen ab 1977 mit gleicher Tendenz jedoch unterschiedlichen Werten. Bis zum Jahre 1995 wies der nominale Wechselkurs immer einen höheren Wert als der reale Wechselkurs auf. Dies änderte sich ab diesem Jahr - nun wies der reale Wechselkurs höhere Werte auf. Während der nominale Wechselkurs ab 1997 auf einem Wert um 115 stagnierte, stieg der reale Kurs bis 2002 auf einen Wert von 145, somit hatte sich sein Niveau seit 1975 um 60 Punkte gesteigert.

USA.jpg

Im Währungsraum der Vereinigten Staaten von Amerika verliefen beide Kurse ab 1978 in der Tendenz gleich. Ab dem Jahr 1989 bis zum Ende des Betrachtungszeitraumes 2002 verliefen nominaler und realer Wechselkurs, bis auf geringe Abweichungen, vollkommen synchron. Generell ist ein Zusammenhang zwischen realem und nominalem Wechselkurs erkennbar - auf Basis der hier betrachteten Währungsräume. Dieser unterstellte Zusammenhang ist jedoch an dieser Stelle noch nicht ausreichend empirisch belegt, dazu bedarf es weiterer umfassenderer Recherche und empirischer Analyse. Die Beispiele UK und besonders der USA zeigen einen tendenziell (teilweise auch synchron) ähnlichen Verlauf der beiden Kurse. Jedoch beweisen die Beispiele Japans und des Euro-Raumes, dass sich beide Kurse auch von einander unterschiedlich entwickeln können.

Einzelnachweise

  1. Paul Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft-Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7., aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München, 2006 S. 502
  2. Michael C. Burda, Ph.D. und Charles Wyplosz, Ph.D.: Makroökonomie, 2., völlig überarbeitete Auflage, Franz Vahlen Verlag, München, 2003 S. 187
  3. Ingrid Größl-Gschwendtner: Zahlungsbilanz- und Wechselkurstheorie, 1. Auflage, R.Oldenbourg Verlag München, Wien, 1991 S. 207
  4. angelehnt an Paul Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft-Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7., aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München, 2006 S. 502

Literatur

  • Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie, 4., aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München, 2006
  • Michael C. Burda, Ph.D. und Charles Wyplosz, Ph.D.: Makroökonomie, 2., völlig überarbeitete Auflage, Franz Vahlen Verlag, München, 2003
  • Ingrid Größl-Gschwendtner: Zahlungsbilanz- und Wechselkurstheorie, 1. Auflage, R.Oldenbourg Verlag München, Wien, 1991
  • Paul R. Krugman und Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7., aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München, 2006

Weblinks