Optimale Handelspolitik

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Matthias Loeser 18:10, 24. Apr. 2008 (CEST)

Definition

Unter einer optimalen Handelspolitik im ökonomischen Sinne versteht man die Mehrung des einer Volkswirtschaft insgesamt zur Verfügung stehenden Wohlstandes.


Alternative Definition

Außerhalb der Volkswirtschaft ergeben sich unter gesellschaftlichen bzw. politischen Gesichtspunkten zahlreiche andere Kriterien, die je nach vorliegender Interessenlage die dann anzustrebende Handelspolitik optimal erscheinen lassen. Volkswirtschaftlich betrachtet ist die damit verfolgte Handelspolitik dann in der Regel nicht optimal.

Eine optimale Handelspolitik kann auch nicht nur auf eine Volkswirtschaft, sondern auf den gesamten Welthandel bzw. die entsprechenden Regularien bezogen werden. Dann ist eine optimale Handelspolitik eine Politik, die für alle beteiligten Handelspartner (Volkswirtschaften) von größtmöglichen Vorteil ist.


Einordnung

Auf dem Gebiet der Volkswirtschaft ist die optimale Handelspolitik in den Bereich Handel und Einkommensverteilung einzuordnen. Ausgehend vom Ricardo-Modell und der Heckscher-Ohlin-Theorie geht es darum, ob (Frei-)handel ohne Verzerrungen zugelassen wird oder nicht. Sowohl positive Folgen, wie Effizienzgewinne und Vorteile aus verstärktem Wettbewerb, als auch Nachteile, wie Einkommensverschiebungen zuungunsten evt. bereits benachteiligter Gruppen, werden betrachtet. Die Problemstellung der optimalen Handelspolitik verläuft quer durch die gesamte Politik der Außenwirtschaft und mündet in der neueren Theorie zur strategischen Außenhandelspolitik[1].


Ausgangspunkt

Der gesamte Wohlstand bzw. die Konsummöglichkeiten einer Volkswirtschaft lassen sich entsprechend der Schlussfolgerungen aus dem Ricardo-Modell und der Ökonomie des Außenhandels durch Zulassung von (Frei-)handel maximieren. Neben den erweiterten Konsummöglichkeiten durch relativ niedrigere Preise werden auch inländische Monopole ausländischer Konkurrenz ausgesetzt. Dies führt zu einem Zwang zu Effizienz und Innovation sowie zur Anwendung modernster Technologien. Durch Beförderung des technischen Fortschrittes wird damit die gesamtwirtschaftliche Transformationskurve nach außen erweitert. Weiterhin können Vorteile der Massenproduktion und Spezialisierung besser ausgeschöpft werden.


Problematik/Beispiel

Interessenssphären der Handelspolitik

Da politisch oft nicht der Gesamtwohlstand eines Landes ausschlaggebend ist, sondern stark die Zufriedenheit und Einkommenshöhe einzelner Interessensgruppen oder Individuen der Volkswirtschaft im Vordergrund stehen, kann es zu Zielverschiebungen kommen. Bei Bestehen von Außenhandel kommt es im Gegensatz zu einer geschlossenen Volkswirtschaft zwar insgesamt zu einer Wohlstandsvermehrung, aber einzelne Gruppen in der Volkswirtschaft werden ökonomisch schlechter gestellt.

Beispiel: Durch den Import von Textilien aus Fernost nach West- und Mitteleuropa können die Verbraucher in den Hochlohnländern insgesamt billiger(e) (Textilien) konsumieren. Das Einkommen der Arbeiter in der Textilindustrie West- und Mitteleuropas verringt sich aber oder entfällt für diese ganz.

Insgesamt kommt es kurzfristig zu Verlusten in Branchen, die mit ausländischen Importen in Konkurrenz stehen. Langfristig verlieren die Gruppen, die ihr Einkommen aus den im Verhältnis knappen Faktoren der nun Außenhandel treibenden Volkswirtschaft beziehen[2]. Zunächst erscheint es sinnvoll Branchen, die aufgrund der ausländischen Konkurrenz verlieren, durch Protektionismus (Zölle, Importquoten usw.) zu schützen. Bei Ergreifen solcher Maßnahmen werden aber die Außenhandelspartner ähnliche Beschränkungen einführen, was wiederum den eigenen Exporten schadet. Durch Protektionismus kommt es weiterhin aufgrund geringerer ausländischer Konkurrenz in den betroffenen Branchen zu weniger Effizienzsteigerungen und Innovationszwang. Auch die Wettbewerbsfähigkeit und Wettbewerbsaurichtung der abgeschotteten bzw. begünstigten inländischen Branche auf dem Weltmarkt leidet durch protektionistische Maßnahmen des Staates.

Die Mehrung der Konsummöglichkeiten z.B. durch günstigere Konsumpreise aufgrund billigerer Importwaren ist in der Summe größer als die nachteiligen Wirkungen für Verlierergruppen. Die Vorteile des Freihandels verteilen sich jedoch in der Regel auf eine große Zahl von Individuen, so dass der einzelne den Gesamtvorteil (billigerer Textilkonsum) häufig nicht im Gesamtausmaß wahrnimmt. Durch negative Auswirkungen für die Individuen der Verlierergruppen verlieren diese jedoch in der kurzen Frist häufig ihre gesamte bisherige wirtschaftliche Grundlage. Hinzu kommt, dass potenzielle Verlierer des freien Außenhandels häufig besser organisiert sind und ihren Interessen gegenüber der Politik stärker Ausdruck verleihen als die Gesamtzahl der potenziellen Gewinner. Die Problematik der Interessensvertretung in der Handelspolitik fasst Graphik 1 zusammen.


Fazit

Gesamtwirtschaftlich gesehen ist ein unbeschränkter Außenhandel vorteilhafter als die Einführung von Handelsbeschränkungen (z.B. zum Schutz von einheimischen Industriezweigen), da die Möglichkeit des Gesamtkonsums in einer Volkswirtschaft steigt.

Besser ist es daher, diejenigen Gruppen, deren Einkommen sich durch die Zulassung von freien Außenhandel verringert, zu entschädigen bzw. Produktionsfaktoren in andere Bereiche/Branchen zu verlagern.


Einzelnachweise

  1. Brand-Spencer-These diskutiert unter http://www.diss.fu-berlin.de/2001/92/Kap3.pdf
  2. P. Krugman, M. Obstfeld; Internationale Wirtschaft, 7. Auflage, München u.a., 2006, S. 109


Literaturquellen

  • Paul Krugman, Maurice Obstfeld: Internationale Wirtschaft, Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München 2006
  • Horst Siebert: Außenwirtschaft, 8. Auflage, Lucius & Lucius, Stuttgart 2006


Weblinks


Siehe auch