Offenheit der Faktormärkte

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Faktormärkte stellen Märkte für Produktionsfaktoren dar. Arbeit, Boden/ Nahrung und Kapital zählen zu den Produktionsfaktoren und durch die Kombination von in der Regel allen drei Produktionsfaktoren wurden in den Unternehmen und vom Staat Güter hergestellt.

Die Außenwirtschaftslehre leistet in Zeiten fortschreitender Globalisierung (Trend zu mehr Offenheit der Märkte) einen wichtigen Beitrag zur Klärung verschiedener Fragen. Zunächst sollte man hinsichtlich der Offenheit von Märkten grundsätzlich drei verschiedene Dimensionen unterscheiden.



Die drei Dimensionen einer offenen Volkswirtschaft

  • Offenheit der Gütermärkte (Außenhandel): freie Wahl zwischen inländischen und ausländischen Gütern
  • Offenheit der Finanzmärkte (Kapitalverkehr): freie Wahl zwischen inländischen und ausländischen Finanzinvestitionen
  • Offenheit der Faktormärkte: freie Wahl des Unternehmensstandortes und des Arbeitsortes


Offene Gütermärkte

Sie eröffnen den Nachfragern von Gütern und Dienstleistungen die Wahl zwischen in- und ausländischen Gütern. Umgekehrt, haben die Anbieter von Gütern die Chance, die Güter im Inland und im Ausland abzusetzen. Nach wie vor gibt es gegenwärtig Zölle, Import- und Exportrestriktionen sowie andere tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse.

Offene Finanzmärkte

Sie bieten den Investoren die Wahl zwischen in- und ausländischen Anlagen. Offene Finanzmärkte eröffnen den Emittenten von Anlagen die Möglichkeit, diese im Inland und im Ausland zu platzieren. Nach wie vor gibt es regulierte Devisenmärkte sowie erhebliche Beschränkungen für transnationale Emissionen sowie inhomogene Informationsstandards.

Offene Faktormärkte

Sie ermöglichen, den Nachfragern von Faktorleistungen, die Leistungen an jedem beliebigen Ort nachzufragen und bieten den Anbietern von Faktorleistungen die Möglichkeit, sie an jedem beliebigen Ort anzubieten. In letzter Konsequenz führt dies zumindest in ökonomischer Hinsicht zu einer Überwindung der Nationalitäten. Allerdings ist die Offenheit der Faktormärkte immer noch sehr eingeschränkt. Daher wird im Folgenden auf diese Dimension einer offenen Ökonomie nicht weiter eingegangen.


Maßzahlen einer offenen Volkswirtschaft

Grad der Integration der Gütermärkte

Maßzahlen einer offenen Volkswirtschaft.png [1]

Beispiel: Exportquoten von OECD-Ländern in % - Globalisierung 1970 und 2005

Exportquoten von OECD-Ländern in %.png


Grad der Integration der Finanzmärkte

  • Transaktionsvolumen auf den Devisemärkten: durchschnittlicher „Turnover“ pro Tag
  • Ausmaß (und Veränderung) der internationalen Verschuldung / BIP
  • Spar- und Investitionsquoten
  • Ausmaß der internationalen Portfolio-Diversifikation


Integration der Faktormärkte

  • Immigration (Mobilität der Arbeit): Anteil Ausländer an Erwerbspersonen


Beispiel: Erwerbstätigkeit von Ausländern in Deutschland - Ausländische Erwerbspersonen absolut und in Prozent aller Erwerbspersonen 1991 bis 2003

Erwerbstätigkeit von Ausländern in Deutschland.png



Beispiel: Ausländische Direktinvestitionen (ADI) pro Jahr - Inflows in absoluten Zahlen 1980 - 2004

Datei:Ausländische Direktinvestitionen pro Jahr.png


Beispiel einer im weiten Maße geschlossenen Volkswirtschaft - Japan

Auch wie beim Güter- und Dienstleistungsmarkt zeigen sich auch für Faktormärkte starke Abschottungen gegenüber anderen Volkswirtschaften. Zieht man hier die Volkswirtschaft Japan als Beispiel heran, so ist besonders auffällig, dass Japan beim Handel mit Waren und Dienstleistungen am Schluss der OECD-Ranglisten liegt, wenn es um den Zufluss ausländischer Direktinvestitionen oder um die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte geht. Der jährliche Zustrom ausländischer Direktinvestitionen erreicht gerade einmal 1 Promille des BIP. Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen – also die Summe aller bisherigen Zuflüsse plus die Wertberichtigungen – liegt bei weniger als 1% des BIP. Folglich gibt es sehr wenige Tochterfirmen ausländischer multinationaler Unternehmungen in Japan. Der japanische Arbeitsmarkt zeigt sehr änhliche Tendenzen, denn hier gibt es nur 120 000 ausländische Arbeitskräfte, dies entspricht 0,2% aller Beschäftigten in Japan. Somit steht fest, dass kein anderes OECD-Land seinen nationalen Arbeitsmarkt gegenüber dem Ausland auch nur annähernd so stark abgeschottet hat wie Japan. Schlussfolgernd ist Japan eine in weitem Maße geschlossene Volkswirtschaft geblieben und die Internationalisierung der japanischen Volkswirtschaft steht erst am Anfang. [2]


Einzelnachweise

  1. Aussenhandel, Kapitalverkehr und Wechselkurse
  2. Sanierungsbedürftige Japan AG, Weitest gehend geschlossene Volkswirtschaft Japan

Literatur

  • Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, ISBN 3-8273-7051-5
  • hrsg. von Hermann May, mit Beitr. von Hans-Jürgen Albers: Handbuch zur ökonomischen Bildung 2., durchgesehene Auflage, Wien 1993, ISBN 3-486-22547-2
  • Samuelson A. Paul und Nordhaus D. William: Grundlagen der Makro- und Mikroökonomie Band 1, 8.grundlegend überarbeitete deutsche Auflage, Köln 1987, ISBN 3-7663-0985-4

Weblinks

  • [1]OECD
  • [2] Bundeszentrale für politische Bildung