Normale Arbeitslosenquote

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Claudia wache 16:31, 29. Apr. 2008 (CEST)

Die normale Arbeitslosenquote (auch natürliche Arbeitslosenquote oder strukturelle Arbeitslosenquote, engl. Natural rate of unemployment) entspricht der Arbeitslosenquote, die sich ergibt, wenn der mit Hilfe der Lohnsetzung festgelegte Reallohn demjenigen Reallohn entspricht, der durch die Preissetzung bestimmt wird.[1]

Definition

Die normale Arbeitslosenquote beschreibt innerhalb der Volkswirtschaftslehre eine, nach der Theorie von Milton Friedman für jede Volkswirtschaft spezifische Rate, die dem makroökonomischen Gleichgewicht entspricht, in welchem die erwartete der aktuellen Inflationsrate gleich ist.[2] [3] Die normale Arbeitslosenquote kann auch als die Arbeitslosenquote verstanden werden, zu der die Wirtschaft auf mittlere Sicht immer wieder zurückkehrt.[4]

Begriffliche Einordnung

Einordnung

In der Makroökonomie und ebenso in der makroökonomischen Politik spielt der Begriff der normalen Arbeitslosenquote eine zentrale Rolle.[5] Die normale Arbeitslosenquote steht häufig im Zusammenhang mit der Untersuchung von Arbeitslosigkeit. Es sind zwei Analyseansätze für das Problem der Arbeitslosigkeit denkbar:

  • Arbeitslosigkeit als langfristiges Problem (normale Arbeitslosenquote)
  • Arbeitslosigkeit als kurzfristiges Problem. (zyklische Arbeitslosigkeit)

Die normale Arbeitslosenquote einer Volkswirtschaft spricht das normale Niveau an langfristiger Arbeitslosigkeit in einer Volkswirtschaft an. Die jährlichen Schwankungen sind dabei eng mit dem Auf und Ab im Konjunkturverlauf verknüpft. Darum werden diese Abweichungen der Arbeitslosenquote von der normalen Arbeitslosenquote als zyklische Arbeitslosigkeit bezeichnet. Die Abweichungen ergeben sich vor allem durch strukturelle Faktoren, wie der Marktmacht der Unternehmen und institutionelle Faktoren am Arbeitsmarkt. Sie lassen sich durch entsprechende Maßnahmen verringern. Zu den Maßnahmen zählen beispielsweise:

  • technologische Weiterentwicklungen im IT-Bereich, die die Arbeitsplatzsuche erleichtern,
  • die Einführung gesetzlicher Mindestlöhne,
  • der Zusammenschluss von Arbeitern in Gewerkschaften und
  • der Gebrauch von Effizienzlöhnen.[6]

Weitere Auswirkungen auf die normale Arbeitslosenquote gehen bspw. mit den Ölpreisschocks einher. Das heißt, der Anstieg des Ölpreises führt in der mittleren Frist zu einem Rückgang des Reallohns, der von den Unternehmen gezahlt wird. Somit steigt die normale Arbeitslosenquote und die natürliche Produktion sinkt.[7] Bei der Betrachtung des Zusammenhangs von normaler Arbeitslosenquote und der Phillipskurve, wird davon ausgegangen, dass es sich bei der normalen Arbeitslosenquote um die Arbeitslosenquote handelt, bei der sich tatsächliche und erwartete Inflation entsprechen. Hier spricht man auch von der "Inflation nicht beschleunigenden Arbeitslosenquote" (Nonaccelerating inflation rate of unemployment, kurz: NAIRU) Nach Friedmann und Phelps bestehen langfristig gesehen, keine Alternativen zwischen der Arbeitslosenquote und der Inflationsrate. Die Inflationsrate wird lediglich durch das Wachstum der Geldmenge bestimmt. Die Arbeitslosenquote tendiert jedoch unabhängig von der Inflationsrate zur normalen Arbeitslosenquote.[8]

Kritik am Begriff

Der Begriff der normalen Arbeitslosenquote ist umstritten. Die Bezeichnung normal lässt vermuten, dass die Arbeitslosenquote wünschenswert oder unvermeidbar ist. Die Bezeichnung meint jedoch, dass diese Art der Arbeitslosigkeit auch langfristig nicht von allein verschwindet.[9] Die Gründe für eine stets anhaltende Arbeitslosigkeit sind also nicht von Natur aus gegeben, sondern oftmals strukturell bedingt und durch politische Maßnahmen beeinflussbar. Die Bezeichnung der normalen Arbeitslosenquote als strukturelle Arbeitslosigkeit wurde erstmals von Edmund S. Phelps vorgeschlagen, konnte sich aber bisher nicht durchsetzen.[10]

Ermittlung der normalen Arbeitslosenquote

Bestimmungsfaktoren

Die Determinanten der normalen Arbeitslosenquote lassen sich nach Dauer und Häufigkeit der Arbeitslosigkeit eingrenzen. Einerseits hängt die Dauer der Arbeitslosigkeit von konjunkturellen Faktoren und andererseits von den folgenden strukturellen Merkmalen des Arbeitsmarktes ab:

  • Arbeitsmarktorganisation, diese beinhaltet bspw. das Vorhandensein oder Fehlen von Arbeitsvermittlungsstellen
  • demographische Struktur der Erwerbspersonen
  • Streben der Arbeitslosen nach einem besseren Arbeitsplatz, dies wiederum steht oftmals im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Arbeitslosenunterstützung.

Beispiel

Eine Person gibt freiwillig eine Beschäftigung auf, um mehr Zeit zu haben einen neuen oder auch besseren Arbeitsplatz zu finden (sogenannte Sucharbeitslosigkeit bzw. friktionelle Arbeitslosigkeit). Sind die Stellen alle gleichwertig, so wird der Arbeitssuchende die erste Stelle annehmen, die ihm angeboten wird. Sind jedoch manche Stellen besser als andere, lohnt es sich weiter zu suchen und dafür auch eine Wartezeit in Kauf zu nehmen. Hier kommt die Arbeitslosenunterstützung ins Spiel, je höher diese ist, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass die Arbeitssuchenden länger nach einer besseren Arbeit suchen, bzw. dass sie ihre derzeitige Arbeit aufgeben, um eine bessere Stelle zu finden.

Fazit: Eine Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung bringt eine Erhöhung der normalen Arbeitslosenquote mit sich.

Zu den Bestimmungsfaktoren für die Häufigkeit der Arbeitslosigkeit zählen:

  • die variable Arbeitsnachfrage verschiedener Unternehmen einer Volkswirtschaft
  • die Rate, mit der neue Arbeitskräfte zu den Erwerbspersonen hinzukommen.

Beispiel

Bei konstanter Gesamtnachfrage wachsen bzw. schrumpfen Unternehmen. Die wachsenden Unternehmen stellen mehr Arbeitskräfte ein, während die schrumpfenden Unternehmen Arbeitskräfte verlieren.

Fazit: Je größer diese unterschiedliche Arbeitsnachfrage zwischen den Unternehmen ist, um so höher ist die Arbeitslosenquote.

Die oben genannten Faktoren ändern sich jedoch im Zeitablauf, hinsichtlich ihrer Wichtigkeit. Die Arbeitsmarktstruktur kann sich ebenso wie die Zahl der Erwerbspersonen ändern. Auch die Variabilität der Arbeitsnachfrage verschiedener Unternehmen kann sich verschieben.[11]

Herleitung der normalen Arbeitslosenquote

In der Theorie wird davon ausgegangen, dass das tatsächliche Preisniveau P dem erwarteten Preisniveau P^e entspricht. Mit dieser Annahme bestimmen die Lohn- und Preissetzung die normale Arbeitslosenquote. Im Allgemeinen jedoch weicht das tatsächliche Preisniveau von dem Preisniveau ab, das die an der Lohnsetzung Beteiligten erwarten. Somit entspricht die Arbeitslosenquote nicht notwendigerweise der normalen Arbeitslosenquote.

Der Zusammenhang zwischen Reallohn und Arbeitslosenquote
Annahme: P^e = P
Einsetzen: W = P F (u,z)
Lohnsetzungsgleichung: \frac {W}{P} = F\underset{-,+}{(u,z)}
Preissetzungsgleichung:

\frac {P}{W} = 1+\mu bzw. \frac {W}{P} = \frac {1}{1+\mu}

Durch die Gleichsetzung von \frac {W}{P} = F\underset{-,+}{(u,z)} und \frac {W}{P} = \frac {1}{1+\mu}
lässt sich die normale Arbeitslosenquote algebraisch wie folgt darstellen:[12]

F (u_n,z) = \frac {1}{1+\mu}
 P = tatsächliches Preisniveau
P^e = erwartetes Preisniveau
 W = Nominallohn
u_n = normale Arbeitslosenquote
 u = Arbeitslosenquote
 z = Strukturvariable auf dem Arbeitsmarkt
\mu = Gewinnaufschlag
\frac {W}{P} = Reallohn

Einzelnachweise

  1. Blanchard/Illing:Makroökonomie, 2006, S. 193
  2. Sachs/Larrain B:Makroökonomik in globaler Sicht, 2001, S. 642 f
  3. Friedman, M.:The role of monetary policy, 1968, S. 1-17
  4. Blanchard/Illing:Makroökonomie, 2006, S. 172
  5. Dornbusch/Fischer/Startz:Makroökonomik, 2003, S. 180
  6. Mankiew:Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S.653 ff
  7. Blanchard/Illing:Makroökonomie, 2006, S. 227 ff
  8. Mankiew:Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S. 853
  9. Mankiew:Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S. 653
  10. Blanchard/Illing:Makroökonomie, 2006, S. 196
  11. Dornbusch/Fischer/Startz:Makroökonomik, 2003, S. 180 ff
  12. Blanchard/Illing:Makroökonomie, 2006, S. 193 ff

Literatur

  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4. Auflage, München: Pearson Studium. ISBN 978-3-8273-7209-3
  • Dornbusch, Rüdiger; Fischer, Stanley; Startz, Richard (2003), Makroökonomik, 8. Auflage, München, u. a.: Oldenbourg. ISBN 3-486-25713-7
  • Friedman, Milton (1968), The role of monetary policy, American Economic Review, Vol. 58: S. 1-17.
  • Mankiw, N. Gregory (2004), Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel. ISBN 3-7910-2163-X
  • Sachs, Jeffrey D.; Larrain B., Felipe (2001), Maktroökonomik in globaler Sicht, München, u. a.: Oldenburg. ISBN 3-486-25826-5