Mundell-Fleming-Modell

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Ein Modell, dass das simultane Gleichgewicht auf Güter-, Geld- und Finanzmärkten in einer offenen Volkswirtschaft untersucht.

Das Mundell-Fleming-Modell ist ein makroökonomisches Modell, welches eine Erweiterung des keynesianischen IS-LM-Modells darstellt und mit Hilfe dessen kleine offene Volkswirtschaften betrachtet werden können.[1] Entwickelt wurde dieses Modell unabhängig voneinander von Robert Mundell und Marcus Fleming.[2]

Annahmen des Modells

  • Konstante Preise im In- und Ausland
  • Unendliche Preiselastizität des Güterangebots
  • Güter-, Geld- und Devisenmarkt werden betrachtet
  • Wechselkursänderungen möglich

Grundmodell

Mit Hilfe des Modells wird eine kleine offene Volkswirtschaft beschrieben, die mit anderen Ländern Handel betreibt und dadurch mit diesen verbunden ist. Man kann also Reaktionen des betrachteten Landes auf Veränderungen des Inlandes und Auslandes beschreiben. Unterschieden werden muss dabei zwischen den unterschiedlichen Gleichgewichten auf Güter-, Geld- und Devisenmarkt.

Gütermarkt

Y_d=C(Y) + I(i) + G + LB

C = Konsum, I = Investitionen, G = Staatsausgaben, i = nominaler Zins

LB (Leistungsbilanz) stellt dabei die Differenz zwischen Exporten und Importen dar. LB verändert sich bei Wechselkursänderungen oder Änderungen des Inlands- oder Auslandseinkommens. In Abb.1 wird das Gütermarktgleichgewicht durch die IS-Kurve dargestellt. Diese gibt alle Kombinationen zwischen Zins i und Einkommen Y an, wenn sich der Markt im Gleichgewicht befindet. Der negativen Anstieg kommt durch die Negativwirkung des Zinses auf das Einkommen zustande (d.h. wenn i steigt, fällt Y und wenn i sinkt, steigt Y).

Geldmarkt

\frac M P = L(i,Y)

Der Geldmarkt ist im Gleichgewicht, wenn die reale Geldnachfrage dem realen Geldangebot entspricht. Das Geldmarktgleichgewicht wird in Abb.1 durch die LM Kurve mit positiver Steigung dargestellt. Der typischen Verlauf ergibt sich aus der positiven Einkommens- und negativen Zinsabhängigkeit.

Devisenmarkt

ZZ = LB + KB

Das Devisenmarktgleichgewicht wird durch die Leistungsbilanz und die Kapitalbilanz beeinflusst (KB). Die ZZ-Kurve (Abb.1) wird beeinflusst durch die Abhängigkeit des Zinsniveaus und des Einkommens im In- und Ausland. Die ZZ-Kurve verläuft umso flacher je zinsabhängiger die ausländischen Kapitalbewegungen sind.


Das vollständige Gleichgewicht wird im Mundell-Fleming-Modell erreicht, wenn sich Güter-, Geld- und Devisenmarkt insgesamt im Gleichgewicht befinden.

Abbildung1.png Abb.1

Man kann eine Unterscheidung zwischen außenwirtschaftlichem Gleichgewicht, dargestellt durch die ZZ-Kurve, binnenwirtschaftlichem Gleichgewicht, im Schnittpunkt der IS- und LM-Kurve und gesamtwirtschaftlichem Gleichgewicht, im Schnittpunkt der aller drei Kurven IS-, LM- und ZZ-Kurve vornehmen.

Einfluss von flexiblen Wechselkursen

Flexible Wechselkurse haben die Eigenschaften ein Ungleichgewicht in der Zahlungsbilanz auszugleichen zu können durch eine Wechselkursänderung. In Abb.2 wird ein Beispiel für den Ausgleich gezeigt.

Abbildung2.png Abb.2

Ausgangspunkt ist das binnenwirtschaftliche Gleichgewicht im Schnittpunkt der IS- und LM-Kurve. Dieser liegt unterhalb der ZZ-Kurve und zeigt daher einen Nachfrageüberhang am Devisenmarkt. Dieser Überhang hat eine Abwertung zur Folge, welche IS nach IS’ und ZZ nach ZZ’ verschiebt. Im Punkt i’/Y’ hat sich das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wieder eingestellt.[3]

Einfluss von festen Wechselkursen

Wenn feste Wechselkurse vorhanden sind, können diese ein Zahlungsbilanzungleichgewicht nicht ausgleichen, aber durch Geldmengenänderung kann trotzdem das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Darstellung erfolgt unter Abb.3.

Abbildung3.png Abb.3

Der Nachfrageüberhang am Devisenmarkt könnte eine Abwertung der heimischen Währung zur Folge haben, daher wird ausländische Währung verkauft und heimische gekauft. Dadurch findet eine Verschiebung von LM nach LM’ statt und das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht stellt sich wieder ein.

Weiterführendes Modell

Das Mundell-Fleming-Modell bildet die Grundlage für die AD-Kurve aus dem AS-AD-Gleichgewicht zur Beschreibung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts in einer geschlossenen Volkswirtschaft.

Literatur

  • Fuhrmann, Wilfried: Makroökonomik- Zur Theorie interdependenter Märkte, 3. Aufl., München;Wien:Oldenbourg, 1991, R. Oldenbourg Verlag GmbH, München
  • Gabler Wirtschaftlexikon K-R, 16.Aufl., Wiesbaden 2004, Verlag Dr. Th. Gabler GmbH
  • Felderer,Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9.Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
  • Moritz/Stadtmann: Kompaktstudium Wirtschaftswissenschaft: Bd.15 Monetäre Außenwirtschaft, Verlag Franz Vahlen GmbH, München, 1999

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Felderer,Homburg; Makroökonomik und neue Makroökonomik, 9.Aufl. Springer, Berlin Heidelberg New York
  2. Nobelpreis für Mundell und Fleming
  3. Moritz/Stadtmann: Kompaktstudium Wirtschaftswissenschaft: Bd.15 Monetäre Außenwirtschaft, Verlag Franz Vahlen GmbH, München, 1999