Monopolistischer Wettbewerb

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Jenny Moser 01:02, 28. Apr. 2008 (CEST)
"monopolistische Konkurrenz" [1]


  • Der Begriff monopolistischer Wettbewerb bezeichnet eine Sonderform des Oligopol. Es handelt sich dabei um einen Markt, auf dem sich nur wenige Unternehmen befinden. Jeder dieser Anbieter ist selbst groß genug, um die Preise beeinflussen zu können. Nicht zu unterschätzen ist jedoch der Zusammenhang marktstrategischer Maßnahmen eines Anbieters in Hinblick auf die Reaktionen des/der Konkurrenten. Auf Grund von Produktdifferenzierungen aggieren die Anbieter zwar weitgehend unabhängig voneinander, aber die Substituierbarkeit der Produkte sollte bezüglich der Verwenderentscheidungen nicht unterschätzt werden.


Alternative Definitionen der Monopolistischen Konkurrenz

  • "Ein Markt, auf dem Unternehmen frei eintreten können und jeweils ihre eigene Marke oder Version eines differenzierten Produktes herstellen."[2]
  • "Das Marktmodell eines monopolistischen Wettbewerbs ist in der Realität häufig anzutreffen. Es stellt das Polypol auf dem unvollkommenen Markt (polipolistische Konkurrenz) dar, auf dem viele Anbieter und viele Nachfrager unabhängig voneinander handeln,... ." [3]

Abgrenzung

Das Modell des monopolistischen Wettberwerb stellt wie erwähnt einen Sonderfall dar und damit eine Mischung aus verschiedenen Marktformen und -modellen. Dazu gehören unteranderem das Monopol und das Oligopol. Auch der Wettbewerb bzw. das Konkurrenzverhalten als solches ist durch die Entwicklung vielfältiger Strategien und Theorien nicht zu vernachlässigen. Einige begriffliche Bestimmungen sind daher notwendig.

Monopol

--> griech.- Recht auf Alleinhandel und -verkauf; Vorrecht, alleiniger Anspruch [4] (Alleinanbieter)

  • Begriff

Das Monopol ist eine Marktkonstellation, bei der das gesamte Angebot, seltener auch die gesamte Nachfrage, in einer Hand vereinigt ist. Der Monopolist als Preisfixierer kann bestimmen zu welchem Preis er das Gut auf dem Markt anbieten möchte. Die Nachfrager reagieren entsprechend dem gesetzten Monopolpreis über die nachgefragte Menge als Mengenanpasser. Die Preis-Absatz-Funktion ist hier gleich der Gesamtnachfrage-Funktion.In der Praxis ist ein reines Monopol selten anzutreffen.

Oligopol

"Marktbeherrschung durch wenige Großunternehmen"[5]

  • Begriff

Ein Oligopol ist gekennzeichnet durch die Präsenz weniger Anbieter für eine bestimmte Art von Gütern, die einer Vielzahl von Nachfragern gegenüberstehen. Allerdings hat keiner dieser Anbieter ein absolutes Monopol inne. Das heißt, dass die internen Skaleneffekte die Marktsrtuktur erzeugen.[6] Die Abhängigkeit zwischen den Unternehmen besteht auf Grund der Annahme, dass marktstrategische Maßnahmen immer auch eine Gegenreaktion hervorrufen. Insbesondere bei der angewendeten Preispolitik sind Konsumenten wie auch Konkurrenten zu berücksichtigen. Der Marktzutritt ist für neue Anbieter durch verschiedene Hindernisse erschwert. Bindungen an Patente und Lizenzen, an Abnehmer und Lieferanten und auch der finanzielle Faktor (Werbung, Qualitätswettbewerbe) sind nur einige Beispiele.

  • Beispiele in der deutschen Wirtschaft:
-> Mineralölwirtschaft
-> Automobilindustrie
-> Elektroindustrie

Wettbewerb

-> Konkurrenz (lat. Wettlauf) [7]
-> Rivalität

  • Begriff

Wettbewerb oder Konkurrenz bezeichnet den Leistungskampf der Wirtschaftseinheiten um die angestrebte Stellung im Gesamten. Dabei geht es um die Beziehung zwischen Anbietern oder Nachfragern untereinander sowie zwischen Anbieter und Nachfrager. Im wesentlichen ist das Wechselspiel von Aktion und Reaktion als dynamischer Marktprozess von Bedeutung. So ist jeder Anbieter bestrebt mittels marktstrategischer Maßnahmen die Nachfrage stärkter an sich zu ziehen und gleichzeitig die Produkte zum "besten" Preis zu verkaufen. Ein solches Verhalten bewirkt immer auch Gegenmaßnahmen der Kunkurrenten. Für die Verwender ist dieser dauernde Zwang zur Leistungssteigerung vorteilhaft, da sie durch größere Auswahlmöglichkeiten, Preissenkungen, Qualitätsverbesserungen u.a. profitieren.

  • Wettbewerbsfunktionen:

Verteilungsfunktion
Steuerungsfunktion
Anreizfunktion

Einordnung monopolistischer Wettbewerb

Grundlagen

Monopolistische Konkurrenz ist ein von E. Chamberlin geprägter Ausdruck für die Marktform des unvollkommenen Wettbewerbs (monopolistic competition). In einem unvollkommenen Markt treten sich zwar einige Teilnehmer gegenüber, aber jeder nimmt für sich eine, wenn auch schwache, Monopolstellung ein. Innerhalb bestimmter Grenzen kann ein Anbieter beispielsweise seinen Preis wie ein Monopolist verändern.

  • In der Literatur gibt es zwei Lösungsansätze:
1. Chamberlinsche Tangentenlösung
Nach diesem Ansatz bestimmt jeder Anbieter sein Gewinnmaximum im Rahmen des Cournotschen Theorems. Dies funktioniert solange der Markteintritt noch frei ist und Gewinne erzielt werden. Das Angebot der neuen Anbieter verschiebt die Preis-Absatz-Funktion der bisherigen Anbieter Richtung Ursprung. Ist letztlich keine Gewinnerziehlung mehr möglich tangiert die Durchschnittskostenkurve die Preis-Absatz-Funktion.
2. Gutenbergsche Lösung
Auch hier bestimmt sich das Gewinnmaximum gemäß dem Cournotschen Theorem. Im Unterschied zur Tangentenlösung geht Gutenberg davon aus, dass die individuellen Preis-Absatz-Funktionen aufgrund der Präferenzen doppelt geknickt sind, also ein monopolistischer Bereich in der polypolistischen Preis-Absatz-Funktion. [8]

Das Modell

Charakteristika

Produktdifferenzierung bedeutet, dass die Produkte sich zwar ähnlich sind, aber dennoch über erkennbare Unterschiede verfügen. Man könnte sagen, dass diese Güter unvollkommene Substitute darstellen. Das heißt, dass man die Produkte für gleiche Zwecke verwenden kann, sie aber trotzdem auch differenzierte Anwednungsmöglickeiten besitzen. In einigen Fällen ist dieser Unterschied allein für den Kunden erkennbar, welcher über Qualitäts- und Preisunterschiede wie auch Markenverbundenheit konsumiert. Beispiel: Kellog´s Cornflakes und ein No-Name-Produkt weisen den gleichen Zweck auf, aber sind über o.g. Charakteristika zu unterscheiden.

Was den Preis betrifft, so wird unterstellt, dass sich die Unternehmen ´wie´ Monopolisten verhalten. Je größer der Grad der Produktdifferenzierung desto unabhängiger kann der Preis gestaltet werden. Weiterhin ist dir Preispolitik über spezielle Kundenprogramme, wie Studenten- oder Seniorentarife, Rabattaktionen und auch über eine generelle Preiseinstufung.

Maktschranken verhindern den Markteintritt neuer Unternehmen. Diese Schranken können unterschiedliche Formen haben wie beispielsweise gesetzliche Regelungen, technische Eigenheiten, vorhandene Anzahl an Anbietern bis hin zu Maktstrategien.

Grundannahmen
Je höher die Nachfrage nach einem Produkt ist und je höher der Preis der Konkurrenten, desto größer ist der Absatz. Folglich kann man annehmen, dass der Absatz mit steigender Anzahl an Mitbewerbern sinkt. Unter der Annahme, dass alle Unternehmungen der Branche symmetrisch sind ergibt sich für alle Unternhmen eine identische Nachfrage und Kostenfunktion.

Marktgleichgewicht [9]

Marktgleichgewicht bei monopolistischer Konkurrenz


Die Nachfragefunktion: Q = S X [1/n - b X (P-\overline{P})][10]
Die Kostenfunktion: AC = \frac{F}{Q} + c = n  X  \frac{F}{S} + c[11]
Die Preisfunktion: P = c + \frac{1}{(b  X  n)}

  • Q -> Absatz des Unternehmens
  • S -> Gesamtabsatz der Branche
  • P -> Preis des Unternehmens
  • \overline{P} -> Durchsschnittspreis der Kunkurrenten
  • n -> Anzahl Unternehmen in der Branche
  • b -> Konstante für Absatzänderungen
  • AC -> Durchschnittskosten
  • F -> Fixkosten
  • E -> Gleichgewicht
1) Unternehmensanzahl und Durchschnittskosten:
Die Kostenfunktion sagt aus, dass sich die Durchschnittskosten AC mit steigender Anzahl an Konkurrenten erhöhen, da das einzelne Unternehmen weniger produziert und absetzt. Demzufolge ist die CC-Kurve steigend.
2) Anzahl der Unternehmungen und der Preis
Mit steigender Anzahl der Unternehmen n sinkt der Preis P, den jeder einzelne Anbieter verlangen kann. Dadurch ergibt sich eine fallende PP-Kurve.
3) Verhältnis von PP und CC
Links vom Punkt E macht die Branche Gewinne wodurch neue Anbieter angezogen werden. Befindet sich der Markt rechts vom Punkt E sind Verluste zu verzeichnen und es erfolgen Abwanderungen aus der Branche.
4) Anzahl der Unternehmen im Gleichgewicht
Der Punkt E stellt das langfristige Gleichgewicht dar. Hier schneiden sich die PP-Kurve und die CC-Kurve. In der obigen Abbildung ist dies in n2 und P2/AC2. In diesem Punkt erziehlt die Branche keine Gewinne aber auch keine Verluste, da die Durchschnittskosten und der Preis gleich sind.

Beschränkungen

Das Modell des momopolistischen Wettbewerbs gilt nur für wenige Branchen. Die Annahme, dass sich jedes Unternehmen als "echter" Monopolist verhält ist für die Realität nicht aufrecht zu erhalten. Vielmehr sind sich die einzelnen Anbieter über ihren Einfluss auf das Verhalten der Konkurrenten bewußt. Im Modell des monopolistischen Wettbewerbs werden zwei typische Verhaltensmuster des Olidopols ausgeschlossen. Zum einen das abgestimmte Verhalten (Kollusion), welches für die Konsumenten ungünstig ist, da hier der Preis oberhalb des kalkulierten Gewinnniveaus gehalten wird. Die Abstimmung kann durch explizite Verträge oder stillschweigende Koordinationsstrategien erfolgen. Die zweite Möglichkeit ist das strategische Verhalten, dass Marktschranken errichtet indem zusätzliche Kapazitäten eingerichtet werden. Diese gezielten Entscheidungen mindern zwar den Gewinn, beeinflussen aber das Verhalten der Konkurrenz und halten potentielle Rivalen vom Markteintritt ab. Ein Modell beschränk sich immer nur auf die wesentlichen Faktoren um die Realität vereinfacht darzustellen. So ist auch hier eine Vereinfachung für das Verständnis besonders in Bezug auf den Außenhandel und im Rahmen der Globalisierung der Märkte von großer Bedeutung.

Monopolistischer Wettbewerb und Außenhandel

Der internationale Handel vergrößert den Markt, vom nationalen Markt zum Weltmarkt. Durch die "neue" Marktgröße ist ein Wegfall der Beschränkung der vorherigen Produktionsmenge zu verzeichnen. Neben der produzierten und abgesetzten Menge erweitert sich auch die Gütervielfalt, die den Konsumenten geboten werden kann. Auf einem größeren Markt ist mehr Platz für eine höhere Anzahl an Unternehmungen und der Spielraum des Preises verändert sich. Auch wenn zwischen den Unternehmen keine wesentlichen Unterschiede hinsichtlich der Ressourcen oder Technologie bestehen, sind wechselseitige Vorteile vorhanden. Diese können sich im Rahmen der Opportunitätskosten ergeben, da ein Land für ein Produkt ggf. geringere Produktionskosten aufweist als ein anderes. Weitere Vorteile großer Märkte sind auf der Anbieterseite eine größere Anzahl an Unternehmen, die auch einen höheren Absatz erzielen können. Auf der Konsumentenseite sind niedriegere Preise und eine größere Produktvielfalt signifikant.

Auswirkungen einer Vergrößerung des Marktes [12]

Marktvergrößerung.jpg


  • AC = \frac{F}{Q} + c = n * \frac{F}{S} + c
Aus dieser Formel wird ersichtlich, dass mit steigendem Gesamtabsatz (S) und gleichbleibender Unternehmensanzahl (n) die Durchschnittskosten sinken. Vergleicht man zwei Märkte mit unterschiedlichem Gesamtabsatz (S) zeigt sich, dass die CC-Kurve des größeren Marktes unterhalb der des kleineren Marktes liegt. Das heißt, dass mehr Anbieter auf dem Markt aggieren können, damit die Produktvielfalt steigt und der Preis gleichzeitig sinkt.
  • P = c + \frac{1}{(b * n)}
Da in der Formel für den Preis der Gesamtabsatz nicht berücksichtigt ist, verschiebt sich die PP-Kurve aufgrund einer Marktvergrößerung nicht.


  • Fazit:

Durch eine Marktvergrößerung haben Unternehmen die Möglichkeit die Produktion zu steigern und dabei die Durchschnittskosten zu senken. Deutlich wird dies durch die Abwärtsverschiebung der CC - Kurve, von CC1 nach CC2. Die steigende Anzahl an Unternehmen bei gleichzeitig sinkenden Preisen ist die Folge. Die Situation in Punkt 1, mit wenig Produktauswahl und relativ hohen Preisen, ist für die Konsumenten schlechter als die Situation in Punkt 2, mit geringeren Preisen und mehr Auswahl.

Beispiele

Die Automobilindustrie in Europa[13] ähnelt dem Marktmodell der monopolistischen Konkurrenz sehr. Da sind neben der Vielfalt an Herstellern, wie beispielsweise Ford, General Motors, Volkswagen, Renault, Peugeot, Fiat u.a., auch eine große Zahl an verschiedenen Fahrzeugmodellen und -klassen. Hier kann sich jeder Kunde nach seinen Wünschen und Vorstellungen ausstatten. Die Produktdifferenzierung auf diesem Markt ist nicht nur optisch erkennbar.

Auch in den folgenden Branchen herrscht ein dem monopolistischen Wettbewerb nahe kommendes Verhältnis:

  • Markt für Zahnpasta
  • Waschmittelmarkt
  • Kaffeemarkt
  • Einzelhandel

Quellen

Literatur

  • Gabler Wirtschafts-Lexikon.- Taschenbuch-Kassette mit 6 Bd., 12. neu bearb. und erw. Auflage, Wiesbaden: Gabler.
  • Seidel/Temmen (2000): Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 18. überarb. Auflage, Bad Homburg vor der Höhe: Gehlen.
  • Prof. Dr. Th. Sauer: Internationale Wirtschaftsbeziehungen, FH Jena - FB BW - VWL III, Kapitel 6.
  • Pindyck/Rubinfeld (2005): Mikroökonomie, 6. Auflage, München: Pearson.
  • Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson.
  • Erich und Hildegard Bulitta (1993): Das Krüger Lexikon der Synonyme, Dortmund: Fischer.
  • Duden (2000): Die deutsche Rechtschreibung, Bd. 1, 22. neu bearb. und erw. Auflage, Mannheim: Duden.
  • Bertelsmann Lexikon (1992): Das neue Taschenlexikon, Gütersloh: Bertelsmann.
  • Joseph E. Stiglitz (1999): Volkswirtschaftslehre, 2. Auflage, München: Oldenburg Verlag.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Pindyck/Rubinfeld (2005): Mikroökonomie, 6. Auflage, München: Pearson, S.570ff."
  2. Pindyck/Rubinfeld (2005): Mikroökonomie, 6. Auflage, München: Pearson, S. 570.
  3. Seidel/Temmen (2000): Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 18. überarb. Auflage, Bad Homburg vor der Höhe: Gehlen, S. 126.
  4. Duden (2000): Die deutsche Rechtschreibung,Bd. 1, 22. neu bearb. und erw. Auflage, Mannheim: Duden, S.663.
  5. Duden (2000): Die deutsche Rechtschreibung, Bd. 1, 22. neu bearb. und erw. Auflage, Mannheim: Duden, S.708.
  6. Prof. Dr. Th. Sauer: Internationale Wirtschaftsbeziehungen, FH Jena - FB BW - VWL III, Kapitel 6, Folie 15.
  7. Bertelsmann Lexikon (1992): Das neue Taschenlexikon, Gütersloh: Bertelsmann, Band 8, S. 244.
  8. Gabler Wirtschafts-Lexikon.- Taschenbuch-Kassette mit 6 Bd., 12. neu bearb. und erw. Auflage, Wiesbaden: Gabler, Band 4, L-P, S. 471 und 472.
  9. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, S. 170.
  10. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, S. 168.
  11. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, S. 169.
  12. Krugmann/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7.akt. Auflage, München: Pearson, S. 174.
  13. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, S. 167 ff.

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