Mittlere Frist

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Die mittlere Frist ist ein Konzept, welches das ökonomische Verhalten einer Volkswirtschaft innerhalb eines mittelfristigen Zeitrahmens analysiert.


Begriffliche Einordnung

Die Makroökonomie unterscheidet drei verschiedene Zeithorizonte um die Wirtschaft zu erläutern. In diesem Zusammenhang unterscheidet man die kurze, mittlere und lange Frist. Jedoch sind die unterschiedlichen Fristen in Zeitintervalle meist schwer einzugliedern.

Kurze Frist

  • Die kurze Frist erklärt die Veränderungen einer Volkswirtschaft von Jahr zu Jahr[1].
  • Die Prämisse dieses Konzeptes ist, dass das Preisniveau konstant ist. Die Produktion weicht meist von ihrem natürlichen Produktionspotenzial ab, da keine Anpassungen über die Preise erfolgt.
  • Bei Nachfrageschwankungen erfolgt die Anpassung auf dem Gütermarkt ausschließlich über Mengen. Veränderungen der Produktion ziehen keinerlei Preiseffekte mit sich.

Mittlere Frist

  • Die mittlere Frist kennzeichnet sich dadurch, dass das Preisniveau flexibel ist.
  • Preise und Löhnen passen sich nach einem gewissen Zeitraum an und die Volkswirtschaft kehrt auf Grund dessen mittelfristig zu einem Gleichgewicht zurück, bei dem die Produktion sowie die Arbeitslosenquote nur noch von strukturellen Faktoren, wie zum Beispiel die Flexibilität des Arbeitsmarktes, abhängen.
  • Die Produktion kehrt immer zum natürlichen Produktionspotenzial zurück. Dieser Anpassungsprozess erfolgt mittels der Angleichung des tatsächlichen Preisniveaus mit den Preiserwartungen.
  • Nach Olivier Blanchard ist der Zeitrahmen der mittleren Frist 10 Jahre.

Lange Frist

  • Das Modell der langen Frist ist Gegenstand der Wachstumstheorie und erklärt einen Zeitraum von ungefähr 50 Jahren[2].
  • Bei der langen Frist wird die Annahme getroffen, dass die Produktionskapazität gegeben ist. Das Niveau der Produktionskapazität bestimmt den Output und die Nachfrage[3].


Anwendungsbeispiel: Das mittelfristige Gleichgewicht im AS-AD-Modell

Das AS-AD-Modell stellt das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht in der geschlossenen Volkswirtschaft dar[4] .

Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht wird durch die Beziehung von aggregierter Angebotsfunktion (AS), die die Gleichgewichtsbedingung auf dem Arbeitsmarkt abbildet und der aggregierten Nachfragefunktion (AD), die die Gleichgewichtsbedingung im Güter- und Geldmarkt darstellt, erreicht[5].


AS-Funktion: Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): P = P^e(1+&micro) F (1 - \frac{Y}{L}, z)



AD-Funktion: Y = (\frac{M}{P}, G,T)

Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht, welches diese beiden Funktionen bestimmen, kann auf kurze oder mittlere Frist betrachtet werden.


Anpassungsprozess im mittleren Gleichgewicht

Abbildung 1: Der Anpassungsprozess im mittelfristigen Gleichgewicht


Das kurzfristige Gleichgewicht Ao bildet den Ausgangspunkt. Ist die Produktion Yo in diesem Punkt ungleich ihrem natürlichen Niveau Yn beginnt der Anpassungsprozess in der mittleren Frist.

In der Abbildung 1 ist im Punkt Ao die Produktion über ihrem Potenzial (Yo > Yn). In diesem Fall ist das tatsächliche Preisniveau über den erwarteten Preisen (Po > Pe). Zum Zeitpunkt der Tariffestsetzungen erwarteten die Verhandlungspartner ein niedrigeres Preisniveau. Auf Grund des nun höheren tatsächlichen Preisniveaus werden die Tarifpartner höhere Löhne (w) festlegen[6]. Da die Löhne verzögert reagieren verschiebt sich die AS- Kurve erst nach einer gewissen Zeit entlang der AD-Funktion nach oben zum Gleichgewicht A1. Die höheren Löhne geben die Unternehmen durch höhere Preise an ihre Kunden weiter. Aus diesem Grund steigt das gesamte Preisniveau an. Das höhere Preisniveau verursacht eine Senkung der Produktion und reduziert die reale Geldmenge (M), welche wiederum eine Steigung des Zinssatzes (R) hervorruft. Ist der Punkt A1 erreicht wiederholt sich der Anpassungsprozess bis das Gleichgewicht A2 erreicht ist und die Produktion ihrem natürlichem Niveau entspricht (Y = Yn).

Im umgekehrten Fall, wenn die Produktion kleiner als ihr natürliches Niveau ist, sinkt das Preisniveau. Die Nachfrage sowie die Produktion steigen an.

Zusammenfassung

  • Beim kurzfristigen Gleichgewicht kann die Produktion vom natürlichen Produktionspotenzial abweichen. Die Produktion hängt vom erwarteten Preisniveau und von den Bestimmungsfaktoren, welche die Lage der AD- Kurve verändern, ab.
  • Die Produktion entspricht immer ihrem natürlichen Potenzial im mittelfristigen Gleichgewicht. Der Anpassungsmechanismus bis das natürlichen Preisniveau erreicht ist, erfolgt aufgrund des flexiblen Preisniveaus.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 836
  2. Vgl. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 837
  3. Vgl. Dornbusch, Rüdiger; Fischer, Stanley; Startz, Richard: Makroökonomie, 8. Auflage, Oldenburg Wissenschaftsverlag, München, 2003, S. 6
  4. Artikel: AS-AD- Modell In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. März 2008, 09:32 UTC (Abgerufen: 08. April 2008, 15:41 UTC)
  5. Vgl. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 213
  6. Vgl. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 4., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München, 2006, S. 189


Literatur

  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4., aktualisierte Auflage, München: Pearson Studium
  • Cezanne, Wolfgang (1998), Grundzüge der Makroökonomie, 7., aktualisierte Auflage, München: Oldenburg Verlag
  • Dornbusch, Rüdiger; Fiacher, Stanley; Startz, Richard (2003), Makroökonomie, München: Oldenburg Wissenschaftsverlag Gmbh
  • Forster, Josef; Klüh, Ulrich; Sauer, Stephan (2005),Übungen zur Makroökonomie, München: Pearson Studium