Marktgleichgewicht bei monopolistischem Wettbewerb

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --THGEJ 13:19, 24. Apr. 2008 (CEST)
Die Ermittlung des Marktgleichgewichtes bei monopolistischem Wettbewerb setzt voraus, dass wir nicht nur die Nachfragefunktion und die Angebotsfunktion gleich setzen und dadurch den Gleichgewichtspreis und die Gleichgewichtsmenge bestimmen, sondern auch die Anzahl der Anbieter im Gleichgewicht berücksichtigen.

allgemeine Bedingungen

Grundannahme ist, dass jeder Anbieter mehr absetzen wird, umso mehr die Nachfrage steigt und die Preise der Wettbewerber höher sind. Des Weiteren gilt: Wenn der Angebotspreis des einzelnen Anbieter in einem Marktsegment mit steigenden Anbietern steigt, desto geringer wird der Absatz des einzelnen Unternehmens sein. Daraus lässt sich folgende Nachfragefunktion für die Produkte oder Dienstleistungen eines Anbieters ableiten:

y_i = y \cdot \lbrack  \frac{1}{n}-b \cdot (p_i-p) \rbrack

Bei dieser Nachfragefunktion ist y_i die nachgefragte Menge bei dem Anbieter i, y die gesamte Marktnachfrage , n die Anzahl der Anbieter diesem Marktsegment und p_i bzw. p der eigene Angebotspreis bzw. der Durchschnittspreis des Segmentes. Die Konstante b mit b>0, wird als sog. "Substitutionskoeffizient" bezeichnet, der die branchenspezifische Absatzänderung in Folge von Preisänderungen angibt. [1]


Bei dieser Funktion können wir jetzt schon erkennen, dass der Marktanteil der einzelnen Anbieter nur dann gleich sein kann, wenn bei gegebener Nachfrage alle Anbieter den identischen Angebotspreis am Markt anbieten würden. Es lassen sich sogar weitere Erkenntnisse ableiten: Bietet ein Anbieter unter dem marktüblichem Durchschnittspreis an (p_i<p), wird dieser einen größeren Anteil am Markt bekommen und wird ein Anbieter seinen Preis über dem Durchschnittspreis des Marktes festsetzen (p_i>p), wird er einen kleineren Anteil am Markt bekommen.
Um weitere Ergebnisse zu erlangen, ist es für das Modell, welches von Paul Krugmann und Maurice Obstfeld dargestellt und entwickelt wurde vonnöten Symmetrie für die Anbieter zu unterstellen. Symmetrie bedeutet: „dass ihre Nachfrage- und Kostenfunktionen für alle Unternehmen identisch sind (selbst wenn sie etwas differenzierte Produkte produzieren und verkaufen)“.[2]
Im Folgenden sollen die Beweise geführt werden, dass es sowohl zwischen der Anzahl der Anbieter in einem Marktsegment und den durchschnittlichen totalen Kosten in einem Segment eine Verknüpfung gibt als auch zwischen der Anzahl der Anbieter und dem Angebotspreis.


Beweis 1: Verknüpfung der Anzahl der Unternehmen und den Durchschnittskosten eines Unternehmens

Diese Verknüpfung ist in der folgenden Abbildung verdeutlicht. Klassisch liegt auch hier - wie bei anderen Marktmodellen - das dauerhafte Markt- bzw. Segmentgleichgewicht im Schnittpunkt der Funktionen CC und PP.
Die CC-Funktion verläuft, wie weiter unten dargestellt steigend. Eine Erhöhung der Fixkosten d bedeutet, eine Drehung nach links oben, wo hingegen eine Erhöhung der Nachfrage des gesamten Marktes y eine Drehung nach rechts unten zur Folge hat. Ein Anstieg der Grenzkosten c führt zu einer Parallelverschiebung nach links oben.
Die PP-Funktion ist eine fallende Funktion (siehe unten), welche losgelöst von der Gesamtmarknachfrage ist und sich dadurch keine Verschiebungen ergeben. Einflussgrößen auf die PP-Funktion sind zum einen die Grenzkosten c, die eine Parallelverschiebung nach rechts oben bewirken und die branchenspezifischen Absatzänderungen b (b>0) in Folge dessen sich eine Drehung nach unten links ergibt.
Es lassen sich auch die typischen Reaktionen der einzelnen Anbieter ableiten bis sich das Gleichgewicht einstellt. Einzelne Anbieter werden das Marktsegment verlassen, wenn der Marktpreis geringer ist als deren totale Durchschnittskosten (Verlust). Andererseits werden weitere Anbieter in den Markt eintreten, wenn der Marktpreis über den durchschnittlichen totalen Kosten liegt (Gewinn).


MG.jpg


Bei der weiteren Formung des Modelles für die Bildung eines Marktgleichgewichts bei monopolistischem Wettbewerb sollen weiterhin die Voraussetzungen gelten, dass die Anbieter fallende durchschnittliche totale Kosten aufweisen. Eine lineare Angebotsfunktion unterstellt müsste die Variabele c in C=cy+d einen negativen Wert (c<0) aufweisen. Als Bedingung gilt weiterhin, dass alle Anbieter gleichgeschaltet (symmetrisch) sind, so werden im Schnittpunkt der PP-Kurve mit der CC-Kurve alle Anbieter den gleichen Angebotspreis haben. Der Marktanteil (Absatz) der einzelnen Anbieter y_i entspricht dem Produkt aus \frac{1}{n} und der Segmentnachfrage y \lbrack y_i = \frac{1}{n} \cdot y \rbrack.
Die Absatzmenge der einzelnen Anbieter reguliert auch die durchschnittlichen totalen Kosten des Anbieters (Fixkostendegression). Steigt der Marktanteil (sprich: die produzierte und abgesetzte Menge) sinken die durchschnittlichen totalen Kosten. Dies ist der benötigte Beweis um die Beziehung zwischen Anzahl der Segmentanbieter und den durchschnittlichen totalen Kosten zu belegen, was sich in folgender Funktion beschreiben lässt:

_{CC-Kurve: } DTK_i = \frac{d}{y_i} + c = n \cdot \frac {d}{y} + c

c ist in dieser Formel gleichbedeutend mit den Grenzkosten (und im Falle einer linearen Kostenfunktion: variable Stückkosten), d sind die Fixkosten.
Die Vielzahl von Segmentanbietern korreliert positiv mit den durchschnittlichen totalen Kosten der i Anbieter. Je mehr Anbieter in einem Segment agieren desto mehr steigen die durchschnittlichen totalen Kosten, die Fixkostendegression bleibt aus. In der Abbildung wird diese Funktion bzw. dieser Beweis mit der CC-Funktion dargestellt.

Beweis 2: Verknüpfung der Anzahl der Unternehmen und der Angebotspreise eines Unternehmens

Die Verknüpfung zwischen der Anzahl der Segmentanbieter und dem Angebotspreis ist erfahrungsgemäß so gegeben, dass bei zusätzlichen Anbietern im Markt dies zu fallenden Preisen führt. Wir leiten daraus eine lineare Marktnachfrage der Form y_i = a - bp_i für den Anbieter i ab, daraus ergibt sich der Grenzerlös als p_i - \frac{y_i}{b}.
Die modellierte Marktnachfrage spiegelt, die Theorie, dass der Angebotspreis von allen Segmentanbietern als unveränderliche Größe angesehen wird wider. Daraufhin reagieren die Anbieter des Segmentes so als könnten sie keine Geltung auf den Preis der anderen Anbieter erzielen. Die Segmentnachfrage lässt sich dann wie folgt beschreiben:

y_i = \lbrack \frac{y}{n} + y \cdot b \cdot p \rbrack - y \cdot b \cdot p_i

Der Teil in den Klammern definiert sich als fix Kosten und yb kann als Anstieg der Marktnachfragekurve interpretiert werden. Der Grenzerlös bestimmt sich an Hand des folgenden Beweisschemas in 8 Schritten:

1. Umstellen nach p_i


y_i-a = -bp_i

p_i = \frac{a}{b} - \frac{1}{b} \cdot y_i


2. Aufstellen der Erlösfunktion


E = P_i \cdot y_i

E = \lbrack \frac{a}{b} - \frac{1}{b} \cdot y_i \rbrack \cdot y_i


3. Ermitteln der Erlöse für \lbrack y_i + dy_i \rbrack


E (y_i + dy_i) = P_i \cdot \lbrack y_i + dy_i \rbrack

E' = \lbrack \frac{a}{b} - \frac {1}{b} \cdot (y_i + dy_i) \rbrack \cdot \lbrack y_i + dy_i \rbrack


4. Ausklammern


E' = \lbrack \frac{a}{b} - \frac{1}{b} \cdot y_i - \frac{1}{b} \cdot dy_i \rbrack \cdot \lbrack y_i + dy_i \rbrack

= \frac{a}{b} \cdot y_i - \frac{1}{b} \cdot y_i^2 - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i + \frac{a}{b} \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot (dy_i)^2

= (\frac{a}{b} - \frac {1}{b} \cdot y_i) \cdot y_i + (\frac {a}{b} - \frac {1}{b} \cdot y_i) \cdot dy_i - \frac {1}{b} y_i \cdot dy_i - \frac {1}{b} \cdot (dy_i)^2


5. (\frac{a}{b} - \frac{1}{b} \cdot y_i) durch p_i ersetzen


E' = p_i \cdot y_i + p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot (dy_i)^2

E' = E + p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot (dy_i)^2


6. bei marginaler Mengenänderung strebt (dy_i) gegen Null


E' = E + p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i


7. Ermittlung der absoluten Mengenänderung E' - E


E' - E = (E+p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot dyi \cdot dy_i) - E

E' - E = p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i


8. Ermittlung der marginalen Mengenänderung \frac{E' - E}{dy_i} = GE


GE = \frac{E' - E}{dy_i} = \frac{p_i \cdot dy_i - \frac{1}{b} \cdot y_i \cdot dy_i}{dy_i} = p_i - \frac{1}{b} \cdot y_i

GE_i = p_i - \frac{y_i}{y \cdot b}


Abschließend werden die hergeleiteten Formeln für die Grenzkosten und die Grenzerlöse gleichgesetzt, um das Marktgleichgewicht zu ermitteln:

GE_i = p_i - \frac{y_i}{y \cdot b} = c = GK_i


Um den gewünschten Zusammenhang zwischen der Anzahl der Unternehmen und dem Angebotspreis herzustellen, wird die obige Gleichgewichtsbedingung nach p_i aufgelöst:

p_i - \frac{y_i}{y \cdot b} = c

p_i = c + \frac{y_i}{y \cdot b}


Unter Nutzung des Zusammenhangs y_i = \frac{y}{n} lässt sich dies weiter vereinfachen zu:

p_i = c + \frac{\frac{y}{n}}{y \cdot b} = c + \frac{y}{n \cdot y \cdot b}

_{PP-Kurve: } P_i = c + \frac{1}{n \cdot b}


Der Angebotspreis der Segmentanbieter i korreliert negativ mit der Anzahl der Segmentanbieter. Drängen immer mehr Anbieter in das Marktsegment, so sinkt der Angebotspreis des jeweiligen Anbieters. In der Darstellung s.o. wird diese Funktion mit PP abgetragen.

Fazit

Es lässt sich festhalten, dass der Angebotspreis, den ein Anbieter festsetzt und die durchschnittlichen totalen Kosten einen Zusammenhang zu der Anzahl der Anbieter in dem jeweiligen Marktsegment aufweisen

Auf längere Sicht wird sich das Marktgleichgewicht wie in der Darstellung s.o. im Punkt A, d.h. dem Schnittpunkt der CC-Funktion und der PP-Funktion einstellen.

Betrachtet man nun die Darstellung s.o. etwas genauer, lassen sich Rückschlüsse auf den Markt ableiten. Befinden sich n_1 Anbieter in dem Marktsegment, betragen die durchschnittlichen totalen Kosten DTK_1 und der Angebotspreis liegt oberhalb im Punkt P_1. Die Differenz zwischen der Höhe der totalen Durchschnittskosten (P_1 - DTK_1) sind die Gewinne, die die Segmentanbieter realisieren. Diese Gewinne werden über einen längeren Zeitraum das Interesse anderer Produzenten wecken und es werden – unter der Prämisse des freien Marktzutritts – neue Anbieter in den Markt eintreten. Der Angebotspreis wird fallen und die durchschnittlichen totalen Kosten werden steigen. Aus diesem Grund nähern wir uns dem Punkt A mit n_2, dort sind die durchschnittlichen totalen Kosten DTK_2 gleich dem Preis P_2. Dies bedeutet für die Anbieter, dass keine Gewinne realisiert werden. Wenn ausgehend von A weitere Anbieter in den Markt eintreten, werden die totalen Durchschnittskosten den Preis übersteigen, bspw. gilt für n_3: DTK_3>P_3. Die Anbieter erleiden in dieser Situation Verluste in Höhe der Differenz DTK_3 - P_3. Einige Anbieter werden dieses Marktsegment deshalb wieder verlassen und die verbleibenden Anbieter werden ihre Angebotsmenge verringern, so dass es zu einer Tendenz zum Gleichgewicht kommt. Langfristig stabil ist ausschließlich der Zustand im Punkt A mit n_2 Anbietern.

Erweiterung: Veränderungen bei Marktausweitung

Das oben entwickelte und erklärte Modell lässt sich durch den Außenhandel erweitern. Durch die internationalen Wirtschaftbeziehungen (Handel) mit anderen Ländern wird der Absatzmarkt größer. Dies beutet y wird größer und die CC-Funktion dreht sich nach rechts unten (siehe Abbildung 2) Dieser Effekt mit Einbindung des Auslandes ist nur dann gegeben, wenn keine neuen Anbieter in den Markt eintreten. Dadurch lässt sich eine neue CC-Funktion (CC_2) ableiten, wodurch sich das neue Marktgleichgewicht in diesem Segment zum Schnittpunkt B einstellen wird. Der Preis und die durchschnittlichen totalen Kosten werden fallen.

Markgleichgewicht Außenhandel.JPG

Quellen

Literatur

  • Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson.
  • Bofinger, Peter (2003): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, akt. Auflage, München: Pearson.
  • Kneips, Günter (2001): Wettbewerbsökonomie, akt. Auflage, Berlin Heidelberg: Springer.
  • Lehmann, Gerhard (1956): Marktformenlehre und Monopolpolitik, Berlin: Duncker & Humblot.
  • Woll, Arthur (1993): Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 11. Auflage, München: Vahlen.
  • Mankiw, N. Gregory (2001): Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel.

Einzelnachweise

  1. vgl. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, Seite 168.
  2. Krugman/Obstfeld (2006): Internationale Wirtschaft, 7. akt. Auflage, München: Pearson, Seite 169.