Makroökonomischer Schock

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. Heidi Stöckel 11:32, 30. Apr. 2008 (CEST)

Unter einem makroökonomischen Schock versteht man plötzlich auftretende Ereignisse, die zu einer Veränderung des aggregierten Angebotes oder der aggregierten Nachfrage führen.

Begriffliche Einordnung

Makroökonomie

Die Makroökonomie, als Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre, analysiert gesamtwirtschaftliche ökonomische Sachverhalte.
Sie geht von Aggregaten aus, d.h. einzelwirtschaftliche Kategorien werden zu gesamtwirtschaftlichen Größen zusammengefasst.[1]

Schock
Ein Schock im volkswirtschaftlichen Sinn liegt vor, wenn eine plötzliche Veränderung exogener Einflußfaktoren zu einer Verschiebung der endogenen Variablen Angebot und Nachfrage führt.

Erweiterte Definition

Als makroökonomischen Schock bezeichnet man abrupt auftretende gesamtwirtschaftliche Ereignisse, die eine Verschiebung der aggregierten Nachfrage (engl.: aggregat demand) und/ oder des aggregierten Angebotes (engl.: aggregate supply) bewirken. Das gesamtwirtschaftliche Marktgleichgewicht wird gestört, so dass dynamische Übertragungsmechanismen ausgelöst werden und sich durch Anpassungsprozesse ein neues gesamtwirtschaftliches Marktgleichgewicht einstellt.

Ein makroökonomischer Schock, der zu einer Verschiebung des aggregierten Angebotes führt wird als Angebotsschock bezeichnet. Im Fall eines Nachfrageschock verschiebt sich die aggregierte Nachfrage.

Exogene Einflußgrößen, deren abrupte Veränderung einen Angebotsschock auslösen:

  • Rohstoffpreise
  • Lohn- und Gehalskosten
  • Arbeitsproduktivität
  • technologische Neuerungen
  • Steuern und Gesetze
  • Naturkatastrophen

Exogene Einflußgrößen, deren abrupte Veränderung einen Nachfrageschock auslösen:

  • Preisniveau
  • Einkommen
  • Steuern
  • Staatsverschuldungen
  • Wechselkurse
  • Konsumentenvertrauen

Arten von Schocks

Temporäre und permantent Schocks

  • temporäre Schocks wirken sich in mittlerer Frist aus und können durch finanz- und geldpolitische Maßnahmen abgefedert werden
  • permantente Schocks wirken in mittlerer Frist, ihnen kann nur durch umfassende strukturelle Reformen gegengesteuert werden

Finanzielle und reale Schocks

  • finanzielle Schocks werden z.B. durch eine plötzliche Veränderung der Preise, der Geldmenge oder des Wechselkurses ausgelöst
  • reale Schocks entstehen z.B. duch eine Veränderung der gesamtwirtschaftlichen Investitionsneigung

Politikbedingte und exogene Schocks

  • politikbedingte Schocks werden durch inländische wirtschaftspolitische Entscheidungen bewirkt
  • exogene Schocks unterliegen nicht dem unmittelbaren Einfluß wirtschaftspolitischer Entscheidungen

Positive und negative Schocks

  • positive Schocks verbessern die Angebots- und/ oder Nachfragebedingungen und führen zu einem Anstieg der Produktion/ Konjunkturaufschwung
  • negative Schocks verschlechtern die Angebots- und/ oder Nachfragebedingungen und bewirken einen Rückgang der Produktion/ Konjunkturabschwung[2]

Ein makroökonomischer Schock kombiniert meist mehrere der oben genannten Arten.
Je nach Art bzw. der Kombination der Arten haben Schocks ganz unterschiedliche Auswirkungen auf dem Markt.


Bedeutung

Volkswirtschaften unterliegen ganzzeitlich makroökonomischen Schocks und ihren dynamischen Auswirkungen auf die Produktion. Diese dynamischen Auswirkungen werden als Übertragungsmechanismen bezeichnet.
Somit gelten ständig auftretende makroökonomische Schocks und ihre dynamischen Auswirkungen als Ursache für Produktionsschwankungen, welche auch oft als Konjunkturzyklen bezeichnet werden, also Schwankungen des Produktionswachstums um ein Trendwachstum.[3]
Die Übertragungsmechanismen makroökonomischer Schocks können sich ganz unterschiedlich auswirken, meist jedoch in kurzer Frist. So sind beispielsweise die Wirkungen auf die Produktion anfangs sehr stark und bauen sich nach und nach wieder ab oder sie sind anfangs schwach, werden im Laufe der Zeit stärker und schwächen dann wieder ab. Manche Schocks wirken allerdings auch in mittlerer Frist auf die Produktion, so zum Beispiel eine dauerhafte Erhöhung eines Rohstoffpreises als Auswirkung auf das aggregierte Angebot.
Im Zeitverlauf verarbeitet das Marktsystem durch Anpassungsprozesse diese Schocks so, dass sich unter den neuen Voraussetzungen ein neues gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht einstellt. Durch neue Schocks beginnt dieser Anpassungsprozess dann von neuem und Konjukturzyklen entstehen.
Ein Schock oder eine ungünstige Kombination mehrerer Schocks kann so ungünstige Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, dass es zu einer Rezession der Konjunktur kommt, so wie der Ölpreisschock in den 70er Jahren.[3]

Beispiel

Erhöhung des Geldangebotes durch die Zentralbank

  • in kurzer Frist:
Die Geschäftsbanken verfügen nun über eine höhere Geldmenge und können verstärkt Kredite ausgeben, was zu einer Erhöhung des Kreditangebotes und somit zur Senkung des Kreditzinses führt. Die Kreditnachfrage steigt folglich.
Kreditfinanzierte Konsum- und Investitionsausgaben nehmen zu und führen zu einem Wachstum der Produktion und des Beschäftigungsgrades.[4]
Im Zeitverlauf steigt das Preisniveau und die reale Geldmenge sinkt, so dass der Keditzins wieder steigt. Die Kreditfinanzierten Konsum- und Investitionsausgaben sinken wieder und die Produktion kehrt zu ihrem natürlichen Niveau zurück.
  • in mittlerer Frist:
Die Erhöhung des Geldangebotes hat mittelfristig keine Auswirkung.

Ökonomen erklären diesen Sachverhalt mit der Neutralität des Geldes in mittlerer Frist.[5]

Einzelnachweise

  1. Görens, Egon; Ruckiegel, Karlheinz (2000), Grundzüge der makroökonomischen Theorie, 7. Auflage, Bayreuth, S. 10
  2. Clement, Reiner; Kiy Manfred; Terlau Wiltrud (2006), Grundlagen der angewandten Markoökonomie, 4. überarbeitete Auflage, München, S. 385
  3. 3,0 3,1 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4. aktualisierte Auflage, München, S. 232
  4. 4,0 4,1 [http://www.vernunft-schweiz.ch/glossar/222/Expansive+Geldpolitik+.html (Abgerufen: 13. April 2008, 20:03 UTC)
  5. Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4. aktualisierte Auflage, München, S. 234

Literatur

  • Clement, Reiner; Kiy Manfred; Terlau Wiltrud (2006), Grundlagen der angewandten Markoökonomie, 4. überarbeitete Auflage, München
  • Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2006), Makroökonomie, 4. aktualisierte Auflage, München
  • Dornbusch, Rüdiger; Fischer, Stanley; Startz, Richard (2003), Makroökonomie, 8. Auflage, München
  • Gablers Witschaftslexikon (2005), 16. vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Wiesbaden
  • Görens, Egon; Ruckiegel, Karlheinz (2000), Grundzüge der makroökonomischen Theorie, 7. Auflage, Bayreuth


Weblinks