Lohndumping

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Anja Bässler 22:30, 27. Apr. 2008 (CEST)

Definition

Unter dem Begriff Lohndumping versteht man die vertraglich vereinbarte Auszahlung von Löhnen, welche die im jeweiligen Land gültige Tariflohnniveaugrenze unterschreiten bzw. vollbeschäftigten Arbeitnehmern ein Existenzminimum nicht gewähren. Des Weiteren spricht man von Lohndumping, wenn die Vergütungshöhe eines Arbeitnehmers um ein Drittel geringer ist als der ortsübliche Lohn für eine vergleichbare Betätigung bei gleichem Dienstalter (tarifvertragliche Mindestlöhne).[1]

Aus volkswirtschaftlicher Sicht kann Lohndumping als ein Mittel zum Ausgleich von niedriger Produktivität eines Landes betrachtet werden. Durch den Ausgleich können die Produktionskosten des Landes gesenkt werden, was ihm eine faire Beteiligung am internationalen Handel gewährt.


Alternative Definitionen und Diskussionen

Dumping

Dumping ist die direkte Methode der Begünstigung inländischer Waren auf dem ausländischen Markt. Es bewirkt, dass eine Ware unter ihrem normalen Wert auf den Markt des Einfuhrlandes gebracht wird. Durch Dumping können inländische Wirtschaftszweige erheblich geschädigt werden.“ [2]

Die Definition des Dumpings kann nicht direkt mit der volkswirtschaftlichen Definition des Lohndumpings verglichen werden. Beim Lohndumping handelt es sich nicht um Dumping im wesenhaften Sinne, denn das charakteristische Kriterium der Preisdiskriminierung bzw. der Lohndiskriminierung liegt hier nicht vor. Die ursprüngliche Idee des Lohndumpings sieht nicht vor, dass ausländische Arbeiter ihre Arbeitskraft "unter Selbstkosten" zur Verfügung stellen. Lohndumping dient lediglich dem Ausgleich der niedrigen Produktivität eines Landes, damit die Produktionskosten gesenkt werden können. Dadurch fallen aber nicht automatisch die Preise der hergestellten Exportgüter, weshalb es sich auch nicht um Dumping im Sinne obiger Definition handelt. Betrachtet man jedoch die momentane Situation in Deutschland, in der manche deutsche Arbeitgeber lieber ausländische Arbeiter aus Niedriglohnländern beschäftigen, weil diese einen viel geringeren Lohn fordern, kann man die Verbindung zwischen den beiden Begriffen Dumping und Lohndumping nicht mehr leugnen: Arbeitskraft wird zu Dumpingpreisen ver- und gekauft.

In den 90er Jahren erweiterte sich der Dumpingbegriff über die Grenzen des internationalen Welthandels hinaus und es kamen neue Formen des Dumpings, wie zB. Währungsdumping, Ökodumping, Lohndumping und Sozialdumping, ins Gespräch.[3]

Sozialdumping

„[…] überdurchschnittlich billiges Exportangebot eines Landes aufgrund eines niedrigen Lohnniveaus bzw. niedriger Lohnnebenkosten (v.a. Sozialaufwendungen).“ [4]

„Gewerkschaftsführer sprechen in diesem Zusammenhang oft von ‚Sozialdumping’, so als sei das anderswo niedrigere Arbeitskostenniveau „unfair“ oder volkswirtschaftlich uneffizient. Tatsächlich sind internationale Unterschiede in den Arbeitskosten geradezu eine Voraussetzung für einen effizienten Ressourceneinsatz, solange die (Grenz-) Produktivität der Arbeit (siehe auch: Grenzprodukt der Arbeit) von Land zu Land verschieden ist.“ [5]

Bei diesem Zitat wird deutlich, dass Lohndumping und Sozialdumping im allgemeinen Sprachgebrauch stets als etwas Unangenehmes empfunden wird, was es schleunigst zu beseitigen gilt. Dass dies aber eine Verzerrung der ökonomischen Wahrheit zur Folge hat, scheint niemanden so recht überzeugen zu wollen. Näheres zur Aufklärung dieses Irrtums findet sich unter dem Gliederungspunkt 3 „Bedeutung und Eindordnung des Begriffs".

Niedriglohn

Niedriglohn ist eine Bezeichnung für ein sehr geringes Arbeitsentgelt. Es kann nicht als vollkommenes Synonym für den Begriff Lohndumping verwendet werden, weil Letzteres nicht den Lohn an sich, sondern das Verhalten der Arbeitgeber in Bezug auf (niedrige) Löhne beschreibt.

siehe Artikel: Niedriglohn


Bedeutung und Einordnung des Begriffs

Der Begriff „Lohndumping“ setzt sich aus zwei Wortbestandteilen zusammen: „Lohn“ und „Dumping“. Letzteres wurde bereits in Punkt 2 „Alternative Definitionen und Diskussionen“ definiert.

Lohn: „Das Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit wird kurz als Lohn bezeichnet und umfasst die Bruttolöhne und –gehälter (einschließlich aller Zuschläge, Prämien, Gratifikationen und Naturalleistungen) sowie die Sozialbeiträge der Arbeitgeber." [6]


Aufgrund des weltweiten Handels sind die Nationen stärker miteinander verbunden als jemals zuvor, woraus ein internationaler Wettbewerb entstanden ist.

Die Bezeichnung Lohndumping kann in unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft eingeordnet werden:

  • (Arbeits-) Rechtlich
  • Personalwirtschaftlich
  • Volkswirtschaftlich


(Arbeits-) Rechtlich

Im Streit um Rechtsfragen Bezug nehmend auf Lohndumping sind sich Ökonomen und Gesetzgeber nicht immer einig. Viele berufen sich auf den § 138 BGB, der besagt: „Ein Rechtsgeschäft, das gegen die guten Sitten verstößt, ist nichtig.“ Sittenwidrigkeit des Lohnes wird ebenso unterschiedlich konkretisiert: Sittenwidrigkeit liegt dann vor, wenn der Lohn mehr als 30% unter dem Tariflohn oder dem ortsüblichen Lohn liegt. [7]

In Deutschland mögen derartige Gesetze und Tarifverträge gelten und eingehalten werden. Doch in vielen anderen Ländern der Welt (zum Beispiel in China oder Polen) gibt es diese Vereinbarungen nicht.

Personalwirtschaftlich

Das „Problem“ des Lohndumpings schlägt sich auch im Bereich der Personalwirtschaft nieder. Viele Gewerkschaften, wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) kämpfen schon seit Jahren gegen Lohndumping als ein Problem der Lohngerechtigkeit. Als Gegenmaßnahme käme für sie nur ein gesetzlicher Mindestlohn in Existenz sichernder Höhe in Frage.

Auch Zeitarbeitsfirmen leiden derzeit unter der immer stärker hervortretenden Lohnabwärtsspirale: „[…] fordere ich […] einen Mindestlohn in der Zeitarbeit, um unsere Branche abzusichern gegen die Öffnung des Arbeitsmarktes im kommenden Jahr [2009] für unsere EU-Nachbarn im Osten. Die würden hier einen Wettbewerb mit Niedriglöhnen entfachen, die wir durch unsere Tarifbindung nicht bezahlen dürften und auch nicht wollen. Ein solcher Wettbewerb ginge zulasten aller Zeitarbeitnehmer in Deutschland, was wir verhindern müssen.“ [8]

Seit Mitte der 90er Jahre ist der Niedriglohnsektor in Deutschland auf ca. 9 Millionen Niedriglohnempfänger gewachsen. Ein Niedriglohn-Job ist ein Beschäftigungsverhältnis, bei dem der Arbeitnehmer einen monatlichen Verdienst zwischen 400 und 800 Euro erhält. [9]

Volkswirtschaftlich

Volkswirtschaftlich betrachtet spielt Lohndumping eine große Rolle. Trotz der nunmehr globalen Wichtigkeit und Aktualität wissen viele nicht, welche ökonomischen Hintergründe sich hinter diesem Phänomen verbergen.

Ein weit verbreiteter Irrtum über Lohndumping ist, dass den Ländern, die Handel mit sog. Niedriglohnländern betreiben, ein Schaden entsteht. Meistens wird nur der personalwirtschaftliche Aspekt betrachtet: Die Arbeitnehmer aus den Niedriglohnländern würden denen aus Hochlohnländern die Arbeitsplätze wegnehmen, da sie sich durch einen wesentlich geringeren Vergütungsanspruch auszeichnen. Was viele nicht in Betracht ziehen, ist die volkswirtschaftliche Notwendigkeit von niedrigen Löhnen, um internationalen Wettbewerb aufrechterhalten zu können.


Das Lohnniveau ist etwa proportional zu seiner Produktivität

Die Theorie des Ricardo-Modells besagt unter anderem, dass das relative Lohnniveau (siehe auch: relativer Lohn) einer Volkswirtschaft in der Regel dem dortigen relativen Produktivitätsniveau entspricht (siehe Grafik). Bei vollkommenem Wettbewerb findet Entlohnung nach der Grenzproduktivität der Arbeit statt (siehe auch: Grenzprodukt der Arbeit), weil die Arbeitgeber auf Dauer nur bis zur Grenzproduktivität Lohn zahlen könnnen. Anderenfalls würden die Lohnkosten die Kosten der eigentlichen Produktion unnatürlich in die Höhe treiben. Das heißt also, dass bei niedrigerer Produktivität ein geringerer Lohn bezahlt wird als bei höherer Produktivität.

Eine auffallend geringe Produktivität im Vergleich zu den anderen Ländern auf diesem Schaubild haben China, Indien und Mexiko. Dementsprechend niedrig ist auch ihr nationales Lohnniveau. Im Gegensatz dazu heben sich Japan, Deutschland und die USA mit hohen relativen Löhnen und hohen Produktivitäten hervor (Hochlohnländer).

Land Stdundenentgelt für Produktionsarbeiter, 2000
USA 100
Deutschland 121
Japan 111
Spanien 55
Südkorea 41
Portugal 24
Mexico 12
Sri Lanka (1969) 2

Tabelle: Internationale Lohnsätze im Vergleich (USA = 100) [10]


Das Land, das in der Herstellung eines Gutes einen komparativen Vorteil hat, zeichnet sich durch eine höhere Arbeitsproduktivität gegenüber anderen Ländern aus. Folglich ist es auch möglich, den Arbeitern in diesem Land einen höheren Lohn zu zahlen.

Natürlich lassen sich komparative Vorteile nicht ausschließlich auf Unterschiede in der Arbeitsproduktivität zurückführen. Hier spielen noch andere Faktoren hinein, die aber der Einfachheit halber ausgeblendet werden sollen.

Es gibt allerdings auch Nationen, die nicht sehr produktiv sind. Motive für diese geringe Produktivität können das Fehlen eines komparativen Vorteils sein oder aber die Tatsache, dass im Vergleich zu anderen Nationen und deren komparativen Vorteilen die Erzeugung eines bestimmten Gutes (des Exportgutes) die einzige Möglichkeit für sie darstellt, sich am internationalen Handel zu beteiligen.


Betrachten wir einmal zwei Länder, Land A und Land B, die insgesamt 2 Güter herstellen können. Land A ist in der Herstellung beider Güter produktiver als Land B. Da beide Länder aber nur ein Gut herstellen (aus Kosten- und Effektivitätsgründen), produziert Land B das Gut, bei dem es, beide Güter vergleichend, eine höhere Produktivität aufweist. Nun kann dieses Land seine (vergleichsweise höheren) Kosten in der Produktion nur mit einem niedrigeren Lohnsatz ausgleichen. Dadurch muss der Abstand der Produktionskosten dieses Gutes zwischen beiden Ländern so groß sein, dass die Produktionskosten von Land B schließlich unter jene von Land A sinken.[11] Wenn Land B das gelingt, entsteht ihm ein komparativer Vorteil für die Herstellung dieses Gutes und es kann erfolgreich am internationalen Wettbewerb teilnehmen.

Nun sind aber viele Kritiker der Meinung, dass Land A, welches das von Land B produzierte Gut importiert, einen wirtschaftlichen Schaden vom sog. Lohndumping davonträgt. Auch hierfür gibt es eine Aufklärung: Für den Außenhandelsgewinn des Landes A ist es überhaupt nicht von Bedeutung, wie niedrig (oder hoch) das Lohnniveau von Land B ist, weil es nicht darauf ankommt, ob niedrigere Löhne oder eine höhere Produktivität zu den geringeren Produktionskosten beigetragen haben. Voraussetzung ist aber auch, dass der Preis des Gutes dadurch nicht unnatürlich in die Tiefe gedrückt wird, sondern auf einem „normalen Level" bleibt.[12]


Beispiel

Brot Wurst
Land A 1 Stunde pro Brot 2 Stunden pro Wurst
Land B 4 Stunden pro Brot 3 Stunden pro Wurst

Land A hat sich aufgrund seines Wettbewerbsvorteils von Brot auf dessen Herstellung spezialisiert, Land B produziert Wurst. Wir nehmen an, dass alle Arbeiter des jeweiligen Landes in der jeweiligen Güterproduktion beschäftigt sind. Die Preise für 1 Brot und 1 Wurst betragen jeweils 6 €.

Land A: Die Herstellung von einem Brot dauert 1 Stunde. Daraus folgt, dass die Arbeiter in diesem Land in 1 Stunde den Gegenwert von einem Brot als Stundenlohn erhalten, das sind 6 €.

Land B braucht für die Herstellung einer Wurst 3 Stunden, d.h. die Arbeiter in Land B verdienen in einer Stunde den Gegenwert von 1/3 Wurst, 2 €.

Dieses Ergebnis kommt aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsproduktivität der Länder zustande. Land B ist in seiner spezifischen Produktion weniger produktiv als Land A in seiner eigenen Produktion. Mithilfe des niedrigeren Lohnniveaus (als „Ausgleich“) hat Land B aber einen Kostenvorteil bei der Herstellung von Wurst gegenüber Land A (Land A bräuchte für die Herstellung einer Wurst 2 Stunden, die Personalkosten beliefen sich also bei einem Stundenlohnsatz von 6 € auf 12 € pro Wurst). Land B kann nun seine Wurst auch für 6 € verkaufen, aber nur, weil ein geringerer Lohnsatz gezahlt wird, der die niedrigere Produktivität ausgleicht.

Dieser Wettbewerb zwischen den beiden Ländern ist aus volkswirtschaftlicher Sicht keinesfalls unfair, da die Güter Brot und Wurst den gleichen Preis haben (es könnte sich theoretisch auch um die gleichen Güter handeln) und somit keines von den beiden Ländern einen wirtschaftlichen Nachteil beim Import des anderen Gutes erleidet. Für jedes Land ist nur wichtig, dass es das Gut, welches es aus Effektivitätsgründen nicht selbst produziert, vom anderen Land importieren kann.[13]


Die volkswirtschaftliche Betrachtung des Lohndumpings klärt für viele aber noch nicht das Argument der Ausbeutung der Arbeitnehmer. Man kann bei einem niedrigen Lohn nicht von Ausbeutung sprechen, wenn man nicht in der Lage ist, eine Alternative aufzuzeigen. So könnte man sich die Frage stellen, ob es für Arbeiter in Niedriglohnländern besser wäre, die Löhne zu Dumpingpreisen zu akzeptieren oder ganz und gar mit dem internationalen Handel zu brechen. Denn bei letzterer Maßnahme wären die Löhne im Niedriglohnland noch geringer, weil das Land aufgrund der Isoliertheit des Handels alle Güter selbst herstellen müsste und nicht mehr die Chance auf einen "Tausch" von Arbeitskraft und Waren hätte.[14]


Dienstleistungsrichtlinie

Im Dezember 2006 wurde die Dienstleistungsrichtlinie verabschiedet, die bis Ende 2009 in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden muss. Jede Person und jedes Unternehmen eines europäischen Landes darf seine Dienstleistungen in allen Mitgliedstaaten innerhalb der EU anbieten. Neu ist hierbei das sog. „Herkunftslandprinzip“, d.h. es gelten die Rechtsvorschriften (Mindestlöhne, Tarifvertragsregelungen, Arbeitszeitbestimmungen usw.) des Landes, in dem das Dienstleistungsunternehmen niedergelassen ist. [15]

Das bedeutet, dass inländische Unternehmen jederzeit ihre Fertigung in Niedriglohnländer verlagern bzw. dort Dienstleistungen anbieten könnten und den dortigen Arbeitnehmern „nur“ einen Lohn zu Dumpingpreisen zahlen müssten.

Zum Beispiel könnte ein deutsches Unternehmen seinen Firmensitz nach Polen verlagern und polnische Arbeitnehmer zu den dortigen Arbeitsbedingungen beschäftigen. Polen zeichnet sich durch ein niedriges Lohnniveau, geringe Sozialabgaben und höhere wöchentliche Durchschnittsarbeitszeiten aus. Somit müsste der deutsche Arbeitgeber in Polen viel geringere Personalkosten zahlen als in Deutschland, wo das Lohngefüge dann erheblich unter Druck geraten würde.[16]


Lohndumping in Deutschland

Volkswirtschaftlich betrachtet tragen niedrige Löhne zur Wettbewerbsfähigkeit der verschiedenen Länder bei. Doch durch die neue Dienstleistungsrichtlinie missbrauchen viele Arbeitgeber, so auch in Deutschland, das „Herkunftslandprinzip“, indem sie teilweise ihre gesamten Belegschaften durch billige Arbeitskräfte aus Osteuropa ersetzen. In diesem Fall ist Lohndumping mit Dumping im eigentlichen Sinne in Verbindung zu bringen.

Trotz der Tatsache, dass die umstrittene EU-Richtlinie noch lange nicht in Kraft getreten ist, sorgt die EU-Osterweiterung für ein hürdenloses Durchkommen osteuropäischer Konkurrenz auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Folge daraus: Zehntausende Deutsche verlieren ihren Arbeitsplatz.

Am Beispiel von deutschen Schlachthöfen soll diese Situation im Folgenden verdeutlicht werden.


Helmut P., ein (fiktiver ehemaliger) Arbeitnehmer in einem Schlachtbetrieb in Norddeutschland verlor seinen Arbeitsplatz, weil sein Arbeitgeber billigere Arbeiter aus Rumänien und Polen bevorzugte. Helmut und seine Schlachterkollegen zerlegten im Durchschnitt 80 bis 90 Tonnen Fleisch am Tag und bekamen eine angemessene Vergütung von bis zu 25 € pro Stunde dafür. Irgendwann wurden die deutschen Mitarbeiter jedoch nur noch in der Tagesschicht eingesetzt, nachts verrichteten Rumänen und Polen die Arbeit. Helmut P. beklagte sich, dass seitdem der Lohn um fast 40 % gefallen sei, er und seine Kollegen diese Einbußen aber hinnehmen mussten, um ihren Job behalten zu können. Zu guter Letzt boten die Polen ihre Arbeitskraft für nur 9,50 € an und polnische Frauen arbeiteten sogar für 4,50 € in der Stunde. Das war das Ende von Helmut P. und seinen Kollegen. Der Arbeitgeber des Schlachtbetriebes kündigte ihnen aufgrund der höheren Personalkosteneinsparungen, die er mit den osteuropäischen Arbeitern erzielte.

Dies ist nur ein Beispiel von schädigendem Verhalten inländischer Arbeitgeber. In Deutschland gibt es noch weitaus mehr Unternehmen, die ihre Arbeiten lieber durch „Billiglöhner“ aus den osteuropäischen Ländern verrichten lassen. Der Bundesgerichtshof weiß längst von diesem Missbrauch und von den vielen deutschen Subunternehmern, die als Vermittler für Firmen aus Billiglohnländern auftreten. Eine gute Lösung ist jedoch noch nicht in Sicht. So bleibt zumindest für die 15.088 arbeitslos gewordenen Fleischer in Deutschland wenig Hoffnung.[17]


Lohndumping ist in den Köpfen der Deutschen ein Begriff mit negativem Beigeschmack. Und solange das Land seinen Arbeitnehmern einen solchen Missbrauch der Arbeitskräfte vorlebt, wird sich das auch nicht so schnell ändern. Die Tatsache, dass niedrige Löhne in der internationalen Wirtschaft durchaus guten Charakter haben, wird von den meisten Menschen wohl noch eine Weile unentdeckt bleiben.


Literatur

  • Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006
  • Gablers Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004

Einzelnachweise

  1. Vgl. http://www.vernunft-schweiz.ch/glossar/399/Lohndumping+.html
  2. Butt, Dietmar: Außenwirtschaftslexikon, 2. Auflage, Köln 1989, S. 114
  3. Vgl. http://dechmann.org/dumping/freefair/Kapitel%2002.htm
  4. Gablers Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004, S. 2692
  5. Tietz, Bruno: Die Dynamik des Euromarktes, 2. Auflage, Landsberg/Lech 1989, S. 350f.
  6. Gablers Wirtschaftslexikon, 16. Auflage, Wiesbaden 2004, S. 1920
  7. http://soziale-arbeit-ist-mehr-wert.verdi.de/hintergrund/lohndumping/data/lohndumping_vortrag_klausing.pdf
  8. Wirtschaftswoche vom 3.3.2008, S. 16, Interview mit Thomas Reitz, Deutschland-Chef der Leiharbeitsfirma Manpower
  9. [Vgl. http://www.arbeitsratgeber.com/niedriglohn_0150.html]
  10. Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 105
  11. Vgl. Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 70
  12. Vgl. Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 70
  13. Vgl. Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 70
  14. Vgl. Krugman, Paul R. und Obstfeld, Maurice: Internationale Wirtschaft - Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7. Auflage, München 2006, S. 73
  15. Vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21923/1.html
  16. Vgl. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21923/1.html
  17. Vgl. http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/538042.html?p=2&nv=ct_cb


Weblinks