Leistungsbilanz

Aus Wiwiwiki.net
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. ----Svenmetelkow 10:17, 30. Apr. 2008 (CEST)

Dies ist eine Ergänzung zu dem bereits in Wikipedia vorhandenen Artikel zur Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz als Teil der Zahlungsbilanz

In der Zahlungsbilanz werden Leistungen und Gegenleistungen auf entsprechende Teilbilanzen aufgeteilt, die dann zur Zahlungsbilanz zusammengefasst werden. Sie beinhaltet alle Transaktionen der inländischen Unternehmen einer Volkswirtschaft mit dem Rest der Welt. Die Zahlungsbilanz lässt sich in verschiedene Unterbilanzen untergliedern. Neben Handels-, Dienstleistungs- und Kapitalbilanz gehört auch die Leistungsbilanz zu einen der Teilbilanzen. Betrachtet man sich die Zahlungsbilanz im groben, kann man sie in die folgenden zwei Hauptteilbilanzen aufteilen. Einerseits gibt es die Kapitalbilanz, welche die finanziellen Transaktionen umfasst, und andererseits die Leistungsbilanz, welche Güterimporte und Güterexporte erfasst.

Die Leistungsbilanz umfasst alle laufenden Transaktionen und lässt sich, wie man in der obigen Tabelle sehen kann, wiederum unterteilen. Teilbilanzen der Leistungsbilanz sind die Handelsbilanz (HB), die Dienstleistungsbilanz (DLB) und die Übertragungsbilanz (ÜB).

Die Handelsbilanz beinhaltet die Importe und Exporte von Waren, kurz den Handel mit Gütern. Dienstleistungen aus Reiseverkehr, Transport- und Versicherungsleistungen und Kapitalerträgen sind Teil der Dienstleistungsbilanz.

Einordnung der Leistungsbilanz


Fasst man Handelsbilanz und Dienstleistungsbilanz zusammen erhält man einen Saldo. Dieser ist als Differenz von Export- und Importwert definiert. Er erfasst alle Güterströme und stellt den sogenannten Außenbeitrag dar, der auch ein Bestandteil des Sozialproduktes ist und sich direkt auf die Produktion und Beschäftigung auswirkt. Verschlechtert sich also die Bilanz, verschlechtert sich somit auch die Produktion und Beschäftigung eines Landes.

Als letzte Teilbilanz der Leistungsbilanz verbleibt die Übertragungsbilanz, in welcher die geleisteten und empfangenen privaten und öffentlichen Übertragungen, wie Überweisungen, von ausländischen Arbeitnehmern in ihre Heimatländer, den Beiträgen an internationale Organisationen und die Entwicklungshilfe festgehalten werden. Allgemein gesagt erfasst sie den unentgeltlichen Transfer zwischen In- und Ausland.

In der Summe ergeben diese drei Teilbilanzen der Leistungsbilanz den Nettoexport. Dieser kann sowohl positiv als auch negativ ausfallen.



Leistungsbilanzüberschuss

positiver Nettoexport: Es liegt ein Überschuss der Exporte über die Importe vor. Das heißt dass die Geldmenge im Inland zu- und im Ausland abnimmt. Ein Leistungsbilanzüberschuss stellt einerseits einen Vermögenszuwachs des Inlandes dar und andererseits bedeutet er den Abfluss von Kapital ins Ausland.

Positive Leistungsbilanz = die Forderungen gegenüber dem Ausland erhöhen sich (Aktivseite > Passivseite)


Leistungsbilanzdefizit

negative Nettoexport: Übersteigen die Importe eines Landes die Exporte bedeutet dies ein Leistungsbilanzdefizit. Was bedeutet, dass das Inland im Ausland mehr ausgibt, als es aus den Verkäufen an den Rest der Welt erhält.

Negative Leistungsbilanz = Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Aktivseite < Passivseite)



Beispiel

Leistungsbilanz am Beispiel Schweden


Das folgende Beispiel soll die Entwicklung der Leistungsbilanz von Schweden in den Jahren 1995-2008 zeigen.

Bei der Darstellung der Leistungsbilanz des Beispiellandes Schweden am rechten Bildrand ist zu erkennen, dass seit dem Jahr 1995 bis hin zum Jahr 2005 die Leistungsbilanz stetig steigt. Wenn sich eine Leistungsbilanz so verhält, dass der Saldo der einzelnen Jahre größer Null ist, spricht man von einem sogenannten Leistungsbilanzüberschuss. Dies bedeutet, dass der Export an Waren und Dienstleistungen in den Jahren 1995-2005 den Import überstiegen hat. Des weiteren ist zu sagen, dass ein positiver Saldo, wie er hier vorliegt, zwangsläufig eine Zunahme der Forderungen gegenüber dem Ausland bedeutet. Was bedeutet, dass die Einnahmen aus dem Handel mit Gütern und Dienstleistungen die diesbezüglichen Einzahlungen übersteigen. Ein solch langanhaltender Überschuss deutet auf ein Defizit im Ausland hin.











Ab hier ist Sven Metelkow der Autor

Determinanten der Leistungsbilanz

Die Leistungsbilanz und somit der Leistungsbilanzsaldo, also die Summe der Teilbilanzen der Leistungsbilanz, wird zum größten Teil durch den Saldo von Waren- und Dienstleistungsimporten und -exporten bestimmt. Die Höhe der Exporte und Importe eines Landes wiederum stehen dabei in einem engen Zusammenhang mit der Höhe der Ersparnisse und den Investitionen einer Volkswirtschaft. Dieser Zusammenhang lässt sich mathematisch wie folgt erklären:

Mathematische Herleitung

Das Inlandsprodukt (Y) einer Volkswirtschaft ist zunächst die Summe aus Konsum (C), Investitionen (I), Staatsausgaben (G) und dem Saldo aus Exporten (EX) und Importen (IM) : Y=C+I+G+EX-IM

Der Saldo aus Exporten und Importen lässt sich auch als Nettoexport (NX) darstellen: NX=EX-IM

Daraus folgt: Y=C+I+G+NX

Durch umformen erhält man: Y-C-G=I+NX wobei Y-C-G die volkswirtschaftliche Ersparnis (S) darstellt

Man erhält: S=I+NX

Damit erhält man den Zusammenhang zwischen Ersparnis und Investition auf der einen und Nettoexport bzw. Leistungsbilanzsaldo auf anderen Seite:

S-I=NX

Dies zeigt, dass der Saldo der Ersparnisse und Investitionen dem Leistungsbilanzsaldo entspricht.

Modell einer kleinen Volkswirtschaft

Annahmen

Um die Wirkungen von Veränderungen der volkswirtschaftlichen Ersparnis bzw. Investition auf die Leistungsbilanz untersuchen zu können, wird bei der folgenden Betrachtung von einer kleinen offenen Volkswirtschaft mit vollkommener Kapitalmobilität ausgegangen. Das heißt, dass diese Volkwirtschaft aufgrund ihrer Größe einen nur sehr geringen Einfluss auf die Weltwirtschaft und damit auf den Weltzinssatz hat, dass die Inländer freien Zugang zu den Weltfinanzmärkten haben und unbegrenzt Kredite aufnehmen und vergeben können. Es gilt: r = r^*

r = inländischer Zinssatz

r^*= Weltzinssatz

Daraus folgt, dass die Höhe der Ersparnisse und Investitionen vom Weltzinssatz bestimmt werden. Bei einem hohen Weltzinssatz werden demnach die Ersparnisse höher als die Investitionen sein. Bei niedrigen Weltzinssatz wiederum werden die Investitionen höher als die Ersparnisse sein.

Vwl v.jpg


Punkt 1 zeigt, dass bei einem niedrigen Weltzinssatz die Investitionen einer Volkswirtschaft höher als die Ersparnisse sind und sich ein Leistungsbilanzdefizit einstellt.

Punkt 2 zeigt den Weltzinssatz, in dem die Investitionen einer Volkswirtschaft den Ersparnissen entsprechen und die Leistungsbilanz ausgeglichen ist.

Punkt 3 zeigt, dass bei einem hohen Weltzinssatz die Investitionen einer Volkswirtschaft niedriger als die Ersparnisse sind und sich ein Leistungsbilanzüberschuss einstellt.

Die Wirkung verschiedener Determinanten

Weltmarktzinssatz

Wie bereits geschildert, führt die Verringerung des Weltzinssatzes zu einer Erhöhung der Investition. Was heißt, dass die Konsumenten einer Volkswirtschaft mehr Ressourcen verbrauchen. Wenn dieser Verbrauch über die aus der inländischen Produktion zur Verfügung stehenden Ressourcen steigt, kann dieser nur durch Importe aus der übrigen Welt gedeckt werden. Durch den erhöhten Ressourcenverbrauch steht nur noch ein geringerer Teil der inländischen Produktion für den Export zur Verfügung, die Exportmenge sinkt bei zunehmenden Importmengen, was zu einem Überschuss der Importe über die Exporte führt und damit die Leistungsbilanz tendenziell in ein Defizit führt. Umgekehrt lässt sich sagen, dass eine Erhöhung des Weltzinssatzes den Ressourcenverbrauch verringert, die Exportmengen steigen, die Importe zurück gehen und somit die Leistungsbilanz tendenziell einen Überschuss aufweist.

SIEXIM↑ oder SIEXIM

Fiskalpolitik

Gemeint sind hier beispielweise Veränderungen von Steuerabgaben. Da der Konsum (C) vom verfügbaren Einkommen (Y-T) abhängig ist, vergrößert sich durch eine Verringerung der Steuerabgaben das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte und somit erhöht sich der Konsum sowie zum Teil auch die Ersparnis. Aber vor allem werden durch die verringerten Steuereinnahmen die staatlichen Ersparnisse (T-G) verringert und somit die volkswirtschaftliche Gesamtersparnis. Daraus folgt, wie bereits im oberen Beispiel erwähnt, dass sich der Ressourcenverbrauch über die zur Verfügung stehende Produktion erhöht und somit die Importe die Exporte übersteigen. Die Leistungsbilanz würde damit tendenziell ein Defizit aufweisen.

(Y-T-C)+(T-G)-I=NX

Terms of Trade

Das Verhältnis der Exportpreise (P_{Ex}) zu den Importpreisen (P_{Im}) (Terms of Trade) hat ebenfalls einen starken Einfluss auf die Leistungsbilanz. So führt beispielsweise eine relative Verbesserung der Exportpreise zu den Importpreisen zu einer Erhöhung des Realeinkommens einer Volkswirtschaft. Die Volkswirtschaft kann aufgrund der verbesserten Terms of Trade für die gleiche Menge an Exporten mehr Importe realisieren.

\left(\frac {P_{Ex}}{P_{Im}}\right) = TT

Handelspolitik

Wenn die Regierung eines Landes beschließt den Import von ausländischen Gütern zu beschränken, führt dies zunächst zu einer Verringerung der Importe und damit zu einer Erhöhung des Nettoexportes. (EX-IM=NX) Da diese protektionistische Politik aber keinen Einfluss auf die Ersparnis oder Investition und somit auf den Leistungsbilanzsaldo (S-I=NX) hat, müssen die Nettoexporte wieder das gleichen Niveau wie zuvor erreichen. Dies lässt sich mit der Zunahme der realen Wechselkurse und der damit verbunden relativen Verteuerung inländischer Produkte erklären. Durch die relative Preisänderung inländischer gegenüber ausländischer Produkte, werden die inländischen Exporte zurückgehen und somit die durch die Protektionspolitik hervorgerufene Erhöhung des Nettoexports kompensieren.(EX-IM=NX) Letztlich wird die Volkswirtschaft nicht nur weniger importieren sondern auch weniger exportieren. Der volkswirtschaftliche Nettoexport wird aufgrund der Erhöhung des realen Wechselkurses das gleiche Niveau wie zuvor annehmen, wobei das Handelvolumen(EX+IM)↓ abnimmt, was letztlich in einer Verminderung der Wohlfahrtsgewinne resultiert. Die durch die Protektionspolitik erhoffte Verbesserung der Leistungsbilanz wird, da sowohl die Ersparnis als auch die Investition unberührt bleiben, nicht erreicht.

Übertragung auf eine große Volkswirtschaft

Im Gegensatz zur kleinen Volkswirtschaft, wird der Zinssatz in der großen Volkswirtschaft nicht durch den Weltzinssatz vorgegeben. Vielmehr kann durch wirtschaftpolitische Maßnahmen, wie der Fiskalpolitik, der Zinssatz beeinflusst werden. Dennoch lässt sich das Modell der kleinen Volkswirtschaft auch auf eine große Volkswirtschaft übertragen, da auch hier der Zinssatz sowohl auf die Investitionsnachfrage als auch auf die Ersparnis der Volkswirtschaft wirkt. Daraus lässt sich schließen, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen, die auf den Zinssatz einwirken, damit auch auf die Investitionen bzw. Ersparnis einer Volkswirtschaft wirken und letztlich die Leistungsbilanz in ihrem Saldo beeinflussen.

Einzelnachweise


Literatur

  • Görgens, Egon; Ruckriegel, Karlheinz; Giersberg, Karl-Wilhelm; Grundzüge der makroökonomischen Theorie, 4. Auflage, Verlag P.C.O.Bayreuth, 1992
  • Gordon, Makroökonomie, 4.Auflage, R. Oldenbourg Verlag München Wien
  • Dornbusch, Fischer, Makroökonomik, 6.Auflage, R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1995

  • Krugmann, Paul R.,Obstfeld, Maurice, Internationale Wirtschaft, 7.aktualisierte Auflage, Pearson Studium, München, 2006
  • Sachs, Jeffrey D.,Larrain B., Felipe, Makroökonomik, R. Oldenburg Verlag GmbH, München, 1995
  • Mankiw, N.Gregory,Makroökonomik, 3.überarbeitete und erweiterte Auflage, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 1998

Weblinks