Kapitalbilanz

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Die Kapitalbilanz ist in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung eine Teilbilanz der Zahlungsbilanz. Diese Bilanz enthält die Kapitalbewegungen (Kapitalbewegungsbilanz) von Inländern, d.h. Änderungen in den Beständen der Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland.

Weitere Definition

In der Literatur wir der Begriff der Kapitalbilanz im engeren und weiteren Sinn definiert. Die deutsche Bundesbank vertritt die Meinung, dass die Devisenbilanz getrennt von der Kapitalbilanz ausgewiesen werden sollte, da sie die Bestandsveränderungen der staatlichen Währungsreserven beinhaltet.[1]

Hauptkategorien der Kapitalbilanz

  • Direktinvestitionen sind grenzüberschreitende Unternehmensbeteiligungen (Aktien, Kapitalanteile, langfristige Darlehen) von 10% und mehr des Kapitals, kurzfristige Finanzbeziehungen, reinvestierte Gewinne sowie von Eignern bereitgestellte Kreditmittel. Zusätzlich zählt der grenzüberschreitende Erwerb und Veräußerung von Immobilien ebenfalls zu den Direktinvestitionen.
  • Wertpapieranlagen sind Anlagen in langfristige Schuldverschreibungen und in Dividendenpapiere sofern sie nicht unter die Direktinvestition fallen. Ebenfalls werden Geldmarktfonds und Geldmarktpapiere einbezogen.
  • Finanzderivate fallen unter die Rubrik der verbrieften und nicht verbrieften Optionen und Finanztermingeschäfte. Seit 1999 wird diese Position getrennt von den Wertpapieranlagen ausgewiesen, weil es sich hier um Produkte handelte, welche auf nicht organisierten Märkten gehandelt werden können.
  • Kreditverkehr ist die Bezeichnung für viele unterschiedliche Finanzaktionen außerhalb der Wertpapieranlagen und Direktinvestitionen. z.B.: kurz- und langfristige Finanzbeziehungen inländischer Unternehmen.
  • übrige Anlagen z.B.: Entwicklungshilfekredite

Systematik

Die Kapitalbilanz enthält alle Vermögenstransaktionen. Dabei unterscheiden wir zwischen Anlagen von Inländern im Ausland (Auslandsaktiva) und Anlagen von Ausländern im Inland (Auslandspassiva). Das Auslandsaktiva- und Passiva beschreiben das Kapital im Sinne der Kapitalbilanz.

Als Kapitalexporte werden Zunahmen von Forderungen gegen Ausländer sowie Abnahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern verstanden und erscheinen als negative Position in der Kapitalbilanz.

Kapitalimporte sind wiederum alle Abnahmen von Forderungen gegen Ausländer und Zunahmen von Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern und stellen ein positive Position in der Kapitalbilanz dar.

Für sämtliche Kapitaltransaktionen ist zu beachten, daß sie in der korrekten Unterkategorie der Kapitalbilanz aufgeführt werden. Es ist ebenfalls zwischen kurz- und langfristigen Kapitalbewegungen zu unterscheiden.

Veranschaulichung[2]

Zahlungsbilanz

  • Leistungsbilanz
    • Handelsbilanz
    • Dienstleistungsbilanz
    • Übertragungsbilanz
  • Kapitalbilanz
    • Deutsche Nettokapitalanlagen im Ausland
      • Direktinvestitionen
      • Wertpapieranlagen
      • Kredite ( und sonstige Anlagen)
    • Ausländische Nettokapitalanlagen in Deutschland
      • Direktinvestitionen
      • Wertpapieranlagen
      • Kredite ( und sonstige Anlagen)
  • statistisch nicht erfasste Transaktionen
  • Devisenbilanz ( Veränderung der Währungsreserven)

Eingliederung in die Zahlungsbilanz

Die Zahlungsbilanz ist formal stets ausgeglichen, da alle Transaktionen doppelt verbucht werden. Käufe und Verkäufe von Gütern und Vermögenswerten werden mittels kurz- oder langfristiger Kredite „bezahlt“.[3] In der Kapitalbilanz erfolgt somit eine Gegenbuchung oder es wird eine Barzahlung über den Devisenmarkt vorgenommen.( Diese Veränderung der Währungsreserven wird in der Devisenbilanz ausgewiesen, welche nicht das Thema dieses Artikels ist)

Ein negatives Vorzeichen in der Kapitalbilanz bedeutet, dass mehr Kapital von Inländern ins Ausland transferiert wurde. Dieser Sachverhalt beschreibt einen Nettokapitalexport (Kapitalbilanzdefizit), die Forderungen gegenüber Ausländer sind gestiegen.

Ist dagegen ein positives Vorzeichen in der Kapitalbilanz vorhanden, wurde Mehr Kapital von Ausländern ins Inland gezahlt. Dies beschreibt den Sachverhalt eines Nettokapitalimport (Kapitalbilanzüberschuss), die Verbindlichkeiten gegenüber Ausländer sind gestiegen.

Das nachfolgende Beispiel dient zur Verdeutlichung der bilanziellen Buchung.

Beispiel[4]

  • (a)- Ein deutscher Exporteur liefert für 4 mio. € Äpfel nach Bulgarien auf Basis eines 90- Tage- Kredites[ d.h. der bulgarische Importeur geht eine Schuld (Verbindlichkeit) über 4 mio. € ein]
  • (b)- Ein Deutscher erhält ein Dividendenzahlung von einer ihm gehöhrende Fabrik im Ausland in Höhe von 2 mio. €, welche er wieder zur Reinvestition für diese Fabrik nutzt.
  • (c)- Ein deutscher Importeur kauft für 15 mio. Waschmaschinen von einen amerikanischen Hersteller und bezahlt diesen Kauf mit Hilfe eines Kredites von einer amerikanischen Bank, die dieses Geschäft finanziert.
a b c insgesamt
Leistungsbilanz - 9
Handelsbilanz
Exporte +4 +4
Importe -15 -15
Dienstleistungsbilanz
Zinsen
Dividenden +2 +2
Kapitalbilanz +9
Netto- Auslandsinvestition - 2 - 2
Netto- Kredite kurzfristig - 4 +15 +11
Netto-Kredite langfristig
Zahlungsbilanz 0

Literatur

  • Dieter Brümmerhoff: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Oldenburg Verlag, 7. Auflage, 2002, ISBN 3-486-25948-2
  • Michael C. Burda, Charles Wyplosz: Eine europäische Perspektive, Vahlen, 2. Auflage
  • Olivier Blanchard: Macroeconomics, International Edition, 3. Auflage
  • Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg Verlag, München Wien 1995, ISBN 3-486-22709-2
  • Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998
  • Vahlens großes Wirtschaftslexikon, C.H. Beck, 1993, ISBN 3-8006-1698-X
  • Gabler Wirtschaftslexikon, Gabler Verlag, 15. Auflage, 1995, ISBN 3-409-32996-X

Belege

  1. http://www.bundesbank.de/bildung/bildung_glossar_k.php
  2. Heinz-Peter Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Auflage, 1998
  3. Spahn: Makroökonomie, Springer, 2. Aufl.
  4. Jeffrey D. Sachs u. Felipe Larrain B.: Makroökonomik In globaler Sicht, Oldenburg Verlag, München Wien 1995, S. 240