Inflation

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Christian Schulze 14.40, 30 April 2008 (CEST)


Definition

Die Inflation (von lat.: das Sich-Aufblasen) bezeichnet in der VWL einen erheblichen Anstieg des Preisniveaus. Während einer Inflation kommt es zu einer Änderung des Austauschverhältnisses von Geld zu allen anderen Gütern, zu Lasten des Geldes. Eine Inflation bezeichnet also eine Geldentwertung. Sie kann regional begrenzt sein, aber auch die gesamte Weltwirtschaft beeinflussen.


Ursachen

Wie in der oben genannten Definition führt eine Veränderung des Austauschverhaltens zwischen Geld und Gütern zu einer Inflation. Es lässt sich hieraus eine erste Ursache für eine Inflation ableiten. Die Nachfrage nach allen Gütern steigt kurzfristig sehr viel stärker an als das Angebot. Hierbei bezieht sich der Nachfrageanstieg auf den privaten wie auch den staatlichen Konsum. Da diese Ursachen auf der Nachfrageseite entstehen wird auch von einer Nachfrageinflation gesprochen. Weitere Ursachen die zu einer Inflation führen, können auch auf der Angebotsseite gefunden werden. Es wird dann von einer Kosteninflation gesprochen. Im Zuge einer solchen Inflation erhöhen die Produzenten die Preise für ihre Waren und Dienstleistungen. Die Erhöhung kann auf gestiegenen Produktionskosten (z.B. gestiegene Lohnkosten, höhere Energiekosten) beruhen. Weiterhin kann eine Gewinnmaximierung der Unternehmen zu höheren Angebotspreisen führen. Voraussetzungen für eine Kosteninflation sind, dass die Waren und Dienstleistungen zu den höheren Preisen am Markt verkauft werden können und es darf keine Substitution mit anderen Gütern erfolgen. Erst durch die Erfüllung dieser Voraussetzungen und einer Ausweitung der Geldmenge kann eine Kosteninflation entstehen. Eine weitere Ursache für das Auftreten einer Inflation können staatliche Maßnahmen sein. Besonders zu nennen sind Steuererhöhungen (um die Staatsausgaben zu decken wie zum Beispiel die Kredittilgung) und die Geldschöpfung durch den Staat. Unter Geldschöpfung ist der Prozess zu verstehen bei dem der Staat Anleihen (Schuldverschreibungen) ausgibt und die Zentralbank diese mit neu geschaffenem Geld kaufen muss (da der Staat nicht selbst Geld neu schaffen kann, sondern nur die Zentralbanken). Als letztes sei noch die importierte Inflation als Ursache für eine Inflation zu nennen. Darunter ist die Übertragung einer Inflation aus einem Land in ein anderes Land zu verstehen. Besonders anfällig für eine importierte Inflation sind Länder zwischen denen feste Wechselkurse vereinbart sind, d. h. bei flexiblen Wechselkursen kann sich ein Land besser vor einer importierten Inflation schützen.

Als Beispiel für eine importierte Inflation ist die aus den USA nach Europa importierte Inflation Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu nennen. Ausgehend von einer expansiven Fiskalpolitik der USA ab dem Jahr 1965 (z.B. durch stark angestiegene Militärausgaben aufgrund des Vietnamkonflikts, Sanierung der Innenstädte) ohne Steuererhöhungen um die Ausgaben auszugleichen betrug die Inflationsrate 1967 6% in den USA. Zusätlich kam ab 1970 eine weltweite Rezession hinzu, wodurch die Inflation noch verstärkt wurde. Zur gleichen Zeit stiegen auch die Inflationsraten in den europäischen Ländern. Zum Beispiel in Deutschland von 1,4% 1967 auf 3,4% 1970 oder in Großbritannien von 2,6% 1967 auf 6,5% 1970. Der Anstieg der Inflationsraten lässt sich auf den festen Wechselkurs zurückführen, der damals zwischen dem Dollar und den europäischen Währungen bestand. Die Länder Europas haben also in dieser Zeit eine Inflation aus den USA in die eigenen Länder importiert. Dieses Problem wurde erkannt und die Abschaffung der festen Wechselkurse war die Folge daraus. Ein Sinken der Inflation war aber nicht festzustellen nach der Abschaffung. Dies beruhte auf der ab 1970 einsetzenden weltweiten Rezession.[1]

Messung der Inflation

Die Messung der Inflation erfolgt anhand der Inflationsrate. Die Rate wird anhand eines Warenkorbs berechnet. Der Warenkorb wird in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) gebildet. Er steht repräsentativ für den Konsum von Waren und Dienstleistungen einer durchschnittlichen Familie. Die Inflationsrate errechnet sich aus dem Vergleich der Kosten dieses Warenkorbs im Basisjahr und den Kosten in einem späteren Berichtsjahr. Üblicherweise erfolgt die Messung nicht nur in jährlichen Abständen sondern auch in monatlichen Abständen. In Deuschland wird die Messung der Inflationsrate vom Statistischen Bundesamt durchgeführt.

Verbraucherpreise in Deutschland (2007)[2]

Monat Verbraucherpreisindex in %
Juli 2,1
August 2,2
September 2,7
Oktober 2,8
November 3,2
Dezember 3,1
Januar 2008 2,8
Februar 2008 2,8
März 2008 3,1

Formen der Inflation

Die Inflation wird in verschiede Kategorien unterteilt. Zu unterscheiden ist dabei zwischen einer leichten, einer schweren und Hyperinflation. Die Einstufung richtet sich nach der Höhe der Inflationsrate. Unter einer leichten Inflation spricht man bei einer Inflationsrate zwischen 0% und 4%. Die Inflationsraten in den Länder der Europäischen Union haben sich in den letzten Jahren innerhalb dieser Grenzen bewegt, es herrscht also eine leichte Inflation innerhalb der EU. Ab einer Inflationsrate von mehr als 5% kann von einer schweren Inflation gesprochen werden. Das Geld verliert hier schneller seinen Wert als andere Güter wie zum Beispiel Immobilien. Weiterhin ist bei einer schweren Inflation die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu beobachten. Als Beispiel können die Inflationen in Europa und den USA Anfang 1970 genannt werden aber auch die Inflation in Argentienien im Jahr 2002. Ab einer Inflationsrate von monatlich mehr als 50% wird von einer Hyperinflation gesprochen. Die negativen Effekte einer Hyperinflation sind ein schlecht funktionierendes Transaktionssystem, vereinfacht gesprochen bedeutet dies, dass die Leute Taschen brauchen, um das Geld zum Laden zu tragen. Die sich in kurzer Zeit ändernden Preise führen zum Verlust der Aussagekraft der Preise. Weiterhin ist es nicht mehr möglich die Inflationsraten für die Zukunft zu prognostizieren, da die Inflationsrate starken Schwankungen unterliegt[3]. Als Beispiele für eine solche Hyperinflation können die Inflationen in Deuschland nach den beiden Weltkriegen genannt werden. Aber auch in der jüngeren Vergangenheit konnte man Hyperinflationen beobachten, zwar nicht in den Ländern der EU, aber in Latainamerika zum Beispiel. Hier besonders im Zeitraum von 1980 bis Anfang 1990. Vorallem Bolivien ist an dieser Stelle zu nennen. Das Land hatte in dieser Zeit am stärksten gegen eine Hyperinflation zu kämpfen. Die Inflationsrate stieg in den Jahren 1984 und 1985 extrem stark an und kletterte im Februar 1985 sogar auf 182%[4]. Das aktuellste Beispiel für eine Hyperinflation lässt sich in Simbabwe beobachten, hier wurde 2007 eine Jahresinflationsrate von 3714% gemessen[5] (in diesem Jahr weltweit die Höchste).

Maßnahmen gegen eine Inflation

Zur Bekämpfung einer Inflation kann der Staat verschiedene Maßnahmen ergreifen. Dies kann unter anderem eine restriktive Ausgabenpolitik sein, d.h. Stundung der Zinszahlungen auf Kredite bzw. Stundung der gesamten Rückzahlung von Krediten. Weiterhin kann eine Senkung der Ausgaben für die öffentlichen Haushalte vorgenommen werden, zum Beispiel durch die Abschaffung von Subventionen. Weiterhin kann ein Verzicht auf die Geldschöpfung als Mittel gegen eine Inflation eingesetzt werden ( dieses Mittel spielt in den Staaten der Europäischen Union kaum eine Rolle, da die Geldschöpfung nicht als Finanzierungsmittel der Staatsausgaben eingesetzt wird). Ein weiterer, aber sehr drastischer Schritt zur Bekämpfung wäre eine ausländische Währung als offizielles Zahlungsmittel einzusetzen[6]. Die Bekämpfung einer Inflation obliegt aber nicht allein dem Staat, auch die Zentralbanken haben die Möglichkeiten gegen eine Inflation vorzugehen. Ein wichtiges Mittel der Zentralbanken ist die Verringerung des nominalen Geldwachstums. Dies führt anfänglich zu einem geringeren realen Geldmengenwachstum was einen Rückgang des Produktionswachstums zur Folge hat. Durch diesen Rückgang wird sich aber auch die Arbeitslosenqoute erhöhen, aber auch eine Senkung der Inflation zur Folge haben.

Irrtümer bezüglich der Inflation

Zuerst ist hier die „gefühlte Inflation“ zu nennen. Darunter ist die von den Bürgern wahrgenommene Inflationssrate zu verstehen. Diese hat nichts mit amtlich statistisch erstellten Inflationsrate zu tun. Als Beispiel dafür kann die Preiserhöhung für Milch und Molkereiprodukte 2007 genannt werden. Die Preiserhöhung für diese Produkte hat zu einem starken Anstieg der „gefühlten Inflation“ geführt, nicht aber zu einem starken Anstieg der statistisch ermittelten Inflationsrate. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass die Lebensmittel zwar im Warenkorb berücksichtigt sind, aber nicht ausschließlich.

Ein weiterer Irrtum bezüglich der Inflation liegt bei einem externen Preisschock vor. Hierbei steigt der Preis für ein Gut kurzfristig stark an, wie zum Beispiel in den Ölkrisen ([Ölpreisschock]) zwischen 1970 und 1980. Sollten im Gegenzug die Preise für andere Produkte sinken bzw. lässt sich dieses Gut substituieren, hat der Preisanstieg des Gutes keine Auswirkungen auf das Preisniveau.


Einzelnachweise

  1. Vgl. KrugmannP./ Obstfeld M.: Internationale Wirtschaft, 2006, S. 651 ff
  2. Quelle: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Zeitreihen/WirtschaftAktuell/Preise/Content100/pre110j,templateId=renderPrint.psml
  3. Vgl. Blanchard O./ Illing G.: Makroökonomie, 2004, S 684
  4. Vgl. Blanchard O./Illing G.: Makroökonomie, 2006, S. 689
  5. http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/6751671.stm%7CZimbabwe%7C'collapse in six months'|
  6. Vgl. Blanchard O./ Illing G.: Makroökonomie, 2004, S. 685

Literatur

Blanchard Olivier / Illing Gerhard: Makroökonomie, 4 Auflage, München 2006

Krugmann Paul R. / Obstfeld Maurice: Internationale Wirtschaft: Theorie und Politik der Außenwirtschaft, 7 Auflage, München 2006

Quellen

Wikipedia Teile entnommen aus Wikipedia der freien Enzyklopädie