Importwert

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Der Importwert (Import [lateinisch] = Einfuhr; Gegensatz: Export ; Wert = Preis, Rang, Wichtigkeit) beschreibt den Wert aller in einer Volkswirtschaft importierten Waren sowie bestimmter importierter Dienstleistungen.

Der Importwert eines Landes ist eine Bezugsgröße für die Beurteilung dessen wirtschaftlicher Lage. Beispielsweise können die jeweiligen Staaten durch den Importwert verschiedener Güter ihre Importabhängigkeit bezüglich dieser Güter bewerten. Weiterhin kann verglichen werden ob bestimmte Waren mehr importiert als exportiert werden oder umgekehrt. Der Importwert ist eine von mehreren Größen, die ein Staat nutzt, um Handels-, Wirtschafts- und Außenpolitik zu betreiben. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang die Sicherstellung der Versorgung mit Gütern aus dem Ausland, welche im Inland nicht vorkommen oder nur mit geringerer Produktivität produziert werden können.

Die öffentliche Verwaltung, Wirtschaftskreise und Handelsorganisationen u.a. nutzen Größen wie den Importwert zur Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und Planung.

Die EU verwendet den Importwert eines Landes als Bemessungsgrundlage für wirtschaftsfördernde Subventionen, beispielsweise im Bereich der Landwirtschaft. Die UNO verwendet u.a. den Importwert für wirtschaftliche Analysen eines Landes.

Alternativdefinitionen

Import

  1. Der Import ist ein Begriff aus dem Außenwirtschaftsrecht. Hiermit gemeint ist die grenzübergreifende Einfuhr von Waren, Dienstleistungen und Kapital. Warenimporte sind in diesem Zusammenhang verbunden mit Gegenständen, während Dienstleistungsimporte nicht gegenständlich greifbar sind. Als Importeur kann ein Händler zwischengeschaltet sein oder die Einfuhren gelangen direkt zum Konsument bzw. zur Weiterverarbeitung. [1]
  2. Unterscheidung des Imports ökonomisch, außenwirtschaftsrechtlich und zollrechtlich.

Ökonomische Interpretation

Die Einfuhr von Gütern bedeutet, dass Komponenten eines fremden Sozialprodukts von Inländern genutzt werden (bezogen auf Sachgüter und/oder Dienstleistungen). Als Dienstleistungsimport für Inländer wird beispielsweise der Urlaub im Ausland angesehen. [2]

Außenwirtschaftsrechtliche Interpretation

Einfuhr ist gemäß § 4 AWG (Außenwirtschaftsgesetz) das Verbringen von Sachen (d.h. nicht nur Güter, sondern auch Kapital und Wertpapiere) und Elektrizität aus fremden Wirtschaftsgebieten in das eigene Wirtschaftsgebiet. [3]

Zollrechtliche Interpretation

Die Mitglieder der EU erheben bei Einfuhren im so genannten Intra- EU- Handel (Handel zwischen den Mitgliedsstaaten der EU) keine Zölle. Zölle fallen erst beim Extra- EU- Handel an. Das bedeutet erst beim Import aus Nicht- EU- Ländern werden Zölle fällig. [4]

Wert

  1. Der Wert drückt die Höhe der Geltung einer Ware aus, in welchem Maße sie den Anforderungen des Konsumenten gerecht wird. Entscheidend für den Betrag ist dabei der Stellenwert des Gutes sowie das Vorkommen bzw. die Menge in Relation zur Nachfrage.
  2. Werttheorien der Volkswirtschaft: In der Volkswirtschaftslehre existieren verschiedene Werttheorien, die alle aufzeigen wie Werte von Gütern entstehen. Generell wird eine Differenzierung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert getätigt.

Beispielsweise die Kostentheorie analysiert die Produktionskosten eines Gutes als Grundlage für den Tauschwert. Der Gebrauchswert wird hierbei nicht betrachtet. Die Nutzwerttheorie bestimmt den Wert des Gutes aufgrund der Bedürfnisbefriedigung durch das Gut. Zu den neueren Theorien zählt die Gleichgewichtstheorie, welche Angebot und Nachfrage als Basis für den Tauschwert bestimmt.

Einordnung

Der Außenhandel mit Waren eines Landes wird in der jeweiligen Handelsbilanz angegeben. Der Dienstleistungshandel mit dem Ausland wird in der Dienstleistungsbilanz angegeben. Beide Bilanzen sind Teil der Zahlungsbilanz und errechnen sich durch Ausfuhren abzüglich Einfuhren.

Der Importwert für Deutschland wird in der Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes (Sitz in Wiesbaden) angegeben. Der ermittelte Importwert in der Außenhandelsstatistik des statistischen Bundesamtes besteht hauptsächlich aus Werten des Warenhandels und nur zu geringem Anteil aus Dienstleistungswerten.

In der Zahlungsbilanz werden nahezu alle Vorgänge grenzüberschreitenden Handels statistisch aufgenommen, wobei einige Vorgänge nur geschätzt werden können.

Jedes Mitgliedsland der Europäischen Union erstellt monatlich eine Statistik über dessen Außenhandel.

Außenhandelsstatistik Deutschlands

Die Außenhandelsstatistik des Statistischen Bundesamtes dokumentiert die Gesamtheit aller Einfuhren und Ausfuhren von Waren und bestimmten Dienstleistungen zwischen Deutschland und dem Ausland. Darin enthalten sind sowohl Güter als auch elektrischer Strom. Die gesetzliche Grundlage für die Erstellung der Außenhandelsstatistik bildet das Außenhandelsstatistikgesetz vom 01. Mai 1957.

Dienst- oder Serviceleistungen werden grundsätzlich nicht in der Außenhandelsstatistik aufgezeichnet. Eine Ausnahme stellen dabei Veredelungsgeschäfte verbunden mit Im- oder Export dar.

Beispiel: Wenn Güter im Ausland veredelt und danach importiert werden, zählt die Veredelung mit in die Außenhandelsstatistik.

Der gesamte Dienstleistungsverkehr mit dem Ausland wird in der Dienstleistungsbilanz angegeben. Diese ist Teil der Zahlungsbilanz, welche für Deutschland von der Deutschen Bundesbank erstellt wird. Für die Aufstellung der Zahlungsbilanz der EU ist die Europäische Zentralbank zuständig.

Warenverzeichnis

Welche Waren in die Außenhandelsstatistik mit einbezogen werden ist in dem Warenverzeichnis des Statistischen Bundesamtes eingetragen.[5]

Beispiele der Verwendung der Außenhandelsstatistik

  • Die Europäische Kommission nutzt die Außenhandelsstatistik für die Einteilung und Disposition der Landwirtschafts- und Handelspolitik in Europa, für den Abschluss von Handelsvereinbarungen in der Welthandelsorganisation, bei Handelssperren von bestimmten Waren und für die Analyse empfindsamer Güterbewegungen.
  • Die internationalen Organisationen (z.B. UNO, IMF, Weltbank, WTO, OECD) verwenden die Außenhandelsstatistik, um den Ökonomiezustand eines Landes interpretieren und prognostizieren zu können.
  • Der Fiskus legt die Wirtschaftspolitik für einzelne Bereiche nach der Außenhandelsstatistik fest. Zu den Bereichen der Wirtschaftspolitik des Staates zählen die Ordnungspolitik und die Prozesspolitik. Beispiele für die Ordnungspolitik sind Maßnahmen zur Wahrung der sozialen Marktwirtschaft sowie die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs (Kartellgesetz). Beispiele für die Prozesspolitik sind die Wachstums- und Konjunkturpolitik.
  • Die Europäische Zentralbank sowie die Deutsche Bundesbank benutzen die Außenhandelsstatistik zur Erstellung der Zahlungsbilanzstatistiken.
  • Die Bundesländer wenden die Außenhandelsstatistik zwecks Exportunterstützung regionaler Unternehmen an.
  • Alle Firmen können die Außenhandelsstatistik verwerten, um die Verkaufsentwicklung ihrer Produkte nachvollziehen zu können.

Erhebungsmerkmale der Außenhandelsstatistik

In der Außenhandelsstatistik werden Mengen und Werte der im- bzw. exportierten Güter vordergründig nach Warenarten und Ländern gegliedert. Zu den für die Veröffentlichung wichtigsten Erhebungsmerkmalen zählen: Wert, Menge, Warennummer, Ursprungsland/Versendungsland bei der Einfuhr, Bestimmungsland bei der Ausfuhr.

Berechnung des Importwerts

Der Importwert errechnet sich durch Menge*Preis der realisierten Außenhandelsgüter.

Erläuterungen von Menge und Warenwert in der deutschen Außenhandelsstatistik

Warenmenge

Die Menge einer Ware wird grundsätzlich in Kilogramm erfasst und in Tonnen angegeben. Dabei wird nur das Gewicht der Ware dokumentiert, ohne jegliche Verpackung oder Umhüllung. Für spezielle Güterarten werden auch Maßeinheiten wie Stück, Liter oder Kubikmeter verwendet.

Warenwert

Analog den internationalen Regelungen wird als Warenwert der Statistische Wert als Größe angesetzt. Dieser widerspiegelt den Warenwert an der deutschen Außengrenze.

Der Statistische Wert ergibt sich aus dem Rechnungsbetrag für den Import oder Export. Jedoch ist der Betrag nur bis zur deutschen Grenze zu betrachten.

Beispiel:

Es werden Waren im Wert von 90.000 € von Deutschland nach USA exportiert. Vereinbart wurde, dass der Käufer in den USA sämtliche Transportkosten ab Werk übernimmt. Die Beförderung bis zur deutschen Grenze kostet 2.000 €. Der restliche Transport zählt 8.000 €. Der Rechnungsbetrag lautet demnach über 100.000 €.

-> als Statistischer Wert werden jedoch 92.000 € angesetzt, nämlich der Warenwert plus die Transportkosten bis zur deutschen Grenze

Bei Waren die ohne Entgelt ein- oder ausgeführt werden wird der Preis angesetzt, der bei einem Kauf/Verkauf marktüblich gewesen wäre.

Entwicklung der Außenhandelswerte für Deutschland und Europa (EU-27)

Außenhandelswerte für Deutschland
Werte des Außenhandels der EU-27 mit Nicht-EU-Mitgliedsstaaten

Deutschland zählt zu den exportstärksten Ländern der Welt. So wurden im Jahr 2007 in Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von 969 Milliarden Euro exportiert und Waren im Wert von 772,5 Milliarden Euro importiert. Diese beiden historischen Höchstwerte führten zu dem positiven Außenbeitrag von 196,5 Milliarden Euro. Auch dieser Wert stellt einen Rekord dar. Die Import- und Exportwerte Deutschlands steigern sich tendenziell von Jahr zu Jahr. Wobei die Beträge der Ausfuhren in der Zeit von 2002 bis 2007 noch stärker gestiegen sind als die der Einfuhren. Dadurch ergab sich ein stetig steigender Außenbeitrag für die betrachtete Zeit. Für Deutschland ist der Export ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft. Jedoch müssen auch Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas von anderen Ländern bezogen werden.


Im Gegensatz zu Deutschland ist der aufsummierte Außenhandelsbeitrag der Handelsbilanz der aktuellen 27 EU- Mitgliedsstaaten seit mehreren Jahren defizitär. Das bedeutet, dass die EU insgesamt pro Jahr wertmäßig mehr Güter importiert als sie exportiert.

Anteil Deutschlands und der EU-27 am Weltimport und -export

Aufteilung des Weltimports nach Ländern in Prozent
Aufteilung des Weltexports nach Ländern in Prozent

Die Anteile der EU-27 am Welthandel sind in der Zeit von 1999 bis 2005 in etwa konstant geblieben. Im Durchschnitt betrug der prozentuale Anteil des Weltimports für diese Zeit 19%, was einem Wert von 1,02 Billionen Euro entspricht. Der Beitrag zum Weltexport betrug durchschnittlich 18,6 %, was einen Wert von 0,92 Billionen Euro darstellt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden jährlich rund 20% der EU- 27- Importwerte und circa 27% der EU- 27- Exportwerte von Deutschland erzeugt. Diese Werte beziehen sich jeweils auf den Extra- EU- Handel. Den größten Teil des Außenhandels betreibt Deutschland mit EU- Mitgliedsstaaten wie Frankreich, Spanien und Italien.


Wie man den Grafiken über der Verteilung des Weltimports und Weltexports ersehen kann, sind die Anteile Chinas sowohl für Einfuhren als auch Ausfuhren in den letzten Jahren steigend. Die Anteile der USA und Kanadas sind im Gegensatz dazu rückläufig. Es ist hierbei erkennbar, dass China auf dem Welthandel eine wachsende Rolle spielt.

Einzelnachweise

  1. Vgl. Schroth, Klaus-Dieter, Das kleine Lexikon des Außenwirtschaftsverkehrs, Düsseldorf, 1993, S. 234
  2. Vgl. Altmann, Jörn, Außenwirtschaft für Unternehmen, Stuttgart/Jena, 1993, S. 20/21
  3. Vgl. Altmann, Jörn, Außenwirtschaft für Unternehmen, Stuttgart/Jena, 1993, S. 482
  4. Vgl. Altmann, Jörn, Außenwirtschaft für Unternehmen, Stuttgart/Jena, 1993, S. 562
  5. Warenverzeichnis des Statistischen Bundesamtes

Literatur

  • Statistisches Bundesamt, Informationsbroschüre der Außenhandelsstatistik, 2007
  • Siebert, Horst: Außenwirtschaft, 6.Auflage, Stuttgart/Jena, 1994
  • Jahrmann, Fritz-Ulrich: Außenhandel, 8.Auflage, Ludwigshafen (Rhein), 1995
  • Schroth, Klaus-Dieter: Das kleine Lexikon des Außenwirtschaftsverkehrs, Düsseldorf, 1993
  • Altmann, Jörn: Außenwirtschaft für Unternehmen, Stuttgart/Jena, 1993
  • Blanchard, Olivier/Illing Gerhard: Makroökonomie, 3.Auflage, München, 2004



Weblinks