Hysterese

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Hysterese, Hysteresis (griech. = zurückbleiben, verspätet)

Der aus der Physik stammende Begriff bezeichnet allgemein die Erscheinung, dass ein System auf externe Einwirkungen reagiert, jedoch nach dem Abklingen dieser Einflüsse nicht mehr in seinen Ausgangszustand zurückkehrt. Dies bedeutet vereinfacht, die Ursache ist weggefallen, die Wirkung dauert dennoch weiterhin an.

Alternative Definitionen

Es gibt verschiedene Definitionen zum Begriff Hysterese, die jedoch in ihrer Kernaussage gleich sind. Stellvertretend sind folgend 3 aufgeführt.


  • Gabler Wirtschaftslexikon:

"Hysterese, aus der Physik übernommene Bezeichnung für die länger anhaltende Nachwirkung der historischen Werte von ökonomischen Variablen auf ihre aktuellen Werte."[1]


  • Franz:

"Hysteresis stammt aus dem Griechischen und bedeutet ein „Zurückbleiben“. Im wirtschaftswissenschaftlichen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff eine bestimmte Eigenschaft dynamischer ökonomischer Systeme bezeichnet, nämlich dass der Gleichgewichtswert eines Systems von dem Zeitpfad abhängig ist, auf dem das System dorthin gekommen ist."[2]


  • Baßeler/Heinrich/Utecht:

"Unter dem Begriff Hysterese versteht man allgemein die Unfähigkeit eines Systems, nach einer Störung zu einem ursprünglichen Gleichgewichtszustand zurückzukehren, auch wenn die eigentliche Störung bereits abgeklungen ist."[3]


Wohingegen das Gabler Wirtschaftslexikon und Franz sich auf ökonomische Systeme beziehen, ist die Definition von Baßeler, Heinrich und Utecht allgemein auf Systeme bezogen.

Hysterese in der Volkswirtschaft

Der Begriff Hysterese wird in verschiedenen Bereichen der Wissenschaft und Technik verwendet, wie z. B. in der Physik bei der Analyse von Magnetfeldern. Zudem greift auch die Volkswirtschaft die Bezeichnung auf, um somit bestimmte Entwicklungen auf dem natürlichen Arbeitsmarkt sowie der flexiblen Wechselkurse zu erklären. Von der Hysterese abzugrenzen ist der Begriff Persistenz. Hierbei stellt sich nach einem kurzfristigen Schock das alte Gleichgewicht, im Gegensatz zur Hysterese, wieder her, allerdings kann dies einige Zeit dauern.[4]


Hysterese auf dem Arbeitsmarkt

Für den Arbeitsmarkt bedeutet Hysterese, dass eine hohe Arbeitslosigkeit der Gegenwart, die aufgrund exogener Schocks entstanden ist, auch nach dem Wegfall dieser Schocks nicht zurückgeht. Vielmehr kommt es zu einem Anstieg der künftigen natürlichen Arbeitslosigkeit.[5]


Ein Grund für diese Form der Arbeitsmarkt-Hysterese ist die Langzeitarbeitslosigkeit. Durch eine andauernde Arbeitslosigkeit gehen Qualifikation und Arbeitsmotivation verloren und bewirken eine verringerte Bereitschaft, aktiv nach einem neuen Arbeitsplatz zu suchen. Viele Unternehmen vermeiden die Einstellung von Langzeitarbeitslosen. Diese haben somit keinen Einfluss mehr auf den Prozess der Lohnbildung. Langzeitarbeitslose fallen für die Arbeitergeber als Druckmittel bei Lohnverhandlungen weg. Die dadurch zum Teil überhöhten Lohnabschlüsse bewirken eine Verschiebung der natürlichen Arbeitslosenquote (normale Arbeitslosenquote) nach oben.[6]


Hysterese bedeutet also im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt, dass die hohe Arbeitslosigkeit, die durch exogene Schocks ausgelöst wurde, auch nach dem Wegfall dieser weiterhin besteht.


Beispiel: Hysterese auf dem Arbeitsmarkt

Der in den 70er Jahren des 20.Jahrhunderts erfolgte Ölpreisschock führte zu einem starken Anstieg der Arbeitslosenquote in Europa. In den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts ist der Ölpreis dagegen stark gesunken, dennoch ist in diesen Jahren die Arbeitslosenquote weiterhin gestiegen.[7]

Die Ursache (Ölpreisschock) existiert nicht mehr, trotzdem dauert die Auswirkung (erhöhte Arbeitslosigkeit) weiter an.


Hysterese bei flexiblem Wechselkurs

Eine Wechselkurshysterese tritt bei flexiblem Wechselkurs auf, wenn auf Exportmärkten hohe Markteintritts- und Marktaustrittskosten für die Unternehmen vorliegen und sie somit bei Wechselkursveränderungen relativ lange warten, bis sie in den Markt eintreten bzw. ihn verlassen. Unternehmen sehen dabei immer die Gefahr einer Fehlentscheidung, da sich die Wechselkurse im nächsten Augenblick wieder verändern könnten. Eine Korrektur der Entscheidung ist mit hohen Kosten verbunden.[8]


Beispiel: Hysterese bei flexiblem Wechselkurs

Aufgrund einer Aufwertung der heimischen Währung treten ausländischen Firmen in den Markt ein. In der Folgezeit erfolgt unterdessen eine Abwertung auf das Ausgangsniveau. Die Unternehmen verlassen jedoch den Markt noch nicht, wegen den Marktaustrittskosten. In diesem Fall entsteht eine Wechselkurshysterese. Denn die ursprüngliche Aufwertung ist nicht mehr vorhanden, der Effekt der höheren Importe ist dagegen geblieben.[9]


Einzelnachweise

  1. Gabler Wirtschaftslexikon F-H. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, S. 1423.
  2. Franz,W.: Arbeitsmarktökonomik. 5.Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2003, S. 376.
  3. Baßeler U./Heinrich J./Utecht B.: Grudlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 17.Auflage. Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 2002, S. 780.
  4. Vgl. Baßeler U./Heinrich J./Utecht B.: Grudlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 17.Auflage. Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 2002, S. 781.
  5. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon F-H. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, S. 1423.
  6. Vgl. Blanchard O./Illing G.: Makroökonomie. 3.Auflage. Pearson Education Deutschland GmbH, München u.a. 2003, S. 672.
  7. Vgl. Blanchard O./Illing G.: Makroökonomie. 3.Auflage. Pearson Education Deutschland GmbH, München u.a. 2003, S. 667.
  8. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon V-Z. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, S. 3290.
  9. Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon V-Z. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, S. 3290.

Literatur

  • Baßeler U./Heinrich J./Utecht B.: Grudlagen und Probleme der Volkswirtschaft. 17.Auflage. Schäffer Poeschel Verlag, Stuttgart 2002.
  • Blanchard O./Illing G.: Makroökonomie. 3.Auflage. Pearson Education Deutschland GmbH, München u.a. 2003.
  • Franz,W.: Arbeitsmarktökonomik. 5.Auflage. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg/New York 2003.
  • Gabler Wirtschaftslexikon F-H. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004.
  • Gabler Wirtschaftslexikon V-Z. 16.Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 2004.

Weblinks

  • Hysterese in Physik und Technik[1]