Gravitationsmodell

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Fertig.gif Dieser Artikel wurde durch den Review-Prozess vervollständigt und korrigiert. Der Bearbeiter hat den Artikel zur Bewertung eingereicht. --Stefanie Eisbrich 13:44, 27. Apr. 2008 (CEST)

Gravitation [lateinisch], die , Massenanziehung

Das Gravitationsmodell erklärt die bilateralen Handelsströme zwischen zwei Ländern in Anlehnung an Modelle der Physik. [1]


Definition

Das traditionelle Gravitationsmodell basiert auf der Annahme, dass der Handel zwischen zwei Ländern abhängig ist von der Marktgröße und der Entfernung der Partnerländer.[2]
In unten gezeigter Gleichung kennzeichnet X_{i,j} die Exporte von Land i nach Land j, Y_i, Y_j die Bruttoinlandsprodukte der betrachteten Volkswirtschaften und D_{i,j} ist ein Distanzfaktor. Die Buchstaben c, c_i, c_j, a, b, e und f sind Konstanten, welche empirischen Schätzungen unterliegen.


Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): X_{i,j}= {c c_i c_j \frac{\left((Y_i)^a (Y_j)^b\right)}{(1+eD_{i,j})^f}
[3]


Naturwissenschaftliche Historie des Gravitationsmodells

Der Ursprung des Gravitationsmodells liegt in der Naturwissenschaft. Isaac Newton (1642-1727), seiner Zeit berühmter englischer Physiker, Mathematiker, Astronom, Alchemist, Philosoph und Verfasser der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica legte den Grundstein für die klassische Mechanik. [4]
Einer seiner bedeutenden Ansätze ist das Gravitationsgesetz, erstmals formuliert 1687 in oben genanntem Werk. Dieses besagt, dass die gravitationsbedingte Anziehung zwischen zwei Körpern direkt proportional ist zum Produkt der Massen der beiden Körper und indirekt proportional zum Quadrat ihrer Entfernung. Als algebraische Formel lautet das:


Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): F= {G \frac{\left(m_1 m_2\right)}{r^2}


F = Gravitationskraft
m_1 = Masse des 1. Massepunktes
m_2 = Masse des 2. Massepunktes
r = Abstand zwischen Massepunkten
G = Gravitationskonstante (Naturkonstante)


Mit Hilfe des Gravitationsgesetzes wurden u. a. die Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung und der Freie Fall erklärt. [5]
Eine weitere Formulierung der Gravitation entwickelte Albert Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie (1916). [6]
Das Gravitationsmodell wurde bereits in den vierziger Jahren auf unterschiedliche Bereiche übertragen. Beispielsweise kam man im Rahmen der Migrationsforschung zu der Erkenntnis, dass, je weiter zwei Orte von einander entfernt liegen, desto weniger Angehörige einer Population sich auf den Weg begeben. [7]


Gravitationsmodell in der klassischen Wirtschaftslehre

In den sechziger Jahren erfolgte die Übertragung des physikalischen Begriffs der Gravitation auf die klassische Wirtschaftslehre. Die spezielle Verwendung zur Erklärung internationaler Handelsströme wurde erstmals von Tinbergen (1962) und Pöyhönen (1963) formuliert, auf Problemstellungen der Außenhandelstheorie übertragen und mündete nach weiteren Beiträgen von Anderson (1979), Bergstrand (1985, 1989), Deardorff (1998) und Krugman (1990-2006) in das nachfolgend dargestellte „Gravitationsmodell des Welthandels“.


Das Gravitationsmodell des Welthandels basiert im Wesentlichen auf den Annahmen, dass sich, bei ceteris paribus hinsichtlich weiterer Einflussfaktoren, die Außenhandelsaktivitäten eines Landes

  • (A) positiv proportional zu seinem Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhalten sowie
  • (B) eine zunehmende geografische Entfernung negativ wirkt.

Die Annahme (A) beruht dabei auf der Überlegung, dass bei steigendem Bruttoinlandsprodukt absolut mehr exportiert sowie importiert wird. Daraus folgt dass, je höher das in Inland erwirtschaftete Einkommen ist, umso mehr kann absolut importiert werden, und je mehr im Inland produziert wird, umso mehr kann absolut exportiert werden. Das BIP der beiden Länder steht also für die Angebots- und Nachfragestärke der Länder. Die Begründung für (B) liegt in den sich mit zunehmender geografischer Entfernung erhöhenden Transaktionskosten für Handelsaktivitäten, welche sich auf diese hemmend auswirken. Die Distanzvariable kann somit als Maß für die Raumüberwindungskosten beim Außenhandel interpretiert werden. Die Grundaussagen des Modells lassen sich in nachfolgender Formel zusammenfassen:


Fehler beim Parsen (Syntaxfehler): T_{i,j}= {A \frac {\left(Y_i Y_j)\right}{D_{i,j}}


Dabei bezeichnet T_{i,j} den Außenhandelsumsatz zwischen zwei Ländern als Summe der von i an j exportierten und durch i von j importierten Güter und Dienstleistungen. Y_i und Y_j beschreiben das jeweilige Bruttoinlandsprodukt von i und j und D_{i,j} bildet die geografische Entfernung zwischen den beiden Ländern ab. Die Größe A repräsentiert eine Konstante. [8]


Praktische Anwendung des Gravitationsmodells

In der Wirtschaftswissenschaft wird das Gravitationsmodell heute insbesondere als Instrument zur Analyse von internationalen Handelsströmen eingesetzt, ebenso als Analyseinstrument zur Messung interregionaler und internationaler Ströme beispielsweise in den Bereichen Tourismus und Einwanderungsstatistik.[9]
Weiterhin lassen sich Handelspotentiale schätzen und Auswirkungen von Integration messen. Aktuelle politische Beispiele für die Verwendung des Ansatzes sind Schätzungen über Potentiale von ausländischen Direktinvestitionen sowie auftretende Probleme, die die EU-Erweiterung mit deren fortschreitender Integration hervorrufen könnte. Die Daten, die für eine Gravitationsanalyse benötigt werden sind leicht zugänglich, beispielsweise über die Bundesbank oder Eurostat. Daten zu den gemeinhin verwandten Variablen werden u.a. von der Datenbank der Welt (Wold Development Indicators) zur Verfügung gestellt. [10]
In verschiedenen Wirtschaftslexika findet man unter dem Begriff Regionalanalyse eine Assoziation zum Gravitationsmodell. [11]


Handelspolitische Einflussfaktoren

Hemmende Einflussfaktoren:

  • handelspolitische Determinanten z.B. Zölle, Quoten, Subventionen
  • Fremdartigkeit zwischen Ländern oder Regionen
  • kulturelle Unterschiede zwischen den Ländern
  • historische Determinanten z.B. Krieg
  • politische Lage


Unterstützende Einflussfaktoren:

  • bilaterale und multilaterale Handelsabkommen
  • Existenz von Handelsorganisationen z.B. EFTA, NAFTA, WTO
  • Ähnlichkeit zwischen Ländern oder Regionen z.B. gleiche Muttersprache der Handelspartner
  • politische Ordnung (je liberaler die Länder, desto intensiver wird Handel betrieben)[12]


Fazit:

Die verschiedenen externen Einflussfaktoren zur praktischen Anwendung des Gravitationsmodells zeigen, dass das Modell nicht als gegeben sondern erst nach kritischer Auseinandersetzung einzelner Faktoren betrachtet werden sollte, um nützliche empirische Ergebnisse zu erzielen.




Einzelnachweise

  1. http://www.diw.de/deutsch/internationale_industrieorganisation/29191.html
  2. http://www.diw.de/deutsch/internationale_industrieorganisation/29191.html
  3. Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000, S. 88
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton
  5. http://www.lgl.lu/Departements/Physique/histoire-des-sciences-lgl/exposes-2000-2001/isaac-newton.html
  6. http://lexikon.meyers.de/meyers/Gravitation
  7. http://de.wikipedia.org/wiki/Migrationsforschung
  8. http://www.wop.euv-frankfurt-o.de ; Länderdossier Norwegen WS 07/08
  9. http://www.statoek.vwl.uni-mainz.de/Dateien
  10. http://www.diw.de/deutsch/internationale_industrieorganisation/29191.html
  11. Geigant, Haslinger, Sobotka, Westphal, Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage, Landsberg am Lech, 1983, S.775-777
  12. http://www.statoek.vwl.uni-mainz.de/Dateien


Literatur

  • Horst Siebert, Außenwirtschaft 7. Auflage, Stuttgart: Lucius & Lucius, 2000, S. 88
  • Geigant, Haslinger, Sobotka, Westphal, Lexikon der Volkswirtschaftslehre, 6. Auflage, Landsberg am Lech, 1983, S. 775-777


Weblinks